Jedes Ende ist ein Anfang

von grantaire
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P16
16.09.2020
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Anne's Sicht
☆☆☆☆☆☆☆
Weinend warf ich mich am Abend dieses schrecklichen Tages auf mein Bett und zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht musste ich nur aus diesem Albtraum aufwachen und alles wäre wieder normal dachte ich hoffnungsvoll obgleich ich längst wusste, dass es kein Traum war. Mein Geliebter John Rackham oder Calico Jack war heute am siebzehnten November 1720 hingerichtet worden. Ich wollte nicht, dass dieser Tag endete und ein neuer Tag begann denn es würde ein Tag sein an dem ich meinen Geliebten weder sehen noch seine Stimme hören würde. James war ein guter Ehemann und laß mir jeden Wunsch von den Augen ab doch wie sollte ich ihm jemals verzeihen dass mein Geliebter durch sein zutun hingerichtet worden war. Ob ich wohl jemals wieder glücklich sein würde fragte ich mich wie so oft während ich auf dem Balkon vor meinem Schlafzimmer stand und aufs Meer hinaussah. Jack war bereits seit über  vier Monaten nicht mehr am Leben und dennoch vermisste ich ihn noch mehr als ich es in Worte fassen konnte und spürte überall seine Gegenwart. Ein Teil von mir war an jenem Tag mit ihm gestorben und trüge ich nicht sein Kind unter dem Herzen hätte ich meinem Leben längst ein Ende gemacht um wieder bei meimem Geliebten zu sein. Doch ich hatte ihm versprochen für unser Kind weiterzuleben und jeden Tag zu genießen und dieses Versprechen würde ich halten.

Deutlich erinnerte ich mich noch an den Tag an dem ich ihm dieses Versprechen gegeben hatte. Es war der Tag vor seiner Hinrichtung gewesen was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste. Nachdem die Soldaten den Gefängnistrakt verlassen hatten kroch Jack soweit es ihm die Kette um sein Fußgelenk erlaubte auf das Gitter zu was unsere Zellen voneinander trennte. "Anne" bat mich Jack dem die Soldaten nur einmal pro Woche etwas zu essen gaben gerade genug damit er am Lebenbliebaber zu wenig um auszubrechen "was auch passiert ich möchte dass du am Leben bleibst und dich um unser Kind kümmerst". Unter Tränen gab ich ihm das Versprechen. "Ich werde es niemals vergessen" schwor ich ihm. Wir schwiegen einige Minuten in denen wir die Anwesenheit des jeweils anderen genossen wissend, dass uns nicht mehr viel Zeit blieb. "Was auch immer morgen passiert ich werde dich und unser Kind niemals verlassen. Du wirst mich nicht sehen aber ich werde da sein. Heirate nach meinem Tod einen anderen Mann. Die Welt darf niemals erfahren dass ich der Vater deines ungeborenen Kindes bin sonst wären du und das Kind in größter Gefahr. "Weine nicht, Prinzessin" bat Jack mich als er meine Tränen sah. In seinen Augen konnte ich sehen,  dass er alles dafür gegeben hätte mich zu berühren und mir die Tränen von den Wangen zu küssen. Zwei Stunden später holte mich Commodore Norrington höchstpersönlich aus der Zelle und brachte mich in sein Haus. Der Commodore war schon seit Jahren in mich vernarrt obgleich ich ihn immer und immer wieder abwies. Da James mir verboten hatte an der Hinrichtung teilzunehmen kletterte ich mithilfe einiger zusammengeknoteter Bettlaken aus dem Fenster meines Zimmers im zweiten Stock.

Wie gelähmt stand ich im Schatten eines dichten Baumes dessen Zweige mich vor den Blicken der Menge verbargen und sah zu wie mein Geliebter mit der Schlinge um den Hals unter dem Galgen stand und darauf wartete dass der Henker der Stuhl unter seinen Füßen wegstieß. Ich suchte Jack's Blick und unterdrückte meine Tränen um ihn in seinen letzten Momenten kein Bild der Trauer zu zeigen. Stattdessen zwang ich ein schwaches Lächeln auf mein Gesicht. Jack fand meinen Blick und erwiderte mein Lächeln. Ich wusste, dass es keinen Weg gab ihn zu retten und er wusste es auch. Um mich herum verlangte die Menge lautstark der Henker möge Rackham endlich in die Hölle schicken. "Irgendwelche letzten Worte?" Wandte sich der Henker an meinen Geliebten und dieser sagte ohne unseren Blickkontakt zu brechen nur ein einziges Wort "Alice". Nur ich wusste was er damit meinte. Es war der Name für unser Kind sollte es ein Mädchen werden. Ein Junge sollte Benjamin heißen. Schon vor Monaten hatten wir uns auf diese Namen geeinigt. Jack schenkte mir ein letztes Lächeln ich sah bedauern in seinen Augen und eine einzelne Träne auf seiner Wange. In diesem Augenblick stieß der Henker den Stuhl um und mein Geliebter fiel. Sein Genick brach, die Menge applaudierte und freute sich über den Tod des ihrer Meinung nach gefährlichsten Piraten der Karibik. Schließlich leerte sich der Platz da die meisten Menschen noch in den Tavernen Rackhams Tod feiern wollten. Ich blieb alleine auf dem Platz zurück wo der Körper meines Geliebten sacht im Wind schaukelte. Jetzt gab es nur noch mich und Jack's ungeborenes Kind. Wie ich an diesem Abend nach Hause kam konnte ich im Nachhinein nicht mehr sagen auch von den folgenden Wochen habe ich nur noch verschommene Erinnerungen. Ich weiß nur noch, dass ich ungefähr zwei Wochen nach Jack's Tod Commodore James Norrington von der hiesigen Marine geheiratet habe um mein Baby zu beschützen. Niemand auf der Welt durfte jemals erfahren wer der Vater des kleinen Lebens unter meiner Brust war. Der Körper von Calico Jack war zwischenzeitlich mit einem Strick um den Hals an einem Felsen draußen in der Bucht aufgehangen worden an seinen Füßen hing ein Schild mit der Aufschrift: Piraten seit gewarnt. Es machte mich gleichzeitig wütend und traurig, dass mein Geliebter selbst nach seinem Tod behandelt wurde wie ein Stück Dreck und nicht einmal eine vernünftige Ruhestätte bekam. Um mein Kind zu schützen hatte ich sogar einmal mit James geschlafen der jetzt glaubte das Kind was in mir wuchs wäre seins. Glücklicherweise sahen sich James und mein Geliebter recht ähnlich weshalb ich mir keine Sorgen machen musste wenn das Kind meinem Geliebten glich. Am dreiundzwanzigsten Juni 1721 schenkte ich zwei gesunden Kindern einem Mädchen und einem Jungen das Leben. Die beiden glichen mehr meinem Geliebten als mir was mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte war ich doch so nicht mehr ganz allein.

Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich wach. Schlaftrunken setzte ich mich im Bett auf. Bestimmt konnten Benjamin und Alice nicht schlafen und das hatte mich geweckt. Auf einmal erstrahlte der ganze Raum in einem gleißend hellen Licht. Das Licht war so hell dass ich die Augen schließen musste um nicht geblendet zu werden. Urplötzlich war es so kalt dass ich meinen Atem sehen konnte. Als ich endlich wieder etwas sehen konnte spürte ich eine unsichtbare Präsenz die ganz nah neben mir zu stehen schien. Eine Vase fiel um, ich zuckte erschrocken zusammen. Vorsichtig, mit einem Dolch in der Hand näherte ich mich der Tür meines Zimmers. Ich wollte nur noch weg von was auch immer in meinem Zimmer war wagte es aber nicht zu rennen. An der Tür sah ich plötzlich wie von unsichtbarer Hand Wörter auf der beschlagenen Oberfläche des Wandspiegels erschienen. "Amulett, Harlocke". Wie erstarrt schaute ich die Schrift im Spiegel an wie konnte jemand außer mir und Jack von dem Amulett wissen was Jack mir einst geschenkt hatte und in dem eine Locke seines Haares lag. Nach kurzer Überlegung ging ich zu meiner Schmuckschatulle und zog das Amulett aus dem Samtkästchen. Sofort überkam mich wieder die Erinnerung an jenen Tag an dem Jack mir das Amulett geschenkt hatte. Tränen rollten über meine Wangen während ich mir das Amulett um den Hals legte.
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