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Ewige Leidenschaft

von Miisme
GeschichteLiebesgeschichte / P18
25.09.2020
20.01.2021
19
54.039
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„Cecile hat mir erzählt das…“ „Es ist nicht mein Kind.“, er unterbrach mich einfach und hüllte sich nach dieser Enthüllung in Schweigen. Sichtlich schockiert, versuchte mein gesamter Körper diese Information zu verarbeiten. Es war nicht sein Kind.
Und da wurde mir schlagartig etwas klar. „Alec, dass war nie das Problem. Und selbst wenn es deines gewesen wäre, wäre ich damit klar gekommen. Alles was ein Teil von dir ist oder einen Teil von dir in sich trägt, kann ich lieben… liebe ich.“, seufzend ließ ich mich in den Sessel sinken.

„Du liebst mich immer noch?“, Himmel, glaubte er wirklich diese beschissene Situation und zwei Wochen konnten zweieinhalb Jahrzehnte verschwinden lassen, kaputt und ungeschehen machen?!
„Verdammt, natürlich liebe ich dich noch. Genauso bist du immer noch ein Idiot.“ Er lachte und ließ sich ebenfalls gegen die Lehne sinken. Seine Muskeln schienen sich ein wenig zu entspannen, da er schlagartig nicht mehr so verspannt wirkte.
„Erzähl es mir. Alles von Anfang an und lass dieses Mal nichts aus.“, erst als ich sein Gesicht sah, hatte ich bemerkt wie hart und verletzt meine Worte geklungen hatten.

Er legte seine Lederjacke ab und rieb sich dann über das unrasierte Gesicht. Denn auch wenn er alles wusste und ich vermutlich so gut wie nichts, schien er nicht zu wissen, wo er anfangen sollte.
„Vor einiger Zeit habe ich Gina im Escape kennengelernt. Sie war dort Kellnerin und mir war nicht entgangen, dass sie ein Auge auf mich geworfen hatte. Zunächst habe ich mir nichts daraus gemacht, ich hatte gerade erst so eine typische Kurzzeitbeziehung hinter mich gebracht.“, diese typischen Beziehungen die er immer gehabt hatte, ein wenig Daten, ein wenig die Presse mit Futter füttern und sie dann in den Wind schießen bevor es für etwas Ernstes gehalten werden konnte, „Doch dann hatte dich deine Assistentin ihrem Bruder vorgestellt, ich glaube Marten war sein Name…“ „Marc.“, unterbrach ich ihn.
Ich mochte Marc, er war ein netter junger Mann in meinem Alter, aber leider schwul. Auch wenn Hannah es noch nicht wusste, war es mir relativ schnell aufgefallen und wurde ich zum Schweigen verdammt. Ich hatte damit kein Problem, denn zu diesem Zeitpunkt war ich selbst noch eine Frau gewesen, die ihre wahre Liebe vor allen Augen versteckt hielt.
„Marc, richtig.“, wieder seufzte er tief, als ob ihn allein die Erinnerung schmerzen würde, „Es hat mich fast zerrissen, dich mit ihm lachen und ausgelassen tanzen zu sehen, also bin ich an diesem Abend wieder in den Club, dieses Mal allein. Gina war dort, und sie hat mich so sehr an dich erinnert, da bin ich mit zu ihr gegangen.“

Auch wenn ich es immer noch sehr genoss, dass ich nicht nur die einzige Frau war die jemals bei Alec übernachtet hatte, sondern auch die einzige war die er überhaupt in sein heiliges Reich gelassen hatte, war dieses Gefühl fehl am Platz.
„Und jedes Mal, wenn ich mich in diesem Zustand befand, habe ich Trost bei ihr gesucht. Die Jungs dachten, dass es eine einfache Affäre war, so ähnlich wie die vorherigen nur weniger öffentlich. Aber für mich war es eine Flucht vor der Realität, solange du mit diesem Kerl ausgegangen bist.“
Angespannt schloss ich die Augen. Ich war nicht wirklich mit Marc ausgegangen, wir hatten einfach nur Zeit miteinander verbracht, solange er noch in der Stadt und bevor er nach LA gezogen war. Noch etwas, dass auch ich ihm verheimlicht hatte.
Das brennende Gefühl einer Mitschuld machte sich immer mehr breit, doch ich versuchte mich einfach weiter auf Alecs Stimme zu konzentrieren.
„Scheiße, wenn ich mit ihr geschlafen habe, habe ich mir immer vorgestellt das wärst du. Heute fühle ich mich deswegen schlecht, denn dass war weder dir noch ihr gegenüber fair. Aber irgendwann hat es mich einfach nur noch zerfressen, dass du meine Liebe nicht erwiderst.“, er riss die Augen auf und schaute mich einfach unverwandt an, „Dass ich nicht wusste, dass du sie erwiderst.“

Wie zwei Blinde hatten wir uns stets gegenüber gesessen. Uns berührt und beide gehofft, obwohl wir einfach nur einen Schritt hätten weiter gehen müssen.
„Nachdem er weg war, habe ich Gina fallen gelassen und dass hat sie nicht wirklich gut verkraftet. Sie hat alle meine Adressen und Telefonnummern in Erfahrung gebracht. Sogar bei meinen Eltern hat sie angerufen und gefragt ob ich dort sei, als ich mich nicht wieder bei ihr gemeldet hatte. Sie war so aufdringlich und penetrant, dass sie nicht nur meine Geschäftskunden sondern auch meine Familie belästigt hat. Sie bekam Hausverbot. Ich erwirkte eine Einstweilige Verfügung und Cole gab ihr eine Menge Geld, damit…“
„Warum hat er das getan?“, fragte ich, als er einige Zeit lang schwieg.
„Damit sie dich in Ruhe lässt.“, er zog sich an den Haaren, ich wusste nicht einmal ob ihm das überhaupt bewusst war, „Diese Verrückte wollte dir etwas antun. Sie hatte uns zusammen gesehen, lachend und glücklich. Sie hat dich verfolgt und Fotos von dir gemacht und gedroht dass sie dir etwas antut und ich dich in Stücken zurückkriege.“
Geschockt schnappte ich nach Luft. „Warte mal? Wir reden hier von der hochschwangeren, jungen Frau die total verängstigt und eingeschüchtert in unserer Küche saß!?“, so sehr mich der Umstand auch schockierte, dass mein Leben in Gefahr gewesen war und ich es nicht einmal gewusst hatte, war ich dennoch überrascht dass all dieses Drama von dieser Frau ausgegangen sein sollte.

„Wie sich herausstellte, war sie psychisch labil. In den Monaten in denen ich sie nicht gesehen habe, war sie in einer Klinik außerhalb der Stadt. Serena hatte sie dort untergebracht und sich um sie gekümmert.“ „Ihr Cousine?“, offensichtlich, doch inzwischen konnte ich nicht mehr einfach nur schweigend zuhören.
Alec nickte. „Gina bekam Medikamente und fing dort eine Affäre mit einem Pfleger an, der scheinbar nicht so viel von Verhütung hielt. Sie wurde schwanger und da Serena mir die Schuld an alle dem gab, war der Plan damit perfekt. Sie mussten mich nur in eine Falle locken. Also versuchte Serena lange in mein Leben zu treten, was sie letztlich auch schaffte.“
Meinetwegen. Genauso sehr wie ich mich in die Arbeit vergraben hatte, hatte Alec sich in all das andere Bedeutungslose gestürzt, um irgendwie das Loch zu füllen, das die fehlende Liebe des anderen in uns hinterlassen hatte.
„Und den Rest der Geschichte kenne ich wohl schon. Serena und du ihr wart zusammen, zumindest für die Öffentlichkeit, sie bestand auf ihr Mitkommen in die Hamptons und ich liege vermutlich damit richtig, dass wenn du sie nicht ausgeladen hättest, sie dann an ihrem Anreisetag so oder so mit Gina gekommen wäre und diesen Auftritt hingelegt hätte?“, Alec nickte auf meine Annahme hin nur.

Und ich dachte daran, wie arm eine Seele sein musste, um so etwas zu tun.
„Und wie ist es letztlich ausgegangen?“
„Laura hat sich um alles gekümmert und hat alle Fakten innerhalb einer Rekordzeit zusammen getragen.“, er schmunzelte und ich erwiderte es unverwandt. Ich mochte die Anwältin seiner Firma, nicht nur weil sie unerschütterlich war sondern auch eine Vorreiterin in so gut wie allem. Sie war seit vielen Jahren in einer polyamorösen Beziehung und sehr glücklich. Und sie war ein großer Gewinn für seine Arbeit.
Genauso wie jetzt.

„Ich hoffe doch, du hast ihr eine Gehaltserhöhung versprochen.“, ich zog prüfend eine Augenbraue hoch.
„Und so viele Wochenenden in den Hamptons wie sie will.“, er lachte, „Keine Sorge, alle waren damit einverstanden. Sie waren alle erleichtert zu hören, dass es doch so einfach geklärt werden konnte und niemand dachte, dass du etwas dagegen haben würdest.“
Meine Freunde kannten mich einfach zu gut. Hatte Cecile mir deswegen gesagt, dass Alec hier ist? Damit ich ihn überhaupt herein ließ?
„Gina bekommt ein wenig Geld für einen Neuanfang für sich und ihr Baby. Sie verlässt die Stadt und sie war sehr dankbar, nicht nur aus den Fängen ihrer Probleme sondern auch aus denen ihrer Cousine befreit zu sein. Und gegen Serena läuft nun ein Verfahren wegen Erpressung. Ich denke wir werden sie eine ganze Weile nicht wiedersehen.“
Irgendwie war das der beste Ausgang den wir uns hätten wünschen können. Und doch war mein Herz noch nicht wieder vollkommen befreit.

„Wieso hast du überhaupt gelogen und mir nicht gleich alles erzählt? Wofür die Vorzeigefrauen? Wozu all das?“, ich machte eine ausladende Geste und wusste dass er mich auch ohne weitere Ausführungen verstand, „Den Alec den ich kenne, hätte mir alles erzählt, allein um mich richtig beschützen zu können. Vermutlich hättest du mich in deinen goldenen Turm gesperrt, doch selbst damit wäre ich nach ein bisschen Murren und Knurren einverstanden gewesen. Alles riecht dort nach dir, alles gehört zu dir und wie ich meinen Alec kenne, wäre er mir nicht von der Seite gewichen und hätte sich neben mich gesetzt, wenn ich gearbeitet hätte um mich abzulenken oder mir viel zu viel Essen und Süßigkeiten vorzusetzen.“
Auch wenn ich lachte, lief mir eine Träne die Wange herunter. In diesem Moment beweinte ich so viel. So viel was wir verloren hatten all die Jahre, die wir uns allein gequält hatten und gleichzeitig auch all das was wir nun erlitten.
„M, ich liebe dich so sehr.“, ehe ich mich versah war er zu mir herüber gekommen und hielt mein Gesicht wieder in seinen großen, starken Händen, „Du bist alles. Es tut mir so Leid. Ich verspreche dir, ich werde dir nichts mehr verschweigen, dir sogar sagen wenn du Essen solltest, weil du inzwischen wirklich verschwindest. Bitte, ich liebe dich mehr als mein Leben. Mehr als alles was es gibt, gab oder jemals in meinen Leben geben wird.“
Erneut wischte er eine Träne fort, die nun unkontrolliert flossen.
Wie sehr ich mir all das gewünscht hatte. Nur nicht so.

„Außer unsere Kinder natürlich. Sie sind ein Teil von dir, weswegen ich sie genauso sehr lieben werde wie dich. Tut mir Leid, aber um der Ehrlichkeit-Willen muss ich dir das gestehen.“, ich rollte mit den Augen, auch wenn ich dabei lächelte.
„Ich werde niemals aufhören dich zu lieben, Alec. Niemals. Doch ich weiß nicht mehr wer ich bin. Ich weiß jetzt wer wir sind und wer wir sein können. Und nun weiß ich auch endlich wieder wer du bist, und ich muss zugeben dass dieser Riss in deiner perfekten Schale mich dich nur noch mehr lieben lässt, doch ich habe mich verloren. In all diesen Jahren, bin ich immer mehr verschwunden… habe mich aufgelöst.“
Bedächtig beugte er sich zu mir herunter und legte sanft seine Stirn gegen meine. Er verstand meinen unausgesprochenen Wunsch, mein Bedürfnis, gegen das nicht einmal unsere gemeinsame Liebe nun ankam.
„Du brauchst Zeit.“, ich konnte die Tränen in seiner Stimme bereits hören, bevor ich sie sah, „Ich werde nicht fragen wie lang, denn die Antwort darauf kenne ich schon, aber wirst du zu mir zurückkehren?“
Erneut durchzogen mich seine Worte ‚Es gibt kein Mich ohne Dich‘ und ich erschauderte. „Ich wünschte ich könnte diese Frage mit Ja beantworten, doch ich weiß es nicht.“
Mein Herz brach, als ich seinen Blick sah.

Aber keine Lügen mehr. Nichts sollte mehr zwischen uns stehen, weswegen ich ihm auch das nicht einfach vorenthalten konnte. Es könnte eine Zukunft geben, in der wir nicht zusammen waren, in der ich vielleicht auch nie wieder in mein altes Leben zurückkehrte, doch wie wahrscheinlich sie war konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.
„Darf ich dich küssen?“, seine Stimme war nur noch ein Hauch des starken und großartigen Mannes der er war.
„Ja.“, flüsterte ich.
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