Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Von Funkenblick und Goldstern

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character) Timmain
19.09.2020
26.09.2020
2
2.361
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
19.09.2020 1.124
 


Kurztext:

Ein alter Häuptling sieht seine Stunde nahen und sieht das Verhängnis kommen. Denn er hat zwei Töchter, so unterschiedlich wie Tag und Nacht, die doch beide wichtig für den Stamm sind. Funkenblick, die Jägerin, und Goldstern die Heilerin. Wird er die kleine Wölfin dazu bringen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Anmerkung:

Auch das ist wieder eine der ganz alten Elfquest-Geschichten, die in meiner ersten Begeisterung in den 1980er Jahren entstand, genauer 1987. Obwohl ein paar mal überarbeitet, hat sich doch der alte Geist von damals bewahrt, hoffe ich.
Im Mittelpunkt steht ein neuer Stamm, eine Abspaltung der Wolfsreiter, die ihren eigenen Weg gegangen ist.


* * *


Teil 1
Ein Kind von wildem Blut


Heute ist es an der Zeit von den beiden so ungleichen Schwestern zu erzählen, und von einer Elfe mit starkem Wolfsblut, die etwas tat, was in unserem Stamm bis zum heutigen Tage undenkbar gewesen war und doch von einer Stärke und Weisheit sprach, die einer ihrer Ahnen nicht besessen hatte.


* * *


Stolz blickte Weißfeder, der Anführer der Elfen vom Wolfsrachen-Stamm auf seine Tochter Funkenblick. Die kaum zehn Wechsel der Jahreszeiten alte Elfe kuschelte sich an die Flanke seines alten Wolfsfreundes und kraulte ihn selbstvergessen.

Der Häuptling lächelte, spürte er doch deutlich ihren Wunsch, einen eigenen Gefährten zu finden. Aber wer konnte Funkenblick das verdenken? Immerhin war sie das Blut von zwölf Häuptlingen. Die Lieder lehrten schon den kleinsten Welpen des Hages deren Namen: Timmorn - Rahnee - Pirscher - Zweispeer - Dunkelhaar - Bärenjägerin - Silberhaar - Goldregen - Sonnenjäger - Erdgräber - Scharfauge - Wolfsläuferin ... und schließlich er – Weißfeder.

Der Elf holte tief Luft. So lange schon führte er den Stamm. Drei Generationen waren geboren worden und wieder ums Leben gekommen.

Denn das Leben war hart auf dieser wilden Welt: Wenn nicht gerade die grobschlächtigen Fünffinger ihren Lebensraum durchwanderten und alte Feindschaften wieder auflodern ließen, so war es die Wildnis mit ihren Gefahren … Bären und Säbelzähne, Schlinggras und andere gefährliche Pflanzen, reißende Wildbäche und Unwetter hatten schon so vielen Elfen das Leben gekostet. Auch seiner geliebten Windsang…

Mit einem leisen Schmerz dachte Weißfeder an seine Gefährtin, die Geschichtenerzählerin, die als einzige so alt wie er gewesen war. Ein schwerer Ast hatte die Elfe vor nur acht Wechseln der Jahreszeiten in das Wasser des Baches geschleudert und niedergedrückt bis sie ertrunken war.

Wenigstens war ihm Funkenblick geblieben, ihrer beider Kind, geboren außerhalb des Erkennens. Manchmal glaubte er die Geliebte in seiner Tochter wiederzuerkennen - ihre Fröhlichkeit und ihr Gespür, das richtige zu tun.

Bis vor fast zwei Wechseln der Jahreszeiten etwas geschehen war, das alles veränderte.

Ein Knurren aus Funkenblicks Kehle ließ Weißfeder aufsehen. Die kleine Elfe richtete sich auf. Ihre schimmernden roten Haare sträubten sich merklich. Sie fletschte die Zähne und knurrte aufbegehrend, wie ein Jungwolf, der seine Position im Rudel verteidigen wollte.

Der Häuptling wusste genau , was sie so zornig machte.

Aus dem Wald trat eine hochschwangere Elfe. Rabenschwinge hatte Weißfeder überraschend erkannt, als sie ihn von einer Jagdverletzung heilte.

Weder die Heilerin, noch der Häuptling hatte sich wirklich über diese Gaben der Hohen gefreut, und Funkenblick war nur mit Mühe davon abzuhalten gewesen, die ältere Elfe ernsthaft zu verletzen.

Seither war das Kind verbittert und zornig.

Auch jetzt wieder starrten sich die beiden Elfinnen an, um ihren Willen zu messen. Voller Sorge beobachtete Weißfeder das. Hatte nicht die gleiche Situation zur ersten Spaltung des Stammes geführt?

Auch Zweispeer und Himmelsfeuerjägerin waren Geschwister gewesen - außerhalb und innerhalb des Erkennens geboren ... und ihre Mütter hatten sich ebenso wenig gemocht.

Er durfte es niemals so weit kommen lassen - aber wie sollte er den Lauf der Dinge verhindern?

Rabenschwinge stöhnte leise und senkte schließlich die Augen. Doch sie blieb stehen und legte ihre Hände auf den Bauch, während Funkenblick ein triumphierendes Heulen ausstieß und wie der Blitz in den nahmen Büschen verschwand. Das Heulen wurde von einigen Wölfen des Rudels in der Nähe beantwortet .


* * *


In der selben Nacht, in der Funkenblick ihren ersten Wolfsfreund fand, den sie Nachtfell nannte, schenkte Rabenschwinge ihrer Tochter Goldstern das Leben. Funkenblick war die einzige, die dem neuen Mitglied des Stammes keinen Blick gönnte, und das sollte auch in den folgenden Wechseln der Jahreszeiten so sein.

Die rothaarige Elfe verbrachte die meiste Zeit beim Rudel, balgte mit Nachtfell, lief mit dem Rudel und lebte mit ihnen im ewigen Jetzt.

Sie lernte zu jagen, zu pirschen und zu heulen. Nur noch selten benutzte Funkenblick ihre Stimme, um sich zu verständigen, und obwohl ihr Seelenname wie ein heller Funke in ihr glühte, rann das Blut der Wölfe stärker in ihren Adern. Bald schon ließ sie sich kaum noch unter den anderen sehen.

Goldstern war das genaue Gegenteil ihrer Schwester. Sie suchte die Nähe der anderen, war liebenswert, hilfsbereit und ihre sanfte Stimme linderte Schmerzen. Selbst zu Funkenblick war sie freundlich, auch wenn der lodernde, hasserfüllte Blick der anderen in ihre Seele schnitt.

Mit den Wechseln der Jahreszeiten sah der Stamm immer mehr in Goldstern die kommende Nachfolgerin ihres Vaters. Die junge Elfe vereinte die besten Eigenschaften ihrer Eltern in sich: die Klugheit und Voraussicht des Vaters und die Einfühlsamkeit der Mutter.

Warum sollte dann Funkenblick den Stamm führen, die mittlerweile mehr Wolf als Elfe war: schroff, keinen Widerspruch duldend und misstrauisch?


* * *

Und so verging eine Jahreszeit nach der anderen. Aus Welpen wurden Jungelfen, Jungwölfe und schließlich vollwertige Mitglieder des Stammes.

Funkenblick war die beste Jägerin des Stammes, die nicht eher aufgab, bis sie wenigstens eine kleine Beute ins Lager brachte - selbst in den harschen Wintern - aber sie wich noch immer den anderen Elfen aus.

Goldstern erwies sich als bessere Heilerin wie ihre Mutter, unterstützte ihren Vater mit klugem Rat. Aber sie ging nicht auf die Jagd und fürchtete die Fünffinger mehr als alles anderes, seit ihre Mutter von diesen erschlagen worden war. Sie war unfähig, ein Wesen zu töten und ernährte sich nur ungern von Fleisch, während Funkenblick sich an der Spitze der anderen Jäger in den Kampf stürzte.

Weißfeder sah diese Entwicklung mit Sorge. Zusammen würden seine Töchter einen prächtigen Häuptling abgeben, aber so lange die beiden noch immer getrennt waren, würde jede von ihnen den Stamm in den Untergang führen - die eine durch Schwäche, die andere durch Rücksichtslosigkeit.

Was konnte er nur tun, um die Schwestern zusammenzuführen?

Viel Zeit blieb ihm nicht mehr, denn er spürte, wie der lange Schlaf immer mehr an seinen Körper zehrte. Er war älter geworden als die meisten anderen Elfen des Stammes, und das forderte nun seinen Preis. Schon bald würde er nicht mehr da sein, um seine Kinder auf den rechten Weg zu führen - zum Wohle des Stammes.

Weißfeder überlegte lange und beobachtete seine Kinder, bis er schließlich wusste, was er zu tun hatte. Er musste Funkenblick an die Tugenden ihrer Mutter erinnern- die sie, wenn auch nicht bewusst, immer noch beherzigte.

Denn sonst würde er sie an die Wölfe verlieren...


* * *


Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast