Unsterblich verliebt

von Yumestar
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 Slash
25.09.2020
25.09.2020
1
846
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
25.09.2020 846
 
Unsterblich verliebt


Prolog: Eine friedliche Nacht

Wäre es nicht schön, unsterblich zu sein?
Die Frage tönte so laut durch Francois‘ Kopf, dass er sich schlagartig im Bett aufsetzte und sich an die Brust fasste. Das Klopfen seines Herzes ähnelte der Aggressivität, mit welcher sich Worte zu rasenden Gedanken anreihten: Zu schnell, um zu sagen, ob es sich um eine Gefahr oder um eine sinnlose Sorge handelte.
Francois rutschte an die Kante seines Bettes und nahm tiefe Atemzüge, die an seine angegriffenen Lungen kratzten. Er hustete einige Male, bevor er sich mit dem Armen hochdrückte. Er müsste ans Fenster, frische Luft schnappen. Er schlug die schweren Samtvorhänge zur Seite und öffnete die Fenster. Ein kühler Wind zerraufte ihm die Haare, welche er sich abgehetzt nach hinten strich. Seine Füße und Finger klopften den Rhythmus eines französischen Volkliedes. Seine Gedanken tanzten zu der Melodie und drehten sich so schnell, dass ihm davon schwindelig wurde. Er hielt sich am Fensterrahmen fest, schloss die Augen und atmete tief ein. Seine Lungen füllten sich mit kalter Luft, die er mit einem brisanten Hustenanfall ausstieß. Dann öffnete er die Augen wieder und blickte auf den Eiffelturm, ein strahlendes Glühwürmchen inmitten einer Stadt, die sich zur Ruhe gelegt hatte. Sein Herzschlag beruhigte sich in dem Moment, in dem er sah, dass Krieg und Zerstörung nicht mehr Teil des Stadtbildes waren. Das Paris des 21. Jahrhunderts erschien ihm prächtiger denn je, fast zu schön, als dass er diesen Anblick verdiente.

Hinter ihm raschelten die Bettdecken. Francois fuhr zusammen und drehte sich so schnell um, dass seine Gelenke knackten. Die Decken hoben sich zu einem Berg an, bis unter ihnen ein junger Herr zum Vorschein kam. Sein blondes Haar stand ihm von allen Seiten ab und er rieb sich die Augen, während er leise auf Englisch grummelte. Als er augenscheinlich damit fertig war, blitzten seine olivgrünen Augen den Franzosen an.
„Was ist?“ Er machte eine kurze Pause und blickte sich im stockdunklen Zimmer um, „Es ist mitten in der Nacht.“
„Ich weiß“, brummte Francois mit derselben schlechten Laune. Derweilen versuchte er nachzuvollziehen, was Ethan in seinem Bett zu suchen hatte. Doch das ganze Nachdenken bereitete ihm bloß Kopfschmerzen. Er massierte sich die Schläfen, als er zurück zum Bett ging und sich auf die Kante setzte. Dort ließ er die Arme auf seinen Schoss fallen und gab sich seiner Müdigkeit geschlagen.
„Was machst du hier?“, fragte Francois mit der Ahnungslosigkeit eines Betrunkenen, der sich die Frau im Bett nicht erklären konnte. Dabei hatte er die Rotweinflasche letzten Abend bestimmt nicht angerührt und Ethan war alles andere als weiblich. Das kantige Gesicht hielt einen markanten Ausdruck von Müdigkeit inne, die breiten Schultern hingen schlaff hinunter, da Ethan die Arme auf die Matratze fallen gelassen hatte und seine langen Beine fielen selbst dann auf, als er sich im Schneidersitz in die Mitte des Bettes gesetzt hatte.

Jegliche Anzeichen von Müdigkeit waren verschwunden, als die Frage kam. Ethan bewegte die Lippen vor, hielt aber dem Anschein nach eine zynische Bemerkung zurück und verfiel erneut in ein Schweigen. Erst nach einigen Sekunden, die sich wie Stunden in einem Verhör anfühlten, brachte er leise, aber deutlich hervor: „Das Jiaogulan-Treffen. Es war spät, deswegen hast du mich bei dir übernachten lassen.“
Francois nickte, noch während er die Information an sein überarbeitetes Gehirn weiterleitete. Schließlich fiel ihm Bruchstücke des gestrigen Abends ein. Er erinnerte sich an die vielen Papiere, die aufgewirbelt waren, als er das Fenster geöffnet hatte. Dorothea hatte ihn angeschrien und ausgeschimpft und sich über die ‚mutwillige Zerstörung der Ordnung‘ beschwert. Italo hatte ihn um einen Rat in Sachen Liebe und Beziehung gefragt. Raffael hatte ihn als schwul beschimpft. Cai hatte alle um Ruhe gebeten. Wie das alles im Zusammenhang mit der jetzigen Situation stand, blieb Franois ein Rätsel. Er schüttelte den Kopf und legte sich wieder hin. Schlaf würde die Sache schon bereinigen und ihm Klarheit verschaffen.
Zwei grüne Augen blinzelten ihn verwirrt an und hinderten ihn am Einschlafen.
„Ist alles okay?“, fragte Ethan und rutschte zu ihm. Der Blick verriet, dass er sich wohl sorgte, am meisten wohl über das, was sich im Kopf des Franzosen abspielte. Aber Francois wäre erstaunt gewesen, wenn irgendein Außenstehender in dem Chaos, das seine Gedanken waren, durchgeblickt hätte. Er grummelte als Antwort und drehte sich auf die andere Seite. Weg von demjenigen, den er wegen Gründen, die ihm missfallen waren, bei sich übernachten gelassen hatte. Dabei war er sich sicher, dass er Ethan hasste. Die Gründe lagen ihm bereits auf der Zunge und hinterließen einen bitteren Geschmack in seinem Mund, den er selbst mit mehrmaligen Schlucken nicht loswurde. Fast wurde ihm davon schlecht. Es waren Erinnerungen, die so grausam waren, dass sie zu dieser stillen, friedlichen Nacht nicht gepasst hätten.
Aber sie waren Teil seiner über 300-jährigen Geschichte.

Danke an alle, die dieses Kapitel gelesen haben!
Nun, da ich endlich 18 geworden bin, wollte ich mich mal eine etwas höher-gestuften Geschichte versuchen. Dabei ist diese Geschichte entstanden. Inspiriert wurde ich von dem Anime Hetalia ;D
Ich hoffe, ich konnte Euer Interesse wecken!
Kritik und Reviews sind immer erwünscht!
Review schreiben