Erinnerungen

GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Erik Stein Moritz Breuer Muri Demir Tom Mayer
16.09.2020
21.09.2020
7
8.000
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16.09.2020 1.124
 
[Tom]
Es war eine Spätschicht wie jeder andere. Nicht all zu viele Fälle, aber dennoch genug um uns auf Trab zu halten.

Ich wollte gerade in die Küche hinüber gehen, um mir und Muri einen dringend benötigten Kaffee zu besorgen, als ich Stimmen vor der Wache vernahm. Leise seufzend ging ich zum Tresen zurück - Abends waren wir nicht allzu großzügig besetzt.

Stephan und Robin waren draußen, Muri und ich die letzten auf der Wache. In einer halben Stunde würde die Nachtschicht kommen, bis dahin schafften wir es auch so. Als es an der Glastür klopfte, erkannte ich direkt die dunkelblauen Hosenbeine meines Kollegen.

Schnell betätigte ich den Summer, ließ Robin eintreten, gefolgt von zwei jungen Männern. "Die haben wir draußen vor der Wache getroffen. Waren sich nicht ganz einig ob sie zu uns wollen oder nicht" klärte er mich auf. Stephan zog schon den Reißverschluss seiner Jacke auf, ging mit verkniffenem Blick direkt durch ins Büro. Robin verschwand an der Funke, gab einen mündlichen Bericht an die Leitstelle ab. Meinen heißersehnten Kaffee hatte ich direkt in die hintersten Regionen meines Hirns verbannt - die Bürger gehen vor.

Zwei junge Männer stehen unsicher vor mir. Links ein kleiner und zierlicher Mann, mit stechend eisblauen Augen, schlang seine Arme fest um die Schultern des deutlich größeren Mannes. Das er sich dafür auf seine Zehenspitzen stellen musste, ließ mich innerlich schmunzeln.

Erst jetzt fiel mein Blick auf den zweiten Mann. Er war deutlich abgemagert, schon mehr als schmal, zitterte und schaute überall hin, nur nicht zu mir. Sein blondes Haar war ordentlich gekämmt und gepflegt, seine dunkelblauen Augen glühten vor Angst und Nervosität. Dann - ich musste ordentlich schlucken - bemerkte ich, dass sein Körper über und über mit Wunden und blauen Flecken bedeckt war. Schlägerei oder häusliche Gewalt liefen die ersten Diagnosen durch meinen Kopf, während ich die hohen Wangenknochen betrachtete, die seinem Gesicht etwas erhabenes verliehen. Etwas zerbrechliches, etwas wundervoll schützenswertes.

“Guten Abend. Mayer mein Name. Was kann ich für Sie tun?” brummelte ich, ließ meine Augen weiter über den schlanken Körper wandern, fragte mich, wieviele und wie schwere Verletzungen sich unter der eigentlichen Kleidung verbargen. Der junge Mann selbst zitterte, schien völlig in sich selbst versunken. Nervös knetete er seine Finger, schüchtern hielt er den Kopf gesenkt.

"Guten Abend. Mein Name ist Erik Stein, das hier ist Moritz Breuer. Er hat ein Problem, aber…” begann der Kleinere zu erklären. Er zögerte, sah mich unsicher an. Ein Sturm der Gefühle fegte durch seine Augen, zeugten von Zweifeln, Schmerz und Hilflosigkeit. Aber sie spiegelten auch Hoffnung, Zuversicht und die Entschlossenheit etwas zu unternehmen. Ich nickte, verstand, dass er die Situation ungern auf dem Flur weiter erörtern mochte.

"Kommen Sie bitte mit" lud ich die beiden mit einer ausholenden Handbewegung zu mir ins Büro ein. Muri sah nur kurz auf und grüßte leise, wand sich wieder seiner Anzeige zu.

"So… Dann bräuchte ich als erstes ihre Ausweise. Benötigen Sie medizinische Hilfe?" wandte ich mich an den zusammengesunkenen Mann, der nur stumm den Kopf schüttelte. Ich versuchte Ruhe und Geborgenheit in meine Stimme zu legen, hoffte so einen Zugang zu dem armen Kerl vor mir auf dem Stuhl zu bekommen. Aber der junge Mann blieb stumm, rieb sich mit den Händen über die Oberarme. Zum Glück schien sein Kumpel gesprächiger zu sein, so fragte ich erstmal ihn nach Einzelheiten. Erkundigte mich, warum sie überhaupt hier waren.

Während ich die Informationen von den Ausweisen abschrieb, lauschten Muri und ich den schrecklichen Auswirkungen einer Tat, die leider kein Einzelfall in unserem beruflichen Alltag darstellte.

“Ich komme direkt auf den Punkt. Moritz wird seit längerem von seinem Partner misshandelt. Heute hat er sich mir endlich anvertraut.” Stein war merklich aufgebracht, versuchte den grauen Ärmel seines Kumpels hochzuschieben. Dem war das Aufhebens um seine Person sichtlich unangenehm. “Das ist lächerlich, mir geht es gut! Er schlägt mich nicht” zischte der schlanke Mann, aber das heftiger werdende Zittern seines Körpers strafte seine Aussage lüge. Zeit, den herzerweichenden Polizisten zu spielen dachte ich, nach knapp zwanzig Jahren im Dienst kannte ich solche Anzeigen zur genüge.

[Moritz]
Der türkisch aussehende Polizist komplimentierte Erik nach draußen, schuf so eine intime Atmosphäre für den Oberkommissar und mich. Anscheinend wollten sie herausfinden, ob ich die Aussage von eben auch ohne äußerlichen Einfluss wiederholen würde.

Früher oder später wird Sebastian herausfinden, dass Erik mich zur Polizei geschleppt hat wurde ich leicht panisch, Angst stieg meine Kehle hoch. Ich konnte die kommenden Schläge regelrecht auf meiner Haut spüren...meinem besten Freund alles zu erzählen war ein schrecklicher Fehler gewesen.

“Also, Herr Breuer. Ist es so wie ihr Freund mir die Situation geschildert hat? Wollen sie ihre Aussage von eben nochmal überdenken? Möchten sie ihren Freund anzeigen?” löcherte mich der Polizist. Es war merkwürdig, mit einem fremden Mann alleine in einem Zimmer zu sein. Sein Akzent war mir unbekannt, aber er ließ mich ruhiger werden. Ich spürte eine warme Aura, die diesen Mann umgab. Sie schickte eine Welle des Vertrauens und der Hoffnung durch meinen Körper.

Du kannst ihm vertrauen, Moritz.

"Ich… Es ist nur… Ich hab Angst" schniefte ich, fühlte wie Tränen in meine Augen stiegen. So hilflos zu sein, war ein blödes Gefühl, merkte ich plötzlich. Ich spürte bereits seine Fäuste in meinem Gesicht, die Kratzwunden auf meinem Arm, seine Tritte in meinem Bauch.

Ich war so darauf konzentriert nicht zu weinen, dass ich gar nicht mitbekam, wie der Polizist sich plötzlich vor mich hockte. Eine warme, sanfte Hand lang auf meinem Oberschenkel, hellblaue Augen blickten mich an. "Sie sind auf einer Polizeiwache" begann er sanft zu sprechen "also wahrscheinlich der sicherste Ort der Welt. Niemand wird ihnen hier etwas tun, solange ich bei ihnen bin. Das verspreche ich Ihnen." Dabei war seine Stimme so sanft und lieb, ich konnte mich nicht erinnern, wann jemand das letzte Mal so mit mir sprach.

'Mayer' las ich auf seinem Namensschild, das über seiner Brust angebracht war. Eine breite, starke Brust.

"Ich kann… Ich, Ich weiß gar nicht wie ich das ausdrücken soll" nervös knetete ich meine Finger in meinem Schoß "er ist…er ist so b..brutal" versuchte ich meine Situation zu erklären. Plötzlich fragte ich mich, was es überhaupt noch zu erklären gäbe. Hier bei diesem Polizist zu sein, fühlte sich gut an. Seine Anwesenheit beruhigte mich. Ich spürte regelrecht die Sicherheit, dass mir niemand etwas tat, solange er bei mir war...

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Huhu :)
Ich hab schon wieder getan. Tom und Moritz sind einfach meine Lieblinge - sorry^^

In dieser Geschichte soll es um das erste Kennenlernen der beiden gehen. Muri und Tom sind schon etwas länger in Mülheim tätig. Kleine Info: Erik und Moritz sind in dieser Geschichte keine Polizisten!

Viel Spaß!
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