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Gefangen in einer anderen Welt

GeschichteLiebesgeschichte / P16
Adrien Agreste / Chat Noir Luka Couffaine Marinette Dupain-Cheng / Ladybug Meister Fu OC (Own Charakter)
22.09.2020
29.11.2020
11
32.923
10
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33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.11.2020 4.656
 
Kaum zu glauben, jetzt kann ich euch schon Kapitel 10 präsentieren.
Ich möchte ich hier nochmals unbedingt bedanken, bei jedem von euch! All eure wundervollen Kommentare gefüllt mit diesen lieben Worte, haben mich unglaublich glücklich gemacht, aber auch die Favoriteneinträge und die Empfehlungen. Niemals hätte ich solch schöner Resonanz zu dieser Geschichte gerechnet. <3
Jetzt möchte ich aber nicht weiter stören, viel Spaß mit diesem Kapitel in Überlänge. ^^

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Kapitel 10


Geschockt blickte er zu ihr zurück, Ladybug und Chat Noir schrien auf, doch es war bereits zu spät, um dieser Gefahr noch zu entgehen.

Panisch nahm sie das kalte Metall an ihrem Hals wahr.
„Du hast meinen Soldier besiegt, wie auch immer du das geschafft hast, was beeindruckend ist, gebe ich zu. Du solltest dich nur nicht zu früh freuen, denn du hast einen entscheidenden Fehler begangen. Ich gehe nämlich davon aus, dass du gerade eben die Wahrheit gesagt hast, als du die beiden dort so verzweifelt retten wolltest.“

Ihre Augen weiteten sich, wären mehr mit Tellern als Pupillen vergleichbar gewesen. Hawk Moth war direkt bei ihr und bedrohte sie. Sein Stab drückte sich fest an ihren Hals und schnürte ihr teilweise die Luft ab. So fest, wie sein Griff um sie war, nahm er ihr ebenfalls jede Möglichkeit, sich aus seinen Armen zu winden.
„Ich nehme dich also einfach mit. Früher oder später erzählst du es mir schon, glaub mir.“
Ladybug, die sich mittlerweile wieder aufgerappelt hatte, versuchte auf sie zuzugehen doch ihr Gegenspieler unterband dies sofort. Er drückte seine Waffe noch mehr gegen Romi und sie begann nach Luft zu röcheln.
„Ich würde es lieber nicht versuchen, sie ist so zart, ihr Genick würde bestimmt ganz leicht brechen.“

Noch immer ließ er nicht locker und es tanzten bereits schwarze Punkte vor ihren Augen. Sie hörte noch Luka und wie er ihren Namen rief, doch seine Stimme schien sich immer weiter von ihr zu entfernen. Ihr wurde fürchterlich schwindelig und letztendlich holte sie die Ohnmacht aufgrund des Sauerstoffmangels ein.


Sie wurde wach, durch einen fürchterlichen Schmerz, der ihre Glieder durchzuckte. Ihr Schädel brummte und in ihren Knochen spürte sie einen fürchterlichen Muskelkater. Sie wurde auf den Boden geworfen, wie lästiger Abfall. Erschrocken schaute sie sich um. Hawk Moth hatte sie verschleppt und in diesem dunklen Raum gebracht.
Die Luft war feucht und verbraucht, anscheinend war seit langem niemand mehr hier gewesen. Aufgrund der nicht vorhandenen Beleuchtung war es kaum möglich etwas zu erkennen und doch stellte sie fest, dass sie sich nicht in Hawk Moths üblichen Versteck befand. Wie viel Zeit während ihrer Ohnmacht vergangen war, wusste sie auch nicht, da weder eine Uhr noch Tageslicht ihr dabei halfen, sich zu orientieren.

Hawk Moth stand vor ihr und schaute von oben herab auf sie. Gemächlich ging er ein paar Schritte auf und ab. Abwartend betrachtete er sie eingehend und so langsam wurde es unheimlich, wie er sie anstarrte.
Sie musste an ihren ersten Tag an der Schule hier denken. Warum kam ihr das gerade jetzt, in diesem Moment in den Sinn? Sie schüttelte den Gedanken ab und blickte auf die ungeduldige Figur vor ihr. Es fiel kein Ton zwischen ihnen, deswegen konnte sie auch ein leises stetige Tropfen hören, dass aus einer Ecke des Raumes an ihre Ohren gelangte. Entweder war hier irgendwo eine offene Leitung oder dieser Raum war undicht. Beides half ihr aber nicht weiter, ihr Gehirn schob Tonnen an unnützen Gedanken in den Vordergrund, wahrscheinlich damit sie einfach nicht durchdrehte.
Sie wollte unbedingt diese Stille durchbrechen, damit sie nicht auch noch den Verstand verlor. Nun gut, wenn Schweigen nicht half, dann vielleicht ja Provokation. Etwas anderes fiel ihr zu diesem Zeitpunkt einfach nicht ein. Sie redete immer viel, wenn sie nervös oder aufgeregt war, vielleicht half es ja ihre Nerven ein wenig zu beruhigen.

„Der Deal ist geplatzt. Du glaubst doch jetzt bitte nicht wirklich, dass ich dir irgendetwas verraten werde.“
„Oh das wirst du schon.“
“Dann bist du noch dümmer und erbärmlicher, als ich sowieso schon dachte.“
Er kam auf sie zu und feuerte ihr eine Backpfeife ins Gesicht. Damit hatte sie definitiv nicht gerechnet. Geschockt griff sie nach ihrer schmerzenden Wange. Das hatte er doch nicht wirklich gerade getan?! Angsterfüllt versuchte sie Abstand zu ihm zu gewinnen, aber in diesem Raum war dies nur begrenzt, bis gar nicht möglich.
„Früher oder später wirst du mit mir reden.“
Sie rettete sich auf ihre Beine, wollte ihm gegenüber nicht so zerbrechlich erscheinen, wie sie sich fühlte. Denn wenn sie ehrlich mit sich war, tat ihr alles weh und höllische Kopfschmerzen plagten sie nach wie vor. Unter all dem Kopfschmerz meldete sich aber ein kleiner Teil, der ihr zurief, dass sie stark sein sollte.
„Achso, dann willst du mich also bis dahin foltern oder wie?“
Er schenkte ihr nur einen wissenden Blick, gefolgt von einem Schmunzeln, als ihr Gesicht ihr entglitt. Das war also wirklich sein Plan, sie hatte in ihrer Verzweiflung nachgefragt, es aber eher scherzhaft gemeint. Er wollte die Antworten aus ihr herausbekommen und das egal durch welche Mittel. Dieser Mann hatte den Verstand verloren!
„Das ist selbst unter deinem Niveau.“
„Sei vorsichtig mit dem, was du sagst.“ Drohend setzte er wieder ein paar Schritte in ihre Richtung.
Sie zuckte zusammen bei seinen Worten und landete erneut auf dem Boden. Das war kein Spaß, er würde ihr Gott weiß was antun, damit sie ihm verriet, was er wissen wollte. Doch egal was er auch mit ihr anstellen sollte, sie musste durchhalten. Das war sie allen in dieser Welt schuldig. Marinette, Adrien, Fu und Luka.

Irgendwie auch ein wenig ironisch, wenn man bedachte, dass sie dem Träger des Schmetterlingsmiraculous vor ein paar Minuten noch freiwillig sämtliche Informationen gegeben hätte. Die Dinge lagen jetzt jedoch anders, Ladybug und Chat Noir waren außer Gefahr, ebenso wie Luka. Hawk Moth hatte kein Druckmittel mehr und somit fehlte ihr der Grund auf seine Forderungen einzugehen. Da konnte er versuchen was er wollte, er würde nichts von ihr erfahren. Das nahm sie sich jedenfalls fest vor, sie würde ertragen, was auch immer er ihr entgegen zu setzen hatte. Blieb nur noch abzuwarten, was das genau war. Sie durfte einfach nicht verzweifeln, damit würde er nur bekommen was er wollte, indem er einen Akuma auf sie hetzte. Sie musste sich an das letzte bisschen Hoffnung klammern und fest daran glauben. Nein sie würde ihn nicht gewinnen lassen!

Er schlug einige weitere Male auf sie ein. Ob das nun ihr Gesicht oder die Magengrube war, interessierte ihn dabei nicht. Er stellte auch keine Fragen mehr, denn beide wussten was er wissen wollte. Romi sagte nichts, sie nahm seine Schläge hin und ertrug es, denn etwas ertragen konnte sie, wie sie gelernt hatte gut.
Danach hatte er sie zurückgelassen und war einfach verschwunden.
Einen kurzen Moment herrschte eine grausige Stille in ihrem Gefängnis. Die Schmerzen ließen sie kaum noch geradeausdenken. Sie konnte kaum den Kopf heben und blickte dabei zwangläufig auf ihre Unterarme um festzustellen, dass die Verbrennungen verschwunden waren. Marinette hatte wohl während ihrer Ohnmacht alle Schäden repariert. Nur hatte sie das leider nicht von ihren jetzigen Verletzungen gerettet.

Dann schwirrte vor ihr ein kleines Licht und Hoffnung durchflutete ihren gesamten Körper.
„Oh Romi, tut es sehr weh?“
Der kleine Kwami musterte besorgt ihre Blessuren. Kaum vernehmbar antwortete sie ihm.
„Turner…?! Du warst die ganze Zeit bei mir? Ich dachte du wärst beim Eifelturm zurückgeblieben.“
Heftig schüttelte sie ihren Kopf. Autsch! Das war eine sehr schlechte Idee gewesen, jetzt schlug wieder ein Presslufthammer auf ihren Schädel ein.
„Vergiss es. Wir haben keine Zeit dafür, ich brauch unbedingt deine Hilfe.“
„Ich könnte vielleicht etwas zu Essen auftreiben, dann kannst du dich verwandeln und von hier verschwinden.“
„Nein bitte nicht. Du bist jetzt meine einzige Chance für die Anderen mich zu finden. Wenn du erwischt werden solltest, haben wir ein noch viel größeres Problem. Dann nimmt sich Hawk Moth einfach mein Miraculous und meine letzte Hoffnung auf Rettung geht verloren. Außerdem muss das alles endlich ein Ende haben. Bitte flieg los, finde sie und sag ihnen wo ich bin! Schnell, bevor er zurückkommt!“
Zaghaft hob sie ihre Mundwinkel zu dem Anflug eines leichten Lächelns. So schnell wie Turner aufgetaucht war verschwand er auch. Sie schaute bedächtig auf die Stelle, durch die er hindurchgeschwebt war.
„Du bist jetzt meine letzte Hoffnung…“

Romi blieb nicht viel zu tun, als auf baldige Rettung zu warten. Auf eigene Faust nach einem Ausweg zu suchen hielt sie für Zeitverschwendung. Wo auch immer Hawk Moth sie hingebracht hatte, er würde sie sicherlich nicht ohne Fesseln zurücklassen, wenn es möglich wäre, so einfach von dort zu verschwinden. Da sparte sie sich lieber ihre verbliebenden Kräfte, um ihm die Meinung zu geigen.
Noch immer schmerzten die Stellen an denen sich Hawk Moth zu schaffen gemacht hatte. Doch wo er nun nicht mehr im Raum war, schrie ihr ganzer Körper nach Erholung. In ihrer Situation verständlich. Zusätzlich hatte sie ja auch noch die ganze Nacht durchgemacht, da es ihr eigentliches Ziel war zu verschwinden. Das alles holte sie jetzt ein und veranlasste die junge Frau dazu ihre Augen zu schließen. Sie war so müde und erschöpft, hatte sich keine Pause gegönnt und ihr Körper hinterging sie, als sie nicht mal mehr die Kraft hatte ihre Augen wieder zu öffnen. Der glatte Boden unter ihr spendete leider keine Wärme und doch war sie schnell in einem traumlosen Schlaf angekommen.


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Fassungslos schauten sich die Verbliebenen an. Hawk Moth hatte Romi einfach mitgenommen. Innerhalb dieser wenigen Minuten war zu viel passiert um es einfach zu verarbeiten. Die Kampfspuren waren ihnen noch immer anzusehen, während sie auf den jungen Studenten zugingen. Die Schritte waren wacklig und schwer. Luka befreite sich aus seinem Schockzustand und blickte zu den Helden auf.

„Wieso hast du dich nur so in Gefahr begeben Romi…?“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu ihnen.
Seine Gedanken waren ein einziges Chaos. Romi hatte ihn gerettet! Um das zu schaffen, hatte sie sich freiwillig zum Fraß vorgeworfen, um sie alle zu beschützen. Über ihre gesagten Dinge dachte er nicht nach, das würde sein Kopf momentan nicht überstehen. Eine Sache stand aber fest.
„Wir müssen sie finden!“
„Dann los, vielleicht können wir ihn verfolgen“, antwortete Chat schon in Aufbruchsstimmung.
Der junge Mann besann sich, das war nicht der richtige Weg. So würden sie sinnlos in der Gegend umherirren und selbst wenn sie ihn noch fanden, würde Hawk Moth nur wieder mit Romis Leben spielen und sich mit ihr schützen. Das konnten sie nicht riskieren. Außerdem…
„Seid ihr verrückt?! Nein! Bis eben konntet ihr kaum aufstehen, geschweige denn gegen Hawk Moth kämpfen. Ihr braucht Hilfe.“
„Du kannst nicht einfach mit uns kommen“, fand nun Ladybug ihre Stimme wieder.
„Und ob ich kann! Ich werde doch nicht einfach tatenlos rumstehen und abwarten, wenn sie entführt wurde, um uns zu schützen.“
Tief seufzte Ladybug, ehe sie Luka ernst in die Augen schaute. Sie konnte ihn schon verstehen und bei diesem Blick war ihr klar, dass er auch ohne ihre Zustimmung etwas unternehmen würde. Er liebte sie und würde nicht einfach still rumstehen.
„Nun gut. Chat ich bin gleich wieder da, ihr wartet so lange hier. Schmiedet schon mal einen Plan, denn wir werden einen guten brauchen.“
Nach einem kurzen Nicken aller Beteiligten nahm sie ihr Yo-Yo zur Hand. Bevor sie ging nutzte sie ihre Kräfte und beseitigte alle Spuren des Kampfes und ihre Verletzungen.

Eine halbe Stunde später tauchte sie wieder auf, im Gepäck hatte sie eine kleine sechseckige schwarze Box mit roten Verzierungen. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen trat sie vor den Musiker und legte ihm das Kästchen vorsichtig in die Hand.
„Du wolltest uns helfen und jetzt hast du die Chance dazu. Das ist das Miraculous der Schlange. Es wird dir helfen im Kampf gegen Hawk Moth und um Romi zu retten. Bist du bereit?“
„Auf jeden Fall.“

Trotz Lukas oder besser gesagt Viperions Hilfe kamen sie nicht voran. Sie mussten Romi finden, doch ohne einen Hinweis wo sie war, kam das der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich. Er könnte sie überall hingebracht haben. Sie hielten Patrouille, doch nichts passierte. Ein paar Stunden taten sie nichts anderes, wechselten sich ab, damit jeder sich kurz zur Ruhe legen konnte, obwohl niemand erholsamen Schlaf fand.
Es war Chat Noirs Schicht und er überblickte vom Eifelturm die Stadt. So langsam wurde die Hoffnung immer kleiner sie noch zu finden. Was sie wohl tun würden, wenn sie sie nicht aufspüren konnten…? Es war recht ruhig, wenn man bedachte was vor einigen Stunden noch hier gewütet hatte. Plötzlich erhielt er einen hektischen Anruf von Ladybug.

„Chat, Romis Kwami ist aufgetaucht! Er weiß wo sie ist und konnte fliehen. Ich hole Luka und wir treffen uns dort. Ich schicke dir die Adresse. Es geht los.“


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Ein weiteres Mal wurde sie unliebsam geweckt. Es war saukalt und ihre Kleidung klebte merkwürdig an ihr. Dann realisierte sie wieso. Sie riss ihre Augen auf und ihre Vermutung bestätigte sich. Hawk Moth stand dort mit einem leeren Eimer in der Hand, dem er sich dann entledigte. Er hatte ihr eiskaltes Wasser übergeschüttet! Hasserfüllt starrte sie ihn an.

„Na endlich aufgewacht?“
„Wenn du mich… dazu bringen willst… mit dir zu kooperieren… ist das definitiv der falsche Weg…“
Wütend stampfte er nochmals auf sie zu und seine Faust kollidierte mit ihrer geschundenen Haut. Reflexartig berührte sie die Stelle, doch zog augenblicklich ihre Hand von ihrer Wange fort. Sie war fürchterlich geschwollen und beinahe blutig, kein Wunder so oft, wie er diese Stelle getroffen hatte. Das Sprechen fiel ihr jetzt noch schwerer als zuvor. Das kalte Wasser betäubte zwar ein wenig ihre Schmerzen, lähmte aber im gleichen Atemzug ihren Körper und verbesserte ihre Situation sicherlich nicht.
Ein wenig mehr Licht durchströmte den Raum, als beim letzten Mal und sie erkannte einen kleinen Tisch neben ihm. Hatte der schon vorher dort gestanden? Viel interessanter war jedoch, was sich auf dem Tisch befand. Das Zauberbuch und das Pfaumiraculous fielen ihr ins Auge. Dann begann er abermals zu sprechen.

„Ich wollte dich eigentlich zu meiner Partnerin machen, wenn du mir hilfst.“ Gemächlich streckte er seinen Arm aus und deutete auf das Schmuckstück.
„Und mir das kaputte Miraculous geben… welches mich erst krank macht und dann langsam umbringt. Nein danke… ich verzichte.“
Jetzt zeichnete sich ehrliches Entsetzen bei ihm ab, damit hatte er wohl nicht gerechnet und das ließ sie schmunzeln.
„Ich weiß viel mehr als du denkst… und vielleicht ist es dir nicht aufgefallen… oder will einfach nicht in deinen Schädel… aber ich habe… keine Angst vor dir Hawk Moth! Nicht mehr.“
Im Gegensatz zu diesen Worten stand ihr Körper, der heftig zitterte. Eine unwillige Reaktion ihres Körpers nicht aufgrund von Angst, sondern der Strapazen gegen die sie ankämpfte. Hitze und Kälte rangen in ihrem Körper um die Herrschaft und auch wenn sie nicht wusste, wie das möglich sein sollte, fühlte sie beides gleichzeitig.
„Du solltest aber Angst haben Kindchen.“

Gerade als er wieder auf sie zu gehen wollte, überschlugen sich die Ereignisse. Ein lauter Knall ertönte und ein riesiges Loch klaffte links von ihr in der Wand. Der plötzliche Lichteinfall ließ sie die Augen zukneifen. Sie konnte nicht richtig erkennen was geschah, solange sie sich an die Helligkeit nicht gewöhnt hatte. Der aufgewirbelte Staub ließ sie aber husten und damit lag die Aufmerksamkeit bei ihr.

„Romi!“
Diese Stimme würde sie immer wieder erkennen. Jemand war an ihre Seite gestürmt und kniete neben ihr nieder. Sie blinzelte ein paar Mal und ihre Augen ließen sie endlich erkennen was geschah. Chat Noirs Cataclysm hatte ein Loch in die Wand ihres Gefängnisses gerissen und die Person neben ihr, war ihr geliebter Luka. Er hatte also von Marinette sein Miraculous bekommen.
Seine Augen suchten die ihren und als Grün auf Blau traf, konnte sie die Freudentränen nicht mehr zurückhalten. Starke Arme zogen sie zu sich und hielten sie fest umschlungen. Seine Wärme übertrug sich auf sie und schenkte ihr Kraft. Krampfhaft klammerte sie sich an ihm fest, wollte dieses schöne Gefühl nicht noch einmal verlieren.
Kurzerhand nahm er sie hoch und trug sie die paar Meter zu ihren Gefährten zurück, die Hawk Moth davon abhielten weitere Dummheiten zu begehen. So standen die drei ihm gegenüber, mit Romi noch immer an Lukas Brust gekuschelt.

Jetzt würden sie Hawk Moth bekämpfen, mit allen Mitteln. Und wenn er wieder davonlief? Nein, dass alles musste jetzt ein Ende finden! Sie hatte sich viel zu lange versteckt und jetzt war es an der Zeit, dass dieser Mann für seine Verbrechen geradestand. Das hätte sie schon viel früher machen sollen.

„…wie schon gesagt, Ich habe keine Angst vor dir… Gabriel Agreste…“

Sie hatte Gewissensbisse wegen Adrien, doch früher oder später hätte er es erfahren müssen, auch wenn es durch diese unschöne Enthüllung sein musste. Sprachlos blickten sie alle zwischen Romi und Hawk Moth oder Moniseur Agreste hin und her. Es ging jetzt ans Eingemachte.
Adrien konnte sich nicht mehr bewegen. Zu hören, dass Hawk Moth der Bösewicht, den sie schon so lange bekämpften, sein Vater sein sollte, war zu viel für ihn.

„Ich weiß, dass Sie das alles nur für ihre Frau tun, aber ist es das wirklich wert? Würde sie wollen, dass sie sich und ihren Sohn jedes Mal aufs Neue in solch eine Gefahr begeben.“
„Wie… Wieso… Woher?“ Die Erwähnung seiner Frau löste in ihm etwas aus und im Angesicht seiner ausweglosen Lage, fiel er langsam auf seine Knie. Sein Gesicht versteckte er hinter seinen Händen.
„Es geht nicht, ich kann nicht aufhören! Ich kann ohne sie nicht leben…!“
Mut fassend versuchte sich die junge Frau aus Lukas Armen zu befreien. Er folgte ihrem stummen Wunsch und stellte sie vorsichtig auf ihre eigenen Füße, darauf bedacht sie notfalls noch auffangen zu können. Seine Arme ruhten weiterhin an ihrer Seite, da er es sich nicht nehmen ließ, sie zu stützen.
„Meinen Sie wirklich, sie würde so glücklich werden?! Wenn sie wüsste, wie viele Menschen wegen ihr leiden mussten?! Hören Sie in sich hinein, ich bin sicher irgendwo tief drinnen wissen Sie, dass ich recht habe! Geben sie auf, es ist noch nicht zu spät…“

Diese Frau war einfach unglaublich, ging es durch Lukas Kopf. Woher nahm sie nur diese Stärke? Der Mann vor ihr, hatte sie entführt, dermaßen zugerichtet und trotzdem konnte sie nicht anders, als ihm zu helfen, dies noch auf friedliche Weise zu beenden.
Auch ihn hatte sie gerettet, selbst nachdem seine Kräfte sie in voller Stärke getroffen hatten, gab sie nicht auf. Diese junge starke und wunderschöne Frau, die er so sehr liebte und unfassbarer Weise seine Gefühle erwiderte.
Genau aus diesem Grund, tat es auch so weh, sie in einer so erbärmlichen körperlichen Verfassung sehen zu müssen. Augenblicklich brodelte sein Blut wieder und Wut stieg in ihm hoch. Am liebsten würde er Hawk Moth zu Kleinholz verarbeiten, doch er respektierte ihren Wunsch ihn zu überzeugen.

Immer näher ging sie auf den Übeltäter zu, was ihn in höchste Alarmbereitschaft setzte, bis sie sich schwermütig herunterbeugte und sein Miraculous entwendete. Gabriel ließ das Ganze geschehen, vergoss aber stumm ein paar Tränen.
Anschließend schritt sie zu einem kleinen Holztisch und nahm das sich darauf Befindliche, ebenfalls in ihre Obhut.

Es war vorbei! Unfassbar! Hawk Moth, der dutzenden Menschen Leid zugefügt hatte, war besiegt. Obwohl der Musiker ihm gegenüber enormen Hass empfand, tat ihm dieser gebrochene Mann vor ihm leid, dieses kleine Häufchen Elend. Anscheinend hatte er seine Frau verloren und konnte über ihren Verlust nicht hinwegkommen.
Schwankend trat die Braunhaarige wieder vor ihre Freunde. Blitzschnell reagierte Ladybug und nahm auf Romis Anweisung hin, ihr die Schmuckstücke und ein Buch ab. Ihre Augen wurden glasiger und ihr Atem kam abgehackt. Anscheinend hatte sie ihre letzten Kräfte aufgewendet um Hawk Moth zu stellen, denn ihre Beine gaben nach und sie klappte in sich zusammen.


Es war weich und warm, als sie wieder zu sich kam. Vertraute Gerüche erreichten sie, von dem Holz der alten Möbel und zu ihrer Überraschung, ein ihr wohl bekannter Zimtgeruch. Ihre Kopfschmerzen waren deutlich besser als beim letzten Mal, doch das hieß nicht, dass sie fort waren. Vielmehr von unerträglich zu nervig herabgesunken, doch damit konnte sie erstmal leben.
Zerknirscht hob sie ihre linke Hand an ihre Schläfe. Dort fühlte sie einen Verband und wie aufs Stichwort, fühlte sie noch weitere an anderen Stellen. Ihre Bewegung hatte offensichtlich Aufmerksamkeit erregt, denn sie spürte etwas an ihrer anderen Hand, die noch unbewegt neben ihr verweilte und vernahm dann ein paar Stimmen. Vorsichtig blinzelte sie, um ihre Augen ohne Probleme öffnen zu können. Sie befand sich in ihrem Zimmer und es war recht hell, nicht dass es sie störte, dass Sonnenlicht tat ihr gut. Ihr Blick glitt nach rechts, von dort hatte sie die Stimmen vernommen und Luka schenkte ihr ein zauberhaftes Lächeln.

Ihre Hand war die ganze Zeit sanft umschlossen von seiner gewesen, er drückte sie fester, wie um sicherzustellen, dass sie auch wirklich da war.
„Du bist endlich wach. Geht es dir gut? Wie fühlst du dich?“
„Ein bisschen als wenn ich überfahren worden bin. Mein Kopf tut weh, aber sonst glaube ich… gut.“
„Gut… es geht ihr gut…“, nuschelte der junge Mann vor sich hin, immer wieder, wie ein Mantra, um sich selbst von dieser Realität nochmal zu überzeugen.
Er schaute ihr weiter in die Augen, klammerte sich an ihren Anblick fest, gab ihr aber die Zeit, die sie brauchte und nach einigen Momenten begann sie wieder zu sprechen.

„Was ist denn passiert? Und wie lange war ich denn weg?“
„Einige Stunden, fast einen ganzen Tag hast du geschlafen. An was erinnerst du dich denn noch?“
„Um ehrlich zu sein, bin ich unsicher, was ich mir einbilde und was wirklich passiert ist…“

„Du hast es geschafft. Hawk Moth oder Mister Agreste hat kapituliert und du hast die Miraculous sowie das Buch sicher geborgen. Danach bist du aufgrund der Strapazen zusammengebrochen. Du hattest hohes Fieber und eine angebrochene Rippe, mal ganz zu schweigen von den anderen Verletzungen. Ladybug hat ihre Kräfte benutzt, aber deine Wunden sind aus irgendeinem Grund nicht gänzlich verschwunden. Ich vermute, dass das deiner Herkunft zu schulden ist. Dennoch, die schlimmsten Verletzungen wurden einigermaßen geheilt. Jetzt brauchst du Ruhe mehr als alles andere. Gabriel wurde, während wir deine Wunden versorgt haben, in Gewahrsam genommen.“
Meldete sich nicht Luka, sondern Fu, der hinter ihm auftauchte. Sie dachte an das junge Model.
„Wie geht es Adrien damit?“
„Ladybug ist bei ihm. Es ist nicht einfach, aber er sagte, dass er Zeit brauche um es zu verarbeiten. Er wird schon wieder, er ist immerhin nicht allein.“
„Gut… Warte wo ist Turner?“, fiel ihr dann panisch ein, so langsam kehrten die Einzelheiten der durchlebten Ereignisse zurück.
Sie wollte sich schon aus ihrem Bett bewegen, als der Musiker sie daran hinderte. Ihr Kwami schwebte keine Sekunde später hervor und zauberte ihr auch ein Lächeln aufs Gesicht. Ihr war nach Weinen zumute, doch bei den vielen Tränen, die sie in so kurzer Zeit vergossen hatte, war sie sich nicht sicher, ob sie das überhaupt noch konnte.
„Ich danke dir. Nur deinetwegen konnten sie mich finden, ohne dich…“
Der Satz blieb unvollendet in der Luft hängen und ihr Körper hatte sich bei dem Gedanken sofort versteift. Bis Luka seine Hand an ihre Wange führte. Es entspannte sie augenblicklich. Genüsslich schloss sie die Augen und schmiegte sich mehr an.

Ein Schmunzeln schlich sich auf Fus Gesicht, als er die beiden so sah.
„Ich werde erstmal einen Tee aufsetzten. Der wird dir guttun.“
Damit verabschiedete er sich aus dem Raum und nahm die Kwamis mit sich. Denn nicht nur Turner hatte sich im Raum befunden. Wayzz und Sass waren auch zugegen gewesen.

„Ist dir überhaupt bewusst wie viel du geschafft hast?“
„Ich war ja aber auch der Grund, der euch überhaupt erst in diese Lage gebracht hat.“
„Hör mir mal zu. Ich erinnere mich an alles was passiert ist, selbst als ich akumatisiert war…“
Sie ließ ihn nicht ausreden.
„Ich hab dir die Wahrheit versprochen. Ich konnte dir alles nur nicht sagen, weil…“
„Ich weiß.“
„Wie bitte?“
„Nachdem du zusammengebrochen bist, wollte ich Antworten und die wurden mir dann auch gegeben, von Fu. Ich weiß also jetzt alles.“
„Und du bist nicht entsetzt oder zumindest geschockt?“
„Ein bisschen vielleicht. Aber immerhin haben wir magische Wesen um uns herum, die Superkräfte verleihen. Da erscheint der Fakt, dass du aus einer anderen Welt kommst nicht mehr so unwahrscheinlich. Außerdem ändert es ja nichts, du bist schließlich hier.“
Er schien erleichtert, doch warum genau konnte sie nicht sagen, aber noch immer war ihm die Sorge um sie anzusehen. Als ob sie noch immer in Gefahr schweben würde.

Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und drehte es sanft zu sich. Sie schaffte es aber nicht ihm in die Augen zu schauen und starrte stattdessen auf ihre Decke. Gewissensbisse plagten sie.
„Es hat mir beinahe das Herz herausgerissen, als ich dich so sehen musste. Wie eine Puppe, ohne Emotionen. Und das Wissen daran schuld zu sein, war so unfassbar schmerzhaft!“
„Denkst du es ging mir anders, als ich dich in diesem katastrophalen Zustand bei Hawk Moth gesehen habe?“
Er hatte recht, 1:0 für ihn. Sie fand ihre Stimme wieder und das Nächste verlangte ihr viel ab, um es laut auszusprechen. Anscheinend hatte all das erst passieren müssen, damit sie sich das Folgende eingestand. Sie blickte starr nach vorne.

„Ich habe mich hinter der Aussage: Ich darf eure Zukunft nicht verändern versteckt, mich davor gefürchtet was alles passieren könnte, wenn ich mich zu sehr einmische. Die ganze Zeit wusste ich aber schon längst, dass die Zukunft sich bereits verändert hatte und es alles nur noch eine Ausrede war, um mich meinen Gefühlen nicht wirklich stellen zu müssen. Und durch dieses unüberlegte, selbstsüchtige und feige Verhalten wurdest du verletzt. Das war wirklich das Letzte, das ich wollte!“
„Wir lassen das alles jetzt hinter uns, okay? Es ist nicht mehr wichtig.“
„Ist es doch Luka!!! Verstehst du denn nicht? Du wurdest verletzt und das wegen mir, ich fühle mich schrecklich! Ich kann dir doch sowas nicht zumuten… Wenn so etwas nochmal passieren, wenn du nun doch dein Happy End durch mich verlierst…? Ich ertrage nicht noch einmal diesen Schmerz.“

„Hör auf! Soll ich dir sagen was schmerzhaft war Romi?! Ich musste dich sterben sehen, so viele Male!!!“ Ihm rann eine Träne über die Wange.
„…so viele Male…“, nuschelte er nun und drückte ihre Hand wieder fester.
„Was…aber?“
Dann wurde es ihr bewusst, das Schlangenmiraculous! Sie schwieg.
„So oft, hast du in meinen Armen aufgehört zu atmen und so oft, hat dein Herz einfach aufgehört zu schlagen… Ich will so etwas nie wieder erleben müssen und nicht weiter über mögliche Wenns diskutieren! Hast du das verstanden?!!!“
Sein Tonfall erschreckte sie, es war so untypisch für ihn so laut zu werden und doch unterstrich er dadurch seinen Standpunkt nur noch mehr.
Sie nickte und griff mit ihrer Hand zu seiner Wange. Sie wollte sich entschuldigen, aber sie war dermaßen sprachlos. Luka hatte sie sterben sehen müssen, mehr als einmal, aber nicht aufgegeben um sie zu retten.

Der Musiker lenkte ihr Gespräch wieder in eine andere Richtung, denn sein Blick wurde wieder ernster, jedoch nicht so gequält, wie er sie gerade eben noch angeschaut hatte.
„Wir werden unsere eigene Zukunft schieden. Zu aller erst ist nur wichtig, ob du ernst gemeint hast, was du am Eifelturm gesagt hast?“
„Jedes Wort…“
„Dann ist alles andere unwichtig! Ich liebe dich.“
„Ich dich auch.“
Er näherte sich ihr und vereinte ihre Lippen zu einem liebevollen und zaghaften Kuss. Romi hingegen kullerte eine einzige Träne herunter. Sie war überglücklich.


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So das war es dann jetzt. Ich wollte den ganzen Inhalt nicht trennen, damit ist es dann so lang wie zwei Kapitel geworden. Dieses Kapitel ist besonders und das hat einen bestimmten Grund... Es ist nämlich das letzte Kapitel dieser Geschichte ABER keine Sorge es wird natürlich noch einen Epilog geben. Noch einmal vielen Dank an alle, die bis jetzt dabei geblieben sind. <3
Ich melde mich dann nächste Woche wieder.
Dann aber leider zum letzten Mal, trotzdem hoffe ich dass es euch gefallen hat.^^
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