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Love and Fight

von Lilime
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arthur Morgan Dutch van der Linde Hosea Matthews Jack Marston Tilly Jackson Uncle
17.09.2020
04.11.2020
18
30.704
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21.09.2020 1.497
 
„Also, wer ist Arthur Morgan?“, fragte sie ihn leise, während er einen Arm um sie legte. Es war bereits Nacht und im Lager war es mittlerweile wieder ruhiger geworden. Die meisten hatten sich in ihre Zelte zurück gezogen. Allie hatte den Tag damit verbracht, sich mit der namenlosen Stute anzufreunden und Abigail dabei zu helfen, ein paar Äpfel von einem Baum zu pflücken, den sie unten am Fluss entdeckt hatte. Sie mochte Abigail und auch deren Sohn Jack, dachte sie und erinnerte sich daran, wie dieser freudestrahlend den ganzen Abend mit ihrem Hund gespielt hatte. Ach ja, ihr Hund. Mary-Beth und Sean waren gegen Sonnenuntergang ins Lager zurück gekehrt, ihre Sachen im Gepäck und den Hund am Strick. Der Hotelbesitzer wollte diesen, vor Wut auf sie, schon zum Schlachter in der Stadt bringen, wenn Sean ihn nicht aufgehalten hätte. „Erzähl mir etwas von dir. Wo du her kommst und was du machst.“

Arthur seufzte. Er hatte ganz vergessen, dass sie bis jetzt noch nicht darüber gesprochen hatte. Vielleicht lag es daran, dass mit ihnen alles so schnell gegangen ist. Oder weil momentan sowieso alles nur drunter und drüber ging.

Allie legte den Kopf auf seine Brust, lauschte gespannt seinen Worten. „Es war eine andere Zeit, damals, nicht so wie heute. Damals gab es noch Platz für Männer wie uns in dieser Welt. Ich muss damals vierzehn oder fünfzehn Jahre alt gewesen sein, als Dutch und Hosea mich mit sich nahm. Sie kümmerten sich um mich, brachten mir bei, was ich wissen musste, um in dieser Welt zu überleben. Wir hatten eine Vision, weißt du? Ein Leben, fernab von Zivilisation und Recht. Ein Leben, in dem wir sein konnten, wer wir wollten und machen konnten, was wir wollten. Unseren eigenen Regeln folgen.“ Arthur macht eine kurze Pause und seufzte. „Doch dann kam Blackwater und... veränderte alles. Wir kamen ein bisschen vom Wege ab, aber wir werden uns zurück kämpfen, das weiß ich. Haben wir immer.“

Arthur zog sie sanft hoch, damit er ihr in die Augen schauen konnte. „Allie, ich bin kein Heiliger. Das ist keiner hier. Wir haben gelogen, geraubt, getötet. Ich habe das getan und noch so vieles mehr. Das ist es, was ich bin, was ich immer war und sein werde. Auf meinen Kopf ist ein großes Kopfgeld ausgesetzt, verdammt, ich könnte Blackwater nicht einmal mehr betreten, ohne mit einer Kugel im Kopf zu enden. Halb West Elizabeth sucht nach uns.“ Er bracht den Augenkontakt zu ihr ab und blickte nach oben. „Das ist es, was wir sind, Allie, Gesetzlose, immer auf der Flucht.“

Allie atmete tief durch, versuchte die Informationen zu verarbeiten, die sie eben von ihm bekommen hatte. Klar, wusste sie, dass er kein normaler Mann war und irgendwie hatte sie so etwas schon geahnt, aber es jetzt von ihm zu hören, war doch nochmal etwas ganz anderes.

„Ist das... okay für dich?“, fragte er vorsichtig, traute sich noch nicht, sie wieder an zu schauen. Als Allie sich aufsetzte, war es wie ein Schlag in die Magengrube für ihn und er rechnete jeden Moment damit, dass sie aufspringen und davon rennen würde.

„Ich denke.... ja.... irgendwie schon.“, sagte sie schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit und drehte sich zu ihm um, um ihn in die Augen zu schauen. „Ich mein.... Vermutlich werde ich mich erst einmal daran gewöhnen müssen, aber ich denke, ich könnte damit klar kommen.“ Sie biss sich auf die Unterlippe und lächelte ihn dann vorsichtig an. Erschrocken quiekte Allie auf, als er sie plötzlich zu sich zog um ihre Lippen mit den seinen zu verschließen.

- - - - - -

Als Allie aufwachte, war sie allein in Arthurs Zelt. Sie setzte sich auf und sah nach draußen. Es war noch früh am Morgen und ein leichter Nebelschleier hatte sich über das Lager gelegt. Ein Frösteln überkam sie, sodass sie sich aus ihren Kleidungsstücken ein dickes Tuch heraus suchte und über die Schultern legte. Vielleicht könnte sie sich in Strawberry eine Jacke kaufen.

Allie zog sich ihre Schuhe an und verließ das Zelt. Im Lager was es ruhig. Die meisten waren vermutlich unterwegs um zu jagen oder die Umgebung auszukundschaften. Bei Mr. Pearson holte sie sich einen frischen heißen Kaffee und nahm genüsslich einen Schluck, bevor sie sich zu Abigail an den Tisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.

„Guten Morgen.“ sagte sie schlicht und Abigail nickte ihr lächelnd zu.

Allie genoss die Ruhe und beobachtete, wie die aufsteigende Sonne allmählich den Nebelschwaden aus dem Lager vertrieb. „Warst du schon einmal in Strawberry, Abigail?“, fragte sie die junge Frau neben sich, die sie nur verwirrt anschauen konnte.

„Ich denke nicht, wieso fragst du?“ Abigail trank ihren Kaffee aus und grüßte Uncle, der eben an den beiden Damen vorbei ging.

„Arthur hat vor, mich in ein paar Tagen mit hin zu nehmen. Ich soll mir die Stadt mal anschauen. Schauen ob es mir dort gefallen könnte.“

Abigail runzelte die Stirn. „Du hast nicht vor zu bleiben? Ich nahm an, du und Arthur...“

„Ich weiß nicht...“, entgegnete Allie ein wenig unsicher. „Wir haben da bis jetzt nicht darüber gesprochen. Es ging ja auch alles so schnell.“ Abigail nickte zustimmend. „Ich denke, es könnte auf jeden Fall nicht schaden, mich da einmal umzusehen, meinst du nicht?“

Abigail war neben ihr ganz ruhig geworden, was Allie zum Grübeln brachte. Hatte sie etwas falsches gesagt?

Noch bevor sich sich darüber weiter Gedanken machen konnte, forderte Miss Grimshaw ihre Aufmerksamkeit, die plötzlich neben ihr auftauchte. „Miss Jakobs, kommen Sie mit.“ Die ältere Frau sah sie an und nichts an ihr wirkte so, als würde sie Widerworte zulassen. Schnell machte Allie ihre Zigarette aus und kippte ihren Kaffee hinter.

„Die anderen Damen sind mit Mr. Williamson in die Stadt gefahren und da Sie ja sicher noch eine Weile hier bleiben werden, können sie sich ja auch genau so gut nützlich machen.“

„Selbstverständlich, Miss Grimshaw“ sagte Allie und sprang auf.

„Und du Abigail, kannst Mr.Pearson fragen, ob er noch Hilfe braucht.“ Die ältere Frau nickte zufrieden und deutete Allie, ihr zu einem der anderen Tische zu folgen. „Können Sie Nähen?“

„Ähm ja, ich befürchte nur nicht besonders gut-“, erwiderte Allie unsicher. Miss Grimshaw machte ihr ein wenig Angst, musste sie zugeben.

„Es wird reichen“, sagte Miss Grimshaw und deutete auf einen säuberlich zusammen gelegten Stapel Kleidung. „Die Männer passen leider nicht so gut auf ihre Sachen auf, wie wir, fürchte ich.“ Sie seufzte kurz.

„N-Natürlich.“ Allie nickte und sah nach unten.

„Was hat er uns doch nur für ein verschüchtertes kleines Huhn gebracht.“, hörte sie die ältere Frau leise zu sich selbst flüstern, als sie ging. Verwirrt sah Allie ihr hinterher. Was war das denn jetzt? Hatte sie irgendwas falsches gesagt?

Allie schüttelte den Kopf und ließ sich auf einem der Stühle nieder, froh, endlich etwas tun zu können.

- - - - - -

Ein paar Stunden und etliche Stiche in den Finger später, betrachtete sie Stolz den Stapel mit den genähten Sachen, die sie wieder fein säuberlich gefalten hatte. Allie stand vom Stuhl auf und streckte sich. Nachdem sie den Kleiderstapel zu Miss Grimshaw zurück gebracht hatte und sich anhören durfte, dass sie es doch das nächste Mal ruhig schneller und auch gewissenhafter erledigen konnte, machte sie sich auf die Suche nach Arthur.

Sie entdeckte ihn schließlich am Rande des Lagers. Er sprach gerade mit einem älteren Mann, der in der Nähe der Pferde saß und ein Gewehr reinigte.

„Was willst du jagen? Elefanten?“, hörte sie Arthur amüsiert sagen, als sie näher kam und sah, wie er das Gewehr in die Hand nahm, um es sich genauer anzuschauen.

„Haha schön wär's, nein, hab 'nen riesigen Bären gesehen.“, sagte der andere Mann. „Riesen Vieh, bestimmt an die 1000 Pfund.“ Arthur gab ihm die Waffe wieder und legte einen Arm um Allie, die sich nun neben ihn stellte.

„Mein Gott.“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Und jetzt willst du, dass ich mit komme?“

„Natürlich.“, sagte der Mann, der sich später als Hosea vorstellte. „Lass uns am besten gleich gehen. Wir brauchen das Fleisch. Er müsste sich irgendwo beim Dakota River herumtreiben. Wird sicher eins zwei Tage dauern.“ Er stand auf, schnappte sich seine Tasche und ging bereits zu seinem Pferd.

Arthur nickte und drehte sich zu Allie um. „Hey, ähm, es tut mir leid, aber ich muss das erledigen. Wenn ich wieder komme, können wir nach Strawberry, okay? " Er hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor zu seinem Pferd ging und schließlich hinter Hosea her ritt.

Allie sah den beiden hinterher und fragte sich... Würde so ihr Leben aussehen, wenn sie hier bleiben würde? Immer darauf warten, dass er heil zurück kehrte? Allie seufzte und zündete sich eine Zigarette an, während sie weiter darüber nach dachte. Aber wollte sie das denn? Wollte sie hier bei Arthur bleiben? Sie wusste es nicht, musste sie sich eingestehen. Und fragte sich, was das für Gefühle waren, die sie ihm gegenüber entwickelt hatte. War es nur eine kleine Romanze und sie zerbrach sich hier umsonst den Kopf? Oder war da eventuell mehr im Anmarsch?
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