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Unglücksrabe

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Het
Debbie Fischer Franco Fabiano OC (Own Character) Oliver Dreier Phil Funke
25.09.2020
22.01.2022
80
191.400
28
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Dieses Kapitel
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15.01.2022 1.927
 
Um ihre benebelten Sinne wieder etwas zu schärfen trank Lee anstatt Bier ein paar Gläser Wasser. Doch als Alex mit einer neuen Runde Kölsch ankam, ließ sie sich erneut überredet wieder etwas zu trinken.
Udo hatte den Seiteneingang der Wache aufgeschlossen sodass sie die zu den Büros gehörenden Toiletten benutzen konnten. So störten sie die Kollegen die am heutigen Tag Nachschicht hatten nicht. Mit leicht wankenden Schritten ging Lee zu den Toiletten. Immer noch war es wirklich warm und ihr Gesicht glänzte vor Schweiß. Am liebsten hätte sie sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht geworfen, doch sie wollte ihre Schminke nicht verwischen. Daher nahm sie nur eines der Papiertücher am Waschbecken und tupfte sich den Schweiß von Gesicht. Nachdem sie auf der Toilette war und sich noch einige Minuten eiskaltes Wasser über die Hände hatte laufen lassen, fühlte sie sich wieder einigermaßen fit und verließ das Feuerwehrgebäude.
Draußen traf sie auf Phil der anscheinend auf sie gewartet hatte und ihr eines von zwei Gläsern Wasser hinhielt, die er in den Händen trug.

„Ich brauch mal etwas frische Luft um wieder klar zu werden. Bei den anderen kann man das vergessen, Udo geht gerade mit seinem Jägermeister herum."

Meinte Phil leicht lallend und zeigte mit einen Kopfnicken an, dass er mit Lee zusammen zu der Sitzgruppe in der Ecke des großen Hofes wollte, die normalerweise als Raucherecke diente. Bereitwillig nahm Lee das Glas Wasser entgegen und folgte Phil zu den im Kreis aufgestellten Bänken. Hier war es recht duster da die Lichter der Wache kaum bis hier her reichten. Lee setzte sich neben Phil und nahm einen großen Schluck aus ihrem Wasserglas. Einige Zeit herrschte Schweigen zwischen ihnen doch dann berührte Phil sie mit der Hand an ihrer Wange. Überrascht sah sie zu ihm herüber.

„Habe ich dir schon einmal gesagt, dass du eine wunderhübsche Frau bist?"

Fragte Phil leise und strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Lee merkte wie ihr Gesicht ganz warm wurde. Unfähig etwas zu sagen schüttelte sie nur leicht mit dem Kopf.

„Dann sollte ich das dringend nachholen. Sie sind eine wirklich wunderschön Frau, Misses Muzek."

Phils Stimme wurde immer leise während er sich gleichzeitig immer näher zu ihr herüber beugte. Er begann sie zu küssen und Lee erwidertet den Kuss. Phils Hand wanderte über Lees Rücken und sanft stricht er ihr Hüfte entlang.
Eine gefühlte Ewigkeiten saßen die beiden auf der Bank und küssten sich innig.
Irgendwann unterbrach Phil den Kuss und sah sie mit brennenden Augen an.

„Wir sollten damit aufhören, die anderen vermissen uns sicher schon. Ich möchte nicht von Debbie und Oli erwischt werden, die beiden haben dich ja im Endeffekt schon adoptiert. "

Meinte Phil mit heißerer Stimme und grinste sie verschmitzt an. Er erhob sich und reichte ihr die Hand um ihr ebenfalls auf die Beine zu helfen. Hand in Hand gingen sie zurück zu den anderen.
Wissend grinste Marion sie an.

„Da sind ja unsere Turteltäubchen. Ihr wisst schon das man auch ohne gute Beleuchtung bis in die Raucherecke sieht?"

Die anderen lachten laut und Alex prostete Phil mit einem Bier grinsend zu.
Lee merkte das sie rot angelaufen war und peinlich berührt setzte sie sich wieder neben Debbie auf die Bierbank. Auch Phils Gesicht hatte eine dunkel rote Farbe angenommen und er setzte sich neben Alex wodurch zwei Kollegen zwischen ihnen saßen.
Oli holte eine neue Runde Bier und bald waren Phil und Lee zum Glück nicht mehr das Thema der Runde.

„Das Silke und Karin noch immer nicht da sind. Die beiden wollten sogar früher kommen und beim Aufbauen helfen."

Besorgt sah Debbie auf ihre Handy. Lee schlug sich derweil gegen die Stirn

„Ohh Debbie es tut mir leid. Ich sollte dir bescheid geben das die beiden nicht kommen. Wir hatten heute Morgen einen ziemlich schlimmen Unfall auf der Autobahn und Silke und Karin waren als die erste Notärztin vor Ort von Anfang bis Ende dort. Die beiden waren danach einfach fertig und nicht mehr in der Stimmung für ein Sommerfest. Tut mir leid ich habe vergessen dir das gleich mitzuteilen."

Beruhigt nahm Debbie erst einmal einen Schluck aus ihrem Bierglas.

„Ich habe Silke schon drei Nachrichten geschickt auf die sie nicht geantwortet hat. Naja kein Wunder. Gut das du doch noch Bescheid gibst ich habe mir wirklich sorgen gemacht die beiden wollten ja auch zusammenfahren. Es hätte ja auch was passiert sein können."

Noch einmal entschuldigte Lee sich bei ihr aber Debbie unterbrach sie und winkte ab. Lee holte eine neue Runde Bier. Als sie die Gläser verteilte kam Udo zu ihnen herüber, in der Hand die immer noch ziemlich volle Flasche Jägermeister. Lee war sich sicher das er mehrere Flaschen dabei hatte. Diesmal konnten Phil und Lee nicht entkommen und mussten noch ein Schnapsglas des Kräuterlikörs trinken. Lee verzog angewidert das Gesicht als sie den Schnaps herunterschluckte. Auch beim dritten Glas schmeckte das Zeug ihr eindeutig nicht besser.

Kurz nach Mitternacht brachen die ersten Kollegen auf. Unter ihnen auch Oli, Marion und Debbie die am nächsten Tag Dienst hatten.  Eigentlich hatte Lee ebenfalls am nächsten Tag Spätschicht daher wäre es wohl vernünftig gewesen mit den dreien mitzufahren. Doch sie wollte gerne noch ein wenig länger sitzen bleiben daher entschied sie sich noch eine Stunde zu bleiben.
Als der Himmel sich langsam in einem hellen Blau verfärbte und den nahenden Sonnenaufgang ankündigte, waren die verbliebenden Kollegen sich einig, dass es nun doch Zeit war zu gehen. Zwei Kollegen der Feuerwehr waren derart betrunken das man sie in den Ruheraum der Rettungswache trug wo sie ihren Rausch ausschlafen sollten. Alex und Franco nahmen sich zusammen ein Taxi und verabschiedeten sich von Lee und Phil. Bald standen die beiden alleine vor der Wache vor der die Straße bis auf ein paar Taxis die Udo besorgt hatte wie leergefegt war.

„Willst du noch mit zu mir?"

Fragte Phil und sah sie mit einem verschleierten Blick an. Ein Kribbeln durchfuhr Lee und berauscht von Alkohol nickte sie.

„Lass uns ein Taxi nehmen."

Nuschelte Phil und zog Lee mit sich. Leicht torkelnd gingen die beiden zu einen der wartenden Taxis und Phil machte ihr die hinter Tür auf. Nachdem sie eingestiegen war schloss er die Tür und stieg auf dem Beifahrersitz ein.
Er nannte seine Adresse und der Taxifahrer fuhr los. Phil unterhielt sich mit ihm während Lee aus dem Fenster sah. Es fiel ihr schwer die Augen offen zu halten. So lange war sie schon lange nicht mehr unterwegs gewesen und nun machte sich die Müdigkeit langsam bemerkbar.
Keine zehn Minuten später hielt das Taxi vor Phils Haus und er bezahlte den Taxifahrer. Dann öffnete er die Tür hinter der Lee am Dösen war und sie schreckte aus dem Halbschlaf. Grinsend hielt Phil ihr die Hand hin und half ihr aus dem Taxi, dann gingen sie wankend zusammen zu seiner Haustüre. Im Halbdunkeln brauchte Phil etwas bis er seinen Schlüssel ins Türschloss bekommen hatte und etwas nervös wartete Lee hinter ihm. Kaum im Haus angekommen zog Phil sie zu sich heran und begann sie zu küssen. Lee erwiderte seinen Kuss und bald fingen ihre Zungen an miteinander zu kämpfen. Lees Hirn schien wie ausgeschaltet und sie ließ sich einfach von ihm mitreißen. Phil steuerte sie ins Wohnzimmer und ohne sich von ihr zu lösen zog er sie mit sich auf sie Couch. Er beugte sich über sie und fing an mit seinen Händen über ihren Oberkörper zu fahren. Dabei fochten ihre Zungen immer noch einen intensiven Kampf aus und Lee konnte das Blut in ihren Ohren rauschen hören. Phil fuhr mit seiner rechten Hand unter ihre Kleid und strich sanft über ihre aufgeheißte Haut. In Lee schien dies ein Schalter um zu legen und plötzlich schwirrten die Gedanken wild in ihrem Kopf herum. Ging ihr das nicht doch viel zu schnell? Wenn sie diesen Schritt ginge wie sollte sie ihre Geheimnisse weiterhin für sich behalten? Bestimmt würde Phil sobald er erfuhr das sie ihm und den anderen Kollegen bisher einen so großen Teil ihres Lebens verschwiegen hatte, eh nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Es war nicht gerecht sich auf ihn einzulassen ohne vollständig ehrlich mit ihm zu sein.
Panik machte sich in ihre breit und ohne lange darüber nachzudenken, schupst sie Phil von sich herunter und sprang auf.
Entsetzt sah Phil sie an und Lee meinte in seinen Augen erkennen zu können, dass er von ihrer Reaktion verletzt war.
Bevor er etwas sagen konnte, stürmte Lee aus dem Wohnzimmer griff nach ihrer Tasche und denen auf dem Boden verteilt liegenden Schuhen, dann rannte sie aus dem Haus und ließ die Tür hinter sich zufallen.

Mit pochenden Herzen machte sie sich auf den Weg nach Hause. Ihr Kopf schwirrte, auch wenn der Alkohol noch ihre Sinne vernebelte konnte sie einigermaßen klar denken.
Sie hätte nicht so reagieren dürfen. Phil hätte sofort aufgehört, wenn sie etwas gesagt hätte, das wusste sie doch. Er hatte so lange Geduld mit ihr gehabt und nur weil er beflügelt vom Alkohol einen großen Schritt vorwärts machen wollte, stieß sie ihn gleich von sich. Das würde er ihr sicher nicht so einfach verzeihen.
Es fing an zu regnen und ihr Kleid waren bald vollständig durchnässt. Der Regen ließ einen Dampfschleier auf dem heißen Asphalt entstehen und die leeren Straßen der Großstadt verschwanden bald in einem gespenstischen Dunstschleier.
Die Strecke nach Hause zog sich ganz schön hin. Lee hatte etwas Mühe einen graden Weg auf dem Bürgersteig zu finden, womöglich hatte sie doch etwas zu viel getrunken.
Ihr schlechtes Gewissen machte ihr zu schaffen, sie hätte Phil nicht einfach so stehen lassen dürfen. Das hatte er ganz klar nicht verdient. Aber umkehren wollte sie nun auch nicht mehr, wie sah das denn dann für Phil aus?
Vielleicht sollte sie morgen einfach nochmal mit ihm reden? Phil hatte Frühschicht und sie Spätschicht entsprechend würde sie sich begegnen.
Es dauerte tatsächlich fast eine Stunde bis Lee an dem großen Wohnblock ankam, in dem sie seit einigen Monaten wohnte. Die Sonne war bereits am Aufgehen und färbte die großen Häuser in einem strahlenden orange. Durchnässt und müde kam sie in ihrer Wohnung an und zog sich erst einmal die durchnässten Klamotten aus. Nach einer heißen Dusche war sie wieder einigermaßen klar und trank noch einen heißen Tee. Die Gedanken schwirrten durch ihren Kopf und sie wusste das sie erst einmal nicht schlafen können würde.
Sie entschied sich Paula eine Nachricht zu schreiben und ihr zu erzählen was am frühen Morgen vorgefallen war. Paula war die einzige mit der sie offen über alles reden konnte. Tränen stiegen Lee in die Augen als sie den langen Text tippte den sie Paula schicken wollte.
Wie hatte sie nur so reagieren können? Nun hatte sie bestimmt alles kaputt gemacht mit Phil. Verzweiflung machte sich in ihr breit und vermischt mit dem Alkohol kreisten die Gedanken bald immer schneller in ihrem Kopf. Sie schluchzte laut auf als sie die Nachricht an Paula verschickte und Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie wusste das es bei Paula bereits Vormittag war und sie vermutlich arbeitete und daher nicht auf ihre Handy schauen würde.
Wie sollte sie so weiter machen? Konnte sie wirklich ihr Leben lang ihre Freunde anlügen? Sie würde niemals jemanden näher an sich heranlassen können, wenn sie weiterhin ihr halbes Leben zu verheimlichen versuchte. Doch wenn sie nun den anderen von ihrer Vergangenheit erzählte würde, wie würden sie reagieren? Sie könnte es nicht erneut ertragen das die Leute die ihr am Herzen lagen sich von ihr abwandten. Obwohl sie sich der Verzweiflung hingab und bittere Träne weinte schlief Lee irgendwann ein.
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