Zwischen Angst und Vertrauen

von Loocy
GeschichteRomanze, Angst / P18 Slash
Gavin Reed OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor WR400 North WR600 Ralph
13.09.2020
28.10.2020
10
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Vorwort

Hallo liebe Leserinnen und Leser,
es ist schon viele Jahre her, seit ich das letzte Mal auf FanFiktion.de ein Projekt veröffentlicht habe. Aber nun wird es wieder Zeit und ich freue mich sehr darüber. Detroit Become Human fasziniert mich inzwischen schon fast zwei Jahre und als ich das Spiel vor wenigen Wochen mit zwei Freunden mal wieder durchgespielt habe, wollte ich gar nicht wahrhaben, dass die Geschichte der Androiden ausgerechnet dann vorbei war, als es unsagbar spannend wurde.
Beim Stöbern in dieser FanFiktion-Kategorie habe ich bemerkt, dass es schon einige Werke gibt, die sich mit der Zeit nach der Revolution/Demonstration beschäftigen – und das kann ich gut nachvollziehen. So gut, dass auch meine Geschichte ein paar Wochen nach der Revolution seinen Anfang findet. Ich hoffe, es gibt noch genug Leserinnen und Leser, die das nicht als störend oder langweilig empfinden.
Es sei im Vorwort nochmal darauf hingewiesen, dass ich zwei eigene Charaktere als Hauptcharaktere einführe - wie ihr vielleicht auch schon aus der Kurzbeschreibung entnommen habt. Blake und Avianna werden auf unterschiedliche Weise mit Androiden, aber auch mit Menschen konfrontiert werden, die ihr Leben sowohl erschweren als auch bereichern.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt. Auch von Charakteren, die aus Detroit Become Human bereits bekannt sind. Die Kapitel werden erstmal etwas kürzer gehalten. Dafür werde ich mich bemühen, wöchentlich ein bis zwei Kapitel hochzuladen.
Eure Meinungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge nehme ich liebend gerne entgegen. Das hilft mir immer weiter.
Viel Spaß beim Lesen.


Kapitel 1 - Geschädigte Nerven

Mittwoch, 08. Dezember 2038
04:03 Uhr
Haus der Geschwister Hemmingworth
Hartwell Street, Detroit


BLAKE
Er konnte diese eine Erinnerung nicht mehr ertragen, doch war es ihm nicht möglich, davor wegzulaufen. Die letzten drei Tage hatte er es voller Verzweiflung versucht und wollte nur noch diese Bilder aus seinem Kopf vertreiben, die ihn immer wieder höllisch quälten. Aber die stechend rote Farbe des Blutes, die angeschwollene und befleckte Haut, die geschlossenen Augen und der erschlaffte Körper seiner großen Schwester wollten nicht aus seinen Erinnerungen weichen. Sie blieben hartnäckig an Ort und Stelle, bewegten sich keinen Zentimeter in Richtung des Vergessens. Er war ihnen machtlos ausgeliefert. Das zerstörte ihn. Vorwürfe, Angst, und Hass zerrten an seinem Verstand. Er hätte in diesem Moment neben der Bar mehr tun sollen. Warum war es ihm nicht möglich gewesen, seine Schwester vor all dem Unheil zu beschützen? Er würde sich den Rest seines Lebens jeden Tag dafür hassen. Seinetwegen war Blair im Krankenhaus und würde sich nicht allzu schnell wieder erholen. Es war furchtbar.

Mit Tränen in den Augen saß der 18-jährige Junge auf dem glatten Holzboden, den Rücken in krummer Haltung gegen die Wand gelehnt und das Gesicht in seinen Händen vergraben. Es war 4 Uhr morgens und noch dunkel draußen, sodass Blake im Wohnzimmer nur von Schwärze umgeben war. Der blasse Mond erhellte den Raum dürftig, wurde aber größtenteils von den schweren Stoffvorhängen zurückgehalten. Es war nicht das erste Mal, dass der Junge mitten in der Nacht aufwachte, aus dem Bett flüchtete und sich erschöpft an irgendeiner Stelle des kleinen Hauses niederließ. Dies geschah so oft, dass er gar nicht mit dem Zählen hinterherkam.

Diese Momente wirkten wie eine Fortführung seiner Albträume, weil er sich im wachen Zustand meist genauso furchtbar fühlte wie in seinem Schlaf. Gemächlich versuchte Blake ein und auszuatmen, das Schluchzen zu unterbinden und die Tränen zu trocknen. Gerade das Atmen war ihm wichtig. Darauf musste er achten. Sein Gehirn sollte es nicht wieder vergessen. Bestimmt saß er hier schon eine halbe Stunde. Seine Nase war ganz verstopft und sein Kopf fühlte sich merkwürdig voll und schmerzhaft an. Die Verzweiflung wegen seiner Krankheit und jetzt auch noch die Schuldgefühle wegen seiner verletzten Schwester fraßen ihn innerlich auf, verschlangen jeden Tag einen Teil mehr von ihm, bis nichts mehr übrigbleiben würde. Blake wollte das nicht zulassen, nur war er momentan wieder so schwach und gebrochen, dass seine Stärke sich verkriechen musste. Schwerfällig erhob sich der Junge vom Boden und trottete in den Flur, anschließend ins Badezimmer.

Sein Blick war noch ganz verschwommen, sodass er zunächst die Tränen aus seinen Augenwinkeln wischte und anschließend mit den feuchten Händen den vergilbten Lichtschalter betätigte. Als das Bad von dem künstlichen Schein erfüllt wurde, blinzelte Blake mehrmals, bis sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten. Er tapste barfuß über die Fliesen und erschrak sich über die Kälte, die sogleich in seine Füße kroch. Erst der wollige Badvorleger, der neben dem Waschtisch auf dem Boden lag, ließ ein angenehmes Gefühl aufkommen. Blake schaute in der nächsten Sekunde in den rechteckigen Spiegel, der vor ihm an der Wand hing und definitiv schon bessere Zeiten hinter sich hatte. Der linke Rand war leicht zersplittert und eine Kante komplett abgebrochen, sodass man kaum noch von einem korrekten Rechteck sprechen konnte. Wann war das nochmal passiert? Er wusste es nicht. Viel mehr konzentrierte sich Blake also auf sein eigenes Gesicht. Er sah ganz ausgelaugt aus, mit aufgedunsenen Wangen und Augen, strubbligen dunkelblonden Haaren, die leider schon ziemlich fettig wirkten und seinem sowieso angeschlagenen Aussehen nicht gerade schmeichelten.

Aufmerksam beobachtete er im Spiegel, wie sich sein Brustkorb hob und senkte, öffnete die Lippen und spürte, wie der kostbare Sauerstoff in seinen Körper floss. Warum konnten sich sein verdammtes Gehirn und sein verdammtes Nervensystem nicht merken, auch im Schlaf weiter zu atmen? Seine Verzweiflung wurde von einer lästigen Wut verdrängt, woraufhin Blake seine Hände an den Rand des Waschbeckens krallte, immer fester, als könnte er sich an dem Einrichtungsgegenstand für sein erbärmliches Leben rächen. Natürlich funktionierte das nicht. Er litt schon im Alter von 9 Jahren an dem zentralen Schlafapnoe-Syndrom, welches kurz gesagt bedeutete, dass seine beschissene Atemmuskulatur regelmäßig versagte, weil sein Körper nicht verstand, dass Sauerstoff überlebenswichtig für seinen Organismus und für seine Zukunft war. Obwohl diese Zukunft momentan auch nicht sonderlich verlockend wirkte. Ohne Blair fühlte er sich in diesem Haus nicht wohl.

Die Vorstellung, dass seine große Schwester momentan mit Gehirnerschütterung und gebrochenen Rippen im Krankenhausbett lag, trieb Blake erneut die salzigen Tränen in die Augen. Noch schlimmer war aber der Gedanke, dass die Täter draußen noch frei herumliefen. Kaum dachte er daran, fühlte er sich auch schon an den Samstagabend zurückversetzt, an die wenigen aber ereignisreichen Momente in der Phoenix Bar. Es war eine miserable Idee gewesen, sich dort mit Rick, Nael und Vanessa aus der Schule das allererste Mal zu betrinken. Die Klausurenphase in seiner High School war so gut gelaufen, dass sie einfach nur feiern wollten und dabei ein großes Risiko eingegangen waren. Schließlich waren 17 und 18-Jährige nicht befugt, sich spät in der Nacht in einer Bar ordentlich viel Alkohol zu gönnen. Dennoch hatte Blake und seine Freunde nichts davon abgehalten, es zu versuchen. Scheiße, er wünschte, er hätte sich an diesem Abend einfach mit Blair einen Film angesehen. Oder wäre früh uns Bett gegangen. Doch er konnte es nicht mehr ändern.

Das Bild, wie dieser brutale schwarzhaarige Android auf Blair eingeschlagen hatte, geriet direkt vor Blakes inneres Auge und er zuckte erschrocken zusammen. Doch er war nicht der einzige Mistkerl gewesen, der Blair etwas angetan hatte, denn ein Mensch - schlank und mit Gesichtsbemalung - hatte auch noch einige Tritte ausgeteilt. Das widerwärtige Lachen dieses Mannes echote in Blakes Verstand und ein bitterer Schluchzer bahnte sich einen Weg an die Oberfläche.

„Lass das bloß nicht Jericho wissen“, hatte der Mann letztlich zu dem Androiden gesagt, dessen Gesicht große Ähnlichkeit mit dem eines Asiaten hatte. Diese Worte würde Blake sich ewig merken können. Genau wie diese elenden Visagen der Täter. So schnell er nach den schrecklichen Ereignissen gekonnt hatte, war er im Internet unterwegs gewesen und hatte herausgefunden, dass es sich bei dem Androiden um das Modell HR400 handelte. Vor der Revolution wurden diese Maschinen hauptsächlich als Sexualpartner im Eden Club angeboten. Über Jericho hatte Blake gar nicht erst recherchieren müssen. Seit Wochen war diese Fraktion in aller Munde. Eine große Gruppe von Androiden, die zu Abweichlern geworden waren und immer stärker Gleichberechtigung zwischen Menschen und Maschinen forderten. Blake holte Luft.

Die Polizei hatte bisher wegen des Vorfalls neben der Bar noch keinen Finger gekrümmt, was hauptsächlich daran lag, dass die Beamten aktuell alle Hände voll zu tun hatten. Die Revolution der Androiden prägte seit kurzer Zeit ganz ausschlaggebend den Alltag Detroits und der ganzen USA. Blake wollte sich jetzt aber keine ausschweifenden Gedanken zu den Anti-Android-Protesten oder anderen kritischen Dingen machen, denn das wurde schon zu genüge in der Schule durchgekaut. Die Abweichler waren überall das heiß diskutierte Thema. Blake fuhr sich unruhig durch die Haare und dachte wie die letzten paar Tage daran, den Androiden auf eigene Faust aufzuspüren.

Er wusste, wo Jericho war. Jeder wusste das, so breit wie in den Medien darüber berichtet wurde. Demnach könnte Blake sich dort ein wenig umsehen, oder nicht? Natürlich ahnte er, dass es nicht die beste und bei weitem nicht die sicherste Idee war - aber er konnte nicht tatenlos rumsitzen. Das machte ihn fertig und ließ ihn noch schlechter schlafen als sowieso schon. Die dunklen Ringe, die er seit Jahren täglich unter den Augen hatte, weil er nachts wegen Atemnot ständig aufwachte oder gar nicht mehr schlafen konnte, waren seit Samstag noch stärker geworden. Er wollte eine Chance, alles wieder gut zu machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Nervös biss er sich auf die Innenseite der Wange und hatte mit einem Mal einen felsenfesten Entschluss getroffen. Er würde sich in Jericho einschleusen.
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