Blutige Anfänger    Wahrsagungen

von Dreamy100
GeschichteKrimi / P12
16.09.2020
18.09.2020
3
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16.09.2020 4.848
 
Claas ist auf dem Weg zu den Kollegen der MOKO. Als er ins Büro kommt, muss er feststellen, dass alles ausgeflogen ist. Er staunt nicht schlecht, niemanden anzutreffen. Er setzt sich an Michaels Schreibtisch und möchte etwas auf einen Zettel schreiben. Er wird durch ein Geräusch gestört. Er schaut zur Tür und erkennt eine ältere Dame, die nach Luft schnappt. Sofort steht er auf, geht auf sie zu und hilft ihr.

Claas:          Warten sie.

Er bringt sie zu einem Stuhl, holt ein Glas Wasser.

Grothe:     Danke. (sie nimmt einen Schluck und er fühlt ihren Puls)
Claas:          Ihr Herz rast.
Grothe:     Kein großes Kunststück. Ich bin die Treppen hochgelaufen und in meinemAlter geht das nicht mehr so schnell. (sie                     lächelt ihn an, Claas lässt sich davon anstecken)
Grothe:     Guten Morgen.
Claas:          Morgen.

Die alte Dame schaut sich im Raum um, dann lässt sie Claas nicht aus den Augen.

Claas:          Kann ich etwas für sie tun?
Grothe:     Ganz bestimmt. Ich bin doch hier richtig bei der Mordkommission?
Claas:          Ja.
Grothe:     Sehr gut.
Claas:          Was haben sie denn auf dem Herzen?
Grothe:     Ich möchte einen Mord melden.
Claas:          Einen Mord?  
Grothe:     Ja, einen Mord.
Claas:          Und...... wer ist ermordet worden?
Grothe:     Ich.

Claas schluckt jetzt,

Claas:          Entschuldigen sie, aber.... sie... sie machen mir eigentlich einen ganz fidelen Eindruck
Grothe:     (lacht)  Junger Mann. Natürlich, ich lebe ja auch noch.
Claas:          Also Frau....
Grothe:     Grothe. Maria, Valeria, Constanze Grothe.
Claas:          Frau Grothe, können sie mir erklären, wie sie das meinen?
Grothe:     Ich werde umgebracht werden.
Claas:          Sicher.
Grothe:     Jetzt sagen sie bloß, sie glauben mir nicht.
Claas:          Frau Grothe, sie müssen zugeben, dass das schon alles etwas seltsam klingt. Ich meine... sie kommen herein, wollen den Mord an ihrer Person melden.....
Grothe:     OK, ich geb zu, das klingt wirklich etwas verwirrend. (er nickt)
Claas:          Allerdings. Wann.... sollen sie denn sterben?
Grothe:     Heute Abend. Zwischen 21 und 22 Uhr.
Claas:          Und wo ... soll  das ganze geschehen?
Grothe:     Bei mir zu Hause.
Claas:          Wo ist das  genau?
Grothe:     Warum wollen sie das wissen?
Claas:          Nun, wir... wir müssen doch darüber Bescheid wissen, wo sich das Opfer befindet, um die Spuren sicherzustellen.  (Claas  muss sich jetzt zusammenreißen)
Grothe:     Junger Mann, ich habe irgendwie das dumpfe Gefühl, sie nehmen mich nicht Ernst.
Claas:          Wie kommen sie denn darauf?
Grothe:     Gut. Was werden sie unternehmen?
Claas:          Ich... ich weiß nicht. Machen sie mir einen Vorschlag?
Grothe:     Ich?  Wer ist denn hier der Polizist?
Claas:          Also eigentlich bin ich nur der Pathologe.
Grothe:     Oh, schön. Dann werden sie mich ja später obduzieren.
Claas:          Frau Grothe, bitte. Sie überfordern mich gerade ein bisschen.
Grohte:     In ihrem Alter schon?  Zu viel Stress, was? Also gut. Hier  (sie holt ein Kärtchen aus ihrer Handtasche)   haben sie meine Karte. Steht alles Wichtige drauf.
     
Claas nimmt die Karte an sich und liest.

Claas:          Sie sind Wahrsagerin.
Grothe:     Ganz recht. (sie schaut ihn jetzt ganz intensiv an)
Claas:          Was ist?
Grothe:     Sie sind wirklich etwas überfordert. Stress mit ihrem Lebensgefährten?

Claas schaut sie jetzt etwas irritiert an.

Claas:          Woher…. Wissen sie ….
Grothe:     (tippt auf ihre Karte, die Claas immer noch in der Hand hält)  Ich bin Wahrsagerin.
Claas:          Ja.. ich..... Frau Grothe...
Grothe:     Wenn sie wollen, dann schaue ich mir ihre Zukunft genauer an.
Claas:          Nein, nein, das….. das muss nicht sein.
Grothe:     Sie glauben nicht an Wahrsagungen, stimmts?
Claas:          Ich….
Grothe:     Schon gut, da sind sie nicht alleine auf dieser Welt. Gott, wie heißen Sie eigentlich?
Claas:          Claas… Claas Steinebach.
Grothe:     Claas. Was für ein wunderschöner Name. Der stammt aus dem altgriechischen
Claas:          Ja.
Grothe:     Er passt zu ihnen. Aber ….Um noch mal über mein Anliegen hier zu
sprechen….Ich möchte also, dass sie bei ihren Ermittlungen keine Fehler machen. So und jetzt muss ich leider wieder los. Sie wissen über das Wichtigste  Bescheid. Tun sie ihre Pflicht.

Sie steht auf und geht zur Tür, dreht sich noch einmal um, schaut Claas sehr intensiv an.

Claas ist jetzt ziemlich durcheinander. Es dauert nicht lange und die anderen kommen ins Büro. Michael, gefolgt von Lorenzo, Inka und Ann Christin.

Michael:     Claas, wartest du schon lange?
Claas:          Nein, ich…… ja….
Michael:     Was ist denn?
Lorenzo:     Du siehst aus, als ob du ein Gespenst gesehen hättest.

Die beiden schauen sich kurz an. Dann hält Claas Michaels Arm fest.

Claas:          Kann ich dich kurz sprechen?  Alleine.
Michael:     Klar.

Sie gehen in eine Ecke des Raumes, wo sie ungestört reden können. ER gibt ihm die Visitenkarte.

Michael:     Was soll ich damit? Mir die Zukunft voraussagen lassen?
Claas:          Nein, die… die Dame war gerade hier und ….sie….sie hat gesagt, dass sie heute Abend zwischen 21 und 22 Uhr Opfer eines Gewaltverbrechens wird.
Michael:     Bitte was?
Claas:          Ich weiß, wie sich das jetzt anhört, aber….
Michael:     Claas, das war wahrscheinlich eine alte Frau, die etwas Aufmerksamkeit wollte.
Claas:          Ich weiß nicht.
Michael:     Was sollen wir deiner Meinung nach tun?
Claas:          Sag du’s mir.  Beschatten?
Michael:     Wozu?
Claas:          Sie wird heute Abend umgebracht.
Michael:     Claas, du glaubst dieses Märchen doch nicht etwa?

Er schaut sich die Karte noch einmal an.

Michael:     Wahrsagerin. So ein Blödsinn. Das ist billiger Hokuspokus.
Claas:          Und wenn nicht?
Michael:     Claas, so etwas gibt es nicht. Das sagt dir doch schon der gesunde Menschenverstand. Vergiss die  alte Dame. Die wollte sich nur wichtig machen. Und du fällst darauf rein.

Claas  nimmt die Karte wieder in die Hand und geht an Michael vorbei. Michael merkt, dass
Sein Lebensgefährte jetzt ein wenig eingeschnappt ist.

Michael:     Claas.

ER bekommt keine Antwort. Er zuckt kurz mit der Schulter und geht an seinen Schreibtisch

Claas kann sich für den Rest des Tages überhaupt nicht richtig konzentrieren. Ihm geht die alte Dame nicht aus dem Kopf. Schließlich nimmt er ihre Visitenkarte zur Hand und entschließt sich, zu ihr zu fahren. Vorher aber geht er noch einmal ins Büro der MOKO. Es ist nicht viel los. Er schaut nach Ann Christin. Sie steht am Kopierer. Michael ist nicht da. Zum Glück.

Claas:          Frau Heffner?
AC:          (dreht sich zur Tür)  Dr. Steinebach.
Claas:          Kann ich sie kurz sprechen?
AC:          (sie geht zu ihm)  Klar.
Claas:          Hören sie, ich….. ich brauche alles, was sie über diese Person finden können. (er gibt ihr einen Zettel mit dem Namen von Frau Grothe) Und bitte, kein Wort zu niemandem. Das bleibt unter uns.
AC:          OK.
Claas:          Danke.

Er verschwindet so schnell, wie er gekommen ist, fährt dann zu Frau Grothe.
Er kommt an ein sehr schönes alten Haus, das etwas urig aussieht. Inmitten einer grünen
Oase. Alte, große Bäume umgibt das Anwesen.
Er schaut sich genau dort um. Irgendwie passt das alles zu einer Wahrsagerin, denkt er sich.
Er geht zur Tür und klingelt.
Es öffnet eine junge Frau.

Martina:     Hallo.
Claas:          Hallo. Ich... ich möchte zu Frau Grothe.
Martina:     Da wir uns nicht kennen, nehme ich an, meinen sie meine Großmutter.
Claas:          Frau Maria....
Martina:     Valeria Constanze Grothe.
Claas:          Genau.
Martina:     Dann kommen sie mal rein.
Claas:          Danke.

Sie führt ihn in das Innere des Hauses, das irgendwie unheimlich aussieht. Zumindest fühlt es sich für Claas so an.

Martina:     Haben sie einen Termin bei meiner Großmutter?
Claas:          Termin?
Martina:     Sie wollen sich doch die Zukunft voraussagen lassen?
Claas:          Nein, eigentlich nicht. Ich... ich bin beruflich hier.
Martina:     (schaut ihn an)  Aha. Und was machen sie so?
Claas:          Ich bin Pathologe.
Martina:     Pathologe?  Das verstehe ich nicht. Meine Oma ist doch noch ganz lebendig.
Claas:     Ich weiß, aber…. Sie war heute morgen bei der Mordkommission.

Jetzt wird Martina etwas stutzig.

Martina:     Mordkommission?  Oh Gott, ist... hat sie etwa.....
Claas:          Ist sie hier?
Martina:     Sicher. Einen Moment.

Sie verschwindet hinter einer Tür und kurz danach kommt die alte Dame heraus.

Grothe:     Herr Dr. Steinebach, das ist ja eine Überraschung. So schnell hab ich mit ihnen gar nicht gerechnet.
Claas:          Ach nein?
Grothe:     Ich wusste zwar, dass sie kommen werden, aber so schnell.... Kommen sie.

Sie führt ihn in ihr Reich. Claas schaut sich genau um.
Der Raum ist sehr düster eingerichtet. Gedämpftes Licht und komische Skulpturen füllen den Raum. Er erkennt einen Tisch, auf dem die obligatorische Glaskugel steht.
Alles billiger Hokuspokus. Das waren Michaels Worte.
Und eigentlich denkt er genauso. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt.

Grothe:     Setzen sie sich doch. Möchten sie etwas trinken?  Einen Kaffee oder einen Tee?
Claas:          Einen Tee. Aber nur, wenn es keine Umstände macht.
Grothe:     I wo.  Martina?
Martina:     (kommt ins Zimmer)  Ja?
Grothe:     Bringst du uns zwei Tassen Tee bitte?
Martina:     Klar Oma.
Grotte:          Nenn mich nicht immer Oma.
Martina:     Ja Oma.

Sie verschwindet wieder. Frau Grothe setzt sich Claas gegenüber.

Grothe:     Diese jungen Leute heutzutage. Kein Respekt mehr vor dem Alter.

Claas muss schmunzeln.



In der Zwischenzeit:
Michael ist auf dem Weg in die Pathologie. Er möchte kurz mit Claas reden.
Dort bekommt er allerdings von einem Kollegen gesagt, dass er schon vor einer halben Stunde gegangen ist. ER geht wieder nach oben ins Büro. Ann Christins Telefon klingelt. Sie ist nicht am Platz, deshalb nimmt er den Anruf entgegen. Dabei entdeckt er unter einem Aktendeckel ein Papier. Er zieht es heraus und erkennt eine Menge Hintergrundinformation
Zu einer gewissen Maria, Valeria, Constanze Grothe. ER liest, merkt nicht, dass Ann Christin wieder im Raum ist. Sie bemerkt sofort, dass ihr Ausbilder Michael Kelting die Unterlagen zu Frau Grothe entdeckt hat.
Michael schaut nach oben und entdeckt Ann Christin.

Michael:     Interessant. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, ihnen gesagt zu haben, sich über diese Person zu informieren.
AC:          Haben sie auch nicht.
Michael:     So. Lassen sie mich raten. Dr. Steinebach, oder?
AC:          Er…. Er wollte…
Michael:     Ich weiß, was er wollte. Frau Heffner, wir haben genug Arbeit, für die wir unsere ganze Energie einsetzen müssen. So etwas… (er hebt das Papier in die Höhe)  möchte ich nicht noch einmal erleben. Verstanden?
AC:          Aber….
Michael:     Kein Aber. Dr. Steinebach ist Pathologe und kein Ermittler. Ist das angekommen?
AC:          Ja.
Michael:      Dann ist gut. Ich möchte einen ausführlichen Bericht über den Besuch von diesem Weller in der Spielhalle. Und zwar zügig.
AC:          Mach mich gleich dran.

Michael geht mit dem Papier an seinen Schreibtisch.


Im Zimmer von Frau Grothe. Sie trinken inzwischen ihren Tee.

Grothe:     Er hat ihnen nicht geglaubt, stimmt’s?
Claas:          Wer?
Grothe:     Ihr Lebensgefährte. Sie haben doch mit ihm über mich gesprochen?
Claas:          Ja, das....das stimmt. Und.... ja, er hat mir ... nahe gelegt, die Sache zu vergessen.
Grothe:     Und?
Claas:          Was und?
Grothe:     Werden sie die Sache ....vergessen?
Claas:          Ich weiß nicht. Ich... ich glaube normalerweise nicht an solchen Zauber. Wahrsagungen oder Horoskope.
Grothe:     Und warum nicht?  (er zuckt mit den Schultern) Glauben sie an den Schhneemenschen?
Claas:          Nein.
Grothe:     Weil ihn bisher  noch niemand wirklich gesehen hat, stimmt’s?

Claas nickt.

Grothe:     Ich glaube auch nicht an ihn. Aber ich bin davon überzeugt, dass ich Dinge sehen kann, die  ein Normalsterblicher nicht sieht.
Claas:          Zum Beispiel ihren Tod?
Grothe:     Nein. Den hab ich nicht gesehen.
Claas:          Und wieso ...behaupten sie dann, dass sie ermordet werden?
Grothe:     Ich weiß es. Das reicht.
Claas:          Mir nicht. Sie müssen mir schon etwas mehr geben, als nur ihr…. ihr Wissen.
Grohte:     Herr Dr. Steinebach, warum machen sie sich Gedanken über mich?
Claas:          Entschuldigung, aber sie waren heute morgen bei uns und haben einen Mord gemeldet.
Grothe:     Stimmt.
Claas:          Sie machen mich vollkommen konfus.
Grothe:     War nicht meine Absicht. Lassen sie es geschehen. Ich bin sicher, ihre Kollegen von der Mordkommission werden meinen Fall schnell aufklären und den Mörder überführen. Ihr Lebensgefährte ist ein guter Polizist.

Claas weiß immer noch nicht, was er von der ganzen Situation halten soll.

Grothe:     Jetzt schauen sie nicht so. Es wird alles seinen richtigen Gang gehen.
Claas:          Warum….. oder besser gefragt, wer sollte sie töten wollen?
Grothe:     Oh, seien sie mir jetzt nicht böse, aber….sie sollen ja auch noch etwas von dieser Tat haben. Ganz so leicht möchte ich es ihnen jetzt auch nicht machen.
Claas:          Frau Grothe. (er schüttelt nur den Kopf)
Grothe:     Möchten sie, dass ich in ihre Zukunft schaue?
Claas.          Nein.
Grothe:     Aha, sie glauben also doch, dass an meinen Fähigkeiten etwas dran ist.
Claas:          nein.
Grothe.     Wovor haben sie dann Angst?  
Claas.          ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.
Grothe:     Schade. Ich unterhalte mich sehr gerne mit ihnen. Sie sind ein so netter sympathischer Mann. Und sie wären sicher auch ein sehr guter Vater.
Claas:          Vater?  Wie kommen sie denn jetzt darauf?
Grothe:     Ist das nicht ein Thema, über das sie mit ihrem Lebensgefährten immer wieder mal diskutieren?
Claas:          Ich muss jetzt gehen. (er bekommt es jetzt ein wenig mit der Angst zu tun. Hat sie mit dieser Aussage recht)
Grothe:     Lassen sie sich sagen, dass es möglicherweise schon sehr bald so weit kommen kann. Ich sehe einen kleinen Jungen, der niemanden mehr hat.
Claas:          Ja. Entschuldigen, sie. (er steht auf)  Danke für den Tee.
Grohte.     Ich bitte sie.  Martina?

Martina  kommt herein.

Grothe.     Bringst du Herrn Dr. Steinebach bitte zur Tür?
Martina:     Klar.

Claas steht auf und gibt der alten Dame seine Hand.

Jan.          Auf Wiedersehen.
Grothe.     Wiedersehen.

Claas geht zur Tür und dreht sich auf halben Wege noch einmal um. Schaut sie an und verschwindet dann.

Draußen hält er an und dreht sich zu Martina.

Claas:          Sie leben mit ihrer Großmutter unter einem Dach?
Martina:     Ja. Seit dem Tod meiner Eltern.  Also jetzt fast 7 Jahre.
Claas.          Wie würden sie ihre Großmutter beschreiben?
Martina.     Sie wollen wissen, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat.
Claas.          Also ganz so krass würde ich das jetzt nicht ausdrücken wollen.
Martina.     Meine Oma ist schon in Ordnung. Und sie kann super in die Zukunft sehen.
Claas:          Kann sie das, ja?
Martina:     Also bei mir hat sich bisher alles bewahrheitet.
Claas:          Ja, dann.... auf Wiedersehen.
Martina.     Wiedersehen.

Claas geht zum Wagen und bleibt eine Weile sitzen. Nach ein paar Minuten fährt er nach Hause. Michael ist im Wohnzimmer und liest in einem Buch.

Michael:     Da bist du ja endlich. Wo warst du?
Claas:          Hatte noch was zu erledigen.

Claas geht in die Küche. Michael folgt ihm. Er hat das Stück Papier von Ann Christin in der Hand und fängt an vorzulesen.

Michael:     Maria Valeria Constanze Grothe. 80 Jahre alt und verwitwet. (Claas dreht sich um, lässt Michael nicht aus den Augen)  War früher mal Krankenschwester. Ihr Mann starb vor 4 Jahren an Krebs. Seit dieser Zeit widmet sie sich noch intensiver der Esotherik. Sie wurde zwei Mal angezeigt.
Claas:          Warum?
Michael:     Betrug. (er sieht seinen fragenden Blick)  sie hat in beiden Fällen den      Leuten die Zukunft vorausgesagt, die so aber nie eingetreten ist. Sie wurde allerdings freigesprochen, weil der Richter es als erwiesen ansah, dass sie den Leuten diese Zukunft ja nicht aufgezwungen  hat. Sie haben lediglich eine Menge Geld dafür bezahlt. Man hat sich dann darauf verständigt, dass sie einen Großteil ihres Honorars an sie zurückzahlt.

Es herrscht einen Moment Schweigen.

Michael:     Deine Wahrsagerin…
Claas:          Sie ist nicht meine Wahrsagerin…. (er geht an ihm vorbei ins Wohnzimmer)

Michael folgt ihm.

Michael:     Claas…
Claas:          Hast du auch Informationen von Leuten, die mit ihren Diensten zufrieden waren?
Michael:     Gibt es die?
Claas:          Ja.
Michael:     Und wer?
Claas:          Ihre Enkelin zum Beispiel.
Michael:     Enkelin.
Claas:          (schauen sich jetzt an)  Ja, Enkelin.
Michael:     Du warst bei ihr zuhause.
Claas:          Ich musste diese Frau noch einmal sprechen. Mir ging unser erstes Aufeinandertreffen  heute Morgen einfach nicht mehr aus dem Kopf.
Michael:     Und?
Claas:          Michael, du könntest doch einen Streifenwagen für heute Abend vor ihrem Haus postieren lassen.
Michael:     Das ist jetzt nicht dein Ernst.
Claas:          Doch.
Michael:     Claas, wach endlich auf. Diese Frau verarscht dich.
Claas:          Und wenn nicht?  Was wenn sie heute Abend wirklich das Opfer einer     Gewalttat wird? Dann sind wir schuld daran. Könntest du damit leben?      Ich nicht.
Michael:     Vielleicht sollte ich Marc und Kilian dafür abkommandieren. (ist ironisch gemeint)
Claas:           Gute Idee.
Michael:     Sag mal, hörst du mir eigentlich zu?  Überhaupt, wie kommst du eigentlich dazu, Ann Christin für deine Zwecke zu benutzen?  Wir haben im  Präsidium jede Menge Arbeit, da haben wir nicht noch Zeit für deine Hirngespinste.
Claas:          Tut mir Leid.  Am besten vergisst du das alles.
Michael:     Nichts lieber als das.

Claas geht jetzt an ihm vorbei nach oben.

Michael:     Was hast du denn jetzt vor?
Claas:          Ich zieh mich um und nehme die Überwachung selbst in die Hand.
Michael:     Claas, du bist kein Polizist.

Claas ist längst im Schlafzimmer verschwunden. Michael ist sauer, gleichzeitig macht er sich aber auch Sorgen um seinen Freund. Er geht zurück ins Wohnzimmer und liest in seinem Buch weiter. Wenig später hört er nur, wie die Tür ins Schloss fällt.
Er wird nachdenklich.

Claas fährt vor das Anwesen der Grothes und parkt in einiger Entfernung, aber noch so, dass
Er das Haus gut im Blick hat. In der Küche herrscht noch reges Treiben. Kurz danach verlässt die Enkelin das Haus und fährt mit ihrem Auto davon.
Die Minuten vergehen. Es ist kurz nach 21 Uhr. Bisher ist nichts passiert. Plötzlich geht
Die Beifahrertür auf. Claas erschreckt sich und erkennt Michael, der sich jetzt neben ihn
Setzt. Er hat einen Becher Kaffee dabei. Sie schauen sich nur an, schweigen.
Dann geht Claas Blick nach vorne, er muss ein wenig schmunzeln.

Michael:     Du brauchst jetzt gar nicht so zu grinsen. Ich bin immer noch der Meinung, dass das  alles Hokuspokus ist.
Claas:          Klar. (er gibt ihm den Kaffeebecher)   Danke.
Michael:     Schon was passiert?
Claas:          Nein.
Michael:     Claas,
Claas:          Ist gut. Ich warte noch bis 22 Uhr und dann beende ich diese Aktion.
Michael:     Wir.
Claas:          Was?
Michael:     Wir warten. (sie schauen sich wieder an, dann küssen sie sich) Darf ich dich was fragen?
Claas:          Klar.
Michael:     Hat die alte Dame……also… hat sie dir deine Zukunft gedeutet?
Claas:          (schaut ihn an)  Wenn es so wäre? Hättest du ein Problem damit?
Michael:     Ich?  Wie kommst du denn darauf.  Ich glaube nicht an sowas.
Claas:          Aber neugierig wärst du schon, gib’s zu.

Claas merkt, dass Michael sich wirklich Gedanken darüber macht.

Claas:          Keine Angst. Ich hab abgeblockt.
Michael:     Warum?
Claas:          Weil ich nicht wissen möchte, was die Zukunft bringt. Ich lass mich da lieber überraschen.
Michael:     Gut.

Claas Handy klingelt.

Claas:          Steinebach.   ----  Verstehe und wo?  ------  Ich komme. (Michael schaut ihn fragend an)     Es gibt einen Toten. Im Auenblick.
Michael:     Dann mal los. (Claas schaut auf das Haus)  Claas, es ist gleich 22 Uhr.     Da passiert heute nichts mehr.

Claas sagt nichts. Er startet den Wagen und fährt zum Tatort.
Dort widmet er sich sofort seiner Arbeit.