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GeschichteRomanze / P18 Slash
Eren Jäger Furlan Church Levi Ackermann / Rivaille
16.09.2020
29.09.2020
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16.09.2020 3.353
 
Hallo zusammen :) Da vielen von euch AttaboY! gut bis sehr gut gefallen hat, hat sich mein Hirn wieder etwas rund um diese 3er-Konstellation einfallen lassen. Was soll ich sagen, es kam - wie man so schön sagt - einfach über mich und es sind bereits ein paar Kapitel entstanden, aber ich möchte erstmal sehen, wie dieses hier ankommt und ob sich dieses Projekt lohnen könnte ;) Also, habt keine Angst, eure Meinung dazulassen, ich beiße nicht :D Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
Eure Scythe Lucifer



Erniedrigend. Genau das war das erste Wort, das Eren in den Sinn kam. Es war mehr als erniedrigend wie er sich von den ganzen Menschen anstarren lassen musste. Die gierigen Blicke; er spürte jeden einzelnen auf seinem Körper. Das ungenierte Gaffen. Dutzende Augenpaare brannten sich förmlich in ihn hinein, scannten jeden Zentimeter freier Haut. Unverhohlen. Und überlegen.
Eren wäre gerne gegangen. Am liebsten wäre er regelrecht vor diesen Menschen, die eher geifernden Wölfen ähnelten, geflohen und hätte diesen ganzen verruchten Platz hinter sich gelassen.
Er konnte es nicht. Es stand ihm nicht zu. Er hatte gehorsam zu sein.

Eren war ein Sklave. Genau genommen war er ein Federtänzer, was im Grunde nichts anderes als ein Lustknabe war. Er schlief mit Fremden, die seine Besitzerin dafür bezahlten. Eren selbst hatte keine Wahl, geschweige denn ein Mitsprachrecht bei den Männern und Frauen, die ihn auswählten. Sobald ihn jemand ausgesucht und den Preis bezahlt hatte, gehörte der junge Mann demjenigen für die gekaufte Zeit. Und dieser konnte dann mit ihm anstellen, was er wollte. Ganz egal was oder wie demütigend es war. Und Eren wurde nicht gefragt. Er hatte lediglich zu gehorchen und den Aufforderungen Folge zu leisten.
Er hatte sich dieses Schicksal nicht freiwillig ausgesucht. Scheiße, lieber hätte er sich selbst glühende Nägel in sein Fleisch schlagen lassen, wenn er die Option gehabt hätte. Allerdings stand das nicht zur Debatte. Nie.
Sie lebten in einer grausamen Welt. Einer Welt, in der man entweder Glück oder absolutes Pech hatte. Alles stand und fiel mit dem Stand, in den man hinein geboren wurde. Warst du ein Adliger, hattest du nichts zu befürchten, denn die Welt lag dir im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen. Du konntest frei über dein Schicksal entscheiden, ja, unabhängig eigene Entscheidungen treffen. Leben.
Oder du wurdest als ein Niemand geboren. In der untersten aller Schichten, in der jeder Tag gleichzeitig dein letzter sein konnte. War man nicht stark genug, starb man. Kam man nicht mit dem über die Runden, was man zum Leben aufbringen konnte, starb man. Wehrte man sich gegen sein unabdingbares Schicksal … nun, gleiches Spiel.

Eren hatte den Kopf gesenkt, die Lippen fest zusammengepresst. Ganz genau so, wie es zu sein hatte. Sklaven hatten sich den feineren Herrschaften gegenüber unterwürfig und demütig zu verhalten. Sie hatten nicht das Recht, die hohen Leute unbehelligt anzustarren, so, wie diese es im Gegenzug mit ihnen machten. Also hatte Eren die Augen starr auf das helle Holz unter seinen Füßen gerichtet.
Er hasste diese Tage. Die Tage, an denen er und die anderen Sklaven, die Lady Nanaba in ihrem Besitz hatte, wie Vieh feilgeboten wurden.
Es war ein einfaches Prinzip. Jede Woche gab es einen Tag, an dem jeder Sklavenbesitzer seine Ware der adligen Bevölkerung zur Verfügung stellen konnte. Die oberen Schichten, die sich dann für die Dienste eines Sklaven interessierten – war es nun für einen Dienstboten, einen Sekretär oder einen Federtänzer – konnten dann zu dieser Ausstellung kommen und sich nach einem geeigneten Sklaven umsehen. Hatte er oder sie ein geeignetes Objekt gefunden, handelte er mit dem Besitzer des Leibeigenen einen Preis sowie eine Zeit aus, in der der Sklave in den Diensten des Adligen zu stehen hatte. Nach erfolgter Bezahlung ging die Ware dann unumgänglich an den vorübergehend neuen Besitzer über und wurden nach Ablauf der vergüteten Zeit wieder an den ursprünglichen Herren zurückgegeben. Simpel.
In der Regel wurden Federtänzer, wie Eren einer war, nur maximal ein paar Tage, vermehrt aber sogar nur für ein oder zwei Nächte gekauft, während Dienstboten mitunter ganze Monate bei ihren Adligen verbringen konnten. Es bestand sogar die Möglichkeit, dass ein Adliger den Sklaven auf Lebenszeit behielt, allerdings waren die Preise zum damaligen Zeitpunkt so unerschwinglich, dass nur die Reichsten der Reichsten über eine solche Möglichkeit nachdenken konnten.
Federtänzer aber standen für einen solchen Handel gar nicht erst zur Verfügung. Nur die im Bett begabtesten Sklaven wurden überhaupt erst als Liebesdiener feilgeboten, da sie sehr viel Geld einbrachten. Aus diesem Grund hegten ihre Besitzer auch keine Absicht, ihre besten Pferde so einfach aus ihren Händen zu geben, da ihnen somit viele gut bezahlte Geschäfte durch die Lappen gingen. Mal davon abgesehen, dass Eren bis dato nie ein Adliger untergekommen war, der einen Federtänzer auf Lebenszeit behalten wollte. Der Reiz einer solchen Vereinbarung war es doch gerade, die verschiedenen Fertigkeiten der einzelnen Sklaven auf diesem Gebiet zu genießen! Was hätte es da für einen Sinn gemacht, wenn man auf Lebenszeit auf ein und demselben Federtänzer sitzen geblieben wäre? Zumal sie alle nach wie vor alterten und, mal ehrlich, wer hätte schon gerne einen alten Greis ficken wollen?
Eren knirschte verbissen mit den Zähnen. Das Halsband schnitt ihm unangenehm in die Haut und die Kette, mit der das Leder um seine Kehle und die Wand in seinem Rücken miteinander verbunden waren, klirrte bei jeder kleinsten Bewegung.
Unauffällig schweiften seine Augen zum Rand der kleinen Bühne, wo seine Besitzerin mit einer Zigarette zwischen den knallroten Lippen lehnte und sich mit professioneller Miene die ansehnliche Menge besah. Sie trug eine eng geschnürte Korsage, die ihr beachtliches Dekolleté betonte. Von der Taille abwärts viel ein ausfallender, geraffter Rock, der in einem dunkelgrünen Ton strahlte, bis auf das Pflaster der Straße. Ihr schmales Gesicht wies harte, strenge Züge auf, die sie fast wie einen Mann wirken ließen. Hinzu kam die Tatsache, dass sie ihr weißblondes Haar ungewöhnlich kurz geschnitten trug, statt es in kunstvollen Hochsteckfrisuren frisieren zu lassen wie es die meisten Ladies taten. Vielleicht wollte sie mit ihrem harschen Erscheinungsbild aber auch nur den vorwiegend männlichen Konkurrenten zeigen, dass auch eine Frau es in diesem Gewerbe zu etwas bringen konnte.
Lady Nanaba war eine reiche Frau, die gut zwanzig Sklaven ihr Eigen nennen konnte. Das war mehr als durchschnittlich, aber sie war eine geldgeile Geschäftsfrau und verhandelte knallhart mit ihrer Ware, sodass sie sich über die Jahre einen mächtigen Ruf aufbauen konnte. Nahezu jeder wusste um die einwandfreie Qualität ihrer Sklaven, von denen jeder einer der besten auf seinem jeweiligen Gebiet war.
Erens Blick glitt automatisch zu den Sklaven zu seiner Rechten, die ebenfalls mit geneigten Haupt dastanden und die Musterungen der Leute über sich ergehen lassen mussten. Fünf Dienstmädchen und –jungen, drei Schreiber, vier Laufburschen und acht Federtänzer konnte Lady Nanaba in ihrem Besitz verzeichnen. Vor allem Letztere waren mehr als wertvoll und brachten ihr eine Menge Geld ein.


Eren hielt das unerträgliche Warten nicht mehr aus. Vorsichtig sah er durch braune Haarsträhnen zu den umherlaufenden Adligen, von denen die meisten ihre gierigen Blicke auf die zahlreichen Stände und die dort ausgestellten Sklaven gerichtet hatten. Wallende Kleider, hochwertige Anzüge und glänzender Schmuck waren das Erste, das er sehen konnte. Dazu hörte er das durchdringende Geschnatter, hin und wieder lautes Feilschen und aufbrausende Besitzer, die nicht in ihrem Preis verhandeln wollten.
Erens Augen bewegten sich weiter durch das bunte Meer an Farben und blieben urplötzlich an einem Mann kleben, der mit verschränkten Armen an einer Säule des entfernten Rathauses lehnte; fern ab des Trubels, der sich direkt vor Eren abspielte. Von der kleinen Bühne hatte der Brünette einen recht guten Blick über den gesamten Platz, doch natürlich kam er nie in den Genuss, von diesem Gebrauch zu machen. Nur jetzt, in Situationen wie diesen, in denen er auf die Vorschriften pfiff, konnte er die Gegend genauer betrachten. Die Ausstellung fand unter freiem Himmel, auf dem größten der Marktplätze der Stadt statt. Die Bühnen der verschiedenen Sklavenbesitzer bildeten einen riesigen Halbkreis, den die adligen Herrschaften in Ruhe besichtigen konnten. Hinter den Menschenmengen aber befand sich ein kleiner Teil der restlichen Stadt, den Eren selten zu sehen bekam. Hohe, prunkvolle Häuser, die mit jedem inneren Kreis luxuriöser wurden. Feine Läden, schicke Cafés und Restaurants. Säuberlich gepflasterte Straßen, zahlreiche Wagen, die sicher ein Vermögen Wert waren.
Und an dem riesigen Rathaus, das dem Markt gegenüber gebaut wurde, lehnte im Schatten dieser dunkelhaarige Mann, der seine Augen lustlos über das geschäftige Treiben gleiten ließ. Eren konnte nicht allzu viel erkennen, nur das auffallend schwarze Haar und die kleine Statur, mal abgesehen von dieser sauertöpfischen Miene regten seine Fantasie über diesen Kerl an. Wer er wohl war? Ein Adliger? Zweifellos, wer sonst könnte sich in einem solchen Viertel aufhalten, wenn nicht ein Wohlhabender? Aber warum nahm er nicht aktiv an der Ausstellung teil, sondern observierte das Geschehen aus sicherer Entfernung? Konnte er so überhaupt die Sklaven erkennen? Was …
Eren hielt mitten in seinen auf Hochtouren laufenden Gedanken inne, als sich plötzlich die Augen jenes Mannes in seine eigenen bohrten. Ertappt öffnete Eren den Mund, ohne, dass ein Wort heraus kam. Er konnte auch nicht den Blick abwenden, was er aber schleunigst tun sollte, wenn ihm sein Leben etwas bedeutete, doch diese starren Augen hatten ihn vollkommen in ihren Bann gezogen. Trotz des verbissenen Gesichtsausdrucks sah der Typ ohne Frage sehr gut aus! Eren konnte sein Alter nicht schätzen, dafür standen sie erstens zu weit auseinander und zweitens war es mehr als schwer zu sagen, da der Typ allein durch seine bescheidene Größe zum Nachdenken anregte.
Plötzlich zog sich der Kerl lautlos in den Schatten der Säule zurück und verschwand somit aus Erens Blickfeld, der vergebens den Kopf hob, um noch eine Richtung zu erahnen, in die der Fremde verschwunden war.
Ein strenges Knurren ließ ihn zur Seite blicken. Lady Nanaba starrte ihn mit wütendem Gesicht an, die dünne Zigarette im Mundwinkel eingeklemmt. Eine Zornesfalte pochte auf ihrer Stirn und schnell verfiel Eren wieder in seine ehrfürchtige Ausgangshaltung. Er war froh, dass die Lady ihn dieses Mal nicht für seinen Ungehorsam würde schlagen können, da sein Körper, heute mehr als sonst, sein – vielmehr ihr – Kapital war. Trotzdem. Er sollte nicht so leichtfertig sein. Irgendwann kostete ihn das noch seinen Kopf!


Gut eine halbe Stunde musste Eren bereits wieder in der demütigen Haltung ausharren, als plötzlich Lady Nanaba mit erhobenen Röcken auf die Bühne stiefelte und harschen Schrittes an den Sklaven vorbei stolzierte. Das unverkennbare Klirren der Kette um Erens Hals ließ den jungen Mann hellhörig werden. Nanaba machte sich an dem Halsband zu schaffen und erleichtert spürte Eren, dass das Leder verschwand. Die Kette landete bedeutungslos auf den Holzdielen.
Eren konnte nicht verhindern, dass sein Herz schneller klopfte. Scheinbar war er jemanden aufgefallen und die Tatsache, dass Nanaba ihn bereits jetzt von der Bühne holte, bedeutete, dass er bereits verkauft war. So schnell? Die Ausstellung dauerte bislang nicht einmal anderthalb Stunden, das war noch gar nichts. Normalerweise ließ die Lady ihre potenziellen Kunden zappeln, holte mehrere Angebote für ein und denselben Sklaven ein und vergab diesen dann an den Meistbietenden. Wieso also brachte sie Eren schon von der Bühne?
Lady Nanaba versetzte ihm einen unsanften Stoß in den Rücken, sodass er sich mürrisch in Bewegung setzte und rasch die Stufen der Treppe nahm, die ihn wieder auf den gepflasterten Untergrund brachten. Unten angekommen wurde er bereits von einem von Nanabas Gesellen erwartet. Die Lady konnte es sich nicht leisten, ihre Sklaven persönlich zu übergeben, da sie die Geschäfte weiterführen musste, schließlich hatte sie noch viel kostbare Ware feilzubieten. Aus diesem Grund hatte sie drei Gesellen unter ihrer Fuchtel, die sich um die verkauften Sklaven kümmerten, da vor allem die Federtänzer ein letztes Mal vorbereitet wurden, um sich optisch von ihrer besten Seite zu zeigen.
Der hellhaarige Geselle hielt Eren bereits ungeduldig ein schlichtes Oberteil entgegen, das sich der junge Mann bereitwillig über den nackten Oberkörper streifte. Eigentlich konnte er noch ganz froh sein, dass er lediglich oben ohne auf dieser beschissenen Bühne stehen musste. Würde er komplett nackt sein, würde das vermutlich seine Schamgrenze sprengen. Er war es zwar gewohnt, seinen Körper für sich sprechen zu lassen, aber diese Anzahl an Menschen waren doch kein Vergleich zu der überschaubaren Zahl seiner Auftraggeber, die ihn unverhüllt sahen.
Auch die Bedingung der Freizügigkeit galt allein für die Federtänzer. Sie sollten so viel von ihren Körpern präsentieren, wie möglich war, ohne, dass diese eventuelle Verletzungen oder anderes davontrugen. Bei heißem Wetter bestand immerhin die Gefahr eines Sonnenbrands, bei kaltem konnten sich die Federtänzer leicht erkälten. Aus diesem Grund fiel die Zurschaustellung der begehrten Körper jedes Mal unterschiedlich aus. Allerdings verfügte Nanaba über einen gut strukturierten, schwarzen Ordner, in dem sie alle möglichen Fotos – vorzugsweise Aktbilder – ihrer Federtänzer führte und die sie den Kunden präsentierte. Das erleichterte denen ihre Entscheidungen, half ihnen mitunter, sich für einen geeigneten Sklaven zu entscheiden. Sobald er einen Blick auf den Körper seiner auserwählten Ware ergattert hatte, wusste der Auftraggeber in der Regel, ob sich der Preis lohnte oder nicht. Krank!

Eren folgte dem Gesellen, der ihn zielsicher zu einem weißen Wohnwagen führte, der exklusiv für Lady Nanabas Federtänzer vorbehalten war. Diese durften den Wagen lediglich betreten, um final für ihre Übergabe vorbereitet zu werden. Das bedeutete, dass der Sklave duschen und in frische Kleider schlüpfen sollte.
Während Eren also das warme Wasser über seinen Kopf und seine Schultern laufen ließ, lehnte der Geselle gelangweilt an der freien Wand neben der Dusche und achtete darauf, dass sich der Federtänzer nicht eigenhändig irreparable Schäden zufügte. Klang vielleicht ein wenig surreal, aber auch das war schon vorgekommen. Sklaven – vor allem Liebesdiener –, die sich vehement gegen ihr Schicksal sträubten, liefen Gefahr, sobald sie alleine waren, sich schwerwiegende Schandtaten anzutun. Und das nur, um ihren Körper verunstalten und damit ihrer Aufgabe entgehen zu können. Sie nahmen sogar lieber einen eventuellen Tod in Kauf, als sich von einem Fremden ficken zu lassen.
Eren konnte diese Menschen verstehen, allerdings kam diese Möglichkeit für ihn selbst nie in Frage. Er brachte es einfach nicht über sich, sich freiwillig irgendwelchen Schmerzen auszusetzen und so vielleicht seinen eigenen Tod herbeizuführen. Nein, das war lediglich seine letzte Notfallkarte, die er spielen würde, wenn er irgendwann gar keinen Ausweg mehr sah. Wenn ihn diese Bestimmung so zusetze, dass ihm selbst das Leben nicht mehr sinnvoll genug erschien.
Bis dahin würde er die Zähne zusammenbeißen und auf ein Wunder hoffen. Hm. Die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt, wäre interessant zu wissen, ob dem wirklich so war.
„Also“, räusperte er sich, während er begann, sich die Schaumreste aus den Haaren und vom Körper zu waschen, „ist es ein Mann oder eine Frau?“
„Ein Mann“, gab der Geselle genervt zurück und warf Eren einen schmalen Seitenblick zu. „Aber das ist dieses Mal nicht das Entscheidende an diesem Kauf.“
„Ach, was dann?“, fragte Eren neugierig nach. Er schnappte sich das Handtuch, das über der Kabine hing, und verließ die aufgeheizte Dusche, während er sich den weichen Stoff um die Hüften schlang.
Der Geselle musterte ihn kurz, ehe er seufzend die Hände in den Hosentaschen vergrub. Der Kerl war vielleicht nicht der angenehmste Wachhund, trotzdem war er der Einzige, mit dem Eren unverfänglich reden konnte. Dem Typen war es egal, ob Eren ein Sklave, Federtänzer oder der verfickte König selbst war! Für ihn war das hier ein gut bezahlter Job, der ihn zwar zu allerlei Krümelarbeit verdonnerte, was ihm aber letztendlich egal sein konnte. Für ihn zählte nur das Geld, sonst nichts.
Mit der Zeit hatte Eren angefangen, den Typen öfter in ein Gespräch zu verwickeln, da sie fast ständig bei dieser Übergabevorbereitung miteinander zu tun hatten und es Eren zu langweilig wurde, sich nur gegenseitig anzuschweigen. Überraschenderweise war Jean, so hieß der Kerl, sogar nach ein paar hartnäckigen Versuchen darauf eingegangen. Wahrscheinlich, weil ihn Erens unablässiger Eifer zu anstrengend war und er besser damit fuhr, sich die knappe Stunde mit ihm zu unterhalten, als die nervigen Versuche eines Gesprächs pausenlos abwürgen zu müssen.
„Was ich so mitbekommen habe“, fuhr Jean unbeeindruckt fort, während er dabei zusah, wie Eren sich abtrocknete, „ist, dass der Kerl wohl knallhart mit der Lady verhandelt hat. Keine Regung soll sich in seinem Gesicht gezeigt haben und er hat einfach sein Angebot auf den Tisch gepfeffert, ohne eine Widerrede zu dulden.“
„Und dass hat sich die Lady gefallen lassen?“, hakte Eren skeptisch nach. Nanaba war die härteste Sklavenbesitzerin dieser Stadt, diese Nuss einer Frau konnte man nicht einfach mal nebenbei knacken.
Jean hob nur die Schultern. „Begeistert war sie nicht. Schon gar nicht, als sie erfahren hat, dass der Typ ihr keinen genauen Zeitpunkt nennen wollte, wann er dich wieder aus seinen Diensten entlässt.“
Eren, der sich gerade ein frisches Hemd überzog, hielt in der Bewegung inne. Langsam drehte er sich zu dem Langgesichtigen um und musterte ihn prüfend. „Er hat keinen Zeitraum genannt?“
„Nein, sagte ich doch“, knurrte Jean, übellaunig wie er nun mal war, und warf Eren die helle Stoffhose zu, die dieser reflexartig auffing.
„Das … ja, das ist ungewöhnlich“, gab Eren nachdenklich zu, während er in das dünne Material schlüpfte und den Messingknopf verschloss. Seltsam. Warum sollte jemand einen Federtänzer auf unbestimmte Zeit haben wollen? Klar, niemand ließ sich gerne einen festen Zeitrahmen vorschreiben, wenn es ums Ficken ging, aber der Kerl musste doch zumindest eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie lange er Erens Dienste benötigen würde. Oder nicht?
„Ich kann dir nur so viel sagen, dass die Lady ihm das Angebot nicht mehr abschlagen konnte, da er ihr einen so saftigen Betrag vor die Füße geworfen hat, dass sie damit locker drei Federtänzer für zwei Wochen verkauft hätte. Damit hat er sie schließlich zum Einknicken gebracht, allerdings unter der Bedingung, dass sie spätestens nach drei Wochen eine Begutachtung durchführen lassen will, um zu überprüfen, ob du noch wohl auf bist. Tss, scheinbar ist sie davon überzeugt, dass du ihr wertvollster Lustknabe bist, huh?“
Erens Augen weiteten sich überraschend, als sein Gehirn die gewaltige Summe überschlagen hatte. So viel Geld hatte dieser Kerl also für ihn bezahlt? Scheiße, das war nicht wenig! Kein Wunder also, dass Nanaba dem zugestimmt hatte, wenn auch unter Vorbehalt und mit offensichtlicher Skepsis.
„Bist du dann soweit?“, grummelte Jean, der scheinbar seinen Redebedarf für heute gestillt hatte. Eren band die Schnürsenkel seiner Schuhe zu und nickte ihm anschließend zu. Er wischte über den beschlagenen Spiegel und prüfte ein letztes Mal sein Aussehen. Er war durchaus ein attraktiver Mann, was unter anderem eine der Voraussetzungen war, um als Federtänzer abgestempelt zu werden. Dunkelbraunes Haar, große, grüne Augen, leicht gebräunte Haut. Schwer vorstellbar, aber manchmal verfluchte Eren sich für sein Aussehen, da er ohne dieses problemlos ein anderer Sklave hätte werden können, der nicht auf die Art und Weise seinen Körper anbieten musste, wie er es nun mal tat. Aber das half ihm jetzt nicht mehr. Er war, was er war, damit musste er klarkommen.

Sie verließen den Wohnwagen und Jean geleitete Eren an dem Marktplatz und dem immer noch belebten Trubel vorbei, direkt in eine weniger belebte Nebenstraße, in der ein schwarzer Schlitten stand, der Eren scheinbar zu dem Adelshaus bringen sollte. Von seinem Auftraggeber selbst war nichts zu sehen, nur ein Diener – eindeutig an seiner Uniform als solcher zu erkennen – stand bereits vor einer der hinteren Türen und schenkte ihnen ein knappes Nicken, als sie vor dem Auto stehen blieben. Wortlos öffnete der Mann die Tür, doch bevor Eren die Chance hatte, einzusteigen, hielt Jean ihn noch einmal am Arm zurück. Fragend drehte sich Eren um, starrte verwirrt auf das schwarze Stück Stoff, dass der Hellhaarige in der Hand hielt.
„Frag mich nicht“, vereitelte Jean die unausgesprochenen Versuche, eine Klärung zu erbitten. „Der Kerl hat vehement darauf bestanden, dass du nicht sehen sollst, wo sein Wohnsitz liegt. Verrückte Leute gibt’s!“ Ohne Erens Zustimmung abzuwarten, trat er dichter an ihn heran und brachte rasch die Augenbinde in Position.
„Na dann“, hörte Eren Jean zum Abschied sagen, während er ihn in die Obhut des wartenden Dieners übergab. „Solltest du bei diesem Job draufgehen, war’s schön, dich gekannt zu haben!“
„Einfühlsam wie eh und je, vielen Dank, Jean“, seufzte Eren sarkastisch und hörte den Gesellen belustigt schnauben, ehe sich der junge Mann vorsichtig in das Innere des Wagens schob und die Tür mit einem sanften Klicken geschlossen wurde.
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