Auf See sind alle Träume aus Glas

von Blythe
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Marco der Phoenix OC (Own Character) Whitebeard alias Edward Newgate
14.09.2020
11.10.2020
9
17.928
3
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Dieses Kapitel
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14.09.2020 1.272
 
Vorwort

Wieder ein Streich aus meiner One Piece-Feder. Da ich nun schon fast vor 15 Jahren mein Herz an diesen Manga / Anime gehängt habe, hat mich auch diese spontane Idee nicht mehr losgelassen. Ich gelobe einen schnellen Fortschritt ;)

Beginnt zeitlich einige Jahre vor der Marineford-Arc. Thatch ist noch am Leben, Blackbeard ein normales Crewmitglied. Die auftretenden Crewmitglieder sind bestmöglich recherchiert, teils aber auch frei erfunden. Das Pairing ist ungewöhnlich, aber ich hoffe es findet seine Liebhaber.

Viel Freude damit!



// Neue Welt, Moby Dick - früher Morgen

Vinnera seufzte müde und warf einen Blick auf ihre bereits erledigte Arbeit. Eine Menge Seekarten hatten sich als widerspenstig erwiesen und sie hatte lange gebraucht, um sie endlich komplett zu übertragen. Die Moby Dick verfügte über eine riesige Menge sehr akkurater Seekarten, was für jemanden wie sie, ein lang ersehnter Traum war. Das Sammeln von Wissen und Informationen, war ihre Lebensaufgabe.

Sie packte ihre Forschungen zusammen und klemmte sie sich unter den Arm. Mit dem zweiten Kaffee des Tages in der Hand, schlenderte sie zum großen Kommandoraum unter Deck – in dem der Captain meist zu finden war, wenn er nicht gerade an Deck saß, oder von den Krankenschwestern gepiesackt wurde. Edward Newgate alias Whitebeard, war eine Größe für sich, ein Kaiser der Meere und der Mann, der die Welt vernichten könnte. Er besaß wortwörtlich die Macht, die Welt zu zerstören.
Und dennoch hatte sie noch nie jemanden getroffen, der auch nur ansatzweise ein größeres Herz hatte – für seine riesige Familie opferte er sich auf und sie kannte auch den einen wirklichen Grund, warum alle geborgenen Schätze und erfolgreichen Beutezüge, immer an einen gewissen Ort flossen.
Im großen Kommandoraum – der im Moment mit einem riesigen Sessel ausgestattet war und eine Menge medizinisches Equipment  beinhaltete – herrschte so früh noch völlige Ruhe. Thatch ging gerade mit den aktuellen Dienstplänen wieder, eine Krankenschwester eilte durch den Raum und kritzelte etwas auf eine Akte und Whitebeard nahm einen tiefen Schluck aus seiner mächtigen Tasse. Diesmal war es immerhin Kaffee.

Vinn schlenderte weiter in den Raum, lächelte mild über den grätigen Blick der Krankenschwester und trat vor ihren Captain. Die grauen Augen sahen freundlich auf sie hinab und wie so oft, spielte ein mildes Lächeln um seine Lippen. „Ah, Vinnera. Guten Morgen“, brummte er und sie lächelte breit. „Hallo, Captain. Wieder wehleidig?“, fragte sie und er winkte ab. Es war jedes Mal ein Drama, ihm einen neuen Zugang zu legen. Die Krankenschwester trat zu ihr und hob drohend einen Finger in seine Richtung. „Er hat gerade seine Medikamente bekommen und sich nur widerwillig einen neuen Zugang legen lassen.... er sollte etwas schlafen, denk daran, Vinn.“ Die Stimme der anderen Frau war herrisch und Vinnera nickte sofort. „Sicher, ich achte darauf“, murmelte sie folgsam und wartete, bis die Frau die Tür hinter sich schloss und sie damit allein im Raum waren. Dann prustete sie los.
„Schon wieder?“, fragte sie lachend und er zuckte nonchalant mit den Schultern. „Du weißt, dass ich das alles nicht mag. Es ist lästig und schmerzhaft.“ Vinn nickte, legte ihre Unterlagen auf einen kleinen Arbeitstisch und trat näher. Wie selbstverständlich stellte er seine Tasse zur Seite und mit beiden Händen griff er vorsichtig nach ihr, um sie hoch zu heben. Mit über 6,60 Metern Größe, war er im Vergleich zu ihr gewaltig – Vinnera war nur 1,72 Meter groß. Sachte stellte er sie auf seinem Oberschenkel ab und neigte sich zu ihr hinab – damit sie einen federleichten Kuss auf seinen Mundwinkel drücken konnte. Ihr Lächeln war verlegen, während er zufrieden wirkte.

Zwischen ihnen gab es mehr, als es geben sollte –  das, würde der Rest der Welt wohl sagen. Für die Welt war er ein alter Pirat und sie ein junger Rookie, die beide zu viel füreinander über hatten. Für die Welt, war das zwischen ihnen beiden nicht akzeptabel.
Für Vinnera war es jedoch alles – Verständnis, Anleitung, Entgegenkommen, Familie, Wärme, Neugier, Lust, Verlangen... die Liste war endlos. Ihre Interessen glichen sich mit seinen fast genau ab, sie las meist seine Gedanken schon, bevor er sie selbst kannte - und nicht selten wusste er was sie tat, bevor sie es wusste. Es war eine Art Seelenverwandtschaft, die sich in zwei völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten zeigte.
Obwohl sich Edward lange dagegen gesträubt hatte, hatte er diese etwas andere Beziehung irgendwann doch zugelassen. Er erlaubte ihre viele Dinge – Berührungen, Küsse, lange Gespräche bis tief in die Nacht und sie hatte schon oft bei ihm geschlafen. Und das zwischen ihnen war ein Geheimnis, dass niemand kannte. Weder die Crew, noch ein Commander, oder gar der Vize. Und so sollte es auch bleiben.

Edward brummte mild, als sie ihre Wange kurz an seine schmiegte und dann vorsichtig auf seinem Oberschenkel balancierte, um sicher zu stehen. „Wie geht´s dir heute?“, fragte sie besorgt und er winkte sofort ab. „Sehr gut, sehr gut. Du weißt, dass du dir keine Sorgen machen musst.“ Sie lächelte traurig. Seine Gesundheit ließ schon seit einigen Jahren zu Wünschen über und mittlerweile war er auf starke Medikamente angewiesen. Es gab Tage, an denen sogar Maschinen sein Blut reinigten und ihn überwachten. Er hasste es, aber es gab seiner Familie ein besseres Gefühl und stärkte seinen Körper.
Vinnera deutete auf die Unterlagen auf dem kleinen Beistelltisch. „Ich habe die restlichen Seekarten überarbeitet. Wir könnten Villeroy Port ansteuern, wenn du möchtest – die Insel der Glaskunst. Sie soll am Abend in allen Farben der Welt leuchten“, flüsterte sie begeistert und er lächelte angetan. „Du bist zu intelligent, meine Kleine. Noch nie hat jemand herausgefunden, wo sie sich befindet: es gab nur 5 Log Ports dort hin, soweit ich weiß.“ Sie nickte sofort. „Ich weiß! Das habe ich schon gelesen. Aber es war nicht zu schwer: die alten Karten der Rocks Piraten, waren sehr nützlich. Gut, dass du die nie weggeworfen hast. Möchtest du denn überhaupt dort hin?“, fragte sie zögernd.
Er nickte. „Sicher. Es macht dir Freude, ich sehe etwas Neues und die Crew hat einen Landgang dringend nötig. Redest du mit Marco?“, fragte er müde und sein Tonfall hatte bereits eine Spur Erschöpfung. Sie lächelte warm. Die Medikamente wirkten langsamer, aber waren wie immer zuverlässig. „Sicher, mache ich. Ruh dich aus. Schlaf gut.“ Damit hauchte sie einen Kuss auf die warme Haut seiner breiten Schulter, brachte ihre Teufelskraft in Gang und mit schwarzem Nebel, huschte sie zur Tür. Mit einem letzten Blick, verschwand sie und ließ Whitebeard schlafend zurück.

Ihren Vize fand sie, wo er meist war – in seinem Büro, begraben unter Bergen von Arbeit. Marco der Phönix war Vize, Commander der 1. Division und Schiffsarzt, auch wenn er Letzteres, an ein großes Ärzteteam abgegeben hatte. Marco winkte sie herein, als sie leise klopfte und mitleidig lächelnd trat sie näher. Der Raum war hell, schön und sporadisch eingerichtet – und schwamm nur so vor Akten, Dokumenten und Papierstapeln. „Wow, du bist seit gestern genau 4 cm weiter gekommen, was?“ Der Stapel an Dokumente war kaum kleiner geworden. Ungefragt setzte sie sich auf den Holzstuhl vor seinen Schreibtisch.
Marco war mit etwas über 2 Metern deutlich größer als sie, muskulös gebaut und attraktiv. Seine so ruhige, gefasste Art war auf dem ganzen Schiff ein Magnet und die Crew geriet erst in Panik, wenn Marco nicht zur Stelle war. Sie hatte ihre Schwärmerei für ihn irgendwann überwunden, denn er schien an weiblicher Gesellschaft, so gar kein Interesse zu zeigen. Und er war schlichtweg immer überarbeitet und eingespannt in wirklich alle (absolut alle) Belange des Schiffs.
Sie deutete auf seine Unterlagen, die sie schon am Vortag mit ihren eigenen Aufzeichnungen erweitert hatte. „Der Captain möchte Villeroy Port besuchen. Ich habe den Kurs ausgeschrieben und ins Logbuch gelegt – wenn du möchtest, kannst du ihn gleich gegenzeichnen.“

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