What are we living for?

GeschichteAngst, Freundschaft / P18 Slash
Charles Leclerc Lewis Hamilton Max Verstappen OC (Own Character) Sebastian Vettel
25.09.2020
17.10.2020
3
19.849
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
17.10.2020 4.664
 
Jupp, ich lebe auch noch^^ hatte bloß ein paar Probleme mit dem Kapitel (und, ok, ich hab mich von Among us und Cuphead ablenken lassen)
Sorry wenn's teilweise ein bisschen gerusht wirkt oder Fehler drin sind. Ich hab die letzten 1,3k Wörter oder so in den letzten 2,5 Stunden auf einmal geschrieben und sie nur kurz editiert, ich wollte das Kapitel einfach endlich draußen haben xd

Titel des Kapitels ist von Taylor Swift's Song "...Ready For It?"

Ach ja, das Kapitel setzt an nachdem Max in Kapitel 2 zum Park abhaut, nur damit ihr Bescheid wisst.
----------------------------------------------------------------

Etwas fassungslos starrte Charles dem Niederländer nach und spürte, wie Enttäuschung in ihm aufstieg. Was hab ich erwartet, war doch klar dass er so schnell wie es geht abhaut. dachte er und schluckte, um den bitteren Beigeschmack loszuwerden, den dieser Gedanke hatte. Irgendetwas in ihm hatte - entgegen aller Wahrscheinlichkeit - gehofft, dass Max bleiben würde. Auch wenn sie es anders ausgemacht hatten. Auch wenn es keinen Grund für ihn gab, nicht zu gehen. Auch wenn es vermutlich das Klügste war.

Du bist dumm, Charles, du warst es schon immer. Dumm genug zu glauben, dass du jemals besser als er sein könntest, dumm genug um zu glauben, dass du ihm etwas bedeutest. flüsterte eine kleine, fiese Stimme in seinem Kopf und eilig verdrängte der Monegasse sie. Er kannte sie, er wusste was sie anrichten konnte, war sie schließlich seine ewige Begleiterin. Und danke, aber er konnte auf Fotos von sich, auf offener Straße zusammenbrechend oder sonst sowas, verzichten. Oder generell auf alle möglichen Fotos von mir, die ohne meine Erlaubnis geschossen werden.

„So Charles, was machst du jetzt?“ murmelte der Monegasse nachdenklich zu sich selbst und drehte sich unschlüssig einmal um die eigene Achse. Er brauche eine Ausrede für diese Nacht, und zwar schnell. Aber was würde man ihm abkaufen? Irgendetwas, dass nicht zu ungewöhnlich für ihn war. Und irgendetwas, bei dem niemand so genau nachfragen würde. Ja, genau so etwas brauchte er.

Aber was könnte ich nehmen? Ich kann nicht einfach erzählen dass ich sturzbesoffen in ein fremdes Hotel eingecheckt bin, die Anderen wissen genau dass ich betrunken nicht genug Verstand hab, so etwas zu machen. grübelte er und legte den Kopf schief. Ein paar Strähnen seiner braunen Haare fielen ihm dabei in die Augen. Abwesend band er sich sein Bandana wieder um, um sie aus dem Weg zu halten. Das war einer der Nachteile seiner Frisur - aber sie sah gut aus, also würde er sie verdammt nochmal behalten, egal wie nervig sie werden konnte!

Egal, zurück zum eigentlichen Thema. So etwas wie mit dem Hotel würde ich nur mit Hilfe von wem anders schaffen. Und wenn ich sage dass ich nicht allein gewesen bin könnte das Verdacht auf Max lenken, schließlich sind wir mehr oder weniger zusammen verschwunden. Außer...

Ein zufriedenes Lächeln schlich sich auf Charles’ Lippen, als ihm etwas einfiel und ein kleiner Funken Unfug blitzte in seinen Augen auf. Das war es.

„Manchmal liegt die Lösung direkt vor einem.“ lachte er laut und ingnorierte die Blicke, die ihm vorbeilaufende Passanten zuwarfen. Er würde gar nicht verheimlichen, dass er nicht alleine gewesen war! Nein, er würde einfach nicht sagen, mit wem genau er abgehauen war. Sollten sie doch denken, dass er mit irgendeinem x-beliebigen Mädchen aus dem Club die Nacht verbracht hatte, es kümmerte ihn nicht wirklich. Niemand würde genauer nachfragen (es wäre nicht das erste Mal, dass er einen One-Night-Stand gehabt hätte seitdem er sich von Charlotte getrennt hat) und es war ja nicht wirklich eine Lüge, wenn man genauer darüber nachdachte.

Er und Max hätten schließlich fast Sex heute Morgen gehabt, wenn Sophia nicht hereingeplatzt wäre - Charles überlegte noch, ob das gut oder schlecht war - und letzte Nacht war auch irgendetwas zwischen ihnen gewesen. Zugegebenermaßen, daran konnte er sich nicht mehr wirklich erinnern - allem Anschein nach hatte er dem Niederländer einen Blowjob gegeben? - aber hey, künstlerische Freiheit! Außerdem war er optimistisch, dass das den meisten Personen an Informationen reichen würde.

Jetzt scheiterte es nur noch an der Ausführung. Rasch googelte der Monegasse nach dem nächsten Starbucks und stellte erfreut fest, dass der nächste Laden so gut wie um die Ecke lag. Wenn er wirklich einen One-Night-Stand gehabt hätte, würde er auf jeden Fall einen Abstecher dorthin machen, schon alleine nur um dann, lässig an einem Kaffeebecher nippend, zurückzukommen. Image war schließlich wichtig!

Und außerdem brauchte er Koffein, um diesen Tag zu überstehen. Allem Anschein nach war ein durch KO-Tropfen erzwungener Schlaf nicht wirklich erholsam. Oder aber es liegt an der ganzen Sache mit Sophia. Auch eine Möglichkeit. Bevor seine Gedanken einen düstereren Weg einschlagen konnten, zwang der Ferrari-Fahrer sich, an etwas anderes zu denken. Wie an... den ersehnten Kaffee.

Charles stellte sein Handy kurzerhand auf Lautsprecher und ließ sich von Google Maps - eine sehr nützliche App, wie er fand - zu dem Coffeeshop navigieren, während er nebenbei noch jeweils eine kurze Beruhigungsnachricht an die Leute schickte, bei denen es ihn kümmerte. Bis er damit fertig war (irgendwie war er gerade zu blöd zum Tippen, musste an den untergejubelten Drogen liegen) hatte er den Starbucks erreicht und reihte sich in die Warteschlange ein. Den meisten Leuten hatte er nur eine kurze Info gesendet dass es ihm gut ginge und alles soweit okay war. Allen bis auf der letzten Person. Dieser wurde eine besondere Rolle in seinem Plan zuteil.

SV [2:56]: Sind da um euch abzuholen, kommt raus
SV [3:01]: Charles, kommst du bitte? Und bring bitte die Anderen mit, bis jetzt ist nur Alex hier.
SV [3:04]: Wo bleibst du? Und sind Pierre, Lando und Max zufällig bei dir?
SV [3:06]: Charles, wo bist du?
SV [3:08]: Wir haben Pierre und Lando, aber wo bist du?
SV [3:08]: Und Max?
SV [3:09]: Letzte Chance oder wir fahren ohne euch
SV [3:13]: Okay, wir haben genug gewartet, finde deinen eigenen Weg zurück. Max auch.

Ein Schmunzeln schlich sich bei Seb’s Nachrichten auf seine Lippen. Der Deutsche war die einzige Person in Charles’ gesamten Bekanntenkreis, die selbst beim Texten noch auf korrekte Zeichensetzung, Grammatik und so weiter achtete. Tatsächlich musste der Monegasse zugeben, dass er so gut wie gar nicht auf so etwas achtete - warum auch, schließlich gab’s keine Note oder so darauf, er konnte seine Energie also beruhigt für etwas anderes verwenden.

SV [3:36]: Charles, alles ok?
SV [3:37]: Hast du dein Handy verloren?
SV [3:40]: Ich sehe, dass du die Nachrichten gelesen hast, vergiss das nicht.

Warte, er hatte seine Nachrichten gar nicht gech- Sophia. Natürlich hat sie in unseren Handys rumgeschnüffelt! Was hab ich eigentlich anderes erwartet von jemanden, der beschissene Sexfotos von Leuten macht? Frustriert atmete der Ferrari-Fahrer einmal tief aus. Merde, dass macht alles komplizierter! Jetzt musste er auch noch erklären, warum er nicht geantwortet hatte - und das, obwohl er sonst auf so gut wie jede Nachricht reagierte, egal wie betrunken er war.

SV [3:58]: Ernsthaft, ist alles ok?
SV [4:06]: Charles ist was passiert? Es sieht dir gar nicht ähnlich einfach so zu verschwinden.
SV [4:07]: Oder nicht auf deine Nachrichten zu antworten.

Warte, hatte sein Teamkollege da wirklich ein Komma vergessen? Überrascht kniff Charles die Augen zusammen. Das war wirklich untypisch. Sein schlechtes Gewissen machte sich bemerkbar. Fuck, ich wollte nicht dass er oder sonst irgendwer sich Sorgen macht.  

SV [4:23]: Du hast hoffentlich die Nacht deines Lebens, oder aber du schuldest mir eine Erklärung.
SV [4: 58]: Streich das oder.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Fragend starrte der Monegasse auf die letzte Nachricht und rätselte, ob er in der Scheiße steckte oder nicht, als eine Stimme mit etwas zu viel Fröhlichkeit ihn aus seinen Gedanken riss. Überrascht bemerkte er, dass er schon dran war und bestellte nach kurzem Überlegen einen Cold Brew für sich - jegliches bisschen Koffein war gut und er meinte sich daran erinnern zu können, dass in diesen Brew-Sachen angeblich mehr drin war - und gleich noch einen Cappucino für seinen Teamkollegen (und hoffentlich auch sein Fahrer später) mit.

Mit einem Lächeln wies die Barista ihn an, ein Stückchen weiter auf seine Bestellung zu warten und höflich nickte Charles ihr zu, bevor er sich wieder seinem Handy zuwandte. Nicht, dass sie das gesehen hätte, sie war schon wieder mit dem Nächsten in der Reihe beschäftigt.

CL [12:51]: Sorryy, letzte Nacht war wild und hab vergessen zu antworten
CL [12:51]: Kannst du mich abhollfen?
CL [12:51]: *abholen

CL hat einen (1) Standort geteilt

SV [12:53]: Sieh an, jemand ist von den Toten auferstanden.
SV [12:53]: Und nein, du kannst dir ein Taxi rufen.
SV [12:53]: Wer fähig genug ist, sich einen Kaffee zu kaufen, kann sich auch ein Taxi nehmen.

CL [12:53]: Bitte?
CL [12:54]: Ich hab dir auch Kaffe mitbestellt?
CL [12:54]: *Kaffee

Angespannt nagte Charles an seiner Unterlippe herum und wartete auf eine Antwort. Tatsächlich unterbrach der Monegasse das Starren auf den kleinen Bildschirm nur kurz, um seine Bestellung entgegenzunehmen und sich mit einem Lächeln bei der Barista zu bedanken.

SV [12:56]: Von mir aus, aber du schuldest mir was.
SV [12:56]: Ich bin in 20 - 30 Min. da, warte auf mich.

CL [12:56]: Hatte nichts anderes vor!
CL [12:57]: DAnke

Erleichtert entwich dem Ferrari-Fahrer ein kleines Seufzen und er warf einen kurzen Blick durch den Laden, um sich einen Sitzplatz für die nächsten paar Minuten zu sichern. Tatsächlich entdeckte er einen halbwegs gemütlich aussehenden, dunkelgrünen, sesselähnlichem Stuhl in einer Ecke des Ladens, nahe der Glasfront. Perfekt!

Die nächsten 25 Minuten oder so (Charles zählte nicht wirklich mit) verbrachte der Monegasse damit, in dem nicht ganz so gemütlich wie erhofften Sessel-Stuhl zu lümmeln und ziellos durch Instagram und Twitter zu scrollen. Ab und zu nahm er einen Schluck seines Kaffees und verzog danach angeekelt das Gesicht.Damn, warum hat es niemand für nötig gehalten mit zu sagen dass Cold Brew so bitter ist? Anklagend starrte er den Becher an.

Irgendwie schaffte er es, sich mit süßen Katzenvideos, F1-Memes und Fotos der neuesten Modekollektionen von irgendwelchen namenhaften Designern (manche der Sachen von Gucci sahen echt vielversprechend aus, soweit er beurteilen konnte) genug abzulenken, dass dieser surreal wirkende Morgen und Sophia und die Fotos nicht die ganze Zeit über in seinen Gedanken rumschwirrten. Dennoch hing das Wissen wie ein Damoklesschwert über ihm und Charles wusste einfach, dass es ihn früher oder später treffen würde. Er konnte es regelrecht spüren.

Es fühlte sich an, als würde irgendwo in seiner Nähe eine tickende Bombe mit unbekanntem Timer liegen, die jeden Moment hochgehen konnte und weit und breit war kein Entschärfungskommando in Sicht.

Es fühlte sich an wie diese wenigen Sekunden vor einem tragischen Unfall, in denen aus Momenten Jahre wurden und alles wie in Slowmo lief, nur um Herzschläge später ohne Vorwarnung weiter in Zeitraffer zu springen.

Es fühlte sich an wie der Moment während eines Crashs, in dem man Shit dachte und die Augen schloss, betend nicht allzu schlimm in die nächste Wand oder in das nächste Auto zu rasen. Wenn man auf die Wucht des Aufpralls wartete und überlegte, ob man es noch irgendwie verhindern könnte, wohlwissend dass es nur noch Millisekunden bis zum Aufeinandertreffen waren.

Das Piepsen seines Handys riss Charles schließlich aus seinen Gedanken und erschrocken zuckte er zusammen, hatte er die Welt doch gerade völlig ausgeblendet. Der Monegasse brauchte ein paar viel zu lange Momente, bis er sich wieder orientiert und sein Handy von dem kleinen Kaffeetisch geangelt hatte und einen Blick auf das Display werfen konnte. 1 neue Nachricht von Sebastian Vettel war zu lesen und mit einem Tippen auf die Benachrichtigung öffnete sich der Messenger.

SV [13:21]: Bin da, komm raus.

CL [13:22]: ok bis gleich

Mit einer lässigen Bewegung ließ der Monegasse das Gerät in seine Hosentasche gleiten und stand auf, während er gleichzeitig die beiden Becher in die Hände nahm und sich etwas streckte, um die Schläfrigkeit aus seinen Gliedern zu vertreiben. Es half nur mäßig.


Mit einem dumpfen Geräusch fiel die Tür des Geschäfts hinter ihm zu. Draußen wurde Charles von der Wärme des ungarischen Sommers begrüßt und automatisch kniff er die Augen zusammen, als die Sonne ihn blendete. Zum Glück war der knallrote Sportwagen ein äußerst markanter Anblick auf der Straße und dementsprechend leicht zu entdecken. Der Ferrari stach zwischen all den anderen, unauffälliger gefärbten Autos einfach hervor wie ein bunter Hund.

Er atmete ein letztes Mal tief ein. „Nun, Zeit meine Geschichte irgendwie an den Mann zu bringen.“ murmelte er sich selber Mut zu und schloss seine Augen für einen Moment, um sich völlig in die Rolle, die er jetzt spielen wollte (musste), hineinzuversetzen.

Ich bin Charles Leclerc, Ferrari’s zukünftige Hoffnung und gelte als talentierter F1-Fahrer. Ich habe eine Vorliebe für Designerklamotten, schnelle Autos und bin für meine charmante Art bekannt. Ich bin selbstbewusst und weiß was ich will und gerade komme ich von einem geilen One-Night-Stand mit irgendeinem fremden Mädchen zurück. Es ist rein gar nichts passiert außer das, dass völlig im Rahmen ist.

Nur eine weitere Maske in seiner stetig wachsenden Sammlung.

Charles ließ die angestaute Luft in seiner Lunge langsam wieder entweichen und öffnete seine Augen wieder, während er gleichzeitig ein verwegenes Grinsen aufsetzte und grüßend winkte, als er zu dem angepeilten Auto spazierte. Sein Fahrer öffnete lediglich die Beifahrertüre und schaute den Ankömmling mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Der Monegasse ließ sich mit einem Plumpsen in den Beifahrersitz fallen und drückte Seb den - inzwischen lauwarmen - Kaffee in die Hand, während er seinen eigenen Becher kurzerhand auf das Amaturenbrett stellte.

„Hier, für dich.“ begrüßte Charles den Deutschen und lächelte ihn betont fröhlich an. Schließlich kam er ja gerade von einer wunderbaren, sexuell befriedigenden Nacht zurück und war auf gar keinen Fall dazu erpresst worden, einen Deal mit der Mafia einzugehen und für diese irgendwelche Underground-Rennen zu fahren! Es gab also keinen Grund, irgendwie schlecht oder komisch drauf zu sein, wirklich gar keinen Grund! Ironie ist schon etwas großartiges.

Der ältere Fahrer nahm den Plastikbecher automatisch entgegen und nippte einmal probeweise daran, bevor er sichtbar angeekelt versuchte sein Gesicht nicht zu verziehen. „Lauwarm? Dein Ernst?“ erwiderte er trocken und fixierte seinen Teamkollegen fest. „Das ist der Dank dafür dass ich einmal durch die gesamt Stadt fahre, nur um dich einzusammeln?“

Frech legte Charles den Kopf schief und grinste verschmitzt. „Nicht meine Schuld dass du so langsam fährst!“ entgegnete er und lachte nur, als Sebastian ihm einen undefinierbarem Blick zuwarf. Ups, sieht so aus als hätte er schlechte Laune.

„Noch so ein Spruch und du kannst zurück laufen.“ drohte er und irgendwas an seinem Ton machte dem Monegassen klar, dass es keine leere Drohung war. Für einen Moment überlegte er ob es es Wert war, den Anderen ein bisschen zu ärgern, allerdings hielt seine Motivation zu Fuß zu gehen - oder Geld für ein überteuertes Taxi auszugeben - sich in Grenzen.

So also beschloss er lieber zurückzurudern. „Sorry, war nur ein Scherz“ murmelte er und legte seinen besten Hundeblick auf, um Sebastian entschuldigend anzublinzeln. Bei den meisten Leuten reichte das, zusammen mit seiner charmanten (oder manipulativen, wie Max es nennen würde) Art. Heute anscheinend nicht, wenn Sebs’ Blick ein Indiz war.

„Kein besonders lustiger.“ grollte er und nickte Charles zu. „Schnall dich an und nimm den Becher wieder in die Hand.“ wies er ihn nicht direkt unhöflich, aber dennoch bestimmt an und widerstandslos folgte der Jüngere.

Gehorsam schnallte er sich an und nahm das Cold Brew wieder in die Hand. Nachdenklich musterte er Seb’s Gestalt und plötzlich viel ihm auf, wie angespannt der Deutsche wirkte. Seine gesamte Haltung war ungewöhnlich starr und er schien das Lenkrad einen Ticken zu fest zu umklammern, zumindest soweit Charles das bestimmen konnte.

Nachdenklich runzelte er die Stirn und legte den Kopf schief, seine eigenen Sorgen in den Hintergrund schiebend. Ja, er und Sebastian hatten ihre Streitereien gehabt, insbesondere nach irgendwelchen Vorfällen auf der Strecke - sie waren beide zu ehrgeizig, um so etwas einfach ohne Worte so beiseite zu schieben - aber danach war es wieder gut gewesen.

In der Formel 1 lernte man relativ schnell, das, dass während des Rennens und das, was außerhalb des Rennens passierte, zu trennen. Niemand, noch nicht einmal Max, hatte die Energie und die Motivation, auch noch in seiner Freizeit permanent mit allen zu streiten - selbst Charles und der Niederländer ließen sich normalerweise in ihrer Freizeit in Ruhe.

Was ihn wieder zu der Tatsache brachte, dass er vermutlich einen Teil seiner freien Zeit in Zukunft mit Max verbringen durfte. Konnte man es eigentlich so nennen, wenn er mehr oder weniger dazu gezwungen wurde, mitzumachen? Oder galt das auch als eine Form der Arbeit?

Aber unabhängig davon: Warum war der Deutsche jetzt schlecht drauf? Okay, es war vielleicht nicht soooo super von ihm gewesen, einfach so zu verschwinden und nicht mehr auf irgendwelche Nachrichten zu antworten, aber war es seine Schuld? Und selbst wenn, er war erwachsen. Sue me.

Für einen Herzschlag wollte Charles nichts lieber als genau das laut zu sagen, aber dann erinnerte er sich wieder daran dass niemand, wirklich niemand, von seiner Entführung (war es eine Entführung?) erfahren durfte oder er wäre sowas von am Arsch.

Stattdessen verlegte er sich darauf, vorsichtig zu fragen: „Seb? Alles okay?“

„Natürlich. Warum sollte nicht alles okay sein?“ erwiderte Sebastian und für einen kurzen Moment konnte der Monegasse nicht sagen, ob es Wahrheit oder Lüge war. Dann aber fiel ihm auf, dass der deutsche Rennfahrer ein bisschen zu stark konzentriert auf die Straße schaute, insbesondere wenn man bedachte, dass auf diesem Abschnitt der Strecke so gut wie kein Verkehr herrschte, und das die Antwort einen Ticken zu schnell gekommen war.

Irgendwas ist da im Busch. „Sicher? Du bist irgendwie komisch drauf.“ hackte der Monegasse nach und fixierte ihn mit einem hartnäckigem Ausdruck in den Augen. „Komm schon, du bist doch echt nicht wütend wegen letzter Nacht? Ich bin erwachsen, falls du’s schon wieder vergessen hast, beruhig dich wieder. Es ist meine Entscheidung, was ich mit meinem Leben mache, also halt dich da raus, ok?“

(Nach den letzten Entwicklungen in seinem Leben war der letzte Satz zwar nicht mehr so richtig war, aber das musste - durfte - der Deutsche nicht wissen.)

Auf einen Schlag stieg die Spannung in dem Innenraum des Autos deutlich und automatisch hielt Charles die Luft an, fuck warum hab ich das gesagt? Hätte ich nicht einfach meine verdammte Klappe halten können? Merde, ich hab doch gemerkt dass er schlecht drauf ist

Für wenige Sekunden wirkte Seb so, als würde er tief einatmen und sich auf den Streit, den Charles unbeabsichtigt vom Zaun gebrochen hatte, einlassen und ein seltsames, luftraubendes Gefühl stieg deswegen in dem Monegassen auf. Er wollte keinen Streit. Dann aber flickerte etwas in den Augen des älteren Rennfahrers auf und ein neutrales Ausdruck legte sich auf seine Züge, die vorherige Wut war wie vom Boden verschluckt.  

„Es ist nur... Ich bin an etwas erinnert worden, dass ich gerne vergessen hätte.“ beantwortete der Deutsche danach Charles’ Frage und seine Worte wirkten seltsam beherrscht, so als würde er lieber viel mehr und gleichzeitig gar nichts sagen wollen. Es verwirrte den Monegassen unendlich, aber er versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

„Ah, ok.“ murmelte der jüngere Rennfahrer unsicher, etwas überfordert mit der ganzen Situation und zögerte kurz, bevor er es wagte zu fragen: „War es wegen irgendwas letzte Nacht?“

Die Stille, die daraufhin folgte, war eindeutig.

Oh. Beschämt biss Charles sich auf die Innenseite seiner Wange, natürlich musste er volle Wucht in ein Fettnäpfchen treten. „Uh... fuck, ich wollte keinen wunden Punkt oder so treffen! Tut mir aber leid wenn's so war.“ formulierte er hastig und stolperte etwas über die Worte, wie immer wenn er nervös war.

Seufzend schüttelte Sebastian den Kopf. „Das ist mein Problem, nicht deins. Kümmer' dich nicht darum.“

„Okay.“ akzeptierte Charles die Antwort und ließ das Thema vorerst auf sich beruhen. Er spürte, dass der Deutsche gerade nicht in der Laune zum Reden war und wollte den angespannten Frieden nicht zum Einsturz bringen. Außerdem musste er so nicht irgendwelche Lügen erzählen. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass Neugierde in ihm aufflammte. Wovon redet er nur?

Die leise, penetrante Stimme in seinem Kopf, die „Er hat aber nicht gesagt dass es nicht wegen deinem Verhalten letzter Nacht war“ flüsterte, ingnorierte er währenddessen wohlweißlich.

Der Rest der Fahrt war in Stille verlaufen. Charles wusste nicht, ob das gut oder schlecht war - einerseits musste er sich nicht irgendwelche Details aus den Händen saugen, andererseits hatte er sich seinen Plan jetzt quasi umsonst ausgedacht.

Am Hotel angekommen hatte er sich bei Seb dafür bedankt, dass er ihn abgeholt hatte, und war danach in sein Zimmer zurückgekehrt. Es gab zwar gerade Mittagessen im Speisesaal und Charles wusste, dass das Buffet dort sehr lecker war und eine große Auswahl hatte, aber sein Hunger hielt sich in Grenzen und er war nicht in der Laune, eventuell auf ein paar der anderen Fahrer zu stoßen, die noch nicht abgereist waren.

Stattdessen verspürte der Ferrari-Fahrer das Bedürfnis nach einer ausgiebigen Dusche und einem kleinen Nickerchen. Auf Autopilot hängte er sein fast leeres Handy an den Strom und zog sich aus. Die schmutzigen Klamotten ließ er achtlos auf dem Boden liegen. Er musste seine Sachen später eh noch packen.

Stattdessen sprang er unter die heiß ersehnte Dusche und stellte das Wasser auf eine angenehme Temperatur. Für eine Weile stand er einfach nur dort und genoss es, wie die angenehm warme Flüssigkeit seinen durchtrainierten Körper hinablief und ihn dabei regelrecht liebkosen zu schien.

Charles wusste, dass er gut aussah, und er war auch nicht darüber, es zu seinem Vorteil einzusetzen. Warum sollte er auch nicht? Der Monegasse hatte, trotz seines jungen Alters, schon mehr Geld verdient als manche Menschen ihr gesamtes Leben lang, er hatte eine glanzvolle Zukunft vor sich und galt als gut erzogen, als jemand der stets gefallen wollte. Er hatte stets hart für seinen Traum gearbeitet und vieles dafür geopfert, warum also jetzt nicht die Lorbeeren dafür einsammeln?

Seine Gedanken wanderten langsam in eine andere Richtung und Charles ließ sie gewähren. Früher oder später musste er sich damit auseinandersetzen. Jetzt war ein genauso guter Zeitpunkt wie später.

Also, bisher bist du entführt und unter Drogen gesetzt worden und die italienische Mafia ist auf die wunderbare Idee gekommen, in das Geschäft der illegalen Autorennen einzusteigen, wofür sie natürlich mich und Max nehmen mussten. Ist ja nicht so als ob es dafür nicht noch andere Leute geben würde! Aber nein, es mussten ja ausgerechnet ich und Max sein! Ach ja, nicht zu vergessen, diese Bitch Sophia hat beschissene Fotos von mir und droht, mich zu outen. Wunderbar. Wirklich wunderbar.

Aufgewühlt legte er den Kopf in den Nacken und ließ das Wasser frontal in sein Gesicht prasseln, solange bis er zu wenig Lust bekam und seine Haltung deswegen verändern musste. Dabei fielen ihm Sophias Worte von früher wieder ein, als er gefragt hatte, warum ausgerechnet er und Max ausgewählt worden waren. Warum nicht Lando oder Pierre oder Alex?

„Ganz einfach.“ hatte Sophie gesagt, „Du bist ein aufstrebendes Talent und wirst als zukünftiger Weltmeister gehandelt. Noch dazu fährst du für ein italienisches Team. Du warst einfach die naheliegendste Wahl. Max dagegen hat lediglich das Pech, ebenfalls in Monaco zu wohnen. Es ist leichter, wenn ihr näher zusammen seid. Hamilton und Vettel sind beide schon aufgrund ihres Alters rausgefallen, die beiden sind einfach zu bekannt. Ihr seid jung, bei euch denkt man weniger nach.“ war ihre Antwort gewesen.

So sehr es dem Ferrari-Fahrer auch widerstrebte, ihre Argumentation ergab Sinn. Sowohl Lewis als auch Sebastian waren schon seit Jahren dabei, die Fans, die Moderatoren, eigentlich jeder kannte die beiden inzwischen. Sie waren dementsprechend ein zu großes Risiko. Charles dagegen war noch relativ jung, es war erst seine zweite Saison überhaupt in der Formel 1. Das galt zwar nicht für Max, aber sie waren beide noch jünger. Würden sie sich auf einmal anders verhalten, würde man es eher auf ihr Alter schieben und es ihnen einfach durchgehen lassen, solange es nicht zu sehr eskalierte.

Aber was, wenn ich doch zur Polizei gehen würde? Dann weiß die Welt halt, dass ich bisexuell bin. Es ist 2019, was soll schon groß passieren? Noch beim Denken verwarf er den Gedankengang wieder. Es betraf schließlich nicht nur ihn, sondern auch Max, und Charles war nicht so fies jemanden einfach so zu outen - wobei er sich nicht sicher war, was in ihrem Fall das größere Problem wäre: ihre Sexualitäten oder aber dass sie erbitterte Rivalen waren. Teufel, er selber war noch nicht bereit sich zu outen. Zumindest nicht für die Öffentlichkeit.

Natürlich, seine Eltern sowie seine Geschwister wussten Bescheid über seine Sexualität, aber selbst das Outing war schon verdammt gruselig gewesen, obwohl es keine wirklichen negativen Reaktionen gegeben hatte. Überraschung, ja, aber sie hatten es alle akzeptiert. Auch Charlotte wusste Bescheid. Charles war wichtig gewesen dass sie es wusste, bevor sie wirklich eine feste Beziehung begannen.

Ein komisches Gefühl durchströmte ihn bei dem Gedanken an Charlotte. Wie es ihr wohl ging? Die beiden hatten keinen wirklich großen Streit gehabt, der ihre Beziehung beendet hätte. Nein, tatsächlich war alles relativ ruhig, beinahe schon... friedlich passiert.

Charles war ständig am Reisen durch seinen Beruf und Charlotte war mit ihrem Studium beschäftigt, sie hatten zum Schluss hin zwei völlig unterschiedliche Leben gelebt und sich in verschieden Richtungen entwickelt. Ihre Beziehung hatte dem nicht standhalten können.

Am Anfang hatte es wehgetan, darüber nachzudenken, aber er mochte sie immer noch, wenn inzwischen auch auf eine andere Art. Es wäre nicht fair ihr gegenüber gewesen, weiter mit ihr zusammen zu sein, obwohl er sie nicht mehr auf diese Weise liebte. Charlotte war ein wunderbarer Mensch und verdiente es, jemanden zu finden, der sie aufrichtig liebte.

Charles bereute lediglich, den Kontakt zu ihr verloren zu haben. Auch wenn es vielleicht damals das Beste gewesen war. Sie beide hatten Zeit für sich gebraucht, um ihr Leben neu zu ordnen - eine Trennung war schließlich immer noch eine Trennung.

So sehr der Monegasse auch über etwas anderes nachdenken wollte, seine Gedanken kehrten unweigerlich zu heute Morgen zurück. Daran, wie er aufgewacht war und sich auf einmal alles überschlagen hatte. Wie Sophia ihnen erklärt hatte, dass sie sie entführen lassen hatte und ihnen die Fotos gezeigt hatte. Und auch, wie sie die beiden dazu gezwungen hatte, zukünftig für die Mafia zu „arbeiten.“

Eigentlich hatte Charles gedacht, dass er irgendwie Angst spüren würde - immerhin war ihm heute schon eine Pistole vors Gesicht gehalten worden - aber nein. Überrascht stellte er fest, dass es eher das Gegenteil war. Er war wütend.

Vorher hatte er noch gedacht, dass es sich so anfühlte als würde irgendwo in seiner Nähe gleich eine Bombe hochgehen.

Falsch. Ich bin die Bombe.

Was gab Sophia das Recht, einfach so sein Leben zu zerstören? Oder Fotos von ihm zu machen, in denen er Max einen Blowjob gab? Oder ihn, verdammt noch einmal, auszuziehen und in ein Bett zu stecken, nur um es noch mehr so wirken zu lassen als hätte er mit dem Niederländer Sex gehabt? Sie hatte ihn wie eine beschissene Puppe drapiert und benutzt und wollte ihn nun wie eine verfluchte Marionette nach ihren Fäden tanzen lassen.

Ein Grinsen legte sich auf Charles Gesicht. Dachte Sophia etwa echt, dass er einfach so springen würde, nur weil sie es so wollte? Wenn ja, dann hatte sie falsch gedacht. Er war keiner ihrer Lakaien wie Silas. Sie konnte ihn nicht töten lassen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.

Ein leises Lachen entkam ihm, als sich ein Plan in seinem Kopf formte. So leicht würde er nicht aufgeben. Sophia wollte, dass er für sie illegale Rennen fuhr?

Okay, das würde er machen. Aber sie sollte lieber schnell ein besseres Mittel finden, um ihn zu motivieren.

Geflissentlich ingnorierte er dabei, dass er mit seinem größten Rivalen rumgemacht hatte, wodurch die Fotos überhaupt erst entstanden sind. Man musste sich bekanntlich nicht allen Sachen auf einmal stellen, schließlich war es gerade auch viel wichtiger, einen Plan gegen Sophia auszuhecken.
Review schreiben