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Love and Fight

von Lilime
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde Hosea Matthews Jack Marston Tilly Jackson Uncle
17.09.2020
04.11.2020
18
30.704
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19.09.2020 1.843
 
„Hey, Arthur ist zurück!“

„Wurde ja auch Zeit.“

„Aber wer ist das denn?“

Als sie das Lager in der Nähe von Valentine erreichten, kamen ihnen schon etliche Leute neugierig entgegen. Allie war nervös. Sie wusste nicht, was jetzt auf sie zu kam und wie die Menschen hier auf sie reagieren würden. Ja, sie wusste ja nicht einmal, wo sie hier eigentlich waren. Als sie sich ein wenig umsah, konnte sie etliche Zelte und Pferdewagen erkennen.

„Was ist hier los?“ Dutch Van Der Linde trat aus seinem Zelt und kam auf sie zu. Arthur jedoch reagierte vorerst nicht auf ihn und stieg von seinem Pferd, bevor er auch Allie herunter half.

„Arthur!“, sagte er mit einer Nachdrücklichkeit in seiner Stimme, die kein weiteres Ignorieren zulassen würde. „Charles sagte nichts davon, dass du einen Gast mit bringen würdest.“ Nun sah er Allie direkt an. „Dutch Van Der Linde, Ma'am.“, sagte er und schien sich leicht zu verneigen.

„A-Allie. Allie Jakobs.“ Sie wusste nicht, welche Rolle dieser Mann vor ihr spielte. Sie war immer noch unsicher und fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte. Aber sie vertraute Arthur. Oder versuchte es zumindest.

„Sie wird eine Weile bei uns bleiben, wenn du nichts dagegen hast.“, sagte er und band sein Pferd an.

„Selbstverständlich. Bleiben Sie ruhig ein Wenig, Miss Jakobs. Und feiern Sie heute mit uns. Lasst uns die gesunde Rückkehr unseres lieben Seans feiern!“ Den letzten Satz sagte er so laut, dass ihn alle im Lager hören konnten. „Und morgen will mit dir reden, also verschwinde nicht wieder.“, sagte Dutch, diesmal etwas leiser, zu Arthur.

„Komm.“, meinte Arthur zu ihr und zog sie sanft am Arm in Richtung seines Zeltes. Er merkte, wie es ihr schwer fiel, die Blicke der Lagerbewohner zu ignorieren. „Wenn du möchtest, kannst du dich hier ein wenig ausruhen.“

„Arthur, wo sind wir hier?“

„Hier lebe ich, kleine Miss Allie.“, sagte er leise. Er musste zugeben, dass er sich ein wenig überfordert fühlte mit der Situation. Noch nie hatte er eine Frau mit ins Lager gebracht. Zu den Menschen mit denen er lebte, mit denen er kämpfte. Zu seiner Familie. „Ich hole dir erst einmal was zu trinken.“, fuhr er fort, musste ein wenig Abstand gewinnen zu der Frau, die ihn in kurzer Zeit so sehr um den Verstand brachte.

Schneller als Allie realisieren konnte, drehte sich Arthur um und ging zu einem anderen Zelt rüber. „Miss Grimshaw!“, hörte sie ihn nur noch rufen, bevor er verschwand und sie allein zurück ließ.

- - - - - -

Allie setzte sich auf das Bett und wartete dann eine gefühlte Ewigkeit auf Arthur, der einfach nicht wieder zu kommen schien. Sie versuchte nicht allzu sehr zu erschrecken, als neben ihr plötzlich eine schöne Frau mit dunkler Haut und dunklen Haaren auftauchte.

„Hallo, du musst Allie sein.“, sagte sie und betrat das Zelt.“Ich bin Tilly. Arthur bat mich, nach dir zu sehen, da er gerade noch bei den Vorbereitungen helfen muss.“ Ohne auf eine Antwort von Allie zu warten, erzählte sie weiter. Erzählte ihr von der Gruppe und von Sean, zu dessen Befreiung nun diese kleine Party veranstaltet wurde. Die Worte flossen nur so aus Tillys Mund und gaben Allie nicht den Hauch einer Chance etwas zu sagen, oder auch nur etwas zu hinterfragen.

„Komm, ich zeig dir ein wenig das Lager.“ Und schon wurde Allie an der Hand aus dem Zelt geführt und ließ sich von der Schwarzhaarigen alles zeigen. Man merkte, wie die Stimmung im Lager ausgelassener wurde und der Alkohol in Massen floss. Währenddessen wurde sie einigen der anderen Frauen vorgestellt, die jedoch ein wenig zurückhaltender auf sie reagierten, als es Tilly getan hatte.

- - - - - -

Allie verabschiedete sich dankend von Tilly und machte sich auf die Suche nach Arthur. Die ausgelassene Stimmung im Lager machte sie irgendwie froh. Sie wusste nicht genau, wieso Seans Rückkehr gefeiert wurde. Doch, allein schon, diese Menschen zu sehen, die sich vermutlich nicht mehr von einander unterscheiden konnten, als sie es eh schon taten, und dennoch eins waren. Sie tranken, sie lachten, sie sangen. Als könnte sie nichts auf dieser Welt betrüben.

Wo wir einmal beim Singen sind, dachte sich Allie und lächelte, als sie Arthur am Lagerfeuer sitzen sah, der lauthals mit ein paar der anderen Männer sang.

„Make your living off a ring-dang-do.

The ring-dang-do, now what is that?
It's soft and round like a pussycat,
Got a hole in the middle and it's split in two;
And that's what you call the ring-dang-do!!!!“

Leise, um sie nicht zu unterbrechen, setze sich Allie neben ihn. Er sah sie an und legte einen Arm um sie, während er weiter sang.

„She went off to be a whore;
Hung this sign upon her door;
A dollar each and three for two;
To take a crack at my ring-dang-do,

The ring-dang-do, now what is that?
It's soft and round like a pussycat,
Got a hole in the middle and it's split in two;
And that's what you call the ring-dang-do.“

Allie stimmte in das Lachen der Männer mit ein und lehnte sich an Arthur. Auch wenn er wirklich krumm und schief sang und absolut nicht im Takt war, hatte seine Stimme dennoch etwas an sich. Beruhigte sie. Auch wenn das Lied hier über eine Hure handelte.

„Du bist ein sehr schmutziger Mann.“, sagte Arthur und erntete ein Lachen von dem älteren Mann, der ihn gegenüber auf einem Stuhl saß. Neben ihm saß ein Mann mit langen dunklen Haaren und spielte Gitarre. Außerdem war da noch der rothaarige Irre, der ebenfalls am Feuer auf einer Kiste saß. Von Tilly hatte sie erfahren, dass das Sean sein musste. Für ihn sollte wohl diese kleine Feier sein.

Als dieser das nächste Lied anstimmte, reichte Arthur ihr eine Bierflasche aus der Kiste neben sich. Dankend nahm sie es an und sah in das Flammen vor sich. Die Feuer wärmten sie schnell auf, der Alkohol tat dann das übrige. Dann glitt ihr Blick zu Arthur und sie fragte sich, ob das alles hier irgendwas zu bedeuten hatte und wohin es hin führen sollte. Dieser lächelte zu ihr herunter und legte wieder den Arm um sie, während er in das Lied einstimmte.

„My love for you, it has caused me to roam;
I'm a rabble rouser and Dixie's my home....“

Allie bemerkte nur nebenbei, wie sich noch zwei andere Frauen ans Lagerfeuer gesellten und Arthur und ihr Blicke zu warfen, die sich nicht deuten konnte. Nicht deuten wollte. Nicht heute, nicht jetzt, wo alles so perfekt schien. Sie beschloss, spätestens morgen mit Arthur zu reden.

Allie hörte, wie hinter ihr die plötzlich eine Melodie aus einem Grammophone ertönte. Sie beobachtete wie Dutch und eine schöne Rothaarige zu tanzen anfingen. Vermutlich starrte sie ein wenig zu lang und versank schon in Gedanken, als Arthur sie plötzlich von der Seite an stupste.

„Möchtest du?“, fragte er sie und lächelte.

„W-Was?“, sie war sich nicht sicher, ob er wirklich das meinte, was sie nun dachte.

„Tanzen.“ Fuhr er fort und deutete zu dem schon tanzenden Paar.

„Ich fürchte, ich bin nicht besonders gut darin.“ Allie hoffte, dass es ihm als Antwort reichen würde und er die Sache vergaß, wollte sie doch nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

„Gut,“, meinte er und stand auf. Würde er jetzt gehen? Sie hoffte nicht. Und noch ehe sie es realisieren konnte, hatte er sie bereit auf die Beine gezogen und führte sie auf die improvisierte Tanzfläche. „Ich kann es auch nicht.“ Noch bevor sie protestieren konnte, zog er sie nach an sich ran und fing an, sich halbwegs zum Takt der Musik zu bewegen.

„Denk nicht zu viel nach, Allie.“, flüsterte er ihr ins Ohr, so leise, das es nur sie hören konnte. Er war ihr so unanständig nah, dass sie die Hitze seines Körpers spürte, als wäre es die ihre. „Mach einfach das, was dir Freude macht, egal, was andere darüber denken könnten. Scheiß auf das, was man von dir eventuell erwarten könnte. Das macht dich nur unglücklich.“

Allie sah ihn erschrocken an und dachte über seine Worte nach. Hatte er recht? Ihr ganzes Leben lang hatte sie immer nur das getan, was von ihr erwartet wurde. Und nun war sie hier. Eine kleine Diebin, die in einem Lager im Wald mit einem Mann tanzte, den sie kaum kannte. Mit dem sie das Bett geteilt hatte. Bei dem Gedanken daran stieg ihr die Hitze ins Gesicht. Wenn ihre Mutter das wüsste, sie würde Tod umfallen. Allie sollte sich schämen. Und doch... hatte sie sich nie besser gefühlt.

Sie drehten sich ein paar mal im Kreis und tanzten schweigend neben Dutch und seiner Partnerin. Zwischen all diesen Fremden fühlte sie sich erschreckender Weise sicherer, als Zuhause in Saint Denis mit Wachen vor den Türen.

„Möchtest du mir jetzt vielleicht erzählen, was heute in der Stadt passiert ist?“, fragte er sie, seine Stimme war nur ein leises Brummen an ihrem Ohr. Zuerst wollte sie verneinen, fragte sich aber dann selbst, welchen Grund es gäbe, aus dem sie es ihm verheimlichen sollte.

„Ich wurde gefeuert.“, sagte sie und wich seinem Blick aus. „Also habe ich die Kasse mit den Tageseinnahmen geklaut. A-Aber ich, ich denke, ich werde sie ihm zurück bringen müssen, nicht?“

Arthurs Antwort darauf war zuerst lediglich ein Lachen. „Behalte es, Allie, besser als zurück zu kehren und beim Sheriff zu landen.“ Als sie ihn wieder ansah, fuhr er fort. „Und was hast du mit deinem neuen Reichtum geplant?“

Sie schwieg kurz und dachte nach. „Eigentlich hatte ich geplant weiter zu ziehen. Strawberry oder so. Aber jetzt....“

„Jetzt bist du dir nicht mehr sicher?“, beendete er ihren Satz. Sie nickte.

Arthur dachte kurz nach und Allie sah sich im Lager um, das plötzlich leerer wirkte und stellte fest, dass auch auch keine Musik mehr spielte. Die meisten hatten sich bereits in ihre Zelte zurück gezogen.

„Ich denke“, fing Arthur an und holte sich so ihre Aufmerksamkeit wieder. „du solltest wirklich erst einmal eine Zeit lang hier bleiben. Bis ein wenig Gras über die Sache in Valentine gewachsen ist. Wenn du möchtest, kann ich morgen mit Dutch sprechen, ich denke nicht, dass es da ein Problem geben dürfte. Und ich könnte jemanden ins Hotel schicken, der deine restlichen Sachen her holt.“

Allie sah ihm in die Augen und war gerührt von seiner Hilfsbereitschaft, ja schon fast Fürsorge. „Es wäre sehr schön, noch ein wenig hier bleiben zu können.“ Bei dir, fügte sie in Gedanken hinzu.

Er nickte nur und lächelte. „Ich denke, die Party ist vorbei.“, sagte er, als auch er die Stille bemerkte und bleib stehen. „Komm mit.“

Allie lies sich von ihm ein Stück aus dem Lager führen, vorbei  an etlichen Bäumen zu einer kleinen versteckten Wiese. „Was wollen wir hie-“ Noch eh sie ihre Frage vollständig aussprechen konnte hatte Arthur sie an sich gezogen und küsste sie innig. Und wie schon am Morgen, fuhr ihr ein Stromschlag durch den ganzen Körper.



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