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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
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Dieses Kapitel
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24.09.2021 3.943
 
FORTY-EIGHT

Letztendlich wurden alle Schüler für den Einbruch ins Rektorenbüro mit Mülldienst bestraft.
Maron hatte die Nachricht an Ace abgeschickt und ist nach der Versammlung zum Unterricht gegangen. Den ganzen Tag drehten sich ihre Gedanken um Ace und als sie am Ende des Tages ihr Handy wieder an sich nahm, gab es keine Antwort.
Es kam keine Antwort, während sie ihre Hausaufgaben machte. Es kam keine Antwort, während sie Mülldienst hatte. Es kam keine Antwort, als sie sich ihren Pyjama zuknöpfte und sich fürs Bett fertig machte.
„Immer noch nichts?“, fragte Chiaki, stand am Rahmen ihrer Zimmertür angelehnt.
„Es wird eine Antwort kommen“, sagte Maron zuversichtlich.
Er nahm ihre Hand, zog sie zu sich. „Gib sofort Bescheid.“
Sie nickte, stellte sich auf Zehenspitzen und küsste ihn. „Gute Nacht. Ich liebe dich.“
Damit ging sie ins Bett, sagte Natsuki auch noch gute Nacht. Sie zog sich die Decke über den Kopf und hieß den Schlaf willkommen.

„Wach auf!“
Grobe Hände zerrten an ihr, weckten sie und eine Hand legte sich über ihren Mund, ehe sie schreien konnte.
„Ruhig!“, zischte die Stimme wieder. Maron kannte sie. „Sonst passiert Sakurai noch was.“ Im Dunkeln sah Maron zu Natsuki rüber, die leise schnarchte und sich nicht rührte.
„Du weißt, wer ich bin?“, fragte die Stimme.
Sie nickte langsam.
„Dann weißt du, warum ich hier bin. Du wirst nicht schreien, du wirst nicht rennen. Du wirst ruhig aus der Tür gehen und uns nach draußen folgen. Kapiert?“
Wieder nickte sie.
„Gut. Steh auf. Los geht’s.“
Man ließ Maron los und sie stand vom Bett auf. Sie zog sich ihre Schlappen an und folgte Yori aus dem Zimmer. Draußen im Flur wartete Sagami.
Die Spades, die sich unter ihnen versteckt haben.
Yori schubste Maron. „Geh.“
Beide führten sie die Treppe herunter. Maron behielt ihr Gesicht frei von jeglichen Emotionen, während sie sich durch das Wohnheim nach unten begaben. Im zweiten Stock blieb ihr Blick an Chiaki’s geschlossener Zimmertür hängen.
„Denk ja nicht dran, Kusakabe“, warnte Sagami. Maron riss ihren Blick von der Tür weg, wandte sich nach vorne und ging weiter.
Eine kühle Brise wehte vorbei, als sie nach draußen traten. Ihr Pyjama war bis zum Hals zugeknöpft, dennoch schüttelte Maron sich vor Kälte. Yori und Sagami führten sie durch den Schulhof.
„Wo gehen wir hin?“, fragte Maron.
Keine Antwort. Sie beschloss nicht weiter nachzuhaken. Sie würde schon sehen, wohin es ging.
Schließlich erreichten sie die Sportanlage. Maron hatte erwartet, dass sie in die Turnhalle reingehen würden, doch stattdessen bog Sagami ab und sie erkannte sofort, wohin man sie führte.
„Wieso bringt ihr mich aufs Dach?“
„Wir hängen gerne da rum“, sagte Yori. „Nagoya hat einen tollen Job gemacht, es für uns auszuschmücken.“
„Das war nicht für euch Verrückten.“
„All dies ist für uns, Kusakabe. Ich hätte gedacht, dass du das inzwischen gemerkt hast“, sagte Sagami.
Er riss die Tür auf und zeigte nach oben. Ohne weitere Argumente ging Maron rein.
Diese Treppen war sie unzählige Nächte hochgestiegen - Nächte, in der sie mit Natsuki gelacht hatte und Chiaki näherkam. Jetzt würde sie etwas komplett anderes oben erwarten.

Maron erreichte den Dacheingang und schob ihn, ohne zu zögern, auf. Neun Augenpaare fielen auf sie, als sie langsam vor die Gruppe trat. Einige saßen auf der Couch, andere standen verteilt rum.
Maron begegnete jeden ihrer Blicke. Sie waren alle hier - außer einen.
Niemand sprach, weshalb sie die Stille durchbrach. „Hey, Leute. Nett von euch, dass ihr euch alle aus dem Bett geschleppt habt, um mich zu sehen. Wie wär’s mit einer Vorstellungsrunde?“
Keiner rührte sich.
„Nicht alle auf einmal. Dann gehe ich jeden von euch durch. Fangen wir mit meinen netten Begleitern an. Yori Hiragara und Sagami Kugaraha.“ Maron drehte sich und zeigte auf weitere bekannte Gesichter. „Dann haben wir Yashiro Sazanka, Hijiri Shikaidou, Kodachi und Tatewaki Kuno.“ Sie wandte sich den Leuten auf der Couch zu. „Ihr müsst die Spades aus den unteren Klassen sein. Asuka Shikinami, Kaname Kuran, Asuna Yuuki, Mamoru Chiba, und Kirito Kirigaya.“ Sie lächelte. „Na, wie war ich?“
„Du beeindruckst niemanden“, sagte Yori, ging um sie herum. „Wir wissen, dass du weißt, wer wir alle sind.“
„Nicht alle“, entgegnete Maron. „Es fehlen drei. Toki Hayer und Chiaki Nagoya, aber es gab einen Namen, der immer und immer wieder in der Geschichte der Akademie auftauchte. Der offensichtlichste Name: Tanemura.“
Ausdruckslose Gesichter starrten sie an.
„Zwölf Spades wandern durch die Schule herum und werden von Ace angeführt. Am Ende brauchte ich gar nicht nach Sayuri’s Vater in den Jahrbüchern zu suchen, weil ich Sayuri selbst mit ihrem Mädchennamen gefunden habe: Sayuri Tanemura.“
Noch immer sprach keiner der Spades ein Wort.
Warum sagten sie nichts? Worauf warteten sie? Das regte Maron auf.
„Ich weiß, dass sie Ace war“, sagte sie mit Nachdruck. „Toki hatte es bestätigt. Sie war Ace, aber jetzt ist sie weg und wurde von dem Psycho übernommen, der mich schikaniert. Ich will wissen, wer von euch es ist.“ Ihre Augen wurden zu Schlitzen und sie ballte ihre Fäuste. „Wer von euch Arschlöchern hat mich erpresst, mich markiert und mir gedroht. Wer ist Ace?!“
„Keiner von ihnen, befürchte ich.“
Sie erstarrte bei der Stimme hinter ihr. Warte. Ist das...
„Keiner von ihnen konnte Ace sein, M. Dieses Recht gehört mir und nur mir allein.“
Maron konnte sich nicht bewegen, nicht atmen. „N-Nein...“
Mit einem kalten Lächeln trat Miyako vor sie.
„Nachdem Big Sis ging, war es an mir, als Ace zu übernehmen.“
„Big Sis?“ Die Worte machten für Maron keinen Sinn.
„Genau. Ich denke, ich bin dran mich vorzustellen.“ Miyako streckte ihre Hand aus. „Nett dich kennenzulernen. Mein Name ist Miyako Tanemura. Toudaiji ist der Mädchenname meiner Mutter.“
„Aber–Aber das–das kann nicht sein.“
Sie ließ ihre Hand fallen, jedoch nicht ihr Lächeln. „Warum nicht? Wegen meiner kleinen Perfomance im Hotel?“ Ihre Stimme wechselte zu einem verheulten Ton. „Zu schweigen war genauso schlimm wie mitgemacht zu haben, und ich werde das nicht mehr tun. Ich werde dich auch nicht darum bitten, dass du mir verzeihst, aber... Blahblahblah.“
„Nein“, wisperte Maron. „D-Du warst in dem Video. Man outete dich fürs Gras rauchen. Warum-“
„Ist doch offensichtlich. Damit du mich nicht verdächtigst.“ Miyako zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht so, als könnte Daddy mich verweisen.“
„Daddy?!”, platzte es Maron heraus. „Der Rektor schenkt dir keinen Fünkchen Aufmerksamkeit! Er kann nicht dein Vater sein! Was für ein krankes Spiel wird hier gespielt?!“
Miyako’s Gesicht blieb neutral. „Er ist mein Vater. Kannst du nicht die Ähnlichkeit sehen?“
Maron funkelte sie schweigend an. Nein, sie sahen sich nicht ähnlich.
Miyako seufzte. „Nun, jeder sagt sowieso immer, dass ich ganz nach Mom komme. Wir haben ausgemacht, dass ich mit Mom’s Namen mich einschule, damit ich von allen nicht als ‚Tochter des Rektors‘ dastehe und vermeintlich anders behandelt werde.“ Sie lachte spöttisch. „Aber mir steht dennoch dessen Erbe und Titel zu. Du bist doch so schlau, Kusakabe - denk drüber nach. Ace führt die Spades. Ace wählt die Knights. Ace überbringt die Markierungen. Wer außer die Tanemuras hätte das Recht zu entscheiden, wer in die Tanemura Akademie gehört oder nicht?”
„Aber wie-“ Maron dachte an jeden Moment zurück, die sie mit Miyako verbracht hatte. „Der Londoner Schulausflug. Du- Du warst im Whirlpool, als Ace mich attackiert hat.“
„Ich aber nicht.“ Sie drehte sich zu Kodachi um, die sie fies angrinste. „Miyako hatte die Nachricht geschickt, um dich rauszulocken. Ich ließ eine kleine Lektion auf dich fallen.“
„Eine kleine Lektion?! Das war ein verficktes Regal!“ Maron wandte sich wieder Miyako zu. „Du...Du warst meine Freundin.“ Sie war eine der ersten Freundinnen, die sie an dieser Schule gemacht hatte.
Keine Gefühlsregung in Miyako’s Augen.
„W-Wie konntest du-“ Maron’s Stammeln stoppte abrupt.
Big Sis, rief sie sich in Erinnerung. Sayuri war ihre Schwester. Miyako hatte zugesehen, wie ihre Schwester gegen sie kämpfte und dann wegen ihr in den Tod stürzte. Natürlich hasst sie mich, aber...
Schwerschluckend sah Maron zu den anderen. Wissen die, was zwischen ihr und Sayuri vorgefallen war? Wissen sie, was Grund für das alles hier ist?
Wenn die Chance bestand, dass die anderen ahnungslos sind, dann sollte es auch so bleiben.
„Wie konntest du es so weit kommen lassen?“, sagte Maron schließlich, vermied es das Thema Sayuri anzusprechen. „Du hast die echten Knights markiert und die Schule auf den Kopf gestellt. Solltest du dich nicht darum kümmern, den Status quo aufrechtzuerhalten? Du hast diesen Ort ruiniert!“
Ein Fünkchen Wut durchbrach ihre kalte Maske. „Ich? Ich drehte die Schule auf den Kopf? Das war ich nicht. Das warst du“, zischte Miyako. „Du zwangst mich, die Knights zu markieren. Du wendetest sie gegen mich.“
„Weil du wahnsinnig bist! Du hast sie dazu getrieben, als du mich erpresst hast!“
Miyako’s Lippen verzogen sich mürrisch. „Ich bin nicht wahnsinnig. Ich habe ihnen die Möglichkeit gegeben das Richtige zu tun. Ihre Loyalität gilt mir.“
Maron schnaubte. „Man kann euch doch nicht für voll nehmen. Diese Schule ist nicht für euch da. Die Schüler existieren nicht, um euch reich zu machen, und niemand schuldet dir Loyalität.“
„Da liegst du falsch. Mein Großvater hat mir das klar gemacht.“ Miyako warf ihre Hände aus. „All das gehört mir, Kusakabe. Die Tanemuras haben diesen Ort gebaut. Uns gehört er. Wir erlauben dir durch unsere Hallen zu gehen. Wir gewähren dir die Zulassung, zu den Besten der Welt zu gehören. Wenn ich nicht will, dass jemand hier ist, dann kann ich ihn gehen lassen. Die Knights werden von einem Tanemura gewählt. Wenn sie mir nicht gehorchen, wähle ich mir Knights, die es tun.“
„Und Toki? Er gehorchte nicht mehr, also wurdest du ihn los?“ Maron richtete ihre Aufmerksamkeit auf die anderen. „Hört ihr das? Ihr seid ihr scheißegal. Sie erpresste, bedrohte und griff einen von euch an. Ihr seid alle entbehrlich für sie.“
Noch immer war es still. „So sollte es doch nicht sein, oder? Als ihr von der Geschichte der Spades und der dreizehn Familien erfuhrt, sagte man euch auch, dass es Körperverletzung, Lügen und Mord umfassen würde?“
Die Spades schauten Maron an, bis ein Geräusch zu ihrer Rechten ertönte.
Yashiro lachte. Die anderen schlossen sich an. Alle lachten sie aus.
„Mord?“, lachte Yashiro. „Wovon redest du? Niemand hat jemand getötet, Idiot.“
„Aber Toki-“
„Ist nicht tot.“ Yashiro entfernte sich von der Wand und trat an Miyako’s Seite. Sie trug einen amüsierten Gesichtsausdruck. „Der Plan in dieser Nacht war, dass er dich in den Wald lockt und dich von deinen Freunden wegbringt. Es hat funktioniert, bis wir ihm gefolgt sind und herausgefunden haben, dass er dich nicht zu dem Ort gebracht hat, den wir vereinbart haben.“
Hijiri setzte fort: „Es dauerte länger, um euch zu finden, und als wir es taten, hörten wir, wie der Schwachkopf uns verriet.“
„Wir mussten schnell handeln“, fuhr Yashiro fort. „Wir haben ihn aus dem Weg geschafft und Kuno und Sagami haben ihn zurück zum Hotel geschleppt, während alle verzweifelt auf der Suche nach dir waren. Als wir ihn in Hijiri’s Zimmer gebracht hatten, riefen wir seine Großmutter an.“
„Seine Großmutter?“
„Richtig. Sie kam sofort her und nahm ihn mit, aber nicht bevor sie aus ihm seinen kleinen Plan herausbekam, dir die Jahrbücher zu geben.“
Was zum Teufel sagten sie da? „Toki wird also nicht vermisst?“, fragte Maron perplex.
„Er nimmt sich ein wenig Zeit, um sich in Erinnerung zu rufen, was seine Prioritäten sind“, antwortete Yashiro. „Wir sind keine verfickten Mörder, Kusakabe.“
Die Wut kehrte in ihr zurück und sie schritt auf Yashiro zu.
„Sorry, wenn ich nicht weiß, wo ihr die Grenzen zieht. Ihr habt mich alle gefesselt und mir die Augen verbunden. Ihr habt mich ins Wasser geworfen und mich im Dunkeln zurückgelassen. Ich kann nicht schwimmen! Es gab Bären in dem Gebiet!“
„Ugh“, stöhnte Kodachi genervt. „Hörst du auf zu heulen? Dir geht’s doch gut, oder nicht?“
Ihr gleichgültiger Ton brachte Maron zum Kochen. Diesen Leuten interessierte es einen Scheißdreck, was für eine Todesangst sie in dieser Nacht hatte.
„Es war, um dir eine Lektion zu erteilen“, sprach Kodachi weiter, „Eine, von der du immer noch nicht gelernt hast. Warum zum Teufel kommst du immer noch in die Akademie zurück?“
„Ich-“
„Ich hatte mich klar ausgedrückt“, sagte Miyako. Sie hatte ihr Handy in der Hand und tippte auf den Bildschirm. „Deine Zeit an der Tanemura Akademie ist vorbei“, ertönte die künstliche Stimme. „Du kommst nächstes Semester nicht zurück. Wenn du das tust, erwartet dich dasselbe Schicksal wie Takeru Koji. Auf Wiedersehen, Maron Kusakabe.
Sie endete die Aufnahme.
„Du hättest nicht zurückkommen sollen“, wiederholte Miyako.
„Aber ich bin zurückgekommen. Ich bin hier und ich werde nicht gehen“, entgegnete Maron mit einem kühnen Lächeln. „Es sind nur noch ein paar Monate bis zum Abschluss. Ich habe alles ertragen, was ihr mir in den drei Jahren entgegengeworfen habt. Ich kann noch ein bisschen länger durchhalten.“ Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen. „Und jetzt weiß ich, wer ihr seid. Ich kenne eure Namen. Ich weiß von den dreizehn Familien. Ich weiß alles. Etwas sagt mir, dass die Dinge von jetzt an viel einfacher werden.“
Sagami trat auf Maron zu. „Ich würde nicht auf dieses ‚etwas‘ hören, denn du liegst falsch.“
„Warum? Denkst du, ich erzähle allen nicht, was ich weiß?“
„Das wirst du nicht“, sagte Miyako.
„Wie denkt ihr, werdet ihr mich aufhalten? Ich werde es allen erzählen, wenn ihr mich und die, die mir wichtig sind, nicht in Ruhe lässt. Wenn ihr nicht vorhabt, mir das anzutun, was Takeru Koji angetan wurde, könnt ihr nichts tun, um mich aufzuhalten.“
Yashiro lachte wieder. „Würdest du von deinem hohen Ross runterkommen? Niemand riskiert das Gefängnis wegen dir. Wir haben dir gesagt, dass wir keine Mörder sind.“
„Genau, M.“ Hijiri kam auf sie zu. Maron versteifte sich, als er hinter ihr war. „Kein Grund so weit gehen zu müssen. Es gibt viel einfachere Wege dich ruhigzustellen.“
Er legte einen Arm um ihre Schultern. Alles in ihr zog sich zusammen. „Wir werden uns deine Freunde vorknöpfen.“
„Wir werden Rektor Tanemura dazu bringen Cersia für die Pillen zu verweisen“, kündigte Sagami an. „Sie wird wieder in eurem Kaff enden, wo sie zu den anderen Drogendealern gehört. Wir werden dem Rektor sagen, dass sie uns Stoff angeboten hat.“
„Der Franzose auch“, sagte Kuno. „Er wird Drogen in seinem Spind finden und wird nach Europa zurückverfrachtet. Und seine rothaarige Tusse wird für pornografische Aufnahmen fliegen.“
Das Blut in Maron’s Adern gefror. „I-Ihr k-könnt nicht—“
„Um Sakurai hatten wir uns ja schon vor dem neuen Schuljahr gekümmert. Aber man kann immer eins draufsetzen. Wir hätten beispielsweise ‚Beweismittel‘ zu den vermeintlichen Tierversuchen, die dem Business garantiert nicht guttun würden“, setzte Kodachi fort. „Und was ihren Freund angeht: Niemand hatte Times Records nach den geleakten Songs verklagt, aber wir sind uns sicher, dass wir eine Band mit der richtigen Menge Geld überzeugen können.“
„Und Yamato“, sagte Yori. „Man hat ihn nicht rausgeworfen, nachdem er dir die Nase gebrochen hat, aber man wird es, wenn man erfährt, dass er Hand an mich gelegt hat. Seine ehemalige Kollegin. Und jemand von der Gründungsfamilie.“
„Kagura wird genauso einfach“, kam es von Yashiro. „Insbesondere, wenn ich allen erzähle, dass unser Fußball-Captain mich in die Umkleide gezerrt hat und mich dazu zwang Sex mit ihm zu—“
„Ihr seid krank!!“, fauchte Maron.
Im nächsten Moment hatte Hijiri einen Arm fest um ihren Hals und ein stockendes Keuchen entkam ihr.
„Ruhig, Kusakabe. Du hast noch gar nicht gehört, was wir mit Chiaki Nagoya machen werden. Ich habe mir was Perfektes für ihn ausgedacht, während ich zu Hause saß und mein Kiefer verdrahtet war.“
„L-Lass mich los!“
„Niemand hat je herausgefunden, was mit seinem alten Herrn passiert ist“, fuhr er fort, „Aber wir verdächtigten seine geisteskranke Patientenmutter. Sie muss es sattgehabt haben, dass sein Vater sie verlässt und jede Hure f*ckt, die er gesehen hat, also hat sie ihn umgelegt. Das werden wir mit Sicherheit der Polizei weitergeben.“
„Lasst sie in Ruhe!“ Maron versuchte sich aus Hijiri’s Griff zu befreien. „Das könnt ihr nicht machen!“
„Werden wir nicht“, sagte Yashiro spitz. „Wenn du in dein Wohnheim zurückgehst, deinen Scheiß packst und niemanden erzählst, was du weißt. Verstanden?“
Maron nickte sprunghaft mit dem Kopf. „Werde ich nicht. Ich werde es niemanden sagen.“
„Und du wirst gehen.“
„Ich werde gehen. Morgen werde ich weg sein.“
Hijiri’s Stimme kam drohend in ihr Ohr. „Du wirst weg sein, bevor die Sonne aufgeht oder Mama-Nagoya landet im Knast.“
„Okay“, flüsterte Maron, hatte aufgehört sich gegen ihn zu sträuben, „Ich werde weg sein, bevor alle aufwachen.“
„Gut“, sagte Yashiro mit einem siegreichen Grinsen. „Ich bin froh, dass wir uns verstehen.“
Damit ließ Hijiri sie los. Maron stolperte zornig von ihm weg.
„Wir sind hier fertig, Leute“, ergriff Miyako das Wort. „Geht zurück ins Bett. Kein Grund Schlaf wegen ihr zu verlieren.“
„Kann dem nur zustimmen“, sagte Yashiro gelangweilt.
Nach und nach gingen die Spades, bis nur noch Miyako und Maron übrigblieben.

Maron erdolchte sie mit ihren Blicken, während die Wut in jeder ihrer Faser loderte. Miyako stolzierte auf sie zu, sah vollkommen unbesorgt aus.
„Du wirst damit nicht für immer davonkommen! Jemand wird euer Geheimnis herausfinden. Ich—“
Miyako hatte ausgeholt und ihre Faust traf mit voller Wucht auf ihr Gesicht. Maron fiel zurück, landete auf dem Kaffeetisch.
„Das war für meine Schwester, Bitch.“ Nägel gruben sich in ihre Schultern und zogen sie hoch.
„Miyako, warte—“
Der nächste Schlag war noch härter. Maron spuckte Blut und sie spürte, wie ihre Nase brach.
„Und das ist für alles andere.“
Maron schwankte und fiel auf die Couch, hielt sich schmerzverzerrt das Gesicht. „Miyako“, ächzte sie. „Hör mir zu.“
Miyako beugte sich über sie. „Was? Wirst du betteln und sagen, wie leid es dir tut? Dass du diese Lügen über meine Familie nie verbreiten wolltest?“
„Nein.“ Langsam schüttelte Maron ihren Kopf. „Ich wollte sagen...dass deine Schwester ein kranker Psycho ist und genau das bekam, was sie verdient hat“, sagte sie mit Gift in der Stimme.
Auf den nächsten Schlag war sie vorbereitet. Als Miyako ausholte, wich Maron zur Seite aus. Ihre Faust traf auf leere Luft. Maron nutzte ihre Chance und rannte.
Der Rand des Daches befand sich vor ihr, aber wenn sie zurück zur Couch eilte, konnte sie es zur Tür schaffen, bevor—
Hände packten sie und zogen sie grob zurück. Maron stieß mit Miyako zusammen, die sie mit einem Würgegriff festhielt.
„Lass mich los, du psychotisches Miststück! Du hast deinen Standpunkt klargemacht!“
„Ich habe noch nicht mal angefangen, dir meinen Standpunkt klarzumachen“, zischte Miyako in ihr Ohr. „Diese Idioten sind zu schwach, um dich loszuwerden, aber ich habe dieses Problem nicht.“
Der Arm, der sie erwürgte, war plötzlich weg. Im nächsten Moment hatte Miyako ihre Hände auf Maron’s Rücken und schubste sie. Maron fiel nach vorne zu Boden und Miyako drückte ihren Kopf nach unten.
„Ich kann nicht sagen, dass ich Sayuri mochte. Sie wuchs mit ihrer Mutter auf und interessierte sich einen Scheißdreck für mich. Es pisste mich auf jeden Fall an, als ich in die Akademie kam und sie sich weigerte, mich als Ace übernehmen zu lassen. Aber ganz gleich, wie ich für sie empfand, du wirst für-“
„Ich bin unschuldig!!“, fiel Maron ihr schreiend dazwischen. „Ich wollte das alles nicht! Sie war hinter mir her! Sie hatte mich markiert. Sie schmiss einen Blumentopf auf mich. Sie zündete mein Zimmer an.“
Sie drehte sich um und schlug Miyako’s Hände von sich. Schnell rappelte Maron sich auf die Beine und sie standen sich gegenüber.
Miyako lächelte zu ihrer Überraschung. „Eigentlich, was das Letzte angeht: Nicht Sayuri hat das Feuer gelegt, sondern ich.“
Entgeistert starrte Maron sie an. „Du hast was?!“
Sie hob ihre Schultern. „Wie ich sagte, Sayuri wollte mich nicht übernehmen lassen. Ich musste etwas tun, um zu beweisen, dass ich Ace sein konnte. Also nutzte ich meine Chance, um die Markierte loszuwerden, die einfach nicht verschwinden wollte. Dann hat Daddy dich in das Wohnheim gebracht und ich konnte es nicht nochmal versuchen.“ Das boshafte, wahnsinnige Lächeln weitete sich. „Jetzt muss ich mir keine Sorgen um Kameras machen.“
Maron konnte sie durch das Rauschen in ihren Ohren kaum hören.
Miyako war es. Miyako war die dunkle Gestalt in jener Nacht. Sie wollte sie am lebendigen Leibe verbrennen.
Ein eiskalter Schauer überkam sie. Dieses Mädchen, von der sie dachte, dass sie ihre Freundin sei, wollte sie umbringen.
„Wie konntest du nur?“, fragte Maron, hob ihre Stimme. „Was zum verfickten Teufel ist falsch mit dir?! Wer würde jemanden umbringen wollen, nur weil er einer dummen Karte nicht gehorcht?!“
Miyako verzog ihr Gesicht.
„Es geht um mehr als eine Karte, M. Du kapierst es nie. Deswegen gehörst du auch nicht hierher“, sagte sie. „Tradition ist alles. Es sind die Traditionen, die diese Schule zur Besten der Welt machten. Du denkst, die dreizehn Familien benutzen die Schüler, aber was sie wirklich tun, ist ihnen zu helfen anders und besser zu sein. Niemand kümmert sich einen Dreck um die Person, die die Idee hatte. Es sind diejenigen, die die Idee zur Realität machen, die in den Geschichtsbüchern enden.“
Miyako machte einen Schritt auf sie zu. „Mein Großvater erklärte mir alles.“ Sie machte einen weiteren Schritt. „Wir tun Gutes. Nicht nur für die Schüler, sondern für die Zukunft. Wir stellen sicher, dass Menschen mit Potential etwas sein können. Dass sie dieses Potential erreichen können. Das Mindeste, was wir im Gegenzug verlangen können, ist, dass die Leute unseren guten Namen nicht ruinieren.“ Sie ging einen Schritt zurück, warf ihre Arme aus und drehte sich. „All das gehört mir. Und jeder hier muss mir gehorchen - ob sie es wissen oder nicht.“
Maron hob ihr Kinn, sah ihr direkt in die grünen Augen. Dasselbe grün, wie Sayuri, wie sie nun feststellte. „Ich nicht.“
Miyako lachte kalt. „Diese Option hast du nicht mehr.“ Ihre Augen flackerten über Maron’s Schulter. „Geh. Spring. Mach es für uns beide einfacher.“
„Nein.“
„Schön.“ Plötzlich stürzte Miyako sich auf sie. Maron packte sie rechtzeitig, sodass beide zu Boden fielen, nur Zentimeter vom Rand entfernt. Sie rangen miteinander.
„Warte!“, schrie Maron, hing mit dem Kopf über den Rand. „Miyako, hör zu-“
„Halts Maul!“ Miyako zog sie wieder auf die Beine, packte sie fest am Pyjama. „Ich bin fertig mit dir, Ku-“
„Es geht um Sayuri! Ich muss dir etwas über Sayuri sagen!“
Miyako zuckte, hielt abrupt inne. „Was?“, knirschte sie mit Zähnen. „Gibst du zu, dass du über sie gelogen hast?“
Maron atmete schwer. „I-Ich werde zugeben…dass…“ Sie löste einen Arm von ihr und richtete sich gerade. Miyako’s anderer Arm hielt sie nach wie vor fest.
„Du musst wissen, dass deine Schwester-“ Maron berührte die Knöpfe ihres Kragens. „-auf denselben verdammten Trick reingefallen ist!“ Ein Grinsen zierte ihre Lippen. „Sag Hallo zur Knopfkamera, Bitch. Alles, was heute Nacht gesagt und getan wurde, wurde live an die Außenwelt gestreamt.“
„Was?!“ Miyako’s Augen wurden riesig und ihr Griff lockerte sich vor Schreck. Maron nutzte die Gelegenheit und schlug ihr kräftig ins Gesicht. Miyako stolperte zurück und klappte zu Boden.
Bevor sie sich aufrichten konnte, stürzte Maron sich auf sie. Sie holte Miyako das Handy aus der Tasche und schmiss es zu Boden. Das Gerät zersplitterte in unzählige Einzelteile.
„Das war, um alle Videos loszuwerden, an denen du festhältst“, zischte sie ihr ins leichenblasse Gesicht, damit die Kamera es nicht hörte – auch wenn die inzwischen ausgeschaltet sein sollte. „Aber für den Fall, dass du es irgendwo anders gespeichert hast: Kagura muss allen elektronischen Geräten, die du besitzt, bereits einen netten Virus geschickt haben.“
Blut aus Maron’s Nase tropfte Miyako auf die Wange und rann wie eine Träne herunter.
„Versuch diesen Ort im Gefängnis zu leiten, Psycho, denn die Polizei ist auf dem Weg.“
Wie aufs Stichwort waren die Sirenen schon zu hören.
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