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Happily ever after?!

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Detlev Grün Ellen Bannenberg Emily Bannenberg Mario Korthals Nikolas Heldt
13.09.2020
05.01.2022
70
115.185
15
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13.09.2020 872
 
ELLEN POV

Vor zwei Wochen habe ich mich von Nikolas getrennt. Ich hatte gedacht, dass wir wirklich eine Chance haben. So lange haben wir gebraucht, um zueinander zu finden. So viele Steine wurden uns immer wieder in den Weg gelegt. Und doch sind da Gefühle für diesen Mann, die ich mir nicht erklären kann. Die mir unheimlich sind. Weil sie so massiv sind. Noch nie habe ich so gefühlt. Noch nie habe ich mich so hilflos, so meinen Emotionen ausgeliefert gefühlt wie mit ihm.
Ich fühlte mich überrannt. Nun war er endlich „mein“. Wir hatten diese permanente Schwelle, die immer zwischen uns gelegen hatte, überschritten. Aber ich konnte es nicht in mein Leben integrieren. Ich fühlte mich hin- und hergerissen zwischen dem, was mein Leben war, was ich unter Kontrolle hatte, wo ich genau wusste, was wann wie geschehen würde und zwischen dem, was Nikolas daraus machte. Was wir daraus machten.

Wir hatten eine hitzige Diskussion. Gerade hatte Emmi herausgefunden, weshalb ich die letzten Wochen so „verpeilt“ gewesen war, wie sie es ganz galant formuliert hatte. Nikolas war einen Tag später von seiner Fortbildung aus Hamburg zurückgekehrt und wir hatten uns natürlich direkt getroffen. Videotelefonie war eben doch kein Ersatz, wenn man so fühlte wie wir.
Nikolas hatte vorgeschlagen, unsere Beziehung weiter nach außen zu tragen. Seiner Meinung nach war es nun auch egal, wenn die Menschen, die uns am wichtigsten waren, sowieso schon Bescheid wussten. Aber ich, ich fühlte mich überfordert. Ich fühlte mich überrumpelt. Ich wollte das nicht so schnell entscheiden müssen.
Im Präsidium hängt in meinen Augen doch eben eine ganze Menge mehr an unseren Positionen, als im Privaten. Was, wenn es nicht gut ginge? Was, wenn wir private Diskussionen in unseren beruflichen Alltag tragen? Was, wenn darunter Ermittlungen oder gar Rechtsverfahren litten? Immerhin könnte man uns eine gewaltige emotionale Befangenheit unterstellen.
Nikolas sah das ganze jedoch vollkommen anders als ich. So ergab ein Wort das andere und am Ende setzte ich ihn vor die Tür.

Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich tatsächlich richtig entschieden habe. Aber könnte ich so einfach zurückrudern? Könnte ich zu Nikolas gehen und ihn davon überzeugen, es noch einmal gemeinsam zu versuchen? Er ist der einzige, mit dem ich es mir vorstellen kann, mein Leben weiterhin zu teilen. Für den ich bereit wäre, alles auf mich zu nehmen. Aber ich habe ihn verletzt. Ich habe einen Keil zwischen uns größer werden lassen als das, was uns über Jahre aneinander geschweißt hat.

Seit zwei Wochen ist Nikolas krank. Das macht mir zu schaffen, zeigt es doch, wie sehr ihn unser Streit und unsere Trennung mitnimmt. Nikolas ist nie krank. Er nimmt auch nie Urlaub. Ich hoffe, er kommt nach dem Wochenende wieder ins Präsidium. Ich weiß nicht, wie sich das mit uns weiter entwickeln wird, ich hoffe jedoch, dass wir zumindest beruflich normal miteinander umgehen können. Und ich es vielleicht doch schaffe, ihn davon zu überzeugen, mir nochmal eine Chance zu geben. Dass er uns eine Chance gibt. Es ist eben nicht so einfach, sich auf jemand anders einzustellen, wenn man noch nie so gewaltig gefühlt hat, noch nie so fern ab von allen rationalen Entscheidungen stand und dennoch zumindest das Gefühl von Kontrolle wahren möchte.

Ich komme Zuhause an und Emmi wartet auf mich. Sie ist ebenfalls nicht sehr gut auf mich zu sprechen. Sie hat natürlich mitbekommen, was passiert ist und versteht meine Position nicht so ganz. Zumindest aber muss ich ihr zu Gute halten, dass sie mit mir gesprochen hat und versucht hat, mich zu verstehen. Das ist in letzter Zeit nicht so häufig der Fall. Dass wir Dinge ausführlich besprechen, bevor sie sich ein Urteil bildet.
In ihren Augen sollte ich „mal locker bleiben“ und schauen, „was da so auf Nikolas und mich zukommt“. Sie meinte – und dafür liebe ich sie! – wir seien ein tolles Paar und Nikolas der beste Partner, den sie mir hätte wünschen können.
Wir kochen gemeinsam unser Abendbrot, bevor Emmi das Wochenende bei einer Freundin verbringen möchte. Mein großes Mädchen wird flügge. Aber immerhin scheint ihr unsere Regel „eine gemeinsame Mahlzeit am Tag“ noch genauso wichtig zu sein wie mir.
Und ich weiß, dass ich mich auf Emmi verlassen kann, dass ich ihr vertrauen kann. Dass sie auf sich aufpasst und sich bei Problemen an mich wenden wird. Also kann ich sie auch getrost ziehen lassen zu ihrer Freundin.

Ich beschließe, den Abend auf dem Sofa ausklingen zu lassen. Ein Glas Wein, eine Schale mit Schokolade, das Sofa, der Fernseher und ich. In meinen Augen perfekt, um mich noch ein wenig weiter in meinem Selbstmitleid zu suhlen. Ich zappe durch die Programme, finde jedoch nichts Gescheites. Gerade, als ich mein derzeitiges Buch aus dem Schlafzimmer holen will, klingelt es an der Tür. Sofort meldet sich in mir die vage Hoffnung, Nikolas könne es ähnlich gehen wie mir und er wolle ebenso über unsere Situation sprechen wollen wie ich. Zögernd öffne ich die Haustür, immer in der Hoffnung, es möge dieser einzige Mann davor stehen, den ich überhaupt sehen wollen würde.
Kaum habe ich die Tür jedoch nur ansatzweise geöffnet, wird sie von außen brutal aufgedrückt, ich sehe eine Gestalt auf mich zukommen, spüre einen schmerzhaften Schlag auf den Kopf und daraufhin nichts mehr.
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