Blutige Anfänger    Wahrsagungen

von Dreamy100
GeschichteKrimi / P12
16.09.2020
18.09.2020
3
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18.09.2020 5.406
 
Kilian, Inka und Lorenzo kommen etwas später dazu. Lorenzo staunt nicht schlecht, als er Michael sieht.

Lorenzo:     Du hast doch keine Bereitschaft.
Michael:     Ich weiß. Ich war mit Claas unterwegs, als er den Anruf bekam.
Lorenzo:     Verstehe.
Michael:     Der Tote heißt Walter Keppler, 70 Jahre alt.

Sie kommen ins Wohnzimmer. Der Mann sitzt in seinem Sessel und man könnte im ersten
Moment meinen, er schläft.
Claas ist immer noch dabei, ihn zu untersuchen.

Lorenzo:     Kannst du schon was sagen?
Claas:          Plötzlicher Herzstillstand. Auf den ersten Blick ein ganz natürlicher Tod.
Kilian:          Warum sind wir dann hier? Ich meine…. Der Mann war alt.
Michael:     70 Jahre ist für sie alt?
Kilian:          Na ja, ich meine…
Lorenzo:     Was könnte den Herstillstand ausgelöst haben?
Claas:          Kann ich dir nicht sagen. Ich hab mit seiner Frau gesprochen. Sie sagt, dass er auf einmal so müde wurde und dann ist er eingeschlafen.
Lorenzo:     Wo ist die Frau?
Claas:          In der Küche. Ich hab ihr was zur Beruhigung gegeben.

Lorenzo geht mit Inka in die Küche. Michael geht ganz dicht zu Claas, so dass Kilian nicht mithören kann.

Michael:     Ist das nicht unheimlich?
Claas:          Was?
Michael:     Na, da prophezeit dir heute Morgen eine alte Frau ihren Tod und zur  gleichen Zeit stirbt dieser alte Mann.

Claas schaut Michael jetzt böse an. Der erkennt an diesem Blick, dass es besser ist, nichts mehr zu sagen

In der Küche.

Lorenzo:     Frau Keppler?  (sie reagiert nicht, Inka geht zu ihr)  Mein Name ist Battiato und das ist meine Kollegin Kubicki. Können wir     Ihnen ein paar Fragen stellen? (sie nickt nur)          

Inka setzt sich jetzt neben sie an den Küchentisch. Sie legt ihre Hand auf die ihre.

Inka:          Mein... Beileid, Frau Keppler.
Keppler:     (nickt)  Danke.
Lorenzo:     Ich weiß, wie sie sich jetzt fühlen, aber.... können sie uns kurz erzählen, was passiert ist?
Keppler.     Ich weiß es nicht. Er hat so gegen halb neun über Kopfschmerzen geklagt. Dann wurde er müde und hat sich in den Sessel gesetzt. Als ich später dann nach ihm sehen wollte, hat er geschlafen. Ich dachte mir erst nichts dabei, aber dann....(sie fängt an zu weinen)

Inka nimmt ihre Hände und versucht sie trösten.

Inka:          Schsch. Ist gut. Frau Keppler, nahm ihr Mann irgendwelche Medikamente?
Keppler:     Ja. Tabletten gegen den Bluthochdruck und er bekam einmal die Woche eine Aufbauspritze.
Lorenzo:     Und von wem bekam er die?
Keppler:     Von seinem Hausarzt. Er macht mittwochs nach der Sprechstunde immer seine Hausbesuche.
Inka:          Jede Woche? (sie nickt) Auch heute. (sie nickt wieder)
Keppler:     Glauben sie denn, dass sein Tod etwas mit der Spritze zu tun haben könnte?
Lorenzo:     Schwer zu sagen. Das muss unsere Gerichtsmedizin untersuchen.

Sie fängt wieder an zu weinen. Claas kommt in die Küche.

Lorenzo:     Frau Keppler, gibt es jemanden, der sich um sie kümmern kann?
Keppler:     Ich....ich hab meine Tochter angerufen. Sie ist auf dem Weg hierher.
Lorenzo:     Gut.

Claas          Lorenzo? (er dreht sich zur Tür und steht auf)  Ich wäre dann soweit.
Lorenzo:     OK. Frau Keppler hat gesagt, dass ihr Mann einmal die Woche eine Aufbauspritze bekam. Immer mittwochs.
          Vielleicht ist sie ja Schuld an seinem Herzversagen.
Claas:          Wenn das so ist, dann krieg ich das raus.
Lorenzo:     Gut. Beeil dich bitte.
Claas:          Sicher. Gute Nacht.
Lorenzo:     Gute Nacht.

Claas verlässt den Tatort und Lorenzo geht nach draußen. Dort kommt eine junge Frau in die
Wohnung. Kilian hält sie zurück.

Kilian:          Moment, wer sind sie?
Tanja.          Tanja Keppler. Meine Mutter hat mich angerufen.
Lorenzo:     Das ist schon in Ordnung, Kilian. Frau Keppler, ihre Mutter ist in der Küche.
Tanja.          Und was ist mit meinem Vater?
Lorenzo:     Er ist.... tot. Aber über die Umstände, die dazu führten, wissen wir noch nichts Genaues.
Tanja:          Ich kann zu meiner Mutter?
Lorenzo:     Sicher. Sie wartet schon.

Claas fährt in die Pathologie, um seine Arbeit zu machen. Er ist sehr konzentriert dabei.
Während der ganzen Obduktion muss er nicht einmal an Frau Grothe denken.
Gegen halb vier ist er schließlich mit den Wichtigsten Untersuchungen fertig und hat auch
Einen kleinen detaillierten Bericht geschrieben. Diesen bringt er noch schnell in das Büro der MOKO. Er legt ihn Lorenzo auf den Schreibtisch.
Danach geht er zum Auto. Er ist müde. Er will den Motor starten und dann fällt ihm Frau Grothe wieder ein. Er überlegt kurz, dann fährt er wieder zurück zum Anwesen der Familie Grothe. Es ist alles dunkel. Er parkt den Wagen jetzt direkt gegenüber und hält weiter Ausschau. Es ist gegen 4, als Martina Grothe nach Hause kommt.
Mehr nimmt er nicht mehr wahr, weil ihn die Müdigkeit überfällt.

Es ist ein Klopfen an der Scheibe, das Claas aufschrecken lässt.  Er schaut sich kurz um, erkennt das Wageninnere und erinnert sich, was er hier tut.
Er schaut aus dem Fenster und lässt die Scheibe herunter.

Martina.     Guten Morgen. Einen schönen Gruß von meiner Großmutter und das Frühstück ist fertig.
Claas.          Morgen.  
Martina.     (sie erkennt, dass es ihm jetzt peinlich ist)  Kommen sie.

Claas steigt aus und streckt sich erst mal. Dann folgt er langsam Martina Grothe.
Sie führt ihn ins Esszimmer, wo der Frühstückstisch sehr hübsch gedeckt ist.

Martina.     Setzen sie sich. Meine Oma kommt gleich.

Claas setzt sich nicht. Er bleibt stehen und schaut sich in diesem Raum etwas um. Er erkennt
Bilder, die Frau Grothe mit ihrem Mann zeigen und  mit ihrer Familie.  Alle sehen sehr
Glücklich aus.

Grothe.     Das ist meine Tochter mit ihrem Mann und Martina. Da war sie gerade mal drei Jahre alt.

Claas dreht sich um, schaut sie an.

Grothe.     Guten Morgen.
Claas:          Morgen.
Grothe:     Das hätten sie auch bequemer haben können.
Claas.          Was meinen sie?
Grothe:     Na sie haben doch die ganze Nacht da draußen in ihrem Wagen gesessen.
Claas:          Das....wussten sie?
Grothe:     Natürlich. Allerdings... hab ich ein schlechtes Gewissen.
Claas:          Warum?
Grothe:     Ich lebe noch.
Claas:          Na zum Glück.
Grothe.     Das verstehen sie nicht. Ich sollte gestern abend...
Claas:          umgebracht werden. Ich weiß. Frau Grothe, ich ... ich versteh gar nichts mehr.
Grothe:     Jetzt setzen sie sich erst mal und frühstücken.  Das Frühstück ist der wichtigste Einstieg in den Tag.

Er setzt sich jetzt.

Grothe:     Kaffee?
Claas:          Nein danke.
Grothe:     Verstehe. Lieber einen Tee, hm?  (er nickt)

Sie schenkt ihm eine Tasse Tee ein und dann sich selbst auch.

Grothe:     Bitte, bedienen sie sich.

Claas fängt an, sich ein Brötchen zu nehmen und sie frühstücken gemeinsam.

Claas:          Was ist mit ihrer Nichte? Frühstückt sie nicht mit?
Grothe:     Sie ist spät dran. Sie muss um 8 in der Uni sein. Ist gestern wahrscheinlich wieder spät nach Hause gekommen. Haben sie sie gesehen?
Claas.          Ja.
Grothe:     Und wie spät war es da?
Claas.          Vier Uhr?
Grothe:     Na bitte. Die jungen Leute müssen ständig nachts unterwegs sein.
Claas:          Sie sind nur einmal jung.
Grothe:     Also wenn sie selbst mal ein Kind haben, werden sie das anders sehen.
Claas:          Ja, sicher.
Grothe:     Sie wissen ja, was ich ihnen diesbezüglich gesagt habe. Und….
Claas:          Frau Grothe..
Grothe:     Maria.  Ich finde, wir sollten du sagen. Immerhin haben sie, hast du, die ganze Nacht auf mich aufgepasst.
Claas:          Na gut. Maria.  Claas. (sie nickt und lächelt ihn an. Er nimmt einen Schluck Tee)   Maria, warum lebst du noch?
Grothe:     Ich weiß es nicht. Es ist mir unerklärlich. Ich war mir so absolut sicher. Ich weiß, was du jetzt denkst. Die Alte ist nicht mehr ganz bei Verstand.
Claas.          Nein, das denke ich sicher nicht.
Grothe:     Na, ich weiß nicht.
Claas.          Wenn ich so denken würde, wäre ich wohl jetzt kaum hier.
Grothe:     Da geb ich dir allerdings recht.
Claas.          Und wie soll’s jetzt weitergehen?
Grothe:     Er wird es wieder versuchen.
Claas.          Wer?
Grothe.     Mein Mörder. Ist gestern wahrscheinlich was schief gelaufen.
Claas.          Warum sagst du mir nicht einfach, wer dein Mörder ist.
Grothe:     Noch lebe ich ja.
Claas:          Oh Gott.
Grothe.     Ich überfordere dich wieder, stimmt’s?
Claas.          Ja.
Grothe.     Jetzt frühstückst du in aller Ruhe zu Ende und wir lassen die Sache vorerst auf sich beruhen. Wenn ich neue Hinweise für meine Ermordung habe, sage ich dir rechtzeitig Bescheid. In Ordnung?
Claas:          Klar.

Sie schauen sich an. Claas ist viel zu gerädert nach dieser Nacht im Auto, als jetzt noch mit
Irgendwelchen Argumenten dagegenzuhalten. Er frühstückt zu Ende und fährt dann ins Büro.
Auf dem Weg dorthin klingelt sein Handy.

Claas:          Michael.
Michael:     Sag mal, wo steckst du eigentlich?
Claas:          Ich bin auf dem Weg ins Büro.
Michael:     Und wo warst du letzte Nacht? (Schweigen)  Doch nicht etwa wieder vor dem Haus deiner Wahrsagerin? Claas..
Claas:          Ich bin in 10 Minuten da.

Er legt auf?
ER ist tatsächlich in 10 Minuten im Büro. Er geht auf direkten Wege zu Michael und den anderen.

Claas:          Morgen.
Lorenzo:     Morgen. Lange Nacht gehabt? (er grinst ihn an, Claas kann allerdings
          Nicht darüber lachen)

Claas und Michaels Blicke treffen sich. Allerdings macht sich Michael gleich wieder über eine Akte.

Lorenzo:     Ich hab deinen Bericht gelesen.
Claas:          Deine Vermutung, dass die Spritze etwas mit seinem Herzstillstand zu zun haben könnte, hat sich bestätigt.
          Dieser Aufbauspritze war eine Flüssigkeit beigemischt, die genau die      Symptome hervorrufen, wie wir sie bei Herrn Keppler vorgefunden haben. Kopfschmerzen, Müdigkeit und schließlich Herzstillstand.
Kilian.          Könnte die Spritze nicht aus Versehen falsch gerichtet worden sein?
Claas:          Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Diese Aufbauspritzen sind fix und fertig, wenn sie in die Arztpraxen kommen. Die Ärzte selbst haben eigentlich nichts mehr zu tun, außer sie zu verabreichen. Wenn natürlich die Spritze schon beim Hersteller falsch zusammengesetzt wurde...
Inka.          Müssten es noch mehr Todesfälle geben.
Claas:          Anzunehmen.
Kilian:          Dann müssen wir als erstes den Hausarzt befragen.
Lorenzo:     OK. Wir fahren zu ihm.

Lorenzo verlässt mit Inka und Kilian den Raum und fahren zur Praxis von Dr. Stein.
Claas schaut ihnen hinterher, dann zu Michael, der immer noch so tut, als würde er einen Bericht lesen. Er überlegt, ob er etwas sagen soll, dann schaut er zu Ann Christin, die ihn beobachtet und anlächelt. Dann verlässt er ohne ein weiteres Wort den Raum. Michael
Schaut ihm jetzt nach.

In der Praxis von Dr. Stein.
Der ist natürlich sehr geschockt über die Nachricht, dass sein Patient nach der Aufbauspritze gestorben ist. Und er kann sich natürlich nicht erklären, wie das passieren konnte.

Stein:          Ich bin entsetzt.
Inka:          Dr. Stein, wo bewahren sie die Aufbauspritzen auf?
Stein:          Hier, in meinem Medikamentenschrank.
Kilian.          Und wer hat alles einen Schlüssel dafür?
Stein:          Nur ich und Schwester Julia.
Lorenzo:     Wir müssen die restlichen Ampullen leider alle mitnehmen, um auszuschließen, dass der Hersteller etwas mit der Verunreinigung zu tun hat.
Stein.          Das glaube ich nicht.
Lorenzo.     Was glauben sie nicht?
Stein:          Dass der Hersteller etwas damit zu tun hat.
Inka.          Und warum?
Stein:          Sehen sie, die Spritzen sind alle aus der gleichen Lieferung. Wenn es so wäre, dann müssten doch noch weitere Todesfälle bekannt sein.
Inka.          Wie oft spritzen sie denn dieses Mittel?
Stein:          Mittwochnachmittag mache ich immer meine Runde. Das heißt, ich richte morgens meine Tasche unter anderem mit diesen Aufbauspritzen. Ich habe insgesamt 7 Patienten, die damit behandelt werden.
Kilian.     Und diese sieben haben gestern Nachmittag auch alle eine solche Spritze bekommen.
Stein:          Ja. Verstehen sie.... dann müssten  diese anderen Menschen doch  auch gestorben sein.
Lorenzo      Sie wissen aber dann auch, was das für sie bedeutet.
Stein:          (schaut ihn mit großen Augen an)  Sie glauben doch nicht etwa, dass ich....Dass ich die Spritze verunreinigt habe?
Kilian:          Wer sonst, wenn nicht sie?
Inka:          Sie haben eben selbst gesagt, dass sie ihre Tasche am Morgen gerichtet haben.
Stein.          Aber was für einen Grund hätte ich denn gehabt, Herrn Keppler nach dem Leben zu trachten?  Das ist Unsinn.
Kilian:          Eine ihrer Mitarbeiter vielleicht?
Stein:          Für die lege ich meine Hand ins Feuer.
Lorenzo.     Wir müssen trotzdem die restlichen Ampullen, die sie noch hier haben, mitnehmen.
Stein:          Natürlich. Ich lasse sie ihnen richten.

Inka und Kilian  schauen sich an. Sie merken, dass Stein nervös wird.


Claas sitzt an seinem Schreibtisch und tippt etwas in den Computer. Michael kommt herein
Sie schauen sich an.

Michael:     Ich hab … mir Sorgen gemacht, weil du nicht nach Hause gekommen bist.
Claas:          Ich hab bis halb vier hier gearbeitet.
Michael:     Und danach? (Claas meidet seinen Blick)  Du hast dich wieder auf die     Lauer gelegt.
Claas:          Michael….
Michael:     Du hättest wenigstens anrufen können.
Claas:          Ich wollte dich nicht wecken.
Michael:     Ach hör doch auf.
Claas:          Es tut mir Leid. Lass uns…. Lass uns heute Abend essen gehen, ja?
Michael:     Musst du nicht wieder auf deine Wahrsagerin aufpassen?  Sie lebt doch noch, oder?


Im Präsidium ist Lagebesprechung.
Sami Malouf möchte über alles genau informiert werden.

Sami:          Neben Keppler haben also noch 6 weitere Personen diese Spritze erhalten.
Inka:          Ja.
Kilian:          Und wir wissen von keinem weiteren Todesfall.
Inka:          Das wiederum bedeutet doch, dass nur diese eine Spritze manipuliert wurde. Wir haben zur Vorsicht allerdings die anderen Spritzen mitgenommen. Sind bei Dr. Steinebach  im Labor.
Sami:          Gut.Haben wir  die Liste der Patienten, die gestern Nachmittag von Dr. Stein besucht wurden?
Inka.          Noch nicht. Er wollte sie  uns eigentlich  per Mail durchgeben.  
Sami:          Dann haken sie da noch mal nach.(sie nickt)


In der Pathologie.

Kollege:     Claas?
Claas:          Ja?  
Kollege:     Die Ampullen  hier sind für dich abgegeben worden.
Claas:          Ist gut, ich weiß Bescheid. Danke.

Er stellt die Ampullen auf einen Tisch und verschwindet wieder.

Michael:     Bin gespannt, ob du noch weitere verunreinigte Ampullen findest.
Claas:          Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Das war ein gezielter Anschlag.

Michael möchte etwas sagen, aber da kommt der Kollege schon wieder.

Claas:          Was gibt’s denn noch?
Kollege:     Entschuldige, aber…. Die Dame möchte unbedingt zu dir.

ER geht zur Seite und Frau Grothe steht in der Tür.

Claas:          Maria.
Grothe:     Ich hoffe, ich störe nicht.

Sie kommt herein. Claas gibt seinem Kollegen zu verstehen, dass es in Ordnung geht.
Frau Grothe schaut sich ein wenig um und bleibt dann bei Michael hängen.

Grothe:     Sie müssen Claas Lebensgefährte sein.
Michael:     Oberkommissar Michael Kelting.
Grothe:     Oh, ich bin sehr erfreut. Sie haben mit Claas einen richtig guten Fang gemacht.

Michael und Claas schauen sich an, dem ist das jetzt mehr als unangenehm.

Michael:     Ach ja?  Das könnte man auch anders rum sehen.
Grothe:     Na sie sind mir ja einer. (sie schlägt ihm leicht gegen den Arm)
Claas:          Maria, was … was willst du hier?
Grothe:     Ich muss mit dir reden. Ist wichtig.
Michael:     Haben sie schon einen neuen Termin für ihre Ermordung?
Claas:          Michael!
Grothe:     Lass nur.
Michael:     Ich lass euch dann mal alleine.

Er verschwindet, schaut aber ein letztes mal zurück. Die Blicke der beiden Männer treffen sich.
Maria setzt sich auf einen Stuhl. Sie ist etwas erschöpft.

Claas:          Kann ich dir was anbieten?
Grothe:     Vielleicht ein Glas Wasser?

Claas kümmert sich um das Glas und setzt sich ihr dann wieder gegenüber.     

Grothe:     Du hast mir gar nicht gesagt, dass du gestern einen Einsatz hattest.
Claas.          Was genau meinst du?
Grothe:     Na der Tod eines alten Mannes.
Claas:          Darf ich fragen, woher du davon weißt?
Grothe:     Ich weiß es.
Claas:          Sicher. Ich vergaß. Du bist ja Wahrsagerin.
Grothe:     Das klingt jetzt aber sehr abwertend.
Claas.          Dann tut es mir Leid. War nicht so gewollt.
Grothe:     Habt ihr seinen Mörder schon?
Claas.          Warum bist du dir so sicher, dass er ermordet wurde?
Grothe.     Wurde er nicht?
Claas:          Dazu kann und darf ich nichts sagen.


Im Präsidium.

Sami:          Ist die Liste der anderen Patienten schon da?
Inka:          Noch nicht.
Sami:          Warum dauert das so lange?
Marc:          Also wir haben uns mal diesen Dr. Stein etwas näher angesehen.
Lorenzo:     Und? Was Interessantes gefunden?
Inka:          Allerdings.  Es gab in den letzten Jahren immer wieder Patienten, die ihm eine mangelnde Fachkompetenz anhafteten.
          Mal war es eine falsche Medikamentenverordnung, mal eine Fehldiagnose.
Michael:     Und der Typ praktiziert immer noch?
Inka:          Man konnte ihm nie wirklich etwas  nachweisen. Es wird sogar behauptet, er hätte gar keinen Doktortitel.
          Ich hab bei der Ärztekammer nachgefragt. Die wollen sich noch melden.
Sami:          Dann könnte auch hier wieder eine Schlamperei zum Tode eines Patienten geführt haben.
Lorenzo     Unwahrscheinlich. Wie wir wissen, sind diese Aufbaupräparate komplett fertig, wenn sie an die Ärzte ausgegeben werden. Die müssen quasi nichts mehr tun, außer sie zu verabreichen. Das Mittel war aber definitiv verunreinigt.
Sami:          Also Mord. Aber warum dieser alte Mann?
Kilian:          Vielleicht hatte er etwas gegen Stein in der Hand und er musste deshalb sterben.

Der Drucker rührt sich.

AC:          Die Liste der Patienten, die gestern Nachmittag ebenfalls diese Spritze erhielten.

Ihr Gesichtsausdruck ändert sich.

Sami:          Was ist los?

Sie schaut  zu Michael. Der weiß, dass jetzt alle Augenpaare auf ihn gerichtet sind. Michael geht zu  ihr und nimmt ihr das Blatt aus der Hand, liest. Jetzt ist auch er überrascht.

Sami:          Michael?

Michael und Ann Christin schauen sich an.

Sami:          OK. (er holt sich jetzt die Liste und liest ebenfalls) Darf ich fragen, welche dieser Personen euch (er schaut zu Michael und danach zu Ann Christin) so erstaunt aussehen lässt?

Ann Christin schweigt, wartet bis Michael anfängt.

Michael:     Frau Grothe.
Sami:          (schaut zu Ann Christin)  Sie kennen die Frau?
AC:          Ich….(sie schaut zu Michael)
Michael:     Sagen sie schon, was Sache ist.  (alles wartet darauf)
AC:           Dr. STeinebach hat mich gestern gebeten, alles Wichtige über diese Frau in Erfahrung zu bringen.
Sami:          Warum?
AC:          Das hat er mir nicht gesagt.
Sami:          Und du wusstest davon?
AC:          Nein. Herr Kelting …….er hat meine Aufzeichnungen zufällig gesehen.
Sami:          OK. Ich verstehe zwar im Moment überhaupt nichts, aber … rufen sie     Dr. Steinebach an. Er soll herkommen.
Inka:          Ja, mach ich.

Es dauert nicht lange und Claas kommt ins Büro. Er ist doch sehr erstaunt, dass alle anwesend sind und irgendwie hat er auch das Gefühl, dass sie es alle nicht abwarten können, ihn zu sehen.

Sami:          Claas, danke, dass du so schnell kommen konntest. (sie geben sich die Hand)
Claas:          Kein Problem, ich bin mit den Ampullen allerdings noch nicht durch.
Sami:          Die sind im Moment auch nicht so wichtig. Hier. Das ist die Liste der Patienten, die gestern Nachmittag ebenfalls eine der Aufbauspritzen erhielten.
     
Er gibt Claas die Liste und er liest.

Michael:     Wusstest du, dass deine Wahrsagerin eine solche Spritze bekommen hat?

Er schaut Michael etwas böse an.

Sami:          Wahrsagerin?
Michael:     Ja. Die alte Dame sitzt über ihrer Glaskugel und schaut darin in die Zukunft.
Claas:          Michael es reicht.

Michael zieht sich zurück und setzt sich an seinen Schreibtisch.

Sami:          Könntest du uns bitte sagen, was es mit dieser Frau auf sich hat?

Claas weiß genau, dass alle Augenpaare auf ihn gerichtet sind. Er schaut nach unten.
Er überlegt kurz, dann geht er in die Offensive.

Claas:          Also gut. Als ich gestern Morgen hier ins Büro kam, war es verwaist.  Ich hab mich an … (er schaut zu Michael)  einen Schreibtisch gesetzt, um eine Nachricht zu hinterlassen, als plötzlich diese Frau an der Tür stand.
Sami:          Frau Grothe. (Claas nickt)
Claas:          Sie wollte einen Mord melden.
Lorenzo:     Was für einen Mord?
Claas:          Den Mord an ihrer Person. (er schaut in ein paar Gesichter und erkennt  allgemeines Kopfschütteln)  Ich weiß, wie sich das anhört. Aber ich war im ersten Moment genauso verwirrt. Sie meinte, dass sie noch am selben Abend zwischen 21 und 22 Uhr Opfer eines Gewaltverbrechens wird.
Kilian:          Hat ihr das die Glaskugel erzählt?
Claas:          (schaut ihn an)  Nein. Sie hat mir gesagt, dass sie ihren Tod nicht vorausgesehen hat.
Lorenzo:     Sondern?

Sami merkt, dass Claas im Moment etwas überfordert ist, die Fragen der Kollegen zu beantworten.

Sami:          Die Dame lebt noch?
Claas:          Ja.
Sami:          Gut, dann hat ja diese Vorhersage schon mal nicht geklappt.
AC:          Aber ….. (jetzt schauen alle auf sie)  Ja, ich… ich meine… OK die alte Dame hat es nicht erwischt. Dafür aber einen Mann zu genau der Zeit, die Frau Grothe genannt hat. Und….. sie hat ebenfalls diese Spritze bekommen. Zufall?
Sami:          Sie glauben also, dass sie irgendwas mit dem Tod an Herrn Keppler zu tun hat? (sie zuckt mit der Schulter)
          Gut. Ich möchte mit dieser Dame sprechen. Michael, ich möchte, dass du mitkommst.
Michael:     Entschuldige Sami, aber…. Ich hatte heute Morgen schon das Vergnügen. Kann darauf verzichten. Aber warum nimmst du nicht Claas mit. Er kennt die alte Dame am Besten. Und die beiden haben sogar schon Freundschaft geschlossen.
     
Während er das sagt, läuft er an Claas vorbei und gibt ihm einen leichten Klaps auf den Rücken. Danach verschwindet er aus dem Büro.

Sami:          (schaut Michael hinterher, dann zu Claas)  Na gut. Claas.
AC:          Entschuldigung, aber… kann ich auch mitkommen?  Ich bin unheimlich neugierig auf diese Person.
Sami:          Warum nicht.

Die drei verlassen das Büro und fahren zu Frau Grothe.