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Holding On

GeschichteDrama, Familie / P12 Slash
Ben Decker Erik Stein Klaus Wiebel Moritz Breuer Tom Mayer
22.09.2020
21.01.2021
20
37.032
5
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Dieses Kapitel
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22.09.2020 1.396
 
Breit grinsend läuft Marten Hansen durch die belebten Straßen Kölns. In seiner Hand spürt er die warmen Finger seines Mannes Nico, der völlig zufrieden mit sich und der Welt an einer Kugel Vanilleeis schleckt. Nebenbei albert er mit Sophie herum, deren helles Lachen eine Wohltat für Martens Seele ist. Viel zu lange hat er sein kleines Mädchen nicht mehr so befreit lachen und kichern hören.

Das sie Nico ohne weiteres akzeptiert hatte, war nicht zuletzt der ruhigen und sicheren Art seines Mannes zu verdanken. Nach dem Tod von Susanne, seiner Frau und Mutter der gemeinsamen Tochter Sophie, brachte der Polizeikommissar wieder Stabilität und Freude in ihr beider Leben.

Marten wird aus seinen Gedanken gerissen, als sich die warmen Finger seinem Griff entziehen und er stattdessen die Eiswaffel in die Hand gedrückt bekommt. “Grwaaahh, ich hab dich” grummelt Nico gerade gespielt ernst, schnappt sich Sophie von hinten und hebt das Mädchen mit Schwung von ihren Füßen. Sophie quiekt kurz erschrocken auf, quietscht dann vergnügt vor sich hin. Das helle Kinderlachen wärmt ihm das Herz, als er sich die Eiswaffel in den Mund stopft. Selbst Schuld, wenn Nico ihm die in die Hand drückt.

“So eine Frechheit!” ertönt wenig später ein empörter Aufschrei neben ihm und Marten blickt betont unschuldig in das Gesicht seines Mannes, dessen Mund vor gespieltem Erstaunen offen steht. “Dein Papa hat einfach mein Eis gegessen” schaut Nico dann zum kleinen Mädchen auf seinen Schulter hoch, dessen blonde Locken im Wind fliegen.

“Frech” wiederholt Sophie grinsend “Papa ist böse!” kichert sie dann, ist im nächsten Moment von bunten Blumen abgelenkt, die im Wasser des Heinzelmännchenbrunnens vor sich hindümmpeln.

“Ja, ganz genau” raunt Nico leise, lässt Sophie auf ihre Beinchen hinab, als sie am Rand des Brunnens ankommen. Dann stiehlt er sich grinsend einen Kuss von seinem Mann, der ihm glücklich in den Kuss seufzend, einen Arm um die Schulter legt.

“Na wenn das nicht der feiner Herr Berliner ist!” ertönt plötzlich eine männliche Stimme hinter ihnen. Nico dreht sich um, hat die Stimme sofort erkannt: vor ihnen stehen seine Kollegen Robin Sturm und Daniel Klattmann. Beide strahlen in ihren Uniformen eine ordentliche Portion hoheitliche Autorität aus. Man begrüßt sich, Hände werden geschüttelt. “Was macht ihr denn hier?” fragt Nico an Daniel gewandt, der ihm in seinem ostfriesischen Dialekt breit grinsend erklärt: “Das Stürmchen braucht einen Ersatz für seinen heute angekündigten selbstgebackenen Kuchen. Und da wir sowieso hier zur Fußstreife eingeteilt sind, will er eben zum Bäcker reinhüppen und uns dann nachher weismachen, er hätte den selbstgebacken!”

Marten schnaubt amüsiert auf. Solche Geschichten fallen auch wirklich nur den Kollegen seines Mannes ein. Auch Nico verzieht belustigt seine Mundwinkel nach oben, ein leises Lachen verlässt seinen Mund.

“Was wollt ihr! Ich hatte gestern keine Zeit mehr einen zu backen. Und wehe du hältst nachher deinen Mund nicht, Klattmann! Ich lass dich von Tom in die Nachtschicht versetzen” droht er dem älteren Kollegen, verschwindet dann in der angrenzenden Bäckerei.

Daniel bleibt bei Nico und Marten stehen, beobachtet verträumt Sophie wie sie mit ihren Händen im Wasser plätschert. “Ach ja...So klein sind sie noch so süß. Genießt es. Wenn sie älter werden, sind die schönen Zeiten vorbei!” seufzt er dann theatralisch.
“Du hast Kinder?” fragt Marten neugierig. So genau kennt er die neuen Kollegen seines Mannes noch nicht.

Daniel nickt, schaut ihn mit leuchtenden Augen an. “Zwei Mädchen, Zwillinge” sagt er dann, Marten zieht mitleidig die Augenbrauen zusammen. “Oh ha” zieht er erstaunt die Luft ein, erinnert sich daran, wie anstrengend es sein konnte, nur einen kleinen Racker großzuziehen. Gleich zwei sind dann eine ganz andere Nummer und chronischer Schlafmangel wohl vorprogrammiert.

Robin tritt wieder aus der Bäckerei, hat eine Tüte dabei und zwei Coffee-to-go Becher balanciert er in einer Hand zu ihnen hinüber. “Braver Junge” grinst ihm Daniel übertrieben entgegen, reißt ihm den dampfenden Becher sehnsüchtig aus der Hand. “Ich kenn dich doch, Schatz. Tee für dich” betont Robin das Wort übertrieben, erntet einen abfälligen Blick von Daniel, der gerade einen Schluck heißen Schwarztees im Mund hat und nichts antworten kann. Er würgt das heiße Getränk hinunter, nickt dann die Straße entlang. “Na komm, weiter geht’s!” treibt er seinen Streifenpartner an. Mit einem Nicken zu Marten und Nico setzt sich der Oberkommissar langsam in Bewegung. “Bis morgen dann” verabschiedet sich Robin hastig. “Passt auf euch auf” ruft Nico ihnen noch hinterher, dann sind die beiden Uniformen um eine Ecke verschwunden.

Auch das Ehepaar setzt den Spaziergang durch die Innenstadt Kölns fort, schaut hier und dort in die Schaufenster. Sophie läuft begeistert vor ihnen her, plappert auf ihre kindliche Art über alles, was sie zu sehen bekommt. “Hunger, Papa” sagt sie irgendwann, schaut Marten aus großen Augen an. Der schaut seinen Mann an, aber eigentlich muss er den gar nicht fragen. Nico hat immer Hunger. Etwas neidisch schaut Marten am schlanken Körper seines Mannes hinab, fragt sich, wo der das alles hinsteckt, was er den ganzen Tag so zu sich nimmt. Bei ihm selbst sind schon vier KIlo mehr auf der Hüfte, wenn er eine Pizza auch nur anschaut.

“Wir hätten Reis, Brokkoli und Fisch zuhause” überlegt Nico laut, schaut dann in die angeekelten Gesichter seiner kleinen Familie. Kurz muss er lachen: Marten kann die Vaterschaft nicht abstreiten, der Ausdruck auf dem kleinen Gesicht ist haargenau der gleiche wie der auf dem seines Mannes. “Fisch?” verzieht Marten übertrieben und albern das Gesicht. “Bäääh!” gibt auch Sophie gut gelaunt ihr Statement dazu ab. “Ich seh schon, ich werde überstimmt, egal was ich noch Leckeres aus unserer Küche aufzähle” gibt Nico augenzwinkernd auf. “Nudeln!” bestimmt Sophie, zieht ihre zwei Papas ohne viel federlesens in einer bestimmte Richtung.

“Das hat sie sich gemerkt, wa?” lacht Nico, als er von der kleinen Hand durch die Gassen der Altstadt zu einem Restaurant gezogen wird, dass seit dem Herzug ihre Nummer 1 für Pasta ist. “Tja…” grinst Marten, lässt seiner Tochter heute ihren Kopf durchgehen. Ein so schöner Tag, an dem Sophie so brav war, schreit nach einer kleinen ‘Belohnung’. Außerdem wird sie so heute Abend wohl schneller einschlafen.

Wie sehr er sich täuscht, merkt Hansen eine gute Stunde später, als sie satt und zufrieden die Rechnung geordert haben. Nico ist satt und müde auf seinem Stuhl hinuntergerutscht, starrt etwas ausdruckslos vor sich hin. Er selbst ist ebenfalls müde und gut gesättigt, als er zum Portemonnaie greift und der freundlichen Frau das geforderte Geld gibt. Sophie springt energiegeladen vom Stuhl, ist schneller an der Tür als ihre Papas gucken können.

“Was ist denn mit der los?” wundert sich Nico, sieht seinen wohlverdienten Schlaf wie die Felle davonschwimmen. “Ich weiß auch nicht” zuckt Marten nachdenklich mit den Schultern. Er kennt seine Tochter. Nach dem Essen ist sie nie so aufgedreht. Auch Nico schaut jetzt etwas besorgt drein, schnappt sich noch die liegengelassene Puppe von Sophie, eilt dann seiner kleinen Familie hinterher hinaus in die dunkler werdende Nacht.

Selbst als sie Arm in Arm die warm beleuchteten Gassen der Altstadt entlang in Richtung Volksgarten laufen, wird Sophie nach einer halben Stunde Fußmarsch immer noch nicht langsamer. Außerdem plappert sie wie ein Wasserfall, zeigt nach rechts und links, umrundet ihre Papas, läuft wieder vor. Ein Marienkäfer an einer Sandsteinmauer erhascht ihre Aufmerksamkeit, aufgeregt erzählt sie ihm freudestrahlend von ihren Erlebnissen des Tages. Jetzt fallen Nico die leuchtend roten Bäckchen seiner Tochter auf, er runzelt die Stirn als er kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn erkennt.

“Alles ok, Mäuschen?” nimmt er Sophie einfach auf den Arm, sie protestiert, quengelt, will selbstständig weiterlaufen. Sie schaut ihn nichtmal an, beginnt plötzlich zu weinen. Erschöpft lässt sie ihren Kopf auf Nicos Schulter sinken, der spürt die unnatürliche Hitze an seinem Hals. “Mäuschen?” fragt er sanft nach, ist inzwischen stehengeblieben. Auch Marten schaut besorgt auf seine Tochter, fühlt ihre Stirn.

“Sie ist ganz heiß, Nicolai!” schaut Marten seinen Mann mit blanker Panik in den Augen an. Der weiß, wenn sein Mann seinen vollen Namen benutzt sind die Alarmglocken am Sturmläuten.

Nico nickt, überlegt. Weit ist es nicht mehr bis nach hause. “Kannst du laufen?” fragt er seine Tochter leise, hockt sich mit ihr auf seinem Oberschenkel nach unten, hat so mehr Stabilität und kann sich auf sie konzentrieren. Sie nickt, wischt sich mit ihren kleinen Händchen Schweiß von der Stirn und macht tapfer zwei Schritte nach vorne. Dann beginnt sie so stark zu wanken, dass Nico sie direkt wieder einfängt.

Seine kleine Tochter sinkt bewusstlos in seinen Armen zusammen.
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