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Love and Fight

von Lilime
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde Hosea Matthews Jack Marston Tilly Jackson Uncle
17.09.2020
04.11.2020
18
30.704
4
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17.09.2020 1.211
 
Wortlos gab sie dem Barkeeper ein Handzeichen, um ihr noch ein Bier zu reichen. Es waren bereit ein paar Stunden vergangen in denen sie von ihrem Chef wie immer hin und her gejagt wurde. Sie hatte die Schnauze voll. Abwertend beobachtete sie, wie eine der leichter bekleideten Damen in der Ecke sich regelrecht an einen Mann klammerte, der nur mittelmäßig interessiert schien. Allie schüttelte den Kopf, konnte nicht verstehen wie man so tief sinken konnte. Hoffe, es auch nie verstehen zu müssen. Smithfield, der Eigentümer und Barkeeper, stellte ihr das bestellte Bier auf die Tresen und brachte damit wieder ihre Aufmerksamkeit zurück. Heute war sie nicht gekommen, um innerlich über andere zu urteilen, nein, heute wollte sie sich einfach nur voll laufen lassen. Diesen furchtbaren Tag vergessen. Nachdem sie bei Dr. Calloway die gewünschte Medizin besorgt und diesem furchtbaren Hotelgast gebracht hatte, durfte sie sich noch um zwei Pferde anderer Gäste kümmern. Etwas, das sie eher als Bestrafung ansah. Denn, auch wenn sie vor diesen Tieren den größten Respekt hatte und wusste, dass sie in diesem Leben unablässig waren, könnte sie mit Pferden nichts anfangen.

Allie sah sich nicht weiter um. Die Bar war brechend voll, für ihren Geschmack eigentlich ein bisschen zu voll. Aber immerhin könnte sie so unauffällig verschwinden, falls es zu irgendwelchen Problemen kommen sollte. Sie fuhr sich durch ihre dunklen braunen Haare, bevor sie ein Schluck ihres Bieres trank.  Dieses schmeckte irgendwie jedes Mal so, als würde Smithfield es immer nochmal mit Wasser verdünnen. Der alte Bastard, dachte sie sich und seufzte lautlos. Mehr beiläufig bekam sie mit, wie zwei Männer  die Bar betraten und sogleich zielstrebig die Tresen ansteuerten.

„Nur ein oder zwei, nicht wahr?“, hörte sie zwischen der Musik und dem Stimmenwirrwarr hindurch. Ihr war, als hätte sie diese Stimme schon einmal gehört. Schnell schüttelte sie den Kopf. In so einer kleinen Stadt war es nicht gerade unüblich, wenn sich im Saloon immer wieder die selben herumtrieben. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie Smithfield auf die beiden zusteuerte. „Sie! Ich will keinen Ärger.“, sagte er und hob beschwichtigend die Hände.

„Und ich werde keinen machen, hab mich lediglich verteidigt.“, sagte der andere Neuankömmling. Allie drehte sich ein wenig mehr in seine Richtung und erhaschte einen winzigen Blick. Der, der eben gesprochen hatte, trug seinen Cowboyhut tief im Gesicht und verdeckte somit ein wenig seine Augen. Sie erkannte seine Nase, die vermutlich von ein paar Prügeleien schon krumm geworden ist. Sein Bart schien gepflegter als der der meisten Männer hier in Valentine. Der andere hatte ihr den Rücken zu gewandt.

„Tommy, er ist...“, fuhr Smithfield fort und reichte den Beiden ein Bier. Bevor er aber seinen Satz beenden konnte, wurde er vom Cowboyhutträger unterbrochen. „Der kommt schon klar.“, sagte er und genehmigte sich einen Schluck aus seiner Flasche.

Allie schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie hatte von der Prügelei im Saloon gehört. Und sie hatte Tommy gesehen. Sah übel aus, dachte sie sich noch und konnte sich noch daran erinnern wie sie sich gefragt hatte, welcher Mann denn dazu imstande war. Sie hielt nicht viel von Gewalt, war sie doch in der zivilisierten Großstadt aufgewachsen. Zumindest hatte ihre Familie immer darauf geachtet, dass sie sich von solchen Menschen fern hielt. Lies sie behütet aufwachsen. Doch die Realität sah anders aus, wie sie nur allzu schnell im Laufe des letzten Jahres feststellen sollte. Zügig trank sie ihre Flasche leer, kramte ein paar Doller aus ihrem Beutel und warf sie Smithfield hin. Noch während sich dieser bedankte, stand sie auf und verließ eilig die Bar. Sie hatte keine Lust auf Ärger und wenn die Typen im Saloon saßen, die Tommy so zurichteten, dann konnte das nur Ärger bedeuten.

Sie überquerte die matschige Straße Richtung Hotel. Dabei machte sie einen angemessenen Bogen um die Pferde, die vor dem Saloon standen. Es wurde allmählich dunkel und sie fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis der Hotelbesitzer ins Bett gehen würde, damit sie unbemerkt in ihr Zimmer schleichen konnte.

Während sie es sich auf der kleinen Bank vorm Hotel bequem machte, beobachtete sie die wenigen Leute, die noch in der Stadt unterwegs waren. Allie zog eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Hosentasche und zündete sich eine an. Beim ersten Zug musste sie kurz husten. Sie rauchte noch nicht lange, hatte es irgendwann erst auf dem Weg aus Saint Denis angefangen. Vermutlich weil sie hoffe, es würde ihr ein wenig gegen die Nervosität dem Unbekannten gegenüber helfen. Sie nahm noch einen Zug und dachte an das zurück, was hinter ihr lag.

- - -

Das erste was Allison Jakobs bemerkte, war das entsetzte Gesicht ihrer Mutter. Doch war es eher der vor Wut brodelnde Blick ihres Vaters, der ihr einen Schock versetzte. Ihr Vater, der ihr gegenüber immer fürsorglich und freundlich gewesen war. Zumindest soweit er es konnte.
Sie wusste nicht was sie nun sagen sollte. „V-Vater, ich-“

„Ist dir eigentlich klar, in was für eine Lage du uns damit bringst? Alles hast du von mir bekommen! ALLES! Essen, Kleider, Schmuck! Und so dankst du es mir? Indem du nicht einmal so ein kleines Opfer für unsere Familie bringen kannst?“, unterbrach sie ihr Vater. Er war außer sich vor Zorn, so hatte Allie ihn noch nie gesehen.

„Vater, einen Mann heiraten ist keine Kleinigkeit. Er ist so alt und-“

„Leviticus Cornwall ist ein einflussreicher Mann und er hat Geld. Er scheint Gefallen an dir gefunden zu haben und war meinem Angebot nicht abgeneigt. Ich erwarte von dir, nein, ich verlange von dir, dass du Gehorsam zeigst, wie es eine gute Tochter tun sollte und machst was von dir verlangt wird.“, ihr Vater stand vom Sessel auf und näherte sich ihr langsam. Die Wut über ihre Ablehnung brannte immer noch in seinen Augen.

„Aber Vater-“

KLATSCH.

Allies Kopf wurde zur Seite geschleudert und die Tränen schossen ihr in die Augen. Sich die Wange haltend, sah sie ihren Vater an, der immer noch mit erhobener Hand da stand. In ihrem Kopf drehte es sich. Sie wollte nicht wahr haben was gerade passierte. Noch nie hatte ihr Vater die Hand gegen sie erhoben, egal was sie in der Vergangenheit angestellt hatte. Doch nicht nur sie schien entsetzt darüber, was so eben passiert war. Ihre Mutter war im hinteren Teil des großzügig eingerichteten Wohnzimmers völlig erstarrt. Ihre zierliche Hand bedeckte ihren Mund, versuchte einen Schrei zu unterdrücken und starrte die Szenerie mit weit aufgerissenen Augen an.

„Du wirst tun, was man von dir verlangt, Allison. Thema beendet.“, sagte ihr Vater noch einmal nachdrücklich und rauschte an ihr vorbei.


- - -

Allie zuckte zusammen und blickte über die Straße zum Saloon. Sie hörte Männer lachen und Glas erbrechen. Einer der Männer, der prügelnde Cowboyhutmann, schwankte gerade die Treppen nach unten, offensichtlich mehr als betrunken. Kopfschüttelnd sah sie ihm dabei zu, wie er versuchte um den Saloon herum zu torkeln. Vermutlich um hinten Pinkeln zu gehen und bewusstlos in irgendeine Ecke zu fallen. Sie zuckte mit den Schultern. Eigentlich ging es sie ja auch gar nichts an, dachte sie sich und wollte an ihrer Zigarette ziehen. Sie bemerkte dann aber, dass diese bereits ausgebrannt war und schnipste sie fort. Wieder hörte sie lauthals Männer im Saloon lachen und schüttelte den Kopf, während sie aufstand. Es war dunkel und der Hotelbesitzer sollte hoffentlich schon schlafen. Zumindest hoffte sie das.
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