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Love and Fight

von Lilime
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde Hosea Matthews Jack Marston Tilly Jackson Uncle
17.09.2020
04.11.2020
18
30.704
3
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28.09.2020 1.819
 
Allie öffnete flackernd die Augen. Das erste was sie sah, war der wolkenlose Himmel über sich. Dann, wie durch einen dichten Nebel dringend, bemerkte sie die absolute Stille. Wie lange hatte sie hier gelegen? Mehr als ein paar Minuten konnte es nicht gewesen sein, aber dennoch, die O'Driscolls waren weg. Allie richtete sich stöhnend auf und sah sich um, soweit es ging. Zumindest zwei von ihnen waren scheinbar spurlos verschwunden. Der dritte lag mit aufgerissener Kehle ein paar Meter von ihr entfernt im Gras. Und dann hörte sie es. Ein tiefes Knurren, irgendwo zwischen den Büschen.

Panisch riss sie die Augen auf, als sie genauer sah, was dieses Knurren verursachte. Zwischen den Bäumen kam ein pechschwarzer Kojote heraus. Er fletschte die Zähne und die Augen auf den toten Mann gerichtet. Allie hatte, seit sie hier war, schon ein paar Kojoten gesehen. Aber die waren bei weitem nicht so groß, und schon gar nicht so extrem aggressiv.

Doch momentan schien er keine Notiz von ihr zu nehmen. Langsam fing sie an, ihre Hände as den Fesseln zu lösen und auf allen Vieren über das Gras zu kriechen, soweit es ihr mit den schmerzenden Rippen möglich war. Irgendwo hier musste ihr Pferd sein. Allie bewegte sich immer weiter vorwärts. Musste so viel Abstand wie möglich zwischen sich und diesem Tier bringen. Sie wagte es nicht einmal, sie umzudrehen.

Erst als sie einen Weg erkennen konnte, hielt sie an und pfiff nach Asra. Doch die alte Stute kam nicht. Vermutlich ist sie vor Schreck nach Haus gerannt, dachte Allie sich und blieb am Wegesrand sitzen. Vom Kojoten war weit und breit nichts mehr zu sehen.

Vorsichtig tastete sie ihren Bauch ab. Das würde auf jeden Fall heftige blaue Flecke geben, wenn nicht sogar eine gebrochene Rippe dabei war. Sie seufzte und kramte in ihrer Tasche nach einem Schluck Gin und einer Zigarette. Wenn sie das hier übersteht, würde sie sich bei Gus nach diesem Tier erkundigen. Doch erst mal musste sie hier weg, und das schnell. Es konnte immer noch möglich sein, dass dieser Levin und sein Kumpane hier immer noch in der Gegend sind. Sie blies den Rauch ihrer Zigarette aus und plötzlich hörte sie das lauter werdende Schlagen von Hufen herankommender Pferde. Panisch schmiss sie die Zigarette weg und versteckte sie sich hinter einem Baum. Und verfluchte sich selbst sogleich, als sie die Schmerzen wieder an ihre Verletzungen erinnerten.

Eine Gruppe von fünf Reitern kam in ihre Sicht. Pinkertons. Allie fluchte. Sie wusste genau, dass sie jetzt nur zwei Möglichkeiten hatte. Entweder bat sie die Agenten um Hilfe, mit dem Risiko, das der alte Cornwall sie bekommen würde, oder sie versuchte unentdeckt zu bleiben. Aber dann könnte  es sein das die O'Driscolls sie wieder schnappten. Sie atmete tief durch und der Schmerz durchzuckte sie wieder, als würde er sie erinnern wollen, dass es besser war, ärztliche Hilfe zu bekommen, als mit den widerlichen O'Driscolls im Wald zu kuscheln.

„Meine Herren!“, rief sich und kroch aus ihrem Versteck hervor. Die Truppe hielt an, die Hand an die Waffen gelegt. „Bitte, helfen Sie mir... diese Männer...“ Allie versuchte aufzustehen, aber ihre Beine gaben unter ihr nach.

Einer der Pinkertons stieg vom Pferd und ging langsam auf sie zu. „Was ist passiert, Miss?“, er wirkte skeptisch, versuchte vermutlich zu erkennen, ob sie das alles nur spielte. „Wie heißen Sie?“

„Allie, Sir, Allie Martin.“, sagte sie und blieb schließlich wieder sitzen. „Da- da waren ein paar Männer, O'Driscolls, sie-sie...“ Sie wusste nicht was sie sagen sollte, ohne das man sie mit Arthur oder Cornwall in Verbindung brachte. Doch wahrscheinlich machte sie gerade alles richtig. Die Gesichtszüge des Mannes wurden weicher. Vermutlich glaube er, sie wäre unter Schock.

„Alles wird gut, Miss Martin.“, sagte er und half ihr auf, stützte sie. „Einer meiner Männer wird sie nach Strawberry zu einem Arzt bringen.“

„Ich danke Ihnen, Sir.“ Allie ließ sich von ihm auf eins der Pferde setzen und schon war sie unterwegs nach Hause. Jeder Schritt des Pferdes tat ihr weh. Sie war sich sicher, dass zumindest eine Rippe gebrochen sein musste. Mit jedem Stechen biss sie die Zähne ein Stück fester zusammen, versuchte den Schmerz zu unterdrücken. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich die Stadt erblickte.

„Können Sie mich vielleicht nach Hause bringen?“, fragte sie den Reiter. „Ich werde mir dann einen Arzt nach Hause holen lassen.“

Der Mann vor ihr nickte. „Wenn Sie das wünschen. Es kann sein, dass wir später noch einmal bei Ihnen vorbei kommen zur Befragung. Also bleiben Sie bitte in der Stadt.“

Allie fing an zu lachen, bis die Schmerzen sie daran erinnerten, dass das jetzt nun doch eine schlechte Idee war. „Glauben Sie mir, Sir, viel mehr als mein Bett werde ich die nächsten Tage wohl nicht mehr sehen.“ Ein kurzes Grunzen kam vom Agenten. „Mein Haus ist gleich hier links über die Brücke.“


- - - - - -


Die junge Willa Hicks hielt sich so gut es ging am Sattel fest. Die Hände waren immer noch zusammen gebunden und sie ritt auf ihrem eigenen Pferd. Dieser John hatte sich nach dem kleinen Vorfall mit dem blonden Outlaw dazu entschieden, dass es wohl das Beste war, bevor sie noch an eine ihrer Waffen gelangte, wenn sie mit einem der Männer auf dem Pferd saß. Also hatten sie sie am Sattel fest gebunden und das Pferd an dem von John befestigt. Und als wäre das nicht schon demütigend genug, hatten sie ihr obendrein noch die Augen mit einem alten Streifen Stoff verbunden. Doch Willa wusste, sie bräuchte nur einen Blick auf die Umgebung werfen, und wüsste sofort, wo sie sich befanden. Immerhin streifte sie bereits seit 5 Jahren in dieser Gegend umher, kannte jeden Baum, jeden kleinen Klumpen Dreck.

In der Ferne hörte sie Menschen reden und Pferde wiehern. Und das Rauschen eines... Flusses? Höchstwahrscheinlich sind sie im Lager der Truppe angekommen, dachte sich Willa, als sie merkte, wie sie langsamer wurden.
John stieg von seinem Pferd und sah bereits Abigail und Mrs. Grimshaw auf sich zu kommen.

„Was ist passiert? Alles in Ordnung?“, fragte Abigail und lief zu Hosea, um sich dessen Wunde anzuschauen. Ein kurzer Blick genügte ihr und sie führte ihn zu einem Stuhl um ihn besser versorgen zu können.

„Wer ist das?“ Mrs. Grimshaw blickte düster in Willas Richtung. „Schleppen wir jetzt immer irgendwelche Damen an, sobald wir irgendwo neu sind?“

„Ging nicht anders, Ma'am.“ John nahm die junge Frau vom Pferd, der immer noch die Augen verbunden waren. „Aber da sollten wir vielleicht erst mit Dutch drüber reden. Wo ist er?“

„Mit Mr. Williamson und Mr. Morgan in Rhodes. Irgendwas erledigen.“

John nickte nur und lies Willa dann vor sich hin zu einem Baum stolpern. Vorerst würde er sie dort fest binden, bis Dutch zurückkehrt.

„Du willst mich doch hier nicht wie so 'n Gaul stehen lassen, oder?“, fauchte ihn die junge Frau an.

„Oh nein.“, sagte John und zog den Knoten ein wenig fester. „Unsere Pferde binden wir nicht an.“

John entfernte sich von ihr und hörte sie hinter sich noch toben. Das konnte ja was werden, dachte er sich. Vielleicht wäre es das Beste, wenn Dutch sie weit weit weg schickt. Selbst wenn sie wirklich Hoseas Tochter war. Wer wollte schon eine Frau im Lager haben, die augenscheinlich grundlos auf ihren eigenen Vater schoss.

- - - - - -

Arthur und Dutch kehrten am frühen Morgen ins Lager zurück. Natürlich bemerkten sie die junge Frau sofort, die bereits die ganze Nacht hindurch sie alle verflucht hatte. Man konnte sie auch jetzt nicht überhören.
Dutch hörte sich die ganze Geschichte von Hosea und John an. Doch... das war jetzt eine Sache, mit der er sich nicht befassen konnte. Nicht befassen wollte. Schließlich hatte er doch momentan genug andere Sorgen. Sie verblieben dabei, dass die junge Frau im Camp bleiben sollte. Zwar ohne Augenbinde, aber dafür immer noch gefesselt.

Hosea Matthews saß  eine Weile später auf einem Stuhl, einige Meter von der Frau entfernt, die behauptete seine Tochter zu sein, und sah sie einfach nur an. Konnte das wirklich möglich sein? Und wenn, warum hatte er nie etwas davon erfahren? Er war einfach nur verwirrt. Natürlich, wenn er sie ansah, konnte man schon meinen, dass sie gewisse Ähnlichkeiten mit der Frau hatte, die er vor so vielen Jahren kennen gelernt hatte. Aber konnte er seinen Erinnerungen wirklich trauen?

Der alte Hochstapler stand auf und ging langsam zu ihr hinüber. Seit sie keine Augenbinde mehr trug, schien sie sehr ruhig geworden zu sein. Willa saß am Baum und starrte auf den Boden vor sich. Ihre hellen blonden Haare hingen ihr im Gesicht und ihm war, als hörte er sie ganz leise eine Melodie summen.

Leise setzte er sich ihr gegenüber ins Gras und sah sie weiter an. Beiläufig bekam er mit, wie Arthur sich nach Caliga Hall auf machen wollte. Oder wie Mr. Pearson neuen Kaffee kochte.
„Warum hast du auf mich geschossen“, fragte er schließlich und sah sie prüfend an. Willa lachte leise und öffnete nun endlich die Augen. „Weil ich dich töten wollte, alter Mann.“

Hosea konnte nur die Stirn runzeln. „Ja, aber warum?“ Er konnte es nicht verstehen, egal welche Theorien er aufstellte. Willa schüttelte den Kopf und sah ihm nun direkt in die Augen. Sie versuchte hart zu sein, doch er glaubte, eine Art Traurigkeit in ihr zu erkennen. „Ich war wütend auf dich. Eine lange lange Zeit. Meine Mutter hat mir erzählt, dass du uns nicht wolltest, einfach gegangen bist, weil du lieber als freier Mann ohne Verpflichtungen leben wolltest. Ein paar Tage bevor sie starb, hat sie mir erzählt, das du vermutlich tot in irgendeinem Wald liegt.“ Willa wurde zum Ende hin immer leiser. Ihre Mutter war bereits seit 10 Jahren tot. Aber es machte ihr immer noch so zu schaffen, als wäre es gestern er gewesen.

Hosea dachte an die Zeit zurück. Ja, er ist gegangen, weil er sich nicht an die junge Eleanor binden wollte. Doch hätte er gewusst, dass sie sein Kind erwartet... wenn sie denn seine Tochter war. Natürlich, wollte er einer Toten nichts unterstellen, doch er hatte sie damals ja kaum gekannt. Wer wusste also schon so genau, was danach alles passiert ist. Nur knapp unterdrückte er die Frage, warum sie gestorben ist, denn er sah der jungen Frau an, dass sie darüber jetzt gewiss nicht reden wollte. Der Schmerz über den Verlust war ihr ins Gesicht geschrieben.

„Ich werde dir etwas Wasser und Eintopf holen.“, Hosea stand auf und verzerrte das Gesicht, als ihn der Schmerz in der Schulter an den gestrigen Tag erinnerte.

„Hast du es wirklich nicht gewusst?“ Willas Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, als sie ihn noch einmal fragte und auf ihre verbundenen Hände starrte.

Hosea Matthews schüttelte den Kopf. „Hätte ich es gewusst... „ Er seufzte laut und fuhr sich mit einer Hand durch das Gesicht. „Ich würde meine Familie nie so im Stich lassen.“, sagte er schließlich und drehte sich um.
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