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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
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Dieses Kapitel
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27.08.2021 5.602
 
FORTY-FOUR

„Halt still, M.“
„Chiaki…das kitzelt.“ Maron lachte verlegen. Sie lag auf dem Bauch, während er über sie gebeugt war, heiße Küsse auf ihrem Nacken verteilte und sich weiter runter begab.
„Ich will dir nur beim Stressabbau helfen“, raunte er, streifte seinen Lippen über ihre nackte Haut und bereitete ihr einen angenehmen Schauer. Ihre Hände krallten sich in die dünne Decke unter ihr fest, die etwas feucht vom Morgentau war.
Der Schulausflug war in den letzten Tagen das reinste Mammutprogramm. Sie gingen raus in den Wald, arbeiteten, sammelten Pflanzenproben, beobachteten stundenlang Kleintiere und ließen sich dabei von der Hitze und Feuchtigkeit foltern.
Trotz dessen hatten Maron und ihre Freunde eine gute Zeit. Sie stellten sicher, dass sie in der entgegengesetzten Richtung von der anderen Klasse waren und lachten sich schlapp, als Miyako, Cersia, Yamato, Noyn und Shinji ebenfalls ins Gewässer ausrutschen. Es war fast, als wären sie normale Teenager auf einem normalen Schulausflug.
Und wie normale Teenager schlichen Maron und Chiaki sich jeden frühen Morgen aus dem Hotel raus, um ein paar Stunden Zweisamkeit zu genießen. Nach ihrer gemeinsamen Dusche am ersten Tag, bekamen sie nicht genug voneinander. Schon am zweiten Tag hatte er sie um vier Uhr morgens rausgelockt und sie zu dieser schönen, versteckten Wiese geführt, die weit genug vom Hotel entfernt war, aber sich immer noch im Sicherheitsgebiet befand. An dem Morgen hatte sie sich bei ihm direkt für ihren ersten Orgasmus vom Vortag revanchiert.
Jeden frühen Morgen trafen sie sich hier, küssten sich die Lippen rot und wund. Erkundeten den Körper des anderen - die Lust füreinander. Lernten gegenseitig ihre Bedürfnisse, ihre Vorlieben kennen und brachten sich in Ekstase.
„Und was ist mit deinem Stressabbau?“, fragte Maron, blickte ihn lüstern über der Schulter an. Sie reichte nach seiner Hose, doch Chiaki fing ihre Hand auf und legte sie wieder zurück.
„Hier geht es um dich. Außerdem will ich deine Sommersprossen auf dem Rücken zählen.“
„Ich habe keine Sommersprossen auf dem Rücken.“
„Wie kannst du das wissen? Hast du Augen im Hinterkopf?“, fragte Chiaki mit hochgezogener Augenbraue.
Lachend vergrub Maron ihr Gesicht in ihre Arme. Er legte ihr sein zusammengefaltetes Shirt vors Gesicht, als Kissenersatz.
„Entspann dich, M, und genieß.“
Sie legte ihr Kinn auf dem weichen Stoff ab, nahm einen tiefen Atemzug von Chiaki’s markanten Duft darauf und schloss ihre Augen.
„Da ist einer“, sagte er mit sanfter Stimme, küsste zärtlich eine Stelle auf ihren Rücken. „Da auch. Und da auch.“
Sie seufzte. Wie sehr wünschte sie sich, dass diese Momente nie aufhörten...
„Oh.“ Sein rauer, verführerischer Ton drang durch ihr Bewusstsein. „Da sind noch welche. Und du sagtest, du hättest keine Sommersprossen auf dem Rücken.“
Chiaki küsste sie einmal und ein zweites Mal. Beim zweiten Mal schnappten ihre Augen auf.
„Das ist nicht mein Rücken“, sagte Maron, das Gesicht glühend heiß.
„Ich folge nur den Pfad der Sommersprossen.“
Ein weiterer Kuss folgte, diesmal weiter runter. Seine Hand glitt zwischen ihren Beinen, öffnete sie leicht.
Ihr Atem stockte. „Ich bin mir sicher, dass ich dort keine Sommersprossen habe.“
„Du lagst schon vorhin falsch“, antwortete er, hob ihre Hüfte etwas an. „Ich überprüfe das besser selbst.“
Ihre nächsten Worte wurden keinen Moment später von seinen Lippen und seiner Zunge abgeschnitten. Ein lustvolles Stöhnen entrann ihrer Kehle, während er sich an ihr auskostete.
Ihre schwere Atmung brach die morgendliche Stille um sie herum. Wage konnte Maron das Geräusch eines Reißverschlusses hören. Sie drehte ihren Kopf. Durch ihre dichten Wimpern sah sie, dass Chiaki seine Hose weit genug runtergezogen hatte, um sich von dessen Enge zu befreien. Nichtsdestotrotz verwöhnte er sie ohne Unterbrechungen weiter.
Nach einer Weile vergrub sie ihr Gesicht in sein Shirt, als sie ihren Höhepunkt erreichte und heiser aufschrie. Doch Chiaki hörte nicht auf, selbst, nachdem sie wieder runterkam. Ihre Nerven waren hochsensibel, doch er hielt sie an Ort und Stelle fest, als sie instinktiv von ihm wegrücken wollte.
Maron fluchte, wimmerte seinen Namen und bettelte. „Chiaki-... Bitte...!“
„Bitte was?“
Sie wusste die Antwort darauf selbst nicht mehr.
„Hör auf...mich zu ärgern“, wisperte sie, atmete angestrengt.
„Wie war das? Ich soll aufhören?“, neckte er sie. „Hört sich für mich nicht danach an, dass du das wirklich willst.“
Dieser Kerl brachte sie wirklich noch um.
„Fuck...!“, keuchte sie auf. Alles was er tat, fühlte sich einfach nur zu gut an.
Ein tiefes Lachen war von ihm zu vernehmen und sie rang erregt nach Luft, als er seine Finger zu seinen Liebkosungen hinzufügte.
Heiliger! Wenn sie in diesen Kerl nicht schon längst verliebt gewesen wäre, war sie spätestens jetzt ihm vollkommen verfallen.
Ihr Körper zuckte unkontrolliert und verkrampfte sich stark. Innerhalb von Sekunden kam sie erneut, diesmal lauter und heftiger.
Ein tiefes Stöhnen war von ihm zu hören und sie spürte etwas auf ihrer Haut. „Shit“, fluchte er.
Chiaki kollabierte auf sie und küsste ihre feuchte Schläfe. „Wenn das jetzt schon so gut ist, stell dir vor, wie es sein wird, wenn wir Sex haben.“
„Ich will mir nichts vorstellen. Ich will dich, Chiaki.“
„Ich weiß. Nicht mehr lange, bis Wochenende ist. Und dann bist du mein, Maron Kusakabe.“
Morgen würden sie zurückfahren und dann wären auch endlich Sommerferien. Dann wäre endlich ihr gemeinsames, langersehntes Wochenende.
Maron lächelte. „Hört sich gut an.“
Mit einem langen Kuss auf den Lippen, nahm Chiaki sie in seine Arme. Sie fühlte sich sicher und wohl bei ihm.
Für die restliche Zeit genossen sie eng aneinander gekuschelt ihre Zweisamkeit, tauschten sich hitzige Küsse aus, ehe sie ins Hotel zurückmussten.
***

„Das ist doch scheiße!“, meckerte Noyn genervt.
„Sei froh, dass es nur zwei Seiten sind“, kommentierte Yamato, sah nicht von seinem Laptop auf.
„Als Muttersprachler hast du leicht reden“, blaffte Noyn, bearbeitete aggressiv seine Tastatur.
An dem Nachmittag saßen die Original Acht -Maron, Chiaki, Shinji, Natsuki, Yamato, Kagura, Noyn und Kimi- in einem kleinen, gemütlichen Aufenthaltsraum im hinteren Bereich des Hotels zusammen und schrieben jeweils an ihren Aufsätzen.
„Hey Leute.“ Toki, Cersia und Miyako standen mit ihren Laptops noch vor ihnen. „Ist noch Platz für uns da?“
„Klar“, sagte Maron, zeigte mit ihrer Limonade auf einem Kaffeetisch. „Ihr könnt den hierherschieben.“
Das taten die drei auch, setzten sich um den runden Tisch hin. Miyako nahm gegenüber von Maron Platz.
„Bist du schon fertig?“, fragte sie, als sie Maron’s zugeklappten Laptop sah.
Maron nickte. „Habe die Tage davor immer mal vorgearbeitet, weshalb ich in Ruhe meine Limo genießen kann und während alle anderen jetzt erst anfangen“, grinste sie. Neben ihr rollte Chiaki mit den Augen und tippte.
„Große Köpfe denken gleich“, erwiderte Miyako schmunzelnd. „Willst du meins kontrolllesen und ich lese deins?“
„Chiaki hat meins schon aufpoliert, aber ich werde mir deins ansehen.“
„Miyako, du kannst meins lesen.“ Cersia reichte ihr ihren Laptop rüber. „Ich bin fast fertig. Muss nur noch den Schluss schreiben.“
Es wurde für einige Minuten still im Zimmer. Nur das Tippen von Tasten war zu hören.
Als Cerisa fertig war, stand sie auf. „Wollen wir etwas abhängen, während der Rest noch arbeitet?“
„Klar.“ Miyako stand ebenfalls auf und beide schauten Maron erwartungsvoll an.
„Okay.“ Maron gab Chiaki einen Kuss, ehe sie ihre Sachen nahm und ihnen folgte.
„Habt ihr im Speisesaal die Schoko-Karamell-Muffins schon probiert?“, fragte Miyako.
„Seit wir hier sind, habe ich wahrscheinlich schon so viele gegessen, wie ich wiege“, sagte Maron, „Das war’s mit meiner Sommerfigur.“
Die Mädchen lachten herzhaft. An solchen Moment war es für Maron einfach, zu vergessen, wie oft diese beiden sie im Stich gelassen hatten. Aber sie hatten sich für ihre Seite entschieden. Das musste etwas bedeuten.
Die drei liefen in den Speisesaal und fragten den Kellner nach den Muffins. „Niemand kann ihnen widerstehen“, sagte er amüsiert.
„Für die zerstöre ich mit Freude meine Sommerfigur“, brachte Maron entgegen. „Ich heiße den Winterspeck schonmal willkommen.“
Cersia brach in Gelächter aus. „Du machst mich fertig, M. Ich hab’s wirklich vermisst mit dir abzuhängen.“
Maron’s Lächeln verdüsterte sich etwas, während der Kellner wegging und sie darauf nichts antwortete.
Cersia senkte ihren Kopf. „M, ich weiß, es gibt nichts, was ich sagen kann-“
„Dann lass es.“
„Aber ich will mich entschuldigen. Du willst es wahrscheinlich nicht hören, aber ich will es sagen. Ich habe mich in meinem Leben noch nie so schrecklich gefühlt.“
Maron verschränkte ihr Arme.
„Wir waren vor der Akademie keine Freunde, aber wir wurden es und ich hasse es, dass ich dich all die Jahre ignoriert habe. Von allen Leuten hier, weiß ich, was du in Momokuri durchmachen musstest. Wie schlimm die Mittelstufe für dich war. Ich bin ein furchtbarer Feigling und dafür entschuldige ich mich bei dir. Ich hätte für dich da sein sollen. Ob du mir vergibst oder nicht - ich will dich wissen lassen, dass ich das jetzt bin.“
Maron sah sie unverwandt an. „Selbst, wenn eine weitere Karte in meinem Spind auftaucht?“
„Ich werde sie persönlich zerreißen.“
„Selbst wenn ich als Speckkugel herumrolle und so dir Munition zum Mobben gebe?“
Cersia lachte auf. „Wird schwierig, aber ich werde mich zurückhalten.“
Auch Maron lächelte. „Okay, dann lassen wir die Vergangenheit hinter uns.“
Die beiden umarmten sich.
Ein Räuspern war zu hören und Maron drehte sich zu Miyako um, die unbeholfen lächelte.
„Ich weiß nicht, ob ich es mit Cersia’s Rede aufnehmen kann, aber ich will mich auch entschuldigen.“ Sie kam auf Maron zu. „Weißt du, Maron, auch in meiner Familie wurden die Traditionen hier gepredigt und alles muss seine Ordnung haben. Ob das seine Richtigkeit hat, sei mal dahingestellt...“
Miyako seufzte schwer. „Erinnerst du dich an das erste Jahr? Als Yashiro dir ein Bein auf der Laufbahn gestellt hat und ich dich zur Schwester brachte? Ich sagte, dass niemand dir wehtun will und wir keine andere Wahl haben.“ Sie schüttelte ihren Kopf. „Du lehntest es als den Bullshit ab, das es war, und sagtest, dass jeder eine Wahl hätte. Nachdem du mir das gesagt hast, hatte ich beschlossen, dass ich nicht mehr mitmachen würde. Ich würde mich aus dem Schwachsinn raushalten, mich im Hintergrund halten, und was auch immer mit dir passierte - ich wäre zumindest kein Teil davon gewesen.“ Ein Seufzer entkam ihr. „Ich dachte damals, dass es für mein Gewissen ausreichen würde, bis... bis du uns von Prof. Mikami erzählt hast. Du warst die ganze Zeit unschuldig und wir wurden alle von einem Monster benutzt - sogar ich. Zu schweigen war genauso schlimm wie mitgemacht zu haben, und ich werde das nicht mehr tun. Ich werde dich auch nicht darum bitten, dass du mir verzeihst, aber wenn es darauf ankommt, bin ich die Nächste, die Yashiro eine blutende Nase verpasst.“
Maron lachte.
„Ernsthaft“, beharrte Miyako, ebenfalls lachend. „Dieses Mädchen bringt das Wort ‚Bitch‘ auf eine komplett neue Ebene. Der schönste Tag meines Lebens war, als Natsuki ihr eine reingehauen hat.“
Maron zog sie in eine innige Umarmung. „Wir versuchen es gewaltfrei zu halten, aber ich werde das im Hinterkopf behalten. Danke.“
Cersia schloss sich der Umarmung an und es dauerte nicht lange, dass Tränen vergossen wurden.
Schließlich kam der Kellner mit ihren Muffins und die drei stopften sich voll.

„Ich denke, Psychologie passt zu dir, M“, sagte Cersia, als sie über ihre Zukunftspläne nach der Akademie sprachen.
Die drei waren vom Speisesaal ins Spielzimmer gewechselt und spielten Billard.
„Danke.“ Maron schaute zu, während Cersia und Miyako spielten.
„Jura würde garantiert auch zu dir passen“, fügte Cersia hinzu. „Was ist mit dir, Miyako?“
Sie seufzte. „Sagt das nicht meinen Eltern, aber nach diesen drei Jahren mentalen Selbstmord an der Akademie, will ich mir eine Auszeit nehmen. Ich plane durch die Welt zu backpacken.“
„Wow!“, sagte Maron. „Ich bin neidisch.“
Sie sprachen mehr über Miyako’s Trip und wohin sie gehen wollte, unterdessen machte Cersia sie in Billard fertig.
„Du bist dran, gedemütigt zu werden, M“, sagte Miyako, als sie Maron den Queue gab.
Maron spielte, verlor, und dann gingen sie zu einem Kartenspiel über. Die drei lachten so laut, dass die anderen sie finden konnten, nachdem sie mit ihren Arbeiten fertig waren.
Chiaki, Shinji, Yamato und Kagura übernahmen das Kartenspiel, als Maron und Natsuki in einem weiteren Billardspiel gegen Cersia und Miyako antraten.
Die besten Freundinnen jubelten, als sie gewannen.
Miyako warf ihre Hände hoch. „Natürlich ziehe ich Cersia mit meinen Loser-Skills runter. Toki, du übernimmst.“
„Okay, ich spiele.“
„Ich könnte auch eine Pause gebrauchen“, sagte Cersia. „Ich muss auf die Toilette.“
Noyn kam und nahm ihren Platz ein. „Ich werde mit euch spielen, aber wie wär’s, wenn wir die Dinge interessanter gestalten?“
Natsuki runzelte die Stirn. „Was schwebt dir vor?“
„Strip-Billard“, antwortete er unverfroren.
„Willst du zukünftig mit einem blinden Auge rumlaufen?“, kam es von Kimi, die vor der Dartscheibe stand und einen Dartpfeil auf ihn richtete.
Noyn lachte. „War nur Spaß“, sagte er. „Wie wär’s mit 5.000 Yen an den Gewinner?“
Natsuki und Maron zuckten mit den Schultern. „Klingt gut.“
Die erste Runde spielten sie in Teams und die Mädchen gewannen dank Natsuki. In der nächsten Runde spielte Maron gegen Toki.
„Bist du bereit?“, fragte sie.
Er sah von seinem Handy auf und grinste. „Ich habe dich spielen sehen. Ich bin bereit zu gewinnen.“
Das war eine Kampfansage. Nach einiger Zeit waren sie in einem intensiven Spiel verwickelt.
„Komm schon, M“, sagte Natsuki. „Versenk’ diese Kugel und du gewinnst.“
Maron nickte und visierte die orange Kugel an. Toki sah nervös aus. Gut.
Sie stieß die Kugel an, welche auf die schwarze Kugel zurollte...und sie passierte. Doch im nächsten Moment prallte die orange Kugel gegen die Wand zurück, stieß gegen die schwarze Kugel an und versenkte sie ins Loch.
Maron und Natsuki jubelten.
Chiaki sah von seinem Kartenspiel auf. „Sei ehrlich, Kusakabe“, sagte er, „Das war Glück.“
Sie zeigte mit dem Queue auf ihn. „Kümmer’ du dich um dein eigenes Spiel, Nagoya. Ich hab’ ihn versenkt.“
„Schon gut. Sie hat mich eindeutig geschlagen“, sagte Toki. „Sie ist mir eine ebenbürtige Gegnerin.“
„Danke. Ich kassiere meinen Gewinn jetzt ein.“
„Ein Spiel noch“, kam es von Noyn. „Doppelter Einsatz oder gar nichts.“
„Nö“, antwortete Maron.
Toki griff bereits in seine Hosentasche, holte das Geld heraus. „Hier. Aber wir sollten aufhören. Lust was essen zu gehen? Ich bin am Verhungern.“
Maron hatte gar nicht gemerkt, dass schon so viel Zeit vergangen war. Es war schon dunkel draußen und ihr Magen meldete sich auch.
„Klingt gut“, sagte sie.
„Cool.“
„Geht schon mal vor“, sagte Natsuki, die hinter Shinji stand und das Kartenspiel der Jungs gespannt beobachtete. „Wir kommen gleich nach.“
Mit einem Winken nahm Maron das zur Kenntnis und ging mit Toki los.

Sie sprachen ein wenig über die anstehenden Sommerferien.
Maron hatte in letzter Zeit nicht viel mit ihm geredet, aber Toki hatte endlich die Jahrbücher für sie geholt. Er hatte ihr bewiesen, dass er auf ihrer Seite war.
Lautes Gelächter schnitt ihre Gedanken ab, welches aus dem Gemeinschaftsraum kam. Jemand stürmte urplötzlich aus dessen Tür raus.
„Cersia!“, rief Maron erschrocken aus. „Was ist los?“
Cersia war leichenblass und blickte sie mit riesigen Augen an. Schritte näherten sich ihnen, was bedeutete, dass der Rest der Gruppe dazustieß.
„Geht nicht da rein.“
„Was? Wovon redest du?“, fragte Maron, machte einen Schritt, doch Cersia hielt sie mit einer Hand auf.
„Nicht! Ich hole Prof. Pakkyaramao. Sie wird sie stoppen.“
„Cersia, was-“
Cersia kehrte um und rannte los.
„Cersia?!“, rief Maron ihr hinterher.
Erneut brach Gelächter aus.
„Stopp!“, schrie jemand. „Ihr seid zu weit gegangen!“
„Ihr seid doch krank!“, sagte eine andere Stimme.
Das waren Yori und Sagami, die auch in ihrem Wohnheim wohnten.
„Was ist denn los?“, fragte Natsuki. „Was geht da drinnen nur-“
Maron ging auf die Tür zu und warf sie auf.
Der gesamte Jahrgang -beide Seiten- war im Gemeinschaftsraum und ein Streit war dabei auszubrechen. Doch es war der Fernseher, der ihre Aufmerksamkeit gewann. Eine unheimliche, künstliche Stimme war aus den Lautsprechern zu hören.
„Maron Kusakabe hat diese Schule auf dem Kopf gestellt.“
Ein Bild von ihr tauchte auf, wie sie nach ihrem Wochenendbesuch von Zuhause vor den Schultoren stand. Maron lief es kalt den Rücken runter. Jemand hatte sie beobachtet.
„Sie will euch weismachen, dass man die Spades nicht trauen kann. Aber wie vertrauenswürdig sind sie und ihre kleinen Freunde?“
Noch mehr Bilder tauchten auf.
„Was ist das?“, kam es von Natsuki. Maron hatte nicht mitbekommen, dass die anderen auch reingekommen waren. Ihr Blick war fassungslos auf den Bildschirm gerichtet.
Kimi und Noyn waren zu sehen, im Wald hinter der Akademie – nackt und offensichtlich mitten beim Sex.
„Macht das aus!“, kreischte Kimi. „Macht das aus!“
„Ihr Wichser!“ Noyn drängte sich an Maron und Natsuki vorbei und steuerte auf den Fernseher zu. Hijiri stellte sich ihm entgegen, schubste ihn zurück. Noyn fiel, landete krachend auf dem Kaffeetisch, richtete sich aber schnell wieder auf. In der nächsten Sekunde stürzte er sich auf Hijiri und gab ihn einen Kinnhaken. Die beiden fielen zu Boden und rangen miteinander. Shinji versuchte einzuschreiten. Kimi rannte weinend aus dem Zimmer raus.
Cersia war als Nächstes zu sehen, beim Springbrunnen auf dem Schulhof, wie sie eine rot-blaue Pille nahm. Dann kam Miyako, im Wald gegen einen Baum sitzend. Sie rauchte etwas, was nicht nach einer normalen Zigarette aussah.
„Komm schon, Claude“, rief Shinji, während er versuchte Noyn von Hijiri loszubekommen.
Beim nächsten Bild fiel Maron ihr Mund auf und Natsuki zog scharf Luft ein.
„Deine Freundin braucht dich! Geh Kimi hinterher und...“ Shinji verstummte, als er das sah, was alle auch sahen – er und Kodachi unter dem großen Torbogen, küssend. „Wa- Das ist nicht-“ Er fuhr herum, als Natsuki aus dem Raum eilte. „Natsu, warte! Es ist nicht so, wie du denkst!“ Shinji war gezwungen Noyn loszulassen, als er ihr nachrannte. Kagura kam an seiner Stelle.
Maron wurde zur Seite gedrängt, als Chiaki und Yamato zur Hilfe kamen.
Noch mehr Bilder wurden abgespielt, darunter wieder Maron selbst mit Chiaki, als sie sich einen intimen, privaten Moment in genau diesem Wald teilten. Dass man sie überall und zu jeder Uhrzeit verfolgt und beobachtet hat, machte sie krank. Und jetzt stellte man sie alle auf abartigster Weise bloß.
Die künstliche Stimme sprach weiter: „Die Spades haben kein Interesse daran, die Unschuldigen zu verletzten. Wir wollen nur Schüler, wie diese, davon abhalten uns runterzuziehen. Maron Kusakabe hatte dieselbe Wahl, wie alle Markierten - nämlich ihr Koffer zu packen und auf eine andere Schule zu gehen. Stattdessen hatte sie die Tanemura Akademie zur landesweiten Lachnummer gemacht; dafür gesorgt, dass unsere Knights ihre Position verloren; schwere Anschuldigungen gegen eine Frau getätigt, die nicht hier ist, um sich zu verteidigen, und die Akademie entzweigerissen. Nichts als Lügen und Intrigen. Sie will, dass ihr glaubt, dass die Akademie ohne die Spades besser dran ist, aber wir existieren seit Beginn der Schule und haben nichts als Ordnung und Frieden gebracht.“
„Angst ist kein Frieden!“, schrie Maron aufgebracht.
Das Video fuhr ungehindert fort: „Seit Maron Kusakabe Fuß auf das Gelände gesetzt hat, gab es nichts als Drama, Skandale und nun auch Krieg. Denk darüber nach, Leute. Wer gehen muss sind nicht die Spades, sondern Maron Kusakabe.“ Der Bildschirm wurde für ein paar Sekunden schwarz, ehe das Video wieder von vorne losging.
Kochendheiße Wut raste durch sie hindurch. Ein Gedanke dominierte ihren Verstand.
Ace.
Maron wusste, dass sie nach ihren Freundinnen sehen sollte, aber sie konnte sich nicht vom Fleck rühren.
Ace, dieser verdammte Bastard. Wenn ich ihn finde—
„Das reicht!“, brüllte Chiaki. Er riss Hijiri von Noyn los, während Yamato und Kagura Noyn wegzogen. Beide Jungs versuchten dennoch aufeinander loszugehen. Sie sahen furchtbar aus. Blutig und völlig entstellt.
„Cersia ist noch nicht mit Pakkyaramao zurück“, kam es von Toki, der jetzt neben Maron war. „Gut, dass Chiaki und seine Jungs eingreifen konnten. Ich wäre keinem von beiden ebenbürtig gewesen, um diese Prügelei aufzulösen.“
Maron hielt inne. Was hatte er gerade gesagt?
Ebenbürtig...
Ebenbürtig?, dachte sie sich.
„Sie ist mir eine ebenbürtige Gegnerin“, hatte Toki im Spielzimmer gesagt.
Sie holte ihr Handy heraus, während die Jungs Noyn raus manövrierten Richtung Speisezimmer, und öffnete Ace’ Nachrichtenfenster.
Da, die letzte Nachricht: „Du bist mir eine ebenbürtige Gegnerin.“
„Macht das verfickte Video aus!“, rief Toki. „Wollt ihr, dass Pakkyaramao uns alle anscheißt?!“
„Du bist es“, flüsterte Maron.
„Was?“ Er drehte sich um. „Was ist los, M?“
„Du bist es“, wiederholte sie. „Du bist Ace.“
Toki sah sie an...
...und grinste.
DU!!“, schrie sie und schoss auf ihn zu.
Toki’s Augen wurden riesig und sein Lächeln verschwand. Er wich ihr aus und rannte weg. Maron rannte ihm hinterher. Toki bog hinter einer Ecke ab und verschwand.
„Maron?“ Chiaki gesteckte seinen Kopf aus dem Speisezimmer, als sie an ihm vorbeischoss. „Was ist passiert?!“
Keine Zeit ihm zu antworten.
Maron erreichte die Lobby und sah, dass der Eingangstür weit offen war. Sie zögerte nicht und folgte Toki in die Nacht hinaus.
***

Die warme Luft schlug ihr ins Gesicht, als sie nach ihm in der Dunkelheit suchte.
Da!
„Toki, stopp!“ Maron rannte ihm nach. Toki wurde nicht langsamer. Er rannte weiter durch die Bäume, in den dichten Wald und sie war ihm auf den Fersen. Mit Anlauf holte Maron ihn ein, bis er Zentimeter von ihrer greifenden Hand entfernt war.
„Sag mir warum!“, rief sie, getroffen vom Verrat.
Wie konnte er ihr das antun? Sie waren nicht immer Freunde, aber sie hatte ihm persönlich doch nie was angetan.
Ace hasste sie. Ace schikanierte sie. Zwang sie, sich die Haare zu schneiden, Noyn zu küssen und wollte die Schule gegen sie wenden. Was hatte sie getan, dass ein alter Freund sie so verabscheute?
„Was habe ich getan?!“ Maron sprang, warf sich auf ihn. Toki schrie auf, als sie zu Boden fielen.
„Maron, stopp!“ Er kämpfte, versuchte sich zu entwinden, doch sie hatte seinen Arm auf den Rücken geklemmt.
„Du bist Ace! Du hast mich erpresst! Du hast mich gezwungen, diese schrecklichen Dinge zu tun. Warum?!“
Maron zerrte an seinen Arm, worauf er vor Schmerz schrie. „S-Stopp! Du brichst mir den Arm!“
„Sag mir warum!“
„Ich war das nicht!“, schrie er mit schmerzerfüllter Stimme. „Ich war das nicht. Ich habe es nicht getan. Ich schwöre!“
„Lügner!“ Maron ließ seinen Arm los und ergriff seine Schulter. Toki hatte keine Zeit sich zu erholen, als sie ihn umdrehte und an den Kragen packte. „Du sagtest, ich wäre dir eine ebenbürtige Gegnerin! Du-“
„A-Ace sagte mir das“, stammelte er. „Ace zwang mich, es zu sagen. Ich kann es...beweisen. Schau auf mein Handy!“ Toki versuchte verzweifelt sich aus ihrem Griff zu befreien. „Bitte, M-Maron. Die Nachrichten.“
Schwer atmend blickte Maron ihn an. Das ist ein weiterer Trick. Er hat mich getäuscht. Ich darf ihm kein Wort glauben.
„Schau auf mein Handy und du wirst sehen. Ich werde dir alles erzählen. Versprochen.“
Sie knirschte mit den Zähnen. Es konnte wirklich nicht Schaden zu schauen.
„Na gut.“ Sie betastete seine Taschen und fand sein Handy.
„Unter AOS“, sagte Toki, als sie den Bildschirm bediente. „Es ist alles da.“
Maron fand den Namen oben in seiner Chat-Liste. Ihr Griff um seinen Hals lockerte sich, als sie las.
AOS: „Sag ihr, sie ist dir eine ebenbürtige Gegnerin.“
Toki: „Warum?“
AOS: „Mach verfickt nochmal einfach! Heute Abend. Vor dem Video.“
Toki: „Wozu das alles? Das ist zu viel.“
AOS: „Nichts von dem wäre notwendig, wenn sie im ersten Jahr gegangen wäre, wie sie sollte. Ich habe diese Scheiße nicht angefangen, aber ich werde es beenden. Glaub mir. Sag ihr, dass sie dir eine ebenbürtige Gegnerin ist, und dann lächle sie an, nachdem sie das Video gesehen hat.“
Toki: „Und wenn ich es nicht tue?“
AOS: „Es gibt Gerüchte, dass dein Vater nicht in der Lage ist, die Firma nach seinem kleinen Herzinfarkt zu leiten. Es wäre eine Schande, wenn sich die Gerüchte bestätigen und er rausgedrängt wird. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was ich dich durchmachen lasse, wenn du nicht tust, was ich sage.“
Das Handy rutschte ihr aus der Hand und sie entfernte sich von Toki. Was hatte das zu bedeuten?
„Was zum verfickten Teufel geht hier vor?“, verlangte sie zu wissen, als er sich aufrappelte.
„...Maron, wo bist du...!“
„...Toki, kannst du mich hören...?“
Maron drehte sich bei den Stimmen um. Man suchte nach ihnen. Allerdings wusste sie nicht, wo sie sich befand. Es war dunkel und sie waren sehr tief in den Wald gerannt.
„Du weiß ganz genau was los ist, Maron“, antwortete Toki. „Du weißt gar nicht, wie nah du allem bist.“
„Was soll das heißen?!“
Er fuhr fort, als hätte sie nichts gesagt. „Du hast das meiste schon herausgefunden. Weshalb Ace mich dazu brachte dich hinzuhalten.“
„Hinzuhalten?“ Sie ging einen Schritt auf ihn zu. „Wovon zum Teufel redest du? Was habe ich herausgefunden? Ich versuche Ace zu finden! Wenn du es nicht bist, wer dann?!“
Sein Schweigen machte sie noch wütender. Sie packte ihn am Arm.
„Toki, ich habe keinen Bock auf diese Scheiße! Sag mir, was du weißt! Wieso hat Ace dich ausgewählt?“
Toki versuchte sie diesmal nicht abzuschütteln. „Weil…ich ein Spade bin.“
„Wa-Was?“ Schockiert starrte Maron ihn an, konnte es nicht fassen. Das konnte unmöglich wahr sein!
„Maron…“, fing Toki an zu sagen. „Du kannst meiner Großmutter dankbar sein, dass sie dir mehr verraten hat, als du eigentlich wissen solltest.“
„Aber…deine Großmutter hat mir nichts verraten“, brachte sie verwirrt entgegen.
„Sie sagte dir, dass es alles ums Vermächtnis geht – eine, die lange zurück geht, bis zur allerersten Klasse der Tanemura Akademie. Der Gründerklasse. Du dachtest, dass die Familie etwas damit zu tun hätte, wer als Knight auserwählt wurde und dass dasselbe auch bei den Spades gelten könnte. Du lagst richtig, weshalb Ace nicht zulassen will, dass ich dir die Jahrbücher gebe.“
„Toki, ich verstehe nichts davon. Was hat die Gründerklasse mit allem tun?“
Er packte sie und sah sie fest an. „Dreizehn Schüler. Dreizehn Gründerfamilien. Einige von uns werden Knights. Einige von uns werden Spades. Aber wir alle zusammen beschützen die Tanemura-Akademie.“
„Beschützen?!“ Maron warf ihre Hände aus. „Indem ihr was tut? Menschen markiert? Sie mobbt und einschüchtert?!“
„Das ist der letzte Ausweg“, schoss er zurück. „Was versteht du nicht? Die Markierten sollen gehen. Ihnen passiert nichts, wenn sie weggehen - was sie auch alle getan haben. Bis auf dich und...“
„Takeru und Hikari“, vollendete sie.
„Genau.“
„A-Aber wieso?! Wieso tut ihr das?“
„Das ist doch offensichtlich: Geld.“
„Geld?!“, wiederholte Maron. „Ihr werdet bezahlt?!“
„Ja“, sagte Toki. „Eltern schicken ihre genialsten Kinder unserer Zeit an die Akademie. Egal, aus welchem sozialen Hintergrund stammend. Die Schule investiert in deren Talente. Das Geld kommt an unsere Familien zurück.“
Sprachlos starrte sie ihn an, während er ins Detail ging.
„Willst du damit sagen, jeder Schüler ist eine Investition, an der eure Familien sich bereichern können?“
„Leute tun alles für Geld, Maron. Alles. Manche würden für 5.000 killen, andere für 5 Million.“
„Ist Takeru deshalb gestorben?!“
Er kam näher, senkte seine Stimme. „Es hätte nicht so weit kommen sollen.“ Angst brach durch seine nüchterne Stimme hindurch. „Nichts davon hätte passieren sollen. Sie sagten mir, ich sei dazu auserwählt ein Spade zu sein. Man sagte mir, was von mir erwartet wurde, aber man bereitete mich nicht darauf vor, mich gegen meine Freunde zu wenden, den Befehlen einer Kinderschänderin zu befolgen oder mich mit diesem psychotischen Tyrannen zu befassen!“
Sie versteifte sich. „Welchen Tyrannen? Von wem redest du?“
„Ace, wen sonst!“
„Weißt du wer das ist? Wer ist Ace, Toki?!“
Toki schüttelte harsch den Kopf. „Du musst es verstehen! Meine Großmutter hatte es mir erklärt und es macht einfach Sinn. Leute schicken ihre Kinder nicht auf Schulen mit schlechtem Ruf. Wenn morgen in den Nachrichten herauskäme, dass eine Menschenhandelskette in einem Elite-Internat betrieben wird, würden die Bewerbungen auf null fallen. Egal, wie hochrangig es ist. Es geht um Wahrnehmung und wir haben dafür zu sorgen, dass die Akademie perfekt ist.“ Er fuhr fort: „Das Problem jeder Privatschule sind dessen Schüler. Regeln halten sie nicht davon ab herumzuschlafen, Drogen zu schmuggeln, zu betrügen...die Liste geht endlos weiter. Wir stellen sicher, dass niemand außerhalb der Tore von diesem Zeug erfährt, und wir markieren diejenigen, die potenzielle Skandale auslösen können.“
„Ihr stellt sicher?! Wieso sollen Teenagers, diejenigen sein, die die Schule bewachen?!“, fragte Maron entgeistert. „Dafür sind die Professoren und der Direktor da.“
„Nein, nein, nein! Hör auf so zu tun, als würdest du nicht verstehen, Maron.“
Was konnte sie nicht verstehen?
„Wenn ein Professor involviert ist, dann muss er es melden. Leute müssen benachrichtigt werden. Eltern würden anrufen und alles würde schnell außer Kontrolle geraten. Dem wäre aber nicht so, wenn die Schüler es selbst in die Hand nehmen. So ist es legal.“
„Legal?“, wiederholte Maron.
„Ja. Du und ich sind nicht an Verträgen gebunden, die besagen, dass wir schlechte Schüler melden müssen. Wenn wir uns darum kümmern, ist niemand dazu gezwungen, Dinge zu vertuschen. Deshalb hat sich die Akademie nicht verändert und wird es auch nie. Wir machen alles einfacher.“
„Wir überwachen uns selbst, wir bestrafen uns selbst, wir vertreiben uns selbst“, sagte sie schlussfolgernd. Toki hatte recht. Es machte auf einer verdrehten Art und Weise Sinn.

Fassungslos starrte Maron ihn an. „All das, damit die Akademie die leuchtende Perfektion bleibt.“
„Das ist...“ Toki verstummte abrupt und legte die Stirn in Falten.
„Toki?“
Plötzlich fuhr er herum. „Was ist das?“, zischte er. „Hast du das gehört?“
Maron spitzte ihre Ohren, hörte die entfernten Stimmen, die ihre Namen riefen. „Natürlich. Die anderen suchen nach uns. Wir können von hier verschwinden, wenn du mit mir redest.“
Sie packte ihm an die Schulter und drehte ihn zu sich um. „Wer sind die dreizehn Familien?“
„Nun, da gibt es die… Hayers“, begann er. Er klang geistesabwesend, riss seinen Kopf immer wieder in die eine und in die andere Richtung. „Und dann gibt’s...eh...“
Er versuchte sich wieder umzudrehen.
„Toki, schau mich an“, forderte Maron ihn hart auf.
Widerwillig schaute er sie an. „Die Nagoyas gehören zu den Dreizehn.“
Eisiger Schock erstarrte sie. „D-Das kann nicht sein...” Ihr Herz wollte aussetzen.
Chiaki war einer von ihnen? Hatte er die ganze Zeit mit ihr gespielt? Wie konnte er das tun? Wie—
„Chiaki weiß das aber nicht.“
Diese fünf Worte stoppten ihre schockierten Gedanken.
„Woher weißt du das?“, verlangte Maron zu wissen.
Toki sah sie nicht an, als er antwortete: „Mein Vater hatte es mir gesagt. Kaiki sagte ihm, dass Chiaki nichts damit zu tun haben wird. Er sagte, dass dies nicht sein Vermächtnis sei und er kein Recht dazu hätte, diese Ehre zu beanspruchen – was auch immer das heißen mag. Mein Vater verstand es selbst nicht.“ Unendliche Erleichterung überflutete sie bei der Erklärung. „Keinem von uns war es erlaubt ihm was zu sagen, nachdem sein Vater verschwunden war. Aber er wurde natürlich trotzdem zu einem Knight.“ Toki hörte auf sich umzusehen. „Nur nicht aus traditionellen Gründen…Wenn du recht hast, dann hatte Sayuri ihn…nicht wegen seines Vaters auserwählt.“
„Hatte sie auch nicht“, entgegnete Maron nur. „Sie war eine von euch, nicht wahr?“
„Sie war mehr als das.“ Toki blickte ihr todernst in die Augen. „Sie war Ace. Sie war Ace, als sie zur Akademie ging, und dann übernahm sie wieder, als sie Professorin wurde. Natürlich hat niemand sie in Frage gestellt, als sie dich markiert hat, und das tut mir leid. Nichts davon sollte-“ Seine Augen wurden riesig. „Maron, pass auf!“
Ein harter Schlag auf den Hinterkopf brachte Maron auf die Knie, und sie sackte zu Boden. Hände packten sie. Maron schrie, als man ihren Kopf in den Dreck drücke. Erfolglos versuchte sie sich zu befreien.
„Stopp! Ich hab‘ nicht- Ugh!“, hörte sie Toki sagen.
„Toki!“, schrie sie.
Ein dumpfer Laut war zu hören. Finger behinderten ihre Sicht und das Letzte, was Maron sah, waren Toki’s schreckgeweiteten Augen und ein Paar Schuhe.
„Kümmert euch um ihn“, sagte eine vertraute Stimme.
Das Blut in ihren Adern gefror. Wer zum Teufel war das?
„Und was dich angeht – Zeit es zu beenden.“
Maron schrie, als ihr die Hände an den Rücken gebunden wurden.
Das war nicht nur Ace. Es waren mehr als eine Person da.
Die Hand vor ihren Augen verschwand und wurde von dunklem Stoff ersetzt.
„Stopp! Lasst mich los!!“ Sie trat wild gegen leere Luft.
Plötzlich hob man sie hoch und sie wurde fortgetragen. Maron schrie verzweifelt um Hilfe.
Ihre Entführer waren vollkommen still, sprachen kein Wort. Dies machte ihr noch mehr Angst. Sie wussten ganz genau, was sie mit ihr vorhatten.
„W-Wer seid ihr?!“
Ihre Brust schnürte sich zusammen, brachte den Schmerz zurück, den sie lange nicht mehr gespürt hatte. Sie konnte nicht atmen. Panik machte sich in ihr breit.
Diese gesichtslosen Monster werden sie töten.
„Lasst mich los!!“
„Maron?!“ Ein Fünkchen Hoffnung brach durch die Todesangst hindurch, als sie ihn hörte.
„Chiaki? Chiaki! Ich bin hier!“, schrie sie. „Lasst mich los, ihr verrückten-“
„Lass mich etwas klarstellen“, sprach die künstliche Stimme vom Video. „Es hat Spaß gemacht, dieses kleine Spiel zu spielen, aber jetzt es ist vorbei. Deine Zeit an der Tanemura Akademie ist vorbei. Du kommst nächstes Semester nicht zurück. Wenn du das tust, erwartet dich dasselbe Schicksal wie Takeru Koji. Auf Wiedersehen, Maron Kusakabe.“
Gerade, als Maron etwas erwidern wollte, wurde sie in die Luft geworfen. Sie schrie und landete im Fluss. Wasser strömte in ihren Mund und in ihre Nase, erstickte sie.
Sie drückte sich mit ihren Beinen hoch.
„Maron!“ Zweige brachen und Büsche raschelten, als Chiaki sich näherte. „Wo bist du?!“
„Ich bin hier! Ich-“ Maron verlor wegen der Strömung ihren Halt und das Wasser zog sie runter. „Chiaki! Chiaki!“ Sie stieß angsterfüllte Schreie aus, versuchte vergebens sich über Wasser zu halten.
Hände packten sie und zogen sie an die Oberfläche.
„Ich bin es. Ich habe dich.“ Chiaki riss ihr die Augenbinde vom Kopf und sie vergrub ihr Gesicht in seine Brust, weinte sich die Augen aus, während er sie hielt.
„Ich hab‘ dich“, wiederholte er, sprach beruhigend auf sie ein. „Du bist in Sicherheit.“
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