Einsamkeit

GeschichteDrama, Romanze / P18
Lucius Malfoy Narzissa Malfoy Severus Snape
16.09.2020
27.09.2020
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Es war ein nebliger Vormittag auf dem Friedhof. Als sei die Stimmung der Anwesenden nicht schon gedrückt genug vermittelte das trübe Wetter noch zusätzliche Düsternis. Narzissa Malfoy stand mit den anderen Anwesenden vor dem Grab ihres Sohnes. Sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie sehr sie von dem Tod ihres einzigen Kindes überwältigt war. Ihr Mann Lucius, neben ihr, starrte eisern vor sich hin. Es war nicht auszumachen, was er empfand oder ob er überhaupt etwas empfand.

Als der Sarg ihres Sohnes schließlich in das Grab hinab gelassen wurde konnte Narzissa nicht mehr an sich halten. Sie brach in Tränen aus. Schluchzend schlug sie sich die Hände vor das Gesicht. Ihr Mann machte keine Anstalten irgendwie auf sie zu reagieren. Selbst dann nicht als Narzissa voller Verzweiflung auf die Knie sank und bitterlich weinte.

Es war der Freund ihres Mannes, Severus Snape, der schräg hinter ihr stand, der sich schließlich erbarmte, ihr unter die Arme griff und sie wieder auf die Füße zog. Er legte den Arm um sie und führte ein Stück von der Trauergruppe weg. Severus bugsierte Narzissa auf einer Bank und gab ihr ein Taschentuch damit sie ihre Tränen trocknen konnte. Sie wischte sich damit die Augen, doch es half nichts. Die Trauer war zu groß. Severus setzte sich neben sie. Er sagte nichts, strich ihr allerdings beruhigend über den Rücken.

Sie wusste nicht wie lange sie so beieinander saßen. Schließlich löste die Trauergruppe am Grab auf und Lucius kam auf sie zu. Sein Blick war immer noch leer und kalt.

„Komm, Narzissa, wir gehen.“, sagte er.

Narzissa blickte auf und erhob sich langsam. Ohne ein Wort ging sie mit ihrem Mann. Severus blieb sitzen und sah den beiden nach bis sie um die Ecke verschwunden waren.


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Seit dem Tod von Draco kam Narzissa Malfoy das Familienanwesen leer und düster vor. Nichts, was hier je geschah, konnte sie aus von ihrer Trauer ablenken. Es war eine bleierne Atmosphäre, die sich über das gesamte Haus legte. Mit ihrem Mann wechselte sie kaum ein Wort. Auch, weil sie sich mittlerweile aus dem Weg gingen, wo sie nur konnten. Sie schliefen mittlerweile noch nicht mal mehr im selben Bett. Keiner konnte den anderen noch ertragen.

Draco war das verbindende Element in ihrem Leben gewesen und nun da er tot war wurde ihnen beiden sehr schnell bewusst, dass es nichts gab, was sie noch teilten.

Narzissa saß in ihrem Sessel in großen Salon des Hauses. Wie so oft, dieser Tage, mit einem Glas Schnaps in der Hand, in der Hoffnung, der Alkohol würde irgendwie die Leere füllen, die sie mit sich herumtrug.

Eines der Hausmädchen trat ein und nickte ihr höflich zu.

„Herrin, ich habe Besuch für Euch.“, sagte die Dienerin.

Narzissa sah sie verwundert an. Sie erwartete niemanden.

„Wer ist es?“, fragte sie.

„Severus Snape, Ma'am.“

„Schick ihn herein.“, sagte Narzissa.

Die Dienerin verschwand durch die Tür und einen Augenblick später trat Severus ein. Sie sah ihn an. Seit der Beerdigung hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Seine Mime wirkte noch düsterer als ohnehin schon. Er hatte die Hände in die Taschen seines Mantels gesteckt und blickte sie abwartend an.

„Womit verdiene ich die Ehre?“, fragte Narzissa ihn.

„Ich wollte sehen wie es euch geht.“, sagte Severus.

„Wolltest du?“, entgegnete Narzissa viel schnippischer als sie es beabsichtigt hatte.

„Wo ist Lucius?“, fragte Severus sie.

„Woher soll ich das wissen?“, antwortete Narzissa.

Severus kam auf sie zu und setzte sich auf die Couch neben ihr.

„Ich weiß, dass es schwer ist. Draco war wie ein Sohn für mich.“, sagte Severus.

Narzissa antwortete nicht. Sie wollte nicht über ihren Sohn sprechen. Sie wollte überhaupt am liebsten gar nicht mehr sprechen über überhaupt nichts.

„Kann ich mir einen nehmen?“, fragte Severus und deutete auf die halbvolle Flasche Brandy auf dem Couchtisch.

Narzissa nickte. Severus stand auf und nahm sich ein Glas aus dem Schrank. Er schenkte sich etwas ein und schüttete sich den Inhalt gleich auf Ex hinter.

„Bist du also nur hier, um meinen Schnaps zu trinken?“, fragte Narzissa.

„Eigentlich bin ich hier, weil ich es alleine nicht mehr ausgehalten habe.“, antwortete Severus.

„Ich dachte, die Schule braucht ihren Direktor.“

„Wofür denn noch? Läuft doch alles am Schnürchen seit dem Sieg des Dunklen Lords.“

„Er hat dich nicht zufällig mit einer Aufgabe betraut?“, fragte Narzissa. Severus lachte hohl.

„Die Zeiten des gegenseitigen Ausspionierens sind vorbei. Der Krieg ist zu Ende. Vermutlich werden wir bald alle arbeitslos.“, sagte Severus. Narzissa entging nicht die Ironie in seiner Stimme.

„Du doch sicher nicht.“, entgegnete sie.

„Entweder ich sitze in der Schule und mache Papierkram oder ich sitze in der Villa des Dunklen Lords und mache Papierkram. Überhaupt scheint die Welt nur noch aus Papierkram zu bestehen.“

„Klingt ja fast als ob du dich langweilen würdest.“, schloss Narzissa.

„Natürlich ist das nichts im Vergleich zur ständigen Todesgefahr.“, antwortete Severus sarkastisch.

Narzissa musste lächeln. Vermutlich das erste Mal seit Wochen. Severus schenkte sich noch ein Glas ein und setzte sich wieder neben sie.

„Du weißt, dass ich für dich da bin, wenn dich etwas bedrückt.“, sagte er.

Ja, das wusste Narzissa. Severus war immer der gute Freund gewesen mit dem man reden konnte. Im Gegensatz zu Lucius konnte er gut zuhören.

„Ich wünschte nur, ich wäre mit ihm gestorben.“, entgegnete sie.

„Sag das nicht.“

„Du weißt nicht wie das ist ein Kind zu verlieren.“, entgegnete Narzissa ihm bitter.

„Nein, das weiß ich nicht. Aber ich war sein Pate. Mich hat sein Tod genauso tief getroffen.“, sagte Severus.

„Und was tun wir nun mit dieser Erkenntnis?“, fragte Narzissa.

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Severus und zuckte mit den Schultern. Er griff nach seinem Glas und trank einen Schluck Brandy.

Sie hörten wie sich Tür am anderen Ende des Saals öffnete. Lucius trat ein. Er sah furchtbar aus. Sein kurzes Haar wirkte ungekämmt und sein Bart unrasiert. Er trug ein weißes, zerknittertes Hemd mit Hosenträgern und einer schwarzen Hose. Insgesamt wirkte er als sei er gerade erst irgendwo aufgewacht.

„Severus.“, sagte er und es klang überrascht. „Was machst du hier?“

„Ich sehe nach wie es euch geht.“

„Hat der Dunkle Lord dich geschickt?“, fragte Lucius misstrauisch.

„Warum sollte er?“, entgegnete Severus. „Ich bin aus freien Stücken hier.“

Das Einzige, was Narzissa und ihr Mann noch gemeinsam hatte war ihr Misstrauen gegenüber ihrer Umwelt. Dracos Tod in der Schlacht um Hogwarts hatte nichts daran geändert, dass sie in der Gunst des Dunklen Lords immer noch weit unten lagen. Für sie fühlte sich der Sieg der Todesser wie eine Niederlage an. Und keiner von ihnen konnte sich an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Herr jetzt angeblich die Intrigen aufgegeben habe. Das passte nicht zu ihm.

Lucius brummte irgendetwas in sich hinein. Sein Blick huschte von Severus zu Narzissa und zurück. Er kratzte sich am Kopf und verließ den Saal. Severus machte Anstalten sich zu erheben, doch Narzissa hielt ihn zurück.

„Lass ihn!“, sagte sie.

„Ist irgendetwas vorgefallen?“, fragte Severus.

Narzissa war klar, dass Severus Eins und Eins zusammenzählte bei ihrem Verhalten. Aber das war ihr im Moment gleich.

„Nein, nichts. Das ist vermutlich auch das Problem.“, sagte sie.

Severus lehnte sich zurück und trank seinen Brandy.
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