Fusion

von Cyberhaze
KurzgeschichteSci-Fi / P12
16.09.2020
16.09.2020
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16.09.2020 913
 
Das Auto in der Tankstelle stand in Flammen.
Die Hitze erreichte bald die Zapfsäule.
Der in den Boden eingelassene Tank entzündete sich.
25000 Liter Treibstoff explodierten schlagartig und
rissen ein Loch in die Stadt. Der Schalldruck zertrümmerte
Fenster noch in einem Kilometer Entfernung.
Ein orange glühender Feuerball stieg nach oben.
Der starke Unterdruck erzeugte einen Sog und nahm mehrere Tonnen
Schutt und Asche mit nach oben in die Atmosphäre.
Der Explosionspilz war in 10 Kilometern Entfernung gut zu sehen.
Im Umkreis von 100 Metern entzündeten sich alle Gebäude, Bäume
und Fahrzeuge.
400 Meter weiter brannte das Meer.
Ein Hochseetanker unmittelbar vor der Küste verlor seine Ladung
und verseuchte das Küstengewässer mit Öl.
Das Öl brannte auf dem Meer. Schwarze Rauchschwaden zogen landeinwärts
und verdüsterten den Himmel.
Es wurde dunkel über der kleinen Stadt.
Aufziehender Wind fachte die Flammen immer weiter an.
Der Teer auf den Straßen begann zu schmelzen.
Die gigantische Hitze stieg immer weiter an und entzündete
die Rauchschwaden über der Stadt.
Es entstand eine sehr starke Aufwärtsströmung von heisser Luft.
Gleichzeitig fiel kalte Luft aus den oberen Schichten der Atmosphäre nach unten.
Dies löste Feuertornados aus, welche durch die Straßen fegten.

50 Jahre vorher:


Die Energieerzeugung wurde Anfang des 21. Jahrhunderts immer schwieriger.
Die fosilen Brennstoffe gingen zur Neige.
Deshalb musste die Automobilindustrie auf Fahrzeuge umstellen, welche
nicht mehr mit Benzin oder Diesel angetrieben wurden.
Viele fuhren mit Batterien.
Doch wo kam der Strom her, um diese Batterien zu laden, oder
Strom für die Haushalte?
Atomkraftwerke gab es nicht mehr. Das Risiko daß eines dieser Kraftwerke
einen Totalausfall hatte war zu groß. Ein Super Gau würde über Generationen hinweg
viele Menschenleben kosten.
Kohlekraftwerke waren abgeschafft worden, da die Umweltverschmutzung
katastrophale Folgen nach sich zog: Saurer Regen, CO2 Anstieg, Treibhausefekt.
Zuerst versuchte man, die fehlende Energie mit Windkraftanlagen und Solartechnik
zu kompensieren. Leider reichte die Energie für die imens angestiegene Bevölkerung
nicht aus. Ausserdem schien in Europa in den nördlichen Breiten nicht immer die Sonne.
Über lange Zeiten hinweg herrschte ausserdem Windstille.
Alternativen mußten gefunden werden.

Wissenschaftler überlegten schon seit vielen Jahren,
ob es nicht möglich wäre, Die Energieerzeugung unserer Sonne
auf der Erde nachzuahmen.
Auf der Sonne verschmelzen in ihrem Inneren unter sehr hohem Druck 2 Wasserstoff Atome
zu einem Helium Atom. Dies geschieht bei ein paar Millionen Grad.
Dabei wird Energie frei und unsere Sonne leuchtet und das schon seit ein paar Milliarden
Jahren!
Das Wasser in unseren Ozeanen besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff.
Wir hatten also genügend Material für eine Kernfusion auf der Erde.
Den Wissenschftlern war klar, daß eine Kernfusion nur bei mehreren Millionen Grad statt
finden konnte. Dazu baute man extrem starke Laser, um schweren Wasserstoff zu erhitzen.
Leider gab es kein Marterial, welches die Hitze des so entstandenen Plasmas aushalten würde.
Der härteste Stahl würde bei der Berührung mit dem Plasma weg schmelzen.
Deshalb hielten die Wissenschaftler das Plasma im Fusionsreakter in der Schwebe.
Dies wurde erreicht durch supraleitende Elektromagnete.
Der erste Kernfusionsreaktor wurde in England gebaut. Leider "frass" das System mehr Energie,
als es erzeugte und war somit sehr ineffizient. Außerdem konnte die Kernfusion damals nur
3 Sekunden lang aufrecht gehalten werden.
Deshalb wurde in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts ein neuer Fusionsreaktor Prototyp
gebaut. Viele Länder der Erde beteiligten sich finaziell und durch Know How.
Der Reaktor war nach 15 Jahren fertig gestellt und erwies sich als ein voller Erfolg.
Zum ersten mal konnte auf der Erde mehr Energie erzeugt werden, als man in die Fusion
investieren mußte.
Die Wissenschaftler waren überzeugt, das Energie Problem ein für alle Mal gelöst zu haben.
Ein sauberer Weg Energie zu erzeugen. Und als Müll entstand nur sehr wenig radioaktiver
Abfall mit einer sehr geringen Halbwärtszeit.
Solange wir also Wasser in den Meeren hatten, konnten wir Energie erzeugen.

Heute:

Nach dem großem Erfolg des Prototyps entwickelten die Wissenschaftler einen größeren Reaktor.
Dieser Reaktor überstieg die Leistung des Prototypen um den Faktor 1000.
Standort war im Staate Maine in Nordamerika an der Atlantikküste.
Der Reaktor wurde an das Stromnetz angeschlossen und versorgte tausende von Städten in Maine
mit Strom.
Das Sytem lief eine ganze Weile gut bis...

Sam war einer der vielen Ingenieure des neuen Fusions Reaktors. Er war für die Entwicklung der Spulen
in den Elektromagneten zuständig. Plötzlich war Sam allein. Seine Frau hatte ihn
verlassen. Sie war mit einem gut aussehenden Cowboy durchgebrannt.
In seiner Einsamkeit mußte er ständig an seine Frau denken. Und eines Abends nach dem 5. Glas
Whisky machte Sam einen Fehler in seinen Berechnungen. Die Spulen eines Elektromagneten hatten
nicht genügend Kraft, um das sonnenheisse Plasma von den Wänden des Reaktors fern zu halten.

Am 2. Tag nachdem der Reaktor in Betrieb genommen wurde, entstand um 21 Uhr
wegen der hohen Belastung eine kleine Umnsymmetrie im Magnetfeld. Das Plasma dehnte sich aus
und berührte an der schadhaften Stelle die Wand des Reaktors.
Die Wand verdampfte innerhalb einer µS. Daraufhin breitete sich das Plasma unter hohem Druck weiter
aus und vernichtete den kompletten Reaktor. Alle 345 Wissenschaftler und Ingenieure starben
unmittelbar. Das mehrere Millionen Grad heiße Plasma erreichte unsere Atmosphäre und erzeugte einen
Kernbrand. Sämtliche atembare Luft verbrannte. Der Brand dehnte sich von Amerika über den ganzen
Planeten aus. Der komplette Planet stand in Flammen.
Die Meere begannen zu verdampfen. Da die Erde keine Atmosphäre mehr hatte,
entwich der Wasserdampf direkt ins Weltall.

Als die Sonne hinter dem Ort, wo die Tankstelle einmal war, unterging,
konnte man die einstige Schönheit unseres Planeten nur erahnen.

Jeder hat mal einen schlechten Tag.