Die Phönixfeder

von Skibidii
GeschichteFantasy / P12
Ritter & Krieger
16.09.2020
16.09.2020
1
2.019
 
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Die Phönixfeder
Kapitel 1 - Willkommen in der Phönixfeder

Es ist das Jahr 689 arkischer Zeit. Das kleine Städtchen Kallpari liegt im Süden des Königreichs Nevdar. Aufgrund der günstigen Lage, nahe der großen Haupthandelsstraße kann man in Kallpari alle möglichen Arten von Menschen finden. Ob man auf der Suche nach reichen Bürgern oder Händlern, Kleriker des arkischen Glaubens, Ritter des Königreichs, Söldner, oder nur nach einfachen Leuten ist, sie sind alle in Kallpari vertreten.

Es war später Nachmittag, als sich ein blonder Mann auf den Straßen von Kallpari nach Jemandem umzublicken schien. Er trug ein weißes Oberteil, eine weite braune Hose und die üblichen ledernen Schuhe, die er jeden Tag trug. Stolz hielt er die linke Hand vorne am Gürtel, welchen er sich um die Hüfte gebunden hatte. Die andere Hand ruhte behutsam auf dem Griff seines Kurzhandschwertes, das er immer mit sich trug.
Der Mann schlenderte die gut besuchte Straße entlang, während er sich immer wieder suchend umsah. Als die Sonne langsam weiter zu sinken begann, schien der Mann die Person gefunden zu haben, nach der er nun mehr als eine halbe Stunde lang Ausschau gehalten hatte. Bei der Person handelte es sich um einen anderen Mann ähnlichen Alters. Er hatte braune, lange Haare und einen stolzen Bart. Der bärtige Mann trug ein rotes, kurzärmliges Oberteil, sodass man seine muskulösen Arme sehen konnte, eine braune Hose und ebenso lederne Schuhe. Wie auch der blonde Mann hatte er ein Kurzhandschwert an seinem Gürtel befestigt. Der blonde Mann machte einige Schritte auf den bärtigen Mann zu, ehe dieser ihn ebenfalls bemerkte. Die beiden sahen sich, noch etwas von einander entfernt, in die Augen, ehe beide schnellen Schrittes und festen Blickes aufeinander zutraten.
„Jaurim, alter Freund!“, rief der blondhaarige Mann lauthals seinem Gegenüber zu. „Dendrick, komm an meine Brust, alter Halunke!“, erwiderte der andere Mann so laut, dass es selbst die Leute auf der anderen Straßenseite mitbekamen, ehe er seinen Freund umarmte. Die beiden lagen sich in den Armen, als hätten sie sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Langsam lösten sie die brüderliche Umarmung und sahen sich kurz in die Augen, ehe die beiden den selben Gedanken, erneut mit überhöhter Lautstärke laut aussprachen: „Auf zum Phönix!“
Die beiden machten sich auf Richtung Stadtrand. Dabei kamen sie an der großen Arke-Kirche vorbei. Das große, aus weißen Steinen erbaute Gebäude ragte hoch über alle anderen Häuser der Stadt. Im Inneren der Kirche hielt Priester Randuim sein tägliches Abendgebet. Der ältere Mann trug das teure, dunkelblaue Priestergewand der Arke-Kirche, auf dessen Rücken das goldene geflügelte Schwert abgebildet war. Eben jenes Symbol trug er ebenfalls als Kette um den Hals. In seiner linken Hand hielt er ein altes, arkisches Gebetbuch. Die andere Hand hatte er leicht erhoben ausgestreckt.
„Und so sprach Arke: Mein Segen soll über euch wachen, jetzt und für alle Zeit. Latum“ Laut hallend beendete Randuim sein Gebet und blickte von seinem Gebetbuch empor auf die vor ihm versammelten Glaubensbrüder und Schwestern. Mit seinem letzten Satz des Gebets begannen die großen Glocken der Kirche zu läuten und langsam verließen die Gläubigen das Kirchengebäude. „Das war wieder ein wunderbares Abendgebet, Priester Randuim“, sprach eine alte Frau dem Priester zu. Mit einem Grinsen im Gesicht bedankte er sich bei ihr und sprach ihr seinen Segen aus, ehe er sich in den Nebenraum der Kirche begab. Der Nebenraum war ein kleines Zimmer, dass mit Eichenholz ausgelegt war. In dem Zimmer stand ein massiver Holztisch, auf dem ein weißes Tuch lag. Neben der Tür zum Kirchsaal stand ein großer Schrank an der Wand, in dem unterschiedliche Priesterroben hingen. Im Zimmer angekommen legte er zuerst das Gebetbuch auf dem fein säuberlich vorbereiteten Tisch, bevor er sich verbeugte. Mit ruhigen Händen entledigte er sich der Priesterrobe und hing sie sorgfältig neben die anderen Roben in den großen Schrank. Unter der Robe trug er einfache Kleidung. Ein weißes Hemd, eine braune Hose und schwarze Lederschuhe. Kurz richtete er seine Brille, dann griff er nach seinem Hut und machte sich auf, um die Kirche zu verlassen. An der Tür verabschiedete er sich bei Markus, der für ihn die Messen und Gebete vorbereitete, die Roben wusch und die Kirche sauber hielt. „Kehrt ihr nun heim?“, fragte Markus den alten Priester. „Nein, ich denke, ich kehre noch kurz beim Phönix ein“, antwortete er mit ruhiger Stimme, woraufhin er die Kirche verließ und sich Richtung Stadtrand aufmachte.
Sein Weg führte ihn über die Hauptstraße Kallparis, entlang der vielen bunten Häuser der Einwohner. Schnell erreichte er die Stadtgrenze von Kallpari. Vor ihm erstreckten sich grüne Weiten, die im weit entfernten Horizont verblassten. Dort lag das Nachbarland Fierres. Die einzelnen Straßen, die sich durch die Felder und Wiesen zogen, erinnerten Randuim an kleine Flüsse. Nicht weit von der Stadtgrenze entfernt lag sein Ziel. Die alte, unverkennbare Eiche, deren grüne Blätter langsam im Wind auf und ab tanzten, konnte der Priester schon sehen.

Die Kneipe der Phönixfeder, dem kleinen Gasthaus an der Eiche, war so gut besucht wie auch fast jeden anderen Tag im Jahr. Die rund 30 Tische im Inneren der Kneipe waren vollbesetzt. Auch an der großen Theke, hinter denen sich die Bierfässer stapelten, gab es kaum noch einen freien Platz.
„So wahr ich Sabus, Sohn des Wolafs bin, werde ich diese Frau heiraten!“ Ein junger Mann mit kurzen blonden Haaren und kantigem Gesicht war aufgestanden und hielt seinen hölzernen Krug in die Höhe. Die sechs Männer, die mit ihm am Tisch saßen, jubelten auf und klatschten dem Schluckspecht lachend Beifall. „Lass das Reden sein und trink noch einen. Freunde, ich gebe euch eine Runde aus!“, grölte einer der Männer, worauf der Jubel der Tischkollegen noch lauter wurde.
„Wyll, machst du uns nochmal sieben Rotbräu?“, rief der etwas dickere Mann durch die Kneipe der Theke zu. Hinter der Theke stand ein Mann mit Vollbart und braunen, zu einem Zopf zusammengebundenen, schulterlangen braunen Haaren. Um die Hüfte hatte er eine weiße Schürze gebunden, auf der mit schwarzer Naht „Die Phönixfeder“ eingenäht war. „Kommt sofort, Thorben!“, antwortete er laut genug, damit es auch die angetrunkene Gruppe am Tisch verstand.
Wyll Rubrum war der Besitzer der Phönixfeder und führte das Gasthaus nun seit mehr als zehn Jahren. In dieser Zeit hatte er nach und nach die Namen seiner Gäste und ihre Bestellungen verinnerlicht. So war es für ihn auch keine Überraschung, dass Thorben, der seit 3 Jahren mit seinen Freunden fast täglich kam, für die Gruppe eine weitere Runde Rotbräu-Bier haben wollte. Gekonnt füllte der Wirt die Krüge mit dem Gasthaus eigenem Bier und stellte sie anschließend auf der Theke bereit. Er zog an der kleinen Kupferglocke, die über der Theke hing. „Sieben Rotbräu für Tisch 9 warten“, rief Wyll dem Mann zu, der freudig aufstand und sich auf zur Theke machte um die sechste Runde an Bierkrüge für ihn und seine Kameraden abzuholen. „Das macht dann 28 Silber“, forderte Wyll seine Bezahlung. Angetrunken warf Thorben einen kleinen, mit Silbermünzen befüllten Stoffbeutel auf die Theke, griff die Holzkrüge und machte sich auf den Weg zu seinem Tisch, wo er freudestrahlend von seinen Kameraden erwartet wurde.
„Würg! Hoffentlich kotzen die uns nicht in die Kneipe“ Die Stimme gehörte der einzigen Mitarbeiterin der Phönixfeder, die gerade mit einem Tablett leerer Krüge an die Theke kam. Das Mädchen trug eine weiße Bluse und einen langen Rock aus schwarzem Stoff. Wie auch Wyll hatte sie eine weiße Schürze um ihre schlanke Hüfte gebunden. Ihre langen, feuerroten Haare waren zu einem Zopf zusammengeflochten.
„Keine Sorge, Anna. Thorben kennt unsere Hausregeln gut genug“, lachte Wyll und griff nach den leeren Krügen, um sie zu spülen. „Na gut, wenn du das sagst“ Sie zuckte mit den Schultern und warf den Männern am Tisch einen letzten, skeptischen Blick zu, bevor sie das Tablett nahm und sich zurück an die Arbeit machte. Wyll sah ihr kurz nach, ehe er sich zwei bekannten Gesichtern zuwandte.
„Darf es für euch noch was sein?“, fragte Wyll die zwei Männer, die vor ihm an der Theke saßen. „Also wenn du schon so fragst, eins würde ich noch nehmen“, antwortete der Mann, dem einzelne Strähnen seiner langen, braunen Haaren im Gesicht hingen. „Wie sieht es mit dir aus, Dendrick?“ Er wandte sich seinem blonden Sitznachbarn zu, dessen Blick gerade auf einer dunkelhaarigen Frau am Fenstertisch lag. Sein Sitznachbar stoß ihm kurz vor die Schulter, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Wie? Was? Ach so, ja doch. Ein Rotbräu würde ich noch nehmen“, sagte er, frisch aus seiner Trance erwacht. Wyll nickte leicht und wandte sich den großen Bierfässern hinter der Theke zu, befüllte zwei Krüge und stellte sie den beiden auf der Theke parat. „Das macht dann 8 Silber.“ Jaurim kratzte sich kurz am Bart und bezahlte das Bier seines Freundes gleich mit. „Kannst du uns nicht irgendwann mal einen Stammkundenrabatt geben?“, fragte er den Gastwirt, der inzwischen damit angefangen hatte, die leeren Krüge zu spülen. Dendrick, der gerade einen großen Schluck Bier trank, stellte seinen Krug ab und begann zustimmend zu nicken. „Genau, wir waren ja schon hier Stammkunden, da hat Anna noch nicht mal hier gearbeitet. Wie lang ist das jetzt eigentlich schon her, seitdem sie hier ist?“ Dendrick machte ein überlegtes Gesicht und eine große Falte zog sich über seine Stirn als er sich am Hinterkopf kratzte. Der Wirt griff nach einem Tuch und trocknete einen Krug. „Morgen sind es vier Jahre“, antwortete Wyll auf Dendricks Frage. Dieser sah nun mehr überrascht als nachdenklich aus. „Vier Jahre? Wie die Zeit verfliegt!“, nahm Jaurim seinem Freund die Worte aus dem Mund. „Deswegen werden wir morgen auch geschlossen haben. Die kleine muss sich ja nicht jeden Tag im Jahr in unserem Gasthaus abrackern.“ Wyll warf Anna, die gerade die leeren Krüge eines Tisches abräumte, einen väterlichen Blick zu. Er war stolz auf das, was sie in den letzten vier Jahren gelernt hatte.
„So klein ist sie jetzt auch nicht mehr“, warf Dendrick ein, der begann an seiner Hand etwas abzuzählen. „Wenn sie vor vier Jahren hier angefangen hat, dann müsste sie doch jetzt 16 Jahre alt sein. Damit ist sie schon alt genug um zu heiraten und...“ Dendrick unterbrach seine Überlegungen, als er den strafenden Blick von Wyll spürte, der ihn zu durchbohren schien. Als Söldner im Krieg hatte Dendrick schon viele angsteinflößende Situationen erlebt, aber keine kam auch nur im entferntesten an Wylls strafenden Blick heran. Erschrocken griff er nach dem Krug um noch einen Schluck zu nehmen. „Ich meine ja nur. Theoretisch wäre sie alt genug“, nuschelte Dendrick in seinen Krug hinein. Wyll, dessen Blick sich von seinem Stammkunden abgewandt hatte, wanderte erneut durch die Kneipe des Gasthauses. Er sah über die besetzten Tische hinweg, bis sein Blick wieder auf Anna landete. Er seufzte. Er hat schon Recht. Sie ist zu einer hübschen jungen Frau geworden.

Langsam leerte sich die Phönixfeder. Als der Mond am höchsten Punkt stand, verließ auch der letzte Gast die Kneipe des Gasthauses. „Kommen sie gut heim, Priester Randuim“, verabschiedete sich Anna mit einem Grinsen im Gesicht. Sie schloss die Tür der Kneipe und das Grinsen wich einem herzhaften Gähnen. Sie streckte sich ausgiebig ehe sie auf den Wirt zuging, der hinter der Theke stand. Er zählte die Münzen und ließ sie in einem großen Lederbeutel verschwinden. Wyll blickte kurz auf, ehe er sich wieder dem Münzbeutel widmete. „Gute Arbeit. Wir haben mehr als sonst verdient“, lobte er den Rotschopf. „Danke“, gab Anna knapp zurück, ehe sie erneut gähnen musste. „Du bist doch müde. Geh ins Bett, ich räume hier unten alleine auf“, sagte Wyll zu seiner rothaarigen Mitarbeiterin, die gerade einige Krüge auf der Theke abstellte. „Wirklich?“, fragte sie Wyll verschlafen. Trotz ihrer Müdigkeit konnte Wyll klare Erleichterung in ihrer Stimme erkennen. „Mach dir mal keinen Kopf. Ich mache das hier schon.“ Sie umarmte ihn kurz, ehe sie durch die Hintertür der Kneipe die Treppe hoch zum Gasthaus lief und im Kerzenlicht verschwand. „Schlaf gut!“, rief er dem Mädchen hinterher. Sein Blick schweifte durch die leere Kneipe, über die Theke und fiel auf das Schwert, dass in seiner, mit rotem Drachenmuster verzierten Scheide hinter der Theke hing. Kurzzeitig verlor er sich im Anblick des Schwertes, bevor er seinen Blick löste und damit anfing, die Kneipe des Gasthauses Die Phönixfeder aufzuräumen.
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