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Miss Austen’s Little Bookshop

von Serena86
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Richard Armitage
19.09.2020
21.11.2020
8
35.518
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 4.206
 
Bereits seit einigen Tagen ließ Caitriona seine Anrufe unbeantwortet. Ein Umstand, der es ihm nicht leichter machte vor ihr zu Kreuze zu kriechen und ihr zu sagen, wie leid ihm alles tat. Richard fühlte sich mies. Zerfressen von Schuldgefühlen fand er kaum noch Schlaf und konnte nur noch daran denken, wie sie auseinander gegangen waren. Zuerst hatte er ihr den Freiraum gegeben, den sie brauchte um ihre Gedanken zu sortieren, aber nachdem Tage danach noch immer kein einziges Lebenszeichen von ihr kam, verunsicherte ihn ihr eisernes Schweigen zutiefst. Er war ruhelos. Er war rastlos. Und er vermisste sie. Er vermisste ihre Berührungen. Ihre Zärtlichkeit. Er vermisste ihre liebevolle Art sich um ihn zu kümmern. Er vermisste ihre Ironie. Er vermisste ihren Sarkasmus. Und vor allem vermisste er ihren trockenen morbiden Humor, der ihm den Tag gerettet hatte. Er vermisste das Gesamtpaket Caitriona und alles was sie ausmachte, was ihm erst so wirklich klar wurde, als er sie nicht mehr in seinem Leben hatte. Richard konnte nicht länger verleugnen, dass ihm ihre Weigerung sich mit ihm zu unterhalten ihn aus dem Gleichgewicht brachte. Je näher er über seinen Wutausbruch nachdachte, desto eher wurde ihm klar, wie kindisch seine Launenhaftigkeit gewesen war. Er hatte sich wie ein Kleinkind verhalten und nicht wie ein erwachsener Mann, der dazu fähig gewesen wäre eine angemessene Konversation zu führen. Nach einigen Tagen endlos schlafloser Nächte, war er schlicht und einfach verzweifelt. Er wusste nicht mehr weiter. Zwar wollte er sie nicht bedrängen, weil er wusste, was für Auswirkungen es auf sie hatte, aber still sitzen bleiben konnte er jetzt auch nicht mehr, weil er dieses Missverständnis so schnell wie möglich aus der Welt schaffen wollte. Wie ein profimäßiger Stalker war er daraufhin drei Mal täglich vor ihrem Wohnhaus gestanden. Morgens. Mittags. Abends. Nur um irgendein Lebenszeichen von ihr zu bekommen. Genauso wie es ein Irrer tun würde, der seine persönliche Herzensdame auserkoren hatte. Für ihn war es mittlerweile zu so etwas wie zu einem Ritual geworden: Er klopfte an ihre Wohnungstür, aber sie öffnete ihm nicht. Er ging zu ihrem Laden hinunter, und spähte durch die Glasscheiben hindurch, aber keine Menschenseele war darin zu entdecken. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, verhöhnte ihn jedes Mal aufs Neue dieses handgeschriebene Blatt Papier, das an der Eingangstüre hing.

Vorübergehend geschlossen.

Kein Zeitrahmen. Kein Anhaltspunkt. Richard ging einige Schritte zurück und blickte zu ihrem Fenster hinauf, wo die Vorhänge immer noch zugezogen waren. Entweder sperrte sie sich in ihrer Wohnung ein und wollte niemanden sehen, oder sie war tatsächlich fort gefahren, was seine Sorge um sie nur noch tatkräftiger anfeuerte. Seine Cat war von der Bildfläche verschwunden, obwohl er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass sie ihre innig geliebten Katzen dort oben sich selbst überlassen würde. Angestrengt rieb er sich über die müden Augen, weil er auf verlorenem Posten stand und nicht mehr weiter wusste. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, als erneut den Rückzug anzutreten. Geknickt wollte er sich gerade davon machen, als er genau in diesem Augenblick Mella aus Cats Wohnung hinunter kommen sah. Etwas, das er als Fügung des Schicksals betrachtete. Naserümpfend entsorgte Mella den Müllbeutel mit dem alten Katzenstreu und sah dabei alles andere als begeistert aus. Ein kleiner Hoffnungsschimmer machte sich ihm breit, als er daraufhin kopflos auf sie zu rannte.

„Mella“ rief er laut den Namen von Cats Freundin, sodass sie abrupt den Kopf hob. Als sie ihn auf sich zulaufen sah, verfinsterte sich ihr Gesicht schlagartig.

„Armitage“ erwiderte sie mit bedrohlich leiser Stimme und baute sich kampfbereit vor ihm auf. Richards eigener Überlebensinstinkt war wie ausgeblendet. Zwar sah er der winzigen Blondine mit dem mörderischen Ausdruck im Gesicht nur allzu deutlich an, dass sie ihn am liebsten tot gesehen hätte, aber er wusste auch, dass ihm gar keine andere Wahl blieb, als sich ihr todesmutig entgegen zu stellen, wenn er Antworten von ihr haben wollte. Als sie ihn musterte und feststellte wie grauenhaft er aussah, hätte sie beinahe tiefes Mitleid für ihn empfunden. Aber auch nur beinahe.

„Du“ zischte sie ihn an. „Wegen dir muss ich mich mit diesen psychopathischen Viechern herum schlagen, die über mich herfallen, wie wild gewordene Bestien! Diese hinterlistigen verwöhnten Gören haben mich aus dem Hinterhalt angefallen und mich fertig gemacht! Sieh dir nur an, was die mit mir gemacht haben“ zeigte sie ihm wutentbrannt die Kratzwunden an ihren Armen „Dabei bin ich ihnen gar nicht nahe gekommen und habe ihnen lediglich ihr beschissenes Katzenklo sauber gemacht. Man sollte wohl annehmen, dass man zu der Person, die einem das Futter bringt nett ist, aber nein! Diese Viecher sind bösartig! Reinkarnierte Psychopathen und Dämonen in süßer, flauschiger Katzengestalt, die nur darauf warten die Weltherrschaft an sich zu reißen! Das ist alles nur deine Schuld, Armitage! Ausnahmslos deine“ Für ausführliche Beschreibungen, die rein gar nichts mit Cat zu tun hatten, hatte er in seiner momentanen Lage keinen Kopf. Ungeduldig stierte er sie an, weil er lediglich eines von ihr wissen wollte.

„Wo ist sie, Mella? Wo ist Caitriona?“ Anstatt ihm eine ausführliche Antwort zu geben und mit der Sprache raus zu rücken, verschränkte sie lediglich die Arme vor der Brust und sah ihn eine gefühlte Ewigkeit stillschweigend an.

„Und das soll ich ausgerechnet dir sagen, weil?“

„Weil ich mir Sorgen um sie mache, verflixt nochmal!“ Auf seine Erklärung hin lachte sie ihn hämisch aus.

„Als ob du dir Sorgen um sie machst! Dass ich nicht lache! Du hast doch mit ihr Schluss gemacht, du mieser Penner“ Das Gesagte nahm ihn den Wind aus den Segeln. Wie vor den Kopf gestoßen sah er sie verdattert an. Die Erkenntnis traf ihn unvorbereitet, weil Caitriona seine Worte wortwörtlich genommen hatte.

„Das war im Eifer des Gefechts doch nur so dahin gesagt. . .“ erwiderte er kleinlaut.

„Dummer Mann“ schüttelte sie verächtlich den Kopf „Für jemanden, der sein Geld damit verdient mit Worten umzugehen, bist du relativ freimütig damit diese falsch zu gebrauchen. Ich habe dich wirklich für intelligenter gehalten, Armitage. Das war wohl mein Fehler“

„Was hat sie dir sonst noch alles erzählt?“ fragte er sie hörbar verunsichert.  

„Jedenfalls genug um mir zusammen zu reimen, wie schrecklich du sie behandelt hast. Und bevor du dir in die Hosen machst: Sie hat mir so gut wie gar nichts erzählt, du Trottel. Ich habe sie ausgequetscht wie eine Zitrone, aber sie wollte mir keine Details verraten. Und weißt du auch warum? Weil sie nie schlecht über Menschen reden würde, die ihr etwas bedeuten. Selbst dann nicht, wenn sie sich wie die größten Arschlöcher benehmen. Cat ist nämlich der friedfertigste Mensch den ich kenne und hat das größte Herz von allen. Sie hat die Schuld auf sich genommen und dich in Schutz genommen, obwohl wir beide doch ganz genau wissen, dass sie der liebste und gütigste Mensch auf dieser gottverdammten Welt ist!“

„Verdammt“ fluchte er und rieb sich über die müden Augen. Es war genau das eingetreten, wovon er sich gefürchtet hatte. Sie gab sich selbst die Schuld an etwas, das er verbockt hatte.

„Ja, genau! Verdammt! Ich weiß zwar nicht genau was du zu ihr gesagt oder tatsächlich getan hast, aber da du vor mir stehst und ausgerechnet mich danach fragen musst, wo sie sich befindet, macht dich das schon aus Prinzip schuldig. Und so fertig wie sie gewesen ist, kann es doch nur etwas mit einer anderen Frau zu tun gehabt haben, habe ich recht? Was für ein Klischee! Ihr Männer denkt immer nur mit eurem Schwanz. Was ihr im Köpfchen haben solltet, habt ihr lediglich zwischen den Beinen. Ich dachte wirklich du wärst anders. Und weißt du was? Sie ist auch viel zu gut für einen Typen wie dich. Sie ist schon einmal auf so einen Schmierlappen herein gefallen und braucht das kein zweites Mal durchzumachen“ Mella verhielt sich ihm gegenüber ablehnend und hatte den Wutausbruch ihres Lebens, sodass er ihr einen grimmigen Blick zuwarf. „Du brauchst mich gar nicht so böse anzugucken! Das Du Tarzan, ich Jane, kannst du dir gleich abschminken, du Depp. Nicht mit mir! Und schon gar nicht, nachdem was du dir geleistet hast. Ganz ehrlich? Ich denke, du bist einfach nur neidisch auf sie, weil ihre Selbstständigkeit sich bedrohlich auf dein männliches Ego auswirkt. Es ist so typisch für euch Männer! Emotionale Reife liegt euch fern, und wenn es nicht mehr nur um euch geht, benehmt ihr euch wie bockige kleine Kinder. Du bist doch auch nur einer von diesen Männern, die die Frauen so lange als ebenbürtig betrachten, solange sie dir nicht das Gefühl geben, dass du ihnen unterlegen bist. Ein chauvinistisches, sexistisches Mistschwein bist du! Und nichts anders!“

„Jetzt mach‘ aber mal halblang . . .“ versuchte er sich zu verteidigen „Jetzt lass‘ uns wie zwei zivilisierte erwachsene Menschen miteinander sprechen“

„So erwachsen und zivilisiert, wie du dich mit ihr unterhalten hast?“ fuhr sie ihn an und gab ihm keinerlei Chance sich zu erklären.

„Du hast recht, aber . . .“

„Kein aber! Und unterbrich‘ mich gefälligst nicht! Solange ich spreche, hältst du die Schnauze, kapiert? Ihr Männer tut immer was ihr wollt, und kommt damit auch noch durch! Du glaubst wohl tatsächlich, dass du Cat wie Dreck behandeln und herum schubsen kannst, wie es dir gerade beliebt. Du ziehst da gerade eine ganz miese Nummer mit ihr ab, aber das lasse ich nicht zu. Mag sein, dass du mit deinem lächerlichen Gehabe auf der großen Bühne ein Meister darin bist Gefühle vorzutäuschen, aber Cat ist ein Mensch aus Fleisch und Blut und fühlt tatsächlich, während du lediglich spielst. Du bist nichts weiter als ein manipulativer Heuchler, den ich nicht in ihrer Nähe haben will. Und um auf deine vorherige Frage zurück zu kommen: Sie ist nicht da, und wird auch so schnell nicht mehr wieder kommen. Also lass‘ sie gefälligst in Ruhe und hör‘ auf sie mit Anrufen zu bombardieren! Sie soll sich in Ruhe ihre Wunden lecken können und über dich hinweg kommen, und das kann sie nicht, wenn du dich wie ein kranker, selbstverliebter, narzisstischer Psychopath verhältst, der ihre Hoffnungen und Träume zerstört, und ihr das Leben nur noch umso schwerer macht, als ohnehin schon“  fuchtelte sie wie wild divenhaft mit den Händen vor seiner Nase herum. Ihr feindseliges Verhalten wühlte ihn auf, aber gleichermaßen machten ihre Vorwürfe ihn auch stinksauer.

„Danke für die Blumen“ erwiderte er ärgerlich mit zusammen gebissenen Zähnen „aber da hast du wohl Pech gehabt. Der kranke, selbstverliebte, narzisstische Psychopath wird ganz bestimmt nicht die Füße still halten. Das kannst du dir gleich abschminken, Mella. Sie ist immer noch mein Mädchen, also erspar mir deine gut gemeinten Ratschläge und sag‘ mir stattdessen wo sie ist, damit ich sie mir zurück holen kann"

„Den Teufel werde ich tun“ bot sie ihm nonchalant die Stirn „Ich möchte dich nicht mehr in ihrer Nähe sehen. Und es spielt verdammt nochmal keine Rolle was du willst, sondern was das Beste für Cat ist. Halte dich von ihr fern!“

„Red' keinen Scheiß! Was weißt du denn schon?“ maulte er zurück und setzte alles auf eine Karte.

„Na jedenfalls mehr als du, du selbstverliebter Esel! Sie braucht Abstand von dir, damit sie wieder zur Ruhe kommen kann. Sie muss ihre Gedanken sortieren, nachdem du ihr so zugesetzt hast, sodass ihr gar keine andere Möglichkeit geblieben ist, als die Flucht anzutreten. Sie kann leider nicht bis in alle Ewigkeiten fort bleiben, weil ihr Leben hier in London ist, und sie sich nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag verkriechen kann, aber bis dahin wirst du sie nicht weiter belästigen, weil du es sonst mit mir zu tun bekommst, klar? Und glaub mir, das möchtest du bestimmt nicht, weil ich dir dein jämmerliches Leben zur Hölle machen werde. Das ist ein Versprechen! Sie braucht in ihrem momentanen Zustand weder dich, noch deine geheuchelten, falschen und selbstbemitleidenden Entschuldigungen! Sie braucht Ruhe!  Und tja, wer weiß?“ lächelte sie gehässig „Vielleicht lernt sie dort wo sie sich gerade befindet auch einen anderen Mann kennen, der bereit ist ihr die Welt zu Füßen zu legen und sie zu schätzen weiß. Sie verdient nämlich jemanden, der sich binden und mit ihr sesshaft werden möchte. Lass‘ sie ihr Leben leben und gib‘ sie frei. Dann wärst du nämlich endlich vergessen und könntest im Gegenzug das tun, was auch immer du möchtest, werter Herr Schauspieler“ Angestrengt rieb er sich über die pochenden Schläfen. Das Gespräch zermürbte ihn. Er bekam Migräne. Dies war der Zeitpunkt, indem Richard sich nicht länger zurück halten konnte, und auf ihre Provokation hin die Geduld verlor.

„Nein, jetzt hörst du mir mal zu! Ich soll sie frei geben? Nur über meine Leiche! Ich würde mich für Caitriona vor einen Bus werfen, klar? Und das, was zwischen ihr und mir passiert, geht dich einen verdammten Scheißdreck an! Ich möchte das schon selbst mit ihr klären und dafür brauche ich dich nicht. Und nur wenn sie mir sagt, dass ich mich verpissen soll,  werde ich das auch tun. Aber dafür muss ich ihr ins Gesicht sehen und es aus ihrem eigenen Mund hören. Du kannst dich noch so sehr aufspielen, aber du wirst mich bestimmt nicht bis in alle Ewigkeiten von ihr fern halten können. Ich liebe Cat! Und du hast nicht den blassesten Schimmer wovon du redest. Also halt‘ deine vorlaute Klappe und sag‘ mir gefälligst wo sie ist, damit ich diesen Schlamassel ein für alle Mal klären kann. Bis jetzt war ich noch freundlich zu dir, aber wenn du mir weiterhin blöd kommst, dann war es das mit meinen guten Manieren. Hast du mich verstanden, Blondie?“ Mit seinem Geständnis sichtlich zufrieden, sah sie ihn anerkennend an. Selbst Richard schien von seinem Geständnis, das ihm über die Lippen gekommen war, aber auch von seiner harschen Wortwahl, zutiefst irritiert.

„Wow, geht ja! Da habe ich dich wohl gewaltig unterschätzt. Diesen Kampfgeist habe ich gar nicht von dir erwartet. Ich dachte vielmehr du schmollst, ziehst den Schwanz ein und ziehst melodramatisch von Dannen. Das ist ja schon mal ein gewaltiger Fortschritt. Wenn du gleich so offen gewesen wärst, dann wäre sie dir gar nicht erst davon gerannt, du Dummkopf. Denn auch wenn unsere herzallerliebste Cat eigenbrötlerischer ist als die meisten Frauen, ist und bleibt sie eine Frau, die aus dem Mund ihres Traumprinzen hören möchte, wie sehr er sie wertschätzt. Jetzt musst du es meiner lieben Freundin nur noch ins Gesicht sagen, damit ihr euch wieder in die Arme schließen und zusammen in den Sonnenuntergang reiten könnt“ sprach sie nun wesentlich milder und lächelte ihn sogar an, sodass ihm sein hitziger Ausbruch leid tat. Mella grinste so selbstgefällig, dass ihm ein Verdacht kam. Richard war in der Defensive. Sie hatte es perfekt eingefädelt. Sie war wie eine Politikerin, die sich an die Notizen hielt, und ihn schlicht und einfach in einen Hinterhalt gelockt hatte.

„Warte mal! Hast du mich etwa mit voller Absicht provoziert? War das etwa ein Test?“

„Worauf du deinen Knackarsch verwetten kannst, du Depp“ erwiderte sie mit milder Herablassung, ehe sie einen versöhnlichen Tonfall einschlug „Du brauchst gar nicht so dämlich aus der Wäsche zu gucken. Das ist es was ich hören wollte. Du hast mir den glasklaren Beweis geliefert, dass du es tatsächlich ernst mit ihr meinst. Du bist hemmungslos in sie verschossen und wolltest es nicht wahr haben. Und weil du sie anscheinend liebst, werde ich mit der Sprache raus rücken und sage dir in aller Offenheit, dass sie in die alte Heimat geflüchtet ist. Sie ist bei ihren Eltern in Irland und wird in einer Woche wieder kommen“

„Sie ist in Irland? So weit fort?“ fragte er erschrocken.

„Ja, und bevor sie gefahren ist, war sie ganz und gar nicht mehr sie selbst. Ich habe sie mit den Nerven noch nie so am Ende gesehen und habe Stunden gebraucht, um sie einigermaßen zu beruhigen. Ich habe sie mit Baldrian Tee abgefüllt, woraufhin die Katzen durchgedreht sind, was wohl erklären würde, wieso sie mich gegenwärtig attackieren, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Glaub mir einfach, wenn ich dir sage, dass sie dich genauso gern hat wie du sie. Denn wenn du ihr egal wärst, dann wäre sie nicht so ausgetickt“ Ihre Worte gaben ihm Hoffnung, aber gleichermaßen stimmten sie ihn traurig, weil sie wegen ihm litt. Aufmunternd schlug sie ihm freundschaftlich auf die Schulter. Nachsichtig lächelte Mella ihn an. „Seitdem sie dich kennen gelernt hat, ist sie endlich wieder aus sich heraus gegangen. Mein Mädchen hat ihr Schneckenhaus verlassen und obwohl du es - aus mir unerklärlichen Gründen - vermasselt hast, tust du ihr paradoxerweise auch gut. Ihr zwei zusammen seid so widerlich beschissen süß, dass ich mich am liebsten durch die Nase übergeben würde. Und weil sie dich so sehr in Schutz genommen hat und nicht wollte, dass ich schlecht über dich denke, glaube ich, dass es noch so etwas wie eine Chance für euch gibt, wenn du dich reumütig zeigst und vor ihr zu Kreuze kriechst" Traurig lächelte er Cats beste Freundin an.

„Ich wollte sie nie verletzen“

„Mich musst du nicht überzeugen. So beschissen wie du aussiehst, glaube ich dir sogar, dass du es nicht mit Absicht getan hast, aber geschehen ist geschehen. Dieser Umstand lässt sich jetzt nicht mehr zu ändern. Wenn du ihr nur früher gesagt hättest was du empfindest, wäre alles vermutlich ganz anders abgelaufen. Ob ihr es noch paarweise auf die Arche Noah schafft, kann ich dir nicht sagen. Ich bin keine Hellseherin. Ich hätte auch nie geglaubt, dass sie einfach so abhaut und mich darum bittet für ihre Tiere zu sorgen. Momentan ist sie noch tief verletzt und unberechenbar und ich kann nicht vorher sehen, wie sie auf deinen Entschuldigungsversuch reagieren wird. Cat ist ein Mensch, der viel zu viel nachdenkt und grübelt und das ist euch – so denke ich – zum Verhängnis geworden. Zwar bin ich immer noch stinksauer auf dich, weil du der Grund dafür bist, weshalb es ihr schlecht geht und würde dich immer noch gerne verprügeln, aber wie ich festgestellt habe, hat das schon ein anderer für mich erledigt“ erwiderte sie amüsiert und musterte weniger subtil sein geschundenes Gesicht. „Was ist denn überhaupt passiert? Wenn du mir jetzt sagst, dass Cat dir eine runter gehauen hat, dann Chapeau. Ich hätte ihr so einen fiesen Faustschlag nie zugetraut“  

Auf ihre Aufforderung hin schilderte Richard ihr die Kurzversion des Aufeinandertreffens mit Andrew Riley. Mit der Betonung darauf, wie er Cat hinter ihrem Rücken verunglimpft und beleidigt hatte.

„Nun ja“ sprach er zögerlich „und das Ende der Geschichte ist, dass ich Riley verprügelt habe, und er sich danach bei mir revanchiert hat, indem er mir seine Faust ins Gesicht geschlagen hat. War das genug Input für dich?"

„Ausgerechnet du hast Andrew eine gescheuert?" fragte sie ihn zutiefst verblüfft "Der erzkonservative, gesetzestreue, perfekte Schwiegersohntyp? Wahnsinn! Da werde ich doch glatt neidisch! Anscheinend bist du gar nicht so spießig und kannst auch ordentlich austeilen. Das hätte ich dir nie zugetraut. Respekt! Die Hohlbirne hat es wahrlich verdient. Bitte sag mir, dass du ihn k.o geschlagen hast! Wer hat gewonnen?“ Mellas Begeisterung für den unliebsamen Zwischenfall der ihn den Job gekostet hatte, war so groß, dass er nicht umhin kam, ihr ein kurzes, aber freudloses Lachen zu schenken

„Er hat mir zwar dieses blaue Auge verpasst, aber ich habe ihm die Nase gebrochen . . .“

„Gut gemacht, Armitage“ sprach sie anerkennend und hielt ihm die Hand für ein High Five hin, in die er halbherzig einschlug. Auch wenn er Mella nach langem hin und her ein Stück weit auf seine Seite ziehen konnte, durfte er nicht vergessen, weshalb er hierhergekommen war. Er durfte mit den Gedanken nicht abschweifen. Er musste sich auf Caitrionas Rückkehr konzentrieren und wie oder ob es ihm gelingen würde sie um Verzeihung zu bitten. Richard verzog sein Gesicht zu einer zerknirschten Miene, weil er mit seinem Latein am Ende war.

„Das Einzige, was ich möchte, ist, ihr so schnell wie möglich meine Seite der Geschichte zu erklären, aber wie soll ich das anstellen, wenn sie mich nicht mehr an sich heran lässt?“ sprach er seine Ängste unbeholfen aus „Wie soll ich ihr alles erklären, wenn sie es nicht zulässt? Du bist Cats beste Freundin. Was soll ich deiner Meinung nach tun?“

„Das Beste, das du jetzt für sie tun kannst, ist, ihr diese eine Woche zu geben und sie nicht anzurufen“ Richards seufzte, weil er diese Antwort erwartet hatte. Und auch Mella empfand tiefes Mitgefühl für ihn, weil sie ihm ansah, wie sehr er mit sich selbst haderte. „Ich weiß nicht, ob es mir zusteht so vieles Preis zu geben, aber ich möchte ehrlich zu dir sein, weil du auch ehrlich zu mir gewesen bist. Caitriona hält sehr viel von dir und hat vor diesem unliebsamen Vorfall nur in den höchsten Tönen von dir gesprochen. Dauernd hieß es nur Richard dies, Richard das. Und freimütig zu schwärmen, ist sonst gar nicht ihre Art. Und der einzige Rat, den ich dir geben kann, ist dran zu bleiben. Ich kenne Cat jetzt schon so viele Jahre und kann dir versichern, dass ihr Zeit zu geben die beste Lösung ist. So abgedroschen das auch klingen mag. Denn wenn du sie weiter in die Ecke drängst, wird sie nichts anderes mehr tun als weiterhin abzublocken. Sei geduldig mit ihr und wenn sie zurück ist, wirst du dich ordentlich anstrengen und sie dir wieder holen, Tiger“ sprach sie aufmunternd, ehe sie mit gerunzelter Stirn belustigt auf sein unvorteilhaftes Outfit hinunter blickte und angewidert die Lippen verzog. "aber vorher solltest du dich vielleicht noch umziehen, weil du mit deinem Pullunder aussiehst wie ein zu groß geratenes Enkelkind, das am Sonntagnachmittag bei der Oma das Taschengeld abholen fährt. Das Hemd, das du darunter trägst, ist zwar akzeptabel, aber den Rest kann und werde ich nicht tolerieren. Es gibt viele schöne Kleidungsstücke auf dieser Welt, aber Rollkragenpullover und Pullunder zählen eindeutig nicht dazu“ Fragend sah er an sich hinunter, weil er kopflos und ohne darauf zu achten ein x-beliebiges Kleidungsstück aus dem Schrank gezogen hatte, ehe er hierher gekommen war.

„Danke für die Modetipps" erwiderte er mit einem nachsichtig Lächeln, weil dieser Spruch ganz nach Caitriona klang "Cat hat zwar immer gemeint, dass ihr beide grundverschieden seid, aber insgeheim habt ihr beide doch mehr gemeinsam als es auf den ersten Blick den Anschein macht“ Zufrieden grinste Mella ihn an.

„Das fasse ich als Kompliment auf“

„Das solltest du auch, und ich weiß gar nicht, wie ich dir für deine Unterstützung danken soll. Du hättest mich zweifelsohne zum Teufel jagen können und hast es dennoch nicht getan“  

„Ich mache das auch nicht für dich, sondern für meine beste Freundin“ erwiderte sie keck „Wie könnte ich auch nicht? Das zwischen euch ist so abartig romantisch wie in Notting Hill , bis auf die Tatsache, dass du Julia Roberts und Cat Hugh Grant ist. Ich hingegen bin Spike, der verrückte, abgefuckte, weltfremde Mitbewohner, der halbnackt durch die Wohnung läuft und die nötigen Liebestipps gibt, wie man das Mädchen am besten bekommt. Ich bin auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und es bittet es zu lieben “ zitierte sie träumerisch-verklärt aus dem Film, ehe sie sich wieder fasste und ernst zu ihm aufblickte „Wie erwähnt ist sie in einer Woche zurück und dann ist es deine persönliche Aufgabe alles wieder in Ordnung zu bringen. Und wenn du es nicht hinkriegst, werde ich herausfinden wo du wohnst und dich fertig machen. Nur mal so als kleine Vorwarnung. Ach, und wenn es nicht zu viele Umstände macht, werdet ihr euer Erstgeborenes nach mir benennen, klar? Ob nun Junge oder Mädchen, ist nicht verhandelbar! Dann wird er eben in der Schule gemobbt. Da muss er durch. Das ganze Seifenoperndrama, mit dem ich mich herum schlagen muss, soll nämlich nicht umsonst gewesen sein, verstanden?“

„Verstanden, Ma‘am“ zuckten seine Mundwinkel verdächtig, sodass sie misstrauisch die Augen zusammen kniff.

„Nenn‘ mich noch einmal Ma’am und ich schlage dir das andere Auge auch noch blau. So viel dazu. Lass es mich nicht bereuen. Ich möchte letztendlich nämlich nicht diejenige gewesen sein, die das Panda-Baby in den Tigerkäfig geschoben hat. Cat ist ein sehr feinfühliger Mensch mit einer hohen emotionalen Intelligenz und wenn du dich nicht allzu blöd anstellst, wird sie auch merken wie ernst dir deine Entschuldigung ist. Und wenn du sie überzeugen kannst, halte sie so fest wie möglich, weil ihr zwei etwas Besonderes habt, das nur die wenigsten Paare von sich behaupten können. Nämlich Freundschaft. Sie ist es wert um sie zu kämpfen, also streng dich gefälligst an. Auch wenn die Lage auf den ersten Blick hoffnungslos erscheint"

„Ich verspreche es dir hoch und heilig“ erwiderte er felsenfest von sich überzeugt „Ich werde bis an mein Lebensende in deiner Schuld stehen. Ich danke dir“

„Tja, dann wäre wohl alles gesagt“ erklärte sie mit einem koketten Grinsen im Gesicht und machte mit einer schwungvollen Hüftbewegung auf Absatz kehrt. „Au Revoir, Monsieur Armitage. Und wenn du ihr entgegen trittst und dir vor Angst beinahe in die Hosen machst, vergiss‘ nicht, was ich dir gesagt habe“

„Ach, und Mella?“ rief er ihr hinterher, sodass sie abrupt stehen blieb und ihm über ihre Schulter hinweg einen fragenden Blick zuwarf.

„Ja?“

„Caitriona kann sich glücklich schätzen dich als Freundin zu haben“ Mella schenkte ihm ein letztes arrogantes Grinsen und winkte ihm zum Abschied zu.

„Worauf du deinen schauspielernden Prachthintern verwetten kannst, Armitage“ Und ehe er sich versah, war der kleine Feldwebel verschwunden.
 
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