Geschichte: Freie Arbeiten / Poesie / Krieg / 1944

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1944

KurzgeschichtePoesie / P12 / Gen
20.09.2020
20.09.2020
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Tagebucheintrag



1944.

Und wieder ist ein Tag zuende gegangen und ich sitze hier und schreibe. Ich weiß selbst nicht, weshalb. Welche Worte, die ich nun zu Papier bringe, gibt es, die nicht schon lange getrocknet, aus den alten Seiten sprechen; meine Gedanken, meine Gefühle, meine Hoffnungen, meine Träume. Doch was habe ich anderes?

Die Tage gleichen den Nächten; die Sonne scheint hoch am Himmel, doch vermag ich nur Dunkelheit zu sehen; wie ein Schatten umgibt sie mich, jede einzelne Sekunde; lastet wie ein dunkler Schleier auf dem Antlitz der Erde, schirmt alles ab. Liebe, Licht und Wärme, nur noch vage Bruchstücke, aus Erinnerungen an vergangene Zeiten, so flüchtig wie der Rauch, der von den brennenden Dörfern und Städten in den Himmel emporsteigt. Waren sie wirklich, oder lediglich Illusionen meines Verstandes, um mich die Hoffnung wahren zu lassen?

Die Menschheit zeigt sich als ihre eigene Geisel, durch das Monster, das sie schufen. Sie nennen es Krieg, eine Notwendigkeit zum Schutze des Vaterlandes, glorreiche Schlachten im Namen des Führers, ruhmreich kämpfen und fallen für das Reich. Doch ich sehe es, jeden Tag sehe ich, was sich hinter dem Ruhm und der Ehre verbirgt: Ein Wesen, geschaffen aus unseren Ängsten, genährt von Hass, getrieben von der Gier der Mächtigen nach noch mehr Macht. In seinen Augen der Wahnsinn…

Der Krieg fordert seinen Tribut, unser Blut, unsere Leben, unsere Freiheit, unsere Träume von Frieden; der Tod als sein ständiger Begleiter, treibt die Schulden der Machtgier ein. Er nahm mir alles, was meinem Leben auf dieser Welt Bedeutung verlieh, meine Familie, meine Freunde… Einzig mein Geist bleibt mir noch, mit einem Funken der Hoffnung, einem Funken, der beständig aufleuchtet an solch finsteren Tagen wie diesem, am Leben erhalten durch das, was selbst des Krieges schwarze Fänge nicht vermögen auszulöschen.

Träume. Träume von einer Welt jenseits des Schleiers. Eine Welt, deren Tor für den Menschen für kein Geld der Welt zu erreichen ist. Die irgendwo existiert, an einem Ort, der sich mit keiner Armee der Menschen erobern lässt.

Ich wandere einen endlosen weißen Strand entlang, spüre den Wind in meinem Haar. Und ich blicke auf einen Ozean, der sich einem blauen Teppich gleich vor mir erstreckt, sanft, und nur ein Rauschen hören lässt. Ich bin allein und der Wind ist kalt, doch ich fühle nur Frieden in mir. In meinen Träumen bin ich frei, frei und weit weg, in der Welt, die mein Verstand schuf und die nur mir allein gehört. Ich sehe hinaus auf die sanft wogenden Wellen und vergesse. Die Magie dieses Ortes stellt all das Grauen und die Schrecken auf der Erde in den Schatten. Sie erweckt meine Erinnerungen nach und nach wieder zum Leben. Vielleicht ist Krieg von Nöten, damit wir in einer anderen Zeit den Frieden zu schätzen wissen… Ich stehe da und blicke in die Ferne. Und am Horizont, er scheint mir wir der Rand der Welt, geht die Sonne auf, nicht die Sonne des Tages, die mich jeden Tag daran erinnert, dass der Krieg noch immer währt. Es ist eine Sonne, die alles um mich herum in ein ein helles reines Licht taucht, mich in ihre Wärme einhüllt und mir Trost und Kraft spendet, die Realität auf der Erde zu überstehen.

Ein Sinnbild der Hoffnung.
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