Das andere Ich

GeschichteFreundschaft, Tragödie / P16
16.09.2020
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Als er gequält seine verklebten Augenlieder hob wie einen Manegenvorhang  der irgendwo klemmte , war Richard ein wenig verwundert. Es war einer dieser Morgen wo man sich wünschte das die Zeit einfach stehen bliebe . Die Blutrote Linie zwischen dem Fluss und der Baumlinie davor ergaben ein Farbenspiel das man so nicht jeden Tag zu sehen bekommt die Trümmer und der verrostete Spielplatz neben ihm verloren gänzlich an Sichtbarkeit.
Er hob den Oberkörper aus dem Schlafsack der ringsum mit Zeitungen und Müll als Isolierung gefüllt war und streckte seine Hände Richtung Himmel als würde er die Wolken pflücken wollen.
Seine schmutzverschmierten Hände glitten über das verschlafene Gesicht und probierten die Trockenen Lippen zu befeuchten ,vergeblich. Ein röhrendes Brüllen stieß aus ihm hervor als würde er beim Strecken gleich in zwei Teile brechen.
Sag mal spinnst du ? Jeden Tag der gleiche Scheiß, kannst du nicht einmal normal aufstehen wie ein normaler Mensch ? Musst du jedesmal hier herumbrüllen wie so ein Affe der von der Klippe gestürzt ist ?. Paul war ersichtlich verärgert und hob sich ebenfalls während seiner Zurechtweisung aus dem Schlafsack ,der Naht an Naht neben Richard lag.
Richard blickte  auf den roten Streif des Horizonts und schüttelt leicht verächtlich den Kopf.
Glaubst du das es jemals wieder so sein wird wie vor dem ganzen Crash Paul ?
Richard , jeden Gott verdammten Tag seit den 3 Jahren die wir uns nun kennen , fragst du mich die gleiche Kacke nach dem Aufstehen , weist du was .... heute sag ich dir mal JA drauf.

Paul rieb sich die Augen und sah sich flüchtig in der Umgebung um , er musterte alles ,als ob er etwas suchen würde was in diese Chaos nicht hineinpassen würde.
Als er sich über alle vier endlich aufgerichtet hat streckte er sich einmal und putzte den Staub von seiner Kleidung. Mit Fragender Mine blickte er zu Richard , dieser erwiederte ihm ein leichtes Kopfnicken , das er doch aussprechen solle was er von ihm will.

Sag wo bleibt eigentlich mein Frühstück ?

Spiegelei mit Würstchen erwiderte Richard fraglich mit einen grinsen im Gesicht ,oder ?

Nun erhob sich auch richard aus seinen Schlafplatz das eher einen Nest als einen Unterstand gleich sah . Auf das Wasser blickend und mit dem Loch an seinen Hemd herumspielend verharrte er einen Moment so. Weist du was echt Komisch ist ? Wir leben hier nun seit 2 Jahren ...

Paul unterbrach Richard während er nebenbei seinen selbstgenähten Schlafsack in einer Einkaufstasche verstaute , 3 Jahre ... es sind 3 Jahre Richi .

Seit 3 Jahren ,fuhr Richard fort als hätte er von Anfang an nichts anderes gesagt , seit 3 Jahren ... und der Witz an der Sache ist das wir hier am Wasser leben , aber immer durstig sein werden und immer Hunger haben werden ... paradox oder nicht ?

Eigentlich nicht Richi , es war klar das nach dem Finanzcrash und dem Aufstand ,dem Strom Kollaps  keiner mehr in AKW´s oder Chemiefabriken arbeiten würde. Tja aber wenn du willst das sich dein Arschloch nach außen wälzt und nach einer Zeit mit dir zu sprechen beginnt ...dann Bitte , dann trink von deinem Jungbrunnen davorne ... mir kann’s nur recht sein hast du wenigsten jemanden dann mit dem du über so nen Schwachsinn reden kannst .

Als Paul diesen Satz beendete schauten sich beide tief in die Augen und mussten momentan so zu lachen anfangen das selbst die letzten Nachbarn in der Baumkrone über Ihren Köpfen Richtung Sonne flogen.

Verdammt das wär unser Frühstück gewesen mein Freund.

Selbst die Vögel sah man nur mehr selten ,sie haben das vertrauen in die Menschheit verloren ,genauso wie die Menschheit ins sich selbst oder zumindest was davon übrig wahr.
Richard erhob sich und musste kurz an den Moment denken als im Paul mit nur einer Hand am Abgrund hängend fand. Diese Werkezugtasche auf dem herunterhängenden Wrack war einfach zu verlockend doch der Falsche Schritt lies ihm schnell erkennen das es die Falsche Entscheidung war , kurz bevor er sich endgültig damit abfand nicht so zu sterben wie er es gerne hätte ,sondern durch einen tiefen fall ertönte Pauls stimme die ihm wieder nach oben lotste und ihm den Weg wies .

Paul ging mit humpelten Gang schon voraus ,er wartete nie auf Richard  der immer herumtrödelte wenn es darum ging auf Nahrungssuche in den Ruinen der Stadt zu gehen. Wie ein kleines Schulkind das Angst hatte den Abstand zu seiner Mutter zu groß werden zu lassen packte Richard alles geschwind in seine Hände und sprang Paul in großen schritten hinterher . Ein kontrollierender Blick nach zurück bestätigte ihm das er nichts vergessen oder verloren hatte bei seinem Verfolgungsmanöver.

Die Straße zur Stadt lag in einen Nebel aus Staub und Dunst zu gleichen Teilen , doch mitten darin stand eine Silhouette die da so nicht hingehörte. Paul sprang sofort beherzt zu Seite in einen kleinen Nebengassenzweig und verharrt sofort still . Richard blieb einfach Statuenhaft  stehen und beobachtet die Umrisse im Nebel schwenkte nur mit seinen Augen kurz zu Paul ,der gerade aus seinem zu großgewordenen Gürtel das Eisenrohr hervor zog.

Paul deutet mit seiner anderen Hand er solle etwas zurück gehen ,das sein Opfer bei der Mauer vorbei gehen würde und ihm so die Möglichkeit geben würde hinter Ihm aufzutauchen.

Richard erkannte Pauls Plan und ging in Zeitlupe 3 Schritte zurück ohne das Phantom vor sich aus den Augen zu verlieren.
Es bewegt sich sehr klobig auf sie zu , stolpert sogar einmal und machte krächzende Geräusche.

So verhält sich doch keiner der etwas wertvolles Transportiert. Kurzfristig dachte Richard der nun die Komplette Spannung in seinen Körper verlor darüber nach einfach Hallo zu rufen bevor die Gestallt auf gleicher höhe wäre ,doch Paul merkte was in Richard vorging und unterbrach ihm mit einer Geste den Mund zu halten.

Als die Silhouette  endlich aus dem Zwielicht brach erkannte Richard voller Erleichterung das es eine ältere Frau war ,in zerlumpten Kleidern und mit einen Gefüllten Lappen unter dem Arm.
Sie sah so zerbrechlich aus das er Angst hatte sie anzusprechen um sie nicht zu erschrecken das vielleicht nochmals einen Sturz auslöste.

Richard blickte Paul verwundert an der nun auch die alte Dame sah sich aber trotzdem nicht aus der Deckung bewegte sondern anscheinlich abwartete bis die gebrächliche alte Frau ihm passiert hatte.

Guten Tag mein Name ist Richard ,haben sie etwas zum handeln für uns .

Erschrocken blieb die Dame stehen und blickte ihm tief in die Augen ,Panik machte sich in ihrem Gesicht breit , sie hatte ihm nicht gesehen offensichtlich obwohl sie nun nichtmal mehr 2 Meter vor ihm stand.
Ich hab nichts für dich es tut mir leid, erwiederte die Dame mit einen zitternden schon fast weinerlichen Unterton .

Paul machte einen Satz zur Seite und Stand nun direkt hinter ihr , doch die alte Frau reagierte nicht darauf. Ein Zeichen für Richard das sie schon sehr Taub sein müsste. Paul schnaufte einmal tief durch und richtetet die Eisenstange in seiner Hand damit das Gleichgewicht wieder stimmte.

Was ist da drin ? Spuckte Paul einfach so raus.

Die Dame hob langsam ihren Kopf und blickte Richard in die Augen ,sie traute sich anscheinend nicht umdrehen. Das ist für meinen Enkel , er ist schwach und krank müssen sie wissen , er hat doch niemand anderen als mich, bitte lassen sie mich weiter ,er wartet sicher schon.

Aufmachen ertönte es wieder von hinter der Dame.

Mit Zittrigen Händen die schon so alt waren das man glauben könnte sie würde ausgeleierte Lederhandschuhe tragen die ihr zu groß wären schlug sie sorgsam das Leinentuch auf und ein ein leicht angeschimmelter  Leib Brot Kahm zum Vorschein ,gerade groß genug für zwei Leute. Paul streckte sich um über die schultern der alten einen Blick darauf zu erhaschen, ok wir geben Ihnen eine Rolle Draht und eine Drahtzange dafür.

Richard merkte die Angespanntheit die hier in der Luft lag , 5 Tage kein Essen hinterließen ihre Spuren.

Augenblicklich besserte Richard ,Paul aus und meinte nur , Nur den Halben Leib für den Draht und die Zange.

Paul blickte mit Zornigen Blick auf Richard und deutete ihm mit den Zeigefinger tippend auf der Schläfe ob er nicht ganz richtig ticke .
Den halben Laib ,wiederholte Richard der den Blick nun wieder auf die Alte richtete .

Diese war wie versteinert zitterte wie Espenlaub und fing zu schluchzten an , bitte ... bitte lassen sie mir das Brot ich brauch es für meinen Enkel nicht ...

bevor die Dame ihren Satz beenden konnte holte Paul mit der Eisenstange weit über Ihren Kopf aus. Die Zeit schien plötzlich  nurmehr in slow motion für Richard zu laufen. Er blickt auf das Ende der Eisenstange und wie sie für ihn langsam immer tiefer fiel.
Als die Stange nurnoch einen Augenblick von dem Hinterkopf der Alten Dame entfernt war , drückte anscheinend plötzlich wieder jemand die Play Taste , den Augenblicklich sah er wie Die Frau unter einen dumpfen Aufprall mit der Stange in sich zusammensackte und das Blut purpur rot den Brüchigen gras gesprenkelten Asphalt der Straße tränkte.

Es klingelte in Richards Ohren ,so Laut das er selbst nur noch das Rauschen seines eigenen Blutes hören konnte . Der Blick fest auf die Alte gerichtet die am Boden lag ,die Eisenstange von Paul ,der Laib Brot rollte durch die nun schon ausgebreitet Blutlache Richtung seiner Füße und fiel dort momentan darin um .

Schnell bückte Paul sich um den Laib zu packen und riß an Richard Schultern hin und her um den wieder ins jetzt zu rufen.
Als Richard wieder zu sich kam saßen sie wieder an ihren Platz . Wie komme ich hier her ? Ist das alles wirklich passiert ? Alle Ungereimtheiten wurden aus der Welt geschafft als er den grün rot schimmernden Laib Brot vor sich liegen sah. Und da war es wieder ...diese Klingeln... Richard musste sich übergeben.
Paul war nicht zu sehen , wo könnte er nur sein.
Langsam aber doch schaffte es Richard sich wieder aufzubewegen und stellte sich auf . Ich kann nicht mehr ... wenn Paul nun auch weg ist ... richard vollendete  den Satz nur in seinen Kopf , es könnte ja sein das Paul doch noch hier irgendwo wäre und ihm hören könne. Wenn Paul nun auch noch weg ist , dann nehm ich mir den Strick. Richard tauschte das Abschleppseil vor paar Monaten gegen ein Taschenmesser das Paul gefunden hat und geglaubt hat wieder  verloren zu haben ein .

So lange dachte er darüber nach ,eigentlich jeden Tag wenn er seine Ausblick auf den See genoß .Er suchte jedesmal „seinen Baum“ , den Baum der ihm tragen würde ,dorthin wo alles leichter wäre, dorthin wo kein Schmerz herrscht.
Richard weis nicht wieviele Stunden oder Tage er so stehend verharrte ,Zeit wurde relativ für ihn . Doch als er sich entschloß seinen Körper einen Ruck zu geben und einen Schritt vor machte stoß er mit den Füßen an den Laib Brot an. Dieser rollte den leichten Hügel ein paar cm vor und stieß wiederum an die blutige Eisenstange an die dort verharrte ,als würde sie ihm diese Domino der Angst etwas sagen wollen. Richard schreckte augenblicklich zusammen.

Selbst die hat er mitgenommen ... was für eine tat ... eine wehrlose alte Frau hinterrücks erschlagen für einen schimmeligen Laib Brot den sie ihren Enkel geben wollte der nun wahrscheinlich allein gelassen zum tote verurteilt ist.
Wo verdammt nochmal ist Paul , Richard drehte sich beherzt in alle Richtungen und schrie seinen Namen in alle Himmelsrichtungen . Als er sich so drehte um den Namen zu verfluche der ihm das Leben einmal gerettet hat und immer für ihm da war erkannte er kurzfristig eine Gestalt vor ihm ,eine Gestalt die ihm bekannt vorkam .

Sie bewegte sich auf ihn zu und vor Schreck setzte  er sich hin , es war die alte Dame .Blut überströmt  und mit einen Spalt auf ihrer Stirn wo das Blut anscheinend seinen Ursprung her hatte. Sie setzte sich vor ihm ohne ein Wort zu sagen und lächelte den Laib Brot an. Dann warf sie den verängstigten Richard einen Leidvollen Blick zu und verschwand in diesem Moment sogleich ins nichts. Sie verblasste an Ort und Stelle.
Ok Richi .. ruhig ,das ist der Stress , du wirst doch nicht auf diene alten Tage an Geister glauben !

Wenn doch nur Paul da wäre. In diesem Moment und an der gleichen Stelle tauchte Paul auf ,aus dem gleichen nichts in dem die Alte verschwand bildete sich sei Körper.

Paul was ist hier los ? Bitte rede mit mir , dreh ich durch ?

Paul ging in die Hocke und mit einen Schmunzeln lächelte er Richard ins Gesicht. Richi ,mein Freund, du hast vor sehr langer Zeit deinen Verstand verloren.

Als du damals an dieser Brücke hingst hast du probiert dich umzubringen ,weil du so alleine warst. Ich bin das Resultat deines Letzten Lebenfunkens. Das du das jetzt erkennst kann nur eines bedeuten ,und zwar das du aufgegeben hast. Das mit der Alten Dame war dir Zuviel was du da verbrochen hast . Ich ? Unterbrach Richard ihm komplett entgeistert , DU warst das nicht ich.  
Paul verlor sein schmunzeln und das Lächeln wurde zu einen erforschenden Blick zu den Wolken.
Richi ....,ich bin du.

Richard sah nur noch wie sich Paul erhebte und anscheinlich seinen Schlafsack über den Rücken warf und Richtung Fluss marschierte  ,nach ein paar schritten wurde er Blasser und verschwand im Sonnenschein.
Richard stand  leichten Herzens auf und folgte ihm mit einen Lächeln zu dem Baum der dort am Ufer stand.