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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
Alle Kapitel
87 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
03.09.2021 3.202
 
Einige haben’s bestimmt mitbekommen (andere womöglich nicht xD): die Story war am Donnerstag für ein paar Stunden weg, weil ich sie ausversehen gelöscht habe…
Aber dank dem Support konnte sie wiederhergestellt werden (sonst wärt ihr nicht hier xD)
also erstmal großen Dank an den Fanfiktion-Support hier :D
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FORTY-FIVE

Die Uhr zeigte drei Uhr morgens an, aber der Schlaf kam nicht.
In fünf Stunden würde sie in den Bus steigen, der sie nach Hause bringen würde. Ein Bus mit den Leuten, die ihr das angetan haben.
Das Kissen zerknitterte in ihrer Faust. Wäre Maron in ihrem Hotelzimmer gewesen, wäre sie aufgestanden und in Natsuki’s Bett gekrochen. Sie hatten beide eine höllische Nacht und es zusammen durchzustehen war viel besser, als hier allein zu sein.
Die Tür knarzte.
Maron schoss hoch, als ein Lichtstrahl durch die sich öffnende Tür trat. „Wer ist da?!“
„Shhh. Ich bin’s. Wir wollen sie nicht wecken.“
Chiaki schloss leise die Tür, während Maron sich entspannte. Er durchquerte im Dunkeln das Zimmer. Das Bett sank ein, als er aufs Bett stieg, unter die Decke schlüpfte und sich neben sie hinlegte.
„Was machst du hier?“, fragte Maron.
„Du weißt warum.“ Chiaki legte einen Arm um sie, worauf sie sich direkt an seine Brust schmiegte und ihn festhielt.
„Du wirst in Schwierigkeiten geraten“, flüsterte sie gegen seine Brust.
„Das ist es wert.“ Er streichelte sanft ihren Kopf. „Ich verstehe, warum Pakkyaramao dich in ihr Zimmer gebracht und sich vor die Tür platziert hat, aber du solltest heute Nacht nicht allein sein.“
Maron kniff sich die Augen zu, als Tränen drohten zu entkommen. „Ist sie noch da?“
„Sie schläft auf einer Matte vor der Tür. Ich musste über sie treten, um reinzukommen.“ Chiaki lachte leise. „Kein guter Bodyguard, aber dafür bin ich hier. Ich beschütze dich. Du kannst jetzt schlafen.“
Woher er wusste, dass sie die ganze Zeit im Dunkeln saß und zu verängstigt war, um ihre Augen zu schließen, wusste Maron nicht. Aber das es ihn genug beunruhigte, um ihn hierher zu bringen, brach sie. Die Tränen rannten heiß und schnell das Gesicht herunter.
„Ich hatte solche Angst“, schluchzte sie.
„Ich hätte nicht zugelassen, dass dir etwas passiert.“ Chiaki küsste ihre Stirn und ihre Wange.
„Wer war das? Pakkyaramao hat mich direkt reinbefördert und brachte mich dazu zu duschen und ins Bett zu gehen, nachdem ich ihr erzählte, was passiert ist. Bitte sag mir, dass ihr sie erwischt habt.“
„Würde ich gerne, aber die gesamte Klasse hatte nach euch gesucht. Natsuki, die Jungs und ich haben uns aufgeteilt. Es war das pure Chaos. Alle waren in der Dunkelheit in verschiedene Richtungen zerstreut gewesen. Pakkyaramao und Shinobu sind natürlich ausgerastet. Sie schrien uns alle an, dass wir wieder reingehen sollten, und dann hörte ich dich endlich. Als wir zurückkamen, war es unmöglich zu erkennen, wer von wo kam.“
„Was ist mit Toki? Geht es ihm gut? Es klang, als hätten sie ihm wehgetan.“
Sein Griff um sie verstärkte sich. „Das letzte was ich hörte war...dass man ihn immer noch nicht gefunden hatte.“
Ein Schluchzen erstickte sie. „Ich war so dumm. Ich hätte ihm nicht nach draußen folgen sollen. Ich hätte antworten sollen, als ich dich das erste Mal rufen hörte. Dann wärst du zu uns gekommen, bevor sie es konnten.“
„Es ist nicht deine Schuld, Maron.“
„Doch, ist es. Ich bin eine verdammte Idiotin, die dachte, sie könnte allein eine psychotische Geheimgesellschaft ausschalten, die seit über hundert Jahren existiert. Sie waren bereit für mich.“
„Du bist keine Idiotin. Sie sind die Idioten, weil sie ihren letzten Fehler gemacht haben. Ich werde sie für das, was sie dir heute Abend angetan haben, bezahlen lassen.“ Er atmete tief durch. „Ich kann es nicht ertragen, dass man dir wehtut“, flüsterte er. Der harte, wütende Ton in seiner Stimme besänftigte sich in der nächsten Sekunde wieder. „Ist schon schlimm genug, dass ich dir jahrelang wehgetan habe.“
Diesmal war Maron es, die ihre Hand hob und ihm sachte durch die Haare strich.
Sie sah zum ihm auf, blickte in der Dunkelheit in seine Augen.
Unglaublich wie viel ihr dieser Junge bedeutete…Derselbe Junge, der sie als Kind ertränken wollte – und sie heute davor gerettet hatte.
„Du hast mich gerettet“, sagte sie ihm mit tränenerstickter Stimme. „Du hast mich schon damals vor Sayuri gerettet. Ohne dich wäre ich-“
„Ich werde dich immer retten.“
„Ich dachte, ich würde sterben, Chiaki.“
„Ich wäre fast zu spät gewesen.“ Chiaki strich sanft ihre Tränen weg. „Nächstes Mal werde ich eher da sein. Aber ich hoffe, dass es kein nächstes Mal geben wird.“
Ihre Tränen stoppten, als sich ihre Lippen trafen. Sanft küsste er sie und Maron erwiderte den Kuss innig.
„Chiaki“, wisperte sie gegen seine Lippen, als sie sich nach einer langen Weile lösten. „Ich muss dir sagen, was Toki mir gesagt hat. Er-“
„Shhh.“
„Es ist wichti-“
„Shh“, unterbrach er sie, drückte sie wieder gegen seine Brust. „Nicht jetzt. Nicht heute. Später“, sagte Chiaki, küsste ihre Haare. „Du solltest jetzt schlafen.“
Maron spürte, wie ihre Augen bei den Worten vor Erschöpfung schwerer wurden. Seufzend presste sie sich an ihn an. Sie spürte einen weiteren Kuss auf ihrem Kopf, der sie mit einer unbeschreiblichen Wärme durchfuhr.
Langsam fielen ihre Augen zu. Zu den ruhigen Herzschlägen in seiner Brust schlief sie schließlich vor Erschöpfung ein.
***

Stunden später weckte sie die Sonne. Ein Lichtstrahl traf direkt auf ihre Augen und blendete sie, als sie zur Uhr blinzelte.
10:45.
Maron schreckte hoch, als hätte das Bett sie unter Strom gesetzt. Der Bus ist vor über zwei Stunden abgefahren.
Wie konnte man sie hierlassen? Chiaki, Natsuki, ihre Freunde würden ohne sie nicht einfach wegfahren. Eher im Gegenteil...
Maron schlüpfte sich schnell ihre Kleider über, zog sich ihre Schuhe an und warf die Tür auf.
Pakkyaramao blickte sie an, mit erhobener Hand, die bereit war zu klopfen. „Ah, Sie sind wach. Fühlen Sie sich bereit etwas zu frühstücken?“
„Frühstücken? Aber der Bus-“
„Der Bus ist vor Stunden gefahren. Es gab laute Proteste, aber ich habe sie mit Prof. Shinobu vorgeschickt. Ich denke nicht, dass Sie die Rückfahrt überstanden hätten, nach allem was Ihnen passiert ist.“ Pakkyaramao erhob ihre Hand, als Maron ihren Mund öffnete. „Keine Sorge, ich habe Ihre Tante kontaktiert. Sie weiß, dass Sie später kommen werden und wieso.“
Maron sackte gegen den Türrahmen zusammen. Prof. Pakkyaramao hatte recht.
Das Letzte was sie wollte, war in einem Bus zu sitzen, welcher mit ihren Angreifern gefüllt war.
„Kommen Sie. Wir sind die Einzigen im Hotel und Mrs. Kaede hat Ihnen ein besonderes Frühstück vorbereitet.“
„Uhm, okay. Hört sich nett an.“
Maron folgte der Professorin in den Flur hinaus und ging neben ihr her. Eine Frage schwebte ihr durch den Kopf. „Hat man Toki gefunden?“
Pakkyaramao blickte nach vorne, aber ihre Züge spannten sich an. „Mr. Hayer wird immer noch vermisst.“
Maron schluckte schwer. Vor ihrem geistigen Auge sah sie ihren alten Freund im Fluss wegtreiben, worauf die Tränen ihr wieder hochstiegen.
„Es gibt noch einen Grund, weshalb ich zurückblieb“, sprach Pakkyaramao weiter. „Die Polizei und seine Eltern sind auf dem Weg hierher.“
„Ist er der Einzige, der vermisst wird? Sie wissen, dass sie ihn entführt haben. Sie-“
„Alle anderen sind vollzählig.“
„Warum haben Sie sie gehen lassen?“, fragte Maron. „Sie alle müssen befragt werden.“
„Sie selbst haben mir letzte Nacht gesagt, dass Sie die Leute nicht identifizieren konnten, die ihn entführt haben. Wenn ich alle Schüler hierbehalten würde, hätte ich zig Eltern und ihre Milliarden teure Anwälte vor mir, die drohen mich zu verklagen.“
„Weshalb Sie einfach-“
„Ich weiß, was Sie sagen werden und Sie haben recht.“ Ihre Stimme hatte einen scharfen Unterton, die Maron verstummen ließ. „Mir gefällt das auch nicht. Ich versuche, meine Schüler zu schützen und... ich mache keinen guten Job darin.“
Der restliche Weg zum Speisesaal verlief schweigend.
Unendlich viele Gedanken schwirrten Maron durch den Kopf.
Was haben sie mit Toki getan? Ace hatte ihn wie eine Spielfigur benutzt und ihn dann attackiert, als er versuchte ihr die Wahrheit zu sagen. Sie konnten ihn nicht getötet haben. Er hatte nicht die Möglichkeit gehabt, ihr das zu sagen, was sie gegen sie nutzen konnte. Er—
Eine Erkenntnis traf sie.
Er hatte zwar nicht die Möglichkeit gehabt, ihr alles zu sagen, aber er hatte die Jahrbücher mitgebracht. Kein Wunder, wieso er sich so nervös benahm.
Er wollte nicht riskieren, dass seine Spade-Freunde herausfanden, dass er sie ihr gab.
Er wandte sich wirklich gegen sie und bezahlte dafür, dachte Maron sich bitter.
Aber seine Mühe muss nicht umsonst gewesen sein, wenn sie herausfand, was er ihr sagen wollte.
„Prof. Pakkyaramao.“
Die Frau schaute sie an, als sie ihren Platz am Esstisch einnahm. Ein schönes Frühstück war für ihnen angelegt worden, dazu ein Teller voller Muffins. Dieser Anblick war so fehl am Platz - im Vergleich zu dem Horror, der letzte Nacht stattfand.
„Ja, Miss Kusakabe.“
„Toki’s Sachen. Sind sie noch da?“
„Natürlich. Die Polizei will sicher alles durchgehen. Sein Zimmer wurde nicht angerührt.“
„Okay“, murmelte Maron, als sie sich setzte. Das waren gute Neuigkeiten.
Er hatte die Sporttasche mit den Jahrbüchern aus dem Bus genommen. Es war in seinem Hotelzimmer und Maron würde sie holen, sobald sie hier fertig waren.
„Bitte, esst.“ Pakkyaramao griff nach der Teekanne und schüttete das dampfend heiße Wasser in Maron’s Tasse. „Und trink. Tee wird helfen.“
Maron sah sie an. Das Gesicht der älteren Frau spiegelte eine Freundlichkeit wider, die oft hinter missbilligenden Blicken und harten Ausdrücken versteckt gewesen war. In dem Moment glaubte sie ihr, dass sie sich um sie sorgte.
Vielleicht war das der Grund, weshalb Maron die nächsten Worte aussprach: „Professor, bitte erzählen Sie mir von Hikari.“
Pakkyaramao stoppte in ihren Bewegungen. „Wie bitte?“
„Hikari Yagami. Erzählen Sie mir, was mit ihr und Takeru passiert ist. Es gibt keinen Grund mehr sich zu verstecken. Ich weiß von den Spades und den dreizehn Familien-“
Ihre Augen wurden riesig. „Sagen Sie das nicht. Sie-“
„Wir sind allein. Nur Sie und ich sind hier, also bitte, hören Sie auf damit. Sagen Sie mir, was ihn getötet hat.“
Pakkyaramao schaute weg, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengekniffen. „Warum ist es so wichtig? Welchen Sinn hat es noch? Es sind über 30 Jahre her.“
„Es ist allein schon wichtig, weil Leute immer noch so tun als sei es nicht mehr wichtig. Warum will sich niemand diesem Thema stellen? Ich weiß, dass Sie da waren, Fuyumi Sakamoto.“ Ihr Kopf schnellte bei dem Namen herum. „Sie waren in deren Klasse. Sie müssen wissen, warum das begann.“
Pakkyaramao sah Maron an. „Es scheint als wüssten Sie ziemlich gut Bescheid. Woher?“
„Ich sah das Jahrbuch in Toki’s Haus. An dem Tag hatte seine Großmutter mir gesagt, dass Hikari eine Schlampe sei. Welchen Grund gab es, dass sie das sagte?“
„Diese Frau...“ Ein schwerer, kraftloser Seufzer entkam Pakkyaramao.
Maron lehnte sich zurück und wartete. Die Professorin sah von ihr zu ihrer Tasse und dann zurück zu ihr. Sie schien ihre Entscheidungsmöglichkeiten abzuwägen.
„Hikari war meine Freundin“, sagte sie schließlich. „Sie war alles, was ich nicht war. Wild, selbstbewusst, schön und frei. Sie setzte sich am ersten Tag neben mich hin und seitdem waren wir Freunde.“
„Warum wurde sie markiert?“, fragte Maron.
Pakkyaramao blickte traurig in ihre Tasse, sah nicht zu ihr auf, als sie weitersprach: „Ich sagte Ihnen, dass Hikari wild und schön war. Die Jungs fielen ihr vor die Füße und sie hatte ihren Spaß dabei, sich mit den einen oder anderen zu vergnügen. Darunter auch mal Masato, Toki’s Vater, der ein Knight war. Ihr größter Fang, wie sie immer mal sagte. Im zweiten Jahr hatte sie letztlich mehrere Liebhaber gehabt. Einen in jedem Jahrgang. Sie wussten offensichtlich nichts voneinander. Und da die Jahrgänge wie heute getrennt waren, war es einfach sie voneinander fernzuhalten. Hikari hatte mir gegenüber darüber geprahlt.“
Maron machte ein sichtlich erstauntes Gesicht, die Augen riesengroß und der Mund halboffen. „Wa-“
„Bitte, Maron. Lass mich zu Ende reden.“
Sie nickte.
„Nun, wie ich schon sagte, sie hatte mehrere Freunde. Aber den, den sie wirklich liebte war Takeru. Er war fürsorglich zu ihr. Freundlich und charmant, während einer der anderen es nicht war.“
„Einer der anderen?“
Die Frau nickte einmal mit dem Kopf. „Sie wollte mir nicht sagen wer, aber die Dinge wurden schlecht mit einem ihrer Freunde. Er wurde besitzergreifend, gemein und gelegentlich gewalttätig. Hikari kam eines Morgens mit einem blauen Auge zum Unterricht.“
„Oh Gott...“, wisperte Maron.
„Ich wollte, dass sie zum Direktor geht, aber sie weigerte sich. Sie versprach mir, dass sie die Beziehung mit ihm beenden würde und dass alles in Ordnung sei. Sie hatte größere Sorgen, nachdem sie herausfand, dass sie schwanger war.“
Sprachlos fiel Maron die Kinnlade runter. „Schwanger? War das der Grund weshalb...?“
„Ja. Das war der Grund, weshalb sie markiert wurde. Sie hielt es so lange geheim, wie sie konnte, aber dann begann das Baby -ihr Bauch- sich zu zeigen und die Karte erschien in ihrem Spind, kurz nachdem sie es bestätigt hatte.“
Fassungslos schüttelte Maron den Kopf. „Natürlich. Die Schwangerschaft ist vielleicht kein gravierender Verweisungsgrund, aber es sieht für Eltern nicht gut aus, wenn rauskommt, dass Kinder in der Akademie geschwängert werden.“
„Genau.“
Es machte Sinn. Alles machte Sinn. „Takeru setzte sich für sie ein und bezahlte dafür. War er der Vater?“
„Nein.“ Pakkyaramao hielt inne, um einen Schluck von ihrem Tee zu trinken. „Sie wollte mir nicht sagen wer es war, aber sie versicherte mir, dass es nicht Takeru war. Sie waren das erste Mal richtig zusammen, nachdem das Baby gezeugt wurde.“
„Haben Sie eine Idee, wer es sein mag?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich vermutete, dass Hikari mit jemanden im Bett landete, der genug Macht hatte, um sie wegbringen zu wollen.“
„Ein Spade.“
„Ja. Das erscheint mir fast sicher.“
„Derselbe Kerl, der Hikari geschlagen hat. Derselbe Kerl, der Takeru tötete.“
Pakkyaramao neigte ihren Kopf. „Sie wissen nicht, wie Takeru starb, oder?“
„Nein.“
„Er hatte Asthma – sehr starken. Er wurde auf dem Boden seines Zimmers gefunden, hatte offensichtlich einen Anfall erlitten, aber sein Inhalator lag Zentimeter von ihm entfernt. Es hätte als Unfall erklärt werden können, wenn es nicht klare Anzeichen dafür gegeben hätte, dass es einen Kampf gab und er festgenagelt worden war.“
„Wie schrecklich“, zischte Maron. „Er wollte nur das Richtige tun.“
„Sein Verlust brach Hikari. Sie verließ die Schule kampflos und wir verloren den Kontakt.“
„Also haben Sie nie herausgefunden, wer das Baby gezeugt oder Hikari markiert hat?“
„Niemals.“
„Was ist mit dem Baby? Hatte sie einen Jungen oder ein Mädchen? Wo-“
„Ich weiß nichts über das Kind. Hikari’s Eltern gaben ihr nicht das Telefon, wenn ich anrief, und eines Tages gab es keine Verbindung mehr zu der Nummer. Ich weiß nicht, was aus ihr oder dem Baby geworden ist.“
Verständnislos schüttelte Maron ihren Kopf. „Warum würden Sie zurückkommen und an dieser Schule unterrichten, nach allem was passiert ist? Sie wissen, dass sich nichts verändert hat. Die Spades laufen immer noch frei herum, zerstören das Leben anderer und Toki sagte mir, dass es um mehr geht als nur ein paar Schüler, die Polizei spielen.“ Die Worte sprudelten aus ihr heraus. „Sie werden von ihren Eltern unterstützt, dem Geld und wahrscheinlich sogar vom Rektor selbst! Deshalb tut er nichts und sitzt den ganzen Tag in seinem Büro rum-“
„Maron.“
„Wir sind nur wandernde Geldquellen für die, an denen sie sich eines Tages bereichern können.“
„Maron!“
„Und das abgefuckte dabei ist, dass sie keine Gesetze dabei brechen. Sie lassen ihre Kinder alles machen!“
„Maron“, fiel Pakkyaramao ihr harscher ins Wort. „Atmen Sie bitten durch.“
Maron versuchte es, aber ihre Atmung ging abgehackt.
„Es ist einfach nur falsch. Das alles ein perfides System ist, um die Reichen noch reicher zu machen.“
„Darum geht es am Ende. Die, die weniger haben, leiden immer.“
„Ich werde es stoppen“, sagte Maron entschlossen. „Das können sie den Menschen nicht länger antun.“
„Sie wollen also nächstes Semester in die Akademie zurückkehren?“
„Ich-“ Ihre Antwort blieb ihr im Hals stecken.
Pakkyaramao wurde ernst. „Sie sind fertig mit der Akademie. Sie kommen nächstes Semester nicht zurück. Wenn sie das tun, erwartet sie dasselbe Schicksal wie Takeru.“
Eine Träne drohte Maron zu entkommen. „Sie werden einfach so weitermachen. Sie werden nie aufhören.“
„Wir wissen nicht, wer sie sind. Wir können keinen Feind bekämpfen, den wir nicht sehen können.“
„Jemand muss es versuchen.“
„Dieser jemand müssen nicht Sie sein.“ Pakkyaramao legte ihre Hand auf Maron’s. „Sie müssen jetzt aufhören. Die Spades haben zu viele gute Menschen gebrochen. Ich könnte es nicht ertragen Sie auch zu verlieren.“
Maron sagte nichts mehr. Konnte es nicht.
Sie wusste nicht, was sie noch sagen konnte.
Nach einigen Minuten trank sie ihren Tee schließlich weiter.
***

„Danke, dass Sie mit uns gesprochen haben, Miss Kusakabe.“
Maron stand mit den Polizistinnen auf. „Sie werden ihn finden, oder?“
„Wir organisieren gerade einen Suchtrupp. Wir finden ihn.“
Die uniformierten Frauen vor ihr trugen strenge, aber selbstsichere Gesichter. Maron wünschte, sie könnte ihre Zuversicht teilen.
„Ich wünschte, ich könnte mehr tun, um zu helfen.“
„Sie haben alles getan, was Sie können. Sie sollten gehen. Ich glaube, Ihre Lehrerin wartet darauf Sie nach Hause zu bringen.“
„Okay.“ Sie schüttelte ihnen ein letztes Mal die Hände und verließ den Raum.
Doch Maron ging nicht hinaus zum wartenden Auto.
Das war ihre Chance, bevor man sein Zimmer durchsuchte.
Hastig lief sie durch das Hotel. Am Anfang fand sie es noch niedlich und charmant. Jetzt war dieser Ort ein Teil ihrer Albträume. Das Knarren der Böden unter ihren Füßen erhöhte ihren Herzschlag.
Sie musste sich beeilen. Schnapp dir die Jahrbücher und verschwinde von hier.
Toki’s Zimmer war am Ende eines schmalen Ganges.
Leise schlich Maron sich rein und ging zu seinem Bett. Sein Rucksack lag drauf.
Sie sah sich im Raum um, suchte nach der kleinen Sporttasche.
Sie schaute unter dem Bett nach, im Kleiderschrank, im Badezimmer, selbst unter der Couch.
Nachdem sie zweimal das Zimmer abgesucht hatte, gab sie auf.
Die Tasche war weg.

Es begann zu dämmern, als sie in der Akademie ankamen und das Auto vor den Toren anhielt. Pakkyaramao parkte hinter einem alten PKW. Sora stieg aus dem Wagen aus, als die Professorin den Motor abstellte.
„Danke“, sagte Maron leise.
„Auf Wiedersehen, Maron“, sprach Pakkyaramao sachte.
Maron stieg aus und lief auf ihre Tante zu. Sora hüllte sie in eine Umarmung ein, die sie genauso heftig erwiderte.
„Geht es dir gut?“
„Jetzt ja.“ Maron legte ihre Stirn auf Sora’s Schulter ab. „Bitte, lass uns von hier verschwinden. Ich will weit weg von diesem Ort sein.“
„Das musst du mir nicht zweimal fragen.“
Sie stiegen ins Auto ein. „Ich verlange von dir, dass du mir sagst, was hier vorgeht“, sagte Sora, als sie sich beide angeschnallt haben.
„Sora-“
„Kein aber.“
Erschöpft stieß Maron einen schweren Seufzer aus, lehnte sich in den Beifahrersitz zurück.
Letztendlich verbrachte sie die Fahrt damit ihrer Tante alles zu erzählen, was in den letzten drei Jahren passiert ist.
Es gab Geschrei, Schimpfe und Tränen.
Sora’s Gefühlslage wechselte von Fassungslosigkeit, dass Maron ihr das alles vorenthalten hatte und Wut, dass Maron das alles passiert war und dass es erlaubt wurde.
Als sie zu Hause ankamen, waren beide emotional fertig mit der Welt.
Vor der Haustür zog Sora sie in eine warme Umarmung und küsste ihre Stirn. „Geh rein und schlaf. Wir reden morgen.“
„Ja.“
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