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Und dann fliegen wir wieder

GedichtFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Friedrich Schiller Johann Wolfgang von Goethe
23.09.2020
23.09.2020
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...fliegen wir wieder



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Schiller, du schöner Mann
du zähltest an deinen Fingern
die Augenblicke, die ich um Atem rang
aber dann wurden sie zahlreich
und wo ich keinen Atem hatte,
hattest du keine Finger mehr.

Erst seufzte ich, weil ich alt ward,
dann ächzte ich, weil mir kalt war,
mein Körper krumm und lose
wie Blätter von alten Bäumen fallen.
Auch mir entfielen Blätter
immer mehr und mehr
mein Geist wurde unruhig
und die Ideen still
die Stimmen der Menschen heischende Wellen zu meinen Füßen.

Ich hasste dich, weil du anfuhrst
über den Himmel
wie ein Apollon
mit glänzendem Haar und wachen Augen
einen Blick, den ich schon längst vergessen.
Ruhm glänzt, solange man ihn in der Hand hält.
Wenn man ihn loslässt, vergeht er wie ein Windhauch.

Ich hasste dich, weil du drohtest
mich stetig zu überflügeln
ohne Flügel.

Aber es war so,
so sollte es wohl sein,
dass du mich nur anlächeltest
und mir sagtest, ich solle deine Hand nehmen.
Wer einmal fliegt, kann auch gemeinsam fliegen.

Und so flogen wir
hoch über die Köpfe der Menschen
der Massen
über die Dächer von Weimar und Jena
weit hinaus über Wälder und Meere
Über Leben und Lachen
über alles, was wir hatten.

Und während wir alles überfliegen
kommen wir zum Liegen
auf weißen Laken
im stillen Nichts.

Ich hatte nie darüber nachgedacht
mein altes Ich eines Tages wiederzutreffen.
Aber ich traf es.
Ich traf dich mit dem Mund
du trafst mich
mit der Hand und einem Pfeil ins Herz
Ich hatte nämlich vergessen, dass Apollon auch der Gott der Pfeile ist.

Aber ich
huldige dem Schmerz.
So wie ich dir huldige
mein liebster Gott.

Ich weiß nicht, was passiert wäre, hätte ich deine Hand nicht angenommen.
Wahrscheinlich wäre ich früher gestorben.
Und so, so starbst du.

Aber ich finde dich.
eines Tages sehe ich dich wieder
und dann lächelst du
und gibst mir deine Hand
und dann fliegen wir wieder.
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