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Happily ever after?!

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Detlev Grün Ellen Bannenberg Emily Bannenberg Mario Korthals Nikolas Heldt
13.09.2020
05.01.2022
70
115.185
15
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
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20.09.2020 1.041
 
EMILY POV

Lu und ich haben den ganzen Abend Junkfood in uns reingestopft, Musikvideos geschaut und über unsere Klassenkameraden gesprochen. Sie steht neuerdings auf Micha, den absoluten Oberchecker der Klasse. Zumindest ist er das in meinen Augen. Aber Lu ist scheinbar nicht von ihm abzubringen. Leon ist – finde ich – viel netter. Er ist aufmerksam, witzig, sportlich und außerdem hat er die tollsten braunen Augen, die man sich nur vorstellen kann!

Jedenfalls wurde es total spät, um halb zwei fielen wir langsam in den Schlaf. Geweckt werde ich reichlich unsanft durch das Klingeln meines Handys. Ich muss wohl vergessen haben, den Ton auszustellen schimpfe ich mich selbst, bevor ich auf das Display schaue. Na klar. Samstags morgens um sieben kann es nur sie sein, die mich anruft. Mama. Andererseits total verwunderlich, normal ruft sie mich nur an, wenn es etwas wirklich Wichtiges gibt, wenn ich bei Freunden bin.
Verschlafen melde ich mich am Telefon „Ja Mama, was gibt’s?“ und fahre sofort hoch, als ich die fremde Stimme am anderen Ende der Leitung höre.

„Wenn du ‚Mama‘ noch einmal lebend wiedersehen möchtest, rate ich dir, gut zuzuhören! Ich habe sie in meiner Gewalt. Morgen früh, Punkt 10:00 Uhr wirst du mir 1 Million Euro Lösegeld übergeben. Ich melde mich eine Stunde vorher bei dir, um dir den Ort zu nennen. Kein Wort zur Polizei oder die Frau Staatsanwältin wird nie wieder im Gerichtssaal sitzen können.“ – klick. Aufgelegt.

Wie paralysiert sitze ich auf meiner Matratze. Lu ist inzwischen aufgewacht und versucht, mit mir zu sprechen. Ich reagiere nicht. Ich bin wie in Schockstarre, kann nicht sprechen, nicht denken, nicht handeln. So viele Gedanken kreisen mir durch den Kopf. Doch am häufigsten ein Satz. Nicht auch noch Mama. Nicht Mama. Nicht sie. Nicht meine Mutter. Sie ist die einzige Person, die ich noch hier habe. Die einzige, die sich um mich sorgt, die für mich sorgt. Ihr ganzes Leben nach mir ausgerichtet hat. Die einzige Person, die ich wirklich bedingungslos liebe. Und die mich bedingungslos liebt. Sie darf mir nicht genommen werden. Aber wie kann ich das Lösegeld besorgen? Wie soll ich so viel Geld zusammen bekommen? Ich weiß gar nicht, wie viel Geld wir haben, aber Mama hat doch keine Million. Oder? Nein sicher nicht. Abgesehen davon, ich habe gar keine Möglichkeit, auf ihr Konto zuzugreifen. Und wenn ich das versuchen würde, würde die Bank sicher die Polizei informieren. Und das darf nicht passieren. Wie kann ich Mama helfen? Wie kann ich sie retten? Was soll ich tun?

Nikolas kommt mir plötzlich in den Sinn. Er liebt Mama. Mindestens genauso wie ich. Er würde alles für sie tun. Aber er ist Polizei, ich kann ihn nicht kontaktieren.
Lu redet immer noch auf mich ein. So langsam nehme ich wahr, was sie sagt „Emily, jetzt rede doch. Was ist los? Wer war am Telefon? Wieso sagst du nichts?“
„Me...“ Ich räuspere mich. „Meine Mutter…“
„Was hat sie denn gesagt, dass du so reagierst? Ist irgendwas passiert? Oder bist du nur sauer, weil sie uns so früh geweckt hat?“
„Nein. Also nein ich bin nicht sauer. Nicht auf meine Mutter. Das war nicht sie. Das war ein fremder Mann… er... er sagte, er… habe sie entführt. Ich muss 1 Million Euro besorgen. Bis morgen früh. Und er will nicht, dass ich zur Polizei gehe…“

„Ja klar Emmi, du verarschst mich doch! Oder…?“ Lu sieht mich besorgt an. So langsam scheint sie zu begreifen, dass das mein voller Ernst ist. Ich meine, wann hat sie mich jemals so gesehen?
„Ich weiß nicht, ob ich Nikolas anrufen soll… einerseits würde er mir hundert pro helfen. Andererseits – er ist Polizist! Man, was soll ich tun?? Ich muss das Geld organisieren! Aber wo kriege ich 1 Million Euro her??“
„Ey Emmi, ganz ruhig, okay? Wir finden eine Lösung. Und ja, du rufst jetzt sofort Nikolas an. Ganz im Ernst, würde dem jemand glauben, dass er Polizist ist? Nein. Also ist er unsere beste Wahl. Wir brauchen Hilfe!“

Lu hat Recht. Niemand glaubt Nikolas einfach so, dass er Polizist ist, davon hat Mama mir so häufig erzählt. Und sind wir mal ehrlich. So wie er rumläuft, kein Wunder! Vor allem, wenn man ihn mit Herrn Grün vergleicht.
Ich nehme mein Handy zur Hand und suche seine Nummer im Verzeichnis heraus. Oh man, ich hoffe, er ist schon wach und nicht noch halb komatös, weil er wegen Mama sicher die halbe Nacht mit Achmed in der Brennbar verbracht hat.
Doch ich habe Glück, bereits nach dem zweiten Tuten nimmt er ab und meldet sich „Hey Emily, was gibt’s?“
Stockend berichte ich ihm, was gerade vorgefallen ist und kann förmlich hören, wie Nikolas komplett nervös hin- und her tingelt. Als ich fertig bin, höre ich von ihm „Hör zu Emily. Wir schaffen das, okay? Wir helfen Ellen, wir organisieren das Geld, wir schnappen den Entführer und wir werden sie da gesund rausholen, okay?“
Ich nicke in den Hörer, doch Nikolas ist schon weiter: „Von welchem Apparat hat der Entführer angerufen? War es das Handy deiner Mutter oder war es eine andere Nummer? Wie hat er geklungen, meinst du, du würdest seine Stimme wiedererkennen? Hat er noch etwas anderes gesagt? Hast du im Hintergrund etwas hören können?“

„Ähm… nein. Also er hat von Mamas Handy aus angerufen, ja. Aber er hat nur das gesagt, was ich dir widergegeben habe. Und sonst habe ich nichts gehört. Aber ich war ja auch gerade erst aufgewacht. Meinst du, ich habe etwas überhört?“
„Nein Emily, mach dir keine Sorgen. Das war reine Routine. Ich fahre jetzt ins Präsidium und werde Herrn Grün und Korthi einweihen. Wir müssen versuchen, Ellens Handy zu orten, vielleicht ist der Täter ja dumm genug und hat es angelassen. Ich hole dich auf dem Weg dahin ab, schick mir die Adresse deiner Freundin. Ich möchte dich nicht allein lassen, okay? Egal, was passiert, egal, was mit Ellen und mir ist, Emmi, ich bin für dich da, ja? Ich möchte, dass du das weißt!“
„Danke… Danke Nikolas. Aber wenn der Entführer euch beobachtet? Ich mein, er weiß immerhin, dass Mama Staatsanwältin ist!“
„Wir passen auf. Keine Sorge. Wir haben genug Eingänge am Gebäude, dass keiner mitbekommen muss, dass wir dort sind und woran wir arbeiten. Wir schaffen das. Also bis gleich!“
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