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Eine verhängnisvolle Nacht

von FawKes100
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
Astrid Hofferson Händler Johann Haudrauf der Stoische Hicks der Hüne Krogan OC (Own Character)
15.09.2020
04.05.2021
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1. Kapitel

Johann und Krogan standen nebeneinander und betrachteten nachdenklich das Bild, welches das Drachenauge an die hölzerne Wand warf. Sie hatten vor einigen Stunden Viggos Leichnam dem Meer übergeben und widmeten sich nun ihren Plänen für die Jagd nach dem König der Drachen.  

„Wenn wir den König der Drachen einmal gefunden haben, dann wird es für uns deutlich leichter die Drachenreiter zu besiegen“, grübelte Krogan laut nach, während er sich nachdenklich das Kinn kratzte.

„Die Drachenreiter werden uns den König der Drachen sicherlich nicht kampflos überlassen. Du musst bedenken, dass sie sogar Grimmborn besiegt haben. Hicks ist ein viel zu kluger Feind“, erwiderte Johann säuerlich und zupfte eine lose Strähne aus seinem Bart. Das Treiben des jungen Haddocks hatte ihn schon lange nachdenklich gemacht. Er wollte es nicht zugeben, aber Hicks war sein stärkster Widersacher. In all der Zeit, die er getarnt als Händler das Archipel unsicher gemacht hatte, war ihm kein stärkerer Gegner untergekommen.

„Dann müssen wir verhindern, dass er uns in die Quere kommt“, schlussfolgerte Krogan und blickte abwartend zu Johann herüber. Der braunhaarige Mann stand mit dem Rücken zu ihm und betrachtete nachdenklich das mystische Artefakt, dessen Lichtschein allmählich erlosch.

„Grimmborn hat doch immer gesagt, dass Hicks‘ große Schwäche seine Freunde, die Drachen und seine Familie sind“, fuhr Krogan nach einiger Zeit fort, als Johann ihm keine Antwort gab. Seit Johann ihr Vorgehen beschloss, waren sie um einiges grausamer und härter geworden. Er wusste gar nicht, wie viele der Leute schon den Tod in der Folterkammer gefunden hatten, weil sie eine Pause vom vielen Training brauchten.

Wieder schwieg Johann einige Zeit, ehe er seinen Blick nachdenklich zu seinem Verbündeten wandte. „Du meinst also, dass wenn wir jemanden von Hicks‘ Leuten ausschalten, dass er dann emotional so am Boden ist, dass er nicht weiter mit uns um den König der Drachen kämpfen kann“, erkundigte sich der falsche Händler und blickte nachdenklich aus dem Fenster.  Er überlegte schon seit langem fieberhaft nach einer Möglichkeit, den jungen Haddock und seine verfluchten Drachenreiter aus dem Weg zu räumen. Aber egal welche Möglichkeit sich ihm bot, sie barg immer das Risiko, dass Hicks ihn durchschauen und besiegen würde. Doch plötzlich durchzuckte ihn ein Geistesblitz, als er über die Worte seines Verbündeten sinnierte.

Er drehte sich zu ihm um und gestand: „Ich denke, du könntest Recht haben. Und ich weiß auch schon wen wir töten werden.“

„Seinen Vater?“, hakte Krogan nach. Es war für ihn das offensichtlichste, dem Jungen seinen Vater zu nehmen. Die meisten Menschen wurden aus der Bahn geworfen, wenn sie einen engen angehörigen verloren. Sicherlich würde Hicks einige Zeit in Trauer versinken, bevor er die Kraft schöpfen könnte, sich an ihnen zu rächen. Ob er das wirklich tun würde, vermochte er nicht einzuschätzen. Der junge Mann hatte eine reine Seele. Wenn er vor einem wehrlosen Wesen stand, dass er töten musste, so würde er diesem trotzdem das Leben schenken.

„Nein“, antwortete Johann, „Die Hofferson. Sie ist ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Wenn wir sie vor seinen Augen töten, wird er am Boden sein.“

„Ich weiß nicht, ob das so eine kluge Idee ist, Johann“, entgegnete Krogan.

„Wie meinst du das?“

„Diese Drachenreiter sind immer noch halbe Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben. Willst du die Hofferson deswegen wirklich umbringen? Nur weil sie sich auf die Seite der Drachen gestellt hat?“

„Ja“, antwortete Johann, ohne mit der Wimper zu zucken. „Sie ist damit eine Verräterin der Wikinger, wie auch alle anderen Drachenreiter. Und du weißt was mit Verrätern passiert.“

„Die Verräter sterben immer“, sagte Krogan, „aber dennoch sollten wir vorsichtig sein. Hicks hat Grimmborn selbst in einen Vulkan gestürzt, als er das Leben der Hofferson bedroht hat. Es war ein Wunder, dass er das überlebt hat.“

„Wir werden Fräulein Hofferson auch nicht töten, nein. Wir werden sie entführen und an die Römer verkaufen. Und Hicks werden wir über Haudrauf zwingen ein anderes Mädchen zu heiraten. Einer unserer Verbündeten hat eine hübsche Häuptlingstochter, soweit ich weiß. Das sollte Hicks für immer brechen. Die Liebe seines Lebens verschleppt und er ist dazu gezwungen ein anderes Mädchen zu heiraten. Als Stammesoberhaupt braucht er schließlich Nachfahren“, offenbarte Johann seinen Plan und grinste triumphierend. So wäre Hicks mit anderen Dingen als mit Drachen beschäftigt und würde nicht auf die Idee kommen, sich ihnen weiter in die Quere zu stellen.

Krogan nickte verstehend und akzeptierend. Er hatte zwar noch immer Bedenken bezüglich dieses Vorgehens, da er längst nicht so kaltherzig ist, wie er es Johann und seinen Feinden stets vorspielte. Außerdem konnte er sich noch gut an die Situation erinnern, als er im Prinzip die gleiche Idee mit Viggo durchgespielt hatte. Sie hatten Astrid in einer Nacht und Nebelaktion entführt und wollten Hicks mit ihr als Druckmittel dazu zwingen, die Drachenklippe aufzugeben. Die Idee damals war es gewesen, die Drachenklippe als Stützpunkt für die Drachenjäger umzufunktionieren, denn sie wussten, dass auf der Insel in einigen Höhlen noch Drachenaugenlinsen versteckt waren. Allerdings hatte Krogan selbst Hicks gewaltig unterschätzt. Sie hatten Astrid gefoltert, weil Hicks nicht schnell genug kam, um Astrid abzuholen und ihnen die Drachenklippe überließ. Als sie Hicks das anschließend mitgeteilt hatten, stand er am nächsten Tag kampfbereit auf ihrem Flaggschiff mit seinem Nachtschatten, der die Drachenjäger angriffslustig angeknurrt hatte. Die Drachenjäger, eigentlich kampferprobte Krieger, hatten vor Angst mit den Knien geschlottert. Er selbst hätte es nicht für möglich gehalten, dass diese erfahrenen Krieger das Weite beim Anblick eines knurrenden Nachtschattens und eines dürren einbeinigen Wikingers suchten.

Hicks selbst hatte ihn mit einem Faustschlag ins Land der Träume geschickt und Viggo mit einem Schwert fast in drei Teile geteilt. „Nehmt ihr mir noch einmal, was ich liebe, werde ich andere Seiten aufzeigen, glaubt mir“, hatte er damals gesagt. Das wusste er aus der Erzählung Viggos. Seitdem hatten sie sich von Hicks‘ Freundin ferngehalten. Doch genau das hatte Johann vor nicht zu tun. Er wollte das Mädchen entführen und versklaven als Rache für all die Jahre, die er die Schmach als Händler erdulden musste. Krogan wusste, dass dieser Plan oder besser diese Idee keine guten Folgen für sie haben würde. Er hatte Hicks bereits ein paar Mal kämpfen gesehen und das was er gesehen hat, hat ihm teilweise sogar Angst gemacht. Hicks würde die Verantwortlichen selbst zur Rechenschaft ziehen, wenn dem Mädchen etwas zustoßen würde, das hatte er mittlerweile gelernt.

Doch Krogan hatte keine Möglichkeit sich gegen Johann durchzusetzen. Er wusste, dass er von Johann abhängig war. Seine Drachenflieger hörten nicht auf ihn, sondern auf Johann. Er bezahlte sie. Und derjenige der die Krieger bezahlt, befehligt sie auch. Das wusste Krogan und er wollte seinen Meister, Drago Blutfaust nicht enttäuschen. Drago erwartete, dass Krogan ihm den König der Drachen beschafft, damit er andere Drachen unterwerfen kann und mit der damit gewonnen Drachenarmee in den Krieg ziehen könnte. Würde er nicht erfolgreich zu seinem Meister zurückkehren, so wusste er, dass sein letztes Stündlein geschlagen hätte. Er konnte ihm nicht widersprechen.

Klar hatte Blutfaust ihm ein Schiff, ein bisschen Gold und ein paar Männer zur Verfügung gestellt, doch das Schiff lag bereits auf Grund. Das Gold hatte sich Grimmborn auf der Drachenauktion eingeheimst, als er für den Nachtschatten geboten hatte. Seine Männer standen längst auf Johanns Seite, weil dieser ihnen eine deutlich bessere Bezahlung bieten konnte als er selbst. Krogan selbst hasste es, dass er in diesen Krieg zwischen Drachenjägern und Drachenreitern ziehen musste. Aber er hatte auch keine andere Wahl. Drago hatte ihm keine andere Wahl gelassen, als sich auf die Suche nach dem gewaltigen Drachen zu machen, denn Drago hatte seine Familie in seiner Gewalt. Ja, Krogan hatte bis vor kurzem noch ein schönes Leben mit seiner Frau und seiner kleinen neugeborenen Tochter geführt. Doch eines Tages war Blutfaust aufgetaucht, forderte die Unterwerfung seines Dorfes. Das Dorf, indem Krogan aufwuchs, war Drachen eigentlich jeher freundlich gesinnt. Umso mehr widerte es ihn an, was er gezwungener maßen tun musste. Blutfaust war mit einer riesigen Armada angereist und das Oberhaupt hatte keine andere Wahl als sich zu ergeben und sich Blutfaust anzuschließen, auch wenn es ihm mehr als nur missfiel. Aber er hatte keine andere Möglichkeit gehabt, das Leben seiner Dorfbewohner zu schützen. Krogan wurde als bester Nachwuchskrieger, der zugleich auch die größte Drachenkenntnis hatte als Dragos Lakai ausgewählt und erhielt bald darauf den Auftrag den imposanten Drachen zu finden, und ihn zu Drago zu bringen.

Ja, so sah seine Geschichte bisher aus. Natürlich hätte er heimlich Hilfe suchen können, etwa bei Hicks und den Drachenreitern. Doch er wollte nicht, dass unschuldige, junge Leute mit ihrem Leben bezahlen mussten, um ein verlorenes Dorf zu retten. Er wollte sein Dorf selbst retten. Denn Drago hatte ihm versprochen, dass seine Heimat, sobald er seinen Auftrag erfüllt hatte, wieder in Freiheit wäre und er unbeschwert mit seiner Familie weiterleben konnte.

Als er von den legendären Drachenjägern, den Grimmborns gehört hatte, hatte er keine Zweifel gehabt, dass sie ihm helfen können würden, besagten Drachen zu fangen und zu Blutfaust zu bringen. Schließlich galten die Grimmborns als die effektivsten Drachenjäger im gesamten Archipel. Doch er hatte nicht erwartet, dass es außer seiner Insel tatsächlich noch weitere Drachenfreunde gab. Und was er erst recht nicht erwartet hatte, war, dass diese Drachenfreunde mit den legendären Drachenjägern regelrecht im Krieg lagen. Zwar hätte man erwartet, dass die Grimmborns, die legendären Drachenjäger, diesen Krieg ohne Probleme gewinnen würden, doch das Gegenteil war der Fall gewesen. Diese Drachenfreunde, die er mittlerweile als die Drachenreiter kennenlernen durfte, hatten es tatsächlich geschafft die Drachenjäger soweit aufzumischen, dass es zu Streitigkeiten bezüglich der Führung kam. So hatten sich die Drachenjäger gegen ihren Anführer, gegen Viggo aufgelehnt, weil Hicks ihnen ständig in die Quere kam und seine Pläne zu Nichte gemacht worden waren. Viggo hatte daraufhin gemeinsam mit Hicks seinen eigenen Bruder bekämpft. Als Viggo das Drachenauge von dem Braunhaarigen zurückverlangte, hatte er ihm gedroht, dass wenn er ihm das Drachenauge nicht aushändigen würde, dass das Mädchen sterben würde. Doch Hicks dachte nicht daran, Viggo das seltene Archefakt auszuhändigen. Er warf es in den Vulkan und Viggo stürzte hinterher. Damals hatte Viggo ihm sein Leben zu verdanken. Nur mit seiner Hilfe hatte es der Drachenjäger aus dem glühend heißen Krater geschafft. Krogan hasste es Menschen sterben zu sehen. Von außen sah er zwar vielleicht aus, wie ein kaltherziger Krieger, dem das Schicksal seiner Männer vollkommen egal wäre, doch eigentlich war genau das Gegenteil der Fall. Er hatte von Drago gelernt, dass ein Anführer, gefürchtet werden musste, damit er mit dem nötigen Respekt behandelt wurde. Doch wenn sich Krogan die Strukturen der Drachenreiter ansah und vor allem die Struktur auf der Insel Berk, der Heimatinsel der Drachenreiter, so wurde er eines besseren gelehrt. Die Drachenreiter respektierten Hicks als Anführer ohne ihn zu fürchten.

Doch Krogan musste dieses Band nun auseinanderreißen. Er hatte keine andere Wahl. Er war von Johann abhängig, damit dieser ihm half den König der Drachen zu fangen. Er hatte mit der Zeit erfahren, dass Grimmborn von Johann bezahlt worden war, um den König der Drachen ausfindig zu machen. Doch scheinbar hatte Johann irgendwann beschlossen, dass Viggo ersetzbar wäre. Viggo wurde daraufhin in einer Höhle verschüttet und müsste eigentlich tot sein. Auf rätselhafte Weise hat er es geschafft herauszukommen und ist mit Hicks auf ihrem Stützpunkt aufgekreuzt.

Johann hatte gleich durchschaut, dass Viggo ihn täuschen, verraten wollte. Krogan kam sich selbst unglaublich schlecht an diesem Abend vor. Seine eigene Familie schwebte stets in der Gefahr ermordet zu werden, wenn er scheitern wollte. Krogan selbst hatte einen Abend mit Viggo ein Gespräch über ihre Heimat, ihre Familien geführt. Somit wusste Krogan, dass Viggo eine Tochter hatte, wobei die Mutter bei der Geburt verstorben war. Und nun hatte die Tochter auch noch ihren Vater verloren, denn er selbst hatte gesehen, wie Johann Viggo das Schwert durch die Brust rammte. Und nun war Krogan gezwungen noch mehr Menschen auseinanderzureißen. Er hatte Hicks und Astrid selbst stets bewundert, wie sie es schafften in den Kampf zu ziehen, unbeschadet wieder heraus zukommen ohne die ganze Zeit durch Angst um den jeweils anderen abgelenkt zu werden.

Krogan war die ganze Zeit in Gedanken versunken. Johann schien schon seit mehreren Minuten seine Aufmerksamkeit zu suchen. Schließlich drang jedoch Johanns Stimme zu Krogan durch: „Krogan? Hörst du mir überhaupt zu?“

Krogan schreckte aus seinen Gedanken auf: „Ja, ja natürlich. Ich war nur gerade in Gedanken bei meiner Familie.“

„Familie ist etwas was schwach macht. Ich dachte du wüsstest das. Immerhin nutzen wir diese Schwäche bei unserem werten Hicks aus. Mach dich jetzt mit deinen Drachenfliegern auf den Weg zur Sonnensteininsel und informiere das Stammesoberhaupt über unseren Plan. Ich kümmere mich derweil um die Entführung.“

Krogan ging nachdenklich aus dem Zimmer in seine Hütte, die er von Johann zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Auf dem Weg dorthin fragte sich Krogan was geschehen war, dass Johann so dermaßen den Glauben in die Liebe, in Familie verloren hatte, dass er solche Ansichten teilte. Familie, Freunde. Das war stets etwas großartiges, aus Krogans Sicht. Und doch war er gezwungen eine junge Liebe auseinanderzureißen, um seine eigene zu retten. Es war ausweglos. Er wusste keine andere Möglichkeit. Ohne Johann kam er nicht an den König der Drachen und ohne König der Drachen konnte er seine Familie nicht aus den Zwängen von Blutfaust befreien. Sein ganzes Dorf befand sich in den Zwängen von Blutfaust.

Sich jetzt noch mit den Drachenreitern zu verbünden war zu spät. Mit ihnen hätte Krogan sicherlich eine realistische Chance, Blutfaust aus seinem Dorf zu vertreiben, aber egal wie er den Spieß auch wendete. Es schien sich ihm keine andere Möglichkeit offen zu tun, als mit Johann zu kooperieren. Was mit seiner Familie im Falle seines Scheiterns geschehen würde, vermochte er sich nicht auszumalen
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