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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
05.03.2021 5.562
 
TWENTY-FIVE

[Sechs Monate zuvor]

„Fuck!“
Chiaki fluchte. Mit kalter Wut im Bauch strich er sich über die Haare und den schwarzen Anzug und kehrte zum Ball zurück.
Er hatte dieses Biest. Er hatte seine Chance gehabt, sie für immer und ewig loszuwerden – und ausgerechnet Maron musste ihm alles ruinieren. Ausgerechnet sie!
Es war zu dunkel, um sie zu sehen, aber er würde ihre Stimme überall erkennen. Was hatte sie im Wald zu suchen?!
Gerade stand Chiaki vor der Bowle, als er Maron schwer atmend am Eingang der Turnhalle erblickte. Völlig aufgelöst, das Augen-Make-Up leicht verschmiert und die verführerisch roten Wangen stark hervorstechend. Das schöne, teure Kleid, welches perfekt zu ihrem Hautton passte, war ruiniert.
Ihre Blicke trafen sich. Sein Herz klopfte stärker bei ihrem Anblick. Seine Finger verkrampften sich um sein Glas.
Ein Blick in ihre braunen Augen ließ eine Vielzahl von Emotionen in ihm hochkommen. Darunter weit vorrangig: Hass.
Ein Hass, so intensiv, dass sie seine Gedankenwelt komplett einnahm. Dass er dann an nichts anderes denken konnte als an sie. Was ihn noch mehr irritierte und aufbrachte.
Sie! Immer sie! Sie ruinierte ihm wirklich immer alles!
Nicht nur hatte sie seinen Plan vereitelt - höchstwahrscheinlich hatte sie alles im Wald vorhin gehört. Je nachdem wieviel Maron gehört hatte, musste er sich darum kümmern.
Das zahle ich dir noch heim, Kusakabe, dachte Chiaki sich, als er den Blickkontakt abbrach und sich wegdrehte.

Schlecht gelaunt lief Chiaki mit seinen Freunden am nächsten Morgen zum Hauptgebäude. Diese ignorierten gekonnt seine Laune, sprachen über den Maskenball und anscheinend hatte Yamato Maron gestern geküsst. Chiaki warf ihm einen sichtlich irritierten Seitenblick zu, war fast darauf bedacht eine abfällige Bemerkung zu machen. Die Erwähnung ihres Namens ließ ihn an seinen gestrigen Rückschlag zurückdenken, was seine miese Stimmung in keinerlei Weise besserte.
„Ach du scheiße“, kam es plötzlich von Shinji, der stoppte und mit großen Augen und offenem Mund auf sein Handy starrte.
Die anderen waren ebenfalls stehen geblieben. „Was gibt’s?“, fragte Yamato.
Shinji brauchte einen minimalen Moment, um zu antworten. Sein Gesicht hatte ein wenig an Farbe verloren. „Schaut euch den Gruppenchat an.“
Genervt holte Chiaki sein Handy raus. Dieser Chat war einfach nur nervig und bescheuert. Wenn nichts Gescheites darin kam-
Seine Augen weiteten sich, als er das Bild von Maron mit der Joker-Karte sah. Sekunden vergingen, in der er verblüfft und sichtlich überrascht auf das Bild starrte.
Eine Joker-Karte. In ihrem Spind... Sie war markiert. Aber wie-
Fuck, ging es ihm als Erstes durch den Kopf, als ihn die schockierende Erkenntnis traf.
Sayuri Mikami war ein Spade. Ausgerechnet sie. Ausgerechnet dieses dreckige Miststück.
Es konnte kein Zufall sein, dass nach gestern Nacht ausgerechnet Maron markiert wird. Sayuri konnte sie nicht gesehen oder ihre Stimme erkannt haben, aber er hatte nach ihr gerufen. Dieses verfickte Weib! Das machte alles umso schwieriger…
Aber so abgefuckt es auch war, so tat sie ihm in gewisser Weise einen Gefallen.
Sein Blick ging von der Karte zu Maron und er konnte sich ein erfreutes, boshaftes Lächeln kaum verkneifen. Er hatte Maron versprochen, dass er es ihr für gestern Nacht heimzahlen würde. Dieses Versprechen würde er definitiv einlösen.
Nicht nur das. Er konnte sie für alles heimzahlen lassen und niemand würde etwas dagegen tun.
Mit einem Mal wandelte sich seine schlechte Laune um und er konnte es kaum erwarten Maron zu sehen.
***

***

Maron saß mit Chiaki auf dem Boden.
Für zwanzig Minuten bewegte sich keiner von ihnen. Oder sprach ein Wort.
Sie wusste nicht, wie es Chiaki gerade ging, aber sie war sich ziemlich sicher, dass sie sich fühlte, als wäre sie von einem Laster überfahren worden - zweimal.
Sayuri war die andere Person im Wald.
Sayuri ist ein Spade.
Die nette, freundliche Frau, die ihr Malunterricht gab und ihr von Takeru erzählte, hatte sie markiert... und sie hatte Chiaki wehgetan.
Dieses Mal war Maron es, die nach seiner Hand reichte. Chiaki krümmte seine Finger in ihre und zusammen verharrten sie für eine weitere lange Weile so, starrten die Wand vor ihnen an.
Plötzlich klopfte es. „Hey, Chiaki.“
Das Piepen vom Schloss ertönte -signalisierte das Reinkommen von demjenigen draußen- ehe einer von beiden daran denken konnte zu reagieren.
„Hier ist deine Rasier-…“ Yamato verstummte sofort, als er sie beide sah. Maron beobachtete, wie seine Augen auf ihre verbundenen Hände herunterflackerten. Sie spürte, wie die Hitze ihr die Wangen hochstieg - machte jedoch keine Anstalten loszulassen. Chiaki genauso wenig.
„Was geht hier vor?“, fragte Yamato argwöhnisch. „Was macht sie-“
„Hol Kagura“, sagte Chiaki.
„Aber-“
„Geh.“
Ohne weitere Widerrede, trat Yamato aus dem Zimmer. Mit Kagura und Shinji im Schlepptau, kehrte er zurück.
„Was ist los?“, fragte Shinji.
Chiaki blickte an ihn vorbei zu Kagura. „Sie weiß es.“
Kagura’s ernster Gesichtsausdruck sagte alles.
„Moment.“ Maron schaute von ihm, zu Chiaki und zurück. „Du weißt es auch? Was im Wald passiert ist?“
„Was wissen?“, fragte Yamato.
„Was ist im Wald passiert?“, kam es von Shinji.
„Aber die beiden wissen es nicht?“, fragte sie Chiaki ungläubig. „Moment mal! Ist das der Grund, weshalb du damals in der Nacht vom Maskenball draußen warst? Du standst Schmiere?“, fragte sie, wieder an Kagura gerichtet. „Und warst du nur in ihrem Kunstkurs, um zu spionieren?“
„Will uns jemand sagen, was los ist?“ Yamato klang jetzt angepisst.
„Sie weiß von Sayuri“, sagte Chiaki.
Shinji’s Augen weiteten sich. „Sie weiß was?! Wer zum Teufel hat dir gesagt, dass du ihr erzählen kannst-“
„Sie weiß, was sie mir angetan hat“, schnitt Chiaki ihm das Wort ab. „Maron sah mich im Wald, als ich versuchte Sayuri anzugreifen. Ich schrie über das, was sie getan hat und sie versprach, dass ich es würde bereuen, wenn ich jemandem davon erzähle. Dann hörten wir Maron. Sayuri konnte nicht wissen, wie viel sie gesehen oder gehört hatte, aber sie markierte Maron trotzdem, um sie loszuwerden.“
„Sayuri ist ein Spade?“, fragte Yamato, der blass um die Lippen wurde. „Und du wusstest das seit über einem halben Jahr und hast nichts gesagt?!“
„Was hätte es gebracht, es euch zu sagen?“
Sprachlos sah Maron, wie bei einem Pingpong-Match, zwischen Chiaki und den Jungs hin und her. Es war merkwürdig - da zu sitzen und Chiaki’s Hand zu halten, während die grausame Wahrheit ans Licht kam.
„Kagura wusste es“, sprach Chiaki weiter. „Und wir arbeiteten daran einen Weg zu finden, sie auszuschalten, ohne dass sie uns alle auch noch markiert.“
„Können Knights markiert werden?“, fragte Maron.
„Was laberst du da? Als Knights sind wir unantastbar“, sagte Yamato gleichzeitig an Chiaki gerichtet.
Shinji stieß einen wütenden Laut aus. „Deswegen wurden wir als Knights ausgewählt! Ich wusste es! Das konnte kein verfickter Zufall gewesen sein. Ich hab’s euch gesagt!“
„Du hattest Recht“, erwiderte Chiaki nur.
„Was ist der Plan? Wie kannst du uns nicht Teil davon sein lassen?“, fragte Yamato verärgert und teilweise vorwurfsvoll, zeigte auf sich und Shinji.
„Arbeiten noch dran“, gab Kagura zu, „Es ist schwer, wenn wir nett spielen müssen.“
„Dieses Drecksweib ist ein Spade“, knurrte Shinji. „Für wie lange? Welcher Psycho ließ das zu?“
„Jungs!!“ Maron’s laute Stimme brachte sie zum Verstummen. Vier Paar Augen richteten sich auf sie, als sie Chiaki’s Hand losließ und aufstand.
„Das reicht.“ Ihr Kopf drehte sich bei all den neuen Informationen und sie versuchte Sinn in ihnen zu finden. „Fassen wir zusammen: Chiaki hörte, wie Sayuri sagte, dass sie wieder mit Kindern arbeiten würde. Er lockte sie in den Wald, um sie zu konfrontieren und ich sah es. Sie markierte mich und gab Chiaki die Erkenntnis, dass sie ein Spade ist. Seitdem haben er und Kagura versucht, einen Weg zu finden, sie loszuwerden. Aber was ich nicht verstehe, ist: warum beließ sie es nur dabei, mich zu markieren, wenn sie wollte, dass ich verschwinde?“
„Beließ sie es nur dabei?“, kam es von Shinji düster. „Jemand schmiss einen Topf auf dich, M, und zündete ein Feuer in deinem Zimmer an.“
Der Satz ließ das Blut in ihren Adern gefrieren. „Sayuri versuchte mich umzubringen...“
„Sie konnte ihr Glück wahrscheinlich kaum fassen, als du in den Unterricht kamst, ohne zu wissen, wer sie war“, sagte Chiaki, der ebenfalls auf den Beinen war, „Aber das bedeutete nicht, dass sie wollte, dass du bleibst und es herausfindest. So funktionieren die Markierungen: sie schaffen die Probleme ab.“
„Ich gehe nirgendwo hin. Sie wird mich nicht aus der Akademie bekommen. Selbst mit Gewalt nicht.“ Maron blickte ihn und Kagura an. „Was ist euer Plan?“
Kagura sah zu Chiaki. „Was willst du tun?“
„Wir reden“, entschied Shinji. „Das werden wir tun.“
„Genau“, nickte Yamato, blickte seine Freunde immer noch vorwurfsvoll an. „Was habt ihr beiden noch vor uns geheim gehalten?“
Maron machte ein überraschtes Gesicht.
„Maron?“ Chiaki legte eine Hand auf ihre Schulter. „Du solltest gehen.“
„Aber-“
„Ich komme zu dir, aber du solltest jetzt gehen“, sagte er ruhig. „Wir werden reden. Nur nicht jetzt.“
Sie sah ihn an und dann zu den anderen. Erkannte sofort, dass die Knights sich nicht umstimmen ließen. Sie gegen vier.
„Fein“, seufzte sie.
Ohne weitere zu diskutieren, ging Maron und begab sich in ihr Zimmer zurück.
Natsuki erhob sich müde vom Bett. „M? Wie war’s? Hast du mit Chiaki geredet?“
Seufzend setzte Maron sich aufs Bett, sah ihre beste Freundin an.
„Natsu…Ich muss dir was sagen.“
***

Das Wochenende ging schnell vorüber. Maron hatte Natsuki nichts von ihrem Gespräch mit Chiaki erzählt, aber sie hatte ihr erzählt wer Zen’s Vater war. Was ihre Freundin ziemlich erschütterte. Maron erzählte ihr auch von der Vergewaltigung, ließ jedoch Kaiki’s Tod, Chiaki’s Mutter und das Geld aus. Trotzdem fühlte sie sich, als löste sich eine große Last von ihren Schultern.
Was die Nacht in Chiaki's Zimmer anging, so musste Maron alles, was ihr offenbart wurde noch verarbeiten. Sie ging in ihre Klasse, dachte dabei viel über Chiaki und die Knights nach.
Was haben sie entschieden? Meinte Chiaki es ernst, als er sagte, er würde zu ihr kommen und ihr alles erzählen?
Hatten sich die Dinge zwischen ihnen geändert?
Wie konnte es nicht? Nachdem man so etwas durchgemacht und miteinander die dunkelsten Geheimnisse geteilt hat?
Maron wusste nicht, wie es von hier aus weiterging…aber es konnte nicht mehr so werden, wie es einmal war.
In ihrer Klasse angekommen, sah sie zu Shinji, doch sein Gesichtsausdruck was unmöglich zu lesen. Seufzend setzte sie sich hin, konnte sich für die Stunde jedoch nicht konzentrieren.
In der Pause ging Maron kurz zu ihrem Schließfach.
„Hey.“
Überrascht sah sie zu Shinji auf.
„Hey“, sagte sie. „Was ist los? Ich dachte, Chiaki würde zu mir kommen.“
Er blickte sich um und schaute zu Yomo. „Ich soll dir die Nachricht überbringen. Kannst du deinem Kumpel sagen, dass er ein paar Schritte zurücktreten soll?“
Maron tat es und Yomo ging außer Hörweite.
„Wir treffen uns heute Nacht“, sagte Shinji leise. „Bei den Klippen. Um neun. Chiaki und Yamato holen dich ab, also stell sicher, dass du deinen Bodyguard bis dahin los bist.“
„Okay“, nickte sie, „Um neun.“
Was wohl passieren wird? Worüber sie reden werden?
So viele Fragen schwirrten in ihrem Kopf und sie wünschte, die Zeit würde schneller laufen. Maron war so neben der Spur, dass Miyako ihr in Chemie das Ohr vollmeckerte.
„Was machst du da? Du misst alles falsch.“
„Sorry.“ Maron legte den Messbecher hin. „Vielleicht solltest du das machen.“
„Du sagtest, du würdest meine Note nicht versauen.“
„Tu ich auch nicht. Das wird schließlich auch meine Note versauen.“
Sie wurden still, als Maron den Becher säuberte und die Maße änderte.
„Maron?“
„Das sind 700 Milliliter.“
„Maron, warum bist du hier?“
„Was?“ Sie blinzelte Miyako durch die Laborbrille an.
„Warum bleibst du hier nach allem-“
Maron unterbrach sie mit einem genervten Stöhnen. „Ich schwöre bei Gott - wenn mich noch eine Person das fragt! Ich bin hier, weil ich viel dafür aufgegeben habe. Ich habe mir meinen Platz hier verdient - mehr als die Arschlöcher, die mich vertreiben wollten. Ich werde also nicht gehen, bis ich meinen Abschluss habe. Beantwortet das deine Frage?“
Miyako schaute sie verblüfft an. Es war nicht beabsichtigt, dass Maron derartig abging. Sie hatte ein...anstrengendes Leben.
„Ja, sorry“, murmelte Miyako nur. Sie verstummten wieder und widmeten sich ihrer Arbeit.

Gespannt lief Maron die Eingangshalle in ihrem Gebäude auf und ab. Alle fünf Sekunden blickte sie auf die Uhr.
Neun Uhr eins. Wo bleiben sie nur?
Kaum hatte sie den Gedanken zu Ende gebracht, klopfte es an der Tür. Sie machte auf und Chiaki und Yamato standen wie erwartet vor ihr.
„Bereit?“, fragte Yamato, machte schon auf dem Absatz kehrt.
Wortlos nickte Chiaki mit dem Kopf in dessen Richtung, wies ihr an ihnen zu folgen. Sie eilte eilig hinterher, versuchten mit ihnen Schritt zu halten. Maron erhöhte ein wenig ihr Tempo, sodass sie neben Chiaki herlief.
„Er ist sauer auf mich, oder?“ Sie deutete auf Yamato, der die kleine Gruppe mit einer Taschenlampe führte. Es war mehr eine Aussage als eine Frage.
Yamato hatte sie gehört und antwortete direkt: „Die ganze Schule denkt, ich hätte dich geschlagen. Sauer ist noch milde ausgedrückt.“
„Ich dachte, jeder geht mit Freude davon aus, dass ich es mir selbst angetan hab.“
„Meine Mom aber nicht. Sie hat mich über Weihnachten zur Aggressionsbewältigung geschickt. Sag ihr gefälligst die Wahrheit.“
„Könnte ich machen. Wenn du dich entschuldigst.“
Yamato drehte sich irritiert zu ihr um. „Wofür soll ich mich entschuldigen?“
„Das du überhaupt noch Fragen musst“, rollte Maron ihre Augen. Es wurden keine weiteren Worte mehr ausgetauscht. Schweigend liefen die drei durch den Wald.
Es war eine Weile her, seit Maron bei den Klippen war. Das erste und letzte Mal endete schließlich in einem Desaster. Ein Anflug an Furcht breitete sich in ihrem Magen aus. Was ist, wenn dies wieder ein weiterer, grausamer Trick war?
Ein oranges Leuchten brach durch die Bäume durch und sie traten in die Lichtung hinaus. Shinji und Kagura schauten von ihren Plätzen um das Feuer auf, als sie auftauchten. Sie hatten hier draußen Stühle aufgestellt. Vier für die Jungs, einen für Maron.
Yamato setzte sich zwischen Shinji und Kagura, wodurch für Maron der Platz neben Chiaki offenblieb.
Sie sprach in dem Moment, in der sie sich hingesetzt hatte. „Was ist euer Plan, um Sayuri zu erledigen?“
Die Jungs tauschten sich einen Blick aus.
„Was? Ihr sagtet, ihr würdet es mir sagen?“ Maron war dabei wieder aufzustehen. „Wenn das ein Trick ist-“
Chiaki nahm ihre Hand und zog sie wieder nach unten. „Wir sagen es dir, aber da ist etwas, dass wir zuerst wissen wollen.“
Sie zog eine Augenbraue hoch. „Was denn?“
„Die Sachen, die du dieses Semester abgezogen hast...wie hast du die gemacht?“
„Warum ist das wichtig?“
„Wir haben kein Recht zu fragen, aber wir brauchen dein Vertrauen“, kam es von Kagura. „Also, wie hast du es geschafft?“
Maron blickte die Knights an. Sie hatten durchaus kein Recht zu fragen, dass sie ihnen vertrauen soll. Aber nun saß sie hier, mit ihnen, mitten in der Nacht, bei den Klippen.
Sie sah zu Chiaki, der noch immer ihre Hand hielt und zu dem sie als Einziger in dieser Gruppe etwas anvertraut hatte, was niemand anderes erfahren durfte. Nicht mal ihre beste Freundin. Und er hatte ihr letztendlich seinen Missbrauch anvertraut.
Vielleicht haben sie ein bisschen Vertrauen sich verdient.
„Okay“, fing Maron an, zog ihre Hand langsam zurück. „Ich heuerte einen Hacker an, um in Shinji’s Handy reinzukommen. Und Natsuki hat’s geklaut.“ Shinji machte ein leicht amüsiertes Gesicht.
„Derselbe Hacker, der meinen Laptop infiziert hat?“, fragte Kagura.
„Ja.“
„Scheint also ein ganz Guter zu sein“, murmelte Yamato.
„Was ist mit dem Tanemura Gone Wild-Video?“, fragte Chiaki.
„Knopfkamera“, antwortete sie. „Hat 24/7 alles aufgenommen und auf mein Handy gespeichert.“
„Schlau“, merkte Kagura an.
„Ich weiß.“
„Und bist du jetzt fertig?“ Ihre Aufmerksamkeit wurde wieder auf Chiaki gelenkt. Das Feuer ließ seine blauen Augen hell leuchten und es war unmöglich wegzusehen. „Hast du deine Rache gegen alle bekommen?“, fragte er.
„Nicht alle“, antwortete Maron, „Es sind noch ein paar Leute auf meiner Liste.“
„Wer?“
„Warum willst du das wissen?“
„Weil wir uns um die kümmern werden für dich...wenn du Sayuri ausschaltest.“
Maron blinzelte ihn an. Hatte sie gerade richtig gehört?
„Ihr kümmert euch um sie...für mich?“
„Was auch immer du geplant hast, übernehmen wir - das Risiko, die Schuld, die Konsequenzen. Wir können damit umgehen.“
„Aber was wir nicht tun können-“, fuhr Shinji fort, „-ist Sayuri nahezukommen, ohne dass sie denkt, dass etwas nicht stimmt. Chiaki hat bereits versucht, sie anzugreifen. Sie würde beim Rest von uns misstrauisch werden.“
„Dafür wollt ihr mich zu ihr schicken??“
„Sayuri weiß nicht, dass du jetzt weißt, wer sie ist“, sagte Kagura, „Sie wird mit dir anders umgehen. Sie denkt, dass du ihr vertraust. Du hängst oft genug in ihrem Klassenzimmer rum. Sie würde sich nichts dabei denken, wenn du allein zu ihr kommst.“
Maron nickte. Es machte alles Sinn für sie – bis auf eine Sache.
„Warum denkt ihr, dass ihr meine Rache ausführen müsst, um mich zu überzeugen?“
„Weil wir nicht in der Nähe sein werden können, um dich zu beschützen“, sagte Chiaki, „Und diese Frau hat höchstwahrscheinlich zweimal versucht dich zu töten.“ Sie biss sich auf die Lippe. Er hatte nicht ganz Unrecht. „Wir haben einen Plan, und wir werden dir jetzt alles erzählen. Lass uns nur wissen, ob wir einen Deal haben.“
Maron nahm sich die Zeit darüber nachzudenken, ließ sich nicht von ihnen hetzen. Sie boten ihr an, ihr dabei zu helfen, jeden auf ihrer Liste auszuschalten. Wie konnte sie da Nein sagen?
„Eine Frage hätte ich noch“, sagte Maron. „Warum ist das euch so wichtig?“
Chiaki runzelte die Stirn. „Maron, du weißt warum.“
„Nicht du, Chiaki.“ Sie wandte sich den anderen Knights zu. „Warum macht ihr das?“, fragte sie sachte.
Chiaki erhob sich von seinem Stuhl. „Ihr müsst nicht-“
„Es war nicht nur Chiaki....den diese Frau belästigt hat.“ Yamato starrte ins Feuer, erwiderte Maron’s Blick nicht. Sein Gesicht sprach Bände.
„Sie...hatte ihre Lieblinge“, kam es von Kagura.
Shinji sagte nichts, hielt nur vielsagend eine Hand hoch.
Maron blickte jeden Einzelnen an, fassungslos darüber, was man ihr anvertraute. Was niemand anderes wusste.
„Okay. Ich mach’s.“
***

„M?“
„Hmm.“
„Das ist merkwürdig.“
Maron und Natsuki saßen in der Chill-Ecke auf dem Sofa, während sie die Jungs dabei beobachteten, wie sie den Rest von Maron’s Zimmer einnahmen.
Kagura hockte auf dem Boden und durchsuchte ihren geheimen Koffer. Shinji und Yamato waren an ihrem Schreibtisch und Chiaki saß auf ihrem Bett mit dem Notizbuch, was sie für ihre Pläne benutzt hatte.
„Ja“, stimmte Maron zu, „Ich weiß.“
„Kann ich kurz mit dir reden?“ Damit zog Natsuki sie hoch und Richtung Bad. „Was geht hier vor? Warum sind sie hier?“, fragte sie direkt, als sie drinnen waren.
Maron wusste nicht, wo sie anfangen soll. So viel war geschehen, was sie ihr noch nicht erzählt hat und nicht erzählen konnte.
„Chiaki und ich-“
Hatten vor ein paar Wochen eine heftige Auseinandersetzung auf dem Dach und ich wäre fast in den Tod gestürzt.
„-haben geredet“, vollendete Maron. „Letztens. Der Krieg ist vorbei.“
Natsuki sah sie entgeistert an. „Dein Ernst?! Aber was ist mit all den Dingen, die er dir angetan hat? Nicht nur die, als du markiert wurdest, sondern die davor. Wie kannst du das vergessen, M?“
„Es ist schwer zu erklären. Es ist nicht so, dass ich ihm vertraue. Wir kamen zu einem…Verständnis. Wir verstehen einander mehr, denke ich.“
Natsuki sah sie an, die Arme vor sich verschränkt.
„Was ist, wenn das wieder ein Trick ist? Und Chiaki wieder nur mit dir spielt?“
„Ich…traue ihm auch noch nicht. Aber ich weiß, dass das kein Trick sein wird.“
In einem flüsterten Ton erzählte Maron ihr, dass Sayuri ein Spade ist.
„Oh mein Gott, was?!“ Natsuki’s Kinnlade fiel auf. „Aber wie- woher- warum-“ Fragend sah sie Maron an und dann zur Badezimmertür, wo die Jungs auf der anderen Seite waren.
„Er hatte…schlechte Erfahrungen mit ihr“, brachte Maron entgegen.
Natsuki nickte verstehend, immer noch sichtlich sprachlos. „Okay. Ich vertraue dir, dass du dich in ihnen nicht irrst“, sagte sie nach einer skeptischen Weile schließlich.
Maron seufzte schwer. Die Mädchen gingen aus dem Bad raus.
„Als Erste dran ist-“, sagte Shinji, hielt ihre Liste in der Hand. „Karen Fujimura.“
Plötzlich packten die Jungs Maron’s Sachen ein und machten sich bereit zu gehen.
„Was werdet ihr mit ihr machen?“, fragte Maron interessiert.
Yamato hielt eines ihrer geheimen Handys hoch. „Genau das, was du auch getan hättest: totale und vollkommene emotionale Vernichtung.“
„Und mein Handy wird euch dabei helfen?“
Chiaki war zu ihm hingegangen, nahm das Handy an sich und steckte es ein. „Wirst du beim Schachtunier da sein?“, fragte er.
Sie sah ihn an. Es war erstaunlich, wie perfekt er seine Maske zusammensetzen konnte.
Der Kerl, den sie in seinem Zimmer antraf und der ihr offen sein Schmerz und Leid gezeigt hatte, war weg. Der Chiaki Nagoya, den sie kannte, war zurück... mit einigen Ausnahmen.
Maron konnte es nicht genau zuordnen, aber sie hatte das Gefühl, dass sie nicht nur zu einem Verständnis kamen, sondern auch einander respektierten. Es war ungewohnt und merkwürdig.
„Ja, werde ich“, antwortete sie ihm.
„Dann sorg dafür, dass du einen Platz in der ersten Reihe bekommst.“
„Ihr werdet dann an Karen herankommen? Aber diese Turniere sind extrem gesichert und dank dem Rektor ist es jetzt noch schlimmer.“ Sie tauschte mit Natsuki einen Blick aus. „Wir fanden keinen Weg drumherum.“
„Es gibt einen Weg.“ Chiaki nickte mit seinem Kopf und die Jungs begaben sich zur Tür. „Sei einfach da.“
Keinen Moment später waren die Knights weg.
Natsuki schüttelte seufzend ihren Kopf. „Japp. Das ist definitiv merkwürdig.“

Maron zählte die Tage bis zum Schachtunier herunter, aber sie musste sich auch noch auf ihre eigenen Angelegenheiten konzentrieren.
Sie landete mit einem lauten Knall auf der Tanzmatte.
„Alles in Ordnung, Maron?“, fragte Kanako.
Stöhnend rappelte Maron sich wieder auf. „Ja, ich habe ein bisschen zu viel Kraft in diesen Sprung gelegt und mich aus dem Gleichgewicht gebracht.“
„Nun, wenn du weißt, was du falsch gemacht hast, versuche es noch einmal und tue es richtig.“
Sie nickte und Kanako spielte wieder ihre Musik ab. Aufs Stichwort ging sie ihre Choreo wieder durch. Da der Dancing to Starlight-Einzelwettkampf anstand, trainierte Maron mit Kanako regelmäßig außerhalb der Clubtermine. Diesmal ging sie die Choreo perfekt durch und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als die Musik stoppte.
Kanako lächelte auch. „Super gemacht, Maron. Der Sieg ist dir garantiert.“
Atemlos lachte Maron auf. „Das sagst du zwar, aber du wirst mich immer noch zu zwei weiteren Durchgängen zwingen.“
„Eigentlich drei.“ Kanako schnappte sich Maron’s Wasserflasche von der Bank und warf sie ihr zu. „Fünf Minuten Pause, dann machen wir weiter.“
Erleichtert ließ Maron sich auf die Matte fallen. Kanako war eine großartige Trainerin, aber sie spaßt auch nicht herum. Wie die meisten an der Akademie, hatte sie das Bedürfnis, dass die Schule die Beste sein soll und erwartet, dass Maron oder Yashiro diesen Wettkampf gewinnen.
Ich werde als Gewinner herauskommen, dachte sich Maron entschlossen.
„Maron?“ Kanako kam zu ihr und setzte sich auf die Matte. „Ich habe mit Yashiro darüber geredet und jetzt möchte ich deine Meinung wissen.“
Maron senkte ihre Wasserflasche. „Ist alles okay?“
„Ja. Es ist nichts Schlechtes. Es ist so, dass wir es normalerweise Schülern erlauben, uns bei solchen Wettkämpfen anzuschließen und zuzusehen. Für die meisten großen Meisterschaften haben wir unsere Chance verpasst, aber der Direktor bot es an, dass die Schule uns beim Dancing to Starlight-Wettkampf unterstützt. Schüler, die sich dafür entscheiden, dabei sein zu wollen, werden den Bus mit uns nach Inaba fahren und dich und Yashiro performen sehen... es sei denn, du willst das nicht.“ Kanako schenkte zu Maron’s Überraschung ein trauriges Lächeln. „Ich weiß, du hattest eine schwere Zeit hier und wenn die anderen Mitschüler für dich eine Ablenkung als eine Unterstützung darstellen, sage ich dem Rektor, dass das intern unter den Teilnehmern bleibt.“
Maron nahm sich die Zeit, um darüber nachzudenken. Die einzige Zeit, in der sie sich nicht markiert fühlte, war wenn sie tanzte. Wenn sie an jenem Ort war, wo die Musik und ihr Körper sich verbanden und die Dunkelheit sie nicht berühren konnte. Sie wollte nicht, dass die Tanemura Schüler ihr das wegnahmen.
„Ist schon okay“, sagte Maron schließlich, „Sie können kommen. Ich bin stark. Ich werde nicht zerbrechen. Es hat lange gedauert, dass ich das erkannte.“
Kanako’s trauriges Lächeln wandelte sich zu einem stolzen um. „Du bist stark, Maron.“
Die Tür flog plötzlich auf und Yashiro marschierte rein. Sie stellte sich vor ihnen auf, erstach Maron mit ihren verengten Augen. „Warum ist sie hier? Meine Mutter sollte dich angerufen haben, wegen dem neuen Trainingsplan.“
„Und wie ich deiner Mutter bereits gesagt habe-“ Kanako stand auf. „Ich kann nicht jeden Nachmittag dafür aufbringen mit dir allein zu trainieren. Maron nimmt schließlich auch am Wettkampf teil.“
Yashiro runzelte die Stirn. „Aber ich kann mit Milla Musiqua nur an den Wochenenden arbeiten und wir müssen sicher gehen, dass meine Choreo perfekt ist. Ich dachte, wir wollen das Ding gewinnen.“
„Ihr beide habt die perfekte Chance diesen Wettkampf zu gewinnen und das stellen wir beim regulären Training zweimal die Woche auch sicher. Das sollte zur Vorbereitung mehr als ausreichen.“
Yashiro sah nicht zufrieden damit aus. Sie legte ihre Hände auf ihre Hüften, worauf Maron augenrollend aufstand und nach ihrem Handtuch griff. Sobald die Zicke anfing sich zu beschweren, hörte sie nicht so schnell wieder auf. Etwas, was Maron gelernt hat, seit sie mit ihr im Tanzteam war.
„Das würde in einer Ballettproduktion nicht passieren“, hörte sie Yashiro sagen. „Es gibt Richtlinien, die dazu da sind, um einem Tänzer die Zeit und Aufmerksamkeit zur notwendigen Vorbereitung zu geben. Ich werde für die Hauptrolle für Dornröschen vortanzen und meine Ausbilder werden-“
„-alles notwendige tun, damit du für die Rolle vorbereitet bist“, vollendete Kanako fast entnervt. „Genau wie sie es sollten und genau wie ich es tun werde. Du musst mir vertrauen, Yashiro, aber mehr als das: du musst daran denken, dass dies kein Ballett ist.“
Maron schielte zu den beiden rüber, tupfte sich mit ihrem Handtuch Schweiß von der Stirn ab.
„Du bist in meinem Team. Das sind meine Regeln.“ Kanako zeigte zur Tür. „Jetzt geh. Das ist Maron’s Trainingszeit.“
Geräuschvoll verließ Yashiro die Turnhalle und Kanako wandte sich mit einem harten Gesichtsausdruck zu Maron.
„In Ordnung. Drei weitere Male, Maron. Los geht’s.“
Sie verkniff sich ein Lächeln. „Jawohl!“
***

Gegen Ende der Woche wusste Maron, dass sie bereit war. Sie würde den Wettkampf mit nichts anderem als den ersten Platz verlassen wollen.
Sie folgte ihren Klassenkameraden nach draußen, als die Glocke ertönte. Die letzte Unterrichtseinheit wurde gestrichen, damit alle Karen dabei zuschauen konnten, wie sie ihren Schachgroßmeister-Titel verteidigte.
Natsuki traf ihren Blick, als sie den Wettbewerbsraum betraten. Maron konnte ihr die Unsicherheit deutlich im Gesicht ablesen. Sie hatten beide keine Ahnung, was die Knights Karen antun werden und das machte ihre beste Freundin nervös.
Natsuki wollte, dass die Jungs sich an ihre Regeln halten, aber Chiaki hatte nichts gesagt, als sie ihn diesbezüglich aufklärte. Die Mädchen wussten, wie skrupellos sie sein konnten.
Maron trat durch die Doppeltüren und augenblicklich fanden ihre Blicke sich. Chiaki stand vor der Bühne, auf der Karen mit irgendwelchen Leuten quatschte.
Chiaki sah von Maron zu den Sitzen vor ihm. Sie verstand sofort. Er wollte sie vorne in der ersten Reihe sitzen haben.
Maron begab sich zu ihrem Platz, während Natsuki neben ihr herlief.
„Mir gefällt das nicht“, murmelte Natsuki kaum hörbar, blickte Maron nicht an. „Chiaki Nagoya ist der Teufel in Person. Ein Dämon. Schön, sexy, böse, hinterlistig...“
„Wie wahr, aber Karen ist nicht besser“, erwiderte Maron. „Dieses Mädchen hatte mir meine Klamotten entnommen und wollte mich splitterfassernackt vor der ganzen Schule demütigen. Und was die über mich von sich gibt, ist auch nicht mehr normal.“
„Sie ist furchtbar, aber wir wissen nicht, was die Jungs tun werden.“
Maron blickte starr gerade aus, während sie durch den Gang liefen. „Du hast Chiaki die Regeln erklärt. Ich bin mir sicher, dass er sich daranhalten wird.“
„Bist du?“
Nicht wirklich.
Dieser Dämon tendierte schließlich zur Unvorhersehbarkeit. Weiß der Himmel, was er und seine Kumpanen vorhaben… Maron hatte keine Ahnung, was passieren wird.
„Lass sein böses, hinterlistiges Hirn nur machen“, wisperte sie abschließend nur.
Sie ging an Chiaki vorbei, steuerte auf ihren Sitz zu, spürte seine Augen die ganze Zeit auf sich. Ein paar Sitze weiter, hatte Natsuki sich hingesetzt.
Als Maron wieder zu Chiaki sah, war er weg - weshalb sie sich Karen zuwandte. Sie wirkte entspannt, in ihrem Element. An ihrer Seite war ein Mann, der wie ihr Vater aussah. Sie sah makellos aus. Die kurzen, schwarzen Haare, das Make-Up und die Uniform saßen perfekt. Ein selbstsicheres Lächeln zierte ihr Gesicht.
Rektor Tanemura trat auf die Bühne und das war das Stichwort für die anderen, ihren Platz zu finden.
„Guten Tag, an alle Tanemura Schüler und Ehrengäste. Viele sind große Entfernungen gereist, um heute hier zu sein und um mitzuerleben, wie einige der klügsten, strategischsten Köpfe unserer Zeit um den Titel des Großmeisters konkurrieren. Begrüßen wir unsere Kandidaten.“
Mit halbem Ohr hörte Maron gelangweilt zu, wie er die Namen runterrasselte und jeden Kandidaten vorstellte. Hinter ihm senkte sich der Bildschirm und das Personal beeilte sich mit dem Aufstellen des Tisches.
„Sie werden alle in entsprechender Reihenfolge ihres Ranges gegen Miss Fujimura spielen“, sprach der Rektor weiter. „Es werden zwei festgelegte Toilettenpausen geben und zu beiden Zeiten werden die Kandidaten vom Personal begleitet, um Betrug vollkommen auszuschließen.“
Wow, dachte Maron sich erstaunt, als sie die schwarz gekleideten Personalmitglieder bemerkte, die im Raum verteilt waren. Die nehmen es wirklich ernst.
Wie wollen und konnten die Knights hier drin überhaupt etwas abziehen? Der Raum war extremer abgesichert als jede Bank.
„Fangen wir an.“
Karen stand von ihrem Sitz auf und setzte sich an ihrem Platz, vor dem Schachbrett. Der große Bildschirm flackerte auf, erlaubte jedem die perfekte Sicht auf das Spiel und man konnte jeden Zug beobachten. Ihr erster Gegner setzte sich Gegenüber von ihr hin und das Turnier begann.
Es war elend langweilig. Maron kämpfte damit nicht einzuschlafen.
Nach etwa einer halben Stunde schreckte ein Klopfen auf dem Mirko sie wieder wach. Rektor Tanemura räusperte sich.
„Zeit für die erste Pause. Die Kandidaten dürfen auf Toilette gehen oder sich einen Snack holen. Zuschauer und Schüler müssen bitte auf ihren Plätzen sitzen bleiben.“
Maron’s Augen waren auf Karen fixiert, die mit einer schwarz gekleideten Mitarbeiterin durch die Doppeltüren ging. Niemand außer das Personal durfte mit den Kandidaten allein sein.
Nach zehn Minuten war die Pause vorbei und alle Kandidaten kehrten auf ihren Plätzen zurück. Maron kannte die Schachregeln nicht so gut, aber es war glasklar zu erkennen, dass Karen ungeschlagene Meisterin darin ist. Es waren nur noch drei Herausforderer übrig und sie sahen alle nervös aus.
„Spieler, nehmen Sie Ihre Plätze ein.“
Karen saß vor dem Schachbrett. Ihr Gegner: ein Junge, der paar Jahre älter war als sie. Sie schüttelten sich die Hand, während Maron versuchte ihre Augen offen zu halten.
„Karen Fujimura wird gegen Yugi Kojima spielen“, kündigte Rektor Tanemura an. „Mr. Kojima ist-“
Die Türen sprangen plötzlich auf. „Halten Sie das Turnier an!“
Der Rektor drehte sich um. „Was hat das zu bedeuten?“
Zwei schwarzgekleidete Mitarbeiter marschierten den Gang zur Bühne entlang. „Wir müssen das Turnier stoppen. Dies wurde in der Mädchentoilette gefunden.“ Die Mitarbeiterin hielt etwas in ihrer Hand hoch.
Maron kniff sich ihre Augen zusammen, um besser zu sehen. War das...?
„Ein Handy“, sagte die Frau. „Es war geschickt im Papierspender versteckt und von dem, was wir sagen können-“
Maron’s Augen rissen sich weit auf. Ihr Handy? Das war ihr Handy!
„-dieses Handy gehört Miss Fujimura.“
„Was?!“ Ein ohrenbetäubender Lärm ging durch den Raum, als Karen’s Stuhl umfiel. „Das ist nicht meins!“
Rektor Tanemura blickte sprachlos zwischen ihr und der Frau hin und her. „Handys sind auf diesem Campus nicht erlaubt und Miss Fujimura ist eine unserer Top-Schülerinnen. Da muss ein Irrtum vorliegen.“
„Es ist kein Irrtum. Die Toiletten und Kabinen wurden kontrolliert, bevor sie hineinging und wir sind uns sicher, dass es kein Handy gab. Wir haben das Gerät überprüft und ihr Foto auf dem Startbildschirm gefunden. Viel wichtiger ist noch: es stellte sich heraus, dass mit dem Handy eine Suche über die Tarrasch-Verteidigung und der schwedischen Folkestone Variation betrieben wurde.“
Die Frau senkte ihre Hand und blickte Karen missbilligend an. „Karen Fujimura wird wegen Betruges disqualifiziert.“
In dem Moment brach die Hölle aus.
„Ich war das nicht! Das ist nicht meins!“ Karen schoss nach vorne, schmiss den Tisch um. Die Figuren darauf flogen umher und verteilten sich auf den Boden.
Völlig außer sich rannte Karen auf die Frau zu, ihr Vater hielt sie jedoch auf. Sie sah nicht mehr so makellos aus. Eher wie eine wilde Furie.
„Ich habe es nicht getan!“
„Das reicht!“, brüllte Rektor Tanemura. „Beruhigen Sie sich! Schüler, verlasst sofort den Zuschauerraum!“
Es war ein unkontrollierbares Chaos, alle rauszuholen und Karen zu beruhigen. Fassungslos trottete Maron nach draußen.
„Was werdet ihr mit ihr machen?“
„Genau das, was du auch getan hättest: totale und vollkommene emotionale Vernichtung.“
„Schach und Matt“, hörte sie Chiaki plötzlich neben sich flüstern.
Während er an ihr vorbei ging, steckte er ihr etwas in die Hand. Es fühlte sich nach einer Schachfigur an. Ein Souvenir?
Sie schaute auf ihre Hand herab.
Es war die weiße Königin.


Die Liste
Misa Tateyama
Karen Fujimura
Yashiro Sazanka
Kagura Matsushita
Yamato Minazuki
Shinji Narukami
Chiaki Nagoya
Die Spades
Tanemura Akademie
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