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Spiel ohne Limit

von LizK
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Mokuba Kaiba Seto Kaiba
18.09.2020
13.05.2021
33
87.123
3
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18.09.2020 1.344
 
Gerade noch rechtzeitig hatte es Rin über die Kreuzung geschafft und sich unter einen der herausragenden Dächer eines Supermarktes unterstellen können, bevor aus vereinzelten Tropfen ein regelrechtes Geplätscher entstand. Vor ihren Augen prasselten die Regentropfen auf die Straßen und Häuser Dominos-Citys hernieder und ließen binnen weniger Minuten gewaltige Pfützen entstehen. Autos und Busse fuhren an ihr vorbei, dass sie die Wassermassen von den Böden auf die ihnen nächstgelegene Fußgängerzone schleuderten.
Rin seufzte. Eigentlich wollte sie doch nur einen kleinen Umweg über die Innenstadt machen und ein paar Buchläden abklappern. Sie brauchte dringend ein paar Bücher, die sie von den langweiligen Stunden im Call Center ablenken konnten. Acht Stunden am Stück vor dem Schreibtisch sitzen und nichts tun war einfach nichts für sie. Aber mit irgendetwas musste sie ihre Brötchen verdienen. Ihr Blick schweifte auf die andere Straßenseite. Ein Kiosk hatte seine Fensterläden mit den neuen Plakaten des anstehenden Duell-Monsters-Worldcup versehen. Ein schwarzes Magiermädchen zwinkerte ihr zu, der hellblaue Stab schwang über ihren Kopf und zeigte direkt auf die übermächtigen Buchstaben. Rin hatte nie verstand, wieso diese Figur solch einen Hype auslöste. Für ihren Geschmack stöhnte die Magierin etwas zu viel, wenn sie aufs Feld gerufen wurde.
So etwas können sich nur Männer einfallen lassen
Sie ballte die Hände zur Faust. Es war einfach nicht fair. Das ganze Leben war nichts als reines Glücksspiel und Rin war dabei, all ihre Einsätze auszuspielen. Wie oft hatte sie sich bereits um eine Festeinstellung als Duellantin beworben? Wie viele Bewerbungen und Eigeninitiativen hatte sie bereits gestartet, um wenigstens ein Vorstellungsgespräch ergattern zu können? Wie viele Absagen waren bereits zu ihr nach Hause geflattert, hatten nach einem leisen Hoffnungsschimmer alles zunichte gemacht. Sie konnte ja froh sein, dass ein paar von ihnen wenigstens so viel Anstand besaßen, ihr eine vorgefertigte Nachricht zu senden. Manche hatten sich bis heute nicht gemeldet, dass es Rin immer wieder aufs Neue versucht hatte. Sie wusste, dass der Job nicht nur begehrt war; die Chancen für Duell-Monsters-Spielen bezahlt zu werden, standen so hoch wie einen Sechser im Lotto zu gewinnen. Zwar gab es viele namenhafte Firmen, die akribisch nach jungen Talenten suchten, doch letztendlich dienten die meisten Anzeigen als pure Publicity, um ihre eigene Beliebtheit zu steigern und jungen naiven Menschen wie Rin eine Illusion von einer realistischen Chance vorzuspielen. Mit ihren Augen versuchte sie Todesblicke an die leicht bekleidete Magierin zu senden, die den Anschein erweckte als wäre es ein Kinderspiel der neue Duell-Monsters-Champion zu werden. In Wahrheit brauchte man mehr als Talent, Hingabe und Ehrgeiz. Die wahre Zauberformel spielte sich im Inneren des Portemonnaies ab, sowie in der Anzahl guter Beziehungen. Rin hatte weder das eine, noch konnte sie behaupten, das andere zu besitzen. Sie kam aus mittelständischen Verhältnissen, mit mittelmäßigen Beziehungen, die sie nicht dorthin bringen konnten, wohin sie wollte - nämlich an die Spitze der Duell-Monsters-Liga. Sie wusste, sie hatte das Zeug dazu. In ihrem Bekanntenkreis war sie die beste Duellantin, einige kleine Turniere während der Schulzeit hatten ihr öfters den Sieg eingebracht. Nur den Tritt in die richtige Richtung, den hatte sie noch nicht erhalten. Noch immer sehnte sie sich nach einem Zeichen, irgendetwas, dass sie in ihrem Vorhaben bestätigen sollte. Ein kleiner Lichtblick in den endlosen Weiten der Dunkelheit, dass sie mit Selbstvertrauen ihren Eltern entgegentreten konnte, die ihren Traum für nichts anderes als ein Hirngespint hielten. Seit Wochen hörte sie die Enttäuschung heraus, dass die Telefonate nur noch Krampf waren. Immer dieselbe Rechtfertigung, jedes Mal dieselben Erklärungen. Rin hatte es so satt. Die Telefonate zogen sie herunter, dass immer ein Stück Zweifel zurückblieb, der sich in ihr Innerstes einnistete.

"Mann, ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so einen Regen erlebt habe." Neben ihr stellte sich ein großgewachsener junger Mann mit schwarzen, leicht gelockten Haaren und lächelte Rin an.
"Du kommst nicht von hier, stimmt's?", lächelte sie zaghaft zurück, dass er sie perplex anblinzelte und Rin darauf erwiderte: "Hier regnet es mindestens einmal im Monat so heftig, dass der Fluss beinahe überläuft. Jemand, der von hier ist, weiß das."
"Du hast mich erwischt", lachte er verlegen und schob seine Brille hoch, "ich bin erst vor einer Woche hierher gezogen. Yamato Shiba"
"Rin Yamamori", entgegnete sie und nahm seine Hand entgegen.
"Du bist aus Domino?"
"Hier geboren und aufgewachsen", nickte Rin.
"Vielleicht kannst du mir bei nächster Gelegenheit die Stadt zeigen", Yamato kratzte sich an den Kopf, dabei wuselten die Finger durch sein volles Haar, für welche Rin eine Schwäche entwickelt hatte, "ich kenne hier kaum jemanden und ich habe noch keine Ahnung, wo ich hier gut essen kann." Sein Lächeln wurde breiter. Für gewöhnlich verabredete sie sich nicht mit wildfremden Menschen - auch wenn es in diesem Fall ein süßer Kerl war, der scheinbar gefallen an ihr hatte. Sie war eher jemand von der distanzierten und zurückhaltenden Art, dass sie ihre bisherigen Beziehungen auch an einer Hand abzählen konnte - weswegen sie sich nicht schämte. Aber Yamato schien nicht nur attraktiv und sympathisch zu wirken. Er war auch noch der erste, der sie auf offener Straße angesprochen und um ein indirektes Date gebeten hatte.
"Bis Ende der Woche habe ich Spätschicht", erwiderte sie und rief sich ihren Schichtplan für diesen Monat ins Gedächtnis, "aber dieses Wochenende habe ich Zeit. Ich zeig`dir gerne die Stadt. Ein paar gute Läden und Restaurants kenne ich auch", sie grinste und zückte ihr Smartphone aus dem Trenchcoat. Yamato strahlte sie ebenfalls an und zog aus seiner Hosentasche sein eigenes Telefon heraus. Sie tauschten ihre Nummern aus, dass Rin ganz aufgeregt die Zahlen eintippte.
Der Tag hat gar kein so schlechtes Ende genommen
Sie ließ beinahe ihr Telefon fallen, als es in ihrer Hand zu vibrieren begann und eine unbekannte Geschäftsnummer aufleuchtete. Geradeso konnte sie sich ein Kreischen verkneifen und wischte mit dem Daumen auf annehmen.
"Hallo?", sprach sie leise, um den Schrecken zu verbergen.
"Frau Rin Yamamori? Hier Saito Kenshin von der Kommerz-Abteilung der Kaiba Corporation. Es geht um Ihre Bewerbung zur Berufsduellantin." Rin blieb das Herz stehen, sie riss die Augen auf: "Ja?", fragte sie vorsichtig als könnte sie jeden Augenblick von dem kleinsten Geräusch geweckt werden und sich herausstellen, dass sie nur geträumt hatte.
"Es ist kurzfristig ein Termin zum Probeduell frei geworden. Wir würden Sie gerne in die Hauptzentrale des Kaiba Buildings einlassen, damit wie uns einen Eindruck von Ihnen machen können."
"Wann wäre der Termin?"
"Schaffen Sie es in einer halben Stunde da zu sein?" Ihr blieb ein Kloß im Hals stecken.
Eine halbe Stunde Sie war im südlichen Viertel der Stadt, einige Kilometer vom Firmensitz entfernt. Sie musste den Bus nehmen und die restliche Strecke zu Fuß meistern. Ihre Beine waren vom vielen Sitzen aus der Übung, Sport hatte sie das letzte Mal in der Mittelstufe betrieben. War es überhaupt möglich, in so kurzer Zeit pünktlich zu erscheinen? Noch dazu im heftigen Gewitterregen, durch rutschige Pfützen und glatten Fußwegen?
"Sind Sie noch dran?", die Stimme aus der anderen Leitung klang ungeduldig, "wenn Sie den Termin nicht wahrnehmen können, suchen wir uns jemand anderen, der mehr Interesse hat-"
"Nein, nein", rief sie ins Telefon, "ich komme. Vielen Dank." Damit legte Kenshin auf. Rin fasste sich ans Herz.
"Alles in Ordnung?", Yanato klang wirklich besorgt, seine dunkelbraunen Augen sahen sie herzerweichend an.
"Es tut mir leid", winkte Rin ab, "aber ich muss sofort los. Ich habe gerade einen echt wichtigen Anruf bekommen, der vielleicht das Zeichen ist, auf das ich schon so lange warte."
"Ich verstehe zwar nur Bahnhof,", Yamato stemmte die Hände in die Hüften, "aber es scheint ja echt wichtig zu sein. Dann wünsche ich dir viel Glück. Ich hoffe, wir sehen uns am Wochenende." Sie nickte ihm zu, bevor sie aus dem Trockenen in die stürmische Sintflut schritt.
 
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