Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Und doch so laut

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12
22.09.2020
23.09.2020
2
4.514
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.09.2020 2.825
 
Elena

Der wohl schönste Moment in meinem Leben war, als die Ärztin mir meine Tochter in die Arme gelegt hatte. Dreißig Stunden Wehen, viel Schweiß und Schmerz, und es war ein Wunder, dass mein Mann mich immer noch verliebt anschaute, nachdem ich ihm solche Dinge an den Kopf geworfen hatte. Doch die Hebamme versicherte, es war normal. Alles war egal, sobald sie in meinen Armen lag. Verschmiert, rot, zerknittert, ein wenig glibschig und doch das Schönste, was ich je gesehen hatte. Die Tränen kamen, ohne das sich sie aufhalten konnte – geschweige dies denn auch wollte. Hatte sie soeben noch gebrüllt, als sie unsanft in die kühle Welt gepresst wurde, so beruhigte sie sich schnell, sobald sie auf meiner Brust lag. Eines war gewiss: Ich liebte sie und würde dies immer tun. Egal, was komme, ich würde sie beschützen. Das nahm ich mir in dem Moment vor.
Tränenverschmiert starrte ich meinen Mann an, dessen Wangen waren nass, die Augen rot. Voll Ehrfurcht schaute er auf unsere Tochter.
„Ich liebe dich,“ flüsterte ich. „Ich dich auch,“ brachte er nur gebrochen heraus.
All die Angst, die vor der Geburt noch real und greifbar war, rückte in den Hintergrund. Alles, was für mich nun zählte, war sie. Ich wollte ihr die beste Mutter sein, und wusste genau da, dass Liebe das Wichtigste war, das ich ihr geben konnte. Daher senkte ich meinen Kopf und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Dabei schloss ich die Augen und sog ihren Duft in mir auf.
Hatte mir meine Mutter, meine Schwester und Freunde versucht gehabt zu erklären, wie es sich anfühlte, sobald mein sein Kind in den Armen hielt, es vor sich hatte und betrachten konnte. Wie es wäre, wenn man als Erstes dieses Gesicht erblicken würde. Welche Emotionen einen alles überkamen. Doch es war etwas, dass man nicht wirklich beschreiben konnte. Es war so viel mehr. Weder greifbar, noch wirklich vorstellbar. Liebe an sich ist kaum zu erklären oder zu beschreiben und jeder fühlt es anders, doch das?! Diese Liebe zu seinem Kind. Wenn man nach stundenlanger Qual und Schmerzen, das rote, schreiende Bündel in die Arme gedrückt bekam, war es, als würde die Welt stehen bleiben. Nichts anderes zählte in diesem Moment. Nichts war wichtig. Alles und alle waren egal. Irrelevant. Ein Blick. So viel brauchte es, und ich wusste, es war für immer. Nichts würde so stark je sein. Außer ich halt erneut solch ein Geschöpf in den Händen. Ein kleines Wesen, für welches ich die Welt sein würde. Das zu mir aufsah, mich bewundern würde und nicht fragte. Nicht verurteilte und dessen Heldin ich sein wollte. Ein kleiner Mensch, der wissen sollte, dass ich immer für ihn da war, egal was war. Egal wie schwierig und aussichtslos die Situation sein sollte. Alles egal. Wichtig war nur, dass ich es liebte, wie nichts anderes in meinem Leben. Mehr als mein Leben, mehr als mein Sein.
Als das kleine Bündel das Gesicht zusammenzog und sehr angestrengt dreinschaute, wusste ich, sollte es notwendig sein, damit sie leben konnte, würde ich auf der Stelle mein Leben geben. Denn ich besaß nichts Wertvolleres. Nichts war mir wichtiger. Nichts wollte ich weniger verlieren. Beschützen. Schrie es in mir. Mein. Beschützen. Lieben. Das war alles. Das war das Wichtigste.
Nie wieder wollte ich sie hergeben. Und doch musste eine Hebamme sie mir abnehmen, da sie gewaschen und angezogen werden musste. Nur widerwillig ließ ich sie gewähren. Konnte schon bei der Übergabe es kaum erwarten, sie wieder in meinen Armen zu halten. Dustin ergriff meine Hand und küsste meinen Handrücken.
„Du warst unglaublich, Liebling.“ Er lächelte mich verträumt an und ich schaffte es, mich ein wenig vorzubeugen, damit er mich küssen konnte. Erschöpft ließ ich mich wieder in die Kissen sinken und wartete auf unsere Tochter.
„Haben Sie sich für einen Namen entschieden?“, fragte die Hebamme. Sabine war ihr Name. Ich fing den Blick meines Liebsten ein und gleichzeitig nickten wir.
„Anouk“, erklärte er stolz und ich spürte ein Lächeln auf meinen Lippen. Unsere kleine Anouk. Wie aufs Stichwort wurde sie uns in dem Moment zurückgebracht. Glücklich hielt ich sie eng an meinen Körper. Ihr Kopf auf meiner Brust. Sollte sie mein Herz hören und spüren. Merken, dass Mama da war und sie nie wieder loslassen würde. Sanft strich ich ihr über die Wange. So rosa und rund. Sie lag so verdammt zufrieden auf mir und ich war nie glücklicher.
Als Dustin einige Zeit später, nachdem wir auf dem Zimmer waren, Anouk das erste Mal selbst in den Armen hielt und ihm erneut die Tränen kamen, wusste ich, dass er ein toller Vater werden würde. Stolz knipste er Bilder. Ich wusste, wer morgen auf Arbeit mit diesen prahlen würde. Doch es machte mir nichts aus. Im Gegenteil, es machte mich glücklich. So unfassbar, unbeschreiblich, übertrieben glücklich.
Die Monate vergingen und es war ein Traum. Sie war ein ruhiges Baby, heulte nur sehr wenig. Am liebsten lag sie in unseren Armen und wir sogen diese Momente auf wie ein Schwamm. Wer wusste schon, wie lange das so sein würde. Einfach nur sie dicht an uns zu spüren, zu fühlen, wie sehr sie uns brauchte, gab uns so viel. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, so von jemanden gebraucht zu werden und so geliebt. Ohne Fragen, ohne Bedingungen. Und genauso zurück zu lieben. Etwas, dass ich jedem wünsche, einmal im Leben zu spüren.
Doch nachdem die Monate nach ihrem ersten Geburtstag dahinzogen und sie kaum einen Ton herausbrachte, hatten wir angefangen, uns Sorgen zu machen. Warum sagte sie nichts, aber alle anderen Kinder plapperten bereits fröhlich vor sich hin? Die Ärzte meinten, wir müssten uns da noch keine Sorgen machen. Wenn sich nach ihrem zweiten Geburtstag nichts ändern sollte, dann könnten wir nach Ursachen suchen. Wir hatten Angst. Was, wenn es was Schlimmes war? Was, wenn wir ihr nicht helfen konnten? Wir überlegten, ob sie vielleicht taub war, doch sie reagierte auf ihren Namen. Sie zeigte uns, was sie wollte, was sie brauchte. Sie verfolgte kleinere Anweisungen, aber sie blieb stumm. Als auch ihr zweiter Geburtstag verging, fingen die Untersuchungen an. Nachts, wenn sie schlief und es niemand sah, ließ ich die Tränen fallen, so groß die Sorge. So groß die Angst. Die Verzweiflung, weil ich nicht wusste, was mein Kind hatte. Diese Ungewissheit, sie fraß mich auf. Dustin versuchte, mich zu beruhigen, mir Mut zuzusprechen, dass alles gut werden würde. Das wir das schafften. Dass Anouk stark war, und mit uns alles schaffen würde. Doch nach all den Worten nahm er mich in Arm und jedes Mal spürte ich Tränen an meiner Schulter. Doch ich sagte nichts. Ließ ihn den Starken spielen. Stumm war ich auch für ihn da und hielt ihn fest.
Dann endlich. Die erlösende Diagnose. Es war ein Schock. Wir wussten im ersten Moment nicht, wie wir reagieren würde. Meine größte Sorge: Anouk würde es immer schwerer haben, als andere. Sie würde schwerer Anschluss finden. Und der Wunsch, das stille Gebet, sie würde deswegen nicht gemobbt werden.
Stumm geboren. Das war die Diagnose. Unser Kind konnte nicht sprechen. Und würde dies auch nie tun können. Sie verstand alles perfekt. Wusste, was gesagt wurde. Wusste, was von ihr verlangt wurde, was sie machen sollte. Nahm ihre Welt wie jeder andere auch wahr. Doch sie konnte nicht mit gesprochenen Worten darauf reagieren.
Wieder lagen wir uns in den Armen. Weinten, bis keine Tränen mehr kamen. Es war ungerecht. Klar, ich konnte froh sein, dass meine Tochter nichts Schlimmeres hatte, aber waren wir ehrlich. Egal wie klein die „Behinderung“ auch war, diese Menschen haben es immer schwerer als andere.
Doch wir wussten, irgendwas mussten wir machen. Wir wollten, dass Anouk sich nicht komplett ausgeschlossen fühlte. Sie sollte mir uns kommunizieren können. Daher schrieben wir uns direkt für einen Gebärdensprachenkurs ein. Es war anstrengend, es war schwer, es war mit Tränen und Frust verbunden. Es war eine komplett andere Sprache. Und wieder verfluchte ich alles und jeden. Wie ungerecht die Welt doch war. Unser einziges Glück dabei war vermutlich, dass sie zumindest hören konnte, was wir von ihr wollten, oder wenn wir ihre Aufmerksamkeit haben wollten.
Die Reaktionen aus unserem Familien- und Freundeskreis war unterschiedlich. Dustins Vater lebte schon lange alleine. Seine Mutter hatte die Familie verlassen, als Dustin gerade mal dreizehn war. Er hat sie nie wieder gesehen. Danach waren es nur Dustin und sein Vater. Dieser wurde verbittert. Daher hatte Dustin den Kontakt abgebrochen, sobald er achtzehn war. Geschwister hatte er nicht. Auch bei meiner Familie sah es nicht sehr schön aus. Mein Vater war Pilot und vor meiner Geburt gestorben. Meine Mutter hatte wieder geheiratet, als ich sechs war. Doch ihr Neuer war ein Arsch wie es im Buche stand. Mama hatte alles versucht, damit ich es gut hatte, doch sie ließ sich zu sehr von dem Typen beeinflussen. Davon wollte sie nur nie etwas wissen. Ich hatte es aber auch nicht übers Herz gebracht den Kontakt abzubrechen, als ich Erwachsen war. Daher lernte sie Dustin und später auch Anouk kennen. Tja. Sie liebte Anouk. Klar. Aber ihr Mann schlug sie. Keine Chance, dass ich mein Kind bei ihr und ihm ließ. Als wir dann von Anouks Diagnose erzählten, meinte Lars – Mamas Mann – dass sie ein Krüppel sei, und solche nicht verdient hatten zu leben. Da sah ich rot. Ich stellte meiner Mutter ein Ultimatum – so sehr es mich auch schmerzte. Aber entweder verließ sie dieses Ekel, oder sie würde nie wieder etwas von mir oder Anouk hören und sehen. Unter Tränen meinte sie, dass ich ihr das doch nicht antun könnte. Doch ich war es Leid. Dass sie einfach nicht sehen konnte, wie schlecht diese Beziehung war, machte mich fertig. Und ich wollte niemanden in der Nähe meines Kindes, der so toxisch war. Da sie aber einfach nicht über ihren Schatten springen konnte, brach ich den Kontakt schweren Herzens ab. Die letzten Worte von ihr waren: Marie und Lisa wollen mir Enkelkinder schenken.
Danach brach ich zusammen. Dustin fing mich zum Glück auf. Aber es tat weh. Ein Schmerz, den ich niemanden wünschte. Ein Elternteil durch Tod zu verlieren war hässlich, aber auf diesem Wege einfach nur grausam. Und ihre letzten Worte an mich brachen mir das Herz. Aber dann sollten sie halt die Kinder meiner Stiefgeschwister lieben und mich und meine Familie in Ruhe lassen.
Neben Dustin war ein großer Halt mein Onkel, der von Anfang an mehr ein Vater für mich war. Er war es auch, der mich beschützt hatte, wenn es zuhause wieder schlimmer wurde. Nachdem ich ihm erzählt hatte, wie Mama reagiert hatte, brach auch er den Kontakt zu ihr ab. Es tat weh, dass er beinahe alles war, was ich an Familie hatte, aber ich liebte ihn über alles und war dankbar, zumindest ihn zu haben. Er wurde wie ein Opa für meine kleine Anouk und liebte sie auch wie einer.
Meine Schwester, die mit 17 abgehauen war, da sie es zuhause nicht mehr ausgehalten hatte, meldete sich plötzlich wieder, als Anouk drei Jahre alt war. Ich war sprachlos, aber auch glücklich. Sie lebte mittlerweile in einer anderen Stadt, aber dennoch nicht sehr weit weg. Zwölf Jahre war es da nun her, dass ich meine Schwester gesehen hatte. Doch ich war glücklich, dass sie sich meldete. Tat der Verlust meiner Mutter doch immer noch weh. Wir redeten stundenlang. Erzählten uns alles, was in den Jahren passiert war. Sie entschuldigte sich auch gefühlte tausend Mal, dass sie mich im Stich gelassen hatte. Zusammen schimpften wir auf Mama, und verfluchten Lars. Es tat gut, nicht mehr ganz so alleine zu sein.
Auch sie hatte Kinder. Einen Jungen, der ein Jahr älter war als meine Kleine und ein Mädchen, dass noch nicht mal ein Jahr alt war. Unser Wiedersehen war mit vielen Tränen verbunden. Auch mein Onkel, Emil, war dabei und froh, dass wir uns erneut gefunden haben. Auch der Mann meiner Schwester war ein ganz Lieber. Seine Liebe zu meiner Schwester war spürbar, sobald man in deren Gegenwart war. Es beruhigte mich zu wissen, dass sie ihn gefunden hatte und nicht alleine war. Beide schlossen Anouk direkt in ihr Herz und meinten, ihre Stummheit macht sich nicht defekt, sondern perfekt. Ich war zu Tränen gerührt. Als sie dann auch noch berichtetet, dass sie ebenfalls einen Gebärdensprachenkurs machten, war alles, was ich konnte, beide fest in den Arm zu nehmen und immer wieder „Danke“ zu sagen.

Im Juli 2004 erfuhren wir, dass ich wieder schwanger war. Wir waren überglücklich. Doch im Hinterkopf schwang die Angst mit, dass es unser zweites Kind ebenfalls nicht leicht haben würde. Immer die Angst, dass die Ärzte nun berichteten, dass sie krank war. Doch dies passierte zum Glück nicht. Im März 2005 hatten wir unsere zweite, wunderschöne Tochter – Tara. Dustin scherzte, dass egal, ob Tara sprechen könnte oder nicht, hören könnte oder nicht, Gebärdensprache würde sie sowieso lernen und wir konnten es ja auch alle bereits. Schluchzend musste ich daraufhin lachen. Immer positiv denken, so war Dustin.
Doch schon kurz nach ihrem ersten Geburtstag sagte sie „Mama“ und „Papa“. Bald darauf auch weitere Wörter. Mit 2,5 Jahren wurden wir regelmäßig zugetextet. Ein starker Kontrast zu Anouk. Doch auch sie hörte immer aufmerksam zu und antwortete ihr. Es erwärmte mein Herz, wenn ich meinen Mädels zusah, wie sie sich auf Gebärdensprache unterhielten. Wenn Tara krank war, oder einen schlechten Tag, redete sie nur durch Gebärdensprache. Dies waren sehr ruhige Tage. Am süßesten war jedoch, wie Tara Anouk sagte: Anu.

Die Jahre zogen dahin. Ich versuchte alles, damit es Anouk an nichts fehlte. Ich versuchte sie vor allem zu schützen. Schaute, dass alle nett zu ihr waren. Wurde laut, wenn sie geärgert wurde. Sie bestand darauf, an eine ganz normale Schule zu gehen, da sie schließlich alles hören konnte. Ich war nicht wirklich begeistert, doch ließ es zu. Allerdings nur, da Dustin Sportlehrer an der Schule war. Anouk machte öfter ihre Meinung diesbezüglich kund. War es doch peinlich, dass ihr Papa an der Schule arbeitete. Doch Tara erging es nicht anders.
Ich spürte, dass es Anouk nervte, wie sehr ich schaute, was für Freunde sie hatte, mit wem sie sich abgab. Doch ich wollte nicht, dass sie verletzt wurde. Als sie darauf bestand auch noch das Abitur zu machen, schleifte ich sie zu all möglichen Berufsberatungen und was sie für Möglichkeiten trotz ihrer Stummheit hatte. Sie hasste es. Das sagte sie mir mehr als ein Mal. Beziehungsweise zeigte sie mir dies. Aber ich wollte doch nur das Beste für sie.
Juli 2019. Anouk machte ihren Abschluss. Abitur mir Bravour bestanden. Und das Erste was sie uns verkündete, nachdem sie das Zeugnis in der Hand hatte, war, dass sie wegmusste. Raus aus der Stadt, weg von mir. Ich würde sie einengen. Sie nicht atmen lassen. Nichts konnte sie machen, ohne dass ich es geprüft hatte. Für gut befunden hatte. Ich war sprachlos. Andrea, meine Schwester, nahm mich zur Seite, drückte mich und sah mir tief in die Augen.
„Ich verstehe, dass es weh tut. Glaube mir. Aber manchmal muss man seine Kinder loslassen, damit sie zurückkommen. Anouk liebt dich. Das weiß ich. Das kann jeder sehen. Aber du musst sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen. Und auch wenn du es nicht hören willst. Sie ist achtzehn. Volljährig. Alt genug. Auch wenn du dagegen wärst, sie kann machen was sie will.“ Ihre klaren Worte schmerzten, bargen sie doch so viel Wahrheit.
„Ja, aber... sie ist doch meine Kleine.“
„Nein, sie ist deine Große. Deine Kleine sitzt neben ihr und hat noch vier Jahre, ehe sie volljährig wird. Sie braucht dich. Nicht Anouk.“ Ein weiterer Stich.
„Ja, aber... aber die Menschen sind nicht nett...“
„Nein, das sind sie nicht, aber dass muss sie lernen. Elena, sie wird es schon schaffen. Lass sie zu mir ziehen. Dann ist sie nicht ganz alleine, aber weg von euch und kann erst einmal sich selbst entdecken. Und du wirst sehen, spätestens in einem Jahr war es das. Hat sie genug und will zurück. Doch du musst vertrauen haben.“
„Du würdest sie nehmen?“, flüsterte ich. Ein Kloß machte sich in meinem Hals breit. Andrea nickte schnell.
„Klar. Ich würde mich freuen.“ Ich presste die Lippen aufeinander und dachte nach. Es war alles andere als leicht. Doch Andrea hatte recht. Ich konnte Anouk nicht ewig beschützen. Und sie war eh alt genug zu machen, was sie wollte.
„Ok.“ Mehr brachte ich nicht heraus. Doch als Anouk mir freudestrahlend um den Hals fiel, nachdem wir ihr gesagt hatten, sie könnte zu ihrer Tante ziehen, hatte ich das Gefühl, es war die richtige Entscheidung.
Dennoch brach es mir das Herz, als ich sie drei Tage später verabschiedete. Die Tränen konnte ich nicht aufhalten. Da fuhr sie hin. Mein kleines Mädchen. In die böse, große Welt. Und das ganz ohne mich. Ohne, dass ich sie beschützen konnte. Ich hoffte nur, dass sie nicht verletzt werden würde.
Von hinten schlang Dustin seine Arme um mich. Seine Lippen berührten sanft meine Wange. „Sie schafft das. Du wirst sehen. Ich liebe dich.“ Ich schloss die Augen und lehnte mich in die Umarmung.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast