Der lange Weg in die Zukunft

von Achanti
GeschichteAllgemein / P18
17.09.2020
27.10.2020
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17.10.2020 3.545
 
Zwei Monate später kam Susannah erneut aufgebracht in die Bar. Devin hob verwundert die Augenbrauen und stellte ihr gleich ein Schnapsglas hin. „ Was ist denn jetzt schon wieder los?“, fragte er neugierig. „ Erinnerst du dich an den Gast von dem ich dir vor einigen Wochen erzählt habe?“ Devin nickte knapp. „ Er ist abgereist aber jetzt ist er wieder da. Keine Ahnung was er hier will, aber langsam wird er mir unheimlich.“

Devin hielt in seiner Arbeit inne und richtete sich auf. „ Wenn du dir Sorgen machst, ruf einfach die Polizei. Allerdings werden die nicht viel tun, wenn du keine Beweise hast.“ „ Und die habe ich auch nicht. Es ist einfach so ein schlechtes Gefühl.“ „ Wer hat ein schlechtes Gefühl?“

Runa kam zu ihnen und gab Devin einen Kuss auf die Wange. Die zwei waren sich inzwischen immer näher gekommen, dennoch hatten sie den letzten Schritt noch nicht gewagt. Runa hatte etwas Angst davor, obwohl sie durchaus schon Sex gehabt hatte. Aber sie wollte sich einfach Zeit lassen. Devin hatte vollstes Verständnis dafür und drängte sie nicht. In den letzten zwei Monaten hatten sie immer mehr voneinander erfahren, auch wenn sie sich noch nicht alles voneinander erzählt hatten.

„ Ich habe ein schlechtes Gefühl. Dieser Gast von vor zwei Monaten ist wieder da und er ist einfach nur komisch.“ „ Wieso komisch? Was meinst du damit?“ Runa sah sie interessiert an und vergaß für einen Moment die Gäste, obwohl es unheimlich voll war. Die Urlaubssaison war in vollem Gange und jeden Abend war die Bar gut gefüllt.

„ Ach er stellt komische Fragen, ist ständig unterwegs und ist kaum beim Frühstück anwesend, obwohl er dafür zahlt. Ich weiß einfach nicht was ich von ihm halten soll.“ Runa runzelte die Stirn. „ Lass ihn doch einfach. Vielleicht ist er ja ein aufstrebender Schauspieler und er versucht sich in seine Rolle einzufinden.“

Susannah lachte trocken auf. „ Du hast zu viel Fantasie. Aber ich will euch auch nicht länger aufhalten. Kümmert euch um eure Gäste. Sollte doch noch etwas vorfallen, kann ich ja wirklich noch die Polizei rufen.“ „ In diesem Sinne…“ Devin stellte Runa das nächste Tablett hin, welches sie mit einem leichten Augenzwinkern entgegen nahm.

Die beiden arbeiteten unermüdlich und tatsächlich sprang Pops zwischendurch sogar am Zapfhahn ein, damit Devin ebenfalls bedienen konnte. Erst um halb vier verließ der letzte Gast die Bar und die beiden ließen sich erschöpft an einem Tisch nieder.

„ Oh man, ich hasse die Urlaubssaison“, murrte Devin und rieb sich die müden Augen. „ Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich bin auch ziemlich platt. Aber vielleicht können wir ja nach dieser Saison selbst für ein paar Tage Urlaub machen. Wir müssen ja nicht wegfahren.“ „ Und wer übernimmt die Bar? Wir können nicht einfach schließen.“ „ Warst du etwa noch nie im Urlaub, seit du diese Bar hier hast?“

Devin schüttelte den Kopf. „ Und wenn Pops in der Zeit übernimmt? Vielleicht kann ich meine Schwester auch fragen, ob sie ihm hilft.“ Devin hob den Kopf und sah sie ernst an. „ Linnea arbeitet für Aiden und ich werde sie ihm nicht wegnehmen. Hör auf irgendwelche Auswege zu finden. Ich lebe hier am Meer, also warum sollte ich wegfahren?“ „ Es geht doch gar nicht mal so sehr darum wegzufahren. Du brauchst einfach mal eine Pause. Du sollst dich auch mal erholen.“

Runa musterte ihn besorgt, was Devin ein kleines Lächeln entlockte. Er griff nach ihrer Hand und drückte ihr einen Kuss darauf. „ Deine Fürsorge ehrt dich, aber mir geht’s gut. Lass uns für heute Schluss machen und ins Bett gehen.“

Mürrisch erhob Runa sich und machte sich an die Aufräumarbeiten. Um vier Uhr waren sie soweit fertig und stiegen die Treppe hoch zu ihren Wohnungen. Dort angekommen wollte Runa sich wie jedes Mal von ihm verabschieden, doch Devin zog sie in seine Arme.  

„ Bitte schlaf heute bei mir. Lass uns diesen Tag zusammen beenden.“ Runa starrte ihn verblüfft an und zögerte kurz. Devin wartete geduldig auf ihre Antwort und streichelte ihr währenddessen immer wieder über die Hand. Schließlich gab sie nach und schmiegte sich an ihn. „ Okay“, flüsterte sie, was ihn tatsächlich erstaunte.

Gemeinsam betraten sie seine Wohnung wo Devin geradewegs in die Küche ging. „ Willst du auch noch was trinken?“ „ Sei mir nicht böse, aber eigentlich will ich nur noch unter die Dusche und dann ins Bett.“ Devin zog sie zu sich und küsste sie sanft. „ Dann spring mal unter die Dusche. Ich stelle dir trotzdem ein Glas Wasser ans Bett.“ „ Das ist lieb von dir, danke.“

Schlurfend ging sie ins Bad, drehte das Wasser auf und stellte sich dann unter den angenehmen Wasserstrahl. Sie war froh den Geruch der Bar von sich abzuspülen und würde am liebsten noch länger hier stehen bleiben. Trotzdem musste sie irgendwann das Wasser abstellen und stieg aus der Dusche. Sie griff wahllos nach einem Handtuch und band es sich um. Ein Blick in den Spiegel zeigte ihr, dass sie völlig übermüdet aussah und dringend eine Mütze voll Schlaf brauchte.

Plötzlich klopfte es an der Tür, sodass sie erschrocken zusammen zuckte. So schnell sie konnte schlüpfte sie in ihre alten Klamotten und öffnete. „ Ich habe hier ein paar Klamotten. Du willst wahrscheinlich ungerne in den Klamotten schlafen, oder?“ „ Ich kann doch auch einfach rübergehen und…“ „ Ich wünsche mir, dass du in meinen Sachen schläfst“, erwiderte er und sah sie bittend an.

Sie zögerte, konnte ihm diese Bitte aber auch nicht abschlagen. Mit einem schüchternen Lächeln griff sie danach und zog sich wieder ins Bad zurück. Wenige Minuten später erschien sie wieder im Wohnzimmer und staunte nicht schlecht, als Devin dort noch mit einem Glas Wasser saß.

„ Du willst noch nicht ins Bett?“ „ Ich muss erst noch was trinken. Das ist mein Ritual um runterzufahren.“ Er lächelte und klopfte einladend auf seine freie Seite. Sie setzte sich zu ihm und lehnte sich an ihn.

„ Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier jemals so glücklich werden könnte“, murmelte sie müde. „ Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Aber ich glaube es liegt auch einfach an diesem Ort. Als ich einen Neuanfang wollte, bin ich hier auch fündig geworden. Aiden hat mir ebenfalls geholfen.“

Runa wollte noch etwas erwidern, doch ihre Augen waren so schwer, dass sie einfach zu fielen und sie in einen traumlosen Schlaf fiel. Devin lächelte leicht, hob sie hoch und trug sie ins Schlafzimmer. Dort legte er sie vorsichtig in sein Bett und deckte sie fürsorglich zu. Er zögerte kurz, dann legte er sich neben sie und schloss die Augen. Er merkte gar nicht, wie er im Schlaf einen Arm um seine Freundin legte und diese sanft an sich zog.




Ein penetrantes Klopfen an der Tür riss Devin aus seinem Schlaf. Mürrisch öffnete er die Augen und wollte vorsichtig aufstehen, damit Runa nicht geweckt wurde, doch diese lag schon nicht mehr neben ihm. Etwas enttäuscht stand er auf, ging zur Tür und öffnete.

„ Susannah? Müsstest du nicht normalerweise in deiner Pension sein?“ Devin war sichtlich verblüfft die Pensionsbesitzerin zu sehen. „ Eigentlich schon, aber mein neuester Gast macht Ärger und ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Die Polizei habe ich schon gefragt, aber mehr als ein Hausverbot sprechen die auch nicht aus. Er ist zwar aus der Pension raus, aber er verlässt partout nicht die Stadt. Und er lungert immer wieder vor der Pension rum.“ „ Und was bitte soll ich da machen? Er war nie in meiner Bar, also habe ich auch keine Handhabe.“ „ Er ist mir einfach suspekt und die Polizei unternimmt nichts. Du löst doch sonst immer alle Probleme.“ „ Susannah, du hast eine völlig falsche Vorstellung von mir. Wenn es etwas gibt, bei dem ich dir wirklich helfen kann, bin ich sofort dabei, aber hier kann ich dir einfach nicht helfen.“ „ Schon klar… naja, tut mir leid, dass ich dich gestört habe.“

Susannah stürmte aus dem Haus, während Devin seufzend zurück in seine Wohnung ging. Runa war tatsächlich nicht mehr da und er hatte keine Ahnung wo sie sein könnte. Höchst wahrscheinlich war sie mitten in der Nacht aufgestanden und in ihre eigene Wohnung gegangen.

Etwas enttäuscht stellte er sich an die Kaffeemaschine und wartete darauf, dass er den ersten Schluck des koffeinhaltigen Getränks zu sich nehmen konnte. Hoffentlich bekam er später wenigstens eine Erklärung für ihren Abgang.

Schließlich griff er nach der Tasse und trank einen ersten Schluck. Er konnte sich nicht vorstellen was er falsch gemacht haben könnte und dieses unsichere Gefühl in ihm fraß ihn geradezu auf. Irgendwann hatte er den Kaffee getrunken, doch richtig wach werden wollte er auch nicht.

Mit schweren Schritten ging er ins Bad, stellte sich unter die Dusche und ließ das warme Wasser über seinen nackten Körper fließen. Er hatte jetzt seit Wochen keinen Sex mehr und musste zugeben, dass er ihn auch nicht wirklich vermisste. Die Gefühle zu Runa waren stärker, auch wenn sie ihn jetzt scheinbar erneut von sich gestoßen hatte. Er würde um sie kämpfen und hoffte, dass sie ihm wenigstens ein kleines bisschen entgegen kommen würde.

Als er fertig war, zog er sich an und ging hinunter in die Bar. Es war viel zu früh, aber so konnte er wenigstens in Ruhe die Bestellungen für die nächsten Tage aufschreiben und weitergeben. Er war so in seine Arbeit vertieft, dass er gar nicht bemerkte, wie jemand die Bar betrat. Erst ein Räuspern riss ihn aus seiner Konzentration.

Langsam sah er auf und lehnte sich dann zurück. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass sie wenigstens pünktlich war. „ Schön, dass du zur Arbeit erscheinst“, kommentierte er ihren Auftritt. Unbehaglich trat sie von einem Fuß auf den anderen, unfähig irgendetwas zu sagen.

Devin seufzte und legte den Stift zur Seite. „ Bekomme ich wenigstens eine Erklärung? Du hast dich den ganzen Tag nicht gemeldet.“ Entschuldigend sah sie ihn an. „ Ich… ich konnte das einfach nicht. Es war mir zu viel. Ich habe die Nähe einfach nicht ertragen.“

Sofort traten ihr Tränen in die Augen, aber Devin wollte sich nicht erweichen lassen. „ Und warum zum Teufel hast du mich nicht geweckt und es mir gleich gesagt? Wenn du nicht mit mir in einem Bett hättest schlafen wollen, dann hättest du es mir sagen können.“ „ Darum geht es doch gar nicht. Es… du…“

Sie stockte und Devin seufzte erneut. „ Was ist es dann? Eine Beziehung funktioniert nur, wenn die Partner miteinander reden. Und so wie ich es sehe, redest du gar nicht mit mir. Also hat diese Beziehung auch keinen Sinn.“

Runa erstarrte. Sie hatte sich so wohlgefühlt mit ihm und jetzt wollte er einfach alles beenden? „ Devin“, flehte sie kaum hörbar, doch Devin beugte sich schon wieder über die Bestellungen.  „ Als du den Arm um mich gelegt hast, habe ich mich eingeengt gefühlt. Ich habe Panik bekommen.“

Devin atmete tief durch und stand auf. „ Du kennst meine Meinung Runa. Ich kann Verständnis für dich aufbringen, ich denke das hast du in den letzten Wochen auch gesehen. Aber du musst mit mir reden. Ich muss wissen woran ich bei dir bin. Versetz dich doch einmal in meine Lage. Wie hättest du dich gefühlt, wenn du heute aufgewacht wärst und ich nicht neben dir gelegen hätte? Und was hättest du gemacht, wenn ich mich den ganzen Tag nicht bei dir gemeldet hätte?“

Runa ließ sich weinend auf einen Stuhl nieder und vergrub ihren Kopf in den Händen. Mit allem was er sagte hatte er recht und sie konnte es ihm noch nicht einmal verübeln. „ Kann ich es… es tut mir leid Devin, ehrlich. Ich will es auch wieder gut machen, aber… kann ich das überhaupt?“

Devin drehte sich zu ihr und atmete tief durch. „ Runa du bist mir wichtig. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Frau mir so nah kommen könnte, aber du… keine Ahnung wie du es geschafft hast, aber du bist ständig in meinem Kopf. Vor allem seit du mir erzählt hast was du erlebt hast. Aber wie soll das zwischen uns was werden, wenn du mir verschweigst, was dir Angst macht?“

Traurig sah sie ihn an, unfähig irgendetwas zu sagen. Schließlich senkte sie den Kopf und wiegte ihren Körper vor und zurück. Besorgt wollte Devin auf sie zugehen, doch sie wehrte ihn sofort ab. „ Du hast mich gepackt Devin“, platzte es dann doch aus ihr heraus.

Irritiert starrte er sie an. „ Ich habe dich gepackt? Was meinst du damit?“ Er wirkte ernstlich verwirrt, sodass Runa langsam aufsah. „ Als wir im Bett lagen… du hast geschlafen und dann hast du auf einmal deinen Arm um mich gelegt und mich an dich gezogen. Ich bin in Panik geraten. Ich hatte einfach Angst.“

Devin kniete sich vor sie und verschränkte bewusst die Hände hinter seinem Rücken. „ Das musst du mir sagen Runa. Was ich im Schlaf mache kann ich nicht steuern. Du hättest mich wecken können. Und irgendwann… Gott Runa, ich wünsche mir so sehr, dass du meine Berührungen irgendwann auch im Schlaf akzeptieren kannst.“ „ Es tut mir so leid. Ich weiß, dass ich schwierig bin, aber ich kriege es einfach nicht aus meinem Kopf.“

Devin zögerte kurz, dann griff er nach ihren Händen und hielt sie sanft fest. „ Du wirst es aus deinem Kopf kriegen. Gemeinsam schaffen wir das. Wir lassen uns alle Zeit der Welt und irgendwann werden wir ein tolles Leben haben.“ „ Wieso hast du so viel Geduld? Du könntest zig andere Frauen haben, warum vergeudest du deine Zeit mit mir?“

Sanft wischte er ihr die Tränen aus dem Gesicht und lächelte leicht. „ Das habe ich doch schon gesagt. Du bist ständig in meinem Kopf Runa. Ich frage mich jeden verdammten Tag wie du es geschafft hast.“ Endlich schlich sich auch ein Lächeln auf ihr Gesicht, sodass Devin sich etwas entspannte. Er verfluchte Runas Vater und Stiefbruder für ihr grausames Verhalten. Ihretwegen hatte Runa sämtliches Selbstbewusstsein verloren und hatte beinahe Angst vor ihrem eigenen Schatten.

„ Wahrscheinlich habe ich einfach diese Art an mir“, flüsterte sie. Er nickte schwach. „ Die hast du.“ Er näherte sich ihren Lippen und strich mit seinen zart darüber. Es war nur ein flüchtiger, beinahe gehauchter Kuss und doch steckten darin so viele Gefühle, wie sie sie noch nie gefühlt hatten. Die beiden waren noch mitten in ihrer trauten Blase, da wurde die Tür stürmisch geöffnet.

„ Oh Gott, gut, dass du hier bist.“ Erschrocken fuhren die beiden auseinander und starrten mit großen Augen auf Linnea, die panisch in die Bar gekommen war. „ Linnea. Was ist denn los?“ Linnea musste erst einmal tief durchatmen ehe sie den beiden sagen konnte was sie auf dem Herzen hatte. Sie zog sich einen Stuhl heran und blickte ihrer Schwester dann ernst in die Augen.

„ Es tut mir so leid Runa, aber…“ Sie stockte und suchte nach den passenden Worten. Runa verkrampfte sich und spürte auch nicht mehr, wie Devin ihre Hand hielt und sanft darüber streichelte. „ Runa, ich habe Patrick heute gesehen. Und bevor du fragst: Ich habe zweimal hingeguckt und ich bin mir sicher. Er war es. Keine Ahnung was er hier macht, aber er ist in die Pension hier gegangen. Ich schätze es ist nur noch eine Frage der Zeit bis er auch die Bar hier aufsucht. Ich… vielleicht wäre es besser, wenn du in den nächsten Tagen nicht arbeitest.“

Runa traute ihren Ohren nicht und fing an am ganzen Körper zu zittern. Linnea nahm ihre Schwester sofort in den Arm, während Devin völlig konfus neben ihnen stand und keine Ahnung hatte um was es hier ging. Wer war dieser Patrick und warum war Runa auf einmal so durch den Wind?

„ Vielleicht ist er schon bald wieder weg. Mach dir keine Sorgen, ich bin jetzt bei dir und ich lasse dich nicht nochmal alleine.“ Und dann klickte es in seinem Kopf. Dieser letzte Satz machte ihm deutlich, dass dieser Patrick wohl der Stiefbruder der beiden war, welcher ihnen das Leben schwer gemacht hatte.

„ Er wird diese Bar nicht betreten Linnea, dafür werde ich schon sorgen.“ „ Ach ja und wie willst du das machen? Du weißt nicht einmal wie er aussieht“, fauchte Linnea. „ Und genau deshalb ist Runa ja auch bei mir. Sie weiß wie er aussieht und sie wird mich auf ihn hinweisen.“ „ Du lässt meine Schwester nicht hier arbeiten, wenn dieser Verrückte hier ist.“ „ Ich muss arbeiten Linnea“, hauchte Runa  und sah ihre Schwester traurig an. „ Devin wird auf mich aufpassen das weiß ich. Du musst dir keine Sorgen machen.“ „ Runa…“

Linnea wollte nicht so leicht nachgeben, aber der Gesichtsausdruck ihrer Schwester ließ sie innehalten. Devin wirkte in der Tat wie ein Beschützer und so atmete sie tief durch. „ Versprich mir, dass du auf dich aufpasst Runa. Ich will nicht, dass dir etwas passiert.“ „ Mir passiert nicht“, erwiderte Runa ernst und umarmte ihre Schwester.

„ Hast du Aiden schon Bescheid gesagt?“, wollte sie anschließend wissen. „ Ich… nein. Ich arbeite ja bei ihm und wenn ich einfach…“ „ Du musst es ihm sagen“, meinte Devin ernst. „ Er hat nicht nur Runa terrorisiert, sondern auch dich. Aiden wird dir helfen.“ „ Versprich mir, dass du auf meine Schwester aufpasst. Ihr darf nichts passieren.“

Linnea dachte nicht mehr an sich, schließlich hatte Runa länger unter ihrem Stiefbruder gelitten als sie. „ Du musst dir keine Sorgen machen Linnea. Solange ich bei Runa bin, wird ihr nichts passieren.“ Linnea zögerte kurz, dann nickte sie und verließ umsichtig die Bar.

Devin drehte sich zu seiner Freundin um und sah sie fragend an. „ Bist du okay? Oder willst du lieber in die Wohnung?“ „ Ich werde arbeiten“, entgegnete sie kampfeslustig und stand auf. Auch wenn ihre Knie noch etwas zitterten, so wollte sie nicht klein beigeben und gegen ihren Stiefbruder kämpfen. Jahrelang hatte er über ihr Leben bestimmt, aber damit sollte jetzt Schluss sein.

Devin lächelte leicht und küsste sie auf die Stirn. „ Du bist wunderbar, weißt du das?“ „ Nur weil du bei mir bist“, murmelte sie und lehnte sich dankbar an ihn. Die beiden blieben noch einige Minuten Arm in Arm stehen, doch dann begann der Barbetrieb, denn die ersten Gäste traten ein.

Auch wenn Devin sich hauptsächlich um die Getränke kümmerte, achtete er doch immer wieder auf die Tür. Er hatte keine Ahnung wie Runas Stiefbruder aussah, aber er kannte die meisten Einheimischen und alle fremden Gäste kamen in Begleitung, sodass er sicher sein konnte, dass es sich hier nicht um ihren Stiefbruder handelte.

Endlich konnten sie die Bar schließen und Runa machte sich daran aufzuräumen. „ Es war relativ ruhig heute“, bemerkte Devin, während er die letzten Gläser aus der Spülmaschine räumte. „ Zum Glück.“ Runa legte den Lappen zur Seite und blickte sorgenvoll zur Tür.

Sofort griff Devin nach ihrer Hand. „ Mach dir keine Sorgen, ich bin bei dir. Er kann dir nichts tun.“ Bei seinen Worten traten ihr die Tränen in die Augen. Sie wollte nicht schwach sein, aber sie wollte auch nicht alleine sein. Sie nahm all ihren Mut zusammen und sah ihn fragend an.

„ Bleibst du heute Nacht bei mir?“ „ Ich werde immer bei dir bleiben Runa. Soll ich heute bei dir schlafen?“ Zögerlich schüttelte sie den Kopf. „ Ich… ich würde lieber bei dir schlafen“, gestand sie ihm leise. „ Jederzeit. Na komm, lass uns gehen, dann kannst du noch ein paar Sachen aus deiner Wohnung holen.“ Sie nickte und folgte ihm nach draußen.

Automatisch sah sie sich um, konnte allerdings niemanden entdecken. Devin legte vorsichtig einen Arm um sie, damit sie nicht erschrak und führte sie dann zu ihren Wohnungen. „ Ich bin bei dir Runa. Er wird dir nicht zu nahe kommen.“

Traurig sah sie ihn an. „ Es tut mir so leid. Ich will dich nicht belästigen und dann…“ „ Du belästigst mich nicht. Im Gegenteil, ich bin froh wenn ich Zeit mit dir verbringen kann. Auch wenn es jetzt vielleicht etwas andere Umstände sind, aber ich bin froh, dass wir uns so wenigstens etwas näherkommen. Ich freue mich darüber, denn so kann ich dich noch besser kennenlernen.“

Runa konnte nicht anders, sondern lächelte ihn leicht an. Dann betrat sie ihre Wohnung und sammelte ein paar ihrer Sachen ein. Devin wartete draußen auf dem Flur, damit sie etwas Privatsphäre hatte. Er konnte sich nicht annährend vorstellen was im Moment in ihr vorging, doch er hoffte, dass sie ihm alles sagen würde.

Wenig später stand sie wieder vor ihm und hielt eine kleine Tasche in den Händen. „ Hier drin ist erstmal alles.“ „ Gut, dann können wir uns ja endlich auf den langen Heimweg machen“, erwiderte Devin mit einem kleinen Grinsen.

Runa erwiderte das Grinsen und knuffte ihn in die Seite. Gemeinsam betraten sie nun seine Wohnung wo Devin geradewegs in die Küche ging. „ Willst du auch noch was trinken?“, fragte er sie. „ Nein, ich gehe lieber unter die Dusche“, entgegnete sie und verschwand schon im Bad.

Es freute ihn, dass sie sich scheinbar langsam heimisch fühlte und so lehnte er sich an die Arbeitsplatte und ließ den Tag Revue passieren. Runas Vergangenheit hatte sie scheinbar eingeholt, aber er würde alles dafür tun, damit ihr nichts passierte.

Als sie aus dem Bad kam, hatte sie schon Klamotten für die Nacht an. „ Woran denkst du?“, fragte sie leise und stellte sich vor ihn. Devin stellte sein Glas ab und nahm seine Freundin in den Arm. „ Ich denke im Moment nur an dich. Ich möchte mit dir glücklich werden und dafür tue ich alles.“

Runa lehnte sich dankbar an ihn und atmete tief durch. „ Ich möchte auch endlich glücklich werden. Gemeinsam schaffen wir das.“ Mit diesen Worten führte er sie ins Schlafzimmer wo sie auch schon wenig später in einen tiefen Schlaf fielen.
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