escape

von Lilli
GeschichteAllgemein / P18
Hailey Upton Jay Halstead OC (Own Character)
19.09.2020
24.10.2020
15
29.296
3
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.10.2020 2.061
 
Anmerkung der Autorin:

Ich habe das Mindestalter für die Geschichte aufgrund des kommenden Kapitels auf P18 hochgesetzt. Alles andere macht keinen Sinn.
Ich weiß nicht, ob der neue Teil besonders realistisch ist, aber ich habe mein Bestes gegeben.
Um dem weiteren Verlauf (und auch der Fortsetzung) zu folgen, ist es wichtig, dass man diesen Teil nicht überliest.
Ich wünsche euch trotz der ernsten Thematik viel Spaß!

******************************************

-Riley-

Dad vermittelte mir einen Termin bei Dr. Charles.
Zu meiner Überraschung war der Psychodoc ziemlich in Ordnung. Für die kommende Woche hatten wir zwei Termine vereinbart.

Als ich am Mittwoch  jedoch von der Therapiestunde kam, spitzten sich die Dinge zu. Normalerweise wollte mich Mom abholen, aber sie kam einfach nicht. Um 16 Uhr sollte sie dort sein. Mittlerweile war es bereits 16:30 Uhr.  An ihr Smartphone ging sie auch nicht.

Eigentlich war der Tag bisher ziemlich gut gelaufen. Der Neuanfang in der neuen Schule hatte sich an diesem Tag positiv gestaltet und ich wurde offen von meiner neuen Klasse empfangen. Umso mehr wunderte es mich, dass mich meine Mutter versetzte. Normalerweise war sie immer pünktlich.

Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich lief zur nächsten Bushaltestelle. Da der Bus zufällig auch in der Nähe der Werft hielt, an der sich der Tunnelmord ereignet hatte, spann sich mein Hirn einen fatalen Plan zusammen.

Ich beschloss an einer Haltestelle ganz in der Nähe auszusteigen. Die Verbindungen waren gut, sodass ich nur 20 Minuten später wieder von dort weiterfahren würde, so mein Irrglaube.

Zwischenzeitlich versuchte ich immer wieder meine Mutter und meinen Vater zu erreichen.
Zu meiner kompletten Verwunderung ging aber auch Dad nicht ans Telefon.

Das kam mir seltsam vor. In meiner Naivität dachte ich mir aber nichts dabei.

Ich stieg also in den Bus und betätigte an der Ecke der George Washington Street die Haltewunschtaste.
Zwar war ich hier noch nie zu Fuß unterwegs gewesen, aber ich erinnerte mich daran, dass wir an der Haltestelle einmal umgestiegen waren, als wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln meine Großmutter besucht hatten, weil unser Wagen in der Werkstatt war.

Ich holte meinen Stadtplan von Chicago aus dem Rucksack, den mir Mom einmal geschenkt hatte und den ich meist in meinem Wochenplaner aufbewahrte.

Mittlerweile war das Wetter schlechter geworden und der Himmel hatte sich sichtbar verdunkelte, was mich jedoch nicht von meinen Plänen abhalten sollte.

Nachdem ich mich kurz orientiert hatte, lief ich durch den Stadtpark. Der Tunnel, in dem der Mord passiert war, befand sich in einer Art Seitenstraße. Passanten hatten ihn vor dem Mord wohl hin und wieder als Abkürzung genutzt.

Nervös bog ich in die Seitenstraße ab und plötzlich, nach nur 200 weiteren Metern sah ich ihn.
Ich blickte mich kurz um. Wirklich belebt schien die Gegend tatsächlich nicht zu sein. Genauer gesagt, war ich die Einzige weit und breit.

In der Nähe vernahm ich wie die Züge über die nahe liegenden Bahnschienen brausten.
Mit zitternden Beinen lief ich näher, bis ich ungefähr 20 Meter vor der dunkeln engen Tunnelröhre stand und ehrfürchtig auf das Innere sah, in dem Julia Broker ermordet wurden war.

Die Polizei hatte den Eingangsbereich mit Absperrband versehen.  An den Wänden des dunklen Tunnels befanden sich Grafittis. Direkt neben der engen Röhre verlief ein schmaler Bach.

Angespannt starrte ich in die Dunkelheit. Den gleichen Blick mussten die spielenden Kinder gehabt haben, als sie den Mörder auf frischer Tat ertappt hatten. Langsam trat ich näher.

Wenn man unmittelbar davor stand und in das Innere des Tunnels sah, wirkte der Anblick noch bedrohlicher, noch unheimlicher, als es der Mord an sich eh schon war

Gerade als ich einen weiteren Schritt nach vorne machen wollte, packte mich jemand von hinten und presste mir die Hand auf den Mund, ehe sich fremde Arme um meine Taille schlangen.

Ich war derart erschrocken, dass ich nicht einmal schreien konnte. In mir krampfte sich der ganze Magen zusammen.

Obwohl ich mich heftig gegen meinen Angreifer wehren wollte, hatte ich keine Chance.

Ich versuchte zu treten, versuchte um mich zu schlagen, aber es brachte nichts.

Ehe ich einen weiteren Verusch unternehmen konnte, mich loszureißen, spürte ich, wie sich eine Nadel in meinen Hals bohrte. Ab da  ging meine Welt in Watte unter…

_____________________


Ich begann zu blinzeln. Das Erste was ich sah, war die Dunkelheit. Meine Lunge brannte und ich spürte, dass sich etwas auf meinen Lippen befand, das ein Atmen durch den Mund nahezu unmöglich machte.

Ich wollte meine Hände bewegen, realisierte aber, dass sie unterhalb meines Rückens zusammen gebunden waren.

Und dann mit einem Mal war alles wieder da. Fühlte sich so der Tod an?

Zu einer Antwort  kam ich nicht, denn plötzlich wurde eine Klappe geöffnet und grelles Tageslicht blendete meine Augen, sodass ich die Lider zusammenkniff und nur noch Blinzeln konnte. Ich realisierte erstmals, dass ich mich in einem Auto befinden musste.

Einige Sekunden vergingen, bis ich mich orientieren konnte und bruchstückhaft auf einen glatzköpfigen leicht verwahrlosten Mann sah.

War das der Tunnelmörder? Hatte er mich entführt, um mit mir das Gleiche wie bei Julia Broker zu wiederholen?
Ich begann zu wimmern und unruhig zu werden. Zu meiner Verwunderung riss er mir unsanft das Klebeband von den Lippen.

Panisch und erfüllt von Angst sah ich ihm entgegen.

„Was haben Sie mit mir vor?“, keuchte ich und versuchte die Tränen runter zu schlucken. Dad hatte mir früh beigebracht, dass man gegenüber Sadisten niemals Schwäche zeigen sollte, weil diese sich daran aufgeilten.

„Das wirst du gleich sehen, kleine Riley“, sprach er kühl und schnappte mich mit düsterer Fratze unsanft, sodass ich mich im Kofferraum des Wagens nach oben aufsetzten musste.

„Deine Eltern sind auch schon da. Es wird ein reines Fest“, grinste er mich ironisch an und mein erhitzter Kopf brauchte einen langen Moment, ehe er diese neue Information verarbeitet hatte, bis er zu einer erschreckenden Erkenntnis kam.

Das hier war nicht der Tunnelmörder. Das hier war Edward Sutherston. Der Mann, der mit meinen Eltern eine offene Rechnung hatte.
Warum wusste ich allerdings nicht.

Ich schluckte schwer, ehe er mich unsanft zum gehen zwang und mich grob hinter sich herzog. Auf halber Strecke blieben wir noch einmal stehen, weil er mir die Augen verbinden wollte. Ich hatte nicht viel gesehen, wusste lediglich, dass wir uns in einer Art Lagerhalle befanden. Wo diese Lagerhalle war und wie weit wir gefahren sein konnten, ahnte ich nicht.

Mir ging ein weiterer Aspekt durch den Kopf. Was sollte das heißen? Mom und Dad waren auch hier? Bedeutete das etwa, dass er sie auch entführt hatte? War das der Grund, weshalb sie nicht erreichbar waren?
Fragen, auf die ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort hatte.

Stattdessen hatte mich der Entführer grob gepackt und zog mich hinter sich her.
Meine Augen waren verbunden und die Fesseln an den Handgelenken erklärten eine Flucht von vornherein für gescheitert.

Mit einem Mal zog er mich zurück und gab mir so zu verstehen, dass ich Inne halten sollte. Dann schloss sich laut knarrend eine Tür, die ich als Metalltür identifizierte, ehe er mir die Augenbinde abnahm und mich grob in einen weiteren Raum schubste.

„Riley!“, vernahm ich eine mir bekannte Stimme, die ich als Mom identifizierte.
Erleichtert blickte ich auf meine Mutter, auch wenn das Gefühl nicht lange andauern sollte.

Spätestens als ich auf Dad sah, der mit blutüberströmten Kopf auf dem Boden kauerte und an ein Metallrohr gefesselt war, wurde mir richtig schlecht.

„Ihr haltet die Schnauze. Ich bin gleich wieder da. Um das zu beenden, was ich mir schon lange vorgenommen habe“, lachte der glatzköpfige Mann, als ich ängstlich zu meiner Mutter gekrochen war, der ich panisch entgegen blickte.

Ich war als Einzige nicht gefesselt. Den wahren Grund sollte ich wenig später herausfinden.

„Mom“, wimmerte ich und sah anschließend auf Dad, der mich schwach anlächelte.

„Was hat der Typ vor?“

Meine Mutter, die nur stumm weinte, schüttelte mit dem Kopf, ehe sich Dad mit abgekämpfter aber bemüht fester Stimme zu Wort meldete.

„Denk immer daran, wir lieben dich“, wich er meiner Frage aus, was die Situation keineswegs besser machte. Ich musste schwer schlucken. Wollte er sich etwa von mir verabschieden?

„Dad? Was habt ihr mit ihm gemacht?“, versuchte ich die genauen Umstände weshalb wir hier waren herauszubekommen, doch dafür war es schon zu spät, denn Sutherston kam zurück. In seiner Hand eine schwarze Pistole. Als ich begriff, was es damit auf sich hatte, jagte mir ein Schauer über den Rücken…

_____________________


„Du wirst jetzt deine Eltern erschießen. Gemeinsam mit mir zusammen“, hörte ich seine kalte Stimme flüstern, während er aus seiner Gürtelschnale eine weitere Pistole zog. Eine drückte er mir in die Hand, mit der anderen zielte er auf meinen Kopf. Ich spürte das kalte Metall an meiner Schädeldecke.

„Nimm die Knarre in die Hand“, schnauzte er mich an und legte seine ekelhaften Finger über meine. Mit der anderen Hand hielt er mir noch immer den Revolver gegen den Hinterkopf.

Ich blickte mit weit aufgerissenen Augen auf Mom, sah anschließend auf Dad. Meine Eltern sahen mich völlig fassungslos an. In ihren Gesichtern lag eine Mischung aus Schock und Verängstigung, samt der Gewissheit, dass er ernst machen würde.
Anblicke, die sich mir noch lange ins Gedächtnis brannten.

Sutherston hatte seine Hand auf meine gelegt. Sein Zeigefinger ruhte auf meinem und befand sich am Trigger, ehe er die Waffe, die er mich zu führen zwang in der Gegend umher wandern ließ.

„Wen erschießen wir zuerst? Deine Mom oder doch deinen Dad? Ich denke, es wird zuerst Jay treffen“, sagte er so ruhig, als ob es sich um eine Errungenschaft beim Sommerschlussverkauf handelte. Zitternd starrte ich auf Dad, der mir mitleidige Blicke entgegen warf. Mein ganzer Körper rebellierte und mir war schrecklich schlecht. Der Typ hinter mir musste komplett durchgeknallt sein. Eine Gewissheit, die meine Angst nicht besser machte, denn ein Psychopath als Geiselnehmer war bei weitem keine gute Grundvoraussetzung, um eine Entführung zu überleben.

Ich schloss die Augen, ertrug den Anblick nicht mehr. Alles wehrte sich in mir. Ich würde definitiv nicht meinen eigenen Vater erschießen!

Meine Finger waren schweißnass. Die Hand des Mannes dagegen schien erschreckend ruhig zu sein. Ich spürte, wie er seinen Zeigefinger gegen meinen drückte und in dieser Position mehrere unendlich erscheinende Minuten verharrte. Ich versuchte mich zu wehren und meine Hand erstarren zu lassen, aber der Typ war stärker. Ich konnte Dad nicht ansehen, merkte aber, wie sich Sutherstons Finger immer weiter am Trigger bewegte. Schließlich wurde ich gezwungen durch seine Kraft nachzugeben und er betätigte den Abzug.

In Millisekunden begriff ich, dass Dad jetzt sterben würde, weil mich der Irre durch seine Handbewegung gezwungen hatte abzudrücken, aber es knallte nicht.
Sein hämisches Lächeln zwang mich die Augen zu öffnen.
Erst da realisierte ich, dass er die Waffe gar nicht entsichert hatte. Ich sah auf Dad, der mir erleichterte Blicke entgegen warf.
Sutherstons Stimme wandelte sich in Gelächter.
„Na, Jay.  Hat dir mein kleines Spielchen gefallen?“

Er nahm seine Waffe von meinem Kopf, ehe er auch die weitere Pistole senkte.

„Ich denke, ich habe eher Lust auf etwas Anderes“, säuselte er, während er eine der Knarren zurück an seine Hosenschnallte steckte und seine Hand zu meinem Schritt wandern ließ.

„Was meinst du, Riley? Wollen wir zwei zusammen Spaß haben?“, berührte er mich äußerlich an den sensibelsten Zonen meines Körpers und ging dann noch weiter, ehe er abrupt von mir abließ und sich zu Mom bewegte.

„Oder soll ich mich lieber für Hailey entscheiden? Normalerweise stehe ich nicht auf Frischfleisch“, der er mit der Hand ins Innere ihrer Jeans fasste.

Auf einmal unterbrach Dads Stimme die Situation.

„Lass sofort meine Frau und meine Tochter in Ruhe, du mieses Stück Scheiße!“, schrie er aufgebracht, weshalb Sutherstons zorniger Blick auf den meines Vaters traf. Er tat was er sagte, bewegte sich aber zu Dad und begann heftig auf ihn einzutreten.

Fassungslos sah ich dabei zu wie er meinem Vater mehrere Hiebe und Tritte versetzte.

„Hören Sie sofort auf! Lassen Sie ihn in Ruhe“; brüllte ich und wollte auf ihn losgehen, aber es genügte ein Schlag, um mich außer Gefecht zu setzen. Hilflos sahen meine Eltern dabei zu, wie er mir mehrere Schläge verpasste, ehe ich kraftlos zu Boden glitt.

„Das sollte dir eine Lehre sein“, bekam ich nur noch wie aus weiter Entfernung mit, wie er mich unsanft zu einem der Heizungsrohre schleifte und mich mit Kabelbindern daran festband und weiter auf mich und anschließend meine Eltern einschlug.

Kurz darauf wurde die schwere Eisentür zugeschlagen und der Typ war verschwunden…
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