Mut und Licht III

GeschichteAllgemein / P12 Slash
14.09.2020
22.10.2020
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14.09.2020 1.410
 
Moin, ihr Lieben!
Schön euch (wieder) zusehen :).
Ursprünglich hatte ich meine allererste FF "Mut und Licht" geschrieben, weil mich die Lust zu Schreiben gepackt hatte. Eigentlich dachte ich, nach dieser Geschichte sei schluss, doch schnell spann sie sich in meinem Kopf weiter, sodass ich "Mut und Licht II" veröffentlichte.
Diese Geschichte endete mal etwas anders und recht tragisch, doch ich wollte es genau so stehen lassen. Nun ist wieder einige Zeit vergangen und wieder machen sich meine Gedanken selbstständig. Die Geschichte ist wohl immernoch nicht vorbei, als füge ich mich meinem Schicksal und da sind wir nun bei "Mut und Licht III".
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen :)

***

Sie blinzelte.
Das grelle Sonnenlich blendete sie sehr und es dauerte etwas, bis sich ihre Augen an das Licht gewöhnt hatten und sie wieder klar sehen konnte.
"Kari, hier!" vernahm sie eine vertraute Stimme.
Sie blickte in die Richtung aus der sie gekommen war.
"Hallo Papa!" antwortete sie winkend und ging auf den Mann zu, der lässig an einem Auto lehnte und auf sie wartete.
"Wie geht es dir?" fragte er, als sie ihn erreicht hatte und von ihm in die Arme geschlossen wurde.
"Gut, glaube ich." murmelte sie.
Susumo löste sich von ihr und sah sie neugierig an. "Glaubst du?"
Sie zögerte: "Ja. Mir geht es gut. Aber es ist auch mein erster Tag hier draußen, ich weiß nicht, ob es klappt..."
"Wir bekommen das schon hin, versprochen!" meinte ihr Vater.
Er griff nach dem großen Koffer, den Kari dabei hatte und hiefte ihn ins Auto. Sie stiegen ein und er fuhr los.
Kari lehnte ihre Stirn an die kühle Fensterscheibe und betrachtete das große Backsteingebäude mitten im Grünen, von dem sie sich nun rasch entfernten.
Die letzten zwei Jahre war es ihr zu Hause gewesen, denn nachdem sie nach ihrem letzten Kampf gegen Myotismon und Tais Zustand danach monatelang nicht mehr zu sich finden konnte, völlig neben sich war und sogar zwei Mal versuchte, sich umzubringen, hatten ihre Eltern die Reißleine gezogen und sie in eine Psychatrie gebracht. Hier war sie unter Gleichgesinnten und nur die besten Psychologen kümmerten sich um ihr Wohlergehen.
Langsam hatte sie wieder zu sich gefunden, das Leben wieder lieben gelernt und ihre tiefe Trauer als Teil ihrer selbst akzeptiert.
Alle zwei Monate hatten ihre Eltern oder Izzy sie besuchen dürfen.
Anfangs hatte sie mit ihnen kein Wort geredet. Hatte sie dafür gehasst, sie so zu bevormunden und sie abgeschoben zu haben, doch nach und nach hatte sie sich wieder auf sie einlassen und über ihre Besuche freuen können.
Am letzten Besuchstag vor ihrer Entlassung hatte Izzy ihr einen Heiratsantrag gemacht. Sie hatte angenommen, denn obwohl sie so abwesend war, ihm keine Beachtung mehr geschenkt hatte, war er bei ihr geblieben. Er hatte alles ihm mögliche für sie getan und er wollte seinen offiziellen Platz an ihrer Seite einnehmen, sie für immer schützen. Sie war ihm unendlich dankbar und liebte ihn unbeschreiblich sehr. Nur wegen ihm hatte sie von einem dritten Versuch, sich das Leben zu nehmen abgelassen.
Und nun, an ihrem 18.ten Geburtstag konnte sie zu ihm zurückkehren und endlich nach Hause.
Endlich?
So sicher war sie sich plötzlich nicht mehr, als sie das Gebäude endgültig verlassen durfte. Sie war so eng betreut worden. Doch was würde passieren, wenn sie wieder in der normalen Welt ankommen würde?
Würde sie es schaffen?
Und was könnte es mit ihr machen, wenn sie ihren Bruder im Krankenhaus besuchen durfte?
Die Ärzte hatten ihr davon abgeraten, zu schnell zu Tai zurückzukehren. Sie sollte sich erst mal auf sich konzentrieren und darauf, ihren Platz im Alltag wiederzufinden.
Es missfiel ihr sehr. Sie sehnte sich nach ihrem Bruder, auch wenn sie sich nicht mit ihm unterhalten konnte, sie wollte ihm dennoch so viel sagen.
Endlich, nach fast drei Jahren hatte sie das dringende Bedürfnis ihm wieder etwas zu erzählen.
Er würde die doch hören. Oder?
"Worüber denkst du nach?" Susumo versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass ihn das Schweigen seiner Tochter beunruhigte.
Kari seufzte: "Über alles und nichts..."
"Sehr philosophisch und etwas verwirrend." kommentierte er.
"Mach dir keine Gedanken, ich bin nur etwas nervös" beruhigte Kari ihren Vater.
Den Rest der Fahrt hüllten sich die zwei in schweigen.
"Da sind wir..." Susumo parkte seinen Wagen vor dem Wohnblock, stieg aus und holte den Koffer aus dem Auto. Sie fuhren im Aufzug hinauf und er schloss die Tür zur Wohnung auf.
"Wir sind da!" rief er in die Wohnung.
Yuuko kam sofort angelaufen. "Kari, mein Schatz! Willkommen zu Hause!" Sie drückte ihre Tochter eng an sich und Kari bemerkte, dass sie zu schluchzen begann.
"Du musst dich nicht weinen, Mama!"
"Doch, wenn eine Mutter ihr Kind wiederbekommt, dann weint sie." schniefte Yuuko. "Komm rein, ich habe zur Feier des Tages dein Lieblingsessen gekocht."
Kari folgte ihr. Wirklich appetit hatte sie nicht, doch sie wollte nicht unhöflich sein, also ließ sie sich einen Teller von ihrer Mama geben, stocherte etwas im Essen und zwang sich dazu, ein paar Gabeln zu sich zu nehmen.
"Izzy wird uns morgen besuchen kommen, er wollte dir heute erst mal die Chance geben, in Ruhe anzukommen. Ich weiß, du sollst es langsam angehen, aber du hast bei unserem letzten Besuch gesagt, dass du deinen Abschluss nachholen möchtest. Wir sollten uns morgen direkt an die Anmeldung für das Tokyo Abendcollege machen, denn die Frist läuft bald aus. Du kannst aber auch erst nächstes Jahr anfangen, mach dir keinen Druck.
Sora und Mimi wollten eine kleine Willkommens-Party für dich geben, aber ich habe ihnen davon abgeraten. Wenn es falsch war, rufe ich sie sofort an und wir planen was für das kommende Wochenende. Von Yolei und TK soll ich dich ganz lieb Grüßen. Sie waren häufiger in der Digiwelt, haben Gatomon besucht und ganz viele Fotos gemacht. Yolei hat ein kleines Album für dich zusammengestellt, es liegt auf deinem Bett.
Oma und Opa geht es übrigens wieder besser. Opa ist jetzt in einem Heim für Demenzkranke untergebracht, dadurch kann Oma etwas aufatmen. Ich soll dich ganz lieb Grüßen...."
"Yuuko, halte mal die Luft an. Überfordere sie doch nicht gleich so!" unterbrach Susumo seine Frau.
"Tut mir leid. Ich bin so aufgeregt, Liebes." entschuldigte sich Yuuko. "Können wir dir etwas Gutes tun?"
Kari schüttelte den Kopf: "Schon okey Mama. Ich bin eigentlich nur müde, möchte den Koffer auspacken und dann schlafen, wenn es für euch in Ordnung ist."
"Auf jeden Fall!" stieß Yuuko aus. "Aber der Koffer kann warten. Leg dich erst mal hin."
Kari nickte dankend und erhob sich. Sie ging zu ihrem Zimmer.
Zu ihrem und Tais Zimmer.
Mit einem muligen Gefühl öffnete sie die Tür und sah hinein.
Kühle Luft stieß ihr entgegen. Ihre Mutter hatte das Fenster geöffnet. Sie schloss es schnell.
Ihr Bett war frisch mit einen hellgrünen Bettwäsche voller kleiner Blüten bezogen. Die war neu.
Sie sah zum oberen Bett. Tais Bettwäsche war noch die Alte, von damals.
Ein Stich in ihr Herz.
Ein Kloß in ihrem Hals.
Sie schritt zum Schreibtisch. Seine Schulsachen lagen zerstreut und unberührt und mit einer Staubschicht bedeckt da, ihre waren ordentlich gestapelt.
Ihre Eltern hatten seine Sachen nicht angerührt.
Als könnten sie so die Zeit an dem Augenblick anhalten, als er noch ein normaler Schüler war, der lebte und liebte, lachte und und nur Unsinn im Kopf hatte.
Eine Träne lief ihr über die Wange.
Sie wünschte sich so sehr, dass es möglich wäre. Dass sie die Zeit zurückspulen könnte.
Wieder bei ihm sein könnte...
Mit schweren Gedanken legte sie sich in ihr Bett.
Sie war wirklich unendlich müde, doch sie fand keinen Schlaf.
Immer wieder wand sie sich von einer Seite auf die andere, doch ihr Kopf schwirrte.
Sie vermisste ihn... Zu sehr...
Schließlich stand sie auf, ging an den Kleiderschrank und zog einen Pulli von ihm heraus und sich über den Kopf. Sie stieg auf das obere Bett und rollte sich fest in seiner Decke ein.
Sie hatte gehofft, dass ihr sein vertrauter Durft in die Nase steigen würde, aber der war in den vergangenen Jahren verflogen. Sie schluckte schwer und schluchzte.
"Tai...?" flüsterte sie in den stillen Raum und weinte sich dann in den Schlaf.
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