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Lord Lesters Leid

GedichtHumor, Poesie / P6
17.09.2020
17.09.2020
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Lord Lesters Leid

Lord Lester war im Dorf gewesen
Und wollte nun in Ruhe lesen.
So ließ er sich im Sessel nieder,
Erhob sich aber gleich schon wieder:
Es klapperte, selbst klapperdürr,
Der Butler laut mit dem Geschirr.
Es griff mit einem derben Fluch
Lord Lester jetzt nach seinem Buch;
Er flüchtete aus dem Salon
Und suchte dann auf dem Balkon
Nach Stille und nach inn'rem Frieden,
Doch beides war ihm nicht beschieden,
Denn bald vernahm er unter Stöhnen
Des Rasenmähers lautes Dröhnen.
Es war das Brummen ihm ein Graus,
Drum lief Lord Lester aus dem Haus
Zurück ins Dorf, vor's Rathaustor:
Dort probte jetzt ein Männerchor!
Dann fand er endlich eine Bank
Und rief erleichtert: „Gott sei Dank!“;
Dann aber hörte er erschrocken
Den lauten Klang der Kirchenglocken.
Da war es um den Lord geschehen,
Er ließ in seiner Wut sich gehen:
Er fuhr wahrhaftig aus der Haut
Und schimpfte auf den Lärm nun laut!
Doch so erregte er im Nu
Den Zorn der Lady Montague;
Mit steifer Miene nahte sich
Die strenge Lady fürchterlich,
Und während noch aus Leibeskräften
Der hohen Dame Hündchen kläfften,
Begann sie, stolz auf ihren Adel,
Sogleich mit ihrem scharfen Tadel:
„Ich muß, Lord Lester, doch sehr bitten;
Was sind dies nur für neue Sitten!
Es läßt sich vieles zwar verzeihen,
Doch nicht so unbeherrschtes Schreien!!
Es ist abscheulich, unerhört,
Wenn jemand so die Nachbarn stört!!!
Wer so schreit, hat es auszubaden
Und wird zum Tee nicht eingeladen!!!!“
Lord Lester wagte nichts zu sagen,
Die Lady rief nach ihrem Wagen;
Es stieg dann höchst pikiert sie ein
Und ließ den armen Lord allein.
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