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Unbreakable

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
08.10.2021
50
219.138
14
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Dieses Kapitel
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25.09.2020 3.466
 
TWO

„Das ist das Hauptgebäude.“ Natsuki deutete auf das große, alt aussehende Gebäude vor ihnen. „Wohnheime, Sportanlage, Pool, Hinterhof, Laufbahnen und Gewächshäuser sind hinten, aber da du die nächsten drei Jahre deines Lebens die meiste Zeit hier verbringen wirst, fangen wir hiermit an.“
„Cool.“ Drei Meter große Türen standen offen vor ihnen. „Es ist wie eine mittelalterliche Festung“, staunte Maron. „Es scheint, als wären wir in der Zeit zurückgereist.“
„In der Zeit zurückgereist trifft es“, murmelte Natsuki, verdrehte ihre Augen. „Du wirst schon noch sehen, wie sehr Tanemura in der Vergangenheit steckt. Da wären diese Uniformen. Mädchen müssen Kleider und Röcke tragen, während die Jungs Hosen, Jackett und Polos haben. Und das seit Jahrzehnten unverändert! Und dann wären noch die Jahrgangsfarben! Nächstes Jahr, müssen wir Rot tragen. Im letzten Jahr ist schwarz unsere Farbe.“
Maron blickte über den Hof, durch dem sie gingen.
Die Blätter der Bäume wehten im leichten Wind, Vögel gingen mit ihnen auf dem Boden mit und pflückten sich nebenbei aus der Erde was zu essen raus. Es war eine beruhigende Atmosphäre hier draußen.
Wenn Maron zum Gebäude hochschaute, konnte sie in jedem Stockwerk die Köpfe ihrer neuen Mitschüler durch die makellosen Fensterscheiben sehen.
Ein kleinerer Springbrunnen ruhte mitten im Hof, bei der eine Statue von einem Mann in einem traditionellen Gewand zu sehen war und klares, kühles Wasser schoss unter dessen Füßen hervor.
„Das ist der Gründer der Schule, Sojiro Tanemura“, sagte Natsuki, als sie Maron’s Blick bemerkte. „Komm, setzen wir uns.“
Natsuki führte sie zu einer Bank am Brunnen. Sie setzte sich hin und klopfte auf den freien Platz neben sich.
„Ist das der Part, an dem ich dich nach Infos ausquetsche?“, fragte Maron mit hochgezogener Augenbraue, setzte sich neben sie hin. „Lehrer, bei denen ich mich einschleimen kann. Der beste Platz in der Bibliothek. Wie man sich nach der Ausgangssperre rausschleicht, ohne erwischt zu werden.“
Natsuki stieß sie an die Schulter. „Nein, das ist der Part, wo ich dich nach Infos ausquetsche.“
Maron blinzelte. „Mich?“
„Genau.“ Natsuki wandte sich ihr zu und faltete gemütlich ihre Beine übereinander. Der eifrige Ausdruck in ihren Augen überraschte Maron etwas. „Ich will ehrlich sein: ich war die Erste, die sich freiwillig als deine Schulbegleiterin gemeldet hatte - und das nicht nur, um aus dem Unterricht zu kommen. Jeder ist scharf auf deine Story, also schieß los.“
„Meine... meine Story?“
Sie nickte. „Ja! Du bist die erste Schülerin seit über fünfzig Jahren, die mitten im Schuljahr wechselt. Tanemura ist bekannt dafür, dass, wenn sie die Zulassungen schließen, sie auch geschlossen bleiben. Sie lassen niemanden mehr rein bis zum Beginn des neuen Schuljahres. Sie haben sogar den Sohn eines europäischen Herzogs abgewiesen und er hatte angeboten, eine neue Gebäudeabteilung zu finanzieren. Wir haben alle schon Wetten darüber abgeschlossen, wie besonders das neue Mädchen sein muss, wenn sie die Schulverwaltung dazu bringt die Regeln zu verbiegen.“
„Wetten?!“ Maron keuchte. „Also wissen die Leute schon von mir?“
Natsuki blickte sie an, als wäre es selbstverständlich. „Uhm, Ja klar. Dachtest du wirklich, du würdest unter dem Radar fliegen?“
„Nun, nein, aber...“
„Also, was ist es?“ Natsuki lehnte sich zu ihr vor. „Wunderkind? Eine Krankheit geheilt? Mit den Philharmonikern gespielt? Eine gemeinnützige Organisation gegründet, die das Leben von Millionen veränderte?“
Maron merkte sofort, dass sie nicht gefragt hat, ob ihre Familie angeboten hatte, irgendwas zu finanzieren. Es war offensichtlich warum. Wenn man vorhin die leicht verrostete Karre gesehen hatte, war dies Indiz genug, dass sie kein Geld hatten.
Sie schüttelte ihren Kopf. „Sorry, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich bin nichts Besonderes. Ich habe die Momokuri Middle School mit einem mäßigen Durchschnitt abgeschlossen. Und das nächste was den Philharmonikern nahekommen würde, wäre die Flöte, die ich in der vierten Klasse gespielt habe. Fünf Minuten nachdem ich das Ding in den Mund gesteckt habe, nahm man mir es weg und ich bekam stattdessen eine Triangel in die Hand gedrückt.“
„Aber dann...“ Natsuki lehnte sich mit einer Spur von Überraschung im Gesicht zurück. „Was ist es?“
„Nichts, ich bewarb mich und sie machten eine Ausnahme.“
„Aber sie machen nie Ausnahmen! Es muss einen Grund geben. Willst du es mir nicht sagen?“
Maron war leicht irritiert darüber, dass sie ihr nicht glaubte.
Es gab einen Grund, warum sie reingekommen war, aber es war nichts, was sie ihr sagen würde.
„Das einzige Besondere an mir ist, dass ich tanze“, bot sie an, um ihre aufkeimende Freundschaft zu retten. „Ich war die Beste in meiner Schule zu Hause.“
„Ohh.“ Sofort erhellte sich Natsuki’s Gesicht. „Das erklärt es! Tanemura steht darauf immer das Beste vom Besten zu haben, aber das wirst du schon bald herausfinden.“
„Was soll das heißen?“
Ohne auf die Frage einzugehen, packte Natsuki sie am Arm. „Komm schon.“ Sie standen auf. „Wir müssen die Tour weiterführen.“

„Stell dich übrigens darauf ein, dass du so gesund und grün hier essen wirst, wie noch nie in deinen Leben zuvor“, merkte Natsuki an, „Säfte, Softdrinks, Fast Food... allgemein alles was zu viel Zucker und Fett hat, ist hier verboten.“
Maron blickte sie ungläubig an. „Dein Ernst?“ Natsuki nickte bejahend.
Sie gingen auf eine große Doppeltür zu. Maron schnappte nach Luft, als Natsuki sie öffnete.
Sie setzten Fuß auf polierten Marmorboden, welches im Licht von Kronleuchtern glänzte. Das Äußere der Tanemura Akademie hatte einen mittelalterlichen Charme, aber das Innere war das, was man von einer teuren Privatschule erwarten würde. Moderne, lange Sofas waren an den Wänden aneinandergereiht und über ihnen waren schwere Vorhänge, die das Licht der Sonne blockierten und den Flur in eine angenehme Dunkelheit einhüllte, die von den Kronleuchter durchdrungen wurde. Es gab dem Ort eine romantische Atmosphäre.
„Voila.“ Natsuki machte eine schweifende Handbewegung in den Saal. „Die Erstjahrgänger sind im ersten Stock. Die Zweitjahrgänger im zweiten und die Drittjahrgänger im dritten. Ganz simple. All unsere Klassen sind hier unten, also solltest du dich nicht verlaufen können, aber ich führe dich für alle Fälle trotzdem herum.“
Maron nickte und hörte Natsuki gespannt zu, während sie sie durch die Schule führte. Es stellte sich heraus, dass sie beide auch in einer Klasse sein werden. Zumindest ein bekanntes Gesicht unter vielen Fremden.
Maron war ihren Mitschülern zwar nur einen Monat hinterher, aber es kam ihr vor als würden sie schon Welten auseinander liegen.
Natsuki scheint alles und jeden zu kennen.
Sie zeigte ihr die Besenkammer, wo Leute Zigaretten schmuggelten. Sie erklärte ihr die beste Methode, um bei allen Lehrern gut dazustehen sowie die wichtigsten Do’s und Don’ts, die nicht im offiziellen Handbuch standen.
„Was ist das für ein Raum?“
Maron zeigte auf eine Tür ohne Schild. Sie war die einzige Tür in dem unheimlich ruhigen Flur, in der sie sich gerade befanden.
„Oh, das. Da ist nichts.“ Natsuki schaute auf die Tür und dann wieder geradeaus zum Ende des Ganges. „Wir können da nicht rein.“
„Warum nicht? Was ist da drin?“
„Nichts. Es ist nur ein Club-Raum.“ Sie zog Maron am Arm. „Komm. Ich will dir die Aula zeigen.“
Maron trat einen Schritt zurück und sie gingen von der Tür weg. Natsuki setzte ihren Redefluss an Regeln und Informationen fort.
„Gehe nie zu den anderen Stockwerken hoch, es sei denn, du bist eingeladen. Jeder bleibt, wo er ist. Zieh das Kleid an, nicht den Rock. Alle Mädchen tragen das Kleid als Uniform...“
Sie hielt einen stetigen Strom an Ratschlägen aufrecht, als sie Maron durch die Hintertür der Schule rausführte. Maron unterbrach sie mit einem überwältigten Laut. Natsuki ließ sie los, ging ein Stück voraus und streckte demonstrierend ihre Arme aus. „So, das ist der Rest der Tanemura Akademie. Was denkst du?“
Das einzige was Maron zustande brachte war ein „Woah...!“
Hinter dem Hauptgebäude befanden sich noch mehr Gebäude. Drei sahen aus wie Miniaturversionen des Hauptgebäudes, eines war eindeutig ein Gewächshaus, und ein anderes war die Sportanlage. Tennisplatz, Basketballplatz, Fußballfeld und noch viel mehr breiteten sich über die vielen Hektar Flächen aus.
Bis auf die beiden waren keine Menschenseele draußen. Alle waren noch in ihren Klassen, hatten Unterricht.
Während sie über den Rasen liefen, wandte Maron sich an Natsuki. „Danke, dass du den Unterricht für meine persönliche Führung ausfallen lässt.“
„Natürlich! Ich habe dir ja gesagt, dass ich mich freiwillig gemeldet habe. Ich wollte dich mir zuerst schnappen, bevor die anderen ihre Krallen in dir haben.“
Maron lachte.

Sie näherten sich einem Gebäude, welches das Wohnheim der Erstjahrgänger zu sein schien und traten ein.
Erneut war Maron von dem äußeren, antiken Charme, in Verbindung mit der modernen Inneneinrichtung überwältigt. Das Foyer erinnerte sie an einer Hotellobby, dekoriert in warmen Farben.
Ein silberner Fahrstuhl war vor ihnen zu sehen.
„Sorry, M“, sagte Natsuki plötzlich, „Aber als Neuankömmling hast du das Kürzere gezogen. Dein Zimmer ist im sechsten Stock.“
„Was ist so schlecht daran?“, fragte Maron, während Natsuki den Fahrstuhlknopf bediente.
„Dieses Stück Scheiße geht immer kaputt“, nickte sie zum Fahrstuhl, der auf ging und trat mit ihr ein. „Man sollte meinen, die reichste Schule des Landes würde sich darum kümmern können... Und keiner hat Lust die Treppen zu gehen.“ Sie schnaufte. „Naja... du wirst ja schon sehen, wie es hier abläuft.“
Werde ich das? Maron war sich nicht sicher, ob sie wirklich lernen wird, wie es hier abläuft.
Natürlich wirst du das!, brachte ihre innere Stimme entgegen. Du wirst dich hier zurechtfinden und alles wird so sein, wie du es dir vorgestellt hast. Das wird dein Neuanfang sein.  Alles wird sich ändern. Alles wird gut. Alles wird-
„Da sind wir auch schon“, unterbrach Natsuki ihre Gedankengänge, als der Fahrstuhl im sechsten Stock zum Stillstand kam. „Eine gute Sache daran, hier oben zu sein, ist, dass du allein bist.“
„Bin ich?“ Maron stieg aus dem Fahrstuhl und schaute sich im Stockwerk um. Es war wahr. Es waren keine Schilder oder Dekorationen an den schlichten braunen Türen zu sehen. Dem Stockwerk mangelte es an Persönlichkeit.
„Warum ist das gut?“ Maron machte ein langes Gesicht. „Ich will nicht von allen getrennt sein.“
Natsuki legte ihr einen Arm um die Schultern. „Es ist eine gute Sache, weil du niemand über dir um drei Uhr morgens Stepptanzen hören musst oder Nachbarn hast, die zum fünfzigsten Mal für ihr Klarinettenkonzert üben. Und du wirst nicht von allen getrennt sein! Du wirst morgen meine Freunde treffen und wir vier werden zusammen abhängen.“ Ihr zuversichtlicher Ton minderte Maron’s Sorgen. „Hier gilt natürlich auch die Regel: Jungs dürfen nicht in die Zimmer der Mädchen und umgekehrt“, hörte sie Natsuki sagen. „Kannst du dir garantiert vorstellen.“
Maron nickte geistesabwesend.
Aus dem Willkommenspaket der Schule wusste sie, dass sie das Zimmer 605 hatte, welches am Ende des Ganges war. Sie sah wie jede andere Tür aus und hatte ein elektronisches Ziffernfeld daneben hängen.
„Den Code müsste man dir mitgeschickt haben“, sagte Natsuki, „Wenn du ihn dir nicht gemerkt hast, müssen wir zur Verwaltung und bei Herr Toriyama einen Neuen holen.“
„Ich hab’ ihn mir gemerkt“, sagte Maron, „Es kam mit einer Menge an Warnungen, dass man es nicht mit anderen teilen soll und es nie vergessen darf. In dem Brief stand sogar, wenn ich die falsche Nummer mehr als dreimal eingegeben habe, würde es einen Riegel und einen Alarm auslösen. Ziemlich heftig, meiner Meinung nach... warum ist das so?“
Natsuki senkte ihren Blick etwas.
„Aus denselben Grund, weshalb es Kameras an beiden Enden des Flures gibt, die 24-7 alles aufnehmen und von Hanzou und dem Rest seines Sicherheitsteams überwacht werden.“ Sie blickte ihr in die Augen. „Sie wollen einen weiteren Mord vermeiden.“
Maron glaubte sich verhört zu haben, blickte sie geschockt an. „Was hast du gerade gesagt?“
Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus.
Als hätte man einen Schalter betätigt, kehrte Natsuki’s unbesorgtes Lächeln wieder zurück.
„Flipp nicht aus. Das ist keine große Sache. Ich meine, klar, Mord ist eine große Sache, aber es war vor 30 Jahren. Ein Schüler wurde in seinem Zimmer ermordet aufgefunden. Man fand nie heraus, wer es getan hat, aber seitdem haben sie hier die Sicherheitsmaßnahmen erhöht und es verstärkt, damit sowas nie wieder passiert. Eltern wollen schließlich keine fünfzig Riesen pro Schuljahr an einen Ort zahlen, welches ihre Kinder nicht beschützen kann.“
„Wie-“ Maron schluckte schwer, versuchte ihre Stimme wiederzufinden. „Wieso habe ich davon nichts hören?“
„Anwälten wurde gutes Geld gezahlt, damit niemand von der Außenwelt davon erfährt.“ Natsuki lehnte sich leicht zu ihr hin. „Und du bist besser dran, nie mit jemandem außerhalb dieser Mauern darüber zu reden... oder sogar mit den Menschen in ihnen“, sagte sie mit gesenkter Stimme.
Maron nickte verstehend, hatte direkt auch ihre erste Lektion gelernt: Dass die Tanemura Akademie seinen Ruf über alles schätzt.
Sie wandte sich von Natsuki ab und tippte ihren Code ein. Ein leises Läuten signalisierte, dass die Tür offen war und sie trat in ihr neues Zimmer ein.
Sofort fiel ihr die Kinnlade wieder herunter und ihre Augen rissen sich weit auf.
Natsuki kam herein, grinste sie an. „Gefällt’s dir?“
„Ob es mir gefällt?“ Maron’s Kopf schnellte in alle Richtungen.
Ein großes Bett nahm die Mitte des Raumes ein. Neben dem Bett war ein Schminktisch auf der einen und ein großer Schrank auf der anderen Seite. Die Möbel bestanden aus einem schönen, dunklen Holz, welches auch zum Ledersessel passte, der in der Ecke auf einem plüschigen Teppich saß.
Sie schoss durch die Tür zu ihrer Rechten: ein Badezimmer -ihr eigenes Badezimmer!- war darin und es war ein Porzellan-Paradies. Die einzigen Farbflecke, in all dem Weiß, waren die goldenen Knöpfe im Waschbecken und in der Dusche/Badewanne. Sie hatten keine Badewanne in ihrer Wohnung zu Hause, und Maron hatte das Gefühl, dass sie die Möglichkeit, Schaumbäder zu nehmen, gründlich ausnutzen wird.
„Ob es mir gefällt? Ich liebe es!“, schrie Maron begeistert.
„Super!“ Maron kam wieder raus und sah wie Natsuki nach etwas auf dem Schreibtisch reichte. „Hier. Das ist dein Stundenplan, eine Karte, und so weiter...“ Natsuki gab ihr die Sachen und strahlte sie an. „Hiermit ist unsere Schulführung offiziell beendet. Und du und ich sind für den Rest des Tages aus dem Schneider.“ Sie rieb sich mit einem vielsagenden Blick die Hände. „Ich habe Oreo-Kuchen, die ich nach meinem letzten Trip nach Hause reingeschmuggelt habe. Willst du den essen, während ich dir nebenbei alle schlüpfrigen Details über diesen Ort erzähle?“
„Oreos-Kuchen? Mädchen, was machst du noch hier? Hol ihn und los geht’s!“
Lachend verließ Natsuki das Zimmer und Maron ließ sich auf ihr Bett fallen. Sie klammerte den Ordner mit ihrem Stundenplan an ihre Brust, um ihre Freude in Zaum zu halten.
Die Gedanken an die Militärschlösser und dem ungelösten Mord wurden erstmal verdrängt. Sie brauchte sich keine Sorgen um die Vergangenheit der Schule zu machen. Es war die beste Schule des Landes und jetzt war sie Schülerin hier.
Und nach drei Jahren, würde sie das Leben ihrer Familie zum Besseren verändern können.
All die schlaflosen Nächte, all der Schmerz, würde nicht umsonst gewesen sein.
Sie hob ihre Lippen und Wangen zu einem Lächeln an. Es fühlte sich seltsam und fremd an... aber das Lächeln hielt.
***

Maron stand am nächsten Morgen vor dem Kleiderschrank, schob den Rock beiseite und holte das Kleid heraus. Natsuki hatte ihr gesagt, dass alle Mädchen das Kleid als Uniform trugen, also würde sie sich dem Trend auch anpassen.
Sie war bereits das neue Mädchen, auf das Wetten schon gemacht wurden – kein Grund sich noch mehr abheben zu müssen.
Zu Hause stach sie immer aus den falschen Gründen heraus.
Die Loser-Freunde ihrer Mutter neigten immer dazu sich an ihrem Geld zu vergreifen. Sie hatten nie viel, aber wenn ein Kerl in der Nähe war, hatten sie noch weniger. Was bedeutete, dass Korron nicht mehr viel übrig hatte, um Maron Klamotten zu kaufen oder die mit Löchern darin zu ersetzen. Was bedeutete, dass Korron oftmals länger arbeiten musste und nie Zeit für sie hatte.
Sie konnte Maron für die Schule nie vorbereiten, ihr mit den Haaren helfen oder ihr beibringen, wie man das pubertierende Gesicht ordentlich pflegt und von Akne befreit. Was bedeutete, dass sie ungewollte Blicke von ihren Mitschülern in der Mittelstufe bekam.
Die einzigen Blicke, die sie erduldete, war, wenn sie tanzte.
„Aber das ist jetzt vorbei“, murmelte Maron zu sich selbst, nahm das Kleid und ging zu ihrem Schminktisch.
Ihr Lieblingslied lief gerade aus ihren Lautsprechern und sie wirbelte im Takt herum, hielt sich das Kleid vor dem Körper, ehe sie es sich überzog. Maron griff hinter sich und verdrehte ihre Haare zu einem Knoten, wollte sie heute hochstecken, um ihre tränenförmige Diamantenohrringe zur Schau zu stellen.
Leichtes Make-Up. Blazer. Silbernes Tennisarmband am Handgelenk. Weißen Lederrucksack auf dem Rücken.
Fertig.
Grinsend betrachtete Maron ihr Spiegelbild. Sie war bereit für ihren ersten offiziellen Tag.

Natsuki wartete bereits unten auf sie, als sie aus dem Fahrstuhl trat.
„Wow“, pfiff sie, „Du siehst gut aus!“
„Danke!“ Maron drehte sich grinsend im Kreis.
Lachend hakte Natsuki sich bei ihr ein, hielt jedoch abrupt inne. „Warte... diese Ohrringe...“ Sie neigte ihr Gesicht hoch, betrachtete die Schmuckstücke genauer. „Sind die nicht aus dem Exquisite-Sommerkatalog?“
Maron brach ihren Blickkontakt ab und sah nach vorne. „Sind sie das?“
„Ja! Ich bettelte meine Mom an, sie mir zu holen, aber sie sagte, dass sie als Nicht-Geburtstagsgeschenk zu teuer wären. Wie-“
Natsuki schnitt die Frage ab, aber Maron konnte es dennoch in ihrem Kopf hören.
Wie konnte sie sie sich leisten?
Maron ließ die unausgesprochene Frage in der Luft hängen, während sie in den Hof traten.
Es war nicht so ruhig, wie am Tag davor. Unzählige Schüler strömten aus allen Richtungen zum Hauptgebäude. Gelächter, zu laute Gespräche und Schreie waren aus allen Richtungen von den Schülern zu hören, die sich noch mit Freunden trafen, wenigen Minuten bevor die Glocke läutete.
„Bereit für deinen ersten Tag?“, fragte Natsuki.
„Dafür hast du gesorgt“, nickte Maron lächelnd.
Natsuki war eine Fundgrube voller Informationen. Nach der Tour hatten die beiden Mädchen den Rest des gestrigen Tages damit verbracht, ihre Münder mit süßen Schmuggelwaren vollzustopfen, während sie ihr alles Wichtige über die Schule erzählte. Sie hatten nur ein paar wenige Kurse zusammen, da Natsuki beispielsweise höhere Mathematik als Leistungskurs belegte, aber sie hatte ihr versprochen, dass sie in den gemeinsamen Kursen zusammensitzen und sich zum Mittagessen treffen werden.
Sie überquerten den Hof, unterhielten sich stetig, bis Maron auffiel, dass etwas im Busch war. Sie verstummte und ihre Blicke trafen die eines Mitschülers... dann eines anderen... und dann fünf weitere.
Jeder starrte sie an.
„Ich hatte gehofft, ich würde nicht auffallen“, murmelte sie.
„Kein Stress“, sagte Natsuki, „Gestern Abend habe ich dem Gruppenchat alles von dir erzählt.“
Maron schnellte ihren Kopf herum. „Du hast was?“
Natsuki erhöhte ihr Tempo und zerrte sie mit. „Komm schon! Die Glocke läutet gleich und ich will, dass wir Plätze zusammen bekommen.“
Während sie an alle vorbeiliefen, blickte Maron in die Gesichter ihrer Mitschüler. Die meisten wirkten neugierig.
Sie stürmten in einen vertrauten Korridor und traten durch eine Tür am Ende des Ganges.
Die Hälfte der Klasse war drinnen und als die beiden reinkamen, wandten sich ein Dutzend Augen zu Maron um, blickten sie an. Alle bis auf die Lehrerin – beziehungsweise Professorin, da alle Lehrer einen Professoren-Titel trugen.
Prof. Pakkyaramao hat ihre Augen nicht von ihrem Computer genommen.
Maron fragte sich, ob sie zu ihr hingehen und sich vorstellen sollte, aber Natsuki hatte sie schon weggezerrt, bevor sie den Gedanken beenden konnte.
Sie gingen zu einem hölzernen Schrank. „Handys hier rein“, sagte Natsuki, als sie es öffnete und ihr Gerät in einem der nummerierten Fächer platzierte. „Wir bekommen sie am Ende des Tages zurück.“ Maron nickte verstehend und legte ihr neues Handy in das Fach mit ihrer Schülernummer rein.
Sie schloss den Schrank und folgte Natsuki zu einer Reihe von Tischen, die am nächsten am Fenster waren.
Natsuki saß bereits und zeigte auf den leeren Platz vor ihr. Plumpsend ließ Maron sich darauf nieder und drehte sich zu ihr um, um mit ihr noch zu reden bis die erste Stunde schließlich läutete.
„Klasse. Ihre Aufmerksamkeit, bitte“, kam es von Prof. Pakkyaramao. Sofort wurde es still.
Maron drehte sich nach vorne, als die Professorin von ihrem Sitz aufstand und ihren Blick durch den Raum schweifte. „Der Medienclub hat gerade technische Schwierigkeiten, also werde ich die Ankündigungen weitergeben, bevor Sie sich mit dem Lesestoff beschäftigen.“
Ihre Augen überblickte wieder die Klasse. „Die Stimmen wurden gezählt und dieses Jahr wird das Thema des Balls nächsten Monat ein Maskenball sein.“
„Yeeaah!“ Begeisterung und Euphorie brach in der Klasse aus. Natsuki packte Maron von hinten an den Schultern und schüttelte sie wild.
„Das wird so Hammer!“, quietschte sie.
„Ruhe bitte“, kam es von Prof. Pakkayaramao und sofort wurde es wieder still in der Klasse. „Was ich sagen wollte: den Schülern wird am Tag des Balls eine Sondergenehmigung erteilt, um den Campus zu verlassen, damit Sie ihre Kleider, Anzüge und Masken für den Ball kaufen können. Wenn Sie es nicht bis-“
Bam!
Die Tür flog auf und alle Augen schnellten zum Eingang.
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