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Sagen, Sterne und die Liebe

von Distaria
OneshotRomanze / P6
OC (Own Character) Sawamura Daichi
20.09.2020
20.09.2020
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3.504
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20.09.2020 3.504
 
Jo jo jo Leuts (人´∀`).☆.。.:*・° ich sehe Sterne, ganz viele Sterne hier im Kapitel o(^-^)o
Leider habe ich es noch immer nicht geschafft in meiner FF ´Das Gefühl einer abstrakten Erinnerung´ etwas hoch zu laden. Aber ich bin dran, hab nur aktuell irgendwie ein gewaltiges Schreibtief (╥_╥) ich gehe dem aber gegen und bin alle meine letzten Kapitel noch mal durch gegangen um den Flow wieder zu bekommen.

Dafür bekommt ihr heute einen Daichi OS, ich hoffe er gefällt und kommt gut bei euch an. Bin eigentlich nicht so romantisch veranlagt, aber da hatte mich damals wohl  irgendetwas erwischt, das diesen Umstand für einige Stunden geändert hat (´∀`•) viele Spaß beim lesen |´∀`●)




✩ +。*.✧・.* ✲。*☆  .・°☆. ✧ *・°  ✲


„Wahnsinn!“, erklingt die erstaunte Stimme von Suga neben dem Dunkelbrünetten, der genau denselben Anblick hat wie sein langjähriger Freund. Diese Frau ist atemberaubend! Schon seit Jahren gehen sie immer wieder zum Sternenfest und schon früher ist ihm diese Tänzerin aufgefallen.
Doch heute ist es das erste Mal, dass es zeitlich passt und sie ihre Aufführung sehen können. Was genau sie da vorführt versteht Daichi nicht, es muss aber schon eine sehr alte Tradition sein.

In dem Licht der Kerzen bewegt sich ihre schlanke Figur zu einer gediegenen Melodie, die alle im Publikum ein wenig traurig stimmt. Sie zieht ihre Hände hoch und streckt sich dem Sternenhimmel entgegen, wobei die Ärmel ihres kunstvollen Kimonos zurückrutschen und die weiße Haut freilegen. In ihrem Gesicht liegt ein Ausdruck, der Sawamura mitten ins Herz trifft. Sie sieht aus, als würde sie etwas vermissen. Als wäre ihre Liebe verschwunden. Ein Mensch, den sie unendlich gerne wieder bei sich hätte.

Da schießt es ihm wieder in den Kopf. Diese Geschichte; der Grund aus dem sie das Sternenfest überhaupt feiern. Die getrennten Liebenden, die sich nur einmal im Jahr, zum 7. Juli, wiedersehen dürfen. Diese Geschichte kennt jedes Kind und beinahe hätte er sie vergessen.
Doch diese Augen, die Tränen in dem wunderschönen Gesicht; sie haben diese Erzählung wieder in seine Erinnerung zurückgerufen. In jeder ihrer Bewegungen lebt die alte Sage wieder auf und erfüllt die Zuschauer mit tiefer Zuneigung und Anteilname.

Wie lange sie dafür wohl üben musste? Diese Ausdrucksstärke in jeder Bewegung und diese überzeugenden Gesichtszüge. Alles an ihr passt genau zu der Sage.
Daichis Augen haften immer noch an der jungen Frau mit den langen, perlmuttblonden Haaren, welche ihn an das Strahlen der Sterne erinnert. Ihr weißer Kimono, mit den lila Blütenknospen darauf, scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein und lässt sie wie eine Prinzessin aus der Edozeit erstrahlen. Ganz anders als der Yukata, welchen er trägt. Dieser ist in einem schlichten dunkelblau gehalten und hat wohl kaum noch etwas mit der Tradition zu tun, welche gerade vor seinen Augen aufgeführt wird.

Ein kräftiger Schlag auf seinen Rücken reißt den Mann von den geschmeidigen Bewegungen der Tänzerin weg. „Hey! Ich habe gesagt, ich hole uns was zu essen!“, die genervte Stimme von dem Grauhaarigen zu seiner rechten kommt endlich in seinen Gedanken an, antworten kann er aber immer noch nicht, weswegen nur ein einfaches Nicken ausreichen muss.
Suga schüttelt etwas den Kopf, stößt sich dann aber von dem Holzgeländer vor sich ab und geht davon.



Naru konzentriert sich so sehr auf jede ihrer Bewegungen, dass sie nur noch die Melodie der Shamisen wahrnimmt, welche ein jahrhundertealtes Lied ihres Tempels in Töne fassen. Es ist jedes Jahr das Gleiche was sie tun muss, doch immer wieder aufs Neue ist sie nervös und hofft nichts falsch zu machen. Sie hängt sehr an den alten Traditionen und war so glücklich, als ihre Großmutter vor 7 Jahren sagte, dass sie die Aufführung zu Ehren der beiden Lieben machen darf. Ihre Mutter ist leider nicht mehr am Leben und ihre Großmutter nicht mehr in der Lage. Daher ist es Naru, die diese schöne, vergessene Tradition wieder zurück ins Leben gebracht hat.

Bei jedem Schritt den sie macht, spürt sie die tiefen Gefühle in sich aufkommen. Die Zuneigung, die Liebe und dann auch den Verlust des Liebsten. Ein Gefühl, welches sie selbst noch nie empfunden hat, doch sie hat ihre Eltern verloren und kann daher nur zu genau nachfühlen wie es ist, geliebte Menschen nicht wiedersehen zu können.
Ihre Hände fahren hoch zum Himmel. An diesem erstrecken sich die Sterne und ihre Augen blicken dort ebenfalls hin. Die Tränen, welche eben noch in ihren Augen waren, funkeln ein wenig, als das strahlende, weiße Licht auf ihr Gesicht fällt und die Ausgeburt der Trauer bis zu ihrem Kinn begleitet.



Die braunen Augen Daichis können sich einfach nicht von diesem Anblick lösen. Diese Frau ist das wohl Schönste was er je gesehen hat. Sie strahlt tiefe Gefühle aus, welche durch jede Bewegung nach außen getragen werden.
Er schluckt, als ihre Augen wieder vom Himmel gleiten und an seinen hängen bleiben. Ein leichtes Lächeln zieht sich auf ihre rot bemalten Lippen, welches sein Herz zum Stillstand bringt und in der nächsten Sekunde um eine Million Mal schneller schlagen lässt. Eine Gänsehaut zieht sich über seine Glieder und lässt jedes noch so kleine Haar aufrecht stehen, vertreibt die Kälte aus seinen Muskeln und versetzt diese in eine wohlige Hitze.

Als Koshi wieder zurückkommt, betrachtet er seinen Freund genau. Er hat rote Wangen und sein Mund steht offen. „Sag mal Daichi, ist etwas passiert?“, harkt er gleich nach, denn diese Reaktion ist doch seltsam. Vor allem, wenn es nichts gibt, dass so etwas hervorrufen könnte.
Sein ehemaliger Kapitän sieht immer noch zu der, mittlerweile leeren, Plattform. Dort sind nur noch die Lampions zu sehen, welche das Schauspiel erleuchtet haben. Mit einer Hand wedelt der Kleinere vor dem Gesicht seines Freundes herum. „Sawamura!“, herrscht er ihn nun ungeduldig an.

Als hätte ihn ein Blitz getroffen, zuckt der Polizist zusammen und fährt sich mit den Händen über das Gesicht. Endlich versteht er auch die Frage seines Freundes und lässt seinen Kopf in den Nacken fallen, um zu den Sternen blicken zu können. „Ich habe mich verliebt!“, ist die einfache, aber sehr überraschende Antwort. Dabei schließt Daichi seine Lider und ruft sich diese wundervolle Frau nochmal ins Gedächtnis.
Sugas Augen weiten sich, ehe er nach den Schultern des anderen greift: „Warte! Was? Wie und vor allem in wen?“ Wie lange war er denn weg? Das ist doch unmöglich! Seine Augen huschen über die Umgebung, um eine Frau zu suchen, die er aber nicht findet. Hat Daichi mit jemanden gesprochen? War er doch länger weg, als er dachte?

Die dunklen Augen des Größeren öffnen sich wieder etwas, womit er nun zu dem Lehrer blickt. „Die Tänzerin!“, wieder nur eine knappe Antwort. Was bitte ist heute nur mit dem sonst so redseligen Daichi los? Sugawara lässt die Schultern seines Freundes wieder los und muss dann etwas Lachen: „Aber du hast doch kein Wort mit ihr gewechselt!“ Er kann sich nur zu gut daran erinnern, wie sehr der Brünette am Boden zerstört war, als Yui ihn vor einem halben Jahr verlassen hat. Da ist diese Entwicklung nun doch überraschend und vor allem verwirrend.

Sawamura grinst nur glücklich: „Musste ich auch nicht!“, seine Augen betrachten erneut die Sterne, „Sie ist ein wundervoller Mensch. Das konnte ich in ihren Augen sehen!“ Noch immer leuchten ihm diese vor seinem inneren Auge entgegen. Dieses Nachtblau, welches eine unerwartete Wärme in sich trug. Die Tränen, die wie kleine Diamanten funkelten und ihr umwerfendes, kurzes Lächeln.
Das wird er wohl nie vergessen können. Noch immer rast sein Herz und in seinem Magen marschiert eine Armee, die keine Ruhe geben will.
So hat er sich schon lange nicht mehr gefühlt.



Naru stockt der Atem, als ihr Blick auf die wärmsten braunen Augen der Welt fällt. Beim Üben hat sie immer zu diesem Teil des Holzgeländers geschaut, um eine klare Linie zu haben. Doch nun sieht ihr von dort aus dieser Mann entgegen. In seinem Blick ein Ausdruck, welcher sie beinahe wieder zu Tränen rührt. Diese Tiefe in seinen Augen, diese Wärme und sein starker Gesichtsausdruck
Als würde es zu allem dazu gehören zucken ihre Mundwinkel unwillkürlich in die Höhe und sie schenkt diesem Unbekannten ein sanftes Lächeln.
Ihr kleines Herz rast dabei in einem unglaublichen Tempo, als wolle es aus ihrer Brust springen. Ungewöhnlich, dass sie so etwas empfindet, denn er ist nicht der erste Mann, welcher sie so anblickt und doch fühlt sie bei ihm etwas vollkommen Neues.

Ihre Augen nehmen jede Kleinigkeit an ihm wahr. Der dunkelblaue Yukata steht ihm ausgesprochen gut und verleiht ihm etwas Autoritäres. Seine kurzen, dunklen Haare, die perfekt zu seinen schokoladenfarbenen Augen passen und seine breiten Schultern, an die sie sich nur zu gerne lehnen würde.
Sie fühlt sich plötzlich vollkommen sicher. Als könne ihr nichts auf der Welt etwas antun. Weswegen das so ist kann sie nicht erklären, doch sie fühlt es und wünscht sich, dass diese Wärme nie wieder vergeht.

✩     ✩     ✩


Doch einige Tage später ist es vergessen. Der Alltag hat beide wieder eingeholt. Daichi ist wieder auf Streife in Miyagi und Naru hilft ihrer Großmutter im Schrein, bei der Arbeit die eine Priesterin nun mal hat.
Dennoch denkt der junge Mann noch jeden Tag an diese Frau mit den nachtblauen Augen, in denen eine solche Liebe geglüht hat, dass es sogar noch an deren dunkler Oberfläche zu erkennen war.

„Sag mal Sawamura, kann es sein das du irgendwie abgelenkt bist? Ist etwas passiert?“, will sein Kollege dann aber wissen, denn schon den ganzen Tag wirkt es, als sei er nicht bei der Sache.
Ertappt zuckt der Brünette zusammen und blickt zur Seite. Seine Hand legt er dabei an den Hinterkopf. „Ja, naja... irgendwie... also... da ist diese Frau...“, beginnt er.  Augenblicklich verharrt sein Kollege in der Bewegung und sieht ihn interessiert an. Seit Daichi aus der Polizeischule gekommen ist, geht er mit ihm auf Streife. Da wächst man natürlich zusammen und dazu kommt, dass Sawamura ein wirklich netter und zuverlässiger Kerl ist.

Als der Brünette aber nicht weiterredet, schlägt ihm der Ältere mit der Hand auf die Schulter: „Aha, diese Frau also! Komm schon sag mir mehr! Wer ist sie denn? Wie heißt sie?“ Die beinahe schwarzen Irden, welche den Jüngeren nun durchbohren, lassen es nicht zu, dass er weiter schweigt.
Ein wenig frustriert zuckt er mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung! Ich habe sie nur gesehen, kein Wort mit ihr gesprochen und weiß auch nicht wie ihr Name ist!“, erklärt er seine Lage. Das lässt den andern nun verwundert blinzeln.

Nachdenklich nimmt er einen Finger an das Kinn. „Ok, wo hast du sie denn gesehen? Vielleicht kann ich dir ja helfen!“, schlägt er vor und lächelt dann wieder ein wenig. Daichi bezweifelt zwar, dass er ihm wirklich helfen kann, aber schaden kann es ja auch nicht. Also erzählt er ihm vom Sternenfest, von der jungen Frau, die dort einen Tanz aufgeführt hat, ja selbst von ihren Augen und dem Lächeln berichtet er ganz genau und dabei überkommt ihn wieder dieses verräterische Gefühl. Er kennt es und weiß, dass sie ihm mehr bedeutet als es eine vollkommen Unbekannte wohl sollte.

Als seine Worte enden, grinst ihn der Andere breit an: „Man, man, man, da hat´s dich aber ganz schön erwischt!“, doch dann wird seine Mimik etwas ernster, „Aber so wie das klingt sprichst du von Naru Tokukami! Sie ist die Enkelin der Priesterin des Schreins dort!“ Zwar spricht der Ältere noch ein wenig weiter, doch das bekommt der Brünette gar nicht mehr mit.
Ihr Name hallt immer und immer wieder in seinen Gedanken nach. Naru Tokukami... er klingt wirklich schön und passt zu ihr.



Langsam fährt sich die Frau durch ihre perlmuttfarbenen, hellen Haare und sieht dann zu dem Brunnen vor welchem sie steht. Auf der Oberfläche des Wassers blickt sie sich selbst in die Augen. Immer noch schwirrt ihr Kopf, wenn sie an den Auftritt zurückdenkt. Aber nicht etwa wegen dem, was sie geleistet hat, sondern wegen des unbekannten Mannes.
Sein Anblick will ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen. Immer wieder sieht sie diesen Kerl vor sich stehen und jedes Mal kämpft sich diese Wärme in ihr hoch und lässt ihre Wangen rot werden. Auch jetzt ziert ihre blasse Haut dieser verräterische Schimmer und unterstreicht ihre Augen.

Mit ihrer Großmutter hat sie darüber schon gesprochen. Die ältere Dame hat ihr gesagt, dass sie sich verliebt haben muss, dass sie sich freuen soll und dass es das schönste Gut der Welt ist, eine solch reine Liebe zu verspüren. Ihre Großmutter hat sich damals auf den ersten Blick in ihren Mann verliebt und das, obwohl er sie, ungeschickt wie er war, über den Haufen gerannt hat und sie sich dabei den Knöchel verstauchte. Danach verfiel die alte Priesterin in Schwärmereien und murmelt nur noch vor sich hin.

Doch Naru kann es nicht glauben. Wie soll das möglich sein? Sie weiß nichts von und über diesen Mann, nicht einmal ob sie ihn je wiedersehen würde! Innerlich hoff die junge Frau, dass er plötzlich vor ihr stehen würde, doch so etwas geschieht nur in Märchen und Sagen.
Ihr Leben ist davon weit entfernt und dennoch kann sie diese Gefühle einfach nicht vergessen und versucht sich immer wieder an jede Kleinigkeit seines Aussehens zu erinnern. Denn sollte er doch eines Tages wieder hier auftauchen, würde sie ihn wiedererkennen.



So vergehen die Tage. Daichi besucht den Schrein, von welchem sein Kollege gesprochen hat, doch die Frau ist dort nicht zu finden. Einige der Männer, die dort ihren Dienst verrichteten, erzählen ihm, dass die Enkelin der Priesterin für einige Zeit nicht mehr hier sein würde und dass er es in 4 Monaten noch einmal versuchen soll.
Auch wenn er weiß, dass sie nicht im Schrein ist, so geht er öfter als er sollte, vor allem, weil es nicht auf seinem Weg liegt, dort vorbei. Seine Augen sind immer auf die kleine Plattform gerichtet, auf welcher er sie das erste und einzige Mal gesehen hat.

Doch als die 4 Monate vorüber sind, steckt der junge Polizist in einer komplizierten Untersuchung, die all seine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Und so kann er nicht mehr zu dem Schrein, um nach der jungen Frau zu suchen. Seine Tage bestehen nur noch aus Kaffee, schlafen und arbeiten.



Natürlich haben die Männer Naru erzählt, dass ein junger Mann mit kurzen, braunen Haaren und braunen Augen am Schrein war und sie gesucht hat, doch hat sich keiner einen Namen geben lassen und so muss sie warten, dass er wiederkommen würde.
Immer wieder zieht der Blick des anderen an ihren Augen vorbei und entfacht die Gefühle wieder von Neuem.

Immer mehr Tage vergehen, ja sogar Monate und schließlich stürzen die Gefühle der Liebe beide in eine tiefe Trauer, der sie nicht entfliehen können.
Die Welt scheint plötzlich all ihren Glanz verloren zu haben. Gespräche wirken ermüdend auf sie und die Arbeit unerträglich lange.
Eine unerwartete Leere macht sich im Inneren der beiden breit und lässt sie beinahe verzweifeln. Nur in sternklaren Nächten lindert der Anblick der kühlen Lichter ihre Sehnsucht etwas.
Der Gedanke, dass der Mensch, welcher so tiefe und unerschütterliche Gefühle in ihnen geweckt hat, auch dort hinaufsehen könnte, lässt die Herzen beider wieder zu einer lodernden Flamme werden.



Schließlich stand das Sternenfest erneut vor der Tür. Koshi überredet Daichi dazu, mit ihm dorthin zu gehen. Auch wenn er zu Beginn nicht wollte, überkam ihn dann schnell die Erinnerung wieder und die Wärme, die er vor einem Jahr verspürte, breitet sich wieder aus.
Naru... vielleicht würde er sie heute wiedersehen können! Vielleicht würde sie wieder tanzen! Doch dieses Mal ist er sich sicher, er würde nicht einfach gehen. Er würde nicht zulassen, dass er sie wieder aus den Augen verliert und er wollte endlich ihre Stimme hören.
Fest packt er nach der Hand seines Kindheitsfreundes und stürmt mit diesem über den Platz, um zu der Plattform zu gelangen.

Und wie das Jahr davor, ist es bereits dunkel. Die Laternen erhellen die Holzbretter, auf denen eine junge Priesterin steht und wie in einem Traum die Geschichte der Liebenden darbietet.
Daichi stockt der Atem, als er sie erblickt. Ihre Bewegungen sind noch viel intensiver als er es in Erinnerung hat und auch ihre Augen wirkten deutlich unglücklicher.
Dieser Umstand sticht ihn so sehr in der Brust, dass seine Hand zu der Stelle über seinem Herzen fährt. „Nein...“, flüstert er, als die erste Träne ihre Wange hinab läuft.



Naru kann nun nur zu gut nachempfinden, wie sich die beiden Liebenden aus der Sage fühlen müssen. Sich nur einmal im Jahr zu sehen ist schrecklich.
Gerade, als sie wieder an der Stelle ist, wo ihre Augen gen Himmel gleiten, erhascht sie etwas direkt vor sich. Da steht er! An derselben Stelle, mit dem gleichen Yukata und einem unheimlich schmerzerfüllten Blick.
Ihre Lippen öffnen sich etwas, ein lautloses Keuchen dringt aus ihrem Mund und erleichtert, ihn vor sich zu sehen, zucken ihre Lippen wieder etwas hoch und verbreiten das Gefühl von Glück. All der Schmerz, die Sehnsucht und das Gefühl der Einsamkeit verlassen ihren Körper.

Der Brünette starrt die Frau wortlos an. Mit einem Mal änderte sich ihr Ausdruck. Pure Freude kann er nun in ihren Augen erkennen, Glück und die Trauer verschwindet, um Liebe zu weichen.
Nun ist Daichi sich sicher, dass nicht nur er diese unglaublich überwältigende Macht fühlt. Er kann es sehen, auch sie spürt es.



Anders als beim letzten Mal, lässt er sich nicht einfach von Suga weiterziehen. Nein, heute muss er sie sehen! Er muss mit ihr sprechen und vor allem muss er ihr sagen, dass er sie liebt.
Hastig stolpert er die Stufen hinunter, welche zu dem kleinen Hügel führen, in welchem sich der Schrein befindet. Er drängelt sich an Menschen vorbei, die auf der Zwischenebene Lose kaufen oder sich unterhalten. Doch gerade als er die nächsten Stufen sehen kann, erklingt das laute Klappern von Getas auf den Steinplatten, die den Weg bilden.

Schwer atmend bleibt er stehen, als die Hellblonde einige Meter vor ihm auf dem Pfad erscheint und ihn ansieht. Als wäre es ein Traum, traut sich keiner sich zu rühren. Eine ganze Weile betrachten sie sich einfach nur. Die Menschen, welche zwischen ihnen hindurch gehen, beachten sie überhaupt nicht. Als würden nur sie beide existieren und die Welt stillstehen. Das seichte Licht der Lampions erhellt die Szene und das Zirpen der Zikaden lässt es erscheinen, als würde dieser Ort nicht in diese Zeit gehören.

Endlich setzt der Brünette einen Fuß vor den anderen. Immer noch hoffend, dass er nicht träumt wie schon so oft, geht er näher an die Kleinere heran. Daichi erkennt ihren schnellen Atem, dass ihre Finger leicht zittern und sie ihn aufmerksam ansieht. Vorsichtig hebt er seine rechte Hand und legt diese an die gerötete Wange der Priesterin. „Endlich!“, haucht diese, schließt die Augen und schmiegt ihre Wange etwas näher an seine Hand. Dabei fahren ihre Finger auf seine und drücken diese ganz leicht.



Sie kann das harte Schlucken des Mannes vor sich hören, spürt das leichte Zittern seine Hand und öffnet ihre Lider wieder. Ihr blicken die schönsten Augen der Welt entgegen. Die, welche sie ein Jahr lang nicht vergessen konnte und die, welche ihre Gefühle in das vollkommene Chaos gestürzt haben.
Für sie bedarf es keiner Worte mehr. Langsam stellt sich Naru auf Zehenspitzen und legt sacht ihre Lippen auf seine.
Der Griff auf ihrer Wange wird ein wenig fester, während die andere Hand des Größeren um ihren Körper gleitet. Dabei vertieft er den Kuss sogar und er wird von einem unschuldigen, zögernden, zu einem intensiven und leidenschaftlichen.

Nur langsam lösen sich die beiden wieder. Naru legt ihre Stirn an seine und sieht auf ihre Hand, die mittlerweile, mit seiner verflochten, an seiner Brust liegt. „Ich liebe dich!“, kommt es dabei hauchzart von der Perlmuttbonden. In diesen drei Worten liegt so viel Gefühl, dass sich ein heißer Schauder über die Haut beider zieht.

Der Arm um Narus Körper spannt sich ein wenig an, ehe auch Daichi etwas sagt: „Ich liebe dich auch!“ Als die Frau ihn wieder ansieht, erkennt sie die dunkle Röte und muss ein wenig schmunzeln.
Vorsichtig nimmt sie wieder Abstand ein, lässt aber seine Hand nicht los. „Wie heißt du?“, will sie nun wissen. Seit dem ersten Tag fragt sie sich das und nun kann sie es endlich erfahren!

Der Brünette kratzt sich verlegen am Kopf und schielt von einer Seite zur anderen, ehe er wieder in diese wunderschönen, nachtblauen Augen blickt, in denen er nun auch die Sterne erkennt, welche in silbernen Sprenkeln über die Regenbogenhaut verteilt sind. „Daichi Sawamura!“, antwortet er und könnte sich selbst schlagen. Küsst hier einfach eine quasi Fremde ohne sich vorzustellen.
Doch das herzliche Lachen, das die Frau seiner Träume ihm dann schenkt, lässt ihn das alles wieder vergessen. „Naru Tokukami! Freut mich!“

✩✩✩


Manche Sagen wirken so weltfremd und scheinen in der Moderne keine Bedeutung mehr zu haben. Doch es gibt immer jemanden, der dem Ganzen etwas abgewinnen kann. Der darin mehr sehen kann, als nur einfache Worte aus alten Geschichten.

✩ +。*.✧・.* ✲。*☆  .・°☆. ✧ *・°  ✲
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