Of Night Shifts & Not So Secret Affairs

OneshotHumor, Romanze / P16 Slash
Gavin Reed RK900
18.09.2020
18.09.2020
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Kommentar
Okay, ja, vielleicht habe ich einfach Spaß daran, Gavin zu schreiben. *hust*

Falls euch die FF gefällt, würde ich mich über Rückmeldungen/Empfehlungen freuen. :D ♥



Of Night Shifts & Not So Secret Affairs


Nines zu küssen war ein bisschen, wie an einer Autobatterie zu lecken.
Es schmeckte zu metallisch und nicht genug nach Mensch, und seine Zunge kribbelte danach immer für eine Weile. Aber Gavin war nicht dafür bekannt, stets rationale Entscheidungen zu treffen, und wenn er schon eine Affäre mit seinem Arbeitskollegen – schlimmer noch, seinem Partner – begann, dann wollte er ihn verdammt noch mal auch küssen, mit Zunge und allem.
Nicht, dass Nines Einwände hatte.
Die Schwierigkeit war nur, ihre Beziehung in einem professionellen Arbeitsumfeld aufrechtzuerhalten, ohne dass der Rest des Reviers etwas davon mitbekam. Keine leichte Aufgabe für einen jungen Polizisten, der jahrelang in keiner Beziehung mehr gewesen war, und einen Androiden, der gerade damit begann, seine Sexualität zu entdecken.
Und so wurde es für sie zum riskanten Versteckspiel.
Während der Einsätze die Hände voneinander zu lassen, stellte sich schon bald als unmöglich heraus. Nicht selten kam es vor, dass sie sich im Bad oder der Besenkammer des Anwesens irgendeines reichen Schnösels wiederfanden, dessen Android nach der Revolution verschwunden war, und sich küssten, bis Gavin hart war und Nines‘ LED flackerte wie eine Discokugel. Und auch auf dem Revier kam es mehrmals täglich vor, dass sie beide zusammen ins Archiv verschwanden oder eines der Verhörzimmer ein paar Minuten länger nutzten, als nötig gewesen wäre.
Da sie beide kaum Popularität genossen, schenkten ihnen die meisten ihrer Kollegen wenig Beachtung, und für lange Zeit ging alles gut.
Doch nicht jeder ließ sich so leicht täuschen.
RK800 wusste zweifellos, was los war, seinem entrüsteten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wann immer er sie beide zusammen erblickte, nachdem sie von einem ihrer kurzen „Ausflüge“ auf die Toilette oder zur Asservatenkammer zurückgekehrt waren.
Und wenn Connor Bescheid wusste, dann tat es mit Sicherheit auch Hank, der alte Sack.
Nicht, dass es Gavin interessierte, was die zwei von ihnen hielten – vor allem in Anbetracht ihrer eigenen Beziehung. Jeder, der auch nur ein paar Minuten mit den beiden verbrachte, konnte sehen, dass die Beziehung zwischen Anderson und seinem Twink-Partner alles andere als nur professionell war. Und Gavin zweifelte nicht daran, dass der einzige Grund, weshalb er und Nines noch nicht bei Fowler gelandet waren, der war, dass Hank wusste, dass Gavin ihn und Connor durchschaut hatte.
Und so nickten er und Hank sich kühl, aber höflich zu, wann immer sie sich im Revier begegneten, und versuchten, einander für den Rest der Zeit so gut es ging zu ignorieren.

„Oh mein Goooooott“, stöhnte Gavin, als er und Nines an einem Samstagabend Nachtschicht hatten und auf dem Revier festsaßen. „Mir ist so langweilig!“
„Sei froh, dass noch kein Notruf reinkam“, erwiderte Nines. Er stand mit geschlossenen Augen neben Gavins Schreibtisch, während seine LED gelb rotierte, und sortierte gerade seinen internen Datenbanken. „Draußen schneit es. Hier drin ist es warm und du hast Kaffee. Du bist unerträglich, wenn du keinen Kaffee hast.“
„Du bist nur neidisch, weil du deine ganz persönliche Alltagsdroge noch nicht gefunden hast“, meinte Gavin, während er seinen sechsten Becher Kaffee leerte.
„Ich brauche keine ‚Alltagsdroge‘. Vor allem, wenn mich der Entzug genauso unerträglich macht, wie dich.“
„Du bist immer unerträglich, Babe“, sagte Gavin. „Ich habe nur gelernt, mit deinen Macken zu leben.“
„Ein Grund mehr, gar nicht erst damit anzufangen.“
„Ich habe gehört, dass es der neueste Trend unter den jüngeren Androidenmodellen ist, Essigdämpfe zu inhalieren, weil es sie high macht. Wäre doch mal einen Versuch wert.“
„Gavin.“
„Vielleicht wirst du dann endlich ein bisschen entspannter.“
Nines seufzte. „Wenn ich meine Biokomponenten ruinieren will, kann ich auch einfach meinen Kopf in die Mikrowelle stecken.“
„Das klingt nach einer Party.“
„Ich schwöre, das ist die letzte Nachtschicht, die ich mit dir zusammen mache.“
Gavin streckte die Hände über den Kopf und gähnte laut.
„Es wäre weniger langweilig, wenn du Sex mit mir haben würdest, aber du weigerst dich ja“, klagte er.
„Es wäre unprofessionell.“
„Und wie wäre es ganz klassisch mit einem Blowjob unter dem Schreibtisch? Ich weiß, dass du die Kameras abstellen kannst, Nines.“
„Nicht, wenn jederzeit ein Notruf reinkommen könnte.“ Der Android blieb hart. „Außerdem sind wir nicht allein auf dem Revier.“
Das machte Gavin plötzlich hellhörig. „Moment, willst du damit sagen, dass wir nicht die einzigen sind, die zur Nachtschicht eingeteilt wurden? Wieso weiß ich davon nichts?“
„Oh, offiziell sind wir die einzigen“, widersprach Nines. „Aber RK800 und Lieutenant Anderson befinden sich seit zweieinhalb Stunden im Verhörzimmer 3 und haben den Raum seitdem nicht verlassen.“
Gavins Augen blitzten auf.
„Lass mich raten: sie sind nicht wegen eines Verhörs dort.“
„Deine schnelle Auffassungsgabe ist wie immer bemerkenswert, Gavin.“
„Oh, halt die Klappe.“ Gavin lehnte sich mit breitem Grinsen auf seinem Stuhl zurück. „Sie haben also ihren Spaß miteinander gehabt, dabei völlig die Zeit vergessen, und jetzt können sie den Raum nicht verlassen, weil sie dann an uns vorbeigehen müssten, und Anderson zu stolz ist, um sich und Connor dem Walk of Shame auszusetzen.“
„Das fasst es zusammen, ja.“
Gavin lachte auf „Oh, das ist einfach nur perfekt!“
Er hasste Hank nicht direkt, aber er respektierte ihn auch zu wenig, um bei diesen Neuigkeiten nicht eine gewisse Schadenfreude zu empfinden. Die Versuchung, den Lieutenant und sein Boy Toy für den Rest der Nacht im Verhörzimmer schmoren zu lassen, war enorm.
Doch Gavin wusste auch, dass sich diese Entscheidung früher oder später rächen würde, und er wollte es nicht darauf anlegen, es sich endgültig mit den beiden zu  verscherzen.
Er musste Hank und Connor also eine Möglichkeit geben, sich in Würde aus dem Revier zurückzuziehen und endlich nach Hause zu fahren.
„Okay“, sagte er und schlug mit der flachen Hand auf seine Schreibtischplatte. „Wir sollten noch mal unsere Beweisstücke durchsehen.“
Nines öffnete ein Auge und sah ihn irritiert an, so wie man eine lästige Fliege ansieht, die einen seit einer halben Stunde umschwirrt. „Gavin, wir haben gerade keinen offenen Fall.“
„Ich sagte, wir sollten noch mal unsere Beweisstücke durchsehen“, wiederholte Gavin mit überdeutlicher Betonung, und endlich schien der Android zu verstehen.
„Oh“, sagte er ausdruckslos. „Natürlich.“
Gavin drückte auf die Taste für Revierdurchsagen.
„Nines“, rief er ins Mikro und seine Stimme hallte durch die leeren Flure, „ich brauche dich in der Asservatenkammer und zwar auf der Stelle! Mir ist noch was eingefallen.“
Dann schob er seinen Stuhl zurück und stand auf.
„Okay, das sollte laut genug gewesen sein“, meinte er. „Lass uns gehen.“

Aus den fünf Minuten, die er Hank und Connor ursprünglich hatte geben wollen, um nach Hause zu fahren, wurden zwanzig, denn natürlich konnte Gavin nicht die Finger von seinem Partner lassen, sobald sie erst einmal in der Asservatenkammer waren. Und erfreulicherweise war auch die Selbstbeherrschung des Androiden nicht unendlich groß.
Gavin bekam seinen Blowjob und Nines eine neue Lektion zum Thema menschliche Anatomie und Sexualität, und zufrieden und entspannt (in Gavins Fall) und mit einer Menge neuer Daten, die es zu analysieren galt (in Nines‘ Fall), kehrten sie danach an ihren Arbeitsplatz zurück.
Nines bestätigte wenig später, dass sie nun definitiv die letzten Polizisten auf dem Revier waren, und Gavin feierte diese Erkenntnis mit seinem siebten – und noch lange nicht letzten – Becher Kaffee in dieser Nacht.

Und wenn er am nächsten Arbeitstag einen Gutschein für sein Lieblingsrestaurant neben einem Notizzettel mit dem Wort „Danke“ darauf in Hanks kritzeliger Handschrift auf seinem Schreibtisch fand, dann kommentierte Gavin es nicht weiter.