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Bei Dir

von Kinon
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P16 / Gen
23.09.2020
28.02.2021
24
42.381
2
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23.09.2020 1.973
 
Scarlet

„Mom! Ich bin Zuhause!“, kündigte ich mich an als, ich gerade die Tür wieder hinter mir schloss und den Flur betrat. Wie gewöhnlich kickte ich meine Schuhe in die Ecke, hing meine Jacke an den Kleiderständer und warf den Schlüssel unbeachtet auf die Tresen. Ich rechnete gleich damit einer gut gelaunten Mutter entgegenzukommen, die mir wegen meiner Unachtsamkeit und Unverfrorenheit eine kleine Standpauke halten würde. Dabei wussten wir doch beide, dass ich mir ihr herumnörgeln sowieso nur immer mit halbem Ohr anhörte. Ich bereitete mich also schon mal für das unvermeidliche vor und ging zielstrebig in Richtung Küche, um mir wenigstens vorher noch meinen leeren Magen zu stopfen. Zügig schnappte ich mir einen Teller, nahm Brot und Käse in die Hand und begann in der Zwischenzeit mir ein kleines Käsesandwich zu belegen. Gedanklich zählte ich schon die Sekunden die Mom benötigte um hier aufzukreuzen… Doch als sie, nach 367 Sekunden immer noch nicht, für ihre tägliche Standpauke, erschienen war, hielt ich es für richtig nach ihr zu suchen. Es gab nur einen Ort an dem sie hätte sein können, sodass ihre Ohren mich nicht erreicht hätten. Also schluckte ich den letzten Bissen vom Sandwich hinunter, sprang vom Hocker und ließ alles stehen und liegen. Ich redete mir ein den Rest einfach später abzuräumen, wenn ich Mom endlich gefunden hatte. Sicherlich würde sie mich sowieso am Ende darauf hindeuten. Fix griff ich nach dem Schlüssel und wollte gerade schon wieder die Tür aufschließen als mich am Arm etwas Kaltes streifte… Für eine Sekunde blieb mein Herz stehen… ich wagte es kaum zu atmen… Der Druck um meinem Arm wurde stärker und die Kälte zerfraß mir die Haut… Ruckartig drehte ich mich um, doch was sich vor mir erblickte war pure Leere. Ich konnte immer noch mein rasendes Herz in meiner Brust schlagen hören… „Mom…“, hauchte ich in die Dunkelheit… doch keine Antwort. Verstört schüttelte ich den Kopf… Jetzt war ich also schon paranoid?! Ich wandte mich der Dunkelheit ab und schloss die Tür mit einer Umdrehung auf. Eine sanfte Brise fuhr mir durch meine langen, dunkelbraunen Haare und hinterließ mir eine leichte Gänsehaut auf meinen ärmellosen Armen, die vorher noch durch eine Jacke geschützt worden waren. Dennoch ließ ich mich nicht weiter beirren und visierte den Gartenschuppen an, der sich seitlich hinter unserm Haus befand. Seit einigen Monaten hatte meine Mutter ihre Vorlieben in der Gartenarbeit wiedergefunden und hielt sich deswegen an ihren freien Nachmittagen regelmäßig dort auf um ihre speziellen Kräuter ausreichend zu pflegen. Ich selbst war davon zwar eher weniger begeistert gewesen, aber sie wieder davon abzubringen brachte ich nun auch nicht übers Herz. Ich machte einen großen Bogen und betrat den hinteren Teil unseres Gartens. Ein kleiner Acker erstreckte sich keine paar Meter weiter vom Schuppen entfernt. Ich konnte mich noch genau erinnern wie besessen Mom von dieser Idee gewesen war und keine Zeit geschindert hatte alles in die Tat umzusetzen. Nun erstreckten sich Pflanzen jeder möglichen Art von reifen Tomaten bis hin zur Petersilie aus der Erde. Ob Mom schon wieder eine neue Idee hatte und ich nachher mit Rosenranken an unserem Haus rechnen musste? Mein Blick schweifte weiter und fiel auf den Schuppen dahinter… Angst überkam mich als ich sickerndes Blut die Tür runterquollen sah. Vielleicht wäre es richtiger gewesen in so einem Moment Hilfe zu suchen und die Polizei sowie den Krankenwagen zu verständigen, aber was war… „Mom!“, brüllte ich. Mit schlotternden Knien hielt ich darauf zu während das laute Pochen meines Herzens mir in den Ohren hing wie ein stürmischer Orkan. Als ich die Hand ausstreckte um die Klinke runterzudrücken konnte ich sehen das sie zitterte… Mit Vorsicht öffnete ich die Tür, doch das Bild was sich mir ergab Schnitt mir augenblicklich in mein Herz. Leblos und von Blut umgeben lag sie da... Mehrere tiefe Messerstiche stachen aus ihrem Körper hervor und quellten aus ihrer Haut über. Scherben und vielerlei Erdbrocken breiteten sich neben ihr auf der gesamten Bodenfläche aus, die durch die zerbrochenen Blumentöpfe erst zustande gekommen waren. Der gesamte Gartenschuppen wurde einmal komplett auseinandergenommen und in ihre Einzelteile verkleinert. Eine Welle von Trauer überkam mich und meine Augen füllten sich mit endlosen Tränen… Man hatte einfach mehrfach auf sie eingestochen… und sie erbarmungslos zerhackt… als wäre sie nichts weiter als ein unschuldiges Tier das man zur Strafe hingezogen hatte. Aus verschwommenen Augen sah ich in ihr weit aufgerissenes Gesicht, doch das sonst so schöne glänzen in ihrem zauberhaften Lächeln war gänzlich von ihr gewichen. Sie atmete nicht mehr… Wies auf keinerlei Bewegung an… In mir erstieg der jämmerliche Wunsch zu ihr zu rennen und sie zu schütteln damit sie endlich aufwachte und mir sagen konnte, dass alles gut wird… doch ich konnte nicht. Ich wollte weinen… doch die Tränen flossen nicht. Ich wollte schreien ihren Namen hinausbrüllen sodass sie mich erhören würde MOM KOMM ZURÜCK… doch etwas drückte mir mit Gewalt die Kehle zu. Eine eisige Hand schloss sich um meinen Hals… panisch rang ich nach Luft doch mir wurde der Sauerstoff abgeschnitten. Angst verwandelte sich in Planke Panik. Ich schlug um mich aber meine Fäuste trafen aufs nichts… Plötzlich wurde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Etwas Kaltes packte mich an meinem Fußknöchel und riss mich mit voller Wucht zu Boden. Meine Finger krallten sich tief in die Erde um vergeblich Halt zu finden doch die Erde entglitt mir wie feiner Sand zwischen den Fingern. Ich versuchte vergeblich zu schreien… doch die eiskalte Dunkelheit zog mich in die Leere. Ich hörte sie meinen Namen rufen: „Scarlet!“ Etwas rüttelte an mir… „Wach auf!“ Schlagartig riss ich die Augen auf was ich im nächsten Moment aber wieder gänzlich bereute da mir das grelle Licht entgegenstrahlte und meine Sicht vollkommen blendete. Ich kniff gequält die Augen zusammen und rieb mir mit dem Handrücken über meine verschlafenen Augenlider. Sah so etwa der Himmel aus? „Scarlet!“, schimpfte es wieder, „Was habe ich dir über das Schlafen im Unterricht gesagt?!“ Schlafen? Nannte man hier etwa so den Tod? Es dauerte eine Weile bis mein Verstand sich einschaltete und meine Augen sich wieder an das Licht gewöhnten. Es wurde um mich herum gemurmelt und Köpfe erstreckten sich in meine Richtung. Erst dann tauchte das Gesicht eines ziegenbärtigen Mannes vor mir auf, der sich zu mir hinunter beugte und mich aus funkelnden Augen anschaute. Bei seinem Anblick musste ich heftig Schlucken. Das würde kein gutes Ende nehmen… „Scarlet das war jetzt schon das fünfte Mal in dieser Woche! Konzentrier dich doch bitte einmal!“, kam es stinkig von Herrn Mustermann, dabei fuchtelte er wütend mit den Armen in der Gegend herum als wolle er eine Fliege verscheuchen. Andere lachten, aber ich fühlte mich gerade nicht in der Lage in dem Gelächter mit einzusteigen und senkte stattdessen beschämt den Kopf um anschließend verlegen auf meiner Unterlippe zu kauen. Als ob ich das nicht schon selbst wusste schließlich hatte er mich auch das fünfte Mal ermahnt, schoss es mir durch meine Gedanken und legte, anstatt einer Erwiderung einzugehen, meine Hände brav gefaltet auf den Tisch. Ich musste mit ansehen wie Herr Mustermann verächtlich schnaubte und die Arme vor der Brust verschränkte, als wäre ich schuld daran, dass sein Unterricht so langweilig war. Mit zusammengekniffenen Augen fixierte er mich, als gehörte ich einer wilden Tierrasse an die er schnellstmöglich bändigen musste. Eine ganze Weile ließ ich seinen strengen Blick und das leise Gekicher über mich ergehen bis Herr Mustermann endlich wieder an die Tafel trat um somit seinen Unterricht fortfahren. Doch leider kam er nicht weit denn im nächsten Moment unterbrach ihn das laute Klingeln der Schulglocke. Eilends sprangen die Schüler von ihren Plätzen und drängten sich regelrecht durch die Türe als wären sie auf der Flucht vor einem Monster. Dabei fragte ich mich oft wer wohl die wirklichen Monster hier waren. Ich packte mir meinen Schulranzen um die Schulter und wollte ihnen gerade nach als sich Herr Mustermann mit ernster Miene zu mir wandte. Seine Gesichtszüge wurden augenblicklich weich und ein trauriger Ausdruck lag in seinen Augen. Ich kannte diesen Blick… Ich hatte ihn in den letzten paar Wochen schon zu oft zu Gesicht bekommen und werde selbst jetzt noch ständig damit konfrontiert. Immer wieder dieselbe alte Leier, als ob sie wüssten wie es in mir vorgeht. „Ich weiß du hast es momentan nicht leicht…“, entgegnete er mit so viel Mitgefühl das er mir zum ersten Mal das Gefühl gab er könnte mich nur ansatzweise verstehen. Doch woher sollte er das schon wissen?! Woher sollte er wissen wie es sich anfühlte mit nur 12 Jahren von seinem eigenen Vater verlassen worden zu sein, dem ein kleines Haus und Familie nicht genug gewesen war und sich deshalb hatte von meiner Mutter scheiden lassen. Wie sollte mein Lehrer nachvollziehen können wie es war nach keinerlei vier Jahren auch noch das einzige Rest Glück was einem geblieben war an einem tragischen Tod zu verlieren?! Ein fetter Kloß bildete sich in meinem Hals als ich an die Nacht zurückdachte in der meine Mom von uns gegangen war. Nein… das konnte er nicht wissen… Ich hatte meine komplette Familie verloren… Ich musste schwer schlucken um nicht gleich vor meinem Lehrer in Tränen auszubrechen und einigermaßen die Fassung zu bewahren. Es wäre peinlich jetzt vor meinem Lehrer draufloszuheulen und ihm meinen wahren Schmerz zu beichten, wenn er doch eigentlich keine Ahnung hatte was gerade in mir vorging. Doch genau dieser fuhr einfach unbeirrt fort: „Der Große Verlust der eigenen Mutter ist sicherlich nicht leicht zu verkraften, aber es sind nun
schon ein paar Monate vergangen und wir finden es wird langsam Zeit das du dich demnächst mal wieder mit etwas mehr Interesse an den Unterricht wendest.“ Dabei sah er mir mit so traurigen Augen entgegen als wäre es eher eine Bitte statt einer Aufforderung. Dabei hatte er leicht reden… er hatte nicht seine Mutter verloren und konnte sie stetig besuchen gehen während ich gegen einen Felsen sprach und verzweifelt auf eine Antwort wartete. Und nun verlangte er auch noch von mir, dass ich das einfach so hinnehme nur damit ich seinem schwerfälligen Gelaber etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte?! Schlagartig verwandelte sich tiefe Trauer in frostige Wut, sodass sich meine Schultern gewaltsam anspannten und ich energisch meine Hände zu Fäusten ballte. „Außerdem wünsche ich um einen Termin mit Frau Weber und dir in der nächsten Woche kommenden Montag. Ich habe es ihr schon per Telefon ausgerichtet und ich bestehe darauf das du auch erscheinst.“ Damit wandte er sich von mir ab und nahm sich die Unterlagen auf seinem Schreibtisch vor, die sich schon in die Höhe aufeinanderstapelten. Entrüstet sah ich ihm zu wie er ohne weitere Worte sich seinen speziellen Kugelschreiber angelte und eifrig anfing zuschreiben als wäre ich für ihn nichts weiter als ein kleiner Luftzug der ihn einmal kurz erreichte und im nächsten Moment wieder verwehte. Ich schüttelte empört den Kopf, packte nach dem Türgriff von der Innenseite und stapfte aus dem Klassenraum mit einem gewaltigen Knall im Hintergrund den ich durch das Türschlagen verursachte. Massen an Schülern strömten an mir vorbei, die mir entweder mitleidige Blicke zuwarfen oder mir erst gar keine Beachtung schenkten und die Flure entlangrauschten. Für einen kurzen Moment horchte ich einfach nur auf die vielen Schritte die vom Schulboden aus durch die Gänge wiederhallten bevor ich mir schließlich einen Ruck gab und weiterging.


Hey ihr Lieben! Danke das ihr meine Geschichte aufgegriffen habt und schon über das erste Kapitel hinweg seid. Es ist meine erste Geschichte die ich veröffentlicht und somit hochgeladen habe, wäre also über Ratschläge oder Tipps immer zuhaben. Auch wenn euch das erste Kapitel vorerst langweilig erscheint, würde ich mich dennoch freuen wenn ihr weiterliest und vielleicht sogar eine Empfehlung da lässt. Ich bin momentan dabei nach meiner fertigstellung dieser Geschichte alle Kapitel nochmal zu überarbeiten also seid bitte nicht so hart zu mir falls der Anfang euch noch ein wenig unübersichtlich erscheint. Ansonsten nochmal vielen Dank fürs Lesen!

-Eure Kinon
 
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