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Unbreakable

von mairio
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe OC (Own Character)
18.09.2020
04.12.2020
12
50.392
7
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
18.09.2020 2.233
 
Disclaimer:
Diese Story an die Evergreen Academy Serie von Ruby Vincent angelehnt. Elemente vom Original sind also vorzufinden.
Alle KKJ-Charaktere gehören Arina Tanemura. Ich habe keine Rechte!!

Achtung!
Trigger-Warnung für Mobbing! Es wird heftig (schätze ich mal), andere sensible Themen werden behandelt und ihr wurdet vorgewarnt!! ^^

Hinterlasst bitte Kommentare (wenn ihr wollt). Eure Meinung interessiert mich!

Viel Spaß beim Lesen!!

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ONE

„Schick, schick! Sitzt wie angegossen. Und dann noch Größe XXS… Deine Mutter konnte früher auch immer solche Größen tragen, bevor sie dich bekam.“
Maron kicherte ihre Tante Sora im Spiegel an, die dabei war an ihrer neuen Schuluniform zu zupfen und ordentlich zu richten.
„Erinnert mich an unsere Schulzeit zurück. Nur waren unsere Schuluniformen nicht so schön und edel...oder kamen in verschiedenen Varianten“, sprach Sora in einem teils nostalgischen, teils neidischen Ton weiter.
„Und kostete garantiert nicht so viel wie die Miete“, scherzte Maron, worauf beide prustend lachen mussten.
Ihr Kichern füllte den Raum, bis ein sanftes Wimmern es durchbrach.
Maron schnappte ihren Mund zu und sah im Spiegel zu Zen. Bitte nicht aufwachen, bitte nicht aufwachen!, betete sie in Gedanken.
Sie hielt ihren Atem an, als das Baby sich auf ihrem Bett etwas rührte und das kleine Gesicht verzog. Nach ein paar Sekunden glätteten sich seine Züge und er schlief ruhig weiter.
Maron entspannte sich, atmete erleichtert aus und griff nach ihrer Haarbürste. Ihr kleiner Bruder hatte den ganzen Morgen schon sich geweigert sein Schläfchen zu machen, schrie und weinte so laut, dass die Nachbarn dachten, man würde hier jemanden umbringen. Es hatte Ewigkeiten gedauert bis sie ihn besänftigen konnte, dass Maron schon die Befürchtung hatte, an ihrem ersten Tag an der Tanemura Akademie zu spät zu kommen.
„Das war knapp“, flüsterte Sora, ging zu dem schlafenden Baby und zog ihm das Deckchen bis zum Kinn hoch. Ein sanftes, mütterliches Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht, welches Maron sofort an ihre Mutter Korron erinnerte.
Sie waren sich auch wie aus dem Gesicht geschnitten, man konnte beide fast für Zwillinge halten – dabei war Sora fünf Jahre jünger als Korron. Ihre Mutter hatte mit ihren 35 Jahren noch ziemlich jung ausgesehen, weshalb sie schon des Öfteren auch für Maron’s Schwester gehalten wurde. Und Sora sah auch kaum älter aus, als Maron selbst – um die 20 würde man sie höchstens schätzen.
Sie hatten alle drei dieselben braunen Haare, die in sanften Wellen über die Schultern fielen, dasselbe ovale Gesicht und dieselben braunen Augen. Die Familienähnlichkeit war bei weitem nicht zu übersehen. Umso schmerzlicher waren des Öfteren die Erinnerungen an ihre Mutter, wenn Maron sie in Sora’s oder sogar in ihrem eigenen Gesicht schaute.
Ein Jahr war es nun schon her, seit Sora bei ihnen einzog, um Korron damals mit der Schwangerschaft zu helfen. Und neun Monate seit sie die Vormundschaft für Maron und Zen bekam und sich mit ihrer Nichte um das Baby kümmerte. Maron war froh drum, sonst wären sie und Zen höchstwahrscheinlich im Waisenhaus gelandet und vielleicht noch getrennt worden.

„Du bist dir auch ganz sicher, Kleines?“ Maron’s Hand, die am Bürsten war, stoppte und sie sah über den Spiegel zu Sora. Ihre Blicke trafen sich. „Wegen dieser schicken, neuen Schule“, stellte Sora klar. „Ich meine... Ich weiß, du hattest eine schwierige Zeit hinter dir. Aber du lässt all deine Freunde in der alten Schule zurück.“
„Ich mache mir neue Freunde“, entgegnete Maron schulterzuckend und setzte ein Lächeln auf. Das Lächeln zerfiel schnell wieder, als hätten die Muskeln vergessen, wie es funktionierte.
Doch das war in Ordnung. Die Dinge würden von nun an anders sein. Und bald würde ihr Lächeln wieder echt sein.
„Das wird eine große Chance, Tante Sora“, sagte Maron. „Korrektur: Das ist die Chance“, betonte sie. „Natürlich bin ich mir sicher wegen der Akademie.“
Sora seufzte. „Ich will nur nicht, dass du denkst, dass du hingehen musst. Nach allem-“
Maron’s Griff um ihre Bürste verkrampfte sich. „Sora-“
„-was passiert ist-“
„Tante!“
Zen regte sich bei ihrer lauten Stimme, doch Maron achtete nicht drauf, als sie sich zu Sora umdrehte. Diese erwiderte ernst ihren Blickkontakt. „Ich will nur sichergehen, dass du weißt, was du tust. Wenn du nicht gehen willst, dann musst du das auch nicht.“
Maron senkte ihre Schultern.
„Ich weiß, es tut mir leid.“ Sie atmete tief ein und wieder aus. „Ich will das. Wirklich! Kinder aus aller Welt kämpfen darum hierreinzukommen. Eine Schule, wie die Tanemura Privatakademie auf dem Lebenslauf zu haben, garantiert einen den automatischen Zugang zu jeder Universität im Land. Ich gehe dahin, mache meinen Abschluss, gehe auf eine gute Uni, bekomme einen noch besseren Job-“
„Schon verstanden.“ Seufzend schenkte Sora ihr ein Lächeln.
Maron ging zu ihrem Koffer und packte die letzten Kleinigkeiten fertig ein. Anschließend blickte sie sich in der Wohnung um.
Überall waren Risse an den Wänden und braune Flecken an den Decken. Ein großes Poster versteckte das Loch, welches einer von Korron’s Ex-Freunden reingeschlagen hatte.
Die Wohnung war ziemlich klein, befand sich im ärmsten Viertel Momokuri’s und seit sechzehn Jahren lebte Maron darin - hasste es. Natürlich war diese Bruchbude immer noch besser als auf der Straße zu leben, aber es war offensichtlich nicht für ein Baby geeignet. Doch leider gab es derzeit finanziell keine Möglichkeit auszuziehen.
Dies konnte sich natürlich jetzt ändern. Die Akademie würde ihr diese Möglichkeit verschaffen.
Sie blickte auf sich herab, betrachtete die Uniform. Der Blazer und das Oberteil schmiegten sich um ihre Kurven, während der Rock an der Taille locker herabfiel. Bis auf den weißen Kragen, um ihren Hals, war alles in einem edlen königsblau gehalten. An sich ziemlich stylish für eine Schuluniform.
Ein letztes Mal ging Maron gedanklich eilig alles durch, wollte nichts vergessen. Wollte gleichzeitig auch nicht an ihrem ersten Tag zu spät kommen. Sie klappte anschließend die Koffer zu.
„Du wirst mit Zen auch wirklich klarkommen?“, fragte sie, sah mit hochgezogener Augenbraue zu Sora.
„Klar! Babys lieben mich.“
„Bis vor neun Monaten hattest du keine Ahnung von Babys.“
„Hey, ich habe in der Zwischenzeit viel gelernt!“ Mit gespielter Empörung stemmte Sora die Hände an die Hüfte, worauf Maron sich ein herzhaftes, lautes Lachen nicht verkneifen konnte.
Im nächsten Moment war ein Weinen zu hören.
„Nun schau, was du angerichtet hast“, sagte Sora und nahm Zen in die Arme. „Ich hole die Flasche, während du dich fertig machst.“
Maron nickte. In kürzester Zeit stand sie schließlich an der Tür mit ihren Koffern vor den Füßen. Das war’s.
Zusammen verließen sie die Wohnung. Mit Herzklopfen fuhren sie den wackligen Fahrstuhl herunter.
Alles würde sich jetzt ändern. Maron’s Mundwinkel zuckten nach oben. Ein erneuter Versuch zu Lächeln.
Die Tanemura Akademie wird das Beste sein, was ihr jemals passiert war.
***

Mit einer irritierten Grimasse bog Sora in die letzte Straße ein.
„Tanemura Straße?“, las sie schnaubend das Schild. „Tanemura Herrenhaus, Tanemura Einkaufszentrum, Tanemura Bowlingbahn...“ Ihre Augen schweiften die Gegend ab. „Gibt es etwas in dieser Nachbarschaft was nicht nach dieser Schule benannt ist?!“
Die Straße, welche sie gerade verspottete, war umgeben von dicken Bäumen, die so hoch waren, dass sie mit Leichtigkeit die Morgensonne verdeckten.
Maron antwortete, ohne ihren Blick vom Fenster abzuwenden: „Die Tanemuras waren eine alte Familie, Sora. Sie kamen vor hundert Jahren hierhin, kauften die gesamte Stadt und bauten die Schule.“
Summend drehte Sora desinteressiert das Radio an, beendete damit die Geschichtsstunde.
Seufzend lehnte Maron sich in ihrem Sitz zurück. Seit zwei Stunden waren sie schon unterwegs und nun trennten sie eine zweiminütige Fahrt auf einer dreispurigen Bahn von ihrer neuen Schule.
Sie rieb sich die Hände an den Schenkeln und glättete ihr Kleid. Sie war nicht nervös - vielmehr aufgeregt hier sein zu können. Aber sie fragte sich, wie ein armes Mädchen aus Momokuri, in eine Schule wie diese passen würde, nach der eine ganze Stadt benannt wurde.
Sora fuhr den Hügel rauf und da waren sie schließlich. Maron schoss in ihrem Sitz nach vorne.
Die Tanemura Akademie entfaltete sich vor ihr und war noch erstaunlicher, als sie es sich vorgestellt hatte (und sie hatte sich den Schulkatalog angeschaut, seit sie ihre Zusage erhalten hatte).
Auf 150 Hektar Land saß ein riesiges Konstrukt aus grauem Sandstein, Türmen und Bögen. Es war wie aus einem Film.
Sora pfiff. „Nette Bude.“
„Ja“, atmete Maron.
Als ihr Auto sich einem eisernen Tor näherte, bemerkte sie drei Figuren, die direkt hinter dem Eingang standen. Sora zog den Wagen an den Bordstein an und stellte den Motor ab.
Maron steig aus und zur selben Zeit setzte sich einer der Leute in Bewegung. Ein Mädchen in ihrem Alter schlüpfte durch das Tor und rannte auf sie zu.
„Hallo, ich bin Ma- Mhmpfh!“
Ehe Maron sich versah, hatte die Fremde ihre Arme um sie geworfen und drückte ihr fast die Luft weg. „Du musst Maron sein! Es ist so cool, dass du hier bist.“ Sie löste sich von ihr und nahm ihre Hände. „Mein Name ist Natsuki Sakurai. Ich werde deine Schulbegleiterin sein.“
Sie hob das augenrollend hervor, aber das Lächeln verließ nicht ihr Gesicht.
„Nett dich-… ehm.…“ Maron verstummte, als sie sich ihren Gegenüber anschaute. Das Mädchen vor ihr war unglaublich hübsch.
Ihre Haare wehten sanft im Wind und die Sonne schien wie ein Heiligenschein über ihren Kopf. Leuchtend helle Augen und volle, rosa Lippen, die sich zu einem Grinsen dehnten. Kein einziger Schönheitsfleck oder Pickel verunreinigte ihre Haut.
Maron würde sich selbst nicht als hässlich bezeichnen, aber neben ihr kam sie sich wie eine Kröte vor. Sie stellte fest, dass Natsuki die gleiche blaue Uniform, wie sie, trug.
Königsblau für die Erstjahrgänge. Sie waren also im selben Jahrgang.
„N-Nett dich kennenzulernen!“, stammelte Maron, „Sorry für die Verspätung, ich wollte euch nicht warten lassen.“
Natsuki winkte unbesorgt ab. „Mach dir keine Sorgen. Ich liebe dich jetzt schon! Du befreist mich nämlich den ganzen Tag vom Unterricht“, lachte sie, „Ich werde dir gleich die offizielle Führung geben und dann-“ Sie legte ihre Hand an den Mund und senkte ihre Stimme „-die inoffizielle. Bis zum Ende des Tages wirst du alles wissen, was du über diesen Ort wissen musst.“
„Toll, ich hole nur meine Sachen.“ Maron setzte sich in Bewegung, aber eine Hand auf ihrem Arm stoppte sie.
„Nein, das erledigen die schon.“ Natsuki drehte sich um und rief die beiden Männer herbei, die hinter dem Tor warteten. Ein genauerer Blick zeigte, dass sie Uniformen anderer Art trugen, die sie als Schulpersonal kennzeichneten. Die beiden Männer steuerten auf das Auto zu und holten Maron’s Koffer raus, als sie den Kofferraum öffnete.
„Sie werden alles in dein Zimmer bringen“, erklärte Natsuki, „während ich dich hier rumführe.“
„Sieht so aus, als werde ich nicht mehr gebraucht.“ Maron drehte sich um und sah Sora über dem Dach des Autos an. „Ich werde jetzt gehen, aber ruf mich später an.“
„Okay, tschüss, Sora. Wir sehen uns zum Elterntag.“
Sie gab ihr einen Luftkuss und ließ sich auf den Fahrersitz nieder.
Kichernd öffnete Maron die Hintertür und beugte sich zu Zen herunter. Das neun Monate alte Baby beobachtete sie mit großen, braunen Kulleraugen, während sie ihm einen Kuss auf die Stirn drückte.
„Tschüss, Zen. Ich werde dich vermissen. Ich hab’ dich lieb. Bis bald.“
„Aww“, kam es von Natsuki verzückt, „Wer ist dieser kleine Racker?“
„Mein kleiner Bruder Zen“, sagte Maron, während Natsuki ihren Arm durch ihren einhakte. „Er ist der Süßeste.“
Nickend stimmte Natsuki lachend zu und beide winkten dem Auto nach, welches mit einem kurzen Hupen davonfuhr.
„War das deine Mutter oder deine Schwester?“, fragte Natsuki, während sie Maron durch das Tor führte. Ihre ersten Schritte auf den Tanemura Campus.
„Meine Tante“, antwortete Maron, während sie alles um sich herum aufnahm. Es war eine gute Sache, dass einem die Augen nicht wirklich aus dem Kopf fallen konnten, sonst würden ihre den Boden runterrollen. Ein Ozean aus grün umgab sie. Sie sah einen prächtigen, sprudelnden Brunnen, Gärten und Bänke.
„Meine Mutter lebt nicht mehr“, fügte sie hinzu.
Natsuki blickte sie bestürzt an. „Oh mein Gott, das tut mir furchtbar leid. Mein Beileid.“
„Danke.“ Maron zuckte mit den Schultern.
„Es ist aber großartig, dass sich deine Tante um dich und deinen kleinen Bruder kümmert.“
„Sie ist auch großartig. Und außergewöhnlich.“
„Außergewöhnlich trifft eher auf meine Eltern zu.“ Natsuki lachte schnaubend. „Meine Mom war so sehr mit SMS schreiben beschäftigt gewesen, dass sie zu meinem Einzugstag gegen eine Wand gelaufen ist. Die große Izumi Sakurai musste mit einem massiven Bluterguss auf der Stirn herumlaufen.“
„Warte-… Nicht die Izumi Sakurai, Besitzerin von-“
„Angelic Hair Care“, vollendete Natsuki. „Japp.“
Ihrem Ton nach wäre das keine große Sache, aber Maron starrte sie mit offener Kinnlade an. „Sie ist deine Mutter?!“, sagte sie ungläubig, „Ich bin besessen von ihren Sachen! Einer meiner Koffer -der große- ist bis zum Rand mit ihren Produkten gefüllt. Ihr Shampoo lässt dich riechen wie eine Waldnymphe mit Gardenien im Haar. Kein Wunder, dass deine so heiligenschein-perfekt aussehen!“
Natsuki warf ihren Kopf lachend zurück. „Heiligenschein-perfekt? Waldnymphen? Sagst du immer das, was dir in den Kopf kommt?“
„Japp“, sagte Maron.
Kichernd drückte Natsuki ihren Arm. „Gut. Dann werden wir beide perfekt miteinander auskommen.“
Maron’s Lippen setzten zu einem kleinen Lächeln an. Sie hatte das Gefühl, ihre erste Freundin gefunden zu haben.
Sie beide gingen unter einem einzelnen, großen Torbogen vorbei und etwas fiel Maron ins Auge. Sie zeigte auf die Spitze des Torbogens. „Die Inschrift...“ Sie kniff sich angestrengt die Augen zusammen, konnte nicht lesen, was geschrieben stand. „Was steht da?“
Natsuki verdrehte ihre Augen. „Da steht ‚Tradition ist alles‘.“
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