Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wounded Love

GeschichteDrama, Krimi / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert Reimund Girwidz
18.09.2020
22.09.2020
4
5.696
1
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.09.2020 2.205
 
So und jetzt das vierte und letzte Kapitel

Schnell drehte er das Foto um. „12. März, Steffi K.“ war hastig draugekritztelt worden. „Steffi K. Soso…“, murmelte Hubsi. „I hab wos!“, rief er dann Girwidz zu, der sich eher zurückgehalten hatte und nun-immer noch leicht keuchend- im Eingangsflur stand. Als er Hubert schreien gehört hatte, ging er zu ihm und sah sich das Foto an. „Kennen Sie diese Steffi? Vielleicht von früher?“, fragte er Hubert. Doch dieser schüttelte den Kopf. „Anja hat nie was von einer Freundin namens Steffi erzählt.“, verneinte Hubsi. „Hat Frau Dr. Licht vielleicht so etwas wie ein Adressbuch geschrieben?“ „Ja, ich glaub schon. Anja hat sich immer nie die Hausnummern von ihren Bekannten merken können…“, rief Hubsi und schmunzelte. Etwas wehmütig dachte er an die alten Zeiten. Anja und er noch als Ehepaar. Als glückliches Ehepaar, wohlgemerkt…Da Anjas Wohnung zu klein war, um ein eigenes Büro zu enthalten, machten sich die beiden im Ess- und Wohnzimmer auf die Suche, da es ihnen dort am plausibelstn erschien, ein Adressbuch liegen zu lassen.  Wenn Hubert sich richtig erinnerte, war das Adressbuch ein einfaches, billiges Taschenbuch mit schwarzem Buchdeckel. Während sich Girwidz im Esszimmer auf die Suche machte, sah sich sein Kollege im Wohnzimmer um. Er sah im Bücherregal nach, nichts, außer irgendwelche informative Lektüre zum Thema Rechtsmedizin. Nichts für Hubert. Er hob die Sofakissen hoch, schob Schubläden auf, durchwühlte diese und schob sie letztendlich nur noch zu, ohne vorher wieder darin aufzuräumem. Das war ihm ziemlich egal, das Adressbuch war jetzt wichtiger. Als Hubsi nach einer halben Stunde immer noch nichts gefunden hatte, setzte er sich seufzend auf die kleine Couch und schnappte sich die Fernsehzeitschrift, die auf dem Fernsehtischchen lag. Gelangweilt blätterte er er darin, ohne wirklich zu lesen. Doch plötzlich hörte er Girwidz rufen: „Ich hab´s!!“ Er sprang auf und ging mit schnellen Schritten zu seinem Partner. Dieser wedelte freudig mit jenem Taschenbuch. „Oh, endlich habe ich mal was gefunden!“, rief er. Fehlte gerade noch, dass er auch noch einen Freudentanz aufführte. Hubsi verdrehte die Augen und  nahm dem strahlenden Girwidz, der vor Aufregung ganz rote Flecken bekommen hatte, das Buch ab. „Steffi K, Steffi K, wo bist du?“, murmelte er, während er zum Buchstaben K blätterte. „Gerhardt Klein, Verena Kohlmann, Patrick Köbl, Stephanie Kollrath…Stephanie Kollrath!“, sagte Hubsi laut und tippte auf den Namen. „Stephanie-Steffi, verstehen Sie?“ „Natürlich verstehe ich Sie. Ich bin ja schließlich aus Dortmund, und nicht vom Mond!“, entgegnete Girwidz. „Naja, wer weiß…“, erwiderte Hubert kaum hörbar. „Blaufeldestraße 314, München“, las Girwidz vor, „da wohnt die. Also fahren wir da mal hin, oder nicht?“ Franz Hubert stimmte zu. Endlich war die Identiät der Toten geklärt, blieb jetzt nur noch, in welchem Verhältnis Anja zu dieser Steffi stand, und warum besagte Steffi nun mausetot in einem Kühlfach in der Rechtsmedizin Wolfratshausen lag. So setzen sich die beiden Streifenpolizisten wieder in ihr Auto und machten sich auf dem Weg zur Blauefeldestraße Nummer 314. Nachdem sie gefühlt an jeder roten Ampel Münchens stehenbleiben mussten, ihnen viermal aufdringliche E-Bike-Fahrer die Vorfahrt genommen hatte und Hubsi fast eine Katze überfahren hätte, kamen endlich am richtigen Wohnblock an. Es war keine so schöne Wohngegend, wie die von Anja, sondern eher Betonklötze, die in den Himmel ragten. Als sie endlich den richtigen Block gefunden hatten, parkten sie Wagen 3, notfalls natürlich, im Halteverbot, da der einzige noch freie Parkplatz von einem Liegefahrrad in Anspruch genommen wurde. „Der hätt doch sei bleeds Fahrradl a in da Wiesn parkn können, mitm Auto geht des ja eher schlechter!“, schimpfte Hubert und verpasste dem Gefährt einen leichten Tritt. Im Haus drinnen roch es nach einer Mischung aus Shisha, Pizzaresten und Desinfektionsmittel. Da kein Klingelschild vorhanden war, mussten die beiden wohl oder übel jede einzelne Wohnungstür nach Namen untersuchen- bis sie schließlich im dritten Stock fündig wurden. „Kollrath S.“, stand dort mit geschwungener Schrift auf vergilbten Papier. Vorsichtshalber klingelte Girwidz, nicht, dass da noch jemand drin wohnte. Als sich jedoch nach dem vierten Läuten immer noch nichts rührte, wollte er gerade sein Dietrichset herausholen, da hatte Hubsi die Tür auch schon aufgetreten. Er wollte zu einer Schimpftirade ausholen, da man sich diese Beschädigung ja auch hätte sparen können, da war Hubert auch schon im Innern verschwunden. Murrend folgte Girwidz ihm. „Schaut doch alles subber aus,da herin…“, stellte Hubsi fest. Die Wohnung war nur ziemlich spärlich eingerichtet, Kartons fungierten als Tische, das Bett bestand aus einer einzigen Matratze. Skeptisch wurde er von Girwidz angesehen: „Naja, also kommen Sie Hubert…Hier ist ja noch nicht mal irgendwie gemütlich oder liebevoll eingerichtet…“ „Wieso?“, Hubert sah seinen Kollegen erstaunt an, „bei mir dahoam schauts genauso aus…“. In der Küche (die einzig und allein an der Küchenzeile zu erkennen war) stapelten sich in der Spüle dreckiges Geschirr und  auf dem Fensterbrett lagen haufenweise Unterlagen. Interessiert schnappte sich Girwidz die Unterlagen und begann, sie durchzuschauen. „Anscheinend ist die Tote gerade erst hierhergezogen, hier sind überall Quittungen von den Umzugsunternehmen; Rechnung für den Lkw, für die Möbelpacker…Halt, was ist denn das?“, Girwidz hatte ein Blatt gefunden, dass nicht zu den anderen passte. „Rechtsmedizinischer Obduktionsbericht“ , las er vor.  Girwidz´Blick wanderte nach unten, dort, wo die Signatur war. Anjas Unterschrift war darauf… „Die Fingerabdrücke, die in der polizeilichen Datenbank bereits gespeichert waren,  konnten zu 99, 999 % Herrn Dominik Walther zugewiesen werden.“, zitierte er weiter. Als er aufsah, blickte er in Franz Huberts geweitete Augen. „Die Anja hat an Täter überführt…?!“, hauchte Hubert. „Und der wollte nicht, dass sie das irgendjemanden weitererzählt, und hat dann…dem ganzen ein Ende bereitet.“, kombinierte sein Kollege weiter. Hubert nickte: „Des klingt nach einem ziemlich guten Motiv!“ „Aber wie hängt Stephanie Kollrath da mit drin? Ich meine, erzählt Ihre Exfrau ihren Freundinnen immer, was sie so herausgefunden hat bei der Arbeit?“, fragte Girwidz, die Stirn in Falten gelegt. „Des derf sie ja gar ned. Ärztliche Schweigepflicht, glaub ich…“, antwortete Hubsi, währen der sich weiter in der Küche umsah. Er steckte sich einen Kaugummi in den Mund, den er in einem der Schränke gefunden hatte. Der war allerdings schon ziemlich bröckelig und so spuckte er ihn in den Abfalleimer. Er wollte gerade den Fuß wieder vom Trittbrett nehmen, da fiel ihm ein zerknülltes Foto auf. Er holte es hervor, faltete es auseinander und blickte in die Gesichter eines glücklichen Paares. Es zeigte Steffi die in der Umarmung eines dunkelhaarigen Mannes lag, beide schienen glücklich zu sein, aber grundlos lag das Foto ja nicht zerknüllt im Müll…!? Als Hubsi es umdrehte, prangten dort zwei Namen. „Steffi und Dominik-forever in Love!“, sagte er auf. Und dann fiel der Groschen:



„Ich hab´s!“, rief er. „Da, des san Steffi und Dominik- Dominik Walther! Die waren mal ein Paar! Aber jetzt sind  beiden  definitiv getrennt, weil so a hübsches Bild schmeißt man ja ned so einfach weg…Also die beiden san getrennt, und Walther begeht eine Straftat und wird von Anja überführt. Die kennt natürlich den Exfreund von ihrer Freundin und erzählt der, dass ihr Ex Mist gebaut hat. Des kriegt der wiederum dann mit und will verhindern, dass Anja des irgendwem weiterverzählt. Also überwältigt er sie und seine Exfreundin am besten a glei no mit und legt sie dann im Wolfratshausener Wald ab!“, Hubsi holte tief Luft und war stolz auf sich selbst, auf so eine grandiose Idee gekommen zu sein. „Nicht schlecht, Hubert. Nicht schlecht!“, lobte ihn Girwidz. „Dann heißt es ab jetzt: Fahndung!“ „I ruf glei die Rebecca an, dann kann sich die auch amal nützlich machen!“, Hubert fischte sein Telefon aus der Tasche und gab die Nummer des Reviers ein. Als sich Rebecca Jungblut meldete, berichtete er ihr, auf was sie in der Zwischenzeit gekommen waren. Sie notierte sich alles und versprach, sich gleich darum zu kümmern. Hubsi wollte schon wieder auflegen, da sagte Rebecca: „Du Hubsi, ähm, deiner Exfrau geht es schlechter… Die Ärzte haben gerade angerufen und gesagt, dass sie starke Fieberkrämpfe bekommen hat…“  Schlagartig glich sein Mund wieder einer Wüste. Er schluckte. „Ich komm so schnell es geht“, flüsterte er und drückte auf den roten Hörer. Er machte auf dem Absatz kehrt und hastete aus der Wohnung raus. „Heh, Hubert! Moment mal! Wo wollen Sie denn hin?“, hörte er Girwidz schreien. Aber er antwortete nicht, bloß keine Zeit verlieren! Als er endlich am Wagen angekommen war, setzte er sich sofort hinters Steuer und wollte gerade losrasen, da rannte ihm ein gewisser Raimund Girwidz direkt vor die Kühlerhaube. „WAS SOLLTE DENN DAS EBEN MIT IHRER VERDAMMTEN GEHEIMNISKRÄMEREI??? WIR SIND PARTNER; OB SIE WOLLEN ODER NICHT; VERSTANDEN?! DANN VERHALTEN SIE SICH GEFÄLLIGST MAL WIE EINER!!!“; brüllte ihn der an und wuchtete sich schnaubend auf den Beifahrersitz. „Wir fahren ins Krankenhaus.“, antwortete Hubert. „Wegen Frau Licht?“, Girwidz sah seinen Kollegen an. An dessen versteinerten Miene konnte er sich die Frage eigentlich sparen. Als sie wenig später im Uniklinikum ankamen, hetzte Hubert gleich hoch zur Intensivstation, ohne sich vorher bei der Anmeldung anzukündigen. Vor ihrem Zimmer stand bereits Dr. Neumayr. „Ah ja. Ich habe Sie erwartet!“, begrüßte er die beiden. „Wie geht’s ihr?“, wollte Hubsi atemlos wissen. „Das Fieber haben wir in den Griff bekommen. Es dürfte Sie außerdem freuen, zu erfahren, dass die Patientin heute vormittag aufgewacht ist.“, berichtete der Arzt. „Jetzt wirklich?“ „Jaaa, jetzt wirklich. Bei so einem ernsten Thema kommt es eher selten vor, dass ich scherze.“ „Darf ich zu ihr?“, erkundigte sich Franz Hubert. „Sie ist zwar nicht mehr komatös, aber mit Schmerzmitteln derart vollgepumpt, dass sie schläft.“, nahm ihm Neumayr den Wind aus den Segeln. „Aber sie ist doch aufgewacht!“, beharrte Hubsi. „Dann gehen Sie doch meinetwegen zu ihr, sie schläft jedenfalls noch tief und fest!“, rief Neumayr bereits ziemlich genervt. Doch Franz Hubert hatte das schon gar nicht mehr gehört, er war bereits im Krankenzimmer. Es war viel stiller als das letzte Mal, die Geräte piepsten nicht mehr und die Zimmertemperatur war wieder normal und erträglicher geworden. Außerdem war diese furchtbare Atemmaske von Anjas Gesicht verschwunden. Lächelnd betrachtete er seine schlafende Exfrau. Anscheinend hatte ihr jemand die Haare gewaschen und gekämmt. Er zog einen Stuhl zu ihrem Bett heran und betrachtete sie eine Weile. Dann beugte er sich über sie. „Anja? Wach auf!“, flüsterte er in ihr Ohr. Keine Regung. Er hatte sich gerade wieder hingesetzt, da spürte er sein Handy in der Tasche vibrieren. Eine WhatsApp von Rebecca war eingegangen:          
"Hey Hubsi! Walthers wurde vor einer Stunde in Garmisch geschnappt, wollte wohl über die Grenze nach Österreich abhauen. Die dortigen Kollegen haben sein Geständnis bereits aufgenommen. Er sagt, er hätte überall in Stephanie Kollraths Wohnung Videokameras und Wanzen versteckt, weil er wissen wollte, ob sie einen neuen Freund hat. Als Anja dann gekommen ist und ihrer Freundin erzählt hat, was sie rausgefunden hat, ist er durchgedreht, zu ihnen gefahren und hat sie niedergeschlagen. Er dachte wohl, dass beide tot wären, deshalb hat er sie hier im Wald versteckt-in Wolfratshausen wohnt nämlich auch noch seine Mutter…"

Hubsi musste laut auflachen. Nun war ja alles perfekt. Der Fall war aufgeklärt, Anja war nicht mehr komatös, sondern lediglich so high wie ein Junkie-aber das war Hubsi egal. Hauptsache sie würde wieder aufwachen und ihn mit ihren wundervollen braunen Augen ansehen. Wie aufs Stichwort hörte er Anja stöhnen. Er blickte vom Smartphone auf, Anja regte sich und hielt sich eine Hand an den Kopf. „Anja??“ „Scheiße tut mein Schädel weh…aaargh…“ Hubsi grinste belustigt. „Natürlich tut dir der Kopf weh, schließlich hat dir ja auch ein Psychopath eine drübergezogen…“ „Hubsi??“, fragte sie flüsternd.  „Ja…“, mehr brauchte Hubsi auch nicht zu sagen, da schlug sie die Augen auf und sah ihn an. „Was ist denn passiert?“, wollte sie leise wissen. „Du und Steffi, ihr wurdet überwältigt von Stephanies Ex, der Dominik.“ „Ach jaaa…Wie geht’s Steffi? In welchem Zimmer liegt sie? Sie liegt doch im Krankenhaus oder?“, löcherte ihn seine Exfrau mit Fragen. Hubsi suchte fieberhaft nach Ausreden, er wollte seine Exfrau nicht jetzt schon mit der harten Tatsache konfrontieren, dass es keine Steffi mehr gab. „Jaaaa, die Steffi liegt im Krankenhaus…“, wich er aus. „Aha. Und wo?“ „In der untersten Etage.“, antwortete er. „Wieso denn in der Tiefgarage?“, verständnislos blickte Anja ihren Exmann an. „Ned die Tiefgarage. Sondern eher…“ „Ja?“ „Sondern eher Rechtsmedizin.“ So jetzt war es raus. Hatte er seine Goschn mal wieder nicht halten können, er Dummkopf! „Oh.“, sagte Anja leise und wandte ihren Blick ab, und sah in die Ferne. „Du Hubsi, ich möchte jetzt gern alleine sein…“, machte sie ihm unmissverständlich klar, dass er jetzt gehen sollte. „Ja. Ja, natürlich…“, Hubsi stand auf und wollte gerade gehen, da fiel ihm noch etwas ein. Er drehte sich um, ging zu seiner Exfrau und küsste sie auf die Stirn. Dann verschwand er durch die Tür. Anja sah ihm zuerst verwundert hinterher, aber dann musste sie lächeln und ließ ihren Kopf auf das Kissen fallen. Mit einem Grinsen im Gesicht fiel Anja in einen tiefen, erholsamen Schlaf.



~The End~



Wow. Ich hätte nicht gedacht, dass es man für eine lächerlichen Absatz gute fünfzehn Minuten braucht(oder war das nur bei mir so?) , dass es so anstrengend und so viel Arbeit sein würde. Jetzt weiß ich aber mal die Arbeit von hauptberuflichen Autoren zu schätzen…
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast