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Von Funkenblick und Goldstern

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character) Timmain
19.09.2020
26.09.2020
2
2.361
2
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26.09.2020 1.237
 
Funkenblick horchte auf und schloss kurz die Augen. Ihr Kopfhaar, inzwischen dicht wie eine Mähne sträubte sich, und sie grollte leise Waldläufer ihren dritten Wolfsfreund an, der immer noch das Reh belauerte. Durch diesen Laut schreckte das scheue Waldtier auf und stob davon.


//Rie!//

Ihr Seelenname pulsierte durch den Körper. Es war ein Ruf, ein sehr dringender Ruf von dem einzigen, der ihren geheimen Namen kennen konnte: Weißfeder!

//Rie!//

Die innere Stimme wurde drängender, fordernder …

Funkenblick folgte ihrem Instinkt und eilte, so schnell sie konnte durch den Wald. Es mußte etwas geschehen sein, denn der Ruf des Häuptlings wurde immer schwächer.
Endlich spürte sie ihren Vater auf. Er lehnte kraftlos an der Flanke seines Wolfsfreundes, hatte die Augen geschlossen und atmete rasselnd.

Die junge Elfe erschrak. Wie lange hatte sie ihren Vater schon nicht mehr gesehen? Er wirkte so ausgemergelt, so alt …

//Vater ich bin hier! // Funkenblick kauerte sich vor Weißfeder und legte ihre Hände auf seine Schultern. Der Elf öffnete noch einmal seine umwölkten, fast verblassten Augen.
“Rie!”, flüsterte er rauh und wechselte dann zum Senden, das ihm leichter fiel. //Meine liebe Tochter, ich wusste, du würdest kommen, denn ich werde nun gehen.//

//Warum hat dir keiner geholfen? Ich denke meine Schwester ist eine große Heilerin?//

//Werde nicht ungerecht zu den anderen, meine Tochter. Ich habe es so gewollt, und meine Wunde vor ihnen verborgen. Ich wollte, dass sie sich entzündet und mein Blut vergiftet.//
Funkenblick hob den Kopf. Nun witterte sie auch den Geruch faulenden Fleisches, das von ihrem Vater ausging. //Warum?//

//Ich bin alt und müde geworden!// Weißfeder hob kraftlos die Hand und hielt ihr das Amulett der Häuptlingswürde entgegen. //Meine liebste Tochter, ich vertraue dir. Bitte erfülle meinen letzten Wunsch.//

Er legte ihr das Amulett in die Hände und sank dann zurück.

//Dieses Symbol gehörte einst Dunkelhaar und den anderen Häuptlingen. Kehre zurück zu deiner Schwester. Es ist nicht die Zeit für Rivalitäten. Der Stamm braucht dich, so wie er Goldstern benötigt. Versuche zu verstehen, dass ihr beide einander braucht. Ich weiß, dass du wenn du erst einmal vor dem Stamm stehst, das Richtige tun wirst!//

Weißfeder lächelte ein letztes Mal. Funkenblick schloss die Augen. Sie spürte, wie die Seele ihres Vaters aus dem Körper wich, und bei ihr verharrte, um ihr Mut zuzusprechen. Eine zweiter Geist gesellte sich zu ihm.

//Mutter! Vater!// Funkenblick presste das Symbol der Häuptlinge gegen ihr Herz, dann legte sie den Kopf in den Nacken. Ihr Heulen klang durch die Nacht. Andere Wölfe griffen ihren Ruf auf und sangen ein letztes Mal für den dahingegangenen Häuptling.


* * *



Sie standen sich gegenüber und musterten einander schweigend. Weißfeders Töchter maßen einander in stummem Duell, und Funkenblick musste erkennen, dass Goldstern auch auf ihre Weise eine Kämpferin war. Vielleicht war sie nicht so stark wie eine Eiche, die jedem Sturm widerstand, aber sie bog sich wie eine Weide, im heftigen Wind.

Das Symbol der Häuptlingswürde lang auf einem Baumstumpf zwischen ihnen. Immer wieder warfen sie einen Blick auf die zweifach durchbohrte Scheibe.

Der Stamm hatte sich im Kreis um sie herum versammelt und tuschelte. Welche von den Elfinnen würde es als erste wagen, danach zu greifen? Funkenblick, deren schmale Augen unter der dichten Mähne wölfisch hervor glühten, oder Goldstern, deren geflochtenes Haar im Mondlicht glomm und funkelte?

Nur wenige sprachen für die beste und erfahrenste Jägerin des Stammes. Die meisten wünschten sich die freundliche, empfindsame Heilerin zur Anführerin.

//Schwester!//, vernahmen sie nun Goldsterns offenes Senden. //Ich weiß, dass du das größere Recht hast, Häuptling zu sein, und ich würde von meinem Anspruch gerne zurücktreten, wenn ich wählen könnte, aber ich darf es nicht wegen dem Stamm. Denn was ist ein Häuptling, dem die Herzen seiner Gefährten nicht folgen, weil er nicht auf ihre Stimmen hört? Denke an Zweispeer unseren Ahnvater. Dunkelhaar ist mit seinen Freunden fortgegangen, weil er den Wahnsinn seines Vaters nicht mehr ertragen konnte, der nur forderte, aber nicht gab!//

//Ich bin eine Jägerin und habe den Stamm in Notzeiten immer mit Fleisch versorgt. Ohne mich wären die Welpen sicher verhungert! Hast du ihnen mit deinen weichen Händen Nahrung geben können? Kannst du sie in einen Kampf führen, wenn es einmal nötig sein wird?//

//Verstehst du auch die Sorgen und Nöte der anderen? Willst du wirklich die Verantwortung für ihr Wohl tragen und nicht nur fordern?//

//Glaubst du, das gelingt mir nicht?//

//Dann nimm das Zeichen und sei unser Häuptling!// Goldstern trat einen Schritt zurück.

Die anderen Elfen wurden unruhig, und laute Stimmen erhoben sich, als sich Funkenblick niederbeugte und das Amulett aufhob. “Nein Goldstern! Das kannst du doch nicht machen! Du gibst uns kampflos in die Hände dieser Wölfin?”

“Dunkelhaar hat uns immer davor gewarnt, einen Häuptling anzuerkennen, in dem das Wolfsblut stärker ist als alles andere!” begehrten sie auf und verstummten erst, als Funkenblick mit einem Mal die Hand hob. “Bin ich denn darum weniger wert?” grollte sie mit blitzenden Augen und lauschte in diesem Moment tief in sich, ergab sich ganz ihren Wolfsblut.

Und ja, ihr Vater hatte recht gehabt. Es gab eine Lösung. Denn im Wolfrudel hatten oft auch zwei das Sagen.

“Ich bin vielleicht außerhalb des Erkennens geboren, aber ich habe auch viel von meinen Eltern geerbt”, sagte ihr elfisches Wesen mit all seinen Schwächen und Fehlern. Dann hielt sie das Amulett in hoch die Luft.

Die Wölfin in ihr gewann die Oberhand. Denn sie wusste was für das Rudel wichtig und gut war. Und dass hieß, sich nicht alleine an die Macht zu klammern, sondern mehr zu tun. Ihre nächsten Worte klangen weniger zornig.

“Ein großer Teil will Goldstern und nicht mich zur Anführerin. Aber Goldstern weiß genau - so wie einige von euch - dass eine Heilerin in manchen Augenblicken hilflos sein wird. Wir tragen das Blut von Elfen und Wölfen in uns, und diese Seiten dürfen wir nicht verleugnen. Ihr wollt also eine Entscheidung... - Ihr sollt sie bekommen!”

Sie nahm das Amulett in beide Hände und brach es in der Mitte durch, dort wo sie die ganze Zeit schon die haarfeinen Risse und Brüche gespürt hatte. Den Widerstreit, der auch in ihr brodelte, aber anders als dieses nutzlose Symbol, nun wieder vereint wurde. Sie sah ihre Schwester nun mit ganz anderen Augen.

Mit einem Mal hielt sie Goldstern eine Hälfte entgegen.

“Ich werde euer Häuptling sein, wenn es um die Jagd und den Kampf mit den Fünffingern und anderen Gefahren geht, und wir werden gemeinsam beraten, welche Wege wir ziehen wollen, aber ich trete zurück, wenn es um andere Entscheidungen geht. Dann soll Goldstern euch führen. Ihr werdet von nun an damit leben müssen, dass zwei Häuptlinge euch leiten werden!”, erklärte sie.

Goldstern nahm die andere Hälfte entgegen und ergriff Funkenblicks Hand. Und zum ersten Mal hielt die Schwester sie fest und stieß sie nicht zurück.

“Funkenblick hat eine sehr weise Entscheidung getroffen!”, sagte die Heilerin stolz und schien den Grund für das alles zu verstehen – natürlich, denn auch sie war nicht nur eine Elfe. “Ich nehme diese und die Würde aus tiefstem Herzen an.” Sie erwiderte Funkenblicks Lächeln wissend und nun ganz eins mit der Schwester.


So gab es von jenem Tag an zwei Häuptlinge. Funkenblicks kluge Entscheidung verhinderte eine erneute Spaltung im Stamm und ließ ihn gedeihen und wachsen, und alle Schwierigkeiten überstehen.
Denn sonst könnte niemand mehr ein Lied über Funkenblick singen, die im richtigen Augenblick erkannt hatte, dass wahre Stärke in der Einheit beider Seelen liegt, die Timmain die Hohe uns Elfen schenkte.

Tamiellan 1987/91/99
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