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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
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Dieses Kapitel
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18.06.2021 6.038
 
THIRTY-EIGHT

„Vielleicht sollten wir nicht zurückkehren.“
Maron sah von ihrem Laptop auf und fing Natsuki’s besorgten Blick auf, die ebenfalls vor ihrem Laptop saß.
„Es wird nicht besser werden“, fuhr Natsuki fort. „Es wird dieselbe Hölle wie letztes Jahr sein.“
Maron richtete ihren Blick auf das Tanemura-Schülerportal. Es war Zeit, die Kurse für ihr drittes und letztes Jahr an der Akademie auszuwählen.
„Ich muss zurück, Natsu.“
„Warum? Es gibt noch viele andere gute Schulen! Keine von ihnen ist Tanemura, aber unsere Uni-Bewerbungen würden trotzdem toll aussehen. Ich habe mich über die Biwa-High schlau gemacht. Es ist nicht weit von uns und-“
„Natsuki“, schnitt Maron sanft ab. „Ich muss zurück.“
Natsuki’s Schultern sackten ein. „Ich hasse das, M. Es sollte nicht so sein. Ich...Ich habe Angst.“
„Ich weiß. Ich auch.“ Sie stand vom Esstisch auf und ging zu ihrer besten Freundin, umarmte sie. „Dieser Ort ist seit dem Moment, als ich durch die Tore ging, eine Horrorshow gewesen. Du hast Angst. Ich habe Angst. Jeder hat Angst. Sie haben Angst vor den Spades. Das muss aufhören. Es ist an der Zeit, dass jemand ihrer Herrschaft ein Ende setzt.“
Natsuki sah sie an. „Dieser jemand musst nicht du sein.“
„Sie brachten mich dazu, als sie mich schikanierten, belästigten, verletzten und markierten.“ Maron schlang ihre Arme fester um sie. „Ace ist hinter mir her, also werde ich auch hinter ihm her sein.“
„Maron, Ace hat die Knights markiert. Sowas ist noch nie passiert. Sie sollen unantastbar sein. Zuerst du...und jetzt Shinji auch. Die letzten Monate letztes Schuljahr waren... furchtbar.“
Maron konnte verstehen, dass Natsuki fertig mit der Welt war. Schließlich war jetzt nicht nur die beste Freundin markiert, sondern auch der Freund.
„Es wäre schlimmer gewesen, wenn wir uns nicht gegenseitig den Rücken gestärkt hätten. Wir passen aufeinander auf, Natsu, und wir werden Ace und wer noch von den Spades übrig ist, ausschalten, damit sie niemandem mehr wehtun können. Okay?“
Natsuki sah immer noch unsicher aus. Tränen hatten sich in ihren Augen angesammelt.
Maron sah im Geiste ihre beste Freundin vor sich, in der diese Tränen mit Farbmittel vermischt waren und ihre rote Schuluniform befleckten.
Die Rache, die kam, als Ace sie und die Knights markierte, traf genauso diejenigen, die zu ihnen stand. Es schmerzte Maron, daran zurückzudenken.
„Warum wechselst du nicht?“, fragte sie Natsuki. „Das ist mein Kampf. Es war niemals deiner. Du solltest Tanemura verlassen, Natsu. Du bist ein allen naturwissenschaftlichen Fächern ein Genie und brauchst die Akademie nicht. Du kannst zur Biwa gehen und-“
„Nicht, wenn du nicht mitkommst.“ Die Tränen waren weg und ihre Verzweiflung wurde mit Entschlossenheit ersetzt. „Ich lasse dich hier nicht allein, M. Wir beide gehen, oder wir bleiben.“
Es vergingen ein paar Sekunden, in der die Freundinnen sich einen stummen, vielsagenden Blick austauschten.
Natsuki nahm einen tiefen Atemzug und wandte sich ihrem Laptop zu. „Lass uns unsere Kurse aussuchen.“
Zustimmend nickte Maron nur. „Ich hab dich lieb, Natsu.“
„Ich weiß.“ Natsuki’s Stimme hatte jetzt einen leichten, verspielten Ton. „Ich dich auch, M.“

Für ein paar Minuten widmeten die Mädchen sich ihren Stundenplänen. An einem Punkt kam Zen auf wackligen Beinen reinspaziert und wollte auf Maron’s Schoß.
„Was für Kurse nimmst du?“, fragte Natsuki, nachdem Maron ihren Bruder auf ihrem Schoß nahm.
„Ich würde sagen, jeden Kurs, wo die neuen Knights nicht drin sind, aber leider ist das nicht möglich.“
„Wenn ich nicht da bin, werden Chiaki, Shinji, Yamato, Kagura, Kimi oder Noyn da sein. Du wirst nicht allein mit diesen Verrückten sein.“
„Aber wir sind immer noch in der Unterzahl“, entgegnete Maron. Selbst wenn ihre Freunde auf ihrer Seite waren – es war schwer sich gegen die ganze Schule zu stellen, wo alle es darauf abzielten, sie fertig zu machen.
„Mara?“
Maron sah auf den kleinen Jungen runter. „Ja, Zeni?“
„Hunger.“
„Sora macht dir gerade Frühstück, Zen.“
Er nahm das zur Kenntnis und lehnte sich gemütlich an ihrer Brust zurück.
„Wie geht es eigentlich dir und deinen Eltern?“, fragte Maron.
Natsuki hörte für einen minimalen Moment auf zu tippen und machte anschließend mit mehr Aggressivität weiter.
„Es gibt einen Grund, warum ich meine Sachen packte und nach der Schule direkt zu dir kam. Ich habe dir das nie erzählt, aber Mom und ich gerieten in einen großen Streit, nachdem ich-...nach dem, was passiert ist. Die Schulschwester rief sie an, weil ich nicht aufhören wollte zu weinen. Mom fragte, warum mir das jemand antun würde, und als ich ihr sagte, dass es daran lag, dass ich mich für Leute einsetzte, die markiert waren, flippte sie aus. Sie schrie mich an und wollte wissen, warum ich so etwas Dummes mache. Dass ich das Risiko eingehe, auch markiert zu werden, und dass man hinter dem Business her sein wird und das zerstört, wofür sie hart gearbeitet hat. Nach allem, was ich durchgemacht habe, geht es bei ihr nur um sie selbst!“ Geschockt sah Maron sie an. Natsuki’s Tastatur litt unter ihrer aggressiven Folter. „Und das schlimme ist: sie hat recht. Angelic Hair Care wurde plötzlich mit negativen Reviews überflutet, die sagten, dass die Produkte deine Kopfhaut zum Jucken brachten, deine Haare ausfallen lassen, und an Tiere getestet wurden. Lügen, die den Verkaufszahlen schaden. Mom ist so sehr mit der Schadensbegrenzung beschäftigt, dass sie nicht mal anrief, seit die Ferien begonnen haben.“
„Es tut mir so leid, Natsu.“
„Es ist nicht deine Schuld. Sondern deren.“
Die neuen Knights.
Letztes Jahr hatten diese Tyrannen zur Maron’s Fassungslosigkeit Natsuki’s Schließfach manipuliert. Es ging alles so schnell. In einer Sekunde hatte ihre Freundin ihr Schließfach aufgemacht, in der nächsten stieß sie einen spitzen Schrei aus. Maron sah, wie blaue Farbe Natsuki das Gesicht herunterlief und sie sich mit großen Augen zu ihr wandte. Gelächter hallte im gesamten Korridor, als Natsuki zu schreien anfingen.
Das Farbmittel gelang in ihre Augen und brannten. Maron brachte sie so schnell wie möglich zur Schulschwester, während alle um sie herum lachten.
Selbst nach dem Vorfall waren ihre Augen tagelang rot und es dauerte genauso lange, bis die Farbe von ihrer Haut und ihrer Uniform weggewaschen war.
„Dieses Jahr kommen sie nicht davon“, sagte Maron. „Ich verspreche es. Sie werden für das, was sie dir angetan haben bezahlen.“
„Ich weiß. Wir halten einander den Rücken frei.“
Nicht nur das, dachte Maron, hatte einen Plan.
Dieser Kampf war zwischen ihr und Ace. Nichts würde sie davon abhalten ihn zu finden und zu erledigen.
„Mädels.“ Sora’s Stimme kam von der Küche. „Das Frühstück ist fertig.“
***

„Mara, wohin gehst du?“
Maron klappte ihren Koffer zu und sah Zen an. „Ich muss in die Schule, Zeni.“
Der Kleine ballte seine Fäuste und machte ein unzufriedenes Gesicht. „Nein!“
Sie seufzte, wollte am liebsten auch nicht gehen.
„Kannst du das glauben, M?“, kam es von Natsuki, die in ihr Zimmer kam und ungläubig mit ihrem Handy in der Hand wedelte. „Meine Eltern kommen zum Tag der offenen Tür! Mom sagte, dass wir uns als Familie und als Business gut präsentieren sollen. So egoistisch die Frau!“
Heute war nicht nur Einzugstag, sondern auch Tag der offenen Tür für die Abschlussjahrgänger, wo Vertreter verschiedener Universitäten und Unternehmen sich im Campus versammelten, Stände aufstellten und bei denen die Schüler sich vorstellen konnten.
„Vielleicht gibt es euch die Möglichkeit miteinander zu reden“, wendete Maron ein.
„Vielleicht“, antwortete Natsuki spitz. „Dad wird mich abholen und ich werde ihnen eine Menge zu sagen haben.“ Sie sah auf die Uhr. „Er wird gleich da sein. Ich gehe schon mal, aber wir sehen uns dann in der Schule. Zumindest wird sich niemand mit uns anlegen, bei all den Gästen heute.“
Maron stimmte dem zu. Heute würde der einzige Tag im Schuljahr sein, in der die Markierten außer Schusslinie waren. Selbst wenn niemand einen Tobsuchtsanfall vom Rektor riskieren wollte, die Schule wieder blamiert zu haben - genauso wenig wollte man sich selbst vor all den wichtigen Gästen, die man für sich gewinnen wollte, blamieren.
Nachdem Natsuki sich von ihr verabschiedet hatte, kam Sora, knöpfte ihren Blazer zu.
„Wie sehe ich aus? Sehe ich aus, als würde ich meine Nichte zur Uni schicken wollen?“
Für den Tag hatten sich alle etwas in Schale geworfen, um einen ordentlichen Eindruck zu erwecken.
„Du siehst aus, als würdest du selbst dich bewerben wollen“, schmunzelte Maron, hockte sich herunter, um Zen die Klamotten zu glätten. „Ich bin auch nervös. Ich will den Vertretern der Ribbon-Uni einen positiven Eindruck hinterlassen und ich gehe in meinem Kopf die ganze Zeit durch, was ich sagen werde.“
„Wir hoffen alle, dass du reinkommst“, sagte Sora. Sie begaben sich mit Maron’s Gepäck zum Wagen. „Die Ribbon-Universität ist schließlich deine erste, zweite und dritte Wahl, damit du in der Nähe von uns bleibst. Hoffen wir aufs Beste.“
Es dauerte nicht lange bis sie zur Akademie losfuhren.

Vor den Toren der Schule angekommen, sah man schon, dass eine Menge los war.
Sora parkte den Wagen und sie stiegen aus. Maron versuchte ihre Nerven zu beruhigen und nahm Zen in ihre Arme. Das Kleinkind nippte sorglos an einem Apfelstück.
„Miss Kusakabe?“ Sie schaute auf und zwei Mitarbeiter standen vor ihnen. „Wir würden Ihre Koffer in Ihr Zimmer bringen.“
„Danke.“
Sora ging um das Auto herum. „Das Ding fängt erst in einer Stunde an, richtig? Ich werde eine Toilette und den Essens- und Getränkestand aufsuchen gehen, die in der E-Mail versprochen wurde.“
„Okay. Ich werde kurz in meinem Zimmer sein.“
Die beiden trennten sich. Sora ging in eine Richtung, Maron mit Zen in die andere.
Auf dem Weg zu ihrem Wohnheim ging sie an unzählige Stände, die vorbereitet wurden, vorbei. Sie erreichten das stillgelegte Gebäude, das zu ihrem Wohnheim geworden war und ein Mitarbeiter öffnete die Tür, um sie reinzulassen. Ein lauter Lärm über ihren Köpfen ließ sie zusammenzucken.
„Was ist hier los?“, fragte Maron, als sie eintrat und das Chaos vor sich sah.
Das Personal rannte durch die gesamte Eingangshalle und schrien einander zu, um das Bohren über ihnen zu übertönen. Das Gebäude wirkte bei den ganzen Leuten und dem Lärm wie eine Baustelle.
„Da sind Sie ja, Miss Kusakabe.“ Maron drehte sich um, als Hanzou die Treppe herunterkam. „Ich hoffe, Sie hatten angenehme Ferien.“
„Was ist hier los?“, fragte sie erneut. „Was machen Sie mit meinem Wohnheim?“
Hanzou streckte seinen Arm aus, deutete nach draußen, um reden zu können. Weg vom Lärm.
„Was ist los, Hanzou?“, fragte sie zum dritten Mal.
„Es gibt ein paar Änderungen, Maron. Leider wurde ich erst heute Morgen darüber informiert.“
„Was für Veränderungen?“
„Die Knights sind vor zwei Stunden zum Direktor gegangen und haben neue Regeln aufgestellt.“
Maron versteifte sich.
„Sieben Schüler wurden vom Wohnheim der Drittjahrgänger entfernt und hierhin platziert. Mir wurde eine Liste gegeben.“
Hanzou gab sie ihr, aber sie brauchte sie nicht zu lesen, um zu wissen, was darinstand.
„Zumindest muss sich niemand um Feuerbälle aus Klebeband Sorgen machen“, entgegnete Maron trocken.
Er schüttelte seinen Kopf. „So etwas wird unter meiner Aufsicht nicht wieder passieren. Dies wird nun ein gemischtes Gebäude sein, also werden alle Kameras -drinnen als auch draußen- aktiviert.“
Maron nickte verstehend. „Tun Sie, was Sie tun müssen.“
Er nickte und ging dann wieder hinein. Nach einer Minute ging sie mit Zen auch rein.
„Die Dinge werden immer komplizierter, Baby.“
Zen nickte eifrig, als wüsste er genau, wovon sie spreche.
Maron nahm ihn mit in den dritten Stock und bedankte sich bei den Mitarbeitern, die ihre Sachen einräumten. Als sie weg waren, setzte Maron ihren Bruder auf das Bett ab und trat zurück.
„Okay, Zeni. Willst du Big Sis dabei helfen ihre Vorstellungsrede vorzubereiten?“
„Ja!“
Sie räusperte sich. „Hallo, mein Name ist Maron Kusakabe. Ich-“
„Ich will doch hoffen, dass er deinen Namen weiß.“
Maron fuhr herum, sah, wie ihre Tür aufschwang und Chiaki in ihr Zimmer reinkam. Er trug einen schwarzen Anzug im sportlichen Stil und sie musste sich zusammenreißen, um ihn nicht wie eine gaffende Idiotin anzustarren.
„Chiki!“, quietschte Zen erfreut. Der kleine Junge rutschte mit einem sanften Plumps vom Bett runter, schoss an ihr vorbei und packte Chiaki’s Beine.
Der Ältere gluckste und raufte Zen die Haare. „Hey, kleiner Mann. Hast du mich vermisst?“
„Ja!“
„Hat Mara mich vermisst?“
„Ja! Mara hat dich sehr vermisst.“
Jetzt war Maron sich sicher, dass ihre Wangen tomatenrot waren. „Zen! Das war vertraulich!“
Zen kicherte, als Chiaki ihn in seine Arme hochnahm und sie mit hochgezogener Augenbraue ansah. „Oh? War das ein Geheimnis?“
„Ja.“ Sie schloss die Distanz zwischen ihnen, hatte ein Lächeln auf ihren Lippen. „Ich kann dich nicht denken lassen, dass ich mich nach dir sehnte, nachdem ich dich zwei Wochen nicht mehr gesehen habe. Wie waren deine restlichen Ferien?“
Chiaki krauste seine Stirn. Ihr Blick fiel dabei auf die schwache Narbe über seiner Augenbraue, die seine sonst makellosen Züge jetzt entstellte.
„Da ich jetzt achtzehn bin, kamen Kaiki’s Partner zu mir nach Hause und gaben nicht-subtile Andeutungen über meine Pläne für das Unternehmen. Ich war in den letzten paar Wochen in inoffiziellen Treffen mit ihnen. Mom hatte jemanden ernannt, der einsprang, nachdem er...verschwand, aber die Abmachung sollte nur vorübergehend sein.“
„Was sind deine Pläne?“
Er schüttelte den Kopf. „Ich will nichts mit seinem Unternehmen zu tun haben. Er wollte sowieso nie, dass sie mir gehört.“
Ihre Blicke fielen kurz auf Zen und Maron erschauderte etwas.
„Aber es geht dabei nicht nur um mich“, sprach Chiaki weiter. „Es arbeiten über hunderttausend Mitarbeiter für Nagoya Industries. Ich schulde ihnen etwas, obwohl ich diesem Mann nichts schulde. Ganz zu schweigen von Mom. Ich muss sicherstellen, dass um sie immer gesorgt wird.“
Maron konnte sich das Lächeln nicht verkneifen. Sie schaute Chiaki an, während die kribbelnde Wärme sich in ihr ausbreitete. „Du bist ein guter Mann, Chiaki Nagoya. Wer hätte das gedacht?“
Er lächelte schief. „Sag das niemandem. Der Ruf, den ich mir als kalter, gewalttätiger Psychopath aufgebaut habe, könnte uns durch dieses Jahr bringen.“
Diese Worte waren wie ein Eimer kaltes Wasser für sie.
Ihr Blick fiel wieder auf seine neue Narbe. „Chiaki, ich will nicht, dass du diesen Ruf hast“, sagte Maron zerknirscht. „Die Dinge werden nicht wie letztes Jahr sein.“
„Sie werden nicht aufhören, und ich lasse nicht zu, dass sich jemand mit dir anlegt“, warf er direkt ein.
Maron hob ihre Hand und legte ihre Finger auf seine Schläfe. Sanft strich sie über seine Narbe. „Es tut mir so leid. Ich wollte nie-“
„Stopp.“ Seine freie Hand nahm die ihre. Ihre verbundenen Hände fielen ihnen zur Seite. „Du hast nichts falsch gemacht. Hör auf dich zu entschuldigen.“
Maron konnte nicht anders, als dass ihr alles leidtat.
Nach dem schrecklichen Morgen, als die Knights herausfanden, dass sie markiert waren, fing alles wieder an. Eine weitere Karte wurde in ihr Schließfach gelegt und diesmal wurde nicht darüber gesprochen, dass sie ein Fake war.
Ihre Mitschüler waren genauso skrupellos wie beim ersten Mal. Und als ein Kerl versuchte Maron in der Bibliothek zu bedrängen, schlug Chiaki ihn so hart, dass dessen Kiefer brach. Die beiden gerieten in einen furchtbaren Kampf, während Maron schrie, dass sie aufhören sollten. Sie bekam sie auch nicht auseinander. Nicht einmal, als Chiaki’s Kopf gegen die Regale geschlagen wurde und Blut über sein Gesicht floss. Fast ein Dutzend Leute waren notwendig, um den Streit aufzulösen. Beide Jungs landeten an dem Tag beim Schularzt. Kurze Zeit später wurde Natsuki mit dem Farbmittel in ihrem Schließfach angegriffen.
„Ihr seid alle wegen mir in diesem Schlamassel“, sagte Maron, senkte schuldbewusst ihren Blick.
„Wir sind in diesem Schlamassel, weil Ace ein Psycho ist“, widersprach Chiaki ihr. „Flippt aus, weil die Knights ihm nicht gehorchten. Er tat es, um uns zu bestrafen und der Schule zu zeigen, wer wirklich das Sagen hat.“
„Die Spades“, murmelte sie leise.
Er nickte.
Der Atem entwich ihr, zusammen mit all den Kräften in ihr. Erschöpft fiel Maron nach vorne und lehnte ihren Kopf an seine Brust an.
„Wie werden wir jemals herausfinden, wer es ist? Oder ob es mehr von den Spades gibt? Wir dachten, es wäre vorbei mit Sayuri. Der gesamte Jahrgang könnte zu den Spades gehören.“
„Wir werden es herausfinden“, sprach Chiaki ruhig auf sie ein. Eine warme Hand legte sich auf ihrem Kopf. Maron spürte sofort, die beruhigende Wirkung, die seine Berührung auf sie hatte. „Vergiss nicht, dass wir die Liste an Ace-Verdächtige haben. Irgendwie wird sich alles zusammenfügen. Wir werden herausfinden, wer diese Leute sind.“
„Ace wird den Tag bereuen, in der er mir die erste Nachricht geschickt hat. Dafür sorge ich.“
„Ich weiß.“ Chiaki kicherte. „Wenn du dir Rache in den Kopf gesetzt hast, bist du nicht aufzuhalten. Stellt sich heraus, dass es unglaublich attraktiv ist, wenn es nicht an mich gerichtet ist.“
Das brachte die Wärme in ihrer Brust wieder zurück und ließ ihr Herz wild aufklopfen. Was soll sie mit diesem Typen nur machen? Die ganze Zeit hielt er sie auf Armlänge Abstand, fängt aber im nächsten Moment an, solche Sachen zu sagen.
Chiaki strich über ihre kurzen Strähnen, bis sie ihren Kopf hob. Ihre Augen trafen sich und sie konnte diesen Funken an Elektrizität zwischen ihnen spüren.
Ihre Lippen waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt sein. Es wäre ein Leichtes für Maron sich auf Zehenspitzen zu stellen und diese Distanz zu überwinden.
Was sie auch tat-
„Wir sollten das nicht tun“, wisperte er, stoppte sie, obwohl sie nur eine Haaresbreite voneinander entfernt waren.
„Warum nicht?“
Chiaki drehte seinen Kopf zur Seite. Maron folgte seinen Blick und ihre Augen fielen auf Zen. Das Kleinkind sah beide argwöhnisch an.
„Darum“, flüsterte Chiaki. Mit einer lauteren Stimme sagte er: „Zen, Mara ist mein.“
Für eine Sekunde, konnte Maron die Schmetterlinge in ihrem Bauch nicht stoppen, bis-
„Nein! Meine Mara!“ Zen schmollte und funkelte Chiaki an. Dabei war er vorhin noch erfreut gewesen, ihn zu sehen.
„Siehst du?“, lachte Chiaki. „Mach das besser nicht vor seinen Augen. Ich will nicht wieder von einem Kleinkind verprügelt werden.“
Seufzend nahm Maron ihm das Baby ab.
Die ganzen Ferien tat Chiaki das. Er kam nach Momokuri zu Besuch, war für die ersten beiden Wochen fast jeden Tag da. Führte sie und Zen tagsüber aus, und beendete den Abend damit, dass sie nicht weiter gehen konnten.
„Was wirst du denn tun, wenn du Zen nicht mehr als Ausrede nutzen kannst?“, fragte Maron, zog ihre Braue hoch.
Chiaki sah auf sie herab, mit dem perfekten Lächeln auf den Lippen. „Ich schätze mal, dass ich dich wohl küssen muss.“
Sprachlos blinzelte sie ihn an. Hatte das nicht erwartet.
Sie hatte keine Gelegenheit zu antworten, als eine Stimme unten zu vernehmen war.
„Wo ist mein Willkommenskomitee?“, rief Shinji.
Maron und Chiaki traten aus dem Zimmer raus und sahen nach unten. Shinji stand in der Eingangshalle, winkte zu ihnen hoch.
„Könnt ihr das glauben? Wir werden alle zusammenleben. Das letzte Jahr wird Hammer!“
„Das ist kein Geschenk, Shinji“, erinnerte Chiaki ihn, rollte mit den Augen. „Die Knights haben uns hierher versetzt. Außerdem sind hier Kameras angebracht, um dich von dem abzuhalten, was auch immer du fantasierst.“
Shinji zuckte mit den Schultern.
„Wir sollten uns für den Tag der offenen Tür fertig machen“, sagte Maron, als sie auf die Uhr schaute.
„Ich gehe nicht. Ich werde für Hungerlohn als Praktikant bei meinem Vater anfangen und hoffentlich vergibt er mir bis dahin, damit ich irgendwann die Plattenfirma übernehmen kann“, sagte Shinji.
Sie sah zu Chiaki. „Was ist mit dir? Du hast mir deine Pläne immer noch nicht gesagt.“
„Ich werde auf die Uni in der Nähe gehen.“ Chiaki schaute nach vorne, erwiderte ihren Blick nicht. „Ich kann Mom nicht allein lassen.“
Maron’s Augen weiteten sich. „Aber...es gibt nur eine gute Uni in der Nähe von deiner Mom.“
„Das ist richtig.“ Der Hauch eines Lächelns war auf seinen Lippen zu sehen. „Die Ribbon-Uni ist meine erste Wahl.“
Ehe Maron sich eine Antwort überlegen konnte, tauchte Hanzou plötzlich auf. Natsuki, Yamato, Kagura, Noyn und Kimi kamen ebenfalls die Treppe herunter. Alle sahen für den Anlass heute perfekt aus, auch wenn sie düstere Gesichtsausdrücke trugen.
Natsuki stellte sich zwischen Shinji und Maron, nahm ihr Zen ab.
„Da alle jetzt hier sind, würde ich Ihnen die Regeln für das neue Drittjahrgänger-Wohnheim erklären“, fing Hanzou an. „Es tut mir leid, dass ich nichts tun kann, um Ihre Situation zu ändern, aber Ihre Sicherheit ist mir nicht weniger wichtig. Kameras decken jeden Zentimeter innen und außen ab, die Fenster sind bruchsicher, das Gebäude hat Feuermelder auf jeder Etage.“ Er sah jeden Einzelnen von ihnen an. „Mir wurde ein weiteres Sicherheitsrisiko in Bezug auf den Hof bewusst gemacht. Ich habe auch vor, dort eine Kamera installieren zu lassen.“
Maron wusste, wovon er sprach. Die Jungs hatten Hanzou über den Mordversuch mit dem Topf aufmerksam gemacht. Wenn es um die Sicherheit aller ging, war dies ein Geheimnis, was ans Licht gebracht werden musste.
„Die Regeln sind dieselben, wie in den Hauptwohnheimen. Keine Zimmerbesuche des anderen Geschlechtes. Ausgangssperre ist um elf. Meine Mitarbeiter haben das Recht einzutreten, wenn sie Gründe dafür sehen. Irgendwelche Fragen?“
Ein paar Leute schüttelten den Kopf, ansonsten rührte sich niemand.
„In Ordnung. Sie haben heute einen großen Tag, also gehen Sie. Alles wird für Sie fertig sein, wenn Sie ins Wohnheim zurückkehren.“
Die meisten nickten und begaben sich nach draußen.

Natsuki hatte Zen Maron wieder übergeben, ehe sie sich trennten.
„Mara.“ Sie sah auf den Kleinen herab. „Hab Hunger.“
„Lass uns Sora und was zu essen suchen“, sagte sie mit einem sanften Lächeln.
Es dauerte nicht lange, bis sie ihre Tante bei den Getränken fand. Und mit dem Rektor sprach.
Maron erhöhte ihr Tempo.
„Tante?“
„Hey, Kleines.“ Sora hielt ihr ihren Teller entgegen. „Hast du schon diese Minisandwiches probiert? Sie sind super. Ich habe auch ein paar Kekse für Zen.“
Der kleine Junge nahm sich direkt welche.
Rektor Tanemura sah auf ihn herab. „Das ist also der junge Zen. Ein hübscher Junge.“
„Ja“, sagte Sora. „So ein kleiner Junge braucht jede seiner Bezugspersonen. Wie ich vorhin schon einmal sagte - ich möchte, dass Sie es sich mit der ‚nur-drei-Wochenendpässe-pro-Semester‘-Regel nochmal überlegen.“
Maron sah ihre Tante mit großen Augen an.
„Ich weiß zu schätzen, dass Sie Ihre Nichte sehen möchten, aber es ist zwingend notwendig, dass sich die Tanemura-Schüler aufs Lernen konzentrieren. Sie können sich keine Ablenkungen leisten.“
„Unterstellen Sie mir, dass ich meine Nichte ablenke?“
„Nein, natürlich nicht. Das habe ich nicht gesagt!“
Sora verschränkte ihre Arme. „Wie wäre es mit einem Kompromiss? Ihnen ist das Lernen wichtig, dann bedenken Sie folgendes: wenn ihre Schüler gute Noten schreiben, dann dürfen sie an den Wochenenden so wie vorher nach Hause kommen. Wenn die Noten sich verschlechtern, dann nehmen Sie ihnen dieses Privileg weg. Das hört sich doch fair an.“
„Ich treffe Entscheidungen im besten Interesse dieser Schule und ihrer Schüler. Wenn Sie eine Beschwerde haben, Miss Kusakabe, können Sie zur entsprechenden Abteilung gehen.“
„Meinen Sie damit, ich muss zehn oder zwanzig Millionen spenden, damit Sie Ihre Ohren aufmachen?“
Oh-oh. Maron konnte schon die Sirenen hören.
Rektor Tanemura’s Augen wurden riesig. „Ich-Ich muss doch sehr bitten!“
„Sie müssen nicht auf mich hören“, sprach Sora unbeirrt weiter, „Aber Sie sollten wissen, dass Ms. Nagoya und ich uns da einig sind. Sie will heute selbst mit Ihnen darüber sprechen, dass Chiaki nach Hause kommen kann, um sie zu sehen. Wenn Sie ihm mehr Besuche gewähren, dann erwarte ich, dass Sie dasselbe für Maron tun. Ihre Familie braucht sie auch.“
„Midori kommt?“, platzte es aus Maron heraus.
„Die Kinder sind achtzehn“, fuhr Sora fort. „Sie können sie nicht gefangen halten.“
„Gefangen? Das ist eine ziemliche Übertreibung.“
Sora’s Augen verengten sich. Sie ging auf den Mann zu und er bekam für einen Moment einen alarmierenden Gesichtsausdruck. „Ich will, dass diese Regel aufgehoben wird, Tanemura. Ich werde tun, was nötig ist, um es geschehen zu lassen.“
Maron sah mit großen Augen zwischen beiden Erwachsenen hin und her, während Zen seine Kekse ungestört aß.
Es vergingen ein paar Sekunden, bis Rektor Tanemura sich in voller Größe aufstellte. „Ich werde Ihre Vorschläge in Betracht ziehen. Einen schönen Tag, Miss Kusakabe.“
„Tsk“, entkam es ihr, nachdem er wegging. „Ich mochte diesen Mann nie.“
„Es wäre besser, wenn ich durch das letzte Jahr komme, ohne dass seine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt wird“, erwiderte Maron schnaubend. „Wann hast du mit Midori geredet?“
„Sie und ich hatten in letzter Zeit eine Menge zu bereden.“ Sora blickte sich um. „Grundsätzlich ging es darum, dass ihre finanzielle Unterstützung nach diesem Schuljahr aufhören soll. Ich werde dir zukünftig die Studiengebühren bezahlen.“
„Aber, Sora-“
„Kein ‚aber‘. Ich bin deine Erziehungsberechtigte. Es ist meine Pflicht, dich und Zen bei allem zu unterstützen. Ich habe einen festen Job und deine Mutter hatte auch Ersparnisse.“
„Mom...“ Maron ließ ihre Worte sacken. „Sora. Du weißt, dass die Ribbon-Uni eine der teuersten Hochschulen des Landes ist.“
„Ich weiß“, seufzte Sora. „Ich werde das hinbekommen. Ich kann dich nicht dazu bringen, aber ich möchte, dass du Midori das Geld zurückgibst. Sie hat dir in den drei Jahren die Schulgebühren bezahlt, aber ich habe mit ihr ausgemacht, dass kein Geld mehr kommen soll.“
Maron nickte. „Okay. Ich werde ihr das Geld zurückgeben.“
„Wirst du?“, entkam es Sora leicht überrascht.
„Ja.“ Ihre Augen schweiften über den Schulhof und sie sah, wie Chiaki mit Kagura’s Vater sprach. „Ich habe über die Art von Beziehung nachgedacht, die ich mit Midori haben möchte und... ihrem Sohn. Ich will dieses Jahr auf vielerweise neustarten. Das Geld zurückzugeben ist der beste Weg.“
Ihre Tante lächelte stolz und sie umarmten sich innig, bis Zen sich beschwerte.
„Ora“, nörgelte er.
„Sorry, Kleiner“, schniefte Sora lachend und nahm ihn in ihre Arme. „Komm. Lass uns dir was zu essen suchen.“
Maron schaute sich um, als ihre Tante mit Zen wegging. Der Schulhof war jetzt voller Menschen. Schüler standen mit ihren Eltern vor diversen Ständen und versuchten sich von der besten Seite zu zeigen. Anderes als ihre reichen Mitschüler konnte Maron nicht mit außerordentlichen Stories oder Ausnahmetalenten punkten. Sie würde die Leute mit ihrer Persönlichkeit gewinnen müssen.
Es gab viele ausländische Unternehmen und Unis, die vertreten wurden. Maron ging an allen vorbei, suchte nach dem Stand der Ribbon-Universität.
Ah...dort, ging es ihr durch den Kopf, als sie den Stand beim Springbrunnen entdeckte.
Es war einfach hergerichtet. Ein simpler Stand, bestehend aus einem Tisch mit glänzenden Broschüren und der Uni-Fahne drüber geklebt. Zwei Stühle waren vor den Tisch gestellt und Kisten in einem Zelt dahinter gestapelt.
Maron stellte ihr Essen ab und griff nach einer der Broschüren. Die Ribbon-Uni war nicht nur perfekt für sie wegen der Lage. Es bot auch eines der besten Psychologie-Studiengänge im Land an.
„Ah. Eifrig.“
Maron hob ihren Kopf und sah eine Frau, die hinter dem Stapel Kisten stand.
„Ich mag die Eifrigen. Es zeigt, dass sie es wollen.“
Die Frau schob ihre Brille die Nase hoch und sah sie lächelnd an. Maron konnte sehen, dass sie ein Namensschild trug, auf dem Katsumi Yasuda stand.
„Da du hier bist - könntest du mir helfen, den Stand fertig aufzustellen? Mein Kollege verspätet sich und ich habe noch mehr Kataloge in diesen Kisten, sowie Notizblöcke und Stifte in den anderen.“
„Okay.“ Maron ging dorthin, wo sie zeigte. „Sind Sie sich sicher, dass sie genug haben? Die Ribbon ist bei fast allen meiner Klassenkameraden in aller Munde.“
Katsumi lachte. „Die Ribbon-Universität ist stolz darauf, jedes Jahr die höchste Anzahl an Tanemura-Bewerbern zu haben. Ich nehme an, du willst eine von ihnen sein.“
„Richtig.“ Maron reichte ihr die Hand. „Maron Kusakabe. Gewöhnen Sie sich an dieses Gesicht, denn Sie werden es nächstes Jahr oft auf dem Campus sehen.“
Sie lachte wieder. „Ich mag auch die selbstsicheren. Also, sag mir, warum du gut zur Ribbon passen würdest.“
Maron nahm einen ruhigen Atemzug. Das war die perfekte Chance, während sie mit ihr allein war. „Die Ribbon-Universität ist meine erste Wahl, weil...“
Sie hatten ein tolles Gespräch. Katsumi erzählte ihr alles über die Kurse, die sie interessieren würde und Maron schaffte es, sie noch ein paar Mal zum Lachen zu bringen.
„Ich denke, du wirst eine großartige Ergänzung für die Ribbon sein, Maron. Wir könnten immer intelligente, ehrgeizige junge Frauen gebrauchen.“
Ein riesiges Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Danke. Ich habe mein Bewerbungsschreiben schon angefangen.“
„Ich freue mich darauf, es bald lesen zu können.“
Maron bedankte sich bei Katsumi für das Gespräch und verabschiedete sich bei ihr. Kaum war sie ein paar Schritte weggegangen, sah sie Yashiro im Augenwinkel auf den Stand zukommen. „Hallo, mein Name ist Yashiro Sazanka...“
***

Maron lief über den Schulhof, suchte nach ihrer Tante und ihrem Bruder. Es gab nichts mehr, was sie tun konnte, nachdem sie Katsumi von sich überzeugen konnte.
Es war interessant, die Eltern ihrer Klassenkameraden zu sehen. Geschäftsleute, Prominente, Musiker, Produzenten, Modells...So viele talentierte und berühmte Menschen, die diese Albträume auf die Welt gebracht haben.
Nach ein paar Runden ging sie etwas zu Essen holen. Dabei begegnete sie ein paar vertraute, blaue Augen und blieb abrupt stehen.
Midori tätschelte Rektor Tanemura’s Arm. „Danke, Himuro. Wir treffen uns in einer halben Stunde in deinem Büro.“
Rektor Tanemura sah aus, als wollte er etwas sagen, aber Midori ging, bevor er die Chance dazu hatte. Ihr Bodyguard war ihr auf den Fersen und blockierte den Rektor von Maron’s Blickfeld.
„Hallo, Maron.“ Midori lächelte ein schönes, warmes, echtes Lächeln. „Wirst du mit mir spazieren gehen?“
„Natürlich.“ Maron gestikulierte zum Essenstisch. „Ich wollte gerade etwas essen. Willst du etwas?“ Nach all den Jahren konnte sie die Formalitäten womöglich ablegen.
„Nein, danke.“
Sie akzeptierte dies, ohne einen weiteren Kommentar.
Maron war nicht oft in ihrer Gesellschaft, aber wenn sie es war, dann fiel ihr durchaus auf, dass Midori nicht viel aß. Genauso fielen ihr die teuren Kleider auf, die locker an ihrem dünnen Körper hingen, und diese Tristheit in ihrem schönen Gesicht. Midori sah aus, als könnte sie eine Brise entzwei teilen und gleichzeitig trug sie eine erstaunliche Stärke mit sich.
Zügig befüllte Maron ihren Teller mit Essen und wandte sich schließlich Midori wieder zu. Die Frau hielt ihr einen Ellenbogen hin, den sie nahm.
Kenji, Midori’s allgegenwärtiger Schatten, fiel etwas zurück, ohne dass man ihn darum bat. Maron schaute zu ihm rüber, während sie in die entgegengesetzte Richtung der Menge liefen.
„Midori, ist es okay, wenn ich dich frage, warum du mit einem Bodyguard reist?“
„Mein Mann machte sich auf dem Weg an die Spitze der Unternehmensleitung viele Feinde. Sie denken, dass sein Verschwinden die Nagoyas verwundbar gemacht hat. Es gab Anschläge auf mein Leben.“
„Was?“ Schreckliche Gedanken überschwemmten ihren Verstand. „Ist Chiaki sicher?“
„Wenn er zu Hause oder hier in der Akademie ist“, antwortete Midori ihr. „Manchmal stelle ich ein Sicherheitsteam ein, um ihn ohne sein Wissen zu verfolgen.“
Maron starrte sie an. Dass Midori ihr vertraute, war etwas, das sie seit Jahren wusste, aber es war immer noch seltsam, wie leicht sie ihr die Wahrheit sagte.
„Kenji ist mein enger Freund, seit ich hier zur Schule ging“, fuhr Midori fort. „Es gibt niemanden, dem ich mehr vertraue.“
Maron blickte zurück zu dem stoischen Mann, dessen harten Züge hinter der verspiegelten Sonnenbrille versteckt waren. Midori sagte, sie seien Freunde, aber Maron hatte noch nie erlebt, wie sie eine vollständige Konversation miteinander hatten.
„Wie geht es dir, Liebes?“
„Mir geht es gut“, antwortete Maron, wandte sich ihr wieder zu. „Ich freue mich auf mein letztes Jahr an der Akademie. Apropos, ich weiß, dass du und meine Tante geredet habt.“
„Vergib mir, dass ich es dir nicht gesagt habe.“ Midori tätschelte ihre Hand. „Aber es hatte sich für mich nicht richtig angefühlt, gegen die Wünsche deiner Tante zu handeln.“
„Nein, ist schon okay. Und sie hat recht. Es ist Zeit, dass wir auf eigenen Beinen stehen.“ Maron stoppte, um ihr gegenüberzustehen.
„Ich werde das Geld auf meinem Konto dir zurückgeben und wenn es okay ist, möchte ich ein anderes Verhältnis zu dir haben. Ich möchte, dass wir miteinander reden, und vielleicht kann ich zu Besuch kommen, wenn du das möchtest. Wir können uns zusammensetzen, du, ich und-...“ Zweifel überkam sie. „A-Aber wenn du das nicht willst-“
„Es wäre mir eine große Freude.“ Midori hatte immer noch ihre Hand in ihrer, und Maron spürte, wie sich ihre Anspannung sich löste, als sie ihre Finger drückte.
Sie spazierten noch eine Weile durch das Schulgelände, bis es in Kenji’s Tasche klingelte. Er legte das Handy in Midori’s Hand und sie war einen kurzen Blick drauf.
„Es ist Zeit für mein Treffen mit dem Direktor. Wenn es gut läuft, solltest du dieses Jahr keine Probleme haben, mich besuchen zu kommen. Auf Wiedersehen, Maron.“
Maron hatte das Gefühl, dass es gut laufen würde. Midori hatte ihr den späten Einlass in die Schule gesichert, sowie einen persönlichen Bodyguard.
Sie wurde wieder daran erinnert, dass diese Frau nicht so gebrechlich war, wie sie aussah.

Maron lief zurück nach vorne, nachdem Midori mit ihrem Bodyguard weg war.
Sie konnte sehen, dass der heutige Tag zu einem Abschluss kam. Die Stände wurden langsam abgebaut und einige Schüler gingen mit den Vertretern zu deren Autos, um einen letzten Versuch zu unternehmen, einen guten Eindruck zu machen. Der Tag der offenen Tür war vorbei.
„Ich sah dich beim Ribbon-Stand, Kusakabe.“
Jeder Muskel in ihrem Körper versteifte sich.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass du eine Chance hast reinzukommen, oder? Sie akzeptieren keine billigen Schlampen.“
„Dann schätze ich, dass du auch keine Chance hast“, schoss Maron zurück. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass sie alle hinter ihr waren.
Die neuen Knights.
„Tsk. Du hast auch nie gelernt, wann du mal den Mund halten sollst.“
Sie hörte Schritte und im nächsten Moment standen sie vor ihr.
Yashiro, Misa, Karen und Hijiri lächelten sie selbstgefällig an.
Als Beweis dafür, dass Ace sie abgrundtief hasste, wurden die vier Leute dazu erkoren diese Schule zu leiten, die sie am meisten verabscheuten.
Karen warf ihren Kopf zurück. „Du solltest etwas Respekt haben, Maron. Du wirst nicht lange an dieser Schule bleiben, aber während deines kurzen Aufenthalts wirst du sehen, dass wir hier eine Menge Änderungen vornehmen. Wenn du so weitermachst, wird es nur noch schlimmer für dich.“
Maron verdrehte ihre Augen. „Ständig habe ich euch vier, wie gestörte Stalker, vor meiner Fresse. Viel schlimmer kann es nicht werden.“
Hijiri’s Lachen ließ ihr Rückgrat erschauern. „Yashiro hat recht mit dir und dass du deinen Mund halten sollst. Aber...“
Er ging auf sie zu und legte seinen Arm um ihre Schulter. Ihr Magen drehte sich vor Ekel.
Hijiri war seit seiner Ernennung zum Knight noch aufdringlicher geworden. Als Ergebnis dafür, landete er mit Chiaki im Krankenzimmer.
Chiaki hätte ihn am besten direkt ins Krankenhaus schicken sollen...
„Wenn du mein Angebot annimmst und deinen Mund zur besseren Nutzung anbietest, kann ich dir das Leben viel leichter machen und vielleicht sogar das Markierung wieder aufheben.“
„Du hast nicht die Macht dazu, Hijiri. Selbst wenn, du bist verfickt nochmal abscheulich, mir sowas anzudrehen im Austausch für Sex.“ Maron hatte ihn abgeschüttelt. „Außerdem - als du das letzte Mal sowas abgezogen hast, bist du in den Nachrichten gelandet und Mommy hat dir den Arsch aufgerissen. Willst du wirklich wieder in den Medien trenden?“
Seine Augenbrauen zuckten zusammen. „Was? Was meinst du-...Nimmst du mich wieder auf?!“ Hijiri packte sie grob an.
„Geh weg von mir!“, schrie Maron. Sie holte aus, um ihn eine zu scheuern, als sie eine kleine Gestalt bemerkte.
„Lass Mara in Ruhe!“
Mit großen Augen sah Maron, wie Zen seine Faust hob und auf das einschlug, was in seiner Reichweite war.
„Argh!!“ Krümmend hielt Hijiri sich den Schritt. „Was zum Teufel!? Wo kommt das Kind her?!“ Er nahm Zen’s Handgelenk.
„Fass ihn nicht an!!“ Maron riss ihren Bruder von Hjiri los und zog ihn schützend zu sich.
Hijiri stolperte zurück und fiel zu Boden. „Du verfi-“
„Stopp.“ Yashiro stoppte ihn mit einem Arm. „Nicht vor dem Kind.“
„Aber-“
„Das reicht. Gehen wir.“ Sie kehrte Maron den Rücken zu. Ihre Freundinnen folgten ihr. Sichtlich verwirrt sah Hijiri ihnen hinterher, rappelte sich auf die Beine und verschwand.
„Tut mir leid, Maron”, kam Sora auf sie zu, „Er ist mir entwischt. Ist alles in Ordnung? Ich denke, das ist genug Aufregung für einen Tag. Wir sollten nach Hause fahren.“
„Ja, das wäre gut.“
Sie verabschiedete sich von Zen mit ein Dutzend Küsschen und umarmte Sora fest.
Maron winkte so lange, bis das Auto nicht mehr zu sehen war.
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