Lebendig Begraben

von Acceba
KurzgeschichteAngst, Tragödie / P16
16.09.2020
16.09.2020
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16.09.2020 552
 
(Wer besseres feeling beim Lesen haben möchte, empfehle ich das Lied "mephistos lullaby" anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=ipCIlaij39E )

03.04.1223

Die Beerdigung war klein und nicht viele Leute waren da. Die Violine fing an zu spielen und der Sarg wurde in das vorgegebene Loch herunter getragen. Die wenigen Leute die da waren weinten und schluchzten fürchterlich laut. Noch immer nicht fassend was geschehen war. Welche Mitteilung sie an diesen morgen verkündet bekommen hatten. Ganze 2 Wochen und 3 Tage haben sie sich um ihren kranken geliebten, Tagein und Tagaus gekümmert. Suppe gekocht, den Schweiß von der Stirn gewischt, als das Fieber wieder einmal so hoch gewesen war. Dass die Person am heutigen morgen als Tod erklärt werden würde, sahen sie nicht kommen.

Der Sarg lag nun in der Kuhle und die traurige Melodie der Violine verstummte. Der Pastor las Gottes Worte vor, segnete den blassen Körper und wünschte der Seele eine gute Reise ins Land der Toten. Der Gedanke, ihr Liebster wäre nun bei Gott, nahm ein wenig den Schmerz.
Als die „Feierlichkeit“ zu Ende gewesen war und alle Beteiligten gegangen, schüttete der Totengräber den hölzernen Kasten mit Erde zu. Ganze anstrengende zwei Stunden schaufelte er. Mittlerweile ging die Sonne unter, die Vögel verstummten und die Fledermäuse erwachten.

Langsam öffnete er die Augen und alles was er sah war Dunkelheit, die drohte ihn zu verschlingen. Die Luft war warm und so stickig, dass es nur schwer war seinen Atem unter Kontrolle zu halten. Es roch muffig und nach nasser Erde. Nichts war zu hören, weder zu sehen.
Minuten der Stille vergingen ehe er nur einen Muskel bewegte. Wo er sei, war sein erster Gedanke. Er tastete seine Umgebung ab. Viel Platz hatte er nicht und er fing langsam an zu begreifen, dass er eingesperrt sein musste.

Egal wie sehr er versuchte die aus Holz gemachte „Wand“, die über ihm schwebte wegzudrücken, es ging nicht. Sie bewegte sich keinen Millimeter. Panik machte sich breit. Er fing an zu schreien, doch niemand schien ihn zu hören. Er drückte und hämmerte gegen die Plattform die über ihm war. Nicht einen Kratzer schien er bewirkt zu haben.

Tränen kullerten über die glühenden Wangen herab. Sein Herz klopfte schmerzend gegen seine Brust. Die Hitze, verursacht durch sein Fieber, bewirkte ein Schwindelgefühl. Sein Atem überschlug sich förmlich durch die Schnelligkeit und langsam fühlte er sich so taub. Es fühlte sich so an als sei er nicht echt.

Der Atem der gerade noch schnell und außer Kontrolle geraten war wurde langsamer, genauso wie der Herzschlag. Der Schmerz der eben noch da gewesenen war, in seiner Brust, änderte sich zu einem verengenden Gefühl, als würde jemand auf seinem Brustkorb sitzen. Die Augen fielen, egal wie sehr er dagegen versuchte ankämpfte, langsam zu. Die Finger die noch an der Decke hingen und versucht hatten sich hindurch zu graben, sackte auf den bewusstlos werden Körper herab. Nach einer Weile war es wieder Stumm. Keine bewegende Luft war mehr zu hören. Die Temperatur sank und der leblose Körper wurde wieder blass und irgendwann steif.

Gestorben durch eine Fehleinschätzung des Arztes. Quälend und nicht langsam verendete er, nicht die Kraft habend sich aus seinem Gefängnis zu befreien, wurde sein Todesurteil gefällt. Er wurde lebendig begraben, weil sie dachten er sei Tod und nun war er es wirklich.
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