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Love and Fight

von Lilime
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde Hosea Matthews Jack Marston Tilly Jackson Uncle
17.09.2020
04.11.2020
18
30.704
3
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24.09.2020 1.506
 
Allie erwachte wieder einmal allein. Doch wenn sie ehrlich war, war ihr das im Moment auch ganz recht so. Seit dem entsetzlichen Geschehen am gestrigen Tag, hatten Arthur und sie kaum ein Wort mit einander gesprochen. Er schien zu merken, dass sie daran zu knabbern hatte und wollte ihr den Freiraum geben, es erst einmal für sich selbst zu sortieren. Verdammt, er hatte ihr gesagt, wer er war und was er tat, ja, aber er dann mit eigenen Augen zu sehen, war dann doch etwas anderes. Und nun hatte sie Angst, diese Bilder nie wieder aus dem Kopf zu bekommen. Doch das war nicht alles. Diese ganze Sache hatte Zweifel in ihr wach gerüttelt. Wozu war dieser Mann noch alles fähig, fragte sie sich und schüttelte sogleich wieder den Kopf. Wollte sie das wirklich wissen? Wollte sie wirklich weiter in diese Welt hinein tauchen und wer würde sie retten, wenn sie zu versinken drohte?

Allie wurde aus den Gedanken gerissen, als Hund ihren Arm mit der dunklen Schnauze an stupste. Langsam setzte sie sich auf und kraulte ihm hinterm Ohr, bevor sie aufstand und mit ihm das Zelt verließ. Zusammen liefen sie durchs Lager zu Pearson und Allie grüßte Karen und Miss Grimshaw, die sich gerade zu streiten schienen. Bei Pearson fand sie noch ein paar Reste vom Bärenschlachten und gab sie dem Hund, bevor sie sich eine Tasse des starken Kaffees eingoss, der nur auf sie zu warten schien.

„Guten Morgen, Abigail“ Sie lächelte Johns Frau an und setzte sich mit ihrem morgendlichen Wachmacher zu ihr. Wieder ließ sie ihren Blick durch das Lager schweifen und redete sich selbst ein, dass sie nicht auf der Suche nach Arthur war. Wie würde sie nur reagieren, wenn sie ihm gegenüber steht? Würde er mit ihr über den gestrigen Tag reden wollen oder es einfach als vergangen abtun? Allie war sich nicht sicher. Um ehrlich zu sein, gab es gerade kaum noch etwas, worüber sie sich sicher war, was den Outlaw betraf. Die einzige Sache war, dass sie wusste, dass sie tatsächlich Gefühle für diesen Mann hatte, die nichts mit kurzfristiger Verknalltheit zu tun hatten. Aber würde das reichen? „Ich kann Jack gar nicht sehen, ist er mit seinem Vater unterwegs?“, versuchte Allie sich selbst abzulenken.

Abigail schüttelte den Kopf und lächelte Traurig. „John er... er ist nicht der Mann, der.... er... es sind schwierige Zeiten und er hat viel zu tun... da bleibt für Jack leider nicht viel Zeit.“, sagte sie schließlich, wollte sie doch nicht, dass Allie einen schlechten Eindruck von ihrem Mann bekam, wenn sie ihr erzählte, dass sie John für sein Kind kein bisschen interessierte. „Ich habe Arthur gebeten, ihn mal mit raus zu nehmen. Seit der Sache in Blackwater, war Jack immer nur hier und ich dachte es würde ihm mal gut tun, etwas anderes zu sehen.“ Ihre Stimme hatte etwas entschuldigendes.

Innerlich frustrierte Allie langsam. Und wieder war sie gedanklich bei Arthur. Es war zum verrückt werden. Sie nippte an ihrem Kaffee, bevor sie sich eine Zigarette anzündete. Das war in letzter Zeit zu einer Art Frühstück für sie geworden, wie sie feststellen musste.

„Du, Allie“, fing Abigail vorsichtig an und zog ihre Aufmerksamkeit so wieder auf sich. „Ich weiß, es geht micht wahrscheinlich eigentlich nichts an, aber, zwischen Arthur und dir... ist da alles in Ordnung?“ Allie zuckte wie ertappt zusammen. „Ich mein, als ihr gestern wieder gekommen seit.... da war etwas anders. Oder?“

Allie seufzte und noch bevor sie weiter drüber nach dachte, sprudelten die Worte nur so aus ihr heraus. Sie erzählte Abigail alles. Nun ja fast alles, dachte sie sich und ließ den intimen Teil heraus. Sie redete sich alles von der Seele und teilte ihre Gedanken und Gefühle mit der Frau, die ihr vor ein paar Tagen noch so fremd war. Konnte sich kaum zügeln und als sie fertig war, fühlte sie sich irgendwie... befreit.

Abigail nickte langsam, hatte sich geduldig alles angehört. „Ich weiß, es kann verstörend sein, wenn man weiß, oder gar sieht, was diese Männer, unsere Männer, hier tun. Es mag im ersten Augenblick erschreckend, ja sogar angsteinflößend wirken, wenn man es nicht gewohnt ist. Doch das ist es was sie sind. Und was sie tun, tun sie, um uns alle hier, ihre Familie, zu beschützen, sowie ihre Ideale, ihre ganzen Werte. Hätte Arthur sich gestern nicht um diese Männer gekümmert, wärst du nun vermutlich tot oder wir wären es alle, wenn sie uns hier gefunden hätten.“

Allie wurde nun ganz ruhig und dachte über die Worte der anderen Frau nach. Ja, vermutlich hatte sie damit recht, das wollte sie gar nicht abstreiten. Und wieder war da diese eine Frage, die sie sich immer wieder stellte...

… könnte sie wirklich damit leben?

- - - - - -

Arthur kehrte gegen Mittag mit dem Jungen ins Lager zurück und eilte, ohne Allie eines Blickes zu würdigen, in Dutchs Zelt. Seit einer Stunde saß sie in seinem Zelt und las ein Buch, dass Mary-Beth ihr ausgeliehen hatte. Oh wie hatte sie das lesen vermisst. Sie hörte, wie hitzig ein paar Worte in Dutchs Zelt gewechselt wurden, irgendwas von Agenten am Fluss, bevor Arthur auch schon wieder heraus trat.

Grimmig sah er sich um, bis sein Blick auf ihr haften blieb und er schnellen Schrittes auf sie zu gestapft kam. „Komm, wir werden jetzt nach Strawberry reiten.“, sagte er und sammelte in seinem Zelt ein paar Waffen und ein wenig Geld zusammen.

Verwirrt schlug sie das Buch zusammen und stand auf. „Ist alles in Ordnung? Ich dachte nicht, dass wir so schnell los machen.“

„Es gibt ein paar Probleme.“, sagte er und stellte sich vor sie. Arthur sah ihr tief und die Augen und seufzte, während er ihr eine Hand an die Wange legte. „Man wird uns sicher in ein paar Tagen gefunden haben und dann...“ Er ließ den Satz unvollendet, aber Allie wusste ganz genau, was er sagen wollte.

Und dann müsste sie sich entscheiden. Ob sie bei ihm bleibt oder in die Stadt weiter zieht.

Allies Herz raste bei dem Gedanken und ihr wurde schwindlig. Sie hatte so sehr gehofft, ein bisschen mehr Zeit zu haben. Doch wie zu Beginn ihres Kennenlernens, schienen sich die Ereignisse wieder zu überschlagen. Wie in Trance lief sie hinter Arthur nach draußen und stieg auf ihr Pferd, das Mr. Duffy bereits gesattelt hatte.

Eine ganze Weile ritten sie schweigend nebeneinander her. Wussten nicht was sie sagen sollten, hatten Angst vor dem, was kommen würde. Vorsichtig überquerten sie den Dakota River, als Arthur das Schweigen endlich brach.

„Und... wie macht sich die Stute so?“ Er versuchte die Frage beiläufig klingen zu lassen. Doch Allie wusste, dass er eigentlich über ganz andere Dinge reden wollte. Beziehungsweise hoffte sie das.

„Ich denke, Asra ist ein gutes Pferd. Sie ist sehr geduldig mit mir.“ sagte sie weiter und folgte ihm den Hügel hoch.

„Asra?“, fragte er nur amüsierte und Allie musste ein wenig lächeln.

„Sie hatte keinen Namen, also hab ich ihr einen gegeben.“, sagte sie leise und wurde ein wenig rot.

„Klar, wieso auch nicht.“ Arthur wartete oben auf sie.

Als sie bei ihm angekommen ist, atmete sie tief durch. Entweder würde sie jetzt anfangen zu reden, oder sie würden es vermutlich nie tun. „Arthur, ich... ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich mich ein wenig zurück gezogen hatte... es war nur... ich hab noch nie.... gesehen wie...“ Sie rang mit den Worten. Wie konnte man etwas aussprechen, was man nicht einmal denken wollte?

„Du hättest nicht zurück kommen dürfen.“, sagte Arthur schlicht und deutete ihr an, weiter zu reiten.

„Ja, da hast du vermutlich recht.“, flüsterte sie und war sich nicht sicher, ob er er überhaupt verstanden hat. Etwas lauter fuhr sie fort. „Ich habe heute Morgen mit Abigail gesprochen. Ich glaube ich verstehe es langsam, aber ich fürchte, dass ich noch ein bisschen brauche um mich daran zu gewöhnen.“ Sie sah auf den Hals der Stute und wurde wieder leise. „Wenn... wenn du mich denn möchtest.“

Allie hatte kaum zu Ende gesprochen, da stellte Arthur sein Pferd vor ihrs und zwang sie somit zum Anhalten. Noch ehe sie realisiert hatte, was er vor hatte, war er auch schon abgestiegen und zog sie nun aus dem Sattel. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie wild, ließ sie jeden Zweifel daran vergessen.

Wie zur Bestätigung ließ er schließlich von ihr ab und sah ihr in die Augen, ihr Gesicht immer noch in seinen großen Händen. „Miss Allie Jakobs, ich könnte mir etwas besseres nicht einmal erträumen. Aber ich will auch, dass du dir sicher bist. Und das du sicher bist.“ Wieder küsste er sie. „Schau dir die Stadt einfach an und dann....“

Wie im Camp sprach er hier nicht weiter. Und wieder wusste sie, wie der Satz weiter gehen würde.

Allie nickte und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, bevor sie wieder auf ihre Pferde stiegen. Doch diesmal hatte sie so ein Gefühl... nun war sie sich sicher, das alles gut werden würde.



- - - - - -


so, noch schnell ein zweites :D
Review nicht vergessen und allen noch eine schöne Nacht oder auch guten Morgen!
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