heartbeat

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 Slash
OC (Own Character) Rin Matsuoka Sousuke Yamazaki
16.09.2020
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Am Fuße des Geländes der Samezuka Academy stand Sayo Yamazaki und seufzte schwer. Sie trug die Schuluniform der Iwatobi High School. Einen braunen Rock, die weiße Bluse, einen schwarzen Blazer und die gleichfarbigen Strümpfe. Dazu noch eine rote Schleife. „Wer hat sich denn bitte so etwas nur ausgedacht?“ Mit ihren türkisfarbenen Augen betrachtete sie die steile Treppe, die zum Schulgelände hinauf führte.
Einen Moment lang überlegte Sayo wirklich, ob sie nicht einfach wieder umkehren sollte. Doch sie hatte es bereits bis hierher geschafft. Nur noch diese Treppe trennte sie von ihrem Bruder. Schlussendlich wagte Sayo dennoch den 'Aufstieg'. Die junge Frau war keineswegs unsportlich, nur machte ihr Herz bei jeder körperlichen Anstrengung Probleme. Ein Umstand, der Sayo von der Verwirklichung ihres größten Traumes abhielt.

Genau wie ihr Zwillingsbruder strebte Sayo lange eine Karriere im Schwimmsport an, doch sie konnte mittlerweile keine zehn Meter mehr schwimmen ohne dabei in Atemnot zu geraten. Auch als Sayo die Treppe endlich hinter sich gelassen hatte, musste die junge Frau erst einmal eine Pause einlegen. Ihr Atem ging schnell, während ihr Herz wie verrückt hämmerte und ziemlich schmerzte. „Warum muss das heute auch so warm sein?“ brummte Sayo und steckte sich eine braune Haarsträhne hinter das Ohr. Plötzlich hörte Sayo zwei schreiende Stimmen, weshalb sie ihren Blick hob und sich fragend umsah.
„Jetzt komm schon Aii-senpai, wir kommen zu spät zum Training.“ schrie Momotaro und rannte gerade aus dem Schulgebäude. Sein wildes, orangefarbenes Haar wehte dabei in alle Richtungen. „Ich kann es nicht fassen, dass wir am ersten Schultag nach den Ferien schon wegen dir Nachsitzen mussten.“ klagte Aiichiro. „Was kann ich dafür, wenn mein geliebter Käfer aus seinem Glas abhaut.“ meinte Momotaro und war sich keiner Schuld bewusst. „Man bringt keine Käfer mit in den Unterricht!“ rief Aiichiro. Plötzlich blieb Momotaro stehen und Aiichiro prallte mit ihm zusammen. „Was ist denn jetzt?“ fragte er.

Sayo legte den Kopf leicht schief. „Ehm...Hallo.“ lächelte sie. Momotaros Wangen färbten sich schlagartig rot. „Ist mit ihm alles in Ordnung?“ Sayo wandte sich Aiichiro zu. „Lauf.“ gab der Angesprochene zurück. Bevor Sayo reagieren konnte, griff Momotaro nach ihren Händen und zog die Brünette etwas zu sich.
„Mein Name ist Mikoshiba Momotaro und ich bin der beste Rückenschwimmer an der Samezuka. Ich sammle leidenschaftlich Hirschkäfer. Der Größte, den ich je gefangen habe war 8 Zentimeter groß.“ plapperte er darauf los. „Ach ja. Sehr erfreut.“ stammelte Sayo. Was ist das für ein verrückter Kerl?

„Momo-kun!“ Aiichiro zog seinen Freund beiseite. „Was machst du eigentlich hier? Die Samezuka ist eine reine Jungenschule und der Unterricht ist schon lange vorbei.“ bemerkte der Nitori. „Ich bin auf der Suche nach Yamazaki Sōsuke. Vielleicht könnt ihr mir ja helfen ihn zu finden.“ gab Sayo zurück. „Der ist gerade beim Schwimmtraining.“ sagte Aiichiro. „Genau dort sollten wir auch sein.“ fiel es Momotaro wieder ein.
„Ich komme mit.“ verkündete Sayo. „Dann aber los jetzt. Mein Bruder wird uns den Kopf abreißen.“ Momotaro rannte los. „Daran bist allein du schuld und ich muss es mit ausbaden.“ Aiichiro folgte seinen Teamkollegen. „Und was ist mit mir?“ blinzelte Sayo irritiert. „Nun ja. Eine Schwimmhalle wird schon nicht all zu schwer zu finden sein.“ sagte sie zu sich und ging einfach mal in die Richtung, in die Momo und Aii verschwunden waren.

Eine Hand schlug gegen die Wand des Beckens und Rin Matsuoka tauchte aus dem Wasser auf. Sōsuke stoppte die Uhr und ging in die Hocke. „Und du willst wirklich beim letzten Turnier der Saison gewinnen?“ fragte er. „Was?“ Rin zog sich die Schwimmbrille und Badekappe über den Kopf. „Aber ich hatte so ein gutes Gefühl.“ schnaufte er. Im selben Moment begann Sōsuke zu grinsen. „Eine Minute und 47 Sekunden. Neuer Rekord.“ meinte er. „Mikoshiba muss mich einfach aufstellen.“ Rin stieg aus dem Becken.
Er griff nach seinem Handtuch, mit dem er sich die rötlichen Haare abtrocknete. Einige Wasserperlen umspielten die Konturen seines muskulösen Oberkörpers. „Du bist momentan wirklich gut in Form. Trotzdem solltest du es nicht übertreiben.“ bemerkte sein bester Freund. „Es ist noch nicht gut genug.“ meinte Rin. Obwohl er zu den besten Schwimmern der Samezuka zählte war er nicht mit sich zufrieden. Rin musste der Beste der Besten werden. Nur so konnte er eines Tages seinen Traum verwirklichen und zu den olympischen Spielen antreten.

„Sieh mal einer an wer es nun doch endlich zum Training geschafft hat.“ Sōsuke deutete auf die andere Seite des Beckens. „Mikoshiba lässt die Beiden bestimmt ein Paar Bahnen extra schwimmen.“ meinte Rin und setzte seine Schwimmbrille wieder auf, ehe er auf den Startblock trat. Kurz darauf sprang er auch schon ins Wasser. Sōsuke trat auf den Block der nächsten Bahn. Auf einmal wurde es in der gesamten Halle still. Jegliche Gespräche verstummten. Sōsuke stoppte im letzten Moment seinen Startsprung und blickte zur Eingangstür. Seine Augen weiteten sich ein Stück. „Sayo?“ murmelte er überrascht.
Sayo hatte die Schwimmhalle gefunden und öffnete gerade die Tür, hinter der sich das Becken befand. Um sie herum standen dutzende gutgebaute Männer in Schwimmhosen, die nun alle in ihre Richtung blickten. Haben die noch nie ein Mädchen gesehen? „Suchst du jemanden?“ Ein Mann trat vor die junge Frau. Seijuro Mikoshiba. Er war in der 12ten Klasse und der Kapitän der Schwimmmannschaft. „Ganz genau. Mein Name ist Ya...-“ „Hat dir schon jemals einer gesagt, wie süß du bist?“ sagte Seijuro. „Eh?“ Sayo machte er verdutztes Gesicht. Noch so einer? Ihr hilfesuchender Blick wanderte an Seijuro vorbei.

„Brüderchen!“ Sayo streckte den Arm in die Luft und begann zu winken. „Brüderchen?“ wiederholte Seijuro und drehte sich um. „Zwillingsbruder, um genau zu sein.“ korrigierte Sōsuke, während er auf die Beiden zukam. „Sayo, was machst du hier? Wie bist du überhaupt hierher gekommen?“ murrte er. „Ich freue mich auch dich zusehen.“ gab Sayo zurück. „Sayo.“ Sōsuke atmete hörbar aus.
„Sorry, Kapitän. Familienangelegenheiten.“ sagte er zu Seijuro und zog Sayo auch schon mit sich. „Hat mich wirklich gefreut.“ winkte sie dem orangehaarigen zu. „Mich auch.“ Seijuro hob ebenfalls seine Hand, ehe er in die Realität zurückkehrte sich räusperte. „Was steht ihr hier so nichts tuend herum! Zurück ans Training! „Aiichiro, Momo! Fürs zu spät kommen schwimmt ihr heute 20 Extrabahnen.“ rief er.

Sōsuke stieß die Tür auf und schob Sayo nach draußen. „Du solltest dich umziehen, sonst wirst du noch krank.“ bemerkte sie. „Und solltest du nicht in New York sein? Warum bist du hier? Und was soll diese Uniform?“ sprudelten nur so die Fragen aus dem jungen Mann. „Ich werde die Oberstufe an der Iwatobi abschließen. Außerdem wollte ich dir wieder beim Schwimmen zusehen.“ antwortete Sayo. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass Mutter damit einverstanden ist.“ erwähnte Sōsuke. „Sie hatte keine andere Wahl.“
„Wie geht es dir eigentlich? Hat die Therapie angeschlagen?“ lenkte Sōsuke ein. „Mach dir um mich keine Sorgen.“ versicherte seine Schwester. „Ich bin dein Bruder. Ich mache mir ständig Sorgen um dich.“ erklärte der braunhaarige. „Lass das.“ winkte Sayo verlegen ab. Sōsuke lächelte schwach. „Du hast dich in den letzten sieben Jahren ziemlich verändert.“ Nachdenklich griff er nach einer von Sayos Haarsträhne. Aus dem kleinen Mädchen von vor sieben Jahren war eine junge Frau geworden. Sōsuke konnte es kaum glauben.

„Wo ist Sōsuke?“ fragte Rin, als er seinen besten Freund nirgendwo entdecken konnte. „Hast du es gar nicht mitbekommen?“ entgegnete Aiichiro. „Offenbar ja nicht.“ brummte Rin. „Er ist zusammen mit seiner Schwester nach draußen gegangen.“ erzählte der Zehntklässler. „Mit Sayo?“ platzte es aus Rin.
„Du kennst sie?“ hakte Aiichiro nach. „Klar. Wir waren in der Grundschule in der selben Klasse und Sitznachbarn.“ meinte Rin. „Aber warum ist sie hier? Ich dachte, sie ist zusammen mit ihrer Mutter in den USA.“ murmelte er. „Momo-kun und der Kapitän waren ganz begeistert.“ bemerkte Aiichiro noch. „War ja klar.“

Sayo schloss die Tür zu ihrem kleinen Apartment auf und stellte ihre Schuhe auf das Regal. Nach dem Eingangsbereich befand sich auf der rechten Seite auch schon eine kleine Küchenzeile. Die Tür links gegenüber führte in das Badezimmer. Eine Schiebetür führte in den Hauptraum des Apartments. Auf der anderen Seite des Zimmers befand sich ein bodentiefes Fenster und die Balkontür. Von dort aus hatte man eine fabelhafte Aussicht auf das Meer. Ein weiteres Fenster fand man an der Wand links.
Rechts standen das Bett und eine weiße Kommode. Dazu noch ein niedriger Tisch mit pinken Sitzkissen, ein Schreibtisch und ein schmales Bücherregal. Keine Luxus Suite, doch Sayo fühlte sich dennoch wohl. Es war ihr eigener Bereich. Hier konnte ihr niemand Vorschriften machen. Die junge Frau setzte sich an den Tisch und stütze ihren Kopf mit einer Hand, während sie sich an die Brust fasste. Sōsuke hatte darauf bestanden sie nach Hause zu begleiten, doch Sayo wollte ihm keine Umstände bereiten.

„Ich will dich noch einmal gewinnen sehen, Brüderchen.“ flüsterte sie. Deswegen war sie nach Japan zurückgekehrt – um sich diesen einen Wunsch zu erfüllen. Solange muss ich noch durchhalten.

Zurück im Wohnheim steuerte Rin sein Zimmer an. Dieses lag im zweiten Stockwerk am Ende des Gangs. Sōsuke war nicht zum Training zurückgekehrt, weshalb Rin seinen Freund in ihrem gemeinsamen Zimmer vermutete. Als er das Zimmer betrat wanderte sein Blick zum Hochbett. „Da bist du ja.“ sagte der Matsuoka. Sōsuke lugte nach unten. „Ich hätte mich nicht mehr auf das Training konzentrieren können.“
„Wegen Sayo?“ Rin setzte sich an seinen Schreibtisch. „Warum ist sie hier?“ wollte er wissen. „Angeblich um mich zu sehen. Doch sie ist Hals über Kopf aufgebrochen und hat niemanden von ihrem Plan erzählt.“ antwortete Sōsuke. „Typisch Frauen.“ meinte Rin. „Aber dann scheint es ihr besser zu gehen, oder? Immerhin ist sie doch nach Amerika gegangen, weil man sie dort besser behandeln kann.“

„Genau deswegen sollte sie nicht hier sein. Wie soll ich schwimmen, wenn ich ständig in Sorge um sie bin?“ Sōsuke lehnte sich zurück und starrte die Decke an. „Frag doch den Kapitän oder Momo. Die kümmern sich bestimmt um Sayo.“ zog Rin seinen Zimmergenossen auf. „Tun sie das nicht bereits mit Gou.“ konterte der Yamazaki. „Ach Schnauze.“ fauchte Rin. Sōsuke schmunzelte. Wenn es um ihre Schwestern ging waren sie also doch gleich.

„Wohin bringst du mich, Kou-chan? Der Kalligraphie Club trifft sich gleich.“ murrte Sayo, ließ sich dennoch von Rins kleiner Schwester durch das Schulgebäude schleifen. „Das ist nicht der richtige Club für dich.“ entgegnete Gou. Genau wie bei Sayo und Sōsuke, so glichen sich auch Gou und Rin was den Punkt Aussehen betraf.
Sayo machte ein fragendes Gesicht. Woher wollte Gou wissen, welcher Club am Besten zu Sayo passte? Die beiden Mädchen kannten sich durch ihre Brüder, hatten aber in den letzten Jahren keinen Kontakt. Sie hatten sich vor einigen Tagen zufällig in der Pause getroffen und verbrachten diese nun zusammen.

Gou zog Sayo eine Treppe nach oben und blieb schlussendlich stehen. „Tada!“ Die Matsuoka präsentierte stolz das Schwimmbecken der Iwatobi High School. Vier junge Männer sahen verwundert in die Richtung der Mädchen. Haraka Nanase, Makoto Tachibana, Nagisa Hazuki und Rei Ryugazaki – die vier Schwimmer des Clubs. „Verrate mir doch bitte was ich hier soll?“ fauchte Sayo und wandte sich Gou zu.
„Du trittst dem Schwimmclub bei. Immerhin bist du doch früher auch einmal geschwommen.“ erklärte Gou. „Diese Zeiten sind vorbei.“ sagte Sayo. „Also lass mich mit diesem Thema in Ruhe.“ Sie wollte gehen, doch Gou hielt Sayo am Handgelenk fest. „Sayo-chan, warte. Ich wollte dich nicht verärgern.“ sagte sie. „Ich kann nicht länger schwimmen. Wieso sollte ich also dem Schwimmclub beitreten?“ Sayo riss sich los und ging.

„Was fällt ihr nur ein?“ grummelte Sayo, als sie das Schulgebäude nach dem Ende des Kalligraphie Clubs verließ. Natürlich hatte es Gou nur gutgemeint. Dessen war sich Sayo durchaus bewusst. Trotzdem war das für die Yamazaki ein sensibles Thema. Immerhin musste sie ihren Traum vom Schwimmen aufgrund ihrer Krankheit aufgeben. „Du bist also tatsächlich zurück.“ Sayo blieb stehen und drehte sich um.
An einem Baum lehnte Rin. „Ah, die Heulsuse.“ nickte Sayo. „Du bist also auch wieder in Japan.“ bemerkte sie. „Ja, aber im Vergleich zu dir hatte ich auch einen triftigen Grund.“ Rin stieß sich ab und ging auf Sayo zu. „Ich will bei meinem Bruder sein. Ist das nicht Grund genug?“ meinte Sayo. „Du stehst Sōsuke nur im Weg. Er kann nicht 100% geben, wenn er sich um dich kümmern muss.“ Er blieb vor der Brünette stehen.

Ihre Blicke trafen sich sofort. Sayo war ein gutes Stück kleiner als Rin, obwohl Rin selbst nicht mit den 1,85 Metern von Sōsuke mithalten konnte. „Ich werde Sōsuke nicht behindern.“ betonte Sayo. Es ärgerte sie, dass sie in Rins Augen offenbar eine Belastung für ihren Bruder darstellte. Sayo biss die Zähne zusammen, als sie sich plötzlich an die Brust fasste. „Sayo?“ sagte Rin und legte eine Hand auf ihre Schulter. „Lass mich los.“ Sayo schlug seine Hand beiseite. „Es ist wieder dein Herz, oder?“ fragte der Matsuoka.
„Das hört gleich wieder auf.“ beschwichtigte Sayo die Situation und holte einige Male kräftig tief Luft. Mit den Jahren hatte Sayo sich an diese Anfälle gewöhnt. Rin fuhr sich seufzend durch das Haar. „Ich bringe dich nach Hause.“ verkündete er. „Nicht nötig. Laufen kann ich ja noch.“ zischte die Yamazaki und machte bereits den ersten Schritt. Rin folgte dennoch mit etwas Abstand. Sayo und er waren zwar nie wirklich Freunde gewesen, doch als bester Freund von Sōsuke fühlte Rin sich irgendwie für die störrische Sayo verantwortlich.

„Gut, als nächstes startet Rin in 100 Meter Freistil.“ Seijuro blickte von dem Klemmbrett in seiner Hand auf. „Rin?“ rief er. Sōsuke boxte Rin leicht gegen die Schulter. „Was?“ riss es den rothaarigen aus seinen Gedanken. „Du bist dran.“ erklärte Sōsuke. „Ah.“ Rin setzte seine Schwimmbrille auf und stellte sich auf den Startblock. Sōsuke hob die Augenbraue. Bereits seit zwei Tagen benahm sich Rin irgendwie merkwürdig.
Rin tauchte ins Wasser ein. Sein Tempo war wie immer enorm schnell. Doch mit seinen Gedanken war der junge Mann ganz wo anders. Strahlend türkisfarbene Augen mit dichten Wimpern. Dazu wehten lange braune Haare im Wind. Rin hatte Sayo ganz anders in Erinnerung gehabt. Früher war sie doch nur ein unscheinbares, hässliches Entlein gewesen. Mit einer Zahnspange und viel zu großen Augen.

Nach der vierten Klasse waren sie auf zwei verschiedene Schulen gewechselt und Rin hatte Sayo nicht mehr gesehen. Kurz darauf hatte sie Japan verlassen. Zwar hatte Sōsuke hin und wieder von ihr erzählt, doch hatte es Rin nie wirklich interessiert. Warum auch? Er wollte ins olympische Team. Nur das zählte.

„Er ist zwar schnell, doch offenbar nicht bei der Sache.“ bemerkte Seijuro. „Irgendetwas scheint ihn zu beschäftigen.“ sagte Aiichiro. Sōsuke schwieg und beobachtete weiter Rin, welcher eben aus dem Becken stieg. „Das war deine schlechteste Zeit heute.“ rief Seijuro. Rin biss die Zähne zusammen. Konzentrier dich!
„Sōsuke, du bist dran.“ Der Kapitän wandte sich dem braunhaarigen zu. Auf den Weg zum Startblock kreiste Sōsuke seine rechte Schulter. Durch das harte Training hatte er sich vor zwei Jahren einen Sehnenriss in der Schulter zugezogen welcher sich hin und wieder etwas bemerkbar machte.

Rin saß derweilen auf einer Bank. Bis jetzt hatte er Sōsuke nicht erzählt, dass er vor zwei Tagen an der Iwatobi High School war, um dort mit Sayo zu reden. Auch von ihrem kleinen Anfall wusste Sōsuke demnach nichts. Er seufzte. „Warum bin ich überhaupt hingegangen?“ fragte er sich. Das war eine wirklich dumme Idee. Was wollte er überhaupt damit bezwecken? Das sich Sayo von ihrem eigenen Bruder fernhielt? Ja! Rin wollte sicherstellen, dass sich Sōsuke voll und ganz auf das Training konzentrieren konnte.
Eine kranke Schwester war da nur im Weg. Wäre sie in Amerika geblieben – auf ihrer Privatschule und bei den teuren Ärzten, von denen Sōsuke immer erzählte – dann wäre das doch für alle Beteiligten das Beste gewesen. Sayo gehört in ein Krankenhaus, dachte Rin. Und nicht in ein kleines Apartment in einer Fischerstadt, weit weg von Spezialkliniken. „Ist alles in Ordnung, Senpai?“ fragte Aiichiro und setzte sich neben Rin. „Kümmer dich lieber um dein Training. Deine Zeiten verbessern sich kaum.“

„...Darum würde ich gerne euren Club beitreten. Als eure zweite Managerin.“ Sayo verbeugte sich leicht. Gou und die anderen Mitglieder sahen sich überrascht an. „Eigentlich bräuchten wir Mitglieder, die auch schwimmen.“ bemerkte Nagisa. „Was ihr braucht ist härteres Training. Sonst werdet ihr nie mit den Schwimmern der Samezuka mithalten können.“ gab Sayo zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Meine Rede.“ nickte Gou. „Mit euren Brüdern auf der Samezuka tut dieser Vergleich etwas weh.“ gestand Makoto. „Aber durch unsere Brüder kommen wir an deren Trainingsplan und können diesen für euch anpassen.“ erklärte Sayo. „Im Vergleich zu Brüderchen meldet sich Sōsuke-kun wenigstens bei seiner Schwester.“ schmollte Gou leise. „Also darf ich nun beitreten, oder nicht?“ hakte die Yamazaki nach.

„In Anbetracht der Vorteile, die dein Beitritt mit sich bringt und dein offenbar vorhandenes Wissen über den Schwimmsport wäre das durch aus eine Bereicherung für uns.“ sagte Rei. „Wenn du uns nach dem Training ein Eis ausgibst.“ strahlte Nagisa. „Er meint es nicht so!“ betonte Makoto lächelnd. „Du kannst gerne beitreten.“ fuhr er fort. „Kann ich endlich schwimmen?“ murmelte Haruka. „Dann ist es entschieden. Sayo-chan ist nun ein offizielles Mitglied des Iwatobi Schwimmclubs.“ jubelte Gou.
„Genug herumgestanden. Beginnen wir mit dem Training.“ rief sie. „Jawohl.“ sagten Haru, Makato, Rei und Nagisa im Chor. Sayo lächelte. War das wirklich die richtige Entscheidung? Als Managerin musste die das Team auf Turniere begleiten, sie anfeuern und mitfiebern. Ob ihr Herz das wohl mitmachte? Wird schon werden. „Wir dürfen heute mit dem Team der Samezuka trainieren. Kommst du mit?“ Gou trat neben Sayo. „Klar.“ stimmte Sayo zu. „Aber sag mal. Kann dieses Team wirklich Wettkämpfe gewinnen?“

„Natürlich. Sie trainieren wirklich hart und wir haben es dieses Jahr fast zur Landesmeisterschaft geschafft.“ antwortete die jüngere Gou. „Was das Rücken- und Brustschwimmen betrifft ist der Unterschied zur Samezuka nicht all zu groß. Doch mit Rin im Freistil und Sōsuke im Schmetterlingsschwimmen stehen unsere Chancen eher schlecht.“ berichtete sie. „Rin schwimmt Freistil?“ Sayo wurde hellhörig.
„Er will sich unbedingt mit Haru messen und schwimmt deshalb nur Freistil. Selbst in der Staffel.“ erklärte Gou. „Damit steht er wenigstens Sōsuke nicht im Schmetterlingsstil im Weg.“ meinte Sayo. „Doch mache ich mir viel mehr Sorgen um unseren Schmetterling.“ Sie blickte zum Becken und machte ein nachdenkliches Gesicht. Reis Schmetterlingsstil war durchaus passabel, doch für einen Turniersieg reichte das kaum.

Um 18 Uhr traf das Iwatobi Team an der Samezuka Academy ein. Während sich die Jungs umzogen, warteten Sayo und Gou in der Schwimmhalle. Das Samezuka Team setzte derweilen unbeirrt das Training fort. Rins kleine Schwester war von den vielen, perfekt definierten Muskeln total begeistert und strahlte über beide Ohren. „Ernsthaft?“ fragte Sayo mit hochgezogener Augenbraue. „Gou-san!“ riefen zwei Stimmen. Seijuro und Momotaro winkten der Matsuoka mit funkelnden Augen zu.
„Kapitän Seijuro und....Kitaru...-“ „Momotaro.“ fiel der Mikoshiba Gou ins Wort und griff auch schon nach ihren Händen. „Bist du heute gekommen, um mich anzufeuern?“ wollte er wissen. „Wir sind zum trainieren hier.“ mischte sich Sayo ein. Momotaro blickte an Gou vorbei. „Du bist doch...“ Seine Wangen wurden noch röter. „Sayo-san.“ hörte man Seijuro rufen. „Sag bloß du auch?“ Gou wandte sich Sayo zu. Diese hatte einen nichtssagenden Gesichtsausdruck, doch fühlte sich Sayo keineswegs wohl in dieser Situation.

„Können wir anfangen?“ Sayo warf ihr Haar zurück und trat nach vorne. Mittlerweile hatten sich auch Haru und die anderen umgezogen, weshalb das Training endlich beginnen konnte. „Aiichiro, Momo, Rin und Sōsuke. Ihr tretet gegen die Jungs der Iwatobi an. Alle anderen stellen sich bitte in einer Reihe auf.“ sagte Seijuro.
„Wolltest du nicht in den Kalligraphieclub?“ hakte Sōsuke nach, als er bei Sayo vorbeikam. „Du brauchst anständige Gegner und ich trainiere meine Jungs zu genau solchen.“ gab sie frech grinsend zurück. Sōsuke schmunzelte. „Du verschwendest deine Zeit.“ Er strich seiner Zwillingsschwester über den Kopf.

„Sōsuke!“ drängte Rin, welcher mit den anderen bereits wartete. „Ich werde erwartet.“ meinte Sōsuke und ging zu seinem Team. Kurz darauf ertönte bereits das Startsignal. Sayo verfolgte gespannt das Rennen. Es war viele Jahre her, seitdem sie ihren Bruder das letzte Mal beim Schwimmen zugesehen hatte. Sie war begeistert wie schnell Sōsuke war. Rei konnte Sayo jedoch kaum beeindrucken. Dagegen fiel ihr Rins Freistil ins Auge. „Was für ein Freak.“ Aber seine Schnelligkeit ist der Wahnsinn.
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