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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
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Dieses Kapitel
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25.06.2021 4.231
 
THIRTY-NINE

An ihrem ersten Unterrichtstag war Maron schon wach, bevor die Sonne über den Horizont erschien. Ihr Handy vibrierte, riss sie aus dem leichten Schlaf. Im Dunkeln tastete sie danach, bis sie es fand.
Das helle Bildschirmlicht blendete sie zuerst, wodurch sie eine Minute brauchte, um zu registrieren, was sie sah.
Ace: „Ich habe dich gewarnt. Du solltet besser niemandem anderen als dir selbst die Schuld dafür geben, wie die Dinge gelaufen sind. Wegen dir, musste ich die Knights markieren. Deinetwegen haben sie die Spades verraten.“
Maron setzte sich abrupt aufrecht. „Also gibst du zu, dass du ein Spade bist.“
Sekunden später kam die Antwort:
„Ich bin nicht ein Spade. Ich bin der Spade. Es hat keinen Sinn diese Tatsache zu verheimlichen. Wir beide wissen, wer ich bin. Mein einziges Bedauern ist, dass ich dich zu Beginn des zweiten Schuljahres nicht wieder markiert habe. Ich ließ die Knights davonkommen und als Dank dafür widersetzten sie sich den Spades. Das wird nicht wieder passieren. Jetzt sitzt ihr im selben Boot und werdet nicht rauskommen können, weil ich das Video noch habe.“
Was erhoffst du dir dabei, Ace? Hast du überhaupt eine Ahnung, weshalb ich beim ersten Mal markiert wurde? Verstehst du, was in dem Video passiert? Hast du schon mal daran gedacht, dass die Knights sich den Spades widersetzten, weil sie keine andere Wahl hatten?
Es kam keine Antwort.
Eine Minute verging. Dann zwei. Dann zehn.
Maron fiel in ihr Bett zurück und wollte ihr Handy auf den Nachttisch legen, als es in ihrer Hand wieder vibrierte.
„Was soll das heißen?“
„Du sagtest, du bist der Spade. Demnach müsstest du entweder wissen, was Sayuri getan hat und warum sie mich loswerden wollte - oder du hattest eine Verräterin in deiner Truppe und hast keine Ahnung. So oder so, es ist deine Schuld, wie das alles ausgegangen ist, nicht meine.“
Mit der Nachricht schaltete Maron ihr Handy aus und legte es weg. Sie wollte wertvolle Stunden Schlaf nicht wegen Ace verlieren. Ganz gleich, ob er weiß, was Sayuri getan hatte oder nicht.

Stunden später war Maron wieder wach und zog sich an. Schwarz war die Farbe der Drittjahrgänger. Die Farbe passte ideal zur Gemütslage aller im Gebäude.
Nach wenigen Minuten war ihr Make-Up fertig und sie fuhr sich ein letztes Mal durch die mittlerweile kinnlangen Haare.
Als sie aus ihrem Zimmer trat, warteten schon einige ihrer Freunde in der Eingangshalle.
„Wenn man bedenkt, dass ich dir nicht geglaubt habe, wie bekloppt dieser Ort ist“, fing Noyn an zu sagen, sah von unten zu ihr hoch, „Meine Eltern hätten mich fast nicht zurückgelassen.“
„Wirklich?“ Maron schulterte ihre Tasche und kam runter.
„Habe ihnen von den Markierungen, den Mobbing, den Spades und den Knights erzählt. Sie wussten von all dem nichts und wollten, dass ich wechsle, aber ich wollte euch nicht im Stich lassen“, sagte er. „Am Ende riefen sie den Rektor an und drohten ihn und die Schule zu verklagen, sollte mir oder meinen Freunden was passieren. Mal sehen, ob das hilft.“  
„Es ist toll, dass sie auf unserer Seite sind.“
„Aber ich bezweifle, dass es was helfen wird. Du kannst Schüler und Lehrer zwar verklagen, allerdings wird das nicht an die Spades rankommen.“
„Deshalb haben die Leute Angst.“ Kimi trat an Noyn’s Seite. „Ihr habt gesehen, was mit Natsuki, ihrer Familie und Angelic Hair Care passiert ist. Es gibt einen Grund, weshalb man den Spades lieber gehorcht als zurückkämpft.“
„Aber du hast zurückgekämpft“, sagte Noyn.
Sie lächelte schwach. „Leute wissen nicht, wie sehr man sich selbst dafür hasst, dass man ein feiger Mobber war. Ich kann das nicht nochmal machen. Nicht, nachdem Maron mir verziehen hat, obwohl ich es nicht verdient habe.“
„Ich würde dich nicht als feige bezeichnen.“ Noyn legte eine Hand auf ihre Schulter und ihr Lächeln wurde größer.
Maron musste sich ihr Lächeln verkneifen. „Ihr seid süß zusammen.“
Sofort fuhren die beiden auseinander, als hätte man sie bei etwas Verbotenem erwischt.
Keinen Moment später kamen alle anderen die Treppen runter.
„Wir können ja alle zusammen cool und tough zum Gebäude laufen, wie in diesen Slow-Motion-Filmszenen“, sagte Shinji, schob sich seine Sonnenbrille die Nase hoch, worauf Natsuki und seine Freunde nur kopfschüttelnd mit den Augen rollten.
Maron lachte leise. Eine gute Sache an dem Rauswurf ihrer Freunde aus dem Wohnheim war zumindest, dass sie alle sich zusammensetzen und planen konnten, wie sie das Schuljahr überstehen konnten. Sie mussten alle stark sein, um sich dem, was sie erwarten wird, entgegenzustellen.

Zusammen liefen die acht über den Schulhof Richtung Hauptgebäude. Sie waren nicht allein draußen. Hanzou’s Team war über den Platz verteilt und installierten Kameras. Maron hatte das Gefühl, dass er mehr tun konnte, aber sie war froh, dass er seine Versprechen einhielt.
Das Hauptgebäude war gefüllt von Lärm, als die Gruppe eintrat. Im Erdgeschoss machten die Erstjahrgänger ihnen Platz, als sie sich zu den Fahrstühlen begaben.
Kimi holte ihre Schülerkarte heraus und hielt es vor dem Scanner hin. Es leuchtete rot, anstatt grün.
„Komisch.“ Sie versuchte es noch einmal. „Meine funktioniert nicht. Noyn, probier deine.“
Er scannte seine Karte und bekam ebenfalls rotes Licht.
„Ich habe das Gefühl, dass keine unserer Karten funktionieren wird“, kam es von Maron trocken. „Wir müssen die Treppen nehmen.“
Chiaki und Kagura versuchten es trotzdem–und es passierte nichts. Sie werden alle das letzte Schuljahr wohl damit verbringen drei Stockwerke auf- und abzusteigen.
„Das stinkt nach Yashiro“, schnaufte Natsuki, als sie im ersten Stock ankamen.
„So tickt die Alte“, stimmte Maron ihr zu. „Sie steht auf mentale Tortur. Will einen hilflos fühlen lassen. Ich zweifle nicht daran, dass sie ihre Macht dazu nutzt, um uns noch mehr Privilegien wegzunehmen.“  
„Ihr Traum wird wahr. Als Diamond war sie überheblich und jetzt haben die Bitches die höchste Machtposition, die für sie möglich ist.“
„Sie haben mir gestern gesagt, dass Änderungen kommen werden.“
„Und wir werden keine von ihnen mögen“, vollendete Natsuki.
Die restlichen Treppen wurden schweigend bestiegen, bis sie vor der Doppeltür im dritten Stock standen.
„Es gibt kein Zurück mehr“, sagte Maron. Sie trat nach vorne und drückte die Türen auf.
Es war nicht so laut, wie im Erdgeschoss. Nach zwei Jahren Prüfungen, Verweisungen und Abbrüchen war ihr Jahrgang der kleinste Jahrgang der Schule. Bestehend aus knapp drei duzend Leute.
„Wo sind eure Schließfächer?“, fragte sie, während sie durch den Gang liefen. Feindselige Blicke verfolgten die Gruppe von allen Seiten.
„367.“
„498.“
„523.“
„600.“
„710.“
„845.“
„999.“
„1027“, schloss Maron ab. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, als sie die Erkenntnis traf. „Keiner von uns ist nah beieinander. Sie trennen uns.“
„Wird nicht funktionieren.“ Chiaki trat an ihre Seite. Die Rückseite seiner Hand streifte ihre, verursachte einen angenehmen Schauer auf ihrer Haut. „Wir bleiben wie geplant zusammen.“
In Zweiergruppen steuerten sie auf ihre Schließfächer zu, werden sich alle anschließend vor dem Klassenzimmer treffen.
Chiaki wurde Schließfach 999 zugewiesen, weshalb er mit Maron mitging.
Der Weg zu ihren Schließfächern war voller schmutziger Blicke, aber keine Sticheleien oder Provokationen. Irgendwie war das schlimmer. Maron gefiel diese Ruhe nicht. Sie hatte das Gefühl, dass etwas Schlimmeres um die Ecke kommen würde.
Sie hielten zuerst bei Chiaki’s Schließfach an.
„Ich brauche gute Neuigkeiten.“ Maron lehnte sich an das kühle Metall an. „Hat es deine Mutter geschafft Rektor Tanemura zu überzeugen?“
„Ich denke schon“, antwortete er. „Sie gab mir keine Details, aber sie sagte, dass sie ihn dazu brachte lockerzulassen.“
Sie schnaubte. „Der Rektor ist so locker wie ein Stahlrohr, aber wenn irgendwer seine Meinung ändern kann, dann sie.“
„Die Nagoyas haben der Schule über die Jahre viel Geld gespendet. Wir sind deren größte finanzielle Unterstützer.“
Maron blinzelte ihn leicht erstaunt an. „Seid ihr das?“
„Ja.“ Chiaki sprach, ohne von seinem Schließfach wegzusehen. „Ich sagte doch, ich war die letzten Wochen in Meetings gewesen. Die Partner haben mich über unsere Beteiligungen informiert und gefragt, welche Investitionen ich weiterhin tätigen werde. Die Spenden, die wir der Schule gegeben haben, sind nichts worüber man hinwegsehen könnte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir für den Bau des Stadions und der Sportanlage verantwortlich sind.“
„Wow. Kein Wunder, dass der Rektor sich weigerte Midori zu verärgern.“ Ihr kam ein Gedanke. „Weißt du, Noyn sagte, die Eltern einzubeziehen könnte uns helfen. Es erscheint, dass deine Mutter in der besten Position ist das zu tun. Sie könnte-“
„Nein.“
Bei dem harten Ton seiner Stimme hob sie ihre Augenbrauen. „Nein? Warum?“
„Meine Mutter wird nicht unseren Kampf für uns ausfechten. Ihr geht es nicht gut. Sie muss sich ausruhen.“
„Sie würde alles tun, um dich zu beschützen, Chiaki. Dafür geht es ihr gut genug.“
Bam!
Mit einem lauten Knall schlug Chiaki sein Schließfach zu, was Maron zusammenzucken ließ und noch mehr Blicke auf die beiden lenkte.
„Ich habe Nein gesagt“, zischte er. „Und wage es nicht, hinter meinem Rücken mit ihr zu reden.“
Maron verzog säuerlich ihr Gesicht. „Erstens: Sag mir nicht, was ich tun soll. Zweitens: Ich wollte nicht hinter deinen Rücken gehen. Es war nur eine Idee.“
„Gut.“
„Gut!“
Sie wandte sich wütend ab, verschränkte ihre Arme und kehrte ihm den Rücken zu. Sie hörte Chiaki hinter ihr fluchen und wie er seine Sachen grob in seine Tasche warf.
„Wird es immer so sein?“, platzte es aus ihm heraus. „Wir hören nie auf uns zu streiten und uns gegenseitig anzupissen.“
„Nein“, entgegnete sie spitz, „-weil du einfach fucking irritierend bist.“
Maron war überrascht, als er anfing zu lachen. „Warum willst du dann mit mir zusammen sein, Kusakabe?“
„Versuch jetzt nicht, mich dazu zu bringen nette Dinge über dich zu sagen. Du bist nervig. Du warst schon immer nervig. Aber du hast mich am Hals, und du solltest dich glücklich schätzen. Du wirst niemanden wie mich finden, die bereit ist deinen Scheiß zu ertragen.“
Plötzlich war sein Körper gegen ihren Rücken gepresst. Seine Wärme breitete sich in ihr aus, während sein Lachen durch ihre Ohren hallte.
„Du hast recht.“ Chiaki legte sein Kinn auf ihren Kopf. Seine Stimme hatte diesen rauen Ton angenommen, welcher ihr Herz immer wieder aufklopfen ließ. „Ich werde niemanden wie dich finden...“
Die Röte stieg ihr hoch.
„...die genauso fucking irritierend ist wie ich“, vollendete er und sie konnte das Grinsen förmlich hören.
Arschloch, ging es Maron durch den Kopf, als sie Chiaki den Ellenbogen in die Rippen rammte und wegging, während er hinter ihr lachte.
Warum sie ihn mochte, war eine verdammt gute Frage.
Chiaki holte sie mit großen Schritten ein und schlenderte neben ihr her, sah ziemlich zufrieden mit sich selbst aus. Maron rollte jedes Mal mit den Augen, wenn sie ihn ansah.
Die beiden erreichten ihr Schließfach und sie packte ihre Sachen.

Nächster Halt war Prof. Maruki’s Klassenzimmer.
Der Rest der Gruppe wartete auf die beiden davor. Sie tauschten sich alle einen Blick aus, wappneten sich. Chiaki öffnete die Tür und ging rein.
Ein großer Mann lehnte an dem Schreibtisch vor der Klasse. Maron starrte ihn länger an, als womöglich angebracht war. Er sah anders aus als die Professoren, die sie gewohnt war. Ziemlich jung aussehend – eventuell Ende zwanzig. Der Anzug sah perfekt und offensichtlich teuer aus, aber alles andere war irgendwie fehl am Platz. Tattoos lugten unter seinem Kragen hervor und auffällige Piercings schmückten sein Ohr.
„Ah, noch mehr junge Küken, die darauf warten, gefüttert zu werden.“ Er sah Maron direkt an und grinste. „Macht es euch nicht bequem. Ich weise euch die Plätze zu.“
„Prof. Maruki.“ Yashiro erhob sich von ihrem Stuhl. „Keiner von uns wird neben ihnen sitzen. Sie sind es, von denen wir erzählt haben.“
„Wirklich? Ihr seid also diejenigen, die markiert wurden?“ Maruki runzelte die Stirn. „Es gibt viele von euch. Als ich ein Knight war, hatten wir nie jemanden, der markiert wurde. Geschweige denn acht.“
„Fünf von ihnen sind markiert“, korrigierte Yashiro ihn, „Der Rest sind einfach nur Idioten.“
Der Professor antwortete ihr nicht oder sah sie an.
„Sie waren ein Knight?“ Maron konnte sich die Frage nicht verkneifen.
Sein Grinsen weitete sich aus. „Genau, Miss...“
„Kusakabe. Maron Kusakabe.“
„Miss Kusakabe. Ja. Ich war ein Knight. Ich machte meinen Abschluss an der Tanemura Akademie, ein paar Jahre bevor Sie alle als niedliche kleine Erstjahrgänger mit Rehaugen durch die Tore getreten sind.“ Er richtete sich aufrecht. „Von daher weiß ich, wie das funktioniert. Sie acht sitzen vorne, wo ich ein Auge auf Sie haben kann. Alle anderen: aufstehen.“
Die Gruppe tat wie ihnen geheißen und besetzten die ersten beiden Reihen, während Maruki alle anderen umsetzte. Als die ganze Klasse schließlich Platz nahm, fing Maruki mit der Stunde an.
„Nun, das ist Ihr letztes Jahr, also werden die Dinge um einiges anders sein. Sie werden eine Freistunde haben, in der von Ihnen erwartet wird, dass Sie an Ihren Bewerbungen, Aufsätze, Motivationsschreiben arbeiten. Sprechen Sie mit den Studienberatern, bereiten Sie sich auf Vorstellungsgespräche vor...was auch immer Sie für ihre Zukunft nach der Akademie tun müssen. Ansonsten haben Sie alle berufsorientierten Leistungskurse zu belegen und müssen den erhöhten Mindestnotendurchschnitt erfüllen.“ Der Großteil der Schüler stöhnte auf. „Ich habe es durchgemacht, also weiß ich, wie stressig dieses Schuljahr sein kann. Wenn Sie reden möchten, meine Tür ist offen. Haben Sie Fragen?“
Ein „Nein“ ging durch die Runde.
Es klopfte an der Tür und der Fernseher für die Ansagen wurde gebracht. Hijiri saß auf dem Sitz, den Yamato vorher besetzt hatte. Neben ihm war seine Co-Moderatorin Yori. Es wunderte Maron nicht, wie er den Job bekommen hat. Er muss ihn sich selbst gegeben haben.
„Guten Morgen.“ Sie verzog bei seiner Stimme ihr Gesicht. „Wir haben heute Morgen viele Ankündigungen, aber zuerst eine Nachricht von unserem Direktor.“
Der Bildschirm wurde für ein paar Sekunden dunkel, und dann schaute Rektor Tanemura zu ihnen allen zurück. Er war in seinem natürlichen Lebensraum, saß hinter seinem Schreibtisch.
„Guten Morgen Oberschüler, und willkommen zu einem weiteren Jahr. Es gab eine Regeländerung und ich möchte Sie darauf aufmerksam machen. Im Hinblick darauf, dass nur drei Wochenendpässe pro Semester erlaubt sind - so wird diese Regel aufgehoben.“
Applaus und Jubel füllten den Raum und übertönten einen Teil seine Rede.
„…-echten Bedarf. Was ist ein echter Bedarf?“
Maron spitzte konzentriert ihre Ohren.
„Wenn Sie einen familiären Notfall haben, ein Mitglied Ihrer Familie krank ist, oder Sie sich um ein Kind oder Kinder kümmern müssen“, sprach der Mann weiter. „Sie können auch einen Pass für Universitätstouren und Dinge dieser Art beantragen. Alles, was außerhalb davon liegt, werden Sie in meinem Büro mit mir diskutieren müssen. Wenn ich entscheide, den Pass Ihnen nicht zu gewähren, dann ist es auch nicht verhandelbar. Meine Entscheidung wird endgültig sein und ich lasse mich nicht beeinflussen.“
Maron hatte das Gefühl, das war indirekt an sie und möglicherweise an Chiaki gerichtet. In anderen Worten: Hetzt eure Mütter/Tanten nicht nochmal auf mich, sonst wird es nicht gut für euch enden.
„Eine aktualisierte Version des Handbuchs wird Ihnen ausgeteilt. Unterschreiben Sie, um zu zeigen, dass Sie die neuen Regeln wahrnehmen. Danke. Auf Wiedersehen.“
Rektor Tanemura war weg und Hijiris dreckiges Grinsen kehrte zurück.
„Danke, Herr Direktor. Das sind nicht die einzigen Veränderungen. Im Gegensatz zu den alten Knights kümmern wir uns um die Schule und dessen Schüler.“
Die vier Jungs versteiften sich.
„Unser Ruf wurde geschädigt, als jemand das Tanemura Gone Wild-Video an die Presse leakte. Wir wurden in den Medien zur Lachnummer, aber jetzt ist es Zeit zu dem zurückzukehren, was diese Schule groß gemacht hat. Von nun an werden die Knights und die Diamonds für alle Veranstaltungen und Clubaktivitäten verantwortlich sein. Wir entscheiden über die Themen, das Ziel der Klassenfahrten - alles. Die Clubs, die der Schule keinen Mehrwert bieten, sind vorbei. Es wird keinen Anime-Club, ausländischen Filmclub, Kreatives Schreiben-Club, Bücherclub, Abenteuer-Club, Kochclub oder Tanzclub geben.“
Maron war nicht überrascht, insbesondere beim Letzten. Genau das, was Yashiro wollte.
„Die Entscheidung ist endgültig, also kommt nicht zu den Knights, um darüber zu jammern. Die Clubs, die übrig sind, neben den akademischen Clubs, sind Schachclub, klassischer Tanzclub, Kunstclub, Sportclub und Schauspielclub. Die früheren Club-Präsidenten werden durch die Knights und die Diamonds ersetzt. Wenn ihr in den Club wollt, müssen sie es euch zuerst genehmigen. Wir kehren zu unseren Werten zurück und belohnen diejenigen, die sie aufrechterhalten. Die Tanemura Akademie ist immer noch die beste Schule des Landes. Wir werden sicherstellen, dass der Rest der Welt es weiß und jeden stoppen, der versucht, uns zu Fall zu bringen. Das ist alles.“
Die Übertragung brach Sekunden nachdem er fertig war ab, obwohl seine Co-Moderatorin nie zu Wort kam. In vielerlei Hinsicht war es eine schreckliche Idee Yamato durch diesen Kerl zu ersetzen. Yamato hatte zumindest Charme.
Maron sah ihre Freunde an, als Maruki die neuen Handbücher verteilte.
„Warum sollte irgendwer sie als Knights wählen?“, fragte Kimi missmutig. „Man kann nicht glauben, dass dies besser für die Schule sei.“
Es geht nicht mehr um die Schule, dachte Maron sich. Es geht um mich.
Ihr Blick fiel auf den Handy-Schrank. Sie hatte ihr Handy nicht wieder angeschaltet, nachdem sie das Gespräch mit Ace beendet hatte.
Das war gegen seine „Regeln“, aber das war ihr egal. Sie hatte es satt Ace’s Spiel zu spielen.
***

Der restliche Vormittagsunterricht verging ereignislos. Nach der ersten Stunde teilte sich die Gruppe auf, mussten zu ihren jeweiligen Wahlkursen, aber glücklicherweise war keiner von ihnen komplett allein.
Das beunruhigende Gefühl ließ Maron jedoch nicht los. Bis auf Yashiro’s Ankündigungen, dass niemand mit ihnen zusammensitzen darf, gab es keine Beschimpfungen oder Sticheleien.
Ihre Freunde bemerkten ihre Anspannung. „Stimmt was nicht, Maron?“, fragte Kagura.
„Es ist zu ruhig. Mir gefällt das nicht.“
„Sie hat recht“, kam es von Yamato. „Ein paar aufgelöste Clubs und ein Wohnheimwechsel sind nichts. Sie planen etwas Größeres, um an uns ranzukommen.“
„Und wir werden bereit sein. Was auch immer es ist“, schritt Noyn ein, nahm Maron’s Hand. „Komm, wir haben unsere Freistunde.“
Ehe sie einen Schritt gehen konnte, wurde Noyn’s Hand aus ihrer genommen.
„Hände weg, Claude.“ Chiaki kam zwischen ihnen. Maron gab ihm einen Blick, ließ ihn wissen, was sie von seiner Eifersucht dachte, aber sonst hielt sie ihn nicht auf.
Die Freistunde fand in der Bibliothek statt. Sie gingen durch dessen Türen und betraten den großen ruhigen, sanft beleuchteten Raum. Einige Schüler waren bereits dort und hatten Tische für sich und ihre Freunde beansprucht.
„Setzen wir uns da hinten hin“, sagte Natsuki, deutete auf einen großen Tisch im hinteren Bereich mit genug Stühlen. Dort legten alle ihre Taschen auf dem Boden ab und machten es sich bequem.
„Was für Hochschulen nehmt ihr?“, fragte Natsuki interessiert in die Runde. „Ich dachte, ich wüsste es, aber nach den gestrigen Gesprächen bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Maron seufzte. „Ich bewerbe mich nur an einer Uni. Die Ribbon.“
„Warum?“, fragte Kimi. „Du könntest in so viele großartige Unis gehen. Außerdem, willst du nicht von zu Hause weg?“
„Nein, im Gegenteil. Ich möchte meiner Familie nahe sein.“
Kimi nickte verstehend.
„Ich überlege auch zur Ribbon zu gehen“, sagte Natsuki. „Da Shinji für seinem Vater arbeiten wird und die Plattenfirma in der Nähe ist, will ich doch nicht wegziehen.“
Shinji nickte, lächelte seine Freundin an.
„Ich werde Business an der Ribbon belegen“, kam es von Chiaki. „Bleibe dann auch in der Nähe von Mom und Nagoya Industries.“
Maron konnte nicht anders als lächeln. Sie freute sich, dass ihre Liebsten bei ihr bleiben würden.
„Aww. Wie vorbildlich.“
Sofort verflog ihre Freude, als die neuen Knights sich ihrem Tisch näherten.
„Was willst du, Yashiro?“, brachte Maron entgegen.
„Du siehst mich an, als sollte ich nicht hier sein.“ Sie warf ihre Haare zurück. „Dabei bist du es, die nicht hier sein sollte. Neue Befehle von den Knights. Die Markierten und all ihre kleinen Freunde sind aus der Bibliothek verbannt.“
„Was?“ Shinji stand auf. „Das könnt ihr nicht machen.“
„Und dennoch-“, sagte Karen grinsend, „-haben wir es gerade getan. Pack euren Scheiß und verschwindet.“
„Wie, glaubt ihr, wollt ihr uns zum Gehen bringen?“ Kagura war auch auf den Beinen, stellte sich in voller Größe auf.
Ihr Grinsen wurde größer und sie schnippte mit dem Finger. Das Knarren von zig Stühlen war zu hören. Der gesamte Jahrgang war in der Bibliothek, starrten auf die Gruppen. Darunter auch einige Mitschüler, die doppelt so breit waren wie die Jungs.
„Wenn ihr nicht freiwillig geht, werden wir euch mit Gewalt rauszerren“, fuhr Yashiro fort, „Geht. Alle von euch. Jetzt.“
Die Jungs würden sich garantiert nicht vor einem Kampf scheuen, aber das Risiko, dass jemand sich verletzte, wollte Maron nicht eingehen.
Hijiri trat auf sie zu, als keiner von ihnen sich rührte. „Du hast gehört, Kusakabe. Ihr seid hier nicht erwünscht.“ Er streckte seine Hand aus, als würde er ihre Schulter packen wollen.
Ein tiefes Knurren war hinter ihr zu hören. „Willst du, dass ich dir den Kiefer wieder breche, Shikaidou? Fass sie verfickt nochmal nicht an.“
Hijiri’s Gesicht verfinsterte sich, aber er muss etwas in Chiaki’s Gesichtsausdruck gesehen haben, weshalb er seine Hand zurückzog.
Maron schnappte sich ihren Rucksack. „Kommt, Leute. Für den Quatsch haben wir keine Zeit.“
Schweigend nahmen sie ihre Sachen und gingen hinaus. Auf den Weg zur Tür, sah Maron im Augenwinkel eine Bewegung und begegnete Toki’s Blick. Er stand an einem Tisch mit Cersia und Miyako. Die drei sahen sofort weg, als sie ihren Blick bemerkten.
Kopfschüttelnd sah Maron nach vorne.

„Wir wissen jetzt, was deren Plan ist“, sagte Yamato, während er sich auf dem Boden niederließ. Sie versammelten sich alle im Erdgeschoss ihres Wohnheimes und nahmen die Eingangshalle ein. Der erste Schultag war vorbei und ihre Hausaufgaben waren auf dem Boden verteilt, jetzt, wo die Bibliothek tabu war. „Sie sperren uns überall aus.“
„Er hat recht“, sagte Kimi. „Ich wurde aus dem Kochclub geworfen. Sie öffneten nicht einmal die Tür, als ich klopfte.“
„Ich bin aus dem Fußballteam raus.“
Maron sah Kagura an. „Das können sie nicht tun.“
„Laut dem Coach, können sie das. Die Knights sagten ihm, sie würden die Schüler von den Zuschauertribünen fernhalten und das Team anweisen nicht zu spielen, wenn ich das Feld betrete. Er entschied, dass es die Mühe nicht wert ist.“
„Also, ihr Plan uns zu vertreiben ist-“
„-uns alle Gründe zum Bleiben wegzunehmen“, vollendete Chiaki mit monotoner Stimme, „Ich wette, es wird damit nicht aufhören. Shikaidou sagt, dass sie auch für die Events verantwortlich sind. Wollen wir wetten, dass wir nicht zu den Bällen oder der Klassenfahrt dürfen?“
„Dann ist das Einzige, was wir tun können, vom Unterricht zu unserem Wohnheim und wieder zurück zu gehen?“, fragte Shinji ungläubig.
Noyn nickte mit dem Kopf. „Sie machen diesen Ort noch unerträglicher, als er schon ist.“
„Was, wenn sie uns noch aus dem Unterricht verbannen?“ Kimi’s Stift in ihrer Hand zitterte. „Das darf nicht passieren. Ich versuche, an die Kyoto Universität zu kommen.“
„Das können sie nicht“, wendete Maron ein. „Unsere Eltern würden das nicht dulden. Rektor Tanemura würde es wahrscheinlich auch nicht erlauben.“
„Glaubt noch jemand..., dass das erst der Anfang ist?“, kam es von Natsuki leise.
Beklemmendes Schweigen breitete sich für einige Sekunden aus und die Gesichter von allen verdüsterte sich. Shinji nahm beruhigend ihre Hand.
Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann widmeten sie sich wieder ihren Hausaufgaben. Außer der gelegentlichen Frage nach Hilfe, wurde nicht viel geredet.
Chiaki war der Erste, der fertig wurde. Er ging nach oben in sein Zimmer, wirkte tief in Gedanken versunken. Maron sah ihm besorgt hinterher.
Zwanzig Minuten später waren alle anderen auch fertig. Es war bereits dunkel draußen geworden.
In ihrem Zimmer nahm Maron ihr Handy aus ihrer Tasche und schaltete es an. Es vibrierte mit einer Nachricht, kurz nachdem der Startbildschirm aufleuchte.
Dann vibrierte es wieder.
Und wieder. Und wieder.
Ace: „Wissen was Sayuri tat? Erklär. Was hatte sie getan? Wie hat sie die Spades verraten?“
Ace: „Hatte es was mit dem Handy zu tun? War da etwas drauf? Hat sie deshalb geschrien, dass du es zurückgeben sollst?“
Ace: „Du würdest nicht so einen Scheiß sagen und dich dann weigern zu erklären. Du denkst, du wurdest zu Unrecht ins Visier genommen, dann sag mir warum.“
Ace: „Ich habe dir gesagt, was passiert, wenn du mich ignorierst. Sag mir, was Sayuri getan hat.“
Ace: „Was auch immer meine neuen Knights geplant haben, wird nichts im Vergleich zu den Folgen der Veröffentlichung des Videos sein. Vielleicht erklärst du es dann den Bullen.“
Maron legte ihr Handy seelenruhig auf den Nachttisch ab und ging ins Badezimmer. Sie nahm eine lange, heiße Dusche und ging anschließend ihrer Abendroutine nach.
Erst als sie sich im Bett gemütlich machte, nahm sie ihr Handy wieder in die Hand.
„Hör auf, zu nerven. Wenn du dieses Video veröffentlichen wolltest, hättest du es schon vor langer Zeit getan. Ich will es nicht tun, aber wenn es dazu kommen würde, könnte ich den Bullen erklären, warum Sayuri gestorben ist und warum wir nicht ausgesagt haben. Man würde uns nicht verurteilen. Sie tat Dinge, die jeden anständigen Menschen zum Kotzen bringen würden. Du bist kein anständiger Mensch, aber ich glaube nicht, dass es auch dir recht wäre. Du hast die falsche Seite gewählt, Ace. Du hast bewiesen, dass die Spades nichts anderes sind als das, was jeder befürchtet hat. Ihr seid ein Haufen hirnloser, mobbender Gauner, die wehrlose Menschen ausnutzen.“
Mit der Nachricht schaltete Maron wieder ihr Handy aus. Es tat gut Ace die Meinung zu sagen.
Sie hatte keine Angst vor ihm und es war Zeit, ihn das wissen zu lassen.
Sie legte sich hin, zog sich die Bettdecke über und schloss ihre Augen. Ohne irgendwelche Albträume, driftete sie in den tiefen Schlaf weg.
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